[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung
von Gipselementen mit dekorati ven, eine hohe Oberflächengüte aufweisenden Sichtflächen,
die in der Bauindustrie eine breite Anwendung finden. Die Gipselemente können einfarbig
oder marmoriert in verschiedenen Konfigurationen, zum Beispiel als ebene oder reliefartige
Platten, als Eck- oder Säulenelemente oder als figürliche Körper gefertigt werden.
[0002] Das Bestreben, Gipselemente mit hoher Festigkeit, insbesondere im Bereich der Sichtflächen,
sowie mit hohem dekorativen Effekt herzustellen, besteht seit langem.
[0003] Es sind verschiedene Methoden zur Herstellung von derartigen Gipselementen bekannt:
- Verwendung hochwertiger Gipse
- Zuführung von wenig Anmachwasser und Zusatz von chemischen Produkten, welche die
Fließfähigkeit erhöhen
- mechanisches Rütteln
- Zuführung geringer Anmachwassermengen und Formgebung durch meist kurzzeitig ausgeprägte
hohe Drücke mit Hilfe von Pressen, Walzen und Druckbändern
- Absaugen des überschüssigen Wassers (DR-PS 99384)
- Aufbringen einer Schicht pulverförmigen Gipses auf eine Naßschicht (DE-PS 1203655)
[0004] Bei den meisten Verfahren wird ein Wasser-Gips-Verhältnis verwendet, bei dem der
Wasseranteil über dem Wert liegt, der notwendig ist, um den chemischen Vorgang der
Rekristallisation beim Abbindeprozeß zu ermöglichen.
[0005] Die Wasser- und Lufteinschlüsse werden nur in geringem Maße vor dem Abbindeprozeß
aus der Formmasse entfernt, wo durch der Anteil der Poren im fertigen Gipselement
relativ hoch ist und die Sichtflächen keine hohe Oberflächengüte aufweisen.
[0006] Auch das Verfahren zur Entfernung von überschüssigem Wasser aus frisch abgebundenen
Gipskörpern gemäß der DE-AS 1771866 führt zu keiner Verringerung des Porenraumes bzw.
zu keinen qualitativ hochwertigen Sichtflächen.
[0007] Es ist auch schon versucht worden, wasserfeste Kacheln aus Gips herzustellen (DE-OS
3327336; DE-OS 3318364).
[0008] Verfahrensgemäß wird eine wässrige Aufschlämmung aus Alpha-Gipshalbhydrat, Sulfathüttenzement
und Aluminiumsulfat in eine plattenförmige Gießform gegeben, während des Abbindens
durch Aufbringen von Vibrationen entschäumt und nach dem Abbindeprozeß entformt. Die
offene Gießform besteht aus einer Grundplatte mit teilbarem Rand, die lösbar miteinander
verbunden sind. Zur Beschleunigung sind mehrere Mischbehälter über schwenkbare Ausläufer
mit den einzelnen Formen verbindbar. Die Gipskacheln können mit einer Oberflächenbeschichtung
versehen werden. Zur Erhöhung der Festigkeit ist es vorgesehen, in die Zugzone der
Kacheln anorganische und/oder organische Fasern einzubringen. Hierbei zeigt sich,
daß die Vibration einer wässrigen Gipsaufschlämmung in einer Form mit glatten und
porenfreien Innenflächen nicht ausreicht, Sichtflächen mit hoher Oberflächengüte
zu erzeugen.
[0009] Bei der Herstellung von Stuckmarmor werden an die Sichtflächen besonders hohe Anforderungen
gestellt.
[0010] Neben einer porenfreien. polierfähigen Oberfläche ist für diese Erzeugnisse die Festigkeit
von entscheidender Bedeutung, um eine breite Anwendung zu gewährleisten. Gemäß DE-PS
808033 müssen nach dem Vorbereiten und Aufbringen einer farbigen, strukturierten Vorsatzschicht
auf eine Tragschicht in bestimmter Reihenfolge mit Spezialmaterialien und Spezialwerkzeugen
Schleif-, Glätt- und Poliervorgänge siebenmal und öfter wiederholt werden, um eine
harte, dichte und dem Naturmarmor ähnliche Oberfläche zu erreichen. Selbst beim
Einsatz maschineller Schleifvorgänge, welche nur bei ebenen Oberflächen möglich sind,
liegt der Aufwand noch sehr hoch.
[0011] Beim Verfahren zur Herstellung von Platten und anderen Produkten mit marmorartigem
Aussehen (DE-AS 2750702) werden kalziumhaltige Bindemittel mit einer bestimmten spezifischen
Oberfläche zusammen mit Katalysatoren mit oder ohne Druckanwendung zum Abbinden gebracht.
Nach dem Aushärten ist ebenfalls Schleifen, Kitten und Polieren erforderlich.
[0012] Das Verfahren zur Herstellung eines Gegenstandes aus Stuckmarmor nach der DE-OS 2905609
sieht vor, Gipsmilch oder -brei in eine Hohlform mit glatter und harter Oberfläche
zu gießen, aus der der Gegenstand nach dem Erhärten entformt wird. Dieses Verfahren
reduziert zwar den arbeitsmäßigen Aufwand an Schleif-, Glätt- und Polierprozessen,
weist aber hinsichtlich der erzielten Qualität der Sichtflächen ebenfalls Mängel auf.
Für derartige Gegenstände sind aufwendige Montageverfahren erforderlich.
[0013] Ziel der Erfindung ist es, Gipselemente mit dekorativen und eine hohe Oberflächengüte
aufweisenden Sichtflächen mit geringem Aufwand industriell herzustellen.
[0014] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur
Herstellung von insbesondere marmorähnlichen Gipselementen mit Sichtflächen hoher
Oberflächengüte zu entwickeln, wobei die Gipsteilchen im Bereich der Sichtflächen
des Gipselementes konzentriert werden, so daß ein hoher Verwachsungsgrad der kristallisierenden
Gipsteilchen entsteht, ein einfaches Beschicken der Vorrichtung mit den Gemischanteilen
und Entformen des Gipselementes aus der Vorrichtung möglich ist und eine nachträglich,
aufwendige Sichtflächenbehandlung nicht erforderlich ist.
[0015] Erfindungsgemäß wird zur Herstellung von insbesondere marmorähnlichen Gipselementen
mit Sichtflächen hoher Oberflächengüte, bei der eine mehrschichtige Formmasse, bestehend
aus Gips, Wasser und erforderlichenfalls Farbpigmenten in einer Form unter Druck geformt
wird, auf einen porenfreien glatten Formboden zuerst eine Schicht gleichmäßiger Dicke
fließfähiges Wasser-Gips-Gemisch gegeben und danach auf dieses Gemisch eine Schicht
trockenes Gipspulver gleichmäßiger Dicke aufgebracht. Das gleichmäßige Verteilen
kann durch einen kurzen Rüttelprozeß unterstützt werden.
[0016] Unmittelbar im Anschluß daran wird diese Formmasse mit einem hygroskopischen und/oder
offenporigen, wenig kompressiblen Material vollflächig abgedeckt, durch starre und/oder
flexible Druckelemente bei gleichzeitigem Entlüften vorverdichtet und anschließend
unter Luftabschluß komprimiert.
[0017] In der Formmasse und dem sie bedeckenden Material wird ein Überdruck vorzugsweise
zwischen 0,13 MPa und 0,5 MPa aufgebaut, wobei der Überdruck kontinuierlich bis zum
vorgesehenen Wert erhöht oder schlagartig aufgebaut werden kann. Die Größe des Überdruckes
und die Zeitdauer seines Aufrechterhaltens sind von der Formmasse und/oder der angestrebten
Formgebung abhängig. Das luftdichte Verschließen der Formmasse in den Seitenbereichen
zwischen Druckelement und Formboden kann durch die abbindende Formmasse selbst erfolgen.
[0018] Es hat sich allerdings als günstig erwiesen, daß der Überdruck in der verschlossenen
Form aufgebaut wird. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, daß die gesamte Formmasse,
auch die Randbereiche, dem Überdruck in gleicher Weise ausgesetzt wird. Die Arbeitsschritte
bis zum Aufbauen des Überdruckes haben ohne Verzögerung zu erfolgen. Durch die Druckausbreitung
in der verschlossenen Form werden die Gipsteilchen der fließfähigen Schicht der Formmasse
in Richtung Formboden transportiert und konzentrieren sich an und in der Nähe der
späteren Sichtfläche des zu formenden Gipselementes. Gleichzeitig werden die für die
Rekristallisation nicht erforderlichen Bestandteile der Formmasse wie Luft und überschüssiges
Wasser in der Form in Richtung Drucklemente transportiert und konzentrieren sich in
der Schicht aus Gipspulver und überwiegend in dem die Formmasse abdeckenden Material.
Nach Beendigung dieses Konzentrationsprozessesbleiben die Druckelemente bis zum Erstar
rungsende der Gipspulverschicht miindestens teilweise druckbeaufschlagt, damit keine
unerwünschte Verformung des Gipselementes auftritt. Danach wird das Gipselement mit
Hilfe derselben Druckelemente entschalt.
[0019] Überraschenderweise besitzen die Sichtflächen des Gipselementes eine Oberflächengüte
mit hoher Qualität. Die gemäß dem beanspruchten Verfahren in der beschriebenen Reihen
folge durchgeführten Arbeitsschritte bei den angegebenen Bedingungen führen zu einem
nicht zu erwartenenden Effekt, so daß bis auf ein einfaches Polieren keine weitere
Bearbeitung der Sichtflächen erforderlich ist.
[0020] Auch das Komprimieren der Formmasse in der Form unter Luftabschluß ist als unüblich
zu bezeichnen, da in der Formmasse noch Bestandteile wie überschüssiges Wasser und
Lufteinschlüsse vorhanden sind, die in bisher bekannten Verfahren durch Druckeinwirkung
aus der Formmasse heraus gepreßt, hier aber in die bedeckenden Materialien abgeführt
werden.
[0021] Durch Zugabe von Farbpigmenten in das fließfähige Wasser-Gips-Gemisch oder direkt
in die Form läßt sich die erfindungsgemäße Lösung zur effektiven industriellen Herstellung
von Stuckmarmor einsetzen.
[0022] Da das Wasser-Gips-Gemisch fließfähig ist, lassen sich die Farbpigmente zur Erzielung
einer gewünschten marmorierten Farbstruktur gut in dem Gemisch verteilen. Das Wasser-Gips-Verhältnis
des fließfähigen Gemisches sollte etwa 0,79 betragen. Auf das fließfähige Gemisch
wird dann Gips pulver in der Menge gleichmäßig verteilt, daß das Wasser-Gips-Verhältnis
der gesamten Formmasse bestehend aus fließfähigem Gemisch und Gipspulver, ca. 0,25
beträgt.
[0023] Die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Herstellen von insbesondere marmorähnlichen
Gipselementen mit Sichtflächen hoher Oberflächengüte, bestehend aus einem die Formmasse
aufnehmenden Unterteil mit einem glatten und porenfreien Formboden und Seitenwänden
und einem durch Druck beaufschlagbaren, in Richtung Unterteil vertikal beweglichen
Oberteil, die miteinander verriegelbar sind, ist dadurch gekennzeichnet, daß das Oberteil
und das Unterteil mit einem Widerlager in Verbindung gebracht sind, daß das Oberteil
als Aufnahme mit kopf- und bodenseitig abgelenkten Druckelementen ausgebildet ist,
wobei sich das kopfseitig angelenkte Druckelement am Widerlager abstützt, in dessen
dem Unterteil zugewandter Stirnfläche eine hervorspringende, umlaufende elastische
Dichtung angebracht ist, daß das Unterteil aus einem formstabilen Rahmen mit integriertem
Trennrahmen besteht, wobei durch die dem Formboden zugewandte Stirnfläche des Rahmens
eingebrachte elastische Dichtung das Unterteil luftdicht auf dem Formboden abgestützt
ist, daß der Formboden beweglich auf dem Widerlager angeordnet ist und daß zwischen
Oberteil und Unterteil eine die innere Konfiguration des Trennrahmens vollflächig
abdeckende Lastverteilerplatte eingelegt ist. Diese Lastverteilerplatte kann auch
mit dem bodenseitigen Deckelement verbunden sein.
[0024] Das Oberteil und das Unterteil sind über eine Dichtung luftdicht miteinander verriegelbar.
Die Entlüftung kann in die Aufnahme integriert und bei Druckerhöhung im Druckelement
durch diese verschlossen werden.
[0025] An der Aufnahme können mehrere Druckelemente angeordnet sein.
[0026] Die Druckelemente sind druckbeaufschlagbare Kissen, die steuerungstechnisch miteinander
gekoppelt sind.
[0027] Die Stirnflächen des Trennrahmens schließen scharfkantig an den Formboden an.
[0028] Die sich zugewandten Seitenflächen des Rahmens und des Trennrahmens sind keilförmig
korrespondierend zueinander ausgebildet.
[0029] Während der Formgebung ist der Trennrahmen in Rahmen arretiert gehalten - während
der Entschalung ist der Trennrahmen beweglich im Rahmen.
[0030] Die der Formmasse zugewandte Seite des Formbodens kann glatt oder strukturiert sein.
[0031] Die Lastverteilerplatte ist vorzugsweise sandwichartig ausgebildet. Die obere Schicht
ist eine Stützschicht zur eigentlichen Direktübertragung und besteht zum Beispiel
aus einer Metallplatte. Darunter schließt sich eine offenporige, wenig kompressible
Schicht an. In direktem Kontakt mit der Formmasse ist eine hygroskopische Schicht,
die wiederum aus mehreren Teilschichten bestehen kann, angeordnet.
[0032] Die Erfindung beansprucht ein Verfahren und die dazugehörige Vorrichtung für die
Herstellung von insbesondere marmorähnlichen Gipselementen mit Sichtflächen hoher
Oberflächengüte in den verschiedensten Konfigurationen. Zum Beispiel können einfarbige
oder marmorierte ebene oder reliefartige Platten, Eck- oder Säulenelemente oder figürliche
Körper nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt werden. Diese Aufzählung
erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
[0033] Die Vorrichtung, insbesondere ihre Elemente, Aufnahme, Lastverteilerplatte, Druckelemente
und vor allem der Formboden sind entsprechend den zu formenden Gipselementen ausgebildet.
[0034] Die erfindungsgemäße Lösung ermöglicht die Herstellung von Gipselementen mit dekorativen
und eine hohe Oberflächengüte aufweisenden Sichtflächen mit geringem Aufwand. Die
Vorrichtung läßt sich einfach mit den Gemischanteilen beschicken. Es ist auch ein
einfaches Entschalen der Gipselemente möglich. Eine nachträgliche aufwendige Sichtflächenbearbeitung
ist nicht erforderlich. Bei Bedarf kann die Sichtfläche mit Wachs poliert werden.
[0035] Die Anwendung von aufwendigen Sichtflächenversiegelungen entfällt, da die Gipsteilchen
im Bereich der Sichtflächen konzentriert sind und ein hoher Verwachsungsgrad der kristallisierten
Gipsteilchen besteht. Die Sichtflächen der Gipselemente weisen eine höhere Oberflächenfestigkeit
als bisher bekannte vergleichbare Erzeugnisse auf. Die Wasseraufnahmefähigkeit dieser
Flächen ist sehr gering, woraus sich ein umfangreiches Anwendungsgebiet der erfindungsgemäß
hergestellten Gipselemente ergibt.
[0036] Da das gesamte Gipselement eine hohe Festigkeit besitzt, lassen sich Elemente, zum
Beispiel Platten, von geringer Dicke herstellen, die durch einfache Verfahren, zum
Beispiel durch Kleben, befestigt werden können.
[0037] Die Erfindung soll nachstehend an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
[0038] In den zugehörigen Zeichnungen wird die Vorrichtung in Schnittdarstellung während
verschiedener Phasen des Herstellungsprozesses dargestellt. Es zeigen:
Figur 1 die Ausgangslage mit gefüllter Form;
Figur 2 die Vorverdichtung der Formmasse;
Figur 3 die Komprimierung der Formmasse und
Figur 4 die Entschalung des geformten Gipselementes.
[0039] Die Vorrichtung besteht aus einem die Formmasse 5 aufnehmenden Unterteil 3 und einem
Oberteil 2, das durch eine Krafteinwirkung vertikal beweglich zum Unterteil 3 angeordnet
ist.
[0040] Das Oberteil 2 und das Unterteil 3 sind durch eine bekannte federbelastete Verriegelung
2.7 lösbar miteinander verbunden und mit einem gemeinsamen Widerlager 1, einem kastenförmigen
Druckbehälter, in Verbindung gebracht.
[0041] Das Oberteil 2 ist als U-förmige Aufnahme 2.1 ausgebildet, wobei kopfseitig ein oder
mehrere Druckelemente 2.2, die mit dem Widerlager 1 verbunden und bodenseitig ein
oder mehrere Druckelemente 2.3 angeordnet sind.
[0042] In die Aufnahme 2.1 sind die Druckleitung 2.4 für das Druckelement 2.3 sowie eine
Entlüftung 2.5 eingebracht. Die Druckelemente 2.2 und 2.3 sind aus flexiblem Material
bestehende Kissen, die mit einem Medium druckbeaufschlagbar sind.
[0043] Als Medium können Luft oder andere Fluide verwendet werden. Die Druckelemente 2.2
und 2.3 sind steuerungstechnisch miteinander verbunden.
[0044] In der dem Unterteil 3 zugewandten Stirnfläche der Aufnahme 2.1 ist eine hervorspringende
umlaufende elastische Dichtung 2.6 angebracht, durch die das Oberteil 2 und das Unterteil
3 während der Formgebung luftdicht miteinander verbunden sind. Das Unterteil 3 besteht
aus dem formstabilen Rahmen 3.2 mit integriertem Trennrahmen 3.3. Der Trennrahmen
besteht in der Draufsicht aus zwei L-förmigen verzahnt ineinandergreifende Teile .
[0045] In der dem Formboden 3.1 zugewandten Stirnfläche des Rahmens 3.2 ist eine elastische
Dichtung 3.4 eingebracht, wodurch das Unterteil 3 luftdicht auf dem Formboden 3.1
abgestützt ist. Der Trennrahmen 3.3 schließt scharfkantig an den Formboden 3.1 an.
[0046] Durch die keilförmig korrespondierend zueinander ausgebildeten, sich zugwandten
Seitenflächen des Rahmens 3.2 und des Trennrahmens 3.3 ist der Trennrahmen 3.3 während
der Formgebung im Rahmen 3.2 arretiert gehalten, während der Trennrahmen 3.3 bei der
Entschalung des geformten Körpers beweglich im Rahmen 3.2 ist.
[0047] Der Formboden 3.1 ist beweglich auf dem Widerlager 1 angeordnet, wobei die der Formmasse
5 zugewandte Seite des Formbodens 3.1, der späteren Sichtfläche des geformten Körpers,
glatt oder strukturiert sein kann.
[0048] Zwischen Oberteil 2 und Unterteil 3 ist eine Lastverteilerplatte 4 einlegbar, wobei
diese die innere Konfiguration des Trennrahmens 3.3 vollflächig abdeckt. Die sandwichartige
Platte weist als Stützschicht eine Metallplatte 4.1 auf, unter der eine PVC-Lochplatte
4.2 zur vorrangigen Aufnahme der überschüssigen Luft aus der verdichteten Formmasse
5 angeordnet ist.
[0049] Als unterste Schicht sind ein oder mehrere hygroskopische Vlieslagen 4.3 zur Aufnahme
des überschüssigen Wassers aus der Formmasse 5 vorgesehen.
[0050] Die Wirkungsweise der an der konstruktiven Ausbildung der Vorrichtung beteiligten
Einzelelemente wird in der Beschreibung des Verfahrns zur Herstellung von Gipselementen
mit marmorähnlichen Sichtflächen dargestellt.
[0051] Das Verfahren wird anhand der Herstellung von ebenen Stuckmarmorplatten beschrieben.
[0052] In Figur 1 sind Oberteil 2 und Unterteil 3 der Vorrichtung in Ausgangslage getrennt
voneinander im Widerlager 1 posi tioniert. Der auf Laufrollen gelagerte Formboden
3.1 mit dem darauf angeordneten Rahmen 3.2 mit integriertem Trennrahmen 3.3 wurde
außerhalb des Widerlagers 1 mit einer Formmasse 5 bestehend aus einem fließfähigen
Wasser-Gips-Gemisch 5.1 und einer darüber aufgebrachten Schicht trokkenem Gipspulver
5.2 gleichmäßiger Dicke beschickt. Zur Positionierung des Rahmens 3.2 auf dem Formboden
3.1 sind formschüssige korrespondierende Mittel ausgebildet. Die marmorierte Struktur
im Sichtbereich der zu formenden Körper kann durch Zusatz von Farbpigmenten im Gemisch
5.1 oder durch vorheriges Aufbringen von mit Gips und Wasser vermischten Pigmenten
auf dem Formboden 3.1 erzielt werden.
[0053] Die Formmasse 5 wird mit einer Lastverteilerplatte 4 mit sandwichartigem Aufbau abgedeckt.
Diese Platte weist den weiter oben genannten Schichtenaufbau auf. Wie aus den Zeichnungen
ersichtlich, wird die Lastverteilerplatte 4 auf die Formmasse 5 gelegt. Es ist aber
auch möglich, daß sie Teile von ihr an der Unterseite des Druckelementes 2.1 befestigt
ist/sind.
[0054] Nun werden die Druckelemente 2.2 und 2.3, die über eine Regeleinrichtung miteinander
gekoppelt sind, mit dem Druck beaufschlagt. Ihre Druckbeaufschlagung wird durch die
Regeleinrichtung derartig aufeinander abgestimmt, daß das Druckelement 2.3 über die
Lastverteilerplatte 4 auf die Formmasse 5 drückt, wodurch diese über die Entlüftung
2.5 entlüftet und gleichzeitig vorverdichtet wird (Figur 2).
[0055] Mit weiterer Druckerhöhung wird die Entlüftung 2.5 durch das Druckelement 2.3 verschlossen,
die Verriegelung 2.7 verschließt das Oberteil 2 mit dem Unterteil 3 und die Formmasse
5 wird luftdicht komprimiert (Figur 3).
[0056] Während dieser Formgebung erfolgt durch die Dichtung 2.6 zwischen Aufnahme 2.1 und
Rahmen 3.2 ein luftdichter Verschluß, wodurch in der Form ein Überdruck, zum Beispiel
0,4 MPa, ausgebildet wird. Dieser Überdruck wird nun solange aufrechterhalten, bis
sich die Gipsteilchen des fließfähigen Wasser-Gips-Gemisches 5.1 an bzw. in der Nähe
des Formbodens 3.1 konzentriert haben und die für den Abbindeprozeß nicht erforderlichen
Bestandteile der Formmasse 5 wie Luft und überschüssiges Wasser in Richtung Lastverteilerplatte
4 transportiert werden.
[0057] Nach Beendigung dieser Konzentrationsprozesse wird der der Formmasse 5 aufgeprägte
Druck in voller Höhe oder etwas vermindert bis zur Formstabilität des Gipselementes
aufrechterhalten, damit keine unerwünschte Verformung des Elementes auftritt. Die
Eigenschaft der Gipselemente, daß sie, bedingt durch den Schichtenaufbau der Formmasse
5, nicht sofort formstabil sind, kann auch gezielt zur Formgebung der Gipselemente
genutzt werden.
[0058] Es erfolgt die in Figur 4 dargestellte Entschalung des Gipselementes. Im Druckelement
2.2 wird der Druck verringert, während der Druck im Druckelement 2.3 unverändert
bleibt. Dies hat zur Folge, daß der durch die Verriegelung 2.7 am nach oben bewegten
Oberteil 2 befestigte Rahmen 3.2 ebenfalls nach oben bewegt wird. Die keilförmig sich
zugewandten Seitenflächen von Rahmen 3.2 und Trennrahmen 3.3 und die bewegliche Befestigung
des Trennrahmens 3.3 am Rahmen 3.2 bewirken, daß das aus der Formmasse 5 geformte
Gipselement ohne Schwierigkeiten entschalt wird.
[0059] Die so hergestellten Stuckmarmorplatten weisen eine hohe Oberflächengüte auf. Hohe
Abriebfestigkeit, hohe Dichte und geringes Porenvolumen, sowie hohe Druck- und Biegezugfestigkeit
machen sie mit Naturmarmor vergleichbar.
[0060] Bei der Herstellung von Winkelelementen oder Elementen mit anderen Konfigurationen
werden die Aufnahme 2.1 die Lastverteilerplatte 4, die Druckelemente 2.2 und 2.3
und der Formboden 3.1 entsprechend ausgebildet.
[0061] Der gesamte Herstellungsprozeß von Gipselementen mit marmorähnlichen Sichtflächen
kann automatisiert erfolgen.
[0062] Die Erfindung beschränkt sich in ihrer Ausführung nicht auf das vorstehend angegebene
bevorzugte Ausführungsbeispiel. Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche
von der dargestellten Lösung auch bei grundsätzlich anders gearteten Ausführungen
Gebrauch machen.
1. Verfahren zur Herstellung von insbesondere marmorähnlichen Gipslementen mit Sichtflächen
hoher Oberflächengüte, bei dem eine mehrschichtige Formmasse, bestehend aus Gips,
Wasser und erforderlichenfalls Farbpigmenten in einer Form unter Druck geformt wird,
dadurch gekennzeichnet,
daß auf einen porenfreien, glatten Formboden (3.1) der Form zuerst eine Schicht gleichmäßiger
Dicke fließfähiges Wasser-Gipsgemisch (5.1) gegeben und auf dieses Gemisch eine Schicht
trockenes Gipspulver (5.2) gleichmäßiger Dikke aufgebracht wird, daß unmittelbar
danach die Formmasse (5) mit einem hygroskopischen und/oder offenporigen wenig kompressiblen
Material abgedeckt, durch starre und/oder flexible Druckelemente (2.2; 2.3) bei gleichzeitigem
Entlüften vorverdichtet und anschließend unter Luftabschluß komprimiert wird, daß
in der Formmasse (5) und dem sie bedeckenden Material ein Überdruck aufgebaut wird,
daß die Gipsteilchen in der fließfähigen Schicht der Formmasse (5) in Richtung Formboden
transportiert werden und sich am und in der Nähe des Formbodens (3.1) konzentrieren
und gleichzeitig die für die Rekristallisation nicht erforderlichen Bestandteile
der Formmasse (5) wie Luft und überschüssiges Wasser in Richtung Druckelemente (2.2;
2.3) transportiert werden und sich in der Schicht aus Gipspulver (5.2) und überwiegend
in dem die Formmasse (5) bedeckenden Material konzentrieren, daß nach Beendigung dieser
Konzentrations prozesse bis zum Erreichen der Formstabilität des Gipselementes die
Druckelemente (2.2; 2.3) mindestens teilweise druckbeaufschlagt bleiben und daß das
Gipselement mit Hilfe der Druckelemente (2.2; 2.3) entschalt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Überdruck in der verschlossenen Form aufgebaut wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Überdruck zwischen 0,13 MPa und 0,5 Mpa aufgebaut wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Überdruck kontinuierlich bis zum vorgesehenen Wert erhöht wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Überdruck schlagartig aufgebaut wird.
6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Überdruck und die Zeitdauer seines Aufrechterhaltens von der Formmasse (5)
und/oder der angestrebten Formgebung abhängig sind.
7. Vorrichtung zur Herstellung von insbesondere marmorähnlichen Gipselementen mit
Sichtflächen hoher Oberflächengüte, bestehend aus einem die Formmasse aufnehmenden
Unterteil mit einem glatten und porenfreien Formboden und Seitenwänden und einem durch
Druck beaufschlagbaren in Richtung Unterteil vertikal beweglichen Oberteil, die miteinander
verriegelbar sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Oberteil (2) und das Unterteil (3) mit einem Widerlager (1) in Verbindung
gebracht sind, daß das Oberteil (2) als Aufnahme (2.1) mit kopf- und bodenseitig angelenkten
Druckelementen (2.2; 2.3) ausgebildet ist, wobei sich das kopfseitig angeordnete Druckelement
(2.2) am Widerlager (1) abstützt, in dessen dem Unterteil (3) zugewandte Stirnfläche
eine hervorspringende umlaufende elastische Dichtung (2.6) angebracht ist, daß das
Unterteil (3) aus formstabilen Rahmen (3.2) mit integriertem Trennrahmen (3.3) besteht,
wobei durch die in die dem Formboden (3.1) zugewandte Stirnfläche des Rahmens (3.2)
eingebrachte elastische Dichtung (3.4) das Unterteil (3) luftdicht auf dem Formboden
(3.1) abgestützt ist, daß der Formboden (3.1) beweglich auf dem Widerlager (1) angeordnet
ist und daß zwischen Oberteil (2) und Unterteil (3) eine die innere Konfiguration
des Trennrahmens (3.3) vollflächig abdeckende Lastverteilerplatte (4) eingelegt ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Oberteil (2) und das Unterteil (3) über die Dichtung (2.6) luftdicht miteinander
verriegelbar sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 und 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Entlüftung (2.5) und die Aufnahme (2.1) integriert und bei Druckerhöhung
im Druckelement (2.3) durch das Druckelement (2.3) selbstverschließend ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß mehrere Druckelemente (2.2; 2.3) an der Aufnahme (2.1) angelenkt sind.
11. Vorrichtung nach Anspruch 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckelemente (2.2; 2.3) druckbeaufschlagbare Kissen sind.
12. Vorrichtung nach Anspruch 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Druckelemente (2.2; 2.3) steuerungstechnisch miteinander gekoppelt sind.
13. Vorrichtung nach Anspruch 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Stirnflächen des Trennrahmens (3.3) scharfkantig an den Formboden (3.1) anschließen.
14. Vorrichtung nach Anspruch 7 und 13, dadurch gekennzeichnet, daß die sich zugewandten Seitenflächen des Rahmens (3.2) und des Trennrahmens (3.3)
keilförmig korrespondierend zueinander ausgebildet sind.
15. Vorrichtung nach Anspruch 7 und 13 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß der Trennrahmen (3.3) während der Formgebung im Rahmen (3.2) arretiert gehalten
ist.
16. Vorrichtung nach Anspruch 7 und 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß der Trennrahmen (3.3) während der Entschalung beweglich im Rahmen (3.2) ist.
17. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die der Formmasse (5) zugewandte Seite des Formbodens (3.1) strukturiert ist.
18. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Lastverteilerplatte (4) sandwichartig aufgebaut ist und aus einer Stützschicht,
mindestens einer offenporigen, wenig kompressiblen Schicht und mindestens einer hygroskopischen
Schicht besteht.
19. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Lastverteilerplatte (4) oder einzelne Schichten von dieser am Druckelement
(2.3) befestigt sind.