(19)
(11) EP 0 391 193 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
10.10.1990  Patentblatt  1990/41

(21) Anmeldenummer: 90105662.2

(22) Anmeldetag:  24.03.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B29C 71/00, C08J 5/18, B29C 59/04, B29D 11/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE FR GB IT NL

(30) Priorität: 07.04.1989 DE 3911218

(71) Anmelder: BAYER AG
51368 Leverkusen (DE)

(72) Erfinder:
  • Wank, Joachim, Dipl.-Ing.
    D-4047 Dormagen 5 (DE)
  • Weber, Hans Leo, Dipl.-Ing.
    D-4049 Rommerskirchen (DE)
  • Burkhardt, Claus, Dr.
    D-4150 Krefeld 1 (DE)
  • Freitag, Dieter, Dr.
    D-4150 Krefeld 1 (DE)
  • Schulte, Bernhard, Dr.
    D-4150 Krefeld (DE)
  • Waldenrath, Werner, Dipl.-Ing.
    D-5000 Köln 1 (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien


    (57) Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind die Her­stellung von optisch isotroper Extrusionsfolien einer Dicke unterhalb 600 µm, welche entweder eine matte und eine glänzende Oberfläche oder zwei glänzende Ober­flächen haben sowie die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen Extrusionsfolien.


    Beschreibung


    [0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien mit einer Dicke unterhalb 600 µm, vorzugsweise von 500 µm bis 50 µm aus thermoplastischen Kunststoffen, das da­durch gekennzeichnet ist, daß man entweder

    a) eine optisch isotrope sowie einseitig hochglänzende und einseitig matte Folie aus dem thermoplastischen Kunststoff durch Extrusion und anschließender Ka­landrierung zwischen einer geschliffenen elasti­schen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze herstellt, oder

    b) eine optisch isotrope, jedoch beidseitig hoch­glänzende Folie aus dem thermoplastischen Kunst­stoff durch Extrusion und anschließender Kalan­drierung zwischen einer lackierten elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze her­stellt, oder

    c) die gemäß Verfahrensvariante a) hergestellte Folie mit der Schmelze des gleichen thermoplastischen Kunststoffs auf der mattierten Seite der Folie beschichtet, diese erhaltene beschichte Folie nochmals zwischen einer hochglänzenden Stahlwalze und einer geschliffenen elastischen Walze kalan­driert, wobei die hochglänzende Seite der beschich­teten Folie zur Walze aus elastischem Material zeigt.



    [0002] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch optisch isotrope Extrusionsfolien, erhältlich nach dem erfin­dungsgemäßen Verfahren.

    [0003] Die Extrusion und anschließende Kalandrierung zwischen einer geschliffenen elastischen Walze und einer hoch­glänzenden Stahlwalze, erfolgt im Temperaturbereich von 150°C bis 400°C, vorzugsweise von 280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise von 80 bar bis 150 bar.

    [0004] Als thermoplastische Kunststoffe eignen sich beispiels­weise thermoplastische, aromatische Polycarbonate, thermoplastische, aromatische Polyestercarbonate, thermoplastische Polyarylsulfone, thermoplastische Celluloseester, thermoplastische Polymethylmetha­acrylate, thermoplastische Polystyrole, thermoplastische Styrol-Acrylnitril-Copolymerisate und thermoplastische Styrol-Maleinsäureanhydrid-Copolymerisate. Die erfin­dungsgemäß einsetzbaren thermoplastischen Kunststoffe sind bekannt.

    [0005] Bevorzugte thermoplastische Kunststoffe sind die thermo­plastischen Polycarbonate auf Basis von Bis-(hydroxy­phenyl)-alkanen und/oder -cycloalkanen) beispielsweise auf Basis von 2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)-propan (Bis­phenol-A). Doppelbrechungsfreie thermoplastische Kunst­stoffolien sind bekannt. Sie werden beispielsweise zur Herstellung von "liquid cristal displays" benötigt (siehe US-Patent 4 614 634(Le A 22595-US)).

    [0006] Derartige Folien aus thermoplastischen Kunststoffen lassen sind derzeit in der Praxis nur dadurch herzu­stellen, daß die nach dem Gieß- oder Extrusionsverfahren hergestellten Folien, deren Anisotropie, gemessen als Gangunterschied der einzelnen optischen Wellenfronten bei > 100 nm liegt, durch ein nachträgliches und sehr aufwendiges Verfahren getempert, beziehungsweise durch organische Lösungsmittel angequollen werden.

    [0007] Es hat deshalb nicht an Versuchen gefehlt, geeignete Verfahren zu entwickeln, spannungsfreie Folien aus thermoplastischen Kunststoffen herzustellen, wobei in den meisten Fällen davon ausgegangen wurde, durch ein der Folienherstellung direkt nachgeschaltetes Verfahren die Spannungsfreiheit zu erreichen.

    [0008] Das an sich naheliegende Verfahren, derart dünne Folien durch Extrusion und anschließendes Kalandrieren durch zwei Stahlwalzen zu erreichen, führt bei Dicken kleiner etwa 600 µm nicht zur Doppelbrechungsfreiheit.

    [0009] Überraschenderweise wurde gefunden, daß optisch isotrope Extrusionsfolien im Dickenbreich unter 600 µm erhalten werden, wenn man die Folien durch Extrusion und an­schließende Kalandrierung zwischen einer geschliffenen elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze im Temperaturbereich von 150°C bis 400°C, vorzugsweise von 280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise von 80 bar bis 150 bar herstellt.

    [0010] Die nach dieser Variante des erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen optisch isotropen Extrusionsfolien haben eine glatte und eine rauhe Oberfläche.

    [0011] Für gewisse Anwendungszwecke ist es jedoch wünschens­wert, derartige doppelbrechungsfreie Folien mit zwei glatten Oberflächen zu erhalten.

    [0012] Der naheliegende Gedanke, die geschliffene elastische Walze durch eine polierte Stahlwalze zur Erzeugung von 2 glatten Oberflächen zu ersetzen, führt nicht zum ge­wünschten Erfolg. Mit diesem System hergestellte Folien zeigen hohe und ungleichmäßige Doppelbrechung. Die Kom­bination Stahlwalze - elastische Walze ist also bestim­mend für das Maß der der Folie anhaftenden Doppelbre­chung, sie kann allerdings zur Vermeidung der rauhen Oberfläche mit einem hochglänzenden Lack beschichtet sein.

    [0013] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit auch die Verfahrensvariante b) des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien mit einer Dicke unterhalb 600 µm und beidseitig glatter Oberfläche, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man das erfindungsgemäße Verfahren mit einer geschliffenen ela­stischen Walze durchführt, die mit einem hochglänzenden Lack beschichtet ist.

    [0014] Für diesen Einsatz geeignete Lacke sind beispielsweise solche, die der elastischen Verformung des Untergrundes folgen können und gegenüber der sie berührenden heißen Kunststoffschmelze weder zum Kleben neigen noch durch die hohe Temperatur der Kunststoffschmelze geschädigt werden. Geeignete Lacke sind beispielsweise solche auf Basis von Polysiloxanen.

    [0015] Obwohl solche Systeme zufriedenstellende Ergebnisse bei der Herstellung von optisch isotropen Extrusionsfolien mit zwei glatten Oberflächen im Dickenbereich unter 600 µm liefern, hat es wegen der Empfindlichkeit der lackierten elastischen Walze nicht an Versuchen gefehlt, weitere Möglichkeiten der Herstellung der erfindungsge­mäßen Folie zu finden.

    [0016] Überraschenderweise wurde gefunden, daß man doppelbre­chungsfreie Folien mit zwei glatten Oberflächen erhält, wenn man zunächst eine einseitig blanke, einseitig matte Folie durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer hochglänzenden Stahlwalze und einer ge­schliffenen elastischen Walze im Temperaturbereich von 150°C bis 400°C, vorzugsweise 280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise von 80 bar bis 150 bar herstellt, und diese Folie anschließend wieder in den obengenannten Kalander aus hochglänzender Stahlwalze und geschliffener elastischer Walze so ein­laufen läßt, daß die blanke Seite der Folie der ge­schliffenen elastischen Walze zugewandt ist, während die aus der Extruderdüse ausgepreßte Kunststoffschmelze zwischen der polierten Stahlwalze und der zulaufenden Kunststoffolie kalandriert wird. Durch die hohe Temperatur der Kunststoffschmelze bedingten Schmelz- und Verschweißvorgänge erhält man eine beid­seitig blanke doppelbrechungsfreie Folie.

    [0017] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit auch die Verfahrensvariante c) des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien mit einer Dicke unterhalb 600 µm und beidseitig glatter Oberfläche, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man zu­nächst eine einseitig blanke, einseitig matte Folie durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer hochglänzenden Stahlwalze und einer ge­schliffenen elastischen Walze im Temperaturbereich von 150°C bis 400°C, vorzugsweise 280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise 80 bar bis 150 bar herstellt, und diese Folie anschließend wieder in diesen Kalander aus hochglänzender Stahlwalze und geschliffener Walze so einlaufen läßt, daß die blanke Seite der Folie der geschliffenen elastischen Walze zugesandt ist, während die aus der Extruderdüse ausge­preßte Kunststoffschmelze zwischen der polierten Stahl­walze und der zulaufenden Kunststoffolie kalandriert wird.

    [0018] Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen optisch isotropen Extrusionsfolien können beispiels­weise für Liquid-Cristal -Displays oder für die Ab­deckung optischer Datenspeicher eingesetzt werden.

    Beispiele



    [0019] 

    1. Eine Polycarbonatschmelze aus Bisphenol-A-Homo­polycarbonat mit einer rel. Viskosität von 1,32 (gemessen als 0,5 %ige Lösung in CH₂Cl₂) wird bei einer Schmelzetemperatur von 290°C und einem Schmelzedruck von 135 bar durch eine Breitschlitz­düse ausgepreßt und in einem Walzenstuhl bestehend aus einer hochglänzenden Stahlwalze und einer mat­tierten Gummiwalze der Härte 70 Shore A kalan­driert. Man erhält auf diese Weise eine einseitig hochglänzende, einseitig matte Polycarbonatfolie mit einer Dicke von 450 µm. Im Polarisationsmi­kroskop mißt man parallel zur Flächennormalen der Folie einen Gangunterschied von 15 nm/mm.

    2. Bisphenol-A-Homopolycarbonat mit einer rel. Vis­kosität von 1,34 (gemessen als 0,5 %ige Lösung in CH₂Cl₂) wird in einem Extruder bei 300°C aufge­schmolzen und diese Schmelze durch eine Breit­schlitzdüse ausgedrückt. Die austretende Schmelze­fahne wird zwischen einer hochglanzpolierten Stahl­walze und einer geschliffenen Walze aus Silikon­kautschuk, dessen Härte 70 Shore A beträgt, abge­zogen, wobei eine Folie der Dicke 100 µm erhalten wird.



    [0020] Die Temperatur der Stahlwalze beträgt 130°C, die Oberflächentemperatur der Silikongummiwalze ca. 120°C. Der Anpreßdruck zwischen Silikongummiwalze und Stahlwalze, gemessen als Liniendruck beträgt 1 kp/cm.

    [0021] Die Folie wird nach Passieren mehrerer Kühlwalzen aufgewickelt. Die Folie, deren Oberfläche einseitig blank, einseitig matt ist, hat einen Gangunter­schied von < 10 nm/mm.

    [0022] Die so hergstellte Folie wird mit der Schmelze aus dem obigen Polycarbonat, das eine relative Viskosi­tät von 1,34 (gemessen als 0,5 %ige Lösung in Methylenchlorid) hat, in der Weise beschichtet, daß die oben beschriebene isotrope Folie in den Walzen­spalt aus geschliffener Silikongummiwalze und Stahlwalze einläuft, wobei die hochglänzende Seite der Folie zur Silikongummiwalze zeigt und die Schmelze auf die mattierte Seite aufläuft.

    [0023] Die auf diese Weise beschichtete Folie hat eine Ge­samtdicke von 300 µm. Die Folie hat eine beidseitig glänzende Oberfläche, die Transmission beträgt 91 % und der Gangunterschied ist < 10 nm/mm.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Herstellung optisch isotroper Extru­sionsfolien mit einer Dicke unterhalb 600 µm, aus thermoplastischen Kunststoffen, dadurch gekenn­zeichnet ist, daß man entweder

    a) eine optisch isotrope sowie einseitig hoch­glänzende und einseitig matte Folie aus dem thermoplastischen Kunststoff durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer geschliffenen elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze herstellt, oder

    b) eine optisch isotrope, jedoch beidseitig hoch­glänzende Folie aus dem thermoplastischen Kunststoff durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer lackierten ela­stischen Walze und einer hochglänzenden Stahl­walze herstellt, oder

    c) die gemäß Verfahrensvariante a) hergestellte Folie mit der Schmelze des gleichen thermo­plastischen Kunststoffs auf der mattierten Seite der Folie beschichtet, diese erhaltene beschichte Folie nochmals zwischen einer hoch­glänzenden Stahlwalze und einer geschliffenen elastischen Walze kalandriert, wobei die hoch­glänzende Seite der beschichteten Folie zur Walze aus elastischem Material zeigt.


     
    2. Verfahren gemäß Anspruch 1 zur Herstellung von optisch isotropen Extrusionsfolien mit einer Dicke von 500 µm bis 50 µm
     
    3. Extrusionsfolien, erhältlich nach dem Verfahren der Ansprüche 1 und 2.