[0001] Die Erfindung betrifft eine für mehrere Spurweiten einsetzbare Gleisschwelle aus
Beton.
Es gibt Länder, deren Bahn auf einem Gleisnetz verkehrt, das eine von den Netzen der
Nachbarstaaten abweichende Spurweite aufweist. Im Zuge einer Verbesserung des länderübergreifenden
Verkehrs ist von einzelnen Staaten vorgesehen, ihre abweichende Gleisspur der der
übrigen Staaten anzugliedern. Eine derartige Umstellung läuft über einen längeren
Zeitraum, über den dann zwei Spursysteme nebeneinander bestehen. Solange eine Umstellung
zwar beschlossen, der genaue Zeitpunkt für die Umstellung aber noch nicht festgelegt
ist, müssen sanierungsbedürftige Strecken u. U. noch mit alter Spur erneuert werden.
Für derartige Strecken wäre bei der Umstellung innerhalb kurzer Zeit eine zweite Erneuerung
aufgrund der Spurveränderung erforderlich, da keines der bekannten Oberbau- und Schwellensysteme
für die Verwendung bei Gleisen mit mehreren Spuren vorgesehen ist. Für Spurwechsel,
bei denen der Unterschied der Spurweiten so groß ist, daß die für die Montage der
Schienen auf der Schwelle benötigten Bereiche auf der Oberfläche der Schwelle für
die verschiedenen Spurweiten unabhängig voneinander Platz finden, ergibt sich eine
naheliegende Lösung dadurch, daß die für die Schienenbefestigung der Gleise für beide
Spuren in der Schwelle benötigten Mittel und Flächen von vornherein in üblicher Weise
getrennt nebeneinander vorgesehen werden. Dann brauchen die Schienen und die Schienenbefestigungsmittel
beim Spurwechsel nur in die geänderte Position umgesetzt zu werden.
[0002] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, auf der Basis bekannter Schwellentypen
- beispielsweise der B 70 der Deutschen Bundesbahn - einen Schwellentyp zu entwickeln,
mit dem eine für eine Primärspur eingelegte Schwelle beim Übergang auf die Sekundärspur
auch in den Fällen liegen bleiben kann, in denen die für die Schienenmontage der beiden
Gleisspuren benötigten Schienenauflageflächen auf der Oberfläche der Schwelle sich
überschneiden.
[0003] Die Aufgabe wird durch eine Schwellenausbildung gelöst, wie sie im kennzeichnenden
Teil des Anspruchs 1 beschrieben ist. Zur Lösung der Aufgabe werden die zugeordneten
Auflageflächen der Schienen aller vorgesehenen Gleisspuren auf der Schwelle - im praktisch
vorkommenden Fall nur von zwei Gleisspuren - in eine durchgehende Ebene gelegt und
wird die Schwelle mit den für die Schienenbefestigung der Schienen beider Gleisspuren
auf der Schwelle erforderlichen Mitteln - und soweit diese in der Auflage- und Verschiebeebene
der Schienen über die Oberfläche der Schwelle hinausstehen, nur mit den Teilen, die
in den Beton der Schwelle eingebaut sind - von vornherein bei der Herstellung und
vor der ersten Verlegung ausgerüstet. Dann können Verschiebungen der Schienen auf
der Schwelle bei einem Spurweitenwechsel ohne Veränderung und Aufnahme der Schwelle
allein durch Umsetzen der beiden Schienenstränge des Gleises vorgenommen werden. Ausgestaltungen
der Erfindung enthalten die Unteransprüche 2 - 7. Diese Ausgestaltungen beziehen sich
auf vorteilhafte Ausbildungen der Schienenbefestigung auf der Schwelle.
[0004] Nach Anspruch 2 werden das äußerste und das innerste Widerlager für die Winkelführungsplatten
verstärkt, indem die Nuten an ihren jeweils abgekehrten Seiten in auf die Schwelle
aufgesetzte Höcker übergehen und so tragfähigere Schultern bilden.
[0005] Nach Anspruch 5 wird die Haltekraft, die Seitenstöße des Gleises aufnimmt, ohne
ein ausgebildetes Widerlager für die Winkelführungsplatten nur durch Reibung zwischen
der Winkelführungsplatte und der Schwellenoberfläche der Schwelle erzeugt. Der erforderliche
Anpreßdruck wird durch eine Klemmfeder aufgebracht, die mit durch Momentenschlüssel
exakt bemessener Kraft einer Befestigungsschraube angepreßt wird. Diese Variante ergibt
Vereinfachungen in der Herstellung der Schwelle wie auch der Befestigungsmittel der
Schiene.
[0006] Anspruch 6 zeigt eine Lösungsvariante für eine Schwellenkonstruktion, die als seitliches
Widerlager gegen Verschiebungen des Schienenfußes an sich bekannte Stahlschultern
benutzt. Die innenliegenden Stahlschultern müssen für den besonderen Verwendungszweck
dann zweiteilig ausgebildet sein, wobei der untere Ankerteil bündig mit dem ebenen
Verschiebebereich abschließt und der obere Kopfteil bei Bedarf in den Ankerteil einschraubbar
ist.
Eine Weiterbildung der Schwellenkonstruktion nach Anspruch 2 offenbart die Lösungsvariante
nach Anspruch 7. Die auch bei der Variante nach Anspruch 2 an beiden Rändern des Verschiebebereichs
vorhandenen, jedoch nur auf einer Seite genutzten, durch Höcker verstärkten Widerlagerschultern
werden hier durch Verwendung unterschiedlicher Winkelführungsplatten auf beiden Seiten
des Schienenfußes beidseitig zum Tragen gebracht. Da hier von den Befestigungsschrauben
kein Anpreßdruck für eine die Horizontalkräfte aufnehmende Reibungskraft erzeugt werden
muß, können die wirtschaftlicheren Standard-Schienenverschraubungen in Dübeln verwendet
werden. Bei der in der Regel vorkommenden, für zwei Spurweiten einsetzbaren Gleisschwelle
ist bei beiden Spurweiten jeweils auf einer Seite eine Standard-Winkelführungsplatte
verwendbar, während für die Platte auf der gegenüberliegenden Seite eine Sonderanfertigung
benötigt wird. Dieselben Platten können jedoch - in spiegelbildlicher Anordnung -
für beide Spurweiten eingesetzt werden.
[0007] Die Ansprüche 3 und 4 enthalten Vorschläge, um auch bei Vorhandensein einer Nut
unter der Schiene in der Verschiebefläche eine vollflächige Lagerung des Schienenfußes
zu erreichen.
[0008] Für alle dargestellten Ausbildungsvarianten einer erfindungsgemäßen Gleisschwelle
nach Anspruch l sind Dübelverschraubungen oder Durchsteckverschraubungen gleichermaßen
verwendbar. Dübelverschraubungen sind die wirtschaftlichere Ausführung. Sie können
gegenüber den Durchsteckverschraubungen geringere Zugkräfte aufnehmen. Das Eintragen
einer bestimmten gewünschten Vorspannung mit dem üblichen Mittel des Drehmomentenschlüssels
ist bei Dübelverschraubungen nicht oder nur ungenau möglich. Welcher Schraubentyp
am zweckmäßigsten einzusetzen ist, ergibt sich aus den besonderen Bedingungen des
einzelnen Anwendungsfalles.
[0009] Die Erfindung ist gleichermaßen für Spurerweiterungen und Spurverengungen anwendbar.
[0010] Die Erfindung wird anhand der Figuren 1 bis 6 erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 das Prinzip einer erfindungsgemäßen Schwelle für zwei unterschiedliche Spurweiten.
Fign. 2 - 6 Ausschnitte aus erfindungsgemäßen Schwellenausbildungen mit Schienenbefestigung
und Verschiebebereich senkrecht zur Gleisachse;
Fig. 2 mit Ausbildung des Verschiebebereichs nach Anspruch 1,
Fig. 3 mit Ausbildung des Verschiebebereichs nach Anspruch 2,
Fig. 4 mit Ausbildung des Verschiebebereichs nach Anspruch 5,
Fig. 5 mit Ausbildung des Verschiebebereichs nach Anspruch 6.
Fig. 6 mit Ausbildung des Verschiebebereichs nach den Ansprüchen 2 und 7.
[0011] Auf der Schwelle 35 sollen Gleise mit den unterschiedlichen Spurweiten 1 und 2 verlegbar
sein. lm Beispiel ist das Gleis mit der Spurweite verlegt, die Änderung auf eine geringere
Spurweite 2 ist vorgesehen. Das Gleis der Spurweite 1 besteht aus den beiden Schienensträngen
3 und 4 mit den zugehörigen Schienenauflageflächen 5 bzw. 6. Das Gleis der Spurweite
2 besteht aus den beiden Schienensträngen 7 und 8 mit den zugehörigen Schienenauflageflächen
9 und 10. Die einander zugeordneten Schienenauflageflächen 5,9 und 6,10 liegen in
einer Ebene mit dem sie übergreifenden Verschiebereich 11 bzw. 12 auf der Oberfläche
der Schwelle 35.
[0012] Bei einer Schienenbefestigung nach Fig. 2 und Anspruch 1 sind in der ebenen Oberfläche
der Schwelle 35 Nute 14/1, 14/2 eingeformt. In die Nute 14/1 greifen entsprechend
geformte Wülste der Winkelführungsplatten 15 ein, wodurch der Fuß der Schiene 3 gegen
die Schwelle 35 abgestützt wird. Die Winkelführungsplatten 15 werden über Federn von
Befestigungsschrauben niedergehalten. Die im Beispiel verwendeten Befestigungsschrauben
durchdringen in rohrhülsenförmigen Vorrichtungen 13/1 die Schwelle und sind auf der
Unterseite der Schwelle durch Muttern verankert. Innerhalb des Verschiebebereichs
11 sind auch die Vorrichtungen 13/2 und die Nute 14/2 für die Befestigung der Schiene
7 bereits bei der Herstellung der Schwelle in der Schwelle 35 eingebaut worden und
können in Funktion treten, wenn die Spurweite gewechselt wird. Fig. 2 zeigt außerdem
eine bündige Füllung der Nut 18 nach Anspruch 3, die von einer üblichen Zwischenlage
17 unter der Schiene abgedeckt ist.
[0013] Bei einer Schienenbefestigung nach Figur 3 und Anspruch 2 sind die abgekehrten Seiten
der an den Rändern der Verschiebefläche 11 angeordneten Nute 14/1 und 14/2 durch
aufgesetzte Höcker 16/1 bzw. 16/2 zu verstärktem Widerlager für die Winkelführungsplatten
15 ausgebildet. Fig. 3 zeigt außerdem eine Zwischenlage 19, an die die Füllung 20
einer Nut 14 einstückig nach Anspruch 4 angearbeitet ist. Für die Schienenstellung
mit Spurweite 2 ist die Zwischenlage 19 mit angearbeiteter Füllung 20 in spiegelverkehrter
Lage wieder einsetzbar.
[0014] Fig. 4 zeigt einen von Nuten freien Verschiebebereich 21 nach Anspruch 5. Seitenkräfte
23 aus dem Schienenfuß werden allein durch Reibungskräfte 24 zwischen der Winkelführungsplatte
22 und der Oberfläche der Schwelle 35 aufgenommen. Die erforderliche Anpreßkraft
wird durch Federn 25 aufgebracht, die von Befestigungsschrauben 26 vorgespannt sind.
[0015] Die Schwellenausbildung nach Fig. 5 und Anspruch 6 sieht Stahlschultern 28,29 für
die Befestigung der Schiene auf der Schwelle 35 vor. Dabei können für die an den Rändern
des Verschiebebereichs 36 sitzenden Stahlschultern 28 übliche einteilige, über die
Schwellenoberfläche herausstehende Stahlschultern verwendet werden. Die zwischen
ihnen im Verschiebebereich 36 angeordneten Stahlschultern 29 sind zweiteilig ausgebildet.
Der untere, in der Schwelle 35 einbetonierte Ankerteil 31 schließt bündig mit der
Verschiebefläche 36 ab. Er weist Mittel - z. B. ein Innengewinde - auf, in das entsprechende
Mittel - z. B. ein Gewindebolzen - eingreifen, die den Kopfteil 30 zug- und scherfest
mit dem Ankerteil 31 verbinden. Der Kopfteil 30 nimmt als Widerlager (Schulter) die
Horizontalkräfte und über den Federbügel 27, der im Kopfteil 30 in einer Muffe 37
gehalten ist, die Vertikalkräfte aus dem Schienenfuß auf und leitet sie in den Ankerteil
31 und die Schwelle 35 weiter.
[0016] Die Schwellenausbildung nach Fig. 6 und Anspruch 7 weist verstärkte Widerlagerschultern
14/1,16/1 und 14/2,16/2 an den beiden Rändern des Verschiebebereichs 11 auf. Die Horizontalkräfte
aus dem Fuß der Schiene 3 werden durch eine Standard-Winkelführungsplatte 33 auf die
äußere Widerlagerschulter 14/1,16/1 durch eine besonders gefertigte verlängerte Winkelführungsplatte
34 auf die innere Widerlagerschulter 14/2, 16/2 abgetragen. Bei einem Wechsel von
Spur 1 auf Spur 2 werden dieselben Platten in spiegelverkehrter Position wiederverwendet.
Mit Ausnahme der Platte 34 und des wahlweise mit ihr einstückig herstellbaren Distanzstücks
41 sind alle für die Schienenbefestigung verwendeten Teile Standardelemente. Für
die Verschraubungen 39,40 können, wie im Beispiel dargestellt, Standard-Befestigungsschrauben
und Standarddübel 38 eingesetzt werden.
1. Für mehrere Spurweiten einsetzbare Gleisschwelle, auf der Schienen durch geeignete
Mittel, die in der Schwelle verankert sind und den Schienenfuß umgreifen, gegen seitliches
Verschieben und gegen Kippen gehalten sind, dadurch gekennzeichnet, daß die Schienenauflageflächen (5,9 bzw. 6,10) zugeordneter Schienen (3,7 bzw. 4,8)
der verschiedenen Spurweiten (1,2...) auf der Schwelle (35) als ein ebener Verschiebebereich
(11 bzw. 12) auf der Schwellenoberfläche ausgebildet ist, der sich mindestens über
die Schienenauflagefläche (5 bzw. 6) der Schiene (3 bzw. 4) der größten Spur (1) bis
zur Schienenauflagefläche (9 bzw. 10) der Schiene (7 bzw. 8) der kleinsten Spur (2)
erstreckt und daß bereits bei der Herstellung für alle vorgesehenen Spurweiten (1,2
...) die zugehörigen Vorrichtungen (13/1, 13/2) für die Verankerung der Schienenbefestigungsschrauben
und die Nuten (14/1,14/2) als Widerlager für Winkelführungsplatten (15) in der Schwelle
eingebaut sind.
2. Gleisschwelle nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß jeweils nur an der äußeren Nut (14/1) der größten Spurweite (1) außen und an
der inneren Nut (14/2) der kleinsten Spurweite innen ein Höcker (16/1,16/2) aus Beton
so angeordnet ist, daß die dem Verschiebebereich (11) abgekehrte Fläche der Nute (14/1,14/2)
stetig in die dem Verschiebebereich (11) zugekehrte Fläche der Höcker (16/1,16/2)
übergeht und dort eine verstärkte Widerlagerschulter für die Winkelführungsplatten
(15) ausgebildet ist.
3. Gleisschwelle nach den Ansprüchen 1 und 2 dadurch gekennzeichnet, daß im Bereich der Schienenauflagerflächen (11) verlaufende Nuten (14/2) mit einer
paßgenauen Füllung (18) bündig mit der Schwellenoberfläche geschlossen werden.
4. Gleisschwelle nach Anspruch 3 dadurch gekennzeichnet, daß die Nutenfüllung (20) mit der elastischen Zwischenlage (19) einstückig herstellbar
ist.
5. Gleisschwelle nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß der Bereich der Schienenauflagerungsfläche (21) frei von Nuten ausgebildet ist
und daß Winkelführungsplatten (22) vorhanden sind, die die Horizontalkräfte (23) aus
dem Schienenfuß durch Reibungskräfte (24) zwischen der Winkelführungsplatte (22)
und der Betonoberfläche in die Schwelle (35) einleiten, wobei der dazu erforderliche
Anpreßdruck über Federn (25) aufbringbar ist, die von einer Befestigungsschraube (26)
ihre Vorspannung erhalten.
6. Gleisschwelle nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß an sich bekannte Befestigungen durch Federbügel (27) und Stahlschultern (28,29)
verwendet werden, wobei mindestens die inneren Stahlschultern (29) geteilt sein müssen
in einen bündig mit der Schwellenoberfläche abschließenden Ankerteil (31) und einen
oberen, mit dem Ankerteil verschraubbaren Kopfteil (30).
7. Gleisschwelle nach den Ansprüchen 1 und 2 dadurch gekennzeichnet,
daß nur die äußere Nut (14/1) der größeren Spurweite (1) und die innere Nut (14/2)
der kleinsten Spurweite (2) innerhalb des Verschiebebereichs (11) ausgebildet sind,
daß für alle Spurweiten und Schienenstellungen innerhalb des Verschiebebereichs (11)
bei seitlichen Verschiebungen des Fußes der Schiene (3) nach außen jeweils ein und
dieselbe äußere Widerlagerschulter (14/1, 16/1), nach innen ein und dieselbe innere
Widerlagerschulter (14/2,16/2) mittelbar über Winkelführungsplatten (33 bzw. 34) wirksam
werden,
daß die Winkelführungsplatten (33,34) die in der Regel ungleich großen Zwischenräume
zwischen dem Fuß der Schiene (3) und den beiden Widerlagerschultern außen (14/1,16/1)
bzw. innen (14/2,16/2) etwa maßgenau und kraftschlüssig füllen und entsprechend unterschiedliche
Abmessungen aufweisen, und
daß von der Standardausführung abweichende verlängerte Winkelführungsplatten (34)
außer mit einer Standardverschraubung (39) mindestens mit einer zusätzlichen Verschraubung
(40) auf der Schwellenoberfläche niedergehalten werden.