[0001] Die Erfindung betrifft eine photographische Silberhalogenidemulsion zur Herstellung
von Aufzeichnungsmaterialien für das infrarote Spektralgebiet.
[0002] In jüngerer Zeit sind Bildaufzeichnungsgeräte entwickelt worden, bei denen das Bild
mit einem durch einen Halbleiterlaser erzeugten feinen Lichtstrahl geschrieben wird.
Die Strahlungsemission leistungsfähiger Laserdioden liegt dabei im nahen Infrarot.
Es besteht daher ein Bedarf an infrarotempfindlichen Aufzeichnungsmaterialien, die
sich für diese Expositionsart eignen. Besonders zu beachten ist dabei, daß der Laserstrahl
jedes Flächenelement des Aufzeichnungsmaterials beim Schreibvorgang nur während einer
sehr kurzen Zeit (etwa 100 ns) belichtet und daß die Laserenergie begrenzt ist. Daher
werden in erster Linie Materialien mit hoher Infrarotempfindlichkeit bei Kurzzeitbelichtung
verlangt. Zur bequemen Handhabung ist darüber hinaus eine möglichst geringe Empfindlichkeit
im sichtbaren Spektralbereich wünschenswert.
[0003] Diese Ziele wurden bisher im wesentlichen auf zwei verschiedenen Wegen verfolgt.
Zum einen versuchte man, durch Bereitstellung neuer Sensibilisatorfarbstoffe eine
wirksamere Sensibilisierung des Silberhalogenids für den infraroten Bereich zu erreichen.
Die praktisch bedeutendste Klasse von Farbstoffen für diesen Zweck ist nach der Strukturformel
die der Heptamethincyanine. Zum anderen wurden spezielle Zusätze zur Emulsion vorgeschlagen,
durch die sich die mit einem bestimmten Farbstoff erreichte Infrarotempfindlichkeit
noch weiter steigern läßt. Als solche Zusätze wurden beispielsweise Triazinderivate
(US 3,695,888 und DE 37 20 138), Mercaptoverbindungen (US 3,457,038) und Kombinationen
von Polyethylacrylat mit Mercaptoverbindungen oder Stilbenen (EP 2 03 698) beschrieben.
[0004] Die Wirkung solcher sogenannter supersensibilisierender Zusätze ist nun aber nicht
einheitlich sondern kann je nach Art des Sensibilisierungsfarbstoffs und Emulsionstyp
sehr unterschiedlich sein. Es besteht daher nach wie vor das Bedürfnis nach weiteren
supersensibilisierenden Verbindungen für den Infrarotbereich. Es würde auch einen
erheblichen technischen Fortschritt bedeuten, wenn es gelänge, die Infrarotempfindlichkeit
weiter zu steigern. Dann könnte nämlich bei gleicher Lichtleistung des Lasers die
Aufzeichnung beschleunigt werden.
[0005] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht demnach in der Bereitstellung von
photographischen Silberhalogenidemulsionen, die Infrarot-Aufzeichnungsmaterialien
mit hoher Empfindlichkeit ergeben. Eine weitere Aufgabe ist die Bereitstellung von
Emulsionszusätzen, die supersensibilisierend auf die Infrarotempfindlichkeit von
Silberhalogenidmaterialien wirken.
[0006] Diese Aufgaben werden gelöst durch eine infrarotsensibilisierte Silberhalogenidemulsion,
die als Emulsionszusatz eine aromatische Thiosulfonsäure oder ein Salz einer solchen
Säure enthält.
[0007] Solche aromatischen Thiosulfonsäuren sind als Zusätze zu Emulsionen für Aufzeichnungsmaterialien
für den sichtbaren Spektralbereich zwar bekannt. Sie werden nach ihrer Wirkung in
solchen Emulsionen jedoch lediglich als "Klarhalter", d.h. Antischleiermittel bei
der Goldsensibilisierung oder zusammen mit aromatischen Sulfinsäuren (DD 7 376; US
2,394,198) beschrieben. In einer neueren japanischen Patentanmeldung (JP 57 176 032;
zitiert nach Chem. Abstr. 100:42996) wird auch die Verwendung von Natriumthiotosylat
(Verbindung I-2, s.u.) bei der physikalischen Reifung von Emulsionen, die danach mit
Mono-, Tri- oder Pentaamethincyaninen für sichtbares Licht sensibilisiert wurden,
beschrieben. Auch die EP 2 93 917 beschreibt die Verwendung von Thiosulfonsäuren sowie
von deren Salzen und Estern als Klarhalter in Farbfilmemulsionen. Es war jedoch bisher
nicht bekannt, daß aromatische Thiosulfonsäuren einen supersensibilisierenden Effekt
in infrarotsensibilisierten Emulsionen bewirken. Nachdem sie bisher nur als Antischleiermittel
und Stabilisatoren in für sichtbares Licht sensibilisierten Emulsionen beschrieben
waren, ist diese Wirkung für den Fachmann überraschend. Weiter wurde festgestellt,
daß die erfindungsgemäße Wirkung nur von den Thiosulfonsäuren und ihren Salzen, nicht
jedoch von anderen, diesen Verbindungen strukturell verwandten und im Stand der Technik
(DE 28 24 082-C2, EP 2 93 917-A2) mit jenen gemeinsam als Klarhalter beschriebenen
Substanzen, wie Thiosulfonsäureestern, ausgeht. Auch diese Tatsache war vom Fachmann
bei vernünftiger Würdigung des Standes der Technik nicht zu erwarten.
[0008] Bevorzugte Thiosulfonsäuren und Salze für die erfindungsgemäßen Emulsionen werden
durch die allgemeine Formel (I)

wiedergegeben. Hier bedeuten R einen ggf. auch zweiwertigen Alkyl-, Aryl- oder Aralkylrest
mit 0 bis 10 Kohlenstoffatomen und M ein Kation, vorzugsweise Alkalimetall- oder Ammoniumion,
sowie n die Zahlen 1 oder 2.
[0009] Beispiele für erfindungsgemäße aromatische Thiosulfonsäuren und deren Salze sind

[0010] Um die erfindungsgemäße Supersensibilisierung zu erzielen, muß man die Thiosulfonsäuren
bzw. ihre Salze in Mengen anwenden, die beträchtlich höher sind, als für die klarhaltende
Wirkung im Stand der Technik beschrieben. Im allgemeinen sind Zusätze von 0,1 bis
5 millimol je mol Silberhalogenid ausreichend. Besonders bevorzugt wird der Bereich
zwischen 0,2 und 2 millimol je mol Silberhalogenid.
[0011] Die erfindungsgemäßen Emulsionen enthalten einen geeigneten Sensibilisierungsfarbstoff
zur Sensibilisierung im infraroten Spektralbereich. Im allgemeinen werden hierzu Cyaninfarbstoffe
verwendet, die mehr als fünf ggf. substituierte Methingruppen aufweisen (sog. Polymethincyanine).
Bevorzugt werden Heptamethincyanine, weil sie für den nahen Infrarotbereich sensibilisieren,
der wegen der geringeren thermischen Störstrahlung und der preisgünstig verfügbaren
Halbleiterlaser in erster Linie zur Aufzeichnung benutzt wird.
[0012] Besonders bevorzugte Sensibilisatoren lassen sich durch die allgemeine Formel (II)
wiedergeben.

Hierin bedeuten:
R₁ und R₂, die gleich oder verschieden sein können, jeweils eine Alkylgruppe oder
eine substituierte Alkylgruppe;
R₃ und R₄, die gleich oder verschieden sein können, jeweils ein Wasserstoffatom, eine
niedere Alkylgruppe, eine niedere Alkoxygruppe, eine Phenylgruppe oder eine Benzylgruppe;
R₅ und R₆ beide jeweils ein Wasserstoffatom oder gemeinsam, miteinander verbunden,
eine divalente Alkylengruppe;
R₇ ein Wasserstoffatom, eine niedere Alkylgruppe, eine niedere Alkoxygruppe, eine
Phenylgruppe, eine Benzylgruppe oder

worin W₁ und W₂, die gleich oder verschieden sein können, jeweils eine substituierte
oder unsubstituierte Alkylgruppe oder eine substituierte oder unsubstituierte Arylgruppe
darstellen, mit der Maßgabe, daß W₁ und W₂ miteinander verbunden sein können unter
Bildung eines 5gliedrigen oder 6gliedrigen stickstoffhaltigen heterocyclischen Ringes;
oder worin R₃ und R₇ miteinander verbunden sein können unter Bildung einer divalenten
Alkylengruppe;
Z und Z₁, die gleich oder verschieden sein können, jeweils eine Gruppe von Nichtmetallatomen,
die erforderlich ist zur Bildung eines 5gliedrigen oder 6gliedrigen stickstoffhaltigen
heterocyclischen Ringes;
X ein Säureanion; und
m die Zahl 1 oder 2.
[0013] Beispiele für geeignete Infrarotsensibilisatoren sind die Verbindungen

[0014] Das Silberhalogenid der erfindungsgemäßen Emulsionen kann Silberchlorobromid, Silberbromojodid,
Silberchlorojodid oder Silberchlorobromojodid sein. Bevorzugt werden Silberchlorobromide
mit einem Chloridanteil von mindestens 70 Molprozent, die auch geringe Anteile Jodid
enthalten können, sowie Silberbromojodide mit einem Jodidanteil von höchstens 10 Molprozent.
Die Kristallform kann polyedrisch, plättchenförmig, sphärisch oder unregelmäßig sein;
die Korngrößenverteilung polydispers oder monodispers. Die Körner können auch eine
Kern-Schale-Struktur besitzen. In einer bevorzugten Ausführungsform wird eine monodisperse
kubische Emulsion mit einer Korngröße zwischen 0,05 und 1,0 µm verwendet. Methoden
zur Herstellung von Emulsionen bestimmter Kornform, Korngröße und Korngrößenverteilung
sind dem Fachmann bekannt.
[0015] Die chemische Reifung kann mit den bekannten Verfahren der Schwefel-, Edelmetall-
oder Reduktionssensibilisierung oder auch mit geeigneten Kombinationen dieser Verfahren
erfolgen. Dabei können die erfindungsgemäßen aromatischen Thiosulfonsäuren vor, während
oder nach der chemischen Reifung zugesetzt werden. Sind sie während der chemischen
Reifung in der Emulsion vorhanden, dann wirken sie auch in der bekannten Weise als
Klarhalter.
[0016] Die Infrarotsensibilisatoren werden der Emulsion bevorzugt nach der chemischen Reifung
oder kurz vor dem Auftragen auf den Schichtträger zugesetzt. Sie können aber, wenn
sie hinreichend stabil sind, auch in früheren Stufen der Emulsionsherstellung angewendet
werden.
[0017] Die Emulsionen und die daraus hergestellten Aufzeichnungsmaterialien können weitere
bekannte Mittel zur Einstellung bestimmter Eigenschaften enthalten, beispielsweise
Antischleiermittel, Mittel zur Verbesserung der Lagerungsstabilität, Polymerdispersionen
(zur Verbesserung der Maßhaltigkeit der Aufzeichnungsmaterialien), Härtungsmittel,
Beschichtungshilfsmittel, Mattierungsmittel.
[0018] Die erfindungsgemäßen Emulsionen ergeben photographische Aufzeichnungsmaterialien
mit überlegener Infrarotempfindlichkeit. Dabei wird die Gradation der Emulsion durch
den Zusatz der Thiosulfonsäure nicht wesentlich verändert. Zur Ausführung der Erfindung
geeignete Thiosulfonsäuren oder deren Salze sind leicht zugänglich.
[0019] Die Erfindung kann bei der Herstellung infrarotempfindlicher photographischer Aufzeichnungsmaterialien,
beispielsweise für Aufzeichnungen mit einem abtastenden Laserstrahl in der Reproduktionstechnik
oder der medizinischen Diagnostik sowie für die bildmäßige Photographie, angewendet
werden.
Die folgenden Ausführungsbeispiele sollen die Erfindung näher erläutern. In diesen
Beispielen sind alle Mengen von Emulsionszusätzen auf jeweils 1 mol Silberhalogenid
bezogen; die Zugabe erfolgte, wenn nicht anders vermerkt, in gelöster Form.
Beispiel 1
[0020] Eine monodisperse Silberchlorobromidemulsion mit einem Chloridanteil von 70 Molprozent
wurde durch pAg-geregelten Zweistrahleinlauf hergestellt. Diese Emulsion wies kubische
Körner mit einer Kantenlänge von 0,22 µm auf. Nach dem Entfernen der löslichen Salze
durch Flocken und Waschen wurde sie einer kombinierten Schwefel-Gold-Reifung unterzogen.
Vor Beginn der chemischen Reifung wurden 133 mg der Verbindung I-1 zugesetzt.
Die Reifung wurde durch Zusatz von 270 mg 4-Hydroxy-6-methyl-1,3,3a,7-tetraazainden
beendet. Vor dem Auftragen auf einen mit einer Lichthofschutz-Rückschicht versehenen
Polyethylenterephthalat-Schichtträger wurden der Emulsion noch 1,1 g Saponin und 17
mg des Sensibilisators II-2 zugefügt. Gleichzeitig mit der Emulsion wurde eine Gelatine-Schutzschicht,
die ein Härtungsmittel und weitere Beschichtungshilfsmittel enthielt, aufgetragen.
Das so hergestellte Aufzeichnungsmaterial enthielt auf der Aufzeichnungsseite 2,6
g Silber und 3,8 g Gelatine je m².
[0021] Ein Vergleichsversuch wurde nach demselben Verfahren, jedoch ohne Zugabe der Verbindung
I-1, durchgeführt.
Das so gewonnene Material wurde in einem Sensitometer mit einer Belichtungszeit von
1 ms durch Interferenzfilter mit Durchlässigkeitsmaxima von 407 und 798 bzw. 830
nm belichtet und in einer mit handelsüblichen Lösungen gefüllten Röntgen-Rollenentwicklungsmaschine
bei 34° C Entwicklertemperatur in 90 s Gesamtzeit verarbeitet. Zur Beurteilung der
Empfindlichkeit wurde der Kehrwert der für eine Dichte von 1,0 über der Minimaldichte
(Schleier + Unterlage) erforderlichen Belichtung ermittelt und auf den Wert 100 für
den Vergleichsversuch bezogen. Das Versuchsergebnis ist in Tabelle 1 dargestellt.
Tabelle 1
| Emulsion |
Empfindlichkeit bei |
| |
407 nm |
830 nm |
| mit 133 mg Verbindung I-1 |
89 |
140 |
| Vergleich |
100 |
100 |
Beispiel 2
[0022] Der Versuch nach Beispiel 1 wurde wiederholt wobei jedoch der Versuchs- und der Vergleichsemulsion
je 200 mg Nonylphenol-Ethoxylat (10 Mol Ethylenoxid je Mol Phenol) zugegeben wurden.
Das Ergebnis ist in Tabelle 2 angegeben.
Tabelle 2
| Emulsionszusätze |
|
Empfindlichkeit bei |
| Verbindung I-1 |
Nonylphenol-Ethoxylat |
407 nm |
830 nm |
| - |
200 mg |
100 |
100 |
| 133 mg |
200 mg |
88 |
130 |
Beispiel 3
[0023] Der Versuch nach Beispiel 2 wurde wiederholt, wobei alle Proben das Nonylphenol-Ethoxylat
enthielten, zusätzlich aber noch ein Polyethylacrylat-Latex mit 30 Gewichtsprozent
Feststoffgehalt eingeführt wurde. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 angeführt.
Tabelle 3
| Emulsionszusätze |
|
Empfindlichkeit bei |
| Verbindung I-1 |
Latex |
407 nm |
830 nm |
| 200 mg |
- |
78 |
200 |
| - |
11 g |
100 |
167 |
| 200 mg |
11 g |
67 |
218 |
| - |
- |
100 |
100 |
Beispiel 4
[0024] Durch pAg-geregelten Zweistrahleinlauf wurde eine monodisperse Silberchlorobromidemulsion
mit 80 Molprozent Chlorid mit kubischen Körnern von 0,23 µm Kantenlänge hergestellt.
Dem Fällungsgemisch waren 0,052 mg Rhodium-(III)-chlorid zugegeben worden. Die Emulsion
wurde einem Flockungs-Wasch-Prozeß und einer kombinierten Gold-Schwefel-Sensibilisierung
unterzogen. Vor der Digestion wurden 140 mg Natriumtoluolsulfinat und gegebenenfalls
die Verbindung I-2, danach 400 mg 4-Hydroxy-6-methyl-1,3,3a,7-tetraazainden, 70 mg
Benztriazol, 750 mg Natriumoctylphenyldi(oxyethyl)sulfonat, 25 mg des Sensibilisators
II-1 und ggf. 65 g der Latex des Beispiels 3 zugesetzt. Die Emulsion wurde gemeinsam
mit einer Gelatineschutzschicht auf einen Schichtträger wie in Beispiel 1 aufgetragen.
Das so hergestellt Aufzeichnungsmaterial enthielt auf der Aufzeichnungsseite 4,3 g
Silber und 3,5 g Gelatine je m².
[0025] Das Material wurde wie in Beispiel 1 belichtet und in einer Rollenentwicklungsmaschine
für Fotosatzmaterial mit einem handelsüblichen Schnellentwickler vom Hydrochinon-Phenidon-Typ
bei 34° C in 120 s Gesamtzeit verarbeitet. Zur Beurteilung der Empfindlichkeit wurde
der Kehrwert der für eine Dichte von 3,0 über der Minimaldichte erforderlichen Belichtung
ermittelt und bei jeder Wellenlänge auf den Wert 100 für den Vergleichsversuch bezogen.
Das Ergebnis ist in Tabelle 4 angegeben.
Tabelle 4
| Emulsionszusatz |
|
Empfindlichkeit bei |
| Verbindung I-1 |
Latex |
407 nm |
798 nm |
| - |
- |
100 |
100 |
| - |
65 g |
89 |
200 |
| 140 mg |
- |
59 |
282 |
| 140 mg |
65 g |
62 |
479 |
[0026] Die Beispiele 3 und 4 lassen erkennen, daß durch den erfindungsgemäßen Zusatz des
aromatischen Thiosulfonats auch in Gegenwart von bekannten supersensibilisierenden
Zusätzen die Empfindlichkeit noch weiter erhöht wird.
Beispiel 5
[0027] Es wurden Versuche nach dem Vergleichsversuch aus Beispiel 4 durchgeführt, bei denen
die Emulsion mit verschiedenen Sensibilisatoren für den grünen, roten und infraroten
Spektralbereich mit und ohne Zusatz von 75 mg der Verbindung I-1 sensibilisiert wurde.
Die Empfindlichkeit wurde für jeden Sensibilisator bei 407 nm sowie im Sensibilisierungsmaximum
bestimmt. Die Tabelle 5 zeigt die Empfindlichkeiten der die Verbindung I-1 enthaltenden
Versuchsfilme auf den Wert 100 für die Filme ohne diese Verbindung mit sonst gleicher
Sensibilisierung bezogen.
Tabelle 5
| Sensibilisator |
Empfindlichkeit bei 407 nm |
Maximale Empfindlichkeit |
Sensibilisierungsmaximum (nm) |
| Verbindung II-2 |
65 |
209 |
820 |
| Verbindung II-1 |
72 |
195 |
760 |
| Verbindung A |
81 |
78 |
630 |
| Verbindung B |
68 |
100 |
620 |
| Verbindung C |
68 |
95 |
530 |
| Verbindung D |
66 |
97 |
500 |

[0028] Man erkennt an diesen Ergebnissen, daß die aromatischen Thiosulfonsäuren nur bei
infrarotsensibilisierten Emulsionen die Empfindlichkeit steigern, während bei Sensibilisierung
im sichtbaren Bereich die Empfindlichkeit durch diese Verbindung in bekannter Weise
erniedrigt, bestenfalls stabilisiert wird.
1. Für den infraroten Spektralbereich sensibilisierte photographische Silberhalogenidemulsion,
dadurch gekennzeichnet, daß
sie eine aromatische Thiosulfonsäure oder ein Salz einer solchen Säure enthält.
2. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die aromatische Thiosulfonsäure oder deren Salz durch die allgemeine Formel (I)

beschrieben wird, worin R einen ein- oder zweiwertigen Alkyl-, Aryl- oder Aralkylrest
mit 1 - 10 Kohlenstoffatomen oder Wasserstoff und M ein Kation bedeuten und n 1 oder
2 ist.
3. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
sie die aromatische Thiosulfonsäure oder deren Salze in einer Menge von 0,2 bis 2
millimol je mol Silberhalogenid enthält.
4. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
sie einen Heptamethincyaninfarbstoff als Infrarotsensibilisator enthält.
5. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
sie einen Sensibilisierungsfarbstoff der allgemeinen Formel

enthält,
worin bedeuten:
R₁ und R₂, die gleich oder verschieden sein können, jeweils eine Alkylgruppe oder
eine substituierte Alkylgruppe;
R₃ und R₄, die gleich oder verschieden sein können, jeweils ein Wasserstoffatom, eine
niedere Alkylgruppe, eine niedere Alkoxygruppe, eine Phenylgruppe oder eine Benzylgruppe;
R₅ und R₆ beide jeweils ein Wasserstoffatom oder gemeinsam, miteinander verbunden,
eine divalente Alkylengruppe;
R₇ ein Wasserstoffatom, eine niedere Alkylgruppe, eine niedere Alkoxygruppe, eine
Phenylgruppe, eine Benzylgruppe oder

worin W₁ und W₂, die gleich oder verschieden sein können, jeweils eine substituierte
oder unsubstituierte Alkylgruppe oder eine substituierte oder unsubstituierte Arylgruppe
darstellen, mit der Maßgabe, daß W₁ und W₂ miteinander verbunden sein können unter
Bildung eines 5gliedrigen oder 6gliedrigen stickstoffhaltigen heterocyclischen Ringes;
oder worin
R₃ und R₇ miteinander verbunden sein können unter Bildung einer divalenten Alkylengruppe;
Z und Z₁, die gleich oder verschieden sein können, jeweils eine Gruppe von Nichtmetallatomen,
die erforderlich ist zur Bildung eines 5gliedrigen oder 6gliedrigen stickstoffhaltigen
heterocyclischen Ringes;
X⁻ ein Säureanion; und
m die Zahl 1 oder 2.
6. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß das Silberhalogenid zu mindestens 70 Molprozent aus Silberchlorid
besteht.
7. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
die aromatische Thiosulfonsäure p-Toluolthiosulfonsäure ist.
8. Photographische Silberhalogenidemulsion nach Anspruch 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Silberhalogenid in Form von kubischen Kristallen einheitlicher Größe vorliegt.
9. Verfahren zur Herstellung einer infrarotsensibilisierten photographischen Silberhalogenidemulsion,
dadurch gekennzeichnet, daß
vor Beginn der chemischen Reifung eine aromatische Thiosulfonsäure oder ein Salz einer
solchen Säure zugesetzt wird.
10. Verwendung einer photographischen Silberhalogenidemulsion nach einem der Ansprüche
1 - 8 zur Herstellung eines infrarotempfindlichen Aufzeichnungsmaterials.