[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Tastatur für eine elektronische Orgel mit Klaviereffekt,
bei der jede Taste gegen Federkraft um eine erste horizontale Drehachse schwenkbar
gelagert ist und über einen an der Taste angebrachten Stößel bei Betätigung der Taste
gegen ein Kurvenstück an einem um eine zweite horizontale Drehachse schwenkbaren Reaktionshebel
drückt und diesen unter Abfahren des Kurvenstücks zunächst gegen eine große und dann
gegen eine kleinere Reaktionskraft aus einer ersten Endlage in eine zweite Endlage
schwenkt, wobei die große Reaktionskraft durch die Beschleunigung einer am Reaktionshebel
angebrachten Zusatzmasse und die kleinere Reaktionskraft durch eine Zunahme des Abstands
der Anlagestelle des Stößels an dem Kurvenstück von der Drehachse beim Abfahren des
Kurvenstücks bewirkt wird.
[0002] Unter "elektronische Orgel" sollen hier auch elektronische Klaviere oder sogenannte
"Keybords" fallen.
[0003] Um für den Spieler einer elektronischen Orgel bei Wahl des Klaviereffekts das Anschlagverhalten
einer Klaviertastatur zu simulieren, wird bei einer bekannten Tastatur der gattungsgemäßen
Art (EP 270 966 A2) die bei der Betätigung der Taste über diese auf den Stößel ausge
übte Anschlagskraft zunächst praktisch vollständig auf einen das Kurvenstück aufweisenden,
mit der Zusatzmasse am Ende versehenen Arm des Reaktionshebels übertragen, wie dies
bei einer klassischen Klaviermechanik der Fall ist. Aufgrund eines sehr gering gewählten
Verhältnisses der Abstände von Stößel-Anlagestelle und Zusatzmassenschwerpunkt von
der Drehachse des Reaktionshebels und vollständiger Übertragung der Stößelkraft auf
den die Zusatzmasse tragenden Reaktionshebelarm ergibt sich von Anfang an eine verhältnismäßig
hohe Beschleunigung der Zusatzmasse und damit eine entsprechend hohe Reaktionskraft
(entsprechend dem Produkt aus Masse und Beschleunigung), wie bei einem klassischen
Klavier. Kurz nach der Betätigung der Taste bewirkt ein zweiter Reaktionshebelarm
eine Verschwenkung des Stößels, so daß dessen Kraft nicht mehr senkrecht auf das Kurvenstück
(d.h. auf eine Tangente in der Stößel-Anlagestelle des Kurvenstücks) gerichtet ist,
sondern der Stößel das Kurvenstück abzufahren beginnt, mit der Folge, daß nur noch
eine Komponente der Stößelkraft auf das Kurvenstück bzw. den dieses tragenden Reaktionshebelarm
wirksam ist. Dabei vergrößert sich gleichzeitig der Abstand des Stößels von der Drehachse
des Reaktionshebels, und die Reaktionskraft des Reaktionshebels nimmt plötzlich entsprechend
ab. Anschließend ist die Taste - entsprechend der klassischen Klaviermechanik - sehr
leicht zu betätigen. Der Stößel kann daher einfach als geradlinige Stange ohne zusätzlichen
Hebelarm wie bei der herkömmlichen Stoßzunge der klassischen Klaviermechanik und ohne
deren Auslösepuppe, mit der der Hebelarm der Stoßzunge in Berührung kommt, ausgebildet
sein, da der zweite Reaktionshebelarm die Auslösefunktion übernimmt. Der hierbei den
Stößel um ein mehrteiliges Gelenk zwischen Stößel und Reaktionshebel verschwenkende
Reaktionshebelarm ist mit einem Polster versehen, um Anschlaggeräusche, insbesondere
bei der Rückstellung des Stößels, zu vermeiden. Ein solches Polster ist jedoch nicht
nur aufwendig, sondern ergibt aufgrund seiner Nachgiebigkeit auch keinen genau definierten
Auslösepunkt, bei dem der Stößel auf dem Kurvenstück durchzurutschen beginnt, um das
plötzliche Nachlassen der Reaktionskraft zu simulieren. Darüber hinaus verliert das
Polster nach längerer Zeit seine Nachgiebigkeit, so daß die Dämpfung der Anschlaggeräusche
vermindert wird.
[0004] Es ist auch bekannt, z.B. aus der US-A-42 17 803, DE-B1-24 26 016 oder der DE-C2-36
01 892, den Stößel starr mit der Taste zu verbinden und ihn entweder insgesamt starr
oder elastisch auszubilden.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Tastatur der gattungsgemäßen Art anzugeben,
die bei geringerem Aufwand geringere Anschlaggeräusche bewirkt und einen definierten
Auslösepunkt beibehält.
[0006] Erfindungsgemäß ist diese Aufgabe dadurch gelöst, daß in der Ruhelage der unbetätigten
Taste der Abstand der Anlagestelle des Stößels am Kurvenstück von der Taste größer
als der Abstand der Taste von der Drehachse des Reaktionshebels ist und daß der Stößel
nur mit dem Kurvenstück zur Anlage kommt und mit der Taste starr verbunden ist.
[0007] Bei dieser Ausbildung wirkt der Stößel nur mit dem Kurvenstück zusammen, um den
Reaktionshebel gegen das Gewicht und die Trägheitskraft der Zusatzmasse zu drehen,
wobei sich nicht nur der Abstand des Stößels von der Drehachse des Reaktionshebels
vergrößert, sondern auch das Kurvenstück von Anfang an mit einer (bei anfänglich vertikaler
Lage des Stößels) ständig zur Horizontalbewegungskomponente des Stößels entgegengesetzt
gerichteten Bewegungskomponente bewegt wird, so daß ein allein dem Schwenkwinkel der
Taste entsprechender Auslenkwinkel des Stößels ausreicht, um das Kurvenstück unter
Überschreitung des Auslösepunktes, bei dem der Durchrutsch effekt beginnt, abzufahren.
Der Stößel wird daher nicht durch einen Arm des Reaktionshebels mitgenommen. Entsprechend
entfällt ein mit dem Stößel zusammenwirkendes Polster an einem Hebelarm des Reaktionshebels,
und der Auslösepunkt bleibt unbeeinflußt. Ferner entfällt ein mehrteiliges Drehgelenk
zwischen Stößel und Taste.
[0008] Vorzugsweise ist dafür gesorgt, daß das Kurvenstück in der Ruhelage der unbetätigten
Taste nur durch den am Kurvenstück anliegenden Stößel gegen die durch das Gewicht
der Zusatzmasse bewirkte Kraft abgestützt ist und der Stößel in jeder Phase seiner
Drehbewegung am Kurvenstück anliegt. Hierbei entfällt auch ein gepolsterter Anschlag
für den Reaktionshebel in seiner ersten Endlage. Die durch den Wegfall des Anschlags
für den Reaktionshebel in seiner ersten Ruhelage bestehende Gefahr, daß der Stößel
von dem Gleitstück abrutscht und sich der Reaktionshebel unter dem Gewicht der Zusatzmasse
zurückdreht, so daß sich bei der Rückbewegung der Taste Stößel und Reaktionshebel
blockieren, wird durch die ständige Anlage des Stößels am Kurvenstück in jeder Phase
seiner Drehbewegung vermieden. Sodann kommt man ohne Einstelleinreichtung für den
Ausgleich eines Spiels zwischen den beiden Berührungsflächen von Stößel und Kurvenstück
in der ersten Endlage des Reaktionshebels aus, weil ein solches Spiel wegen des für
diese Endlage fehlenden Anschlags durch das Gewicht der Zusatzmasse selbsttätig ausgeglichen
wird.
[0009] Sodann ist es günstig, wenn die vom Stößel abzufahrende Oberfläche des Kurvenstücks
einen zur Drehachse des Reaktionshebels parallelen Knick aufweist, wobei die an den
Knick angrenzenden Abschnitte der Oberfläche eben oder nach oben gewölbt sind und
einen überstumpfen Winkel bilden und der eine Abschnitt näher als der andere bei der
Drehachse des Reaktionshebels liegt. Durch diesen Knick spürt der Spieler deutlich
den Übergang bzw. Auslösepunkt von einem hohen zu einem niedrigen Tastenwiderstand.
[0010] Stattdessen ist es auch möglich, daß das Kurvenstück in seiner ganzen Länge stetig
gebogen ist. Auf diese Weise ist es gewünschtenfalls möglich, einen besonders weichen
Durchrutscheffekt, d.h. Übergang von einem hohen zu einem niedrigen Tastenwiderstand
zu erzielen.
[0011] Der Stößel kann in der Ruhelage der unbetätigten Taste mit seiner freien Endfläche
nur an dem der Drehachse des Reaktionshebels zunächstliegenden Abschnitt der Oberfläche
des Kurvenstücks anliegt. Dadurch wird vermieden, daß der Durchrutscheffekt zu früh
und zu deutlich spürbar wird, wenn die Anlagestelle des Stößels anfänglich zu dicht
bei der Übergangsstelle, wie dem Knick, liegt, z.B. wenn der anfängliche Tastenwiderstand
dadurch einstellbar ausgebildet ist, daß der Abstand der Längsachse des Stößels von
der Drehachse des Reaktionshebels einstellbar ist.
[0012] Wenn hierbei die Abstände der Längsachsen aller Stößel von einer gemeinsamen Drehachse
aller Reaktionshebel gemeinsam verstellbar sind, ermöglicht dies eine besonders einfache
gemeinsame und gleiche Einstellung des anfänglich bei der Tastenbetätigung auftretenden
Tastenwiderstands.
[0013] Ferner kann jeder Stößel elastisch biegsam sein, insbesondere Federstahlblech aufweisen.
Er biegt sich dann beim Einsetzen des Durchrutscheffekts geringfügung durch und trägt
damit zu einer raschen Verminderung des Tastenwiderstands während des Durchrutschens
bei.
[0014] Sodann kann dafür gesorgt sein, daß der Abstand der Längsachse des Stößels von der
Drehachse des Reaktionshebels durch einen seitlich auf den Stößel einwirkenden und
diesen seitlich wegbiegenden Exzenter oder Schieber einstellbar ist, um den bei der
Betätigung anfänglichen Tastenwiderstand auf einfache Weise einzustellen.
[0015] Alternativ kann die Einstellung des Tastenwiderstands dadurch erreicht werden, daß
die Lager der Reaktionshebel-Drehachse quer zur Ebene der unbetätigten Stößel verschiebbar
sind.
[0016] Eine Weiterbildung kann darin bestehen, daß das Kurvenstück ein elastisch biegsamer
Streifen ist, dessen einer Endabschnitt auf einer Stützfläche des Reaktionshebels
befestigt ist und dessen anderer Endabschnitt in der Drehebene des Reaktionshebels
von diesem absteht, und der Stößel in der Ruhelage der betätigten Taste auf dem vorstehenden
Endabschnitt des Kurvenstücks aufsitzt. Wenn der Stößel bei dieser Ausbildung den
nicht abgestützten Endabschnitt des elastischen Kurvenstücks erreicht, wird auf
diese Weise ein plötzliches Nachlassen des Tastenwiderstandes infolge des elastischen
Nachgebens des Kurvenstücks im Bereich des nicht abgestützten Endabschnitts erreicht.
Wenn das Kurvenstück außerdem einen Knick aufweist, bewirkt das Überschreiten des
Knicks ein zusätzliches, plötzliches Nachlassen des Tastenwiderstandes infolge der
elastischen Durchbiegung des Gleitstücks. Wenn auch der Stößel elastisch biegsam ist,
überlagert sich dessen Durchbiegung der Durchbiegung des Kurvenstücks mit der Folge,
daß der Tastenwiderstand besonders stark nachgibt. Wenn die Taste bis zu einem unteren
Anschlag niedergedrückt wird, bewegt sich der Reaktionshebel mit der Zusatzmasse bis
zur oberen Endlage und fällt anschließend wieder etwas zurück, um sich schließlich
mit dem elastischen Endabschnitt des Kurvenstücks bei immer noch niedergedrückter
Taste am Stößel anzulegen. Auf diese einfache Weise wird ein unangenehmer Rückschlag
des Reaktionshebels auf die Taste abgefedert. Außerdem wird dadurch der Reaktionshebel
in einer Lage gehalten, die ein rasches Repetieren ermöglicht, ähnlich wie ein Hammer
eines Klaviers in einer seiner ihm zugeordneten Saite nahen Stellung.
[0017] Alternativ kann das Kurvenstück im wesentlichen über seine ganze Länge durch den
Reaktionshebel unterstützt sein.
[0018] Um ein gegebenenfalls störendes Nachschwingen des Reaktionshebels beim Erreichen
seiner Endlage nach der Freigabe der Taste zu vermeiden, kann der Reaktionshebel
mit einem Schwingungsdämpfer zusammenwirken, der freie Schwingungen des Reaktionshebels
um seine Drehachse dämpft.
[0019] Eine einfache Ausgestaltung des Schwingungsdämpfers kann darin bestehen, daß er mit
dem Reaktionshebel in reibender Berührung steht. Dies ergibt eine Dämpfung durch Reibung.
[0020] Hierbei kann der Schwingungsdämpfer eine am Reaktionshebel unter Vorspannung anliegende
Blattfeder sein. Dies ergibt eine besonders einfache Ausbildung des Schwingungsdämpfers.
[0021] Wenn der Schwingungsdämpfer an einer zur Drehachse des Reaktionshebels konzentrischen
Oberfläche des Reaktionshebels anliegt, ist der Reibungswiderstand und damit die
Dämpfung in jeder Drehwinkellage des Reaktionshebels gleich.
[0022] Die eine der beiden aneinander anliegenden Oberflächen von Kurvenstück und Stößel
kann glatt und die andere durch ein Polster gebildet sein, das vorzugsweise aus einer
Vertiefung vorsteht. Das Polster trägt zur Geräuschdämpfung bei und läßt sich bei
der Tastenbetätigung mit geringer Reibung auf der glatten Oberfläche verschieben,
so daß der Tastenwiderstand nur unmaßgeblich durch die Reibung beeinflußt wird. Der
geringe Reibungswiderstand zwischen Polster und Kurvenstück trägt ferner zur Erhöhung
der Lebensdauer des Polsters bei. Die Aufnahme des Polsters in eine Vertiefung sorgt
für einen sicheren Halt des Polsters.
[0023] Die Erfindung und ihre Weiterbildungen werden nachstehend anhand schematischer Zeichnungen
bevorzugter Ausführungsbeispiele näher beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1 und 2 eine Seitenansicht eines Teils eines ersten Ausführungsbeispiels einer
erfindungsgemäßen Tastatur in verschiedenen Betriebsstellungen, teilweise im Schnitt,
Fig. 1a ein Kurvenstück eines Reaktionshebels der Tastatur nach den Fig. 1 und 2 in
etwas größerem Maßstab,
Fig. 1b einen Teil eines Stößels der Tastatur nach den Fig. 1 und 2 in etwas größerem
Maßstab,
Fig. 3 und 4 eine Seitenansicht eines Teils eines zweiten Ausführungsbeispiels einer
erfindungsgemäßen Tastatur bei verschiedenen Lageeinstellungen des Reaktionshebels,
teilweise im Schnitt,
Fig. 5 und 6 eine Seitenansicht eines Teils eines dritten Ausführungsbeispiels einer
erfindungsgemäßen Tastatur bei verschiedenen Lageeinestellungen des Stößels, teilweise
im Schnitt,
Fig. 7 eine Seitenansicht eines Teils eines vierten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen
Tastatur, teilweise im Schnitt,
Fig. 8 eine Seitenansicht eines Teils eines fünften Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen
Tastatur, teilweise im Schnitt, und
Fig. 9 ein weiteres abgewandeltes Kurvenstück des Reaktionshebels.
[0024] Bei der Tastatur nach den Fig. 1 und 2 ist jede Taste 1 zur Betätigung eines nicht
dargestellten elektrischen Schaltelements um eine horizontale Drehachse 2 gegen die
Kraft einer Rückholfeder 3 schwenkbar gelagert.
[0025] An der Unterseite des Betätigungshebelarms der Taste 1 steht ein Stößel 4 in der
Schwenkebene der Taste 1 etwa senkrecht von der Taste 1 ab. Der Stößel 4 ist starr
und einteilig mit der Taste 1 ausgebildet, kann jedoch auch starr, d.h. ohne Drehgelenk,
an der Taste 1 befestigt sein. An seinem freien Ende ist der Stößel 4 mit einer axialen
Vertiefung 5 (Fig. 1b) versehen, in der ein aus Filz bestehendes Polster 6 eingebettet
ist und axial vorsteht.
[0026] In der in Fig. 1 dargestellten Ruhelage der unbetätigten Taste 1 wird die Taste 1
durch die Kraft der Rückholfeder 3 gegen einen gepolsterten Anschlag 7 und in der
in Fig. 2 dargestellten Ruhelage bei betätigter Taste durch die Betätigungskraft gegen
einen gepolsterten Anschlag 8 gedrückt.
[0027] Unterhalb der Taste 1 ist ein Reaktionshebel 9 in der gleichen Ebene wie die Taste
1 um eine zur Drehachse 2 der Taste 1 parallele Drehachse 10 schwenkbar gelagert.
Der Reaktionshebel 9 hat einen längeren Hebelarm 11 und einen kürzeren Hebelarm 12,
die etwa entgegengesetzt gerichtet und beiderseits der Drehachse 10 angeordnet sind.
Der längere Hebelarm 11 ist an seinem freien Ende mit einer Zusatzmasse 13 (bzw. einem
Gewichtsstück) aus einem spezifisch sehr viel schwereren Material, vorzugsweise Blei,
als das Material des Reaktionshebels 9, das vorzugsweise aus Kunststoff besteht, versehen.
Während die Drehachse 10 des Reaktionshebels 9 auf der der Drehachse 2 der Taste 1
abgewandten Seite des Stößels 4 liegt, ragt der längere Hebelarm 11 des Reaktionshebels
9 von der dem Stößel 4 abgekehrten Seite der Drehachse 10 weg.
[0028] Auf der Oberseite des kurzen Hebelarms 12 des Reaktionshebels 9 ist ein abgeknicktes
Kurvenstück 14 (siehe insbesondere Fig. 1a) in Form eines Streifens aus Federstahlblech
mit seinem einen Endabschnitt 15 befestigt, so daß der kurze Hebelarm 12 diesen Endabschnitt
15 abstützt, während der über das freie Ende des Hebelarms 12 hinausragende freie
Endabschnitt 16 des Kurvenstücks 14 frei biegsam ist. Die Oberseiten der beiden Endabschnitte
15 und 16, die beiderseits des Knicks 17 des Kurvenstücks 14 liegen, bilden einen
überstumpfen Winkel und sind der Unterseite der Taste 1 zugekehrt. Die Oberseite
des Kurvenstücks 14 ist glatt poliert und die Lage des Kurvenstücks 14 so gewählt,
daß der Stößel 4 in der in Fig. 1 dargestellten Ruhelage der unbetätigten Taste 1
mit seiner freien, durch das Polster 6 gebildeten Endfläche nur an dem Endabschnitt
15 anliegt und der Abstand der Anlagestelle des Stößels 4 am Kurvenstück 14 von der
(Unterseite der) Taste 1 größer als der Abstand der Drehachse 10 von der Taste 1
ist. Der auf dem kurzen Hebelarm 12 des Reaktionshebels 9 befestigte Endabschnitt
15 des Kurvenstücks 14 verläuft in der Ruhelage der unbetätigten Taste 1 nach Fig.
1 etwa horizontal.
[0029] An einem Gestell 18 der Tastatur ist ein Schwingungsdämpfer 19 in Form einer nach
oben gewölbten Blattfeder mit ihrem einen Ende befestigt. Die Blattfeder 19 steht
unter Vorspannung in reibender Berührung mit einer zur Drehachse 10 des Reaktionshebels
9 konzentrischen Oberfläche 20 des Reaktionshebels 9, um Schwingungen des Reaktionshebels
9 vornehmlich in der Endlage nach Fig. 1, aber auch in der Endlage nach Fig. 2 zu
dämpfen.
[0030] Wenn die Taste 1 betätigt, d.h. niedergedrückt wird, so daß sie sich im Uhrzeigersinn
um die Drehachse 2 dreht, drückt die untere Endfläche des Stößels 4 bzw. des Polsters
6 gegen den Endabschnitt 15 des Kurvenstücks 14. Dadurch wird der Reaktionshebel 9
entgegen dem Uhrzeigersinn um seine Drehachse 10 im wesentlichen gegen das Gewicht
und die Massenträgheit der Zusatzmasse 13, übersetzt im Verhältnis der effektiven
Hebelarmlängen, d.h. der horizontalen Abstände der Anlagestelle des Stößels 4 am Kurvenstück
14 und des Massenschwerpunkts von Hebelarm 11 und Zusatzmasse 13 von der Drehachse
10, geschwenkt. Diese Schwenk- oder Drehbewegung des Reaktionshebels 9 wird durch
einen gepolsterten Anschlag 21 begrenzt, an dem der Reaktionshebel 9 mit seinem Hebelarm
11 in der unteren, durch den Anschlag 8 bestimmten Endlage der Taste 1 anschlägt.
[0031] Während dieser Drehbewegung der Taste 1 und des Reaktionshebels 9 bewirken in einer
ersten Phase im wesentlichen das Gewicht und die Massenträgheit der Zusatzmasse
13 einen hohen Tastenwiderstand, bis sich einerseits die Taste und damit auch der
Stößel 4 und andererseits der Reaktionshebel 9 so weit gegensinnig gedreht haben,
daß der Stößel 4 mit seiner Endfläche plötzlich über den Knick 17 hinwegrutscht und
auf der Oberseite des Endabschnitts 16 entlanggleitet. Dies empfindet der Spieler
als eine plötzliche Abnahme des Tastenwiderstands, wie er auch bei der Tastatur eines
herkömmlichen Klaviers auftritt. Diese Abnahme des Tastenwiderstands wird noch dadurch
gesteigert, daß sich der Endabschnitt 16 des elastischen Kurvenstücks 14 unter dem
Tastendruck etwas durchbiegt. Außerdem vergrößert sich der horizontale Abstand der
Anlagestelle des Stößels 4 am Kurvenstück 14 von der Drehachse 10 entsprechend dem
Drehwinkel der Taste 1, was ebenfalls zur Verminderung des Tastenwiderstands führt,
da sich das Übersetzungsverhältnis der effektiven Hebelarmlängen verringert, wobei
die effektive Hebelarmlänge, mit der die Zusatzmasse 13 bestrebt ist, den Reaktionshebel
9 im Uhrzeigersinn zu drehen, weitgehend konstant bleibt.
[0032] Wie schon erwähnt, ist bereits in der Ruhelage der unbetätigten Taste 1 nach Fig.
1 der Abstand der Anlagestelle des Stößels 4 am Kurvenstück 14 von der Taste 1 größer
als der Abstand der Taste 1 von der Drehachse 10 des Reaktionshebels 9. Außerdem kommt
der Stößel 4 in jeder Phase seiner Drehbewegung nur mit dem Kurvenstück 14 zur Anlage.
Dies hat zur Folge, daß sich der horizontale Abstand des Kurvenstücks 14 von der
Drehachse 10 im Verlaufe der Drehbewegung des Reaktionshebels 9 beim Niederdrücken
der Taste 1 relativ rasch verringert, wobei sich die Relativgeschwindigkeiten von
Polster 6 und Kurvenstück 14 addieren, was ebenfalls dazu beiträgt, den Übergang
von hohem zu niedrigem Tastenwiderstand nach Art eines Durchrutscheffekts für den
Spieler deutlicher spürbar zu machen. Da der Stößel 4 nur das Kurvenstück 14 berührt,
treten keine störenden Anschlaggeräusche auf, insbesondere bei der Rückbewegung der
Taste 1 in die Ruhelage nach Fig. 1, wie im Falle eines Anschlags des Stößels 4 an
der ihm benachbarten Seite des Reaktionshebels 9. In der Ruhelage nach Fig. 1 liegt
der Reaktionshebel 9 mit dem Kurvenstück 14 aufgrund des durch die Zusatzmasse 13
bewirkten Drehmoments, da die Drehbewegung des Reaktionshebels 9 in dieser Lage durch
keinen zusätzlichen Anschlag begrenzt ist, an der Endfläche des Stößels 4 ohne Spiel
an, so daß auch keine Einrichtung zum Ausgleichen eines derartigen Spiels erforderlich
ist.
[0033] Der Schwingungsdämpfer 19 sorgt für eine Dämpfung etwaiger Drehschwingungen des
Reaktionshebels 9 um die Drehachse 10 in der Ruhelage der Taste 1 nach Fig. 2, wenn
sie weiterhin niedergedrückt gehalten wird, oder auch in der Ruhelage nach Fig. 1,
nachdem die Taste 1 in diese Ruhelage zurückgekehrt ist.
[0034] Die Tastatur nach den Fig. 3 und 4 unterscheidet sich von der nach den Fig. 1 und
2 im wesentlichen nur dadurch, daß der Stößel 4′ über den größten Teil seiner Länge
als Blattfeder aus Federstahlblech ausgebildet ist und die Lager 22 der Drehachse
10, von denen nur ein Lager 22 dargestellt ist, gemeinsam um den Betrag f relativ
zu dem Gestell 18 horizontal verschiebbar sind, so daß die kleinste effektive Länge
d des kurzen Hebelarms 12 durch eine Verschiebung der Lager 22 und damit der Drehachse
10 des Reaktionshebels 9 nach rechts auf den Maximalbetrag d′ = d + f vergrößert werden
kann, während die effektive Länge des längeren Hebelarms 11 konstant bleibt. Auf diese
Weise läßt sich das Übersetzungsverhältnis des Reäktionshebels 9 und damit der Tastenwiderstand
auch beim Spielen (während der Betätigung der Tastatur) auf den gewünschten Wert
einstellen. So ist der Tastenwiderstand bei der Lageeinstellung nach Fig. 3 größer
als bei der Lageeinstellung nach Fig. 4. Aufgrund der elastischen Biegsamkeit des
Stößels 4′ biegt sich dieser beim Niederdrücken, sobald der Durchrutscheffekt eintritt,
insbesondere nach Überschreitung des Knicks 17, seitlich von der Drehachse 10 weg,
so daß sich die Elastizität des Stößels 4′ mit der des Kurvenstücks 14 überlagert
und dadurch ein besonders ausgeprägter Durchrutscheffekt nach Überschreitung des Knicks
17 erreicht wird.
[0035] Die Tastatur nach den Fig. 5 und 6 unterscheidet sich von der nach den Fig. 3 und
4 im wesentlichen nur dadurch, daß anstelle der verschiebbaren Lager 22 ein Exzenter
23 vorgesehen ist, durch dessen Drehung der Stößel 4′ seitlich von der Drehachse 10
des Reaktionshebels 9 um den Betrag f weggedrückt wird, so daß sich auch hier die
effektive Länge d des kurzen Hebelsarms 12 um den Betrag f auf d′ vergrößern läßt.
[0036] Die Tastatur nach Fig. 7 unterscheidet sich von der nach den Fig. 5 und 6 lediglich
dadurch, daß anstelle des Exzenters 23 ein Schieber 24 vorgesehen ist, der an einem
mit dem Stößel 4′ verbundenen Winkelstück 25 oder unmittelbar am Stößel 4′ angreift
und den Stößel 4′ durch Horizontalverschiebung des Schiebers 24 um den Betrag f von
der Drehachse 10 wegbiegen kann.
[0037] Die verschiebbaren Lager 22 nach den Fig. 3 und 4, der Exzenter 23 nach den Fig.
5 und 6 und der Schieber 24 nach Fig. 7 sind stufenlos einstellbar und in der jeweils
eingestellten Lage feststellbar.
[0038] Die Tastatur nach Fig. 8 weicht insofern von den bisherigen Ausführungsbeispielen
ab, als hier das Kurvenstück 14′ praktisch in ganzer Länge vom Hebelarm 12′ des Reaktionshebels
9 unterstützt und in ganzer Länge, ohne Knick, nur stetig gebogen ist. Mit einer solchen
Formgebung läßt sich ein besonders weicher Durchrutscheffekt erzielen, wobei auf
einen elastischen Abschnitt des Kurvenstücks 14′ verzichtet werden kann. Auch bei
dieser Tastatur kann eine der erwähnten Einstellmöglichkeiten nach den Fig. 3 bis
7 für die effektive Hebelarmlänge d vorgesehen sein.
[0039] Fig. 9 stellt ein abgewandeltes Kurvenstück 14˝ dar, bei dem die Endabschnitte 15′
und 16′ nach oben leicht gewölbt sind und ebenfalls der Knick 17 vorgesehen ist. Gewühschtenfalls
kann dieses Kurvenstück 14˝ anstelle der Kurvenstücke 14 und 14′ vorgesehen sein.
[0040] Sodann kann eine Abwandlung darin bestehen, daß ein flacheres Polster als das Polster
6 an der Unterseite des Stößels 4 oder 4′ angeklebt wird, wobei die Vertiefung 5
nach Fig. 1b entfällt. Es ist aber auch möglich, die Unterseite des Stößels 4 oder
4′ als glatte Oberfläche auszubilden und auf der gesamten Oberseite des Kurvenstücks
14, 14′ oder 14˝ ein flaches Polster aufzukleben oder in einer flachen Vertiefung
dieser Oberfläche einzusetzen, so daß es über diese Oberseite hinausragt, wobei das
Polster zusätzlich in der Vertiefung verklebt sein kann.
[0041] Eine andere nichtdargestellte Abwandlung der dargestellten Tastaturen kann darin
bestehen, daß der kurze Hebelarm der Taste 1, an dem die Rückholfeder 3 angreift,
verlängert und sowohl der Stößel 4 bzw. 4′ als auch der Reaktionshebel 9 in kinematischer
Umkehrung auf der Oberseite dieses verlängerten Hebelarms angeordnet werden, wobei
der kurze Hebelarm 12 bzw. 12′ des Reaktionshebels 9 und der lange Hebelarm 11 auf
der gleichen Seite der Drehachse des Reaktionshebels liegen und zum Betätigungsende
der Taste 1 hin gerichtet sein müßten.
1. Tastatur für eine elektronische Orgel mit Klaviereffekt, bei der jede Taste (1)
gegen Federkraft (3) um eine erste horizontale Drehachse (2) schwenkbar gelagert ist
und über einen an der Taste (1) angebrachten Stößel (4; 4′) bei Betätigung der Taste
(1) gegen ein Kurvenstück (14; 14′; 14˝) an einem um eine zweite horizontale Drehachse
(10) schwenkbaren Reaktionshebel (9) drückt und diesen unter Abfahren des Kurvenstücks
(14; 14′; 14˝) zunächst gegen eine große und dann gegen eine kleinere Reaktionskraft
aus einer ersten Endlage in eine zweite Endlage schwenkt, wobei die große Reaktionskraft
durch die Beschleunigung einer am Reaktionshebel (9) angebrachten Zusatzmasse (13)
und die kleinere Reaktionskraft durch eine Zunahme des Abstands (d) der Anlagestelle
des Stößels (4; 4′) an dem Kurvenstück (14; 14′; 14˝) von der Drehachse (10) beim
Abfahren des Kurvenstücks (14; 14′; 14˝) bewirkt wird, dadurch gekennzeichnet, daß in der Ruhelage der unbetätigten Taste (1) der Abstand der Anlagestelle des
Stößels (4; 4′) am Kurvenstück (14; 14′; 14˝) von der Taste (1) größer als der Abstand
der Taste (1) von der Drehachse (10) des Reaktionshebels (9) ist und daß der Stößel
(4; 4′) nur mit dem Kurvenstück (14; 14′; 14˝) zur Anlage kommt und mit der Taste
(1) starr verbunden ist.
2. Tastatur nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Kurvenstück (14; 14′; 14˝) in der Ruhelage der unbetätigten Taste (1) nur
durch den am Kurvenstück (14; 14′; 14˝) anliegenden Stößel (4, 4′) gegen die durch
das Gewicht der Zusatzmasse (13) bewirkte Kraft abgestützt ist und der Stößel in jeder
Phase seiner Drehbewegung am Kurvenstück anliegt.
3. Tastatur nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die vom Stößel (4; 4′) abzufahrende Oberfläche des Kurvenstücks (14; 14˝) einen
zur Drehachse (10) des Raktionshebels (9) parallelen Knick (17) aufweist, wobei die
an den Knick (17) angrenzenden Abschnitte (15, 16; 15′; 16′) der Oberfläche eben oder
nach oben gewölbt sind und einen überstumpfen Winkel bilden und der eine Abschnitt
(15; 15′) näher als der andere (16; 16′) bei der Drehachse (10) des Reaktionshebels
(9) liegt.
4. Tastatur nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Kurvenstück (14′; 14˝) in seiner ganzen Länge stetig gebogen ist.
5. Tastatur nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Stößel (4; 4′) in der Ruhelage der unbetätigten Taste (1) mit seiner freien
Endfläche nur an dem der Drehachse (10) des Reaktionshebels (9) zunächstliegenden
Abschnitt (15; 15′) der Oberfläche des Kurvenstücks (14; 14′; 14˝) anliegt.
6. Tastatur nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet daß der Abstand (d) der Längsachse des Stößels (4, 4′) von der Drehachse (10) des
Reaktionshebels (9) einstellbar ist.
7. Tastatur nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Abstände der Längsachsen aller Stößel (4; 4′) von einer gemeinsamen Drehachse
(10) aller Reaktionshebel (9) gemeinsam verstellbar sind.
8. Tastatur nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß jeder Stößel (4′) elastisch biegsam ist.
9. Tastatur nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Stößel (4′) Federstahlblech aufweist.
10. Tastatur nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Abstand (d) der Längsachse des Stößels (4′) von der Drehachse (10) des Reaktionshebels
(9) durch einen seitlich auf den Stößel (4′) einwirkenden und diesen seitlich wegbiegenden
Exzenter (23) oder Schieber (24) einstellbar ist.
11. Tastatur nach einem der Ansprüche 6 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Lager (22) der Reaktionshebel-Drehachse (10) quer zur Ebene der unbetätigten
Stößel (4′) verschiebbar sind.
12. Tastatur nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß das Kurvenstück (14) ein elastisch biegsamer Streifen ist, dessen einer Endabschnitt
auf einer Stützfläche des Reaktionshebels (9) befestigt ist und dessen anderer Endabschnitt
in der Drehebene des Reaktionshebels (9) von diesem absteht, und daß der Stößel (4;
4′) in der Ruhelage der betätigten Taste (1) auf dem vorstehenden Endabschnitt (16)
des Kurvenstücks (14) aufsitzt.
13. Tastatur nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß das Kurvenstück (14′; 14˝) im wesentlichen über seine ganze Länge durch den Reaktionshebel
(9) unterstützt ist.
14. Tastatur nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß der Reaktionshebel (9) mit einem Schwingungsdämpfer (19) zusammenwirkt, der freie
Schwingungen des Reaktionshebels (9) um seine Drehachse (10) dämpft.
15. Tastatur nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß der Schwingungsdämpfer (19) mit dem Reaktionshebel (9) in reibender Berührung
steht.
16. Tastatur nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß der Schwingungsdämpfer (19) eine am Reaktionshebel (9) unter Vorspannung anliegende
Blattfeder ist.
17. Tastatur nach Anspruch 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, daß der Schwingungsdämpfer (19) an einer zur Drehachse (10) des Reaktionshebels (9)
konzentrischen Oberfläche (20) des Reaktionshebels (9) anliegt.
18. Tastatur nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß die eine der beiden aneinander liegenden Oberflächen von Kurvenstück (14; 14′;
14˝) und Stößel (4; 4′) glatt und die andere durch ein Polster (6) gebildet ist, das
vorzugsweise aus einer Vertiefung (5) vorsteht.