[0001] Die Erfindung betrifft das Be- und Entladen von Binnenschiffen mit Schwerlast-Eisenbahnwagen,
insbesondere Roheisenmischwwagen.
[0002] In der Hüttenindustrie ist es üblich, flüssiges Roheisen vom Hochofenwerk mit einem
Roheisenmischwagen auf dem Schienenwege zu einem entfernt liegenden Stahlwerk zu
transportieren. Ein solcher Roheisenmischwagen besteht aus einem torpedoförmigen,
mit einer feuerfesten Auskleidung versehenen und um seine Längsachse drehbaren Mischbehälter,
der über zwei Drehschemel auf Radsätzen aufliegt. Das Gesamtgewicht kann bis zu 500
t betragen. Da der Transport auf dem öffentlichen Schienenweg stattfindet, wobei
Ortschaften durchfahren werden und vom Verkehr stark befahrene Straßen gekreuzt oder
auf Brücken überfahren werden, kann ein Unfall, bei dem das flüssige Eisen ausläuft,
zu sehr großen Schäden führen. Die gleichen Gesichtspunkte gelten erst recht für entsprechend
ausgebildete Straßenfahrzeuge. Der Transport von flüssigem Roheisen auf Straßen und
dem Schienenweg ist als besonders gefährlich einzustufen. Ein Transport auf Binnengewässern
scheiterte daran, daß ein Be- und Entladen von Binnenschiffen bisher nicht möglich
war. Das von Eisenbahn-Seefähren her bekannte Auf- und Abfahren über den Wasserstandsunterschied
ausgleichende Landeklappen in speziellen Fährhäfen ist nur bei einer durch die Größe
bzw. Masse des Schiffes gewährleisteten Stabilität möglich. Die wesent lich kleineren
Binnenschiffe würden beim Auffahren so großer Lasten schwanken, und ein Schienenfahrzeug
würde beim Auffahren entgleisen. Außerdem würde der in schiffbaren Flüssen auftretende
Wasserstandsunterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser und die Strömung eine
Be- und Entladung über Landeklappen nicht ohne weiteres zulassen.
[0003] Demgegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Be- und Entladen von Binnenschiffen
mit Schwerlast-Eisenbahnwagen, insbesondere Roheisenmischwagen, zu ermöglichen.
[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Binnenschiff mit einem
vom Bug zum Heck führenden und über der Wasserlinie des beladenen Binnenschiffes liegenden
Gleis ausgerüstet ist und eine mit dem Binnengewässer in Verbindung stehende und
mit Vorrichtungen zum Fluten und Lenzen versehene Schleusenkammer einen Absatz aufweist,
über den das Binnenschiff im gefluteten Zustand verholbar ist und auf dessen Boden
das Binnenschiff im gelenzten Zustand aufliegt, wobei das Gleis des Binnenschiffs
an ein landseitiges Zufahrtsgleis anschließt.
[0005] Die Erfindung schafft den Vorteil, daß das Binnenschiff, vorzugsweise ein Schubschiff,
mit Hilfe der Schleuse fest auf dem Boden des Absatzes aufgesetzt wird, so daß es
einerseits einen horizontalen Anschluß an das landseitige Zufahrtsgleis erlaubt und
andererseits durch die feste Auflage völlig stabil ist und beim Auffahren oder Abfahren
eines Schwerlast-Eisenbahnwagens weder schwankt noch sich horizontal verschiebt. Das
Binnenschiff liegt für den Beund Entladevorgang auf einer Art Hochdock, jedoch mit
den Einrichtungen zum Be- und Entladen von Schwerlast-Eisenbahnwagen. Dem Versetzen
des Binnenschiffs vom Binnengewässer auf den Absatz und nach dem Be- und Entladen
wieder zurück in das Binnengewässer dient die Schleusenkammer. Das Binnenschiff wird
zunächst in die Schleusenkammer gebracht und durch Fluten so hoch angehoben, daß es
schwimmend über den Absatz verholbar ist. Anschließend wird die Kammer gelenzt, und
nach dem Aufsetzen des Binnenschiffs kann das Be- oder Entladen stattfinden. Durch
anschließendes Fluten wird das Binnenschiff wieder angehoben und schwimmend in die
Hauptschleusenkammer verholt, die dann bis zum Wasserstand des Binnengewässers gelenzt
wird, so daß das Binnenschiff ausgeschwommen werden kann. Die Schleusenkammer wirkt
ähnlich wie bei der aus der DE-A 31 12 698 bekannten Dockanlage, mit der Schiffe
für Reparaturzwecke auf ein Hochdock aufsetzbar sind, die aber zum Be- und Entladen
der Schiffe mit Schienenfahrzeugen weder bestimmt noch geeignet ist.
[0006] Die erfindungsgemäße Be- und Entladeeinrichtung für Binnenschiffe kann sowohl am
Ufer schiffbarer Flüsse als auch an schiffbaren Kanälen errichtet werden. Während
bei Kanälen der Wasserstand im wesentlichen unverändert ist, muß bei einer Anlage
an einem Fluß der vom Hochwasser bis zum Niedrigwasser sich verändernde Wasserstand
berücksichtigt werden. Hierfür sieht die Erfindung vor, daß der Boden des Absatzes
in einer über dem maximalen Hochwasserstand des Binnengewässers bzw. Flusses liegenden
Ebene verläuft und daß die Schleusenkammer eine solche Tiefe hat, daß sie bei einem
die Schiffahrt erlaubenden Niedrigwasserstand von dem beladenen Schiff befahrbar
ist.
[0007] Konstruktiv kann die Schleusenkammer den örtlichen Verhältnissen angepaßt werden.
Steht nur eine geringe Uferlänge bzw. Kailänge zur Verfügung, schließt die Schleusenkammer
zweckmäßig an den Kai an und der Absatz ist in den Kai eingelassen; bei dieser Ausführung
wird das Binnenschiff quer über den Absatz verholt. Die Länge der Schleusenkammer
entspricht einer Schiffslänge. Bei einer langen und schmalen Bauweise bildet der
Absatz eine Verlängerung der Schleusenkammer, und das Schiff ist in Fahrtrichtung
verholbar.
[0008] Anstelle der bei Fähren üblichen Landeklappen wird erfin dungsgemäß zur Überbrückung
des Zwischenraums zwischen dem schiffsseitigen Gleis und dem landseitigen Zufahrtsgleis
nur ein einfaches Gleisverbindungsstück benötigt, welches auf dem Schiffskörper und
dem Kai aufliegt.
[0009] Ist das Binnenschiff für den Transport von Roheisenmischwagen bestimmt, sind zweckmäßig
Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, damit das flüssige Eisen im Falle eines Lecks
im Mischbehälter im Schiff aufgefangen werden kann. Dies kann durch eine feuerfeste
Auskleidung des Innenraumes vom Binnenschiff geschehen.
[0010] Der Gegenstand der Erfindung ist in der Zeichnung beispielsweise dargestellt; es
zeigt
Fig. 1 eine erfindungsgemäß ausgebildete Schleusenkammer mit einem Binnenschiff in
einem Querschnitt,
Fig. 2 den Gegenstand der Fig. 1 in einem Längsschnitt,
Fig. 3 den Gegenstand der Fig. 1 und 2 in einem Grundriß,
Fig. 4 ein zweites Ausführungsbeispiel in einem Grundriß,
Fig. 5 ein Gleisverbindungsstück und
Fig. 6 ein Binnenschiff mit einer feuerfesten Auskleidung in einem Querschnitt.
[0011] Wie die Fig. 1 bis 3 zeigen, ist ein Binnenschiff 1, vorzugsweise ein Schubschiff,
mit einem vom Bug zum Heck verlaufenden Gleis 3 versehen, so daß es durch einfaches
Auf- oder Abfahren eines Roheisenmischwagens 2 oder eines anderen Schwerlast-Eisenbahnwagens
be- oder entladen werden kann. Das Gleis 3 ist mittels einer in der Zeichnung nicht
dargestellten Trägerkonstruktion über der Wasserlinie 4 des beladenen Binnenschiffs
1 in einer Höhe angeordnet, die weiter unten näher erläutert wird. Am Bug und Heck,
an dem die Be- oder Entladung stattfinden soll, sind Klapp- oder Schwingtore vorgesehen,
die ebenfalls nicht zeichnerisch dargestellt sind. Die in den Fig. 1 bis 3 dargestellte
Ausführung des Binnenschiffs 1 ist zur Aufnahme von drei Roheisenmischwagen 2 geeignet.
Selbstverständlich können auch Binnenschiffe 1 für weniger oder mehr Roheisenmischwagen
2 vorgesehen werden.
[0012] Das Be- und Entladen des Binnenschiffs 1 mit Roheisenmischwagen 2 ermöglicht eine
Schleusenkammer 5, die am Ufer eines Binnengewässers 6 angeordnet ist. Eine solche
Anlage ist einerseits im Bereich eines Hochofenwerks, anderseits im Bereich eines
Stahlwerks erforderlich. Die Roheisenmischwagen 2 werden am Hochofen beladen und auf
einem Zufahrtsgleis 17 zur Schleusenkammer 5 gefahren, dort auf ein Binnenschiff 1
geladen und auf Binnengewässern 6 zu einer gleichartig ausgebildeten Schleusenkammer
5 transportiert, wo die Roheisenmischwagen 2 entladen und über ein Zufahrtsgleis
17 in das Stahlwerk gefahren werden.
[0013] In den Fig. 1 bis 3 ist die Schleusenkammer 5 am Ufer eines Flusses angeordnet. dessen
maximaler Hochwasserstand 7 und dessen Niedrigwasserstand 8, bei dem die Schiffahrt
noch möglich bzw. erlaubt ist, durch strichpunktierte Linien angedeutet ist. Der
Boden der Schleusenkammer 5 liegt etwa in Höhe des Flußbettes, so daß die Binnenschiffe
1 auch bei dem angegebenen Niedrigwasserstand 8 in die Schleusenkammer 5 verholt
werden können. Die Schleusenkammer 5 ist an einem Ende, vorzugsweise das abstromseitige,
mit einem Schleusentor 10 versehen. Zum Fluten ist eine Pumpe 11 vorgesehen, die
aus dem Binnengewässer 6 Wasser über eine Rohrleitung 12 in die Schleusenkammer 5
pumpt, bis der Wasserstand die Fluthöhe 13 erreicht hat. Die Schleusenkammer 5 nach
den Fig. 1 bis 3 ist zur Aufnahme eines Binnenschiffes 1 bestimmt, doch können auch
andere Beckengrößen gewählt werden.
[0014] An der Landseite befindet sich ein Kai 16, in den ein kammerartiger und Teil der
Schleusenkammer 5 bildender Absatz 14 eingelassen ist. Die Länge und Breite des Absatzes
14 sind so bemessen, daß der Boden des Absatzes 14 eine trokkendockartige Stellfläche
für ein Binnenschiff 1 bildet. Auf dem Boden können Schwellen 15 angeordnet sein,
auf denen der Schiffskörper aufliegt. Der Boden des Absatzes 14 liegt so hoch, daß
er auch bei maximalem Hochwasserstand 7 noch freiliegt. Liegt ein Binnenschiff 1 auf
der Stellfläche des Absatzes 14 trocken, muß dessen Gleis 3 in der gleichen Ebene
wie das auf dem Kai 16 befindliche Zufahrtsgleis 17 liegen und linear zu diesem verlaufen.
Der zwischen dem Binnenschiff 1 und dem Kai 16 verbleibende Spalt 19 wird durch ein
Gleisverbindungsstück 18 überbrückt, welches das Gleis 3 mit dem Zufahrtsgleis 17
verbindet, so daß ein der Be- oder Entladung dienendes Auf- bzw. Herunterfahren von
Roheisenmischwagen 2 möglich ist. Die Fluthöhe 13 in der Schleusenkammer 5 ist zumindest
so hoch, daß ein Binnenschiff 1 frei schwimmend über den Absatz verholt werden kann.
[0015] Ein zu beladenes Binnenschiff 1 wird zunächst in die Schleusenkammer 5 gebracht,
durch Fluten bis auf Fluthöhe 13 angehoben und quer über den Absatz 14 verholt. Anschließend
wird die Schleusenkammer 5 gelenzt. Zweckmäßig wird dabei der Wasserstand nur bis
knapp unter den Absatz 14 abgesenkt, so daß beim folgenden Fluten nur wenig Wasser
hereingepumpt zu werden braucht. Auf das auf der Stellfläche des Absatzes 14 trocken
aufliegende Binnenschiff 1 werden anschließend bis zu drei Roheisenmischwagen 2 aufgefahren.
Danach wird das beladene Binnenschiff 1 durch Fluten der Schleusenkammer 5 zum Schwimmen
gebracht, quer verholt und durch Lenzen auf den Wasserstand des Binnengewässers 6
gebracht. Das Lenzen kann über Ventilorgane oder durch Anheben des Schleusentors 10
geschehen. Schließlich wird das Schleusentor 10 geöffnet und das beladene Binnenschiff
1 zum Bestimmungsort verfahren. Am Bestimmungsort, an dem sich eine gleichartige
Schleusenkammer 5 befindet, wird das Binnenschiff 1 in entsprechender Weise auf dem
Absatz 14 trockengelegt, entladen und wieder dem Binnengewässer 6 für die Rückfahrt
zugeführt.
[0016] Bei der Ausführung nach Fig. 4 liegen die Hauptkammer der Schleusenkammer 5 und der
Absatz 14 in einer Linie hintereinander, so daß das Binnenschff 1 in Längsrichtung
über den Absatz 14 verholbar ist.
[0017] Fig. 5 zeigt, wie der Spalt 19 zwischen dem Binnenschiff 1 und dem Kai 16 durch ein
das Gleis 3 mit dem Zufahrtsgleis 17 verbindendes Gleisverbindungsstück 18 überbrückt
wird, das die Überfahrt eines Roheisenmischwagens 2 ermöglicht. Das Gleisverbindungsstück
18 kann auch Teil eines klappbaren Bug- oder Hecktores oder am Kai 16 angebracht
sein.
[0018] In Fig. 6 ist schematisch angedeutet, wie ein zum Transport von Roheisenmischwagen
2 bestimmtes Binnenschiff 1 aus Sicherheitsgründen mit einer feuerfesten Auskleidung
20 versehen ist. Damit im Schadensfalle ausfließendes Eisen nicht zu großen Blöcken
erstarren kann, kann auf der Auskleidung 20 Sand aufgeschüttet werden, in den mäanderförmige
Fließrinnen eingeformt werden.
[0019] Die erfindungsgemäße Einrichtung ist nicht nur für den Transport von Roheisenmischwagen
geeignet, sondern auch für andere Schwerlast-Eisenbahnwagen. Sie läßt sich auch zum
Transport von Schwerlast-Straßenfahrzeugen herrichten. Wenngleich die Ausführungsbeispiele
Binnenschiffe mit einem flachen Schiffsboden betreffen, kann der Absatz 14 auch für
Binnenschiffe mit einem Kiel oder mit einem anderem Profil ausgestaltet sein.
1. Einrichtung zum Be- und Entladen eines Binnenschiffes (1) mit Schwerlast-Eisenbahnwagen,
insbesondere Roheisenmischwagen (2), dadurch gekennzeichnet, daß das Binnenschiff
(1) mit einem vom Bug zum Heck führenden und über der Wasserlinie (4) des beladenen
Binnenschiffes (1) liegenden Gleis (3) ausgerüstet ist und eine mit dem Binnengewässer
(6) in Verbindung stehende und mit Vorrichtungen zum Fluten und Lenzen versehene Schleusenkammer
(5) einen Absatz (14) aufweist, über den das Binnenschiff (1) im gefluteten Zustand
verholbar ist und auf dessen Boden das Binnenschiff (1) im gelenzten Zustand aufliegt,
wobei das Gleis (3) des Binnenschiffes (1) an ein landseitiges Zufahrtsgleis (17)
anschließt.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Boden des Absatzes
(14) in einer über dem maximalen Hochwasserstand (7) des Binnengewässers (6) liegenden
Ebene verläuft.
3. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Schleusenkammer
(5) eine solche Tiefe hat, daß sie bei einem die Schiffahrt erlaubenden Niedrigwasserstand
(8) des Binnengewässers (6) von dem beladenen Binnenschiff (1) befahrbar ist.
4. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Schleusenkammer (5) an einen Kai (16) anschließt, in den der Absatz (14) eingelassen
ist und über den das Binnenschiff (1) quer verholbar ist.
5. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der
Absatz (14) eine Verlängerung der Schleusenkammer (5) bildet und über den das Binnenschiff
(1) in Fahrtrichtung verholbar ist.
6. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß ein
Gleisverbindungsstück (18) zur Überbrückung des Spalts (19) zwischen dem schiffseitigen
Gleis (3) und dem landseitigen Zufahrtsgleis (17) vorgesehen ist.
7. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der
Innenraum des zum Transport von Roheisenmischwagen (2) bestimmten Binnenschiffs (1)
mit einer feuerfesten Auskleidung (20) versehen ist.