[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen Vakuuminduktionsofen der im Oberbegriff des
Patentanspruchs 1 angegebenen Gattung, der zum Schmelzen von hochschmelzenden, chemisch
aktiven Metallen, zum Umschmelzen von Gußblöcken eines Metalls zwecks dessen Reinigung
von Gas- und nichtmetallischen Einschlüssen und auch zum Erschmelzen von Spezial-Präzisionslegierungen
auf der Basis von schwerschmelzenden und chemisch aktiven Metallen eingesetzt werden
kann.
[0002] Bekannt ist ein Vakuuminduktionsofen / V. V. Linchevsky "Vakuumnaya induktsionnaya
plavka" (Vakuumdinduktionsschmelzverfahren)", 1975, Verlag Metallurgia (Moskau),
S. 147, Abb. 77 /, der eine hermetisch abschließbare Kammer mit einem darin untergebrachten
Tiegel enthält, welcher von einer Induktionsspule umgeben ist. Am Deckel der Kammer
sind Einrichtungen zur Führung und Überwachung des Schmelzvorgangs montiert. Dieser
Ofen hat jedoch eine begrenzte Bedienungszone des Schmelztiegels, und die Anwendung
von zusätzlichen technologischen Einrichtungen in demselben ist beschränkt, weil diese
Einrichtungen über dem Metallbadspiegel im relativ kleinen Tiegel so montiert werden
müssen, daß ihre Achsen durch den Mittelpunkt des Metallbadspiegels verlaufen, der
sich zudem in der Tiefe des Tiegels befindet. Da diese Forderung unmöglich erfüllt
werden kann, werden solche Einrichtungen mit zusätzlichen Vorrichtungen wie Rinnen,
Mulden u. dgl. versehen, was den Ofenbetrieb komplizierter macht und die Deckelabmessungen
vergrößert.
[0003] Aus der SU-A-1 032 868 ist ein Vakuuminduktionsofen bekannt, der einen von einer
Induktionsspule umgebenen gekühlten Metalltiegel, einen im unteren Teil des Tiegels
befindlichen gekühlten Untersatz und eine mit dem Tiegel verbundene hermetisch verschließbare
Kammer enthält, die am Tiegel befestigt ist und Einrichtungen zur Führung und Überwachung
des Schmelzvorgangs, d. h. ein Beobachtungsfenster und einen Stutzen zur Erzeugung
der Arbeitsatmosphäre aufweist. Das Beobachtungsfenster liegt mittig im Kammerdeckel
über dem Metallbadspiegel und der Stutzen an der Seitenwand der Kammer. Die konstruktive
Ausführung des Kammerdeckels beschränkt die Anzahl der benutzten Einrichtungen, was
die Anwendungsmöglichkeiten des Tiegels auf das Umschmelzen des eingebrachten Metalls
begrenzt.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Vakuuminduktionsofen zu schaffen,
bei dem zur Erweiterung seiner Einsatzmöglichkeiten eine größere Anzahl an Einrichtungen
zur Führung und Überwachung des Schmelzvorgangs eingesetzt werden kann und dessen
Abmessungen durch Annäherung dieser Einrichtungen unmittelbar an den Metallbadspiegel
im Tiegel stark verringert ist.
[0005] Diese Aufgabe wird bei einem Vakuuminduktionsofen, der einen gekühlten Metalltiegel,
eine den Metalltiegel umgebende Induktionsspule, einen im unteren Teil des Tiegels
angeordneten gekühlten Untersatz und ein mit dem Tiegel verbundenes Gehäuse einer
hermetischen Kammer, deren Deckel mit technologischen Einrichtungen zur Führung und
Überwachung des Schmelzens versehen ist, enthält, erfindungsgemäß dadurch gelöst,
daß die Kammer mit einem Antrieb zur Drehung des Deckels um seine Achse und mit einer
Dichtung ausgestattet ist, die sich zwischen dem Gehäuse und dem Deckel befindet,
wobei die Einrichtungen zur Führung und Überwachung des Schmelzvorgangs am Deckel
der hermetischen Kammer auf einem Kreis mit einem Radius angebracht sind, welcher
dem Abstand zwischen den Achsen des Tiegels und des Deckels gleich ist.
[0006] Durch die Erfindung werden die Abmessungen der Einrichtungen verringert und günstige
Bedingungen für einen zuverlässigen und bequemen Ofenbetrieb dank der Anordnung der
Einrichtungen unmittelbar über dem Metallbadspiegel im Tiegel geschaffen.
[0007] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines bevorzugten und in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels ausführlicher erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 eine schematische Gesamtansicht des Vakuuminduktionsofens im Längsschnitt;
Fig. 2 eine schematische Draufsicht des Vakuuminduktionsofens.
[0008] Der dargestellte Vakuuminduktionsofen enthält eine hermetisch verschließbare Kammer
mit einer Grundplatte 1, auf der ein Gehäuse 2 montiert ist, einem napfförmigen Deckel
3 und einer Dichtung 4 zwischen dem Gehäuse 2 und dem Deckel 3. Unter der Grundplatte
1 ist ein gekühlter Metalltiegel 5 hermetisch installiert, der von einer Induktionsspule
6 umgeben ist. Am Deckel 3 sind Einrichtungen zur Führung und Überwachung des Schmelzvorgangs
montiert, nämlich ein Dosierer 7, eine Einrichtung 8 zum Durchschlagen von Brücken
und zur Entnahme von Metallproben, eine Einrichtung 9 zur Messung der Metalltemperatur,
eine Kammer 10 zum Nachfüllen von Einsatzmaterialien, ein Plasmastrahlerzeuger 11
und eine Beobachtungseinrichtung 12. Der Deckel 3 ist mit einem Antrieb 13 zur Drehung
um die eigene Achse ausgestattet.
[0009] An der Grundplatte 1 sind alle Baugruppen des Vakuuminduktionsofens montiert. Über
eine Öffnung 14 steht der gekühlte Tiegel 5 mit der Kammer in Verbindung.
[0010] Das Gehäuse 2 ist ein zylindrischer, oben offener Stutzen, an dessen Innenfläche
eine ringförmige Stützplatte 15 zur Aufnahme von Lagern 16 angebracht ist. Der Deckel
3 ist ebenfalls als unten offener zylindrischer Stutzen ausgebildet, der in seinem
unteren Teil auf der Außenseite eine ringförmige Stützplatte 17 besitzt, auf welcher
zwischen den Wänden des Gehäuses 2 und des Deckels 3 die Dichtung 4 angeordnet ist,
die als Stopfbuchsendichtung, Manschettendichtung oder andersartig ausgeführt sein
kann. Im Deckel 3 sind Öffnungen 18 zur Montage und Führung der Zusatzeinrichtungen
vorgesehen. Wie Fig. 2 zeigt, sind die Öffnungen 18 im Deckel 3 auf einem Kreis verteilt,
dessen Radius dem Abstand zwischen den Achsen des Tiegels 5 und des Deckels 3 gleich
ist.
[0011] Im unteren Teil des Tiegels 5 ist ein gekühlter Untersatz 19 montiert. Zur Erzeugung
der erforderlichen Arbeitsatmosphäre in der Kammer und im Tiegel 5 ist an der Mantelfläche
des Gehäuses 2 ein Stutzen 20 angebracht. Der Tiegel 5 besteht aus längsverlaufenden,
elektrisch voneinander isolierten gekühlten Sektionen bzw. Kreissegmenten, die auf
dem Durchmesser spaltlos miteinander verbunden und in einem hermetisch dichten Mantel
21 aus einem elektrisch nichtleitenden Werkstoff, beispielsweise aus Glasfaserkunststoff,
eingeschlossen sind und an deren Stirnseiten Dichtungsbeilagen 22 angeordnet sind.
[0012] Die Arbeitsweise des erfindungsgemäßen Vakuuminduktionsofens ist folgende:
[0013] Der Untersatz 19 mit dem darauf angeordneten Einsatzgut wird ins Innere des Tiegels
5 eingeführt und mittels der Dichtungsbeilagen 22 hermetisiert. In der abgedichteten
Kammer wird eine Arbeitsatmosphäre mit einem technisch jeweils erforderlichen Unterdruck
erzeugt, wobei auf den Deckel 3 auf der Außenseite der atmosphärische Druck wirkt.
Über die Stützplatte 17 des Gehäuses 2 wird dieser Druck auf die Lager 16 übertragen,
die die Reibungskräfte zwi schen den Stützplatten 15 und 17 zu überwinden erlauben.
Danach wird die Induktionsspule 6 eingeschaltet und je nach dem Aufschmelzen des Metallblocks
wird der Tiegel 5 mit Einsatzmaterialien über die Kammer 10 nachgefüllt. Während des
Schmelzvorgangs wird die Temperatur der Schmelze mit Hilfe der Einrichtung 9 gemessen.
Metallproben können mittels der Einrichtung 8 entnommen und Legierungszusätze über
den Dosierer 7 (Fig. 1) eingeführt werden. Zur Reinigung von nichtmetallischen und
Gaseinschlüssen kann das Metallbad im Tiegel 5 mittels des Plasmastrahlerzeugers 11
behandelt werden. Notwendigenfalls verwendet man in verschiedenen Momenten des Schmelzens
und Nachfüllens die Einrichtung 8 zum Absetzen des Einsatzgutes. Die im Deckel 3 montierten
Einrichtungen werden durch Verdrehen des Deckels 3 mit Hilfe des Antriebs 13 über
die Öffnung 14 in der Grundplatte 1 bis zur Übereinstimmung ihrer jeweiligen Achse
mit der Achse des Tiegels 5 gebracht bzw. bewegt.
[0014] Nach dem Aufschmelzen des Blocks schaltet man die Induktionsspule 6 ab, läßt die
Schmelze erstarren, öffnet den Ofen, zieht den Untersatz 19 mit dem Block aus dem
Tiegel 5 heraus, nimmt den Block ab und bereitet den Untersatz 19 auf eine neue Schmelze
vor.
[0015] Bei dem vorstehend beschriebenen Vakuuminduktionsofen sind die technologischen Möglichkeiten
der Behandlung des Metallbads beträchtlich erweitert und die geometrischen Abmessungen
sowohl des Ofens selber als auch sämtlicher technologischen Einrichtungen verringert,
und zwar durch Anordnung derselben unmittelbar über der oberen Kante des Schmelztiegels
5 sowie dadurch, daß leere Durchgänge dieser Ein richtungen und tote Zonen der Bedienung
des Metallbadspiegels ausgeschlossen werden.
[0016] Die Erfindung kann zum Schmelzen von hochschmelzenden, chemisch aktiven Metallen
angewendet werden. Die Erfindung kann auch zum Umschmelzen der Gußblöcke eines Metalls
zwecks dessen Reinigung von Gas- und nichtmetallischen Einschlüssen, zum Erschmelzen
von Spezial-Präzisionslegierungen auf der Basis von schwerschmelzenden und chemisch
aktiven Metallen Anwendung finden.
1. Vakuuminduktionsofen, bestehend aus einem hohlen hermetisch dichten Metalltiegel
(5), der eine Kühlung aufweist und von einer Induktionsspule (6) umgeben ist,
aus einem im unteren Teil des Tiegels (5) angeordneten gekühlten Untersatz (19) zur
Halterung der Metallprobe und
aus einem mit dem Tiegel (5) hermetisch dicht verbundenen Gehäuse (2), in dessen Deckel
(3) Einrichtungen zur Führung und Überwachung des Schmelzvorgangs angeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet ,
daß das Gehäuse (2) und der Tiegel (5) übereinander mit seitlich gegeneinander versetzten
Mittelachsen angeordnet sind und daß die im Deckel (3) angeordneten Einrichtungen
(7-11) einzeln in die Mittelachse des Tiegels (5) bewegbar sind.
2. Vakuuminduktionsofen nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das hohlzylindrische Gehäuse (2) mit einem Antrieb (13) zum Verdrehen des napfförmigen
Deckels (3) und mit einer Drehdichtung (4) zwischen dem Gehäuse (2) und dem Deckel
(3) ausgestattet ist, wobei die Einrichtungen (7-11) zur Führung und Überwachung
des Schmelzvorgangs am Deckel (3) auf einem Kreis angeordnet sind, dessen Radius
(r) dem Abstand zwischen den Mittelachsen des Tiegels (5) und des Deckels (3) entspricht.
3. Vakuuminduktionsofen nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das mit einem seitlichen Absaugstutzen (20) versehene Gehäuse (2) auf der Oberseite
und der Tiegel (5) an der Unterseite einer Tragplatte (1) montiert sind, in der eine
auf die Mittelachse des Tiegels (5) zentrierte Durchgangsöffnung (14) angeordnet ist.
4. Vakuuminduktionsofen nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen je einem an der Innenwand des Gehäuses (2) bzw. der Außenwand des Deckels
(3) befestigten Ringflansch (15 bzw. 17) ein Lager (16) angeordnet ist.