[0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung optisch isotroper
Extrusionsfolien mit einer Dicke unterhalb 600 µm, vorzugsweise von 500 µm bis 50
µm aus thermoplastischen Kunststoffen, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man entweder
a) eine optisch isotrope sowie einseitig hochglänzende und einseitig matte Folie aus
dem thermoplastischen Kunststoff durch Extrusion und anschließender Kalandrierung
zwischen einer geschliffenen elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze
herstellt, oder
b) eine optisch isotrope, jedoch beidseitig hochglänzende Folie aus dem thermoplastischen
Kunststoff durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer lackierten
elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze herstellt, oder
c) die gemäß Verfahrensvariante a) hergestellte Folie mit der Schmelze des gleichen
thermoplastischen Kunststoffs auf der mattierten Seite der Folie beschichtet, diese
erhaltene beschichte Folie nochmals zwischen einer hochglänzenden Stahlwalze und einer
geschliffenen elastischen Walze kalandriert, wobei die hochglänzende Seite der beschichteten
Folie zur Walze aus elastischem Material zeigt.
[0002] Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind auch optisch isotrope Extrusionsfolien,
erhältlich nach dem erfindungsgemäßen Verfahren.
[0003] Die Extrusion und anschließende Kalandrierung zwischen einer geschliffenen elastischen
Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze, erfolgt im Temperaturbereich von 150°C
bis 400°C, vorzugsweise von 280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar,
vorzugsweise von 80 bar bis 150 bar.
[0004] Als thermoplastische Kunststoffe eignen sich beispielsweise thermoplastische, aromatische
Polycarbonate, thermoplastische, aromatische Polyestercarbonate, thermoplastische
Polyarylsulfone, thermoplastische Celluloseester, thermoplastische Polymethylmethaacrylate,
thermoplastische Polystyrole, thermoplastische Styrol-Acrylnitril-Copolymerisate und
thermoplastische Styrol-Maleinsäureanhydrid-Copolymerisate. Die erfindungsgemäß einsetzbaren
thermoplastischen Kunststoffe sind bekannt.
[0005] Bevorzugte thermoplastische Kunststoffe sind die thermoplastischen Polycarbonate
auf Basis von Bis-(hydroxyphenyl)-alkanen und/oder -cycloalkanen) beispielsweise
auf Basis von 2,2-Bis-(4-hydroxyphenyl)-propan (Bisphenol-A). Doppelbrechungsfreie
thermoplastische Kunststoffolien sind bekannt. Sie werden beispielsweise zur Herstellung
von "liquid cristal displays" benötigt (siehe US-Patent 4 614 634(Le A 22595-US)).
[0006] Derartige Folien aus thermoplastischen Kunststoffen lassen sind derzeit in der Praxis
nur dadurch herzustellen, daß die nach dem Gieß- oder Extrusionsverfahren hergestellten
Folien, deren Anisotropie, gemessen als Gangunterschied der einzelnen optischen Wellenfronten
bei > 100 nm liegt, durch ein nachträgliches und sehr aufwendiges Verfahren getempert,
beziehungsweise durch organische Lösungsmittel angequollen werden.
[0007] Es hat deshalb nicht an Versuchen gefehlt, geeignete Verfahren zu entwickeln, spannungsfreie
Folien aus thermoplastischen Kunststoffen herzustellen, wobei in den meisten Fällen
davon ausgegangen wurde, durch ein der Folienherstellung direkt nachgeschaltetes Verfahren
die Spannungsfreiheit zu erreichen.
[0008] Das an sich naheliegende Verfahren, derart dünne Folien durch Extrusion und anschließendes
Kalandrieren durch zwei Stahlwalzen zu erreichen, führt bei Dicken kleiner etwa 600
µm nicht zur Doppelbrechungsfreiheit.
[0009] Überraschenderweise wurde gefunden, daß optisch isotrope Extrusionsfolien im Dickenbreich
unter 600 µm erhalten werden, wenn man die Folien durch Extrusion und anschließende
Kalandrierung zwischen einer geschliffenen elastischen Walze und einer hochglänzenden
Stahlwalze im Temperaturbereich von 150°C bis 400°C, vorzugsweise von 280°C bis 320°C
und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise von 80 bar bis 150 bar herstellt.
[0010] Die nach dieser Variante des erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen optisch isotropen
Extrusionsfolien haben eine glatte und eine rauhe Oberfläche.
[0011] Für gewisse Anwendungszwecke ist es jedoch wünschenswert, derartige doppelbrechungsfreie
Folien mit zwei glatten Oberflächen zu erhalten.
[0012] Der naheliegende Gedanke, die geschliffene elastische Walze durch eine polierte Stahlwalze
zur Erzeugung von 2 glatten Oberflächen zu ersetzen, führt nicht zum gewünschten
Erfolg. Mit diesem System hergestellte Folien zeigen hohe und ungleichmäßige Doppelbrechung.
Die Kombination Stahlwalze - elastische Walze ist also bestimmend für das Maß der
der Folie anhaftenden Doppelbrechung, sie kann allerdings zur Vermeidung der rauhen
Oberfläche mit einem hochglänzenden Lack beschichtet sein.
[0013] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit auch die Verfahrensvariante b) des
erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien mit
einer Dicke unterhalb 600 µm und beidseitig glatter Oberfläche, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß man das erfindungsgemäße Verfahren mit einer geschliffenen elastischen Walze
durchführt, die mit einem hochglänzenden Lack beschichtet ist.
[0014] Für diesen Einsatz geeignete Lacke sind beispielsweise solche, die der elastischen
Verformung des Untergrundes folgen können und gegenüber der sie berührenden heißen
Kunststoffschmelze weder zum Kleben neigen noch durch die hohe Temperatur der Kunststoffschmelze
geschädigt werden. Geeignete Lacke sind beispielsweise solche auf Basis von Polysiloxanen.
[0015] Obwohl solche Systeme zufriedenstellende Ergebnisse bei der Herstellung von optisch
isotropen Extrusionsfolien mit zwei glatten Oberflächen im Dickenbereich unter 600
µm liefern, hat es wegen der Empfindlichkeit der lackierten elastischen Walze nicht
an Versuchen gefehlt, weitere Möglichkeiten der Herstellung der erfindungsgemäßen
Folie zu finden.
[0016] Überraschenderweise wurde gefunden, daß man doppelbrechungsfreie Folien mit zwei
glatten Oberflächen erhält, wenn man zunächst eine einseitig blanke, einseitig matte
Folie durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer hochglänzenden
Stahlwalze und einer geschliffenen elastischen Walze im Temperaturbereich von 150°C
bis 400°C, vorzugsweise 280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise
von 80 bar bis 150 bar herstellt, und diese Folie anschließend wieder in den obengenannten
Kalander aus hochglänzender Stahlwalze und geschliffener elastischer Walze so einlaufen
läßt, daß die blanke Seite der Folie der geschliffenen elastischen Walze zugewandt
ist, während die aus der Extruderdüse ausgepreßte Kunststoffschmelze zwischen der
polierten Stahlwalze und der zulaufenden Kunststoffolie kalandriert wird. Durch die
hohe Temperatur der Kunststoffschmelze bedingten Schmelz- und Verschweißvorgänge erhält
man eine beidseitig blanke doppelbrechungsfreie Folie.
[0017] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit auch die Verfahrensvariante c) des
erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien mit
einer Dicke unterhalb 600 µm und beidseitig glatter Oberfläche, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß man zunächst eine einseitig blanke, einseitig matte Folie durch Extrusion
und anschließender Kalandrierung zwischen einer hochglänzenden Stahlwalze und einer
geschliffenen elastischen Walze im Temperaturbereich von 150°C bis 400°C, vorzugsweise
280°C bis 320°C und bei Drücken von 50 bar bis 200 bar, vorzugsweise 80 bar bis 150
bar herstellt, und diese Folie anschließend wieder in diesen Kalander aus hochglänzender
Stahlwalze und geschliffener Walze so einlaufen läßt, daß die blanke Seite der Folie
der geschliffenen elastischen Walze zugesandt ist, während die aus der Extruderdüse
ausgepreßte Kunststoffschmelze zwischen der polierten Stahlwalze und der zulaufenden
Kunststoffolie kalandriert wird.
[0018] Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen optisch isotropen Extrusionsfolien
können beispielsweise für Liquid-Cristal -Displays oder für die Abdeckung optischer
Datenspeicher eingesetzt werden.
Beispiele
[0019]
1. Eine Polycarbonatschmelze aus Bisphenol-A-Homopolycarbonat mit einer rel. Viskosität
von 1,32 (gemessen als 0,5 %ige Lösung in CH₂Cl₂) wird bei einer Schmelzetemperatur
von 290°C und einem Schmelzedruck von 135 bar durch eine Breitschlitzdüse ausgepreßt
und in einem Walzenstuhl bestehend aus einer hochglänzenden Stahlwalze und einer mattierten
Gummiwalze der Härte 70 Shore A kalandriert. Man erhält auf diese Weise eine einseitig
hochglänzende, einseitig matte Polycarbonatfolie mit einer Dicke von 450 µm. Im Polarisationsmikroskop
mißt man parallel zur Flächennormalen der Folie einen Gangunterschied von 15 nm/mm.
2. Bisphenol-A-Homopolycarbonat mit einer rel. Viskosität von 1,34 (gemessen als
0,5 %ige Lösung in CH₂Cl₂) wird in einem Extruder bei 300°C aufgeschmolzen und diese
Schmelze durch eine Breitschlitzdüse ausgedrückt. Die austretende Schmelzefahne
wird zwischen einer hochglanzpolierten Stahlwalze und einer geschliffenen Walze aus
Silikonkautschuk, dessen Härte 70 Shore A beträgt, abgezogen, wobei eine Folie der
Dicke 100 µm erhalten wird.
[0020] Die Temperatur der Stahlwalze beträgt 130°C, die Oberflächentemperatur der Silikongummiwalze
ca. 120°C. Der Anpreßdruck zwischen Silikongummiwalze und Stahlwalze, gemessen als
Liniendruck beträgt 1 kp/cm.
[0021] Die Folie wird nach Passieren mehrerer Kühlwalzen aufgewickelt. Die Folie, deren
Oberfläche einseitig blank, einseitig matt ist, hat einen Gangunterschied von < 10
nm/mm.
[0022] Die so hergstellte Folie wird mit der Schmelze aus dem obigen Polycarbonat, das eine
relative Viskosität von 1,34 (gemessen als 0,5 %ige Lösung in Methylenchlorid) hat,
in der Weise beschichtet, daß die oben beschriebene isotrope Folie in den Walzenspalt
aus geschliffener Silikongummiwalze und Stahlwalze einläuft, wobei die hochglänzende
Seite der Folie zur Silikongummiwalze zeigt und die Schmelze auf die mattierte Seite
aufläuft.
[0023] Die auf diese Weise beschichtete Folie hat eine Gesamtdicke von 300 µm. Die Folie
hat eine beidseitig glänzende Oberfläche, die Transmission beträgt 91 % und der Gangunterschied
ist < 10 nm/mm.
1. Verfahren zur Herstellung optisch isotroper Extrusionsfolien mit einer Dicke unterhalb
600 µm, aus thermoplastischen Kunststoffen, dadurch gekennzeichnet ist, daß man entweder
a) eine optisch isotrope sowie einseitig hochglänzende und einseitig matte Folie
aus dem thermoplastischen Kunststoff durch Extrusion und anschließender Kalandrierung
zwischen einer geschliffenen elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze
herstellt, oder
b) eine optisch isotrope, jedoch beidseitig hochglänzende Folie aus dem thermoplastischen
Kunststoff durch Extrusion und anschließender Kalandrierung zwischen einer lackierten
elastischen Walze und einer hochglänzenden Stahlwalze herstellt, oder
c) die gemäß Verfahrensvariante a) hergestellte Folie mit der Schmelze des gleichen
thermoplastischen Kunststoffs auf der mattierten Seite der Folie beschichtet, diese
erhaltene beschichte Folie nochmals zwischen einer hochglänzenden Stahlwalze und
einer geschliffenen elastischen Walze kalandriert, wobei die hochglänzende Seite
der beschichteten Folie zur Walze aus elastischem Material zeigt.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1 zur Herstellung von optisch isotropen Extrusionsfolien
mit einer Dicke von 500 µm bis 50 µm
3. Extrusionsfolien, erhältlich nach dem Verfahren der Ansprüche 1 und 2.