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EP 0 387 536 B1 |
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EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Hinweis auf die Patenterteilung: |
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30.06.1993 Patentblatt 1993/26 |
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Anmeldetag: 15.02.1990 |
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Internationale Patentklassifikation (IPC)5: C23C 8/70 |
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Verfahren zum Borieren von Eisenteilen
Method for the boration of iron articles
Procédé de boruration d'articles de fer
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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE CH DE DK ES FR GB GR IT LI LU NL SE |
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Priorität: |
14.03.1989 DE 3908200
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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19.09.1990 Patentblatt 1990/38 |
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Patentinhaber: Degussa Aktiengesellschaft |
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60311 Frankfurt (DE) |
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Erfinder: |
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- Karojet, Peter, Dipl.-Ing.
D-7448 Wolfschlugen (DE)
- Kunst, Helmut, Dr. Chem.
D-6458 Rodenbach I (DE)
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Entgegenhaltungen: :
DE-A- 1 796 212
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DE-A- 2 633 137
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- SOVIET INVENTIONS ILLUSTRATED, Woche K08, 06 April 1983, Derwent Publications Ltd,
London, GB; & SU-A-962 487
- SOVIET INVENTIONS ILLUSTRATED, Woche 8609, 17 März 1986, Derwent Publications Ltd,
London, GB; & SU-A-618 190
- CHEMICAL ABSTRACTS, Band 101, Nr. 24, Dezember 1984, Seite 199, Zusammenfassung Nr.
214 618k, Columbus, Ohio, US; L.A.SHCHEGLOVITOV et al.: "Boronizing of stamping die
inserts"
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Borieren von Teilen aus Eisenwerkstoffen
durch Bedecken der zu borierenden Oberflächen mit einem Pulver, einem Granulat oder
einer Paste eines Borierungsmittels und Erhitzen der Charge unter Schutzgas auf Temperaturen
von 850° C und höher in einem Durchlaufofen.
[0002] Das Borieren zum Verschleißschutz von Teilen aus Eisen und Stahl ist ein schon lange
bekanntes Verfahren. Durch Eindiffusion des Elementes Bor in die Oberfläche des behandelten
Werkstückes und Reaktion mit dem Grundwerkstoff entstehen dichte, gleichmäßige Schichten
des jeweiligen Borides, auf Eisen z.B. die Boride FeB und Fe₂B. Die Boride besitzen
gegenüber den reinen Metallen erheblich veränderte Eigenschaften, insbesondere sind
die meisten Boride sehr hart, korrosionsbeständig und damit überaus verschleißfest.
Durch Diffusion sind die Boridschichten mit dem Grundwerkstoff fest verbunden.
[0003] Die Borierungstemperaturen liegen bei Eisenwerkstoffen normalerweise zwischen 850
und 950° C, die üblichen Schichtdicken bei 30 bis 150 µm. Da die beiden Boride Fe₂B
und FeB unterschiedliche Eigenschaften besitzen und mehrphasige Schichten meist schlechtere
Eigenschaften aufweisen als monophasige, ist man bemüht, beim Borieren monophasige
Schichten zu erzeugen.
[0004] In der Praxis wird fast ausschließlich das Borieren in festen Boriermitteln angewendet.
Dabei werden die zu behandelnden Teile in eiserne Kästen in ein borabgebendes Pulver,
meist Mischungen aus Borcarbid, Aluminiumoxid, Siliziumoxid und dgl. , mit aktivierenden
Zusätzen, wie Ammoniumfluorid oder Kaliumborfluorid, eingepackt (z.B. DE-A-1 796 212).
Die Kästen werden dicht verschlossen und eine zeitlang geglüht, wobei in direkten
Festkörper-Feststoff-Reaktionen oder durch Transport des Bors über die Gasphase die
erwünschten Boridschichten gebildet werden.
[0005] Bekannt ist auch das Borieren mit einer Paste, wobei das Boriermittel in Pastenform
auf die Teile aufgebracht wird. Ein solches Verfahren ist beispielsweise in der DE-A-26
33 137 beschrieben. Das Pastenborieren erfolgt unter Schutzgas vorzugsweise in einem
Durchlaufofen, wobei die Teile Temperaturen bis 900° C ausgesetzt werden.
[0006] Die bekannten Borierverfahren haben den Nachteil, daß es verfahrenstechnisch sehr
schwierig ist, mit ihnen monophasige Eisenboridschichten zu erhalten.
[0007] Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zum Borieren von Teilen
aus Eisenwerkstoffen zu entwickeln, durch Bedecken der zu borierenden Oberflächen
mit einem Pulver, einem Granulat oder einer Paste eines Borierungsmittels und Erhitzen
der Charge unter Schutzgas auf Temperaturen von 850° C und höher in einem Durchlaufofen,
bei dem die Teile mit einer gleichmäßig dicken monophasigen Schicht aus Eisenborid
(Fe₂B) bedeckt werden.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Teile zuerst nur auf eine
Temperatur von 550 bis 600° C aufgeheizt werden, dann ohne weitere Temperaturerhöhung
ein Temperaturausgleich innerhalb der Charge abgewartet wird und anschließend möglichst
schnell auf die Boriertemperatur von 850° C und höher erhitzt wird.
[0009] Vorzugsweise wird die Charge 8 bis 20 Minuten bei einer Temperatur von 550 bis 600°
C gehalten und das anschließende Aufheizen der Charge auf die Boriertemperatur von
850° C und höher erfolgt vorteilhafterweise in einem Zeitraum von höchstens 15 Minuten.
[0010] Eine Fe₂B-Schicht mit nur sehr geringen Beimengungen an FeB kann man erreichen, wenn
der Temperaturbereich zwischen 600 und 850° C möglichst rasch durchschritten wird.
Dabei muß man aber darauf achten, daß die Temperaturdifferenzen innerhalb der Charge
möglichst gering sind. Es ist daher wichtig, die Chargen gleichmäßig von allen Seiten
zu beheizen und vor dem Überschreiten einer Temperatur von 600° C einen Temperaturausgleich
innerhalb der Charge stattfinden zu lassen. Dieser Temperaturausgleich kann beispielsweise
mittels einer Temperaturmeßeinrichtung innerhalb der Charge kontrolliert werden. Die
anschließende Aufheizgeschwindigkeit ist von dem zur Verfügung stehenden Ofen abhängig,
sollte jedoch möglichst groß sein.
[0011] Mit diesem Verfahren erhält man sehr gleichmäßige monophasige Fe₂B-Schichten, die
sehr gute Verschleißeigenschaften zeigen . Folgende Beispiele sollen das erfindungsgemäße
Verfahren näher erläutern:
Beispiel 1
[0012] Blechteile (Messer für landwirtschaftliche Geräte) aus dem Stahl C 45 wurden in Kästen
aus hitzebeständigem Material in ein Boriermittel eingepackt, das aus Borcarbid, Siliciumcarbid
und Kaliumborfluorid bestand. Die mit dem Boriermittel und den darin befindlichen
Teilen gefüllten und mit einem Deckel verschlossenen Kästen wurden auf das Transportband
eines Durchlaufofens gesetzt und folgendermaßen erwärmt: Von Raumtemperatur auf 580°
C innerhalb von 30 Minuten. Halten bei dieser Temperatur bis zum Temperaturausgleich
im Kasteninneren (9 Minuten) Erwärmen auf 880° C innerhalb von 8 Minuten, Halten oberhalb
dieser Temperatur 32 Minuten, dann Abkühlung auf Raumtemperatur innerhalb von 68 Minuten.
Im Durchlaufofen wurde als Schutzgas ein Gemisch von Stickstoff und Wasserstoff verwendet.
Die auf die beschriebene Weise erzielte Schicht hatte eine Dicke von im Mittel 33
µm mit Streuungen von ± 3 µm. Die Schicht wies lediglich an den Kanten einzelne FeB-Zähne
auf und war ansonsten FeB-frei.
Beispiel 2
[0013] Schraubenräder aus dem Stahl 42 CrMo4 wurden wie bei Beispiel 1 in einem Kasten in
das Boriermaterial eingepackt und die Kästen auf das Transportband des Durchlaufofens
gesetzt. Behandlungsbedingungen:

[0014] Resultate: Schichtdicke an Zahngrund, Zahnflanke und Zahnkopf im Mittel 32 µm, Streuungen
± 2 µm, die Schichten waren völlig frei von FeB.
1. Verfahren zum Borieren von Teilen aus Eisenwerkstoffen durch Bedecken der zu borierenden
Oberflächen mit einem Pulver, einem Granulat oder einer Paste eines Borierungsmittels
und Erhitzen der Charge unter Schutzgas auf Borier-Temperaturen von 850° C und höher
in einem Durchlaufofen,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Teile zuerst nur auf eine Temperatur von 550 bis 600° C aufgeheizt werden,
dann ohne weitere Temperaturerhöhung ein Temperaturausgleich innerhalb der Charge
abgewartet wird und anschließend möglichst schnell auf die Boriertemperatur erhitzt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Charge 8 bis 20 Minuten bei einer Temperatur von 550 bis 600° C gehalten wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Aufheizen der Charge von 600 auf 850° C in einem Zeitraum von höchstens 15
Minuten erfolgt.
1. A process for treating parts of iron work pieces with boron by covering the surfaces
to be borided with a powder, a granulate or a paste of a boriding agent and heating
the batch under protective gas to boriding temperatures of 850°C and higher in a continuous
heating furnace, characterised in that the parts are initially heated only to a temperature
of from 550 to 600°C and the batch is then left without further increase of temperature
until equalization of temperature has taken place within the batch and it is then
heated as rapidly as possible to the boriding temperature.
2. A process according to Claim 1, characterised in that the batch is maintained at a
temperature of from 550 to 600°C for 8 to 20 minutes.
3. A process according to Claim 1 or Claim 2, characterised in that heating of the batch
from 600°C to 850°C takes place within a period of at most 15 minutes.
1. Procédé de boruration de pièces en matériau ferreux par revêtement des surfaces à
borurer avec une poudre, un granulé ou une pâte d'un agent de boruration et chauffage
de la charge sous gaz protecteur à des températures de boruration de 850°C et plus
dans un four continu, caractérisé en ce qu'on chauffe d'abord les pièces seulement
à une température de 550 à 600°C, puis sans élévation supplémentaire de température
on attend un équilibre de température dans la charge et ensuite on porte la température
le plus vite possible à la température de boruration.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'on maintient la charge entre
8 et 20 minutes à une température comprise entre 550 et 600°C.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que l'échauffement de la
charge de 600 à 850°C se fait dans un intervalle de temps de 15 minutes au plus.