[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung mit einem Tiegel, in dem sich ein Metall
oder eine Metall-Legierung befindet nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Beim Schmelzen von Stoffen in Tiegeln ist darauf zu achten, daß der Tiegel eine höhere
Schmelztemperatur hat als der zu schmelzende Stoff, denn bei herkömmlichen Tiegeln
wird die Innenfläche des Tiegels genauso warm wie die Schmelze. In den meisten fällen
genügen Tiegel aus Keramik den Anforderungen, da sie eine sehr hohe Schmelztemperatur
besitzen. Allerdings kann die stark erhitzte Innenfläche eines Keramik-Tiegels chemisch
mit der Schmelze reagieren, wodurch die Schmelze durch das Tiegelmaterial verunreinigt
wird. Die Verunreinigung besteht in der Regel darin, daß die Schmelze unter Reduktion
der Tiegeloxidkeramik oxidiert wird. Es ist jedoch auch möglich, daß Verunreinigungen
des Tiegels, z. B. Schwefel in Lösung gehen. Außerdem können Keramikpartikel vom Tiegel
abplatzen und in das Schmelzgut gelangen, wo sie nach der Erstarrung des Schmelzguts
Einschlüsse bilden, die oft als "low density inclusions" bezeichnet werden. Solche
Einschlüsse mindern die Qualität der erstarrten Schmelze, da sie z. B. Ausgangspunkt
von Rissen sind.
[0003] Eine Möglichkeit, diese Nachteile zu vermeiden, besteht darin, den Tiegel nicht aus
Keramik, sondern aus Metall herzustellen. In diesem Fall tritt jedoch das Problem
auf, daß Stoffe mit hoher Schmelztemperatur nicht im Tiegel geschmolzen werden können.
Würde man z. B. versuchen, Metalle wie Tantal, Wolfram oder Thorium ohne besondere
Maßnahmen in einem Kupfertiegel zu schmelzen, so wäre der Tiegel schon lange geschmolzen,
bevor die Schmelztemperatur dieser Metalle erreicht ist.
[0004] Um Stoffe mit hoher Schmelztemperatur in Tiegeln niedrigerer Schmelztemperatur schmelzen
zu können, ist es seit langem bekannt, die Tiegel mit Wasser zu kühlen. Hierdurch
wird der Tiegel fortwährend auf einer Temperatur unterhalb seines eigenen Schmelzpunkts
gehalten. Allerdings tritt nun das Problem der Erwärmung des Schmelzguts auf, denn
wenn der Behälter selbst gekühlt wird, kann er keine höheren Temperaturen an das Schmelzgut
abgeben.
[0005] Dieses Problem wird auf einfache Weise dadurch gelöst, daß das Schmelzgut elektrisch
beheizt wird, und zwar durch induktive Erwärmung. Hierbei wird um den Tiegel herum
eine Spule vorgesehen, die elektrische Energie durch die Tiegelwand hindurch dem Schmelzgut
zuführt.
[0006] Damit bei induktiver Beheizung ein aus Metall bestehender Tiegel nicht selbst induktiv
zu stark durch Wirbelströme erwärmt wird, ist es bereits bekannt, den Tiegel aus einzelnen
Segmenten zusammenzusetzen, die gegeneinander durch eine isolierende Schicht getrennt
sind (DE-PS 518 499). Zur Isolierung kann z. B. Glimmer verwendet werden.
[0007] Weiterhin ist ein Induktionsofen ohne Eisenkern bekannt, bei dem die Dichte der Windungen
der Induktionsspule von unten nach oben oder von oben nach unten abnimmt (DE-PS 563
710). Hierdurch soll eine Regelung der Badbewegung erzielt werden. Will man beispielsweise
starke Oxidation eines flüssigen Eisens oder Stahls erzielen, so verwendet man eine
Spule, deren Windungen in ihrem oberen Teil dichter gewickelt sind als in dem unteren,
wodurch eine starke Oberflächenbewegung des Bads erzielt wird. Soll dagegen beispielweise
bei Überhitzung von flüssigem Aluminium im Induktionsofen eine allzu starke Badbewegung,
insbesondere an der Badoberfläche, vermieden werden, so verwendet man zweckmäßig
eine Spule, deren Windungen in ihrem unteren Teil dichter gewickelt sind als in ihrem
oberen Teil. Der hierbei verwendete Tiegel ist jedoch nicht geschlitzt ausgebildet.
[0008] Eine ähnliche Spule ist auch aus der US-PS 1 839 801 bekannt, bei welcher die Windungen
an den Enden dichter zusammenliegen als in der Mitte.
[0009] Es ist außerdem ein Verfahren zum Vakuumsintern von Pulverprodukten in einem elektrisch
beheizten Vakuumofen bekannt, bei dem die Erwärmung des Ofens in Abhängigkeit von
dem Druck im Ofen gesteuert wird (DE-A-2 152 489). Der hierbei verwendete Vakuumofen
ist ebenfalls nicht geschlitzt.
[0010] Bei einem anderen bekannten Induktionsschmelzofen zum Schmelzen von Metallen ist
ein länglicher, elektrisch isolierter und mit Wasser gekühlter Schmelztiegel vorgesehen,
der oben und unten offen ist und der über seine ganze Länge den gleichen Querschnitt
hat (US-PS 3 775 091). Dieser Schmelztiegel ist durch senkrechte Schlitze in wenigstens
zwei Segmente unterteilt, wobei jedes Segment von dem jeweils anderen Segment elektrisch
isoliert ist, damit keine elektrischen Kurzschlüsse auftreten. Die Schlitze dienen
dazu, die Abschirmwirkung des Tiegels gegen elektrische Felder zu verringern. Um zwischen
den Segmenten und auf der Innenseite des Tiegels stets eine Isolierung zu erzeugen
und aufrechtzuerhalten, ist eine keramische Auskleidung vorgesehen, die im festen
Zustand elektrische Isoliereigenschaften aufweist und die eine Schmelzpunkttemperatur
hat, die sich von der Schmelzpunkttemperatur des zu schmelzenden Metalls unterscheidet.
Diese isolierende Auskleidung enthält beispielsweise ein alkalisches Erdmetallfluorid.
Hierdurch wird eine sich selbst erzeugende Isolierauskleidung erzeugt. Nachteilig
ist hierbei jedoch, daß die Verwendung von Schlacke beim Schmelzen reaktiver Metalle
die Gefahr der Verunreinigung des Metalls mit sich bringt. Außerdem hat sich herausgestellt,
daß selbst bei einem Partialdruck von Argon oder Helium die Qualität des geschmolzenen
Materials sehr zu wünschen übrig ließ.
[0011] Die Verwendung von isolierenden Schlacken zwischen der Schmelze und den gekühlt en
Segmenten ist aus elektrischen Gründen nicht notwendig, wie in der DE-PS 518 499 beschrieben
ist. Isolierende Schichten zwischen der Schmelze und den gekühlten Segmenten stellen
insoweit einen Vorteil dar, daß sie eine Wärmedämmschicht darstellen und damit den
Wärmefluß aus der Schmelze zu den gekühlten Segmenten deutlich reduzieren, so daß
mit geringeren elektrischen Induktions-Heizleistungen geschmolzen werden kann. Die
Größe der Stromversorgung kann geringer sein und es machen sich die den Prozeß begrenzenden
Stromkräfte noch nicht so bemerkbar.
[0012] Es ist ferner ein Verfahren zum induktiven Schmelzen reaktiver Metalle und Legierungen
in nicht-reaktiver Umgebung bekannt, bei dem das Schmelzgut in einem in Segmente
unterteilten Tiegel in Abwesenheit von isolierender Schlacke geschmolzen wird (EP-A-0276544).
Mit diesem Verfahren sollen qualitativ hochwertige Produkte erzeugt werden, die nicht
durch Schlacken oder dergleichen verunreinigt sind. Hierbei sind die Wandsegmente
des Tiegels nicht elektrisch voneinander isoliert, sondern an ihrer Basis miteinander
verbunden und damit elektrisch kurzgeschlossen, wie dies bereits in vorhergehenden
Veröffentlichungen und in der DE-PS 518 499 beschrieben wurde. Außerdem ist der Tiegel
in einem evakuierten Raum mit weniger als 500 µm Hg vorgesehen.
[0013] Nachteilig ist bei diesem Verfahren, daß die induktiv eingebrachte elektrische Heizleistung
über die ganze Höhe des Tiegels gleich ist, was zu keiner optimalen Einschmelzzeit
führt.
[0014] Es ist indessen auch bekannt, bei Diffusionshochöfen, Vakuumöfen oder Töpferöfen
den Aufheizungsbereich in verschiedene Zonen zu unterteilen, wobei für jede Zone eine
andere Spule verwendet werden kann (US-PS 3 291 969, DE-A-2 152 489, US-PS 4 011 430,
DE-PS 27 04 661, DE-A-3 703 108, DE-PS 10 55 715, DE-PS 974 747, DE-PS 12 25 787,
GB-PS 627 507). Diese bekannten Öfen sind jedoch nicht zum Schmelzen von Materialien
geeignet, deren Schmelztemperatur über der Schmelztemperatur des Tiegels liegt.
[0015] Ein prinzipieller Nachteil der oben beschriebenen Schmelzverfahren mit gekühltem
Tiegel besteht in den hohen Energieverlusten, die das Schmelzgut durch Abgabe von
Wärme an die Tiegelwand erleidet. Der thermische Prozeßwirkungsgrad kann nur dadurch
in akzeptabler Größe gehalten werden, daß der Einschmelz-Prozeß möglichst schnell
abläuft und damit die als Wärmeverluste abgeführte Energiemenge - als Produkt von
Verlustleistung und Zeit - klein wird.
[0016] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung nach dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 zu schaffen, mit der es möglich ist, durch Schmelzen hochreines
Metall zu erzeugen und die Wärmeverluste zu reduzieren.
[0017] Diese Aufgabe wird gemäß den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0018] Der mit der Erfindung erzielte Vorteil besteht insbesondere darin, daß die elektrische
Energie effizient zum Schmelzgut gebracht werden kann, ohne daß dieses mit elektrisch
isolierenden Teilen kontaminiert wird, denn die Schlitze zwischen den Segmenten des
Tiegels sind nur im von der Schmelze abgewandten Bereich mit einem Isolator aufgefüllt.
Der der Schmelze zugewandte Bereich ist auf der Tiefe etwa einer Schlitzbreite leer.
Außerdem kann der Schmelzvorgang gleichmäßig und schnell durchgeführt werden, weil
der Strahlungsdruck der induktiven Energieversorgung dem Gravitationsdruck der Schmelze
entgegenwirkt. Durch die höhenabhängige Leistungsdichte wird bei einer gewählten Betriebsfrequenz
die maximal mögliche Heizleistung erzielt. Gleichzeitig werden die Wärmeverluste
aus der Schmelze zum Tiegel reduziert, da die mechanische Anlagefläche zwischen der
Schmelze und dem Tiegel so gering wie möglich gehalten wird. Dies ergibt sich im zylindrischen
Teil der Schmelze durch die partiell zurückgedrängte Schmelzenaußenfläche, bedingt
durch den höhenabhängig optimierten elektromagnetischen Strahlungsdruck. Hierdurch
wird der Querschnitt des Tiegels auf allen Schmelzbadhöhen voll ausgenutzt. Wird die
Badkuppe durch zusätzliche Maßnahmen stabilisiert, so wird in diesem Bereich die
wärmeabstrahlende Oberfläche so gering wie möglich gehalten. Die Vorteile der Erfindung
treten indessen nicht nur beim Schmelzvorgang zutage, sondern auch beim sogenannten
Temperaturhalten, also während der Zeit, in der das Schmelzgut bereits geschmolzen
ist und für einen vorgegebenen Zeitraum im geschmolzenen Zustand gehalten werden
soll. Während der Temperatur-Haltezeit wird die Frequenz des aufheizenden Induktionsstroms
so weit abgesenkt, daß sich bei reduzierter Leistung ähnlich hohe Kräfte ergeben wie
beim Schmelzen. Um lokale Überhitzungen vor allem bei großen Tiegeln zu vermeiden,
können bei einer besonderen Ausführungsform der Erfindung unterschiedliche Frequenzen
in verschiedenen Heizzonen bzw. Teilspulen verwendet werden. Die höhenabhängige Leistungsverteilung
bietet während des Temperaturhaltens auch noch den Vorteil, daß durch die sich ausbildende
relativ große Oberfläche die Schmelze schnell entgasen kann, so daß die Behandlungszeit
und die Verluste kleiner werden. Hinzu kommt, daß sich im Schmelzbereich mit nach
unten ansteigender Leistungsdichte ein großer zusammenhängender Wirbel ausbildet,
der die Schmelze thermisch und metallurgisch gut durchmischt. Außer beim Schmelzen
und beim Temperaturhalten weist die Erfindung auch noch beim Erstarren der Schmelze
Vorteile auf. Das induktive Schmelzen von Materialien in einem gekühlten Tiegel hat
bekanntlich gegenüber dem herkömmlichen Induktionsschmelzen den generellen Vorteil,
daß die Schmelze nicht in eine Kokille ausgegossen werden muß. Vielmehr ist es möglich,
die Schmelze im Tiegel erstarren zu lassen, wodurch die Investitionskosten reduziert
werden. Durch einfaches Ausschalten des Induktionsstroms wird hierbei eine ähnliche
Blockqualität wie beim Kokillenguß erzielt. Durch die erfindungsgemäße Maßnahme, daß
die unteren Heizzonen im Vergleich zu den oberen Heizzonen, von der Halteleistung
ausgehend, stark heruntergeregelt werden, schreitet die Erstarrungszone von unten
nach oben langsam fort, und es ergibt sich eine gerichtete Erstarrungsstruktur. Für
andere Legierungstypen ist es vorteilhaft, ein feinkörniges Primärgefüge zu erzeugen.
Die im Liquidus-Bereich aufrechterhaltene Rührwirkung des elektromagnetischen Feldes
bewirkt hierbei, daß Feinkorn im Block erzeugt wird.
[0019] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und werden im
folgenden näher beschrieben. Es zeigen:
Fig. 1a eine Prinzipdarstellung eines herkömmlichen und an sich bekannten Induktionsschmelzofens;
Fig. 1b die an sich bekannte Abhängigkeit der Eindringtiefe in einen metallischen
Block;
Fig. 2a einen wassergekühlten und in Segmente aufgeteilten Induktionsschmelzofen,
dessen Schmelzgut induktiv aufgelöst wird;
Fig. 2b eine Draufsicht auf den Schmelztiegel gemäß Fig. 2a;
Fig. 3 eine erste Variante eines erfindungsgemäßen Induktionsschmelzofens;
Fig. 4 eine zweite Variante eines erfindungsgemäßen Induktionsschmelzofens;
Fig. 5 eine dritte Variante eines erfindungsgemäßen Induktionsschmelzofens,
Fig. 6 und 7 Leistungsdichteverteilungen über die z-Achse.
[0020] In der Fig. 1a ist das Prinzip eines Induktionsschmelzofens 1 dargestellt, der einen
Induktor 2 und Schmelzgut 3 aufweist. Der Induktor 2 besteht aus einer Spule, die
eine Induktivität und einen ohmschen Widerstand aufweist. Durch den Induktor 2 fließt
ein Strom, der im Schmelzgut 3, das aus leitfähigem Material besteht, eine Spannung
induziert, die ihrerseits einen Stromfluß im Schmelzgut 3 bewirkt, der eine Erwärmung
des Schmelzguts zur Folge hat. Mit δ ist die Eindringtiefe des Stroms bezeichnet.
[0021] Die Fig. 1b zeigt den Verlauf der Stromdichte g in Abhängigkeit von der Entfernung
zum Mittelpunkt x = 0 für zwei verschiedene Frequenzen f₂ > f₁. Mit δ₁ ist die Eindringtiefe
für die Frequenz f₁ bezeichnet; es handelt sich dabei um diejenige Stelle bei einer
ebenen, sehr dicken Wand, an der die Stromdichte g von 1 auf l/e abgenommen hat, wobei
e die Eulersche Zahl ist. Man erkennt hieraus, daß der Strom um so weniger tief eindringt,
je höher seine Frequenz ist.
[0022] Die Ströme, die im Schmelzgut 3 fließen, werden auch Wirbelströme genannt. Wirbelströme
entstehen immer dann, wenn sich in einem magnetischen Wechselfeld elektrisch leitende
Stoffe befinden. Sie fließen auf Bahnen, die mit den magnetischen Induktionslinien
verkettet sind. Das Entstehen und die Eigenschaften von Wirbelströmen sind bekannt
(vgl. K. Kupfmüller, Einführung in die theoretische Elektrotechnik, 11. Auflage, 1984,
S. 304 ff.) und sollen deshalb nicht näher beschrieben werden.
[0023] Eine wichtige Rolle spielt bei Induktionsschmelzöfen auch die spezifische Wärmeleistung,
d. h. die in der Volumeneinheit des Schmelzguts 3 in Wärme umgewandelte Leistung.
Die Verteilung dieser Wärmeleistung ist ebenfalls bekannt (K. Simonyi, Theoretische
Elektrotechnik, 1956, S.304), so daß auf ihre Herleitung verzichtet werden kann.
[0024] In der fig. 2a ist ein erfindungsgemäßer Induktionsschmelzofen 1 dargestellt, der
einen Tiegel 4 aufweist, welcher in verschiedene Segmente 5, 6, 7 unterteilt ist.
Um den Tiegel 4 herum ist ein Induktor 2, d. h. eine Spule, angeordnet, die auf das
Schmelzgut 3 einwirkt. In den einzelnen Segmenten 5, 6, 7 des Tiegels 4 verlaufen
Kühlrohre 8, 9 mit einem Wasserzufluß 10 und einem Wasserabfluß 11. Der Tiegel 4 besteht
vorzugsweise aus einem relativ gut wärmeleitenden Metall, da Glas oder Keramik die
Schmelze zu sehr verunreinigen würden. Da gut wärmeleitende Metalle auch gute elektrische
Leiter sind, dringt die von der Spule 2 erzeugte magnetische Energie hauptsächlich
durch die Schlitze 12, 13 zwischen den Segmenten 5, 6, 7 des Tiegels 4 zum Schmelzgut
3 vor. Dieses Schmelzgut ist im oberen Bereich 14 flüssig und stützt sich über eine
erstarrte Schicht 15 auf einer gekühlten Platte 16 ab. Die Platte 16 kann mit einer
Stange 17 nach oben oder nach unten bewegt werden.
[0025] Das flüssige Schmelzgut 3 kann bezüglich seiner mechanischen Eigenschaften als Flüssigkeit
betrachtet werden. Sieht man von Strömungen des Schmelzguts 3 ab, d. h. nimmt man
an, daß das Schmelzgut 3 ruht, so gilt, daß der Druck in einem Punkt des Schmelzguts
nicht von der Orientierung des Flächenelements abhängt, auf das er wirkt: Der Druck
in einer ruhenden Flüssigkeit ist in allen Richtungen gleich. Hieraus folgt, daß bei
einer Flüssigkeitssäule in Punkten gleicher Höhe der gleiche Druck herrscht. Allerdings
hängt der Druck von der Höhenkoordinate ab. Denkt man sich z₀ als festes Niveau und
wählt man das Koordinatensystem so, daß z₀ = 0 wird, dann gilt für den Druck p(z)
p(z) = P₀ - ρgz
wobei ρ die Dichte der Schmelze und g die Erdbeschleunigung bedeuten. Diese aus der
Hydrostatik bekannte Formel besagt, daß in einer schweren, dichtebeständigen Flüssigkeit
der Druck linear mit wachsender Höhe fällt bzw. linear mit der Tiefe ansteigt.
[0026] Die elektromagnetische Energie, die von der Spule 2 dem Schmelzgut 3 zugeführt wird,
dringt hauptsächlich durch die Schlitze 12, 13 ein und erzeugt im Volumen der Schmelze
einen Strahlungsdruck. Übersteigt der lokale Strahlungsdruck den auf die Wände des
Tiegels ausgeübten Flüssigkeitsdruck, so wird das Schmelzgut an der Stelle, wo sich
die Schlitze befinden, so weit nach innen gedrängt, daß durch Feldstärkenschwächung
und/oder durch Vergrößerung der Flüssigkeitshöhe aus dem verdrängten Material sich
ein Gleichgewichtszustand ergibt. Es ist folglich kein optimaler Schmelzvorgang möglich.
Der Strahlungsdruck darf deshalb an der Wandinnenseite des Tiegels 4 nicht größer
als der hydrostatische Druck der Schmelze 3 sein. Da dieser hydrostatische Druck von
der z-Koordinaten abhängt, wird gemäß der Erfindung auch der Strahlungsdruck so ausgelegt,
daß er ebenfalls von der z-Koordinaten abhängt. Dies geschieht z. B. in der Weise,
daß das Quadrat der Amplitude des in das Schmelzgut 3 eindringenden Magnetfeldes linear
von oben nach unten zunimmt.
[0027] Der zeitlich gemittelte Strahlungsdruck einer elektromagnetischen Welle, die senkrecht
auf eine leitende Metallwand auftrifft, von der sie teilweise reflektiert wird, ist

worin K die elektrische Leitfähigkeit, µ die magnetische Permeabilität und

und

die elektrischen bzw. magnetischen Feldstärken der Welle bedeuten (vgl. Bergmann/Schäfer:
Lehrbuch der Experimentalphysik, Band II, Elektrizität und Magnetismus, 7. Auflage,
S. 501; Mathematische Ableitungen des Strahlungsdrucks über den Maxwell'schen Spannungstensor
finden sich z. B. in W. Greiner, Theoretische Physik, Band 3, Klassische Elektrodynamik,
4. Auflage, 1986, S. 242 bis 247).
[0028] Wenn die Wand eine endliche Leitfähigkeit hat, was auf das Schmelzgut 3 zutrifft,
wird die einfallende Welle nicht vollständig, sondern nur zum Teil reflektiert, so
daß die elektrische Feldstärke an der Wand nicht vollständig verschwindet; daher trägt
in diesem Fall auch die elektrische Feldstärke zum Druck bei, aber entsprechend ist
die magnetische Feldstärke kleiner als vorher. Wenn die Welle zum Teil noch durch
die Wand hindurchdringt, so tritt auch auf der Rückseite ein Druck auf, der von dem
auf die Vorderseite wirkenden abzuziehen ist.
[0029] Die Leistungsdichte oder Strahlungsleistung pro Flächeneinheit wird bekanntlich
als Poyntingvektor bezeichnet (vgl. Simonyi, a.a.O., S. 28 ff ). Dieser Vektor ist
definiert als das Vektorprodukt der elektrischen Feldstärke und der magnetischen Feldstärke:

[0030] Für die ebene Anordnung ergeben sich relativ einfache mathematische Ausdrücke. Bei
dem erfindungsgemäß verwendeten Tiegel handelt es sich zwar um einen rotationssymmetrischen
Körper, doch sind die Unterschiede gegenüber einer ebenen Anordnung in der Praxis
nicht sehr groß, weshalb es genügt, die wesentlichen Gleichungen für ebene Verhältnisse
aufzustellen und auf die schwerer überschaubaren Zylinderfunktionen zu verzichten.
Unter Zugrundelegung einer ebenen Anordnung ergeben sich folgende Randbedingungen:
Ex = 0, wobei E
x die Komponente der elektrischen Feldstärke in x-Richtung

wobei E
y die Komponente der elektrischen Feldstärke in y-Richtung, δ die Eindringtiefe und
E
o die maximale Amplitude der elektrischen Feldstärke
Ez = 0, wobei E
z die Komponente der elektrischen Feldstärke in z-Richtung
Hx = 0, wobei
Hx die Komponente der magnetischen Feldstärke in x-Richtung
Hy = 0, wobei
Hy die Komponente der magnetischen Feldstärke in y-Richtung

wobei
Eo die maximale Amplitude der elektrischen Feldstärke, π die elektrische Leitfähigkeit
und j = √-1
[0031] Nach den Regeln der komplexen Rechnung ergibt sich hieraus für den Betrag des Poyntingschen
Vektors in x-Richtung
Sx =

Re (Ey . H

)
Hierin bedeutet H* die zu H konjugierte Zahl. Der Zahlenfaktor 1/2 rührt von der zeitlichen
Mittelwertbildung bei sich sinusförmig ändernden Vorgängen her (Simonyi, a.a.O.,
S. 283, Gleichung 35).
[0032] Die über die Oberfläche anströmende Leistungsdichte ergibt sich nach einer Umrechnung
zu:

(vgl. Simonyi, a.a.O., S. 283, Gleichung 38).
[0033] Die in das Schmelzgut eindringende elektromagnetische Leistung erzeugt mechanische
Kräfte in der Schmelze. Die Volumenkraftdichte

wird für den Fall einer über das Volumen konstanten elektrischen Leitfähigkeit und
Permeabilität beschrieben durch:

wobei

die Stromdichte und

die magnetische Induktion sind.
[0034] Die Volumenkraftdichte ist direkt proportional zum Betrag des Poynting' schen Vektors.
Die sich im Volumen der Schmelze ausbildende Größe "Druck" berechnet sich aus dem
Integral über das Skalarprodukt der Volumenkraftdichte und dem Weg:

Da für ein ebenes Feld nur eine Kraftdichtenkomponente normal, d. h. senkrecht zur
Oberfläche auftritt, gilt:

[0035] Setzt man in diese Gleichung das Ergebnis für die Leistungsdichte an der Oberfläche
ein, so ergibt sich

[0036] Der elektromagnetische Strahlungsdruck tritt also nicht sprungartig an der Oberfläche
des Materials auf, sondern baut sich über den Weg normal zur Oberfläche auf. Da die
Eindringtiefen bei den üblichen Heizfrequenzen klein sind, kann man für die Ausbildung
der Schmelzbadoberfläche in erster Näherung annehmen, daß der elektromagnetische Druck
auf die Oberfläche wirkt. Der elektromagnetische Strahlungsdruck ist somit proportional
der der Schmelze zugestrahlten Leistungsdichte.
[0037] In der Fig. 2b ist eine Draufsicht auf den Schmelzofen 1 dargestellt, bei dem man
die Segmente 5 bis 7 und 18 bis 22 sowie die Schlitze 12, 13 und 23 bis 28 zwischen
den Segmenten 5 bis 7, 18 bis 22 erkennt.
[0038] Gemäß der Erfindung beginnt der Schmelzvorgang in der Mitte der einzelnen Segmente
5 bis 7 und 18 bis 22 und nicht hinter den Schlitzen 12, 13 und 23 bis 28. Befindet
sich das Schmelzgut 3 im flüssigen Zustand, so wird es nach innen gedrängt, und es
bildet sich in der Schmelze eine radiale Zerfurchung aus, die an der Badoberfläche
am ausgeprägtesten ist. Die aus der Schmelze hervorstehenden Stege stehen sternförmig
nach außen und befinden sich gegenüber den Mitten der Segmente 5 bis 7 bzw. 18 bis
22. Ein Feldeinfall über den Tiegeloberrand von oben auf die Schmelzbadkuppe muß vermieden
werden, da es sonst zu einer zeltartigen Verformung der Badkuppe kommt und die Faltenbildung
unterstützt wird. Der Feldeinfall über den Tiegelrand kann z. B. dadurch verhindert
werden, daß die Induktionsspule 2 nicht über den Tiegelrand hinausreicht.
[0039] Die Fig. 3 zeigt eine Variante der Erfindung, bei der ein anders angeordnetes Kühlsystem
vorgesehen ist und die eine Spule mit nach unten abnehmender Steigung aufweist. Der
Tiegel 4, der wieder mehrere Segmente 5, 6, 7 und z. B. ein Volumen von 5,5 dm³ aufweist,
besitzt eine Kühlmittel-Einlaßöffnung 10 und eine Auslaßöffnung 11 für Kühlwasser.
Als Kühlmittel kann auch flüssiges Metall, z. B. Na oder NaK oder eine organische
Flüssigkeit, z. B. ein schwerentflammbares Öl verwendet werden. Desgleichen ist es
möglich, als Kühlmittel flüssiges Salz zu verwenden, beispielsweise NaNO₂, NaNO₃ oder
KNO₃. Die oberen Windungen 29, 30 der Spule 2 liegen weiter auseinander als die unteren
Windungen 31, 32. Hierdurch tritt im unteren Bereich der Spule 2 ein großer Strombelag
auf, der einen großen Druck auf das Schmelzgut 3 ausübt. Am oberen Rand des Tiegels
4 befindet sich ein Kurzschlußbügel 33, der eine gewisse Linearisierung des Magnetfelds
bewirkt. Eine solche Linearisierung ist erforderlich, weil die Spule an ihrem oberen
Rand abrupt aufhört und somit zunächst zu einem Knick in der magnetischen Feldstärke
führt, aber andererseits das Fernfeld nur langsam abklingt. Dadurch, daß der Feldeinfall
über den Tiegelrand mittels des Kurzschlußbügels oder -rings 33 stark reduziert wird,
ergibt sich eine Feldschwächung im Bereich der Schmelzoberfläche und somit eine Begrenzung
der Badüberhöhung. Dieser Kurzschlußring 33 liegt auf den Segmenten 5, 6 auf und ist
mit diesen verbunden.
[0040] Die Spule 2 liegt an einer Stromversorgung 34, bei der es sich um eine Wechselstromquelle
mit der Frequenz 1000 bis 5000 Hz handelt. Der durch die Wicklungen 29 bis 32 fließende
Strom ist somit an allen Stellen gleich.
[0041] Bei der erfindungsgemäßen Schmelz-Induktionsanlage strömt das geschmolzene Schmelzgut
3 im Tiegel 4. Im unteren bis mittleren Spulenbereich strömt es nach innen, wo es
nach oben und unten abgelenkt wird und wieder an die Schmelzenaußenseite nach unten
strömt; dort sind auch die nach innen orientierten Kräfte am größten. Das im Bereich
des Zentrums der Schmelze nach oben strömende Material ist an der Schmelzbadoberfläche
sichtbar und kann Instabilitäten der Badkuppe verursachen. In den aufgrund des Strahlungsdrucks
gebildeten Schmelzen-Stegen ergibt sich eine passive Strömung, die durch Reibungskräfte
der Kuppenhauptströmung erzeugt wird.
[0042] Bei praktischen Ausführungsformen der Erfindung liefert die Stromversorgung eine
Spannung mit Frequenzen von 2500 Hz oder 5000 Hz. Die Eindringmaße errechnen sich
dann über die bekannte Formel

bei Aluminium als Schmelzflüssigkeit zu 4,8 mm bzw. 3,4 mm und bei Titan als Schmelzflüssigkeit
zu 13,3 mm bzw. 9,4 mm. Eine Frequenzerhöhung führt zu einer Verkleinerung des Eindringmaßes.
[0043] Eine weitere Variante der Erfindung, bei welcher die Stromstärken durch die Spulenwicklungen
nicht überall gleich sind, zeigt die Fig. 4. Dort ist eine erste Teilspule 36 mit
den Windungen 29, 30 im oberen Bereich vorgesehen, die an einer ersten Stromversorgung
35 liegen. Die Windungszahl dieser Teilspule ist relativ groß. Im unteren Bereich
des Tiegels 4 ist eine zweite Teilspule 37 mit den Windungen 38 bis 41 vorgesehen.
Diese zweite und kürzere Teilspule 37 kann an eine eigene Stromversorgung 42 gelegt
werden und hat im Vergleich zur ersten Teilspule 36 eine kleinere Windungszahl.
[0044] Es ist jedoch auch möglich, was durch die gestrichelt gezeichneten Leitungen 43,
44 angedeutet ist, die Teilspule 36 und die Teilspule 37 parallel an eine gemeinsame
Stromversorgung 35 oder 42 anzuschließen. Bei parallelgeschalteten Teilspulen 36,
37 ergibt sich im unteren Bereich des Tiegels 4 wegen der höheren Spulenströme und
des höheren Strombelags der unteren Teilspule 37 ein höherer Strahlungsdruck als im
oberen Bereich. Werden getrennte Stromversorgungen 35, 42 für die Teilspulen 36, 37
verwendet, so können die in die Teilspulen 36, 37 einfließenden Ströme so gewählt
werden, daß sie den jeweils erforderlichen Strahlungsdruck aufbringen.
[0045] Mit der Bezugszahl 60 ist in der Fig. 4 die Schmelzbadkuppe bezeichnet. Diese Kuppe
60 soll möglichst wenig überhöht sein und durch den Strahlungsdruck nicht eingefurcht
werden. Gegen eine Überhöhung kann, wie bereits erwähnt, die Maßnahme der Reduzierung
der Feldstärke gewählt werden. Die Einfurchungen 61 bis 64 der Kuppe 60 sind im wesentlichen
durch das Eindringen der elektromagnetischen Strahlung durch die Schlitze 12, 13 zwischen
den Segmenten 5, 6, 7 bedingt. Wesentlich für die Eigenschaften der Badkuppe 60 ist
somit das Verhältnis der Segmentbreite a zur Schlitzbreite b. Um dieses Verhältnis
optimal festzulegen, sind verschiedene Aspekte zu beachten. Einerseits soll die Zahl
der Segmente 5, 6, 7 möglichst groß sein, damit das elektromagnetische Feld durch
viele Schlitze 12, 13 in die Schmelze 3 eindringen kann. Andererseits ist es jedoch
erwünscht, daß ihre Anzahl nicht zu groß ist, damit die Längen des Stromwegs, in dem
Wirbelströme induziert werden können, nicht zu groß werden.
[0046] Der Umfang des Tiegels 4 dividiert durch die Anzahl der Segmente 5, 6, 7 sollte eine
solche Segmentbreite a ergeben, daß die Segmentbreite a mit der Eindringtiefe δ des
Feldes in die Schmelze 3 vergleichbar oder sogar kleiner wird. Die Segmentbreite a
bestimmt die Periodizität des Feldes in Umfangsrichtung. Bei kleiner Segmentbreite
a haben deshalb die Ausbuchtungen oder Lamellen 65, 66, 67 an der Kuppe 60 an ihrer
Spitze und ihrem Boden eine derart große Krümmung, daß sich die Oberflächenkräfte
zum Abbau der Ausbuchtungen 65, 66, 67 verstärken. Um die Ausbildung von Ausbuchtungen
oder Lamellen 65, 66, 67 an der Badkuppe 60 zu verhindern, kann, wie bereits erwähnt,
die Feldstärke im Kuppenbereich verringert oder die Frequenz des Feldes erhöht werden.
Es können jedoch auch schmale Segmente 5, 6, 7 verwendet werden.
[0047] Dadurch, daß das Magnetfeld radial nach innen eindringen muß, entstehen Verluste
in den metallischen Segmenten 5, 6, 7. Diese Verluste sind durch Induktionsströme
bedingt, die unerwünschte Wärmeverluste verursachen. Man kann diese Verluste begrenzen,
indem man die Spalten 12, 13 zwischen den Segmenten 5, 6, 7 möglichst breit macht.
Da die Spaltbreite b auf der zur Schmelze 3 gerichteten Seite möglichst schwach sein
sollte, damit keine Schmelze nach außen dringen kann, bietet der sich nach außen radial
aufweitende Spalt einen Kompromiß. Durch einen größeren Abstand zwischen den Segmenten
5, 6, 7 werden die Verluste durch die gegenseitige Stromverdrängung verringert. Für
den Querschnitt der Segmente 5, 6, 7 gelten im Grunde die gleichen Konstruktionsprinzipien
wie für die Induktorwindungen: Es sollen möglichst keine scharfen Kanten vorhanden
sein, da an diesen große Wärmeverluste auftreten. Der Radius an den Kanten sollte
größer 1,5 δ bis 2 δ sein. Die Breite b der Schlitze 12, 13 zwischen den Segmenten
5, 6, 7 kann sich in vertikaler bzw. axialer Richtung verändern. Beispielsweise ist
es vorteilhaft, wenn sich die Schlitze zwischen den Segmenten unterhalb der Schmelze
3, also am Boden 68, erweitern.
[0048] Die zwischen zwei Segmenten 5, 6, 7 herrschenden elektrischen Spannungen hängen nicht
von der Breite b eines Schlitzes 12, 13 ab, sondern sie ergeben sich aus der Umlaufspannung,
dividiert durch die Zahl der Segmente 5/6/7. Die Segmente 5, 6, 7 werden durch das
Feld der Induktionsspule 36, 37 zur Schmelze hin verbogen. Eine nach innen gerichtete
Verformung der Segmente 5, 6, 7 ergibt sich auch durch die schmelzseitige Erwärmung,
den sogenannten Ofenkasteneffekt. Die Segmente 5, 6, 7 können gegen diese Kräfte z.
B. durch Isolierstoffelemente zwischen den Segmenten 5, 6, 7 abgestützt werden. Diese
verhindern auch das Auslaufen der Schmelze bei Stromausfall. Die Isolierstoffe sollten
ein bis zwei Spaltenbreiten nach innen versetzt sein. Der Boden 68 des Tiegels 4 ist
zweckmäßigerweise als radial geschlitzter, wassergekühlter Block ausgeführt. Er ist
im oberen Bereich gegen die Segmente 5, 6, 7 isoliert. Außerdem ist er in der Höhe
verstellbar, so daß er optimal an die Schmelzhöhe angepaßt werden kann.
[0049] Bei einer Vorrichtung gemäß Fig. 4, die mehrere Teilspulen 36, 37 übereinander aufweist,
ist es möglich, die Leistung, beginnend mit der unteren Teilspule 37, zu reduzieren,
bis die Schmelze 3 von unten erstarrt, bis schließlich nur die oberste Spule 36 mit
reduzierter Leistung betrieben wird, so daß die Schmelze 3 in unmittelbarer Nähe der
Schmelzbadoberfläche noch eine Weile flüssig gehalten wird. Durch dieses Flüssighalten,
auch "Hottopping" genannt, wird die Lunkerbildung auch im Blockkopf vermieden. Die
untere Teilspule 37 kann auch mit einer niedrigeren Frequenz betrieben werden als
die obere Teilspule 36.
[0050] Die Fig. 5 zeigt eine weitere Variante der Erfindung, bei welcher nur eine Spule
2 vorgesehen ist, die über die Wechselstromquelle 34 mit elektrischer Energie versorgt
wird. Parallel zu dieser Spule 2 ist ein Kondensator 45 geschaltet, so daß die Spule
2 mit diesem Kondensator 45 einen Schwingkreis bildet. In Reihe zu diesem Parallelschwingkreis
2, 45 ist eine Induktivität 46 geschaltet, die eine Frequenzveränderung bewirkt und
die über einen Schalter 50 kurzgeschlossen werden kann. Weiterhin parallel zu der
Stromversorgung 34 und dem Parallelschwingkreis 2, 45 ist eine Gleichstromquelle
47 geschaltet, die dem Wechselstrom in der Spule einen Gleichstrom überlagert. Mit
der Gleichstromquelle 47 wird erreicht, daß die Schmelzströmung beruhigt und die Badkuppenformung
stabilisiert wird. Das magnetische Gleichfeld hat in diesem Fall dieselbe Richtung
wie das Wechselfeld. Es ist jedoch auch möglich, das Gleichfeld senkrecht zum Wechselfeld
zu legen und insbesondere im oberen Bereich der Schmelze vorzusehen. Es versteht sich,
daß das Gleichfeld auch durch eine gesonderte Wicklung oder durch Permanentmagnete
erzeugt werden kann.
[0051] Über dem Schmelzgut befindet sich eine zusätzliche Aufheiz-Quelle 48, die in der
Fig. 5 nur symbolisch dargestellt ist. Es kann sich hierbei um eine Elektronen-Kanone,
eine Plasmaquelle, einen fremdgespeisten Widerstandsheizer oder dergleichen handeln.
[0052] In dem Raum zwischen der Schmelzbadoberfläche 60 und der Heizquelle 48 kann ein reaktives
Gas eingebracht werden, wenn z. B. ein Plasmabrenner oder eine Glimmentladungsanode
verwendet wird. Damit können Nitride, Oxide o. ä. oder unerwünschte Verbindungen von
diesen, die als Einschlüsse in der Schmelze schwimmen, chemisch zerstört werden.
[0053] Während des Aufschmelzens einer festen Charge wird der Boden 68 so verschoben, daß
die Schmelzbadkuppe 60 in etwa an der gleichen Stelle relativ zum Tiegel 4 bzw. zur
Spule 2 gehalten wird.
[0054] Die Aufteilung der eingestellten elektromagnetischen Leistung kann für die verschiedenen
Vorgänge "Einschmelzen", "Temperaturhalten" und "Blockerstarren" jeweils eine andere
sein.
[0055] In der Fig. 6 ist schematisch dargestellt, wie diese Leistungsdichteverteilung bei
einer Anordnung mit mehreren Teilspulen aussehen kann.
[0056] Der Tiegel 4 sollte zur Erreichung eines hohen Wirkungsgrads sehr schlank ausgebildet
sein. Um jedoch bei sehr hohen Tiegeln die Wärmebelastung der Spulen und Segmente
zu begrenzen, sollte eine Leistungsverteilung angestrebt werden, wie sie in der Fig.
7 dargestellt ist.
[0057] Der Tiegel 4 hat, wie bereits erwähnt, beispielsweise ein Volumen von 5,5 dm³. Er
kann jedoch auch ein Volumen von 100 bis 1000 dm³ haben.
1. Einrichtung mit einem Tiegel aus Metall, der auf eine Temperatur unterhalb der
Temperatur des in ihm befindlichen Materials gekühlt ist, der ferner wenigstens im
Bereich des in ihm befindlichen Materials eine geschlitzte Seitenwand aufweist und
der mit wenigstens einer Induktionsspule umgeben ist, wobei dem im Tiegel befindlichen
Material auf induktivem Weg Energie zugeführt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die induktive Leistungsdichte dem im Tiegel befindlichen Material ortsabhängig
zugeführt wird.
2. Einrichtung nach Anspruch 17 dadurch gekennzeichnet, daß die induktive Leistungsdichte dem Metall bzw. der Metall-Legierung in Abhängigkeit
von der Koordinate der Schwerkraft zugeführt wird.
3. Einrichtung nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die induktive Leistungsdichte zum Zwecke des Einschmelzens von Metall oder Metall-Legierungen
ortsabhängig zugeführt wird.
4. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß dann, wenn das Metall bzw. die Metall-Legierung als Schmelze vorliegt, die induktive
Leistungsdichte in Abhängigkeit vom jeweiligen hydrostatischen Druck der Schmelze
(3) auf die Schmelze (3) gegeben wird.
5. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die induktive Leistungsdichte zum Zwecke des Temperaturhaltens dem Metall bzw.
der Metall-Legierung ortsabhängig zugeführt wird.
6. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die induktive Leistungsdichte zum Zwecke des gerichteten Erstarrens dem Metall
bzw. der Metall-Legierung zugeführt wird.
7. Einrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Heizleistung von der Kuppenspitze der Schmelze (3) zum Boden
(68) der Schmelze hin im wesentlichen linear zunimmt.
8. Einrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Heizleistung ab einer vorgegebenen Höhe konstant bleibt.
9. Einrichtung nach den Ansprüchen 1, 2 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß die in die Schmelze (3) induzierte Leistungsdichteverteilung so gewählt ist,
daß die Schmelze (3) außer im unmittelbaren Bereich der Badkuppe (60) in der Nähe
der Zwischenräume (12, 13) vom Tiegel (4) abhebt, aber in den Mittenbereichen der
Segmente (5, 6, 7) anliegt.
10. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in den Tiegel (4) Kühlkanäle (10, 11) eingelassen sind, die von einem Kühlmittel
durchströmt werden.
11. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Kühlmittel Wasser ist.
12. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Kühlmittel flüssiges Metall ist, z. B. Na oder NaK.
13. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Kühlmittel eine organische Flüssigkeit ist, z.B. ein schwerentflammbares
Silikon-Öl.
14. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Kühlmittel flüssiges Salz ist, z. B. ein eutektisches Salzgemisch aus NaNO₂,
NaNO₃, KNO₃.
15. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sich der Tiegel (4) innerhalb einer Induktionsspule (2) befindet.
16. Einrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Steigung der Induktionsspule (2) nach unten hin geringer wird und sich dadurch
im unteren Bereich der Induktionsspule (2) ein höherer Strombelag ergibt, der in dem
unteren Bereich der Schmelze (3) eine höhere elektromagnetische Leistung induziert.
17. Einrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß die Spule (2) aus mehreren übereinander angeordneten Teilspulen (36, 37) besteht,
die mit jeweils unterschiedlichen Strömen gespeist werden.
18. Einrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß die unteren Teilspulen (37) kürzer als die oberen Teilspulen (36) sind.
19. Einrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß die unteren Teilspulen (37) weniger Windungen als die oberen Teilspulen (36)
haben.
20. Einrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß die unteren Teilspulen (37) mit höheren Strömen gespeist werden als die oberen
Teilspulen (36).
21. Einrichtung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß für jede der Teilspulen (36, 37) eine eigene Stromversorgung (34, 42) vorgesehen
ist.
22. Einrichtung nach einem der Ansprüche 17, 18 oder 19, dadurch gekennzeichnet, daß für alle Teilspulen (36, 37) eine gemeinsame Stromversorgung (35; 43, 44) vorgesehen
ist, daß die Teilspulen (36, 37) parallel zu dieser Stromversorgung (35) geschaltet
sind und daß die Teilspulen (36, 37) unterschiedliche Windungszahlen (29, 30; 38 bis
41) besitzen.
23. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das in dem Tiegel (4) befindliche Material (3) von einem magnetischen Gleichfeld
durchsetzt ist.
24. Einrichtung nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, daß das magnetische Gleichfeld koaxial zur Tiegelachse verläuft.
25. Einrichtung nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, daß das magnetische Gleichfeld senkrecht zur Tiegelachse verläuft.
26. Einrichtung nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, daß das magnetische Gleichfeld im wesentlichen auf den Kopfbereich (60) der Schmelze
(3) einwirkt.
27. Einrichtung nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, daß das Gleichfeld koaxial zur Tiegelachse verläuft und in verschiedene Abschnitte
unterteilt ist, wobei die aufeinanderfolgenden Abschnitte jeweils unterschiedliche
Polaritätsfolgen aufweisen.
28. Einrichtung nach Anspruch 27, dadurch gekennzeichnet, daß die unterschiedlichen Polaritätsfolgen durch Spulen erzeugt werden.
29. Einrichtung nach Anspruch 27, dadurch gekennzeichnet, daß die unterschiedlichen Polaritätsfolgen durch Permanentmagnete erzeugt werden.
30. Einrichtung nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, daß für die Erzeugung des Gleichfelds eine oder mehrere zusätzliche Spulen um den
Tiegel (4) herum vorgesehen sind.
31. Einrichtung nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, daß für die Erzeugung des Gleichfelds dem Wechselstrom aus einer Wechselstromquelle
(34) für die induktive Erwärmung des Schmelzgutes eine Gleichstromkomponente aus
einer Gleichstromquelle (47) überlagert ist.
32. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß für die Erwärmung der Oberfläche (60) des Schmelzguts (3) eine zusätzliche Energiequelle
(48) vorgesehen ist.
33. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Frequenz der induktiven Energiequelle (35) veränderbar ist.
34. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß oberhalb der Oberfläche (60) des Schmelzguts (3) eine Elektrode (50) vorgesehen
ist, und zwischen der Oberfläche (60) und der Elektrode (50) ein reaktives Gas eingebracht
wird, das durch eine zwischen der Elektrode (50) und der Oberfläche des Schmelzguts
(3) angelegte Spannung zur Glimmentladung gebracht wird.
35. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß einem Lastschwingkreis (2, 46) zusätzliche Kondensatoren (45) hinzugeschaltet
werden, um die Resonanzfrequenz zu erniedrigen.
36. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in Reihe zur Heizspule (2) zusätzliche Induktivitäten (46) hinzugeschaltet werden,
um die Resonanzfrequenz zu erniedrigen.
37. Verfahren zum Behandeln einer Schmelze über einen langen Zeitraum, dadurch gekennzeichnet, daß der Schmelze (3) eine elektrische Leistung zugeführt wird, die zum Halten einer
bestimmten Temperatur erforderlich ist, wobei die Frequenz des heizenden Wechselfeldes
allmählich so stark reduziert wird, daß bei dieser Halteleistung Kräfte entstehen,
die einen großen Teil des Flüssigkeitsdrucks im Tiegel kompensieren, so daß der Wärmekontakt
zwischen der Schmelze (3) und den gekühlten Segmenten (5, 6, 7) deutlich reduziert
wird.
38. Verfahren zum Behandeln einer Schmelze während des Erstarrens, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Heizleistung eines induktiven Wechselfeldes für eine längere
Zeit so reduziert wird, daß sich die Schmelze (3) während des Abkühlvorgangs unter
ständiger Durchmischung durch elektro-magnetische Kräfte bis dicht unter die Solidustemperatur
abkühlt und erst dann das Fortschreiten der Erstarrung zugelassen wird.
39. Verfahren zum Behandeln einer Schmelze während des Erstarrens, dadurch gekennzeichnet, daß die elektromagnetische Leistung so gesteuert wird, daß die Schmelze (3) von
unten her langsam erstarrt und sich eine nahezu konstante Erstarrungsgeschwindigkeit
einstellt.
40. Verfahren nach Anspruch 39, dadurch gekennzeichnet, daß bei Verwendung mehrerer Teilspulen (36, 37) die Leistungen dieser Teilspulen
(36, 37) von unten beginnend fortschreitend stark reduziert oder ganz abgeschaltet
werden.
41. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine Induktionsspule (2) relativ zum gekühlten Tiegel (4) nach oben verschoben
wird.
42. Verfahren zur Eingabe einer Charge in einen Tiegel, dadurch gekennzeichnet, daß die Charge fertig gebündelt in den Tiegel eingesetzt wird, wobei zur Bündelung
ein Draht oder ein Blechrohr aus demselben Material wie die Charge verwendet wird.
43. Verfahren nach Anspruch 42, dadurch gekennzeichnet, daß der Durchmesser des Bündels oder der Hülle des Bündels zwischen 2 % und 10
% kleiner als der Durchmesser des Tiegels (4) ist.