[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung eines hitzebeständigen Stahls für korrosionsbeständige
Bauteile, wie Abgasanlagen.
[0002] Sofern nichts anderes angegeben ist, stehen im folgenden %-Angaben für Gew.-%.
[0003] Bei Auspuffanlagen von Automobilen ist das Anforderungsprofil an die Werkstoffeigenschaften
durch den zunehmenden Einsatz von Abgas-Katalysatoren in letzter Zeit deutlich gestiegen.
Im motornahen Bereich zwischen Verbrennungsmotor und Katalysator können Temperaturen
bis zu 950
oC auftreten; gleichzeitig kommt es in diesem Bereich wegen des elastisch gelagerten
Motors zu starken Biege- und Schwingungsbeanspruchungen.
[0004] Wegen dieser hohen mechanisch-thermischen Beanspruchung werden für diesen Bereich
heute vielfach austenitische Chrom-Nickel-Stähle, z.B. die Werkstoff-Nr. 1.4878 oder
1.4828 nach der Stahl-Eisen-Liste des VdEh, Verlag Stahleisen mbH, Düsseldorf, 7.
Auflage 1981, eingesetzt. Der Nachteil dieser austenitischen Stähle liegt vor allem
in ihren hohen Wärmeausdehnungsbeiwerten.
[0005] Deshalb ist ein besonderer konstruktiver Aufwand, z. B. durch Einbau von Kompensationselementen,
erforderlich. Außerdem sind solche Stähle teuer.
[0006] Im hinteren Teil der Abgasanlage tritt durch Taupunktunterschreitungen Naßkorrosion
auf, die durch beim Verbrennungsprozeß anfallende Substanzen (vor allem Sulfat-Bildung)
zu einer starken Korrosionsbeaufschlagung der Abgasanlage führt. Bisher werden für
diesen Bereich überwiegend aluminierte Stähle sowie 12 %-ige Chromstähle, z. B. die
Werkstoff-Nr. 1.4512 nach Stahl-Eisen-Liste eingesetzt. Wegen der genannten Korrosionsbeanspruchung
werden diese ferritischen Stähle oft überfordert, und es kommt zu vorzeitigen Ausfällen.
Außerdem ist es für die Hersteller der Abgasanlagen von Nachteil, daß zwei Stahltypen
mit unterschiedlichen Eigenschaften eingesetzt werden müssen.
[0007] Als Ersatz für teure hitzebeständige austenitische Stähle, deren Einsatz wegen zu
großer Wärmeausdehnung Schwierigkeiten bereitet, bieten sich Stähle mit geringerer
Wärmeausdehnung an, wie ferritische Chrom-Stähle, die die notwendige Hitze- und
Zunderbeständigkeit durch Chrom-Gehalte von 17 bis 20 % sowie durch Zusätze weiterer,
die Zunderbeständigkeit erhöhender Elemente erreichen.
[0008] So ist ein Stahl der französischen Firma UGINE-GUEUGNON mit max. 0,03 % Kohlenstoff,
16,5 bis 17,5 % Chrom und Zusätzen von 0,4 % Niob und/oder Zirkonium für den Hochtemperaturbetrieb,
wie er bei Automobil-Abgasanlagen herrscht, bekannt. Ein weiterer bekannter Stahl
der THYSSEN EDELSTAHL WERKE AG, Werkstoff-Nr. 1.4509, enthält 17,5 bis 19,0 % Chrom,
0,6 bis 0,9 % Niob und 0,10 bis 0,5 % Titan.
Nach der DE-PS 27 50 623 wird für Auspuffsysteme ein Stahl mit 17 bis 18 % Chrom und
einem Zirkoniumzusatz bis 1,5 % bevorzugt.
[0009] Da aber gleichzeitig niedrige Stickstoffgehalte kleiner 0,015 % zwingend vorgeschrieben
sind, wird durch die besonderen schmelzmetallurgischen Verfahrensschritte zur Erreichung
dieser niedrigen Stickstoffgehalte (Vakuumbehandlung) dieser Stahl unwirtschaftlich
teuer.
[0010] Die erwähnten ferritischen Stähle haben zwar bei Chrom-Gehalten von 17 bis 18 %
eine ausreichende Hitze- und Zunderbeständigkeit. Mit steigendem Chrom-Gehalt können
jedoch nachteilige Werkstoff-Eigenschaften auftreten. Höhere Chrom-Gehalte wirken
sich nachteilig auf das Umform- und Tiefziehverhalten aus. Außerdem kann es verstärkt
zu Problemen beim Schweißen kommen. Nachteilig für die hier vorgesehene Anwendung
für Abgasanlagen ist vor allem, daß es zur sogenannten "475
o-Versprödung" kommt. Bei höheren Temperaturen zwischen 600 bis 800 Grad Celsius tritt
außerdem die sogenannte σ-Phasen-Versprödung auf (E. Houdremont, Handbuch der Sonderstahlkunde
1956, Band 1, Seiten 684 ff; DE-Z Tech. Mitt. Krupp-Werksberichte Band 33 (1975),
Heft 2, Seiten 45 ff).
[0011] Solche unangenehmen Versprödungserscheinungen können zwar durch besondere Wärmebehandlungen
wieder beseitigt werden, doch gibt es beim Abgassystem Bereiche, wo sich diese Versprödung
im Langzeitgebrauch bei kritischen Temperaturen aufbaut, ohne daß die Möglichkeit
besteht, diesen Vorgang wieder rückgängig zu machen. Dadurch kommt es als Folge der
teilweise kritischen mechanischen Beanspruchung zu Materialschädigungen und zu Zerstörungen
der Abgasanlage. In Anbetracht der Nachteile, die mit den zur Zeit für Abgasanlagen
verwendeten Stählen verbunden sind, wird daher von der Automobilindustrie ein Werkstoff
mit folgenden Eigenschaften gefordert:
- Gute Verarbeitbarkeit (Umformen, Schweißen usw.)
- Hohe Hitze- und Zunderbeständigkeit
- Geringer Wärmeausdehnungskoeffizient
- Gute Korrosions-Eigenschaften, auch im geschweißten Zustand
- Geringe Versprödungsneigung bis 950
oC.
- Gute Schwingungs- und Dauerfestigkeits-Eigenschaften
- Niedriger Preis
[0012] Ausgehend von dieser Forderung ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen
Stahl zu schaffen, der das Anforderungsprofil erfüllt und die aufgeführten Nachteile
vermeidet.
[0013] Diese Aufgabe wird gelöst durch die Verwendung eines Stahls bestehend aus :
max. 0,02 % C
max. 1,0 % Si
max. 1,0 % Mn
max. 0,045 % P
max. 0,030 % S
14,5 bis 16,0 % Cr
max. 0,5 % Ni
max. 0,5 % Mo
max. 0,020 % N
0,4 bis 1,0 % Nb
0,2 bis 1,0 % Ti
0,10 bis 0,50 % Zr
[0014] Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen in Form von warm- und/oder kaltgewalztem
Band mit guten Umform- und Schweißeigenschaften als Werkstoff zur Herstellung von
korrosionsbeständigen Bauteilen, die bei Temperaturen bis 950
oC eingesetzt werden, insbesondere von Abgasanlagen, wie Auspuffanlagen für Verbrennungsmotoren
oder von Mänteln oder von Anschlußrohren für Abgaskatalysatoren.
[0015] Bevorzugt weist der erfindungsgemäß zu verwendende Stahl die folgende Zusammensetzung
auf:
0,012 bis 0,018 % C
0,40 bis 0,60 % Si
0,40 bis 0,60 % Mn
max. 0,035 % P
max. 0,010 % S
15,0 bis 16,0 % Cr
max. 0,016 % N
0,4 bis 0,7 % Nb
0,4 bis 0,7 % Ti
0,2 bis 0,3 % Zr
Rest Eisen und übliche erschmelzungsbedingte Verunreinigungen.
[0016] Bevorzugt wird der Stahl als Werkstoff für die Herstellung von Abgasanlagen, insbesondere
von Auspuffanlagen für Verbrennungsmotoren genutzt. Er kann bevorzugt auch zur Herstellung
der Mantel- und Anschlußrohre verwendet werden, die zum Abgaskatalysator gehören.
Der erfindungsgemäß zu verwendende Stahl bietet aufgrund seiner Zusammensetzung und
seines ferritischen Gefüges folgende Vorteile:
- Er ist im Strang vergießbar (stranggußfähig).
- Er zeigt ein gutes, problemloses Verhalten bei der Warm-Breitbandwalzung und bei
der Herstellung geringer Warmbanddicken.
- Er zeigt ein gutes Kaltverarbeitungsverhalten auf allen für nichtrostende Stähle
üblichen Anlagen. Für besonders kritische Unformoperationen kann es sinnvoll sein,
vor der üblichen Warmbandentzunderung eine Glühung bei rund 980
o C durchzuführen, doch ist es eine weitere vorteilhafte Eigenschaft des erfindungsgemäßen
Stahles, daß für den überwiegenden Teil der Anwendungsfälle auf diese Glühung verzichtet
werden kann.
- Der Stahl verfügt über gute Rekristallisations-Eigenschaften, die Entstehung von
Grobkorngefüge beim Einsatz der Auspuffanlage wird jedoch gleichzeitig in Grenzen
gehalten.
[0017] Mit dem erfindungsgemäß zu verwendenden Stahl ist somit ein Werkstoff gefunden, der
für Bauteile geeignet ist, die bei Temperaturen bis 950
oC eingesetzt werden, und der sich gleichzeitig wegen seiner guten Korrosions-Eigenschaften
für den hinteren Bereich einer Abgasanlage eignet. Entscheidend für die guten Eigenschaften
des erfindungsgemäßen Stahls ist die gleichzeitige Zugabe der Elemente Niob, Titan
und Zirkonium in dem beanspruchten Legierungsverhältnis.
[0018] Im folgenden wird die Erfindung näher erläutert:
In
Figur 1 ist für Stähle der erfindungsgemäß zu verwendenden Zusammensetzung (Kurve A) im
Vergleich zu bekannten Stählen
(Kurve B): 11 % Cr-Stahl, Werkstoff-Nr. 1.4512
(Kurve C): 17 % Cr-Stahl, Werkstoff-Nr. 1.4511
(Kurve D): 18 % Cr - 9 % Ni-Stahl Werkstoff-Nr. 1.4878
anhand von Zunderverlustkurven (Metallverlust durch Verzunderung in g/m²h in Abhängigkeit
der jeweiligen Temperatur in
oC) das Verzunderungsverhalten dargestellt (Vergleiche dazu DE-Fachbuch, Werkstoffkunde
Stahl, Band 2, 1985, Springer Verlag, Seite 436).
[0019] Die Prüfung erfolgte im 120 h-Versuch mit Abkühlung an Luft je 24 h gemäß den Richlinien
des Vereins Deutscher Eisenhüttenwerke.
Ein Stahl gilt vereinbarungsgemäß bei einer bestimmten Temperatur als zunderbeständig,
wenn das Gewicht der abgezunderten Metallmenge bei dieser Temperatur rund 1 g/m²h
und bei einer um 50
oC höheren Temperatur rund 2 g/m²h nicht überschreitet.
Man erkennt, daß der erfindungsgemäß zu verwendende Stahl(A) eine dem wesentlich teureren
austenititischen Chrom-Nickel-Stahl (D) vergleichbare Zunderverlustkurve aufweist.
Beide Stähle ertragen eine Temperaturbeanspruchung um 950
oC Der 11 %-Chrom-Stahl (B) ist der Temperaturbeanspruchung bis 950
oC keineswegs gewachsen.
Auch der 17 %-Chrom-Stahl (C) ist dem Stahl (A) im Hinblick auf die Zunderbeständigkeit
unterlegen.
[0020] In
Tafel 1 sind die Wärmeausdehnungskoeffizienten der untersuchten Stähle A (erfindungsgemäß),
B, C, und D (Vergleichsstähle) wiedergegeben.
Man erkennt, daß der erfindungsgemäß zu verwendende Stahl A im Rahmen der bekannten
ferritischen Stähle B und C liegt, jedoch einen wesentlich geringeren Ausdehnungskoeffizienten
aufweist als der austenitische Stahl D.
[0021] Herstellung und Weiterverarbeitung des Stahls sind im folgenden
Beispiel beschrieben:
[0022] Ein Stahl der Zusammensetzung
0,015 % C
0,51 % Si
0,48 % Mn
0,034 % P
0,004 % S
15,38 % Cr
0,19 % Ni
0,13 % Mo
0,016 % N
0,52 % Nb
0,53 % Ti
0,26 % Zr
[0023] Rest Eisen und erschmelzungsbedingte Verunreinigungen wurde im AOD-Verfahren erschmolzen.
Das Verhältnis Niob : Titan : Zirkonium betrug 2 : 2,04 : 1 die Summe der Elemente
Niob, Titan und Zirkonium betrug 1,31 %.
Der Stahl wurde im Strang zu Brammen vergossen, die anschließend zu Warmband ausgewalzt
wurden. Ein Band wurde entzundert, kaltgewalzt und in einem offenen Durchziehofen
bei rund 980
oC geglüht, gebeizt und anschließend leicht nachgewalzt (dressiert). Aus diesem Kaltband,
Ausführung IIIc gemäß DIN 17 441, wurden bei einem Weiterverarbeiter Auspuffanlagen
mit Abgaskatalysator hergestellt. Bei der Herstellung von Rohren sowie beim Tiefziehen
der Katalysatorteile und beim anschließenden Zusammenschweißen der Anlage traten
keine Besonderheiten auf.
[0024] Diese Auspuffanlage aus dem beanspruchten Stahl wurde im Vergleich zu einer konventionellen
Auspuffanlage, deren vorderer Bereich einschließlich Katalysator aus austenitischem
Stahl Werkstoff-Nr. 1.4878 hergestellt worden war und zur Kompensation der starken
Wärmeausdehnung entsprechende Kompensatoren enthielt, während der hintere Bereich,
wie bisher üblich, aus ferritischem Stahl, Werkstoff-Nr. 1.4512 bestand, im Labor-
und Praxisversuch getestet. Das Verhalten im vorderen Hochtemperatur-Bereich war bei
beiden Werkstoffen einwandfrei. Im hinteren kälteren Bereich der Abgasanlage zeigten
sich beim erfindungsgemäß zu verwendenden Stahl keine nennenswerten Korrosionsangriffe,
während der Werkstoff 1.4512 deutliche Schäden, vor allem durch lochartigen Korrosionsangriff,
aufwies.
[0025] Ein zweites Band wurde im offenen Durchziehofen bei rund 980
oC geglüht und entzundert. Nach der Kaltwalzung erfolgte zur weiteren Verbesserung
der Umformeigenschaften des kaltgewalzten Bandes eine Rekristallisationsglühung in
einem Durchlaufofen bei rund 980
oC unter Blankglühatmosphäre Dieses Band, Zustand IIId, gemäß DIN 17 441, wurde bei
einem anderen Auspuffhersteller zu einer Auspuffanlage mit Katalysator verarbeitet
und getestet. Die Testergebnisse bestätigten auch in diesem Fall die guten Hochtemperatur-
und Korrosions-Eigenschaften des erfindungsgemäß zu verwendenden Stahls.
Tafel 1
| Lineare Ausdehnungsbeiwerte einiger nichtrostender und hitzebeständiger Stähle |
| |
Werkstoff-Nr. |
Gefügezustand |
Werte gelten zwischen 20° und 500° |
| C |
1.4511 |
" |
11,0 · 10⁻⁶ m/m · °C |
| B |
1.4512 |
" |
12,4 · 10⁻⁶ m/m · °C |
| D |
1.4878 |
austenitisch |
18,0 · 10⁻⁶ m/m · °C |
| A |
Erfindungsgemäßer Stahl |
ferritisch |
11,0 · 10⁻⁶ m/m · °C |
1. Verwendung eines Stahls, bestehend aus (in Gew.-%):
max. 0,02 % C
max. 1,0 % Si
max. 1,0 % Mn
max. 0,045 % P
max. 0,030 % S
14,5 bis 16,0 % Cr
max. 0,5 % Ni
max. 0,5 % Mo
max. 0,020 % N
0,4 bis 1,0 % Nb
0,2 bis 1,0 % Ti
0,10 bis 0,50 % Zr
Rest Eisen und übliche erschmelzungsbedingte Verunreinigungen, wobei das Verhältnis
Niob : Titan : Zirkonium = 2,0 bis 3,5 : 2,0 bis 3,5 : 1,0 bis 1,5 ist und die Summe
der Elemente Niob, Titan und Zirkonium höchstens 1,8 % beträgt,
in Form von warm- und/oder kaltgewalztem Band mit guten Umform- und Schweißeigenschaften
als Werkstoff zur Herstellung von korrosionsbeständigen Bauteilen, die bei Temperaturen
bis 950 oC eingesetzt werden.
2. Verwendung eines Stahls bestehend aus (in Gew-%):
0,012 bis 0,018 % C
0,40 bis 0,60 % Si
0,40 bis 0,60 % Mn
max. 0,035 % P
max. 0,010 % S
15,0 bis 16,0 % Cr
max. 0,016 % N
0,4 bis 0,7 % Nb
0,4 bis 0,7 % Ti
0,2 bis 0,3 % Zr
Rest Eisen und übliche erschmelzungsbedingte Verunreinigungen
für den Zweck nach Anspruch 1.
3. Verwendung eines Stahls nach Anspruch 1 oder 2 als Werkstoff zur Herstellung von
Abgasanlagen, insbesondere von Auspuffanlagen für Verbrennungsmotoren.
4. Verwendung eines Stahls nach Anspruch 1 oder 2 als Werkstoff zur Herstellung von
Mänteln oder von Anschlußrohren für Abgaskatalysatoren.