[0001] Die Erfindung betrifft ein mehrlagiges Papiermaschinensieb gemäß dem Oberbegriff
von Anspruch 1.
Mehrlagige, wie doppellagige, Siebgewebe dieser Art sind bekannt. Dabei haben sich
bisher nur 7- und 8-schäftige Bindungen bewährt. Da es jedoch heute vielfach üblich
ist, die Kettdrähte auf die doppelte Anzahl von Webschäften einzureihen, um die Zugbelastungen
in den Schaftrahmen beim Weben zu reduzieren, und Papiermaschinensiebe flachzuweben,
so daß die Kettdrähte an der Webmaschine in der Regel auch die Längsdrähte des Gewebes
darstellen, wurden auch schon Überlegungen angestellt, Gewebe unter Ausnutzung der
vollen Schaftzahl am Webstuhl auszubilden. Beispielhaft hierfür sind die EP-A1-0
232 708, die EP-A2-0 245 851 und die EP-B1-0 079 431.
Von den wegen der großen Schaftzahl möglichen Bindungsvarianten sind jedoch nur einzelne
Lösungen für die komplexen papiermacherischen Anforderungen geeignet. Dabei kommt
dem Design der Maschinenseite des Siebes eine besondere Bedeutung zu. Wenn man die
bei normalen 7- und 8-schäftigen Bindungen üblichen freien Fadenflottierungen der
Querfäden auf der Maschinenseite unter sechs bzw. sieben Längsfäden auf ein Sieb mit
einer 16-schäftigen Bindung übertragen wollte, so ergäbe sich dabei eine freie Fadenflottierung
der Querfäden unter jeweils 15 Längsfäden. In der EP-A1-0 232 708 wird eine Flottierung
der Querfäden über 14 Längsfäden in Verbindung mit einer Doppelklammerung der Querdrähte
auf der Maschinenseite vorgeschlagen. In der Regel sind freie Fadenflottierungen
dieser Länge instabil. Beim Gleiten über die stationären Elemente der Naßpartie einer
Papiermaschine führt die Instabilität zu Vibrationen im Gewebe, die bei harten Materialien,
wie zum Beispiel Polyester, zur Zerstörung führen können. Außerdem zeigt die erwähnte
Doppelklammerung eines Querdrahtes auf der Maschinenseite auch eine markierende Rückwirkung
auf die Blattbildungsseite des Siebes, so daß derartige Siebe nur auf eine bestimmte
Gruppe unkritischer Papiersorten beschränkt ist. Ähnliche Instabilitätsprobleme ergeben
sich bei der EP-B1-0 079 431, da eine Klammerung der Querfäden auf der Maschinenseite
jeweils nur durch einen Längsfaden stark zu Verschiebungen neigt. Es ist somit ersichtlich,
daß für das Siebdesign nur solche Bindungen geeignet sind, die eine optimale Stabilität
der Fadenflottierungen gewährleisten.
[0002] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein mehrlagiges Papiermaschinensieb
der im Oberbegriff genannten Art mit einfachen Maßnahmen so auszugestalten, daß sich
auf der Maschinenseite problemlos lange Fadenflottierungen großer Stabilität in
Verbindung mit einer weitgehenden Markierungsfreiheit an der Blattbildungsseite des
Siebes erzielen lassen.
[0003] Zur Lösung der gestellten Aufgabe zeichnet sich ein Papiermaschinensieb der im Oberbegriff
von Anspruch 1 genannten Art durch die im Kennzeichen dieses Anspruchs aufgeführten
Merkmale aus. Hierbei werden einerseits lange freie Fadenflottierungen der Querfäden
auf der Maschinenseite über jeweils zwölf Längsfäden und andererseits optimale Stabilitätsverhältnisse
erzielt, weil die vorgeschlagene Art der Klammerung bzw. Klemmung nahezu derjenigen
unter zumindest vier nebeneinanderliegenden Längsdrähten entspricht. Dabei wird der
weitere wesentliche Vorteil erzielt, daß keinerlei bedeutende Markierungsgefahr auf
der Blattbildungsseite vorliegt. Die Art der Querfadeneinbindung auf der Maschinenseite
bewirkt, daß sich die Querfäden weit über die Längsfäden hinauswölben, wodurch sich
auf der Maschinenseite ein großes Abriebvolumen mit dem Ergebnis einer langen Betriebsdauer
des Siebes in der Papiermaschine ergibt.
[0004] Die Weiterbildungen der Ansprüche 2 und 3 haben sich als für die Praxis besonders
geeignet herausgestellt.
[0005] Die Weiterbildung von Anspruch 4 vereinigt eine besonders lange Betriebslebensdauer
mit einer weitgehenden Markierungsfreiheit an der Blattbildungsseite.
[0006] Besonders geeignet ist auch die Weiterbildung von Anspruch 5, da hierdurch die Markierungsneigung
weiter reduziert wird. Die Längsfäden werden durch die Querfäden so weit gestützt,
daß sie auch nach dem Verstreckungsprozeß während der Thermofixierung dieselbe Trangentialebene
wie die Querfäden der Blattbildungsseite berühren.
[0007] Die Weiterbildung von Anspruch 6 ermöglicht ebenfalls eine Reduzierung der Markierungsneigung
an der Blattbildungsseite.
[0008] Mit der Weiterbildung von Anspruch 7 kann ein optimales Faserrückhaltevermögen (Retention)
des Siebes in Verbindung mit einem Höchstmaß an Offenheit und Entwässerung erzielt
werden.
[0009] Die Weiterbildung von Anspruch 8 entspricht einer praktischen Realisierung, die sich
im Betrieb bewährt hat.
[0010] Die Weiterbildung von Anspruch 9 ermöglicht es, mit Hilfe geeigneter Einbindungsarten
der Querfäden an der Sieboberseite optimale Betriebsverhältnisse zu erzielen, insbesondere
bei einem Füllschußsieb mit einer höheren Anzahl von Querfäden an der Blattbildungsseite.
[0011] Auch die Weiterbildung von Anspruch 10 ermöglicht eine vielfältige Anpassung der
blattbildenden Sieboberseite an die jeweiligen Betriebsverhältnisse.
[0012] Die Weiterbildungen der Ansprüche 11 bis 13 beinhalten zweckmässige praktische Ausgestaltungen
des Siebes.
[0013] Das erfindungsgemäße mehrlagige Papiermaschinensieb gewährleistet infolge seiner
langen freien Fadenflottierungen auf der Maschinenseite einen hohen Räumeffekt auf
den stehenden Elementen der Siebpartie und damit einen guten Laufkomfort der Maschinenbespannung.
Außerdem ergeben sich eine große Betriebslebensdauer, eine optimale Laufstabilität
und eine nur sehr geringe Markierneigung.
[0014] Die Erfindung wird nachfolgend an zeichnerisch dargestellten Ausführungsbeispielen
näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 - ein Papiermaschinensieb nach der vorliegenden Erfindung in einer in Querrichtung
verlaufenden Teilansicht und
Figur 2 - ein Papiermaschinensieb nach der vorliegenden Erfindung, wie dasjenige aus
Figur 1, in einer in Längsrichtung verlaufenden Teilansicht.
[0015] Gemäß der zeichnerischen Darstellung hat ein Papiermaschinensieb eine blattbildende
Sieboberseite 10 und eine maschinen- bzw. laufseitige Siebunterseite 12. Im vorliegenden
Fall sind zwei Lagen von Querfäden 14 (oben) und 16 (unten) in Verbindung mit einer
Lage von Längsfäden 20 vorhanden.
[0016] Gemäß Figur 2 sind die Querfäden 16 an der Siebunterseite 12 jeweils von zwei Längsfäden
22 überkreuzt, die im vorliegenden Fall von zwei nebeneinanderliegenden Längsfäden
24 im Siebinneren sepa riert sind. An dieser Stelle können auch mehr als zwei und
zum Beispiel drei Längsfäden 24 nebeneinander liegen. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel
ergibt sich somit eine freie Fadenflottierung der Querfäden 16 an der Siebunterseite
12 über jeweils zwölf Längsfäden 20. Durch die spezielle Art der Klammerung der Querfäden
16 mittels der Längsfäden 22 und 24 läßt sich trotz der langen Fadenflottierungen
eine optimale Stabilität erzielen, ohne daß an der Sieboberseite 10 eine besondere
Markierungsneigung wie beim Stand der Technik besteht.
[0017] Gemäß Figur 2 flottieren die Längsfäden 20 an der Sieboberseite 10 über jeweils zwei,
wahlweise mehr als zwei, Querfäden 18. Dadurch tangieren an der Sieboberseite die
Querfäden 14 und die Längsfäden 20 dieselbe Berührungsebene, wodurch die Markierungsneigung
weiter reduziert wird. Dieses gilt insbesondere im Zusammenhang mit dem dargestellten
Ausführungsbeispiel eines Füllschußsiebes, bei dem die Anzahl der Querfäden 14 an
der Sieboberseite 10 etwa doppelt so groß wie die Anzahl der Querfäden 16 an der Siebunterseite
12 ist. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel gilt ferner, daß die Längsfäden
20 an der Sieboberseite 10 jeweils zwei benachbarte Paare von Querfäden 18 überkreuzen,
die durch einen Querfaden 14 separiert sind. Hierdurch ergibt sich eine sehr gute
Klammerung der Längsfäden 20. Außerdem überkreuzen die Längsfäden 20 bei dem vorliegenden
Ausführungsbeispiel jeweils einen der hier dicker ausgebildeten Querfäden 16.
[0018] Die dargestellten Ausführungsbeispiele haben sich in der Praxis bewährt und können
hinsichtlich verschiedener Detailgestaltungen in Anpassung an die jeweiligen Betriebsverhältnisse
im Rahmen der Erfindung entsprechend verändert werden.
1. Mehrlagiges Papiermaschinensieb mit Längsfäden und zumindest zwei Lagen von Querfäden,
wobei die Längs- und Querfäden in einer 16-schäftigen Bindung miteinander verwebt
sind und lange Fadenflottierungen von Querfäden an der laufseitigen Siebunterseite
vorliegen, dadurch gekennzeichnet, daß die laufseitig flottierenden Querfäden (16) jeweils von zwei Längsfäden (22)
an der Siebunterseite (12) überkreuzt sind, die von zumindest zwei nebeneinanderliegenden
Längsfäden (24) außerhalb des Bereichs der Siebunterseite separiert sind.
2. Sieb nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch jeweils zwei die überkreuzenden Längsfäden
(22) separierende Längsfäden (24) im Siebinneren.
3. Sieb nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß beim Weben die Querfäden
(14, 16, 18) Schußdrähte und die Längsfäden (20, 22, 24) Kettdrähte sind.
4. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Querfäden
(16) an der laufseitigen Siebunterseite (12) einen Durchmesser haben, der um zumindest
25 % größer als der Durchmesser der übrigen Querfäden (14, 18) ist.
5. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Längsfäden
(20) an der blattbildenden Sieboberseite (10) jeweils über zumindest zwei aufeinanderfolgende
Querfäden (18) flottieren.
6. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß an der Sieboberseite
(10) die freien Fadenflottierungen in Quer- und Längsrichtung des Siebes etwa gleich
groß sind.
7. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Anzahl der
Querfäden (14, 18) an der blattbildenden Sieboberseite (10) zumindest doppelt so groß
wie die Anzahl der Querfäden (16) an der laufseitigen Siebunterseite (12) ist.
8. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Längsfäden
(20) an der Sieboberseite (10) jeweils zwei benachbarte sowie durch einen Querfaden
(14) separierte Paare von Querfäden (18) und an der Siebunterseite (12) jeweils einen
Querfaden (16) überkreuzen.
9. Sieb insbesondere nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß benachbarte Querfäden
(14, 18) an der blattbildenden Sieboberseite (10) unterschiedliche Gewebeeinbindungsarten
aufweisen.
10. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß sich benachbarte
Querfäden (14, 18) an der blattbildenden Sieboberseite (10) hinsichtlich des Materials
und/oder des Durchmessers und/oder des Elastizitätsmoduls unterscheiden.
11. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Längs-
und/oder Querfäden (20, 22, 24; 14, 16, 18) monophile Kunststoffdrähte sind.
12. Sieb nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Kunststoffdrähte aus Polyäthylentherephtalat
(Polyester) und/oder Polyamid bestehen.
13. Sieb nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Kettdrahtfülldichte,
das heißt das Produkt aus Kettfadenzahl pro cm und Kettdrahtdurchmesser in cm, größer
als 1 ist.