[0001] Die Erfindung betrifft eine Spinnmaschine, von deren Nebenaggregaten zumindest die
angetriebenen Zylinder des Streckwerkes und die Ringbank mit durch je einen Elektromotor
gebildeten Einzelantrieben versehen sind, deren Drehzahlen unabhängig voneinander
einstellbar sind.
[0002] Bei einer bekannten Ringspinnmaschine (DE-OS 2 911 378) sind die Einzelantriebe der
Nebenaggregate ebenso wie diejenigen der Spindeln durch je einen Synchronmotor oder
Asynchronmotor gebildet. Diejenige dieser Motoren, welche die Zylinder des Streckwerkes
und die Ringbank antreiben, sind an je einen Umrichter angeschlossen, deren Ausgangsfrequenz
und Ausgangsspannung unabhängig voneinander einstellbar sind. Als Istwert steht hierbei
nur ein über ein Getriebe mit dem Lieferzylinder gekuppelter Taktgenerator zur Verfügung,
der die Steuerfrequenz für diejenigen Umrichter liefert, an welche die An triebsmotoren
der anderen Nebenaggregate angeschlossen sind.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine verbesserte Spinnmaschine zu schaffen.
Diese Aufgabe löst eine Spinnmaschine mit den Merkmalen des Ansprüches 1.
[0004] Die erfindungsgemäße Lösung, die sich besonders für Spinntester eignet, aber auch
Vorteile beispielsweise bei der Herstellung spezieller Garne, wie Effektgarne, bietet,
ermöglicht dank der von den Winkelgebern gelieferte Istwert-Signale nicht nur einen
exakten Synchronlauf der einzelnen Antriebe selbst dann, wenn die Sollwerte unterschiedlich
sind. Man kann sogar übereinstimmende Winkelpositionen der Motorwellen und damit der
von den Motoren angetriebenen Aggregate erreichen. Dies ist vor allem bei Drehzahländerungsprogrammen
von großem Vorteil, also beispielsweise beim Anspinnvorgang und beim Abspinnvorgang.
Im Gegensatz zu der bekannten Lösung mit einzelnen Umrichtern kann deshalb auch bei
Anspinnprogrammen und Abspinnprogrammen der Sollwert der Drehzahl und der Winkelstellung
mit ebenso großer Genauigkeit eingehalten werden wie beim Betrieb der Maschine mit
der Hauptspinndrehzahl. Ein weiterer, wesentlicher Vorteil besteht darin, daß für
alle Motoren ein von den übrigen Programmen völlig unabhängiges Drehzahlprogramm und/oder
Winkelpositionsprogramm vorgegeben werden kann und daß die Programme auch während
des Betriebs geändert werden können. So kann beispielsweise die Ringbankbewegung
variiert werden, und zwar nicht nur hinsichtlich des Hubes und der Fortschaltung,
sondern auch hinsichtlich des zeitlichen Verlaufes der Hubbewegung. Ferner kann beispielsweise
die Spindeldrehzahl in Abhängigkeit von der Ringbankstellung variiert, insbesondere
zwischen einer maximalen und einer minimalen Drehzahl verändert werden.
[0005] Bei einer bevorzugten Ausführungsform sind zusätzlich zu den Einzelantrieben für
die Zylinder des Streckwerkes und für die Ringbank auch die Einzelantriebe für die
Trägerschienen der Balloneingrenzungsringe und der Garnösen sowie deren Winkelgeber
an den Positionierprozessor angeschlossen, damit auch die Bewegung dieser Nebenaggregate
nach eigenen Programmen geregelt werden kann.
[0006] Die Elektromotoren der Einzelantriebe sind vorzugsweise elektronisch kommutierende
Motoren. Aber auch andere Elektromotoren, die eine winkelgenaue Positionierung ermöglichen,
kommen in Frage.
[0007] Als Winkelgeber sind bei einer bevorzugten Ausführungsform Resolver vorgesehen, welche
eine sehr hohe Winkelauflösung haben, beispielsweise etwa 1.000 Schritte pro Umdrehung.
Aber auch andere hochauflösende Winkelgeber sind geeignet.
[0008] Der Positionierprozessor weist vorzugsweise mindestens einen Ausgang für ein Umrichtersteuersignal
auf, weil vorzugsweise bei der erfindungsgemäßen Spinnmaschine auch die Spindeln mit
Einzelantrieben versehen sind, die an einen steuerbaren Umrichter angeschlossen sind.
Sofern wenigstens eine der Spindeln mit einer Drehzahlsonde versehen ist, kann der
von dieser Drehzahlsonde gegebene Istwert dem Positionierprozessor zugeführt werden.
Dieser kann dann aufgrund des Istwert/Sollwert-Vergleiches das Umrichtersteuersignal
bilden.
[0009] Bei einer bevorzugten Ausführungsform hat der Positionierprozessor einen Anschluß
für einen Personal-Computer. Mittels dieses Personal-Computers können bequem Programme
in den Positionierprozessor eingegeben werden und Programmänderungen auch während
des Betriebs vorgenommen werden. Vorzugsweise hat dennoch der Positionsprozessor
einen Speicher für wenigstens ein Sollwertprogramm, damit der Personal-Computer nicht
ständig an den Positionierprozessor angeschlossen sein muß.
[0010] Damit die Programme in einer definierten Stellung der Ring bank gestartet werden
können, hat der Positionierprozessor vorteilhafterweise einen Eingang für eine "Ringbank
oben"- und/oder ein "Ringbank unten"- Signal. Ferner sind zweckmäßigerweise Eingänge
für ein Startsignal und ein Stopsignal vorgesehen, um manuell ein Programm starten
und ebenfalls manuell die Spinnmaschine stillsetzen zu können.
[0011] Im folgenden ist die Erfindung anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
im einzelnen erläutert.
Die einzige Figur zeigt eine unvollständige und schematische Darstellung des Ausführungsbeispiels
und der zugehörigen Schaltung.
[0012] Eine Spinnmaschine hat ein aus einem Lieferzylinder 1, einem Riemchenzylinder 2 sowie
zwei weiteren Zylindern 3 und 4 samt den dazugehörigen Andrückrollen bestehendes Streckwerk,
welches das Ausgangsmaterial zuführt. Da üblicherweise die Drehzahlen vom Zylinder
4 zum Lieferzylinder 1 hin zunehmen, erfährt das zu verarbeitende Material zwischen
dem Zylinder 4 und dem Zylinder 3 einen ersten Vorverzug, zwischen dem Zylinder 3
und dem Riemchenzylinder 2 einen zweiten Vorverzug und zwischen dem Riemchenzylinder
2 sowie dem Lieferzylinder 1 einen Hauptverzug.
[0013] Unterhalb des Streckwerkes sind in Längsrichtung der Zylinder 1 bis 4 im Abstand
nebeneinander gleich ausgebildete Spindeln 5 angeordnet, auf die je eine Hülse aufgesteckt
werden kann, die sich in aufgestecktem Zustand zusammen mit der Spindel 5 dreht. Auf
diese Hülse wird der Faden aufgewickelt, der vom Lieferzylinder 1 kommt und zunächst
eine Garnöse 6 und dann einen Balloneingrenzungsring 7 durchläuft, ehe er über eine
Ring/Läufer-Anordnung 8 zur Hülse gelangt und dort aufgewickelt wird. Die Garnösen
6 werden von einer auf und ab bewegbaren Trägerschiene 9, die Balloneingrenzungsringe
7 von einer ebenfalls auf und ab bewegbaren Trägerschiene 10 und die Ring/Läufer-Anordnungen
8 von einer auf und ab bewegbaren Ringbank 11 getragen.
[0014] Der Antrieb der Spindeln 5 erfolgt mittels je eines Asynchronmotors 12, mit dem
je ein Drehzahlgeber 13 gekuppelt ist, der ein der Drehzahl proportionales Frequenzsignal
erzeugt. Jeder der Zylinder 1 bis 4 wird von einem elektronisch kommutierenden Motor
14 angetrieben. Diese Motoren 14 sind mit je einem Resolver mit einer Auflösung von
etwa 1.000 Schritten pro Umdrehung versehen. Auch die Antriebsmotoren 16, 17 und
18, mittels deren die Trägerschiene 9 bzw. Trägerschine 10 bzw. die Ringbank 11 in
vertikaler Richtung bewegt werden, sind im Ausführungsbeispiel elektronisch kommutierende
Motoren. Diese Motoren sind ebenfalls mit je einem Resolver 19 versehen, die wie die
Resolver 15 ausgebildet sind.
[0015] Die Steuerung der elektronisch kommutierenden Motoren 14 sowie 16 bis 18 erfolgt
über je einen Verstärker 20 von einem Positionierprozessor 21 aus. Letzterer liefert
auch das Steuersignal für einen Umrichter 23, an den die Asynchronmotoren 12 angeschlossen
sind. Dem Positionierprozessor 21 werden die Ausgangssignale sowohl der Drehzahlgeber
13 als auch alle Resolver 15 und 19 zugeführt. Der Positionierprozessor 21, der unter
anderem einen Mikroprozessor, ein RAM und ein EPROM enthält, vergleicht die von den
Drehzahlgebern 13 und den Resolvern 15 sowie 19 gelieferten Istwerte mit entsprechenden
Sollwerten. Die Abtastrate beträgt ca. 0,2 Millisekunden. Der Positionierprozessor
21 kann deshalb Abweichungen der Istwerte von den Sollwerten rasch erkennen und durch
eine entsprechende Änderung der Steuersignale, welche zu den Verstärkern 20 und dem
Umrichter 23 gelangen, Abweichungen beseitigen. Daher lassen sich nicht nur die Drehzahlen
der elektronisch kommunitierenden Motoren 14 sowie 16 bis 18, sondern auch die Winkelpositionen
von deren Wellen mit hoher Genauigkeit einhalten. Entsprechendes gilt für die Regelung
der Asynchronmotoren 12, bei denen jedoch eine winkelgenaue Position nicht erforderlich
ist.
[0016] Die Programmeingabe und eventuelle Programmänderungen, die bei einem Einsatz der
Spinnmaschine als Spinntester auch während der Arbeit vorgenommen werden können, erfolgen
mittels eines Personal-Computers 22, der allerdings nur so lange an den Positionierprozessor
21 angeschlossen sein muß, als eine Kommunikation mit diesem vorhanden ist, weil
die eingegebenen Daten im Positionierprozessor gespeichert werden.
[0017] Üblicherweise wird für ein Spinnprogramm eine Anspinndrehzahl, eine Hauptspinndrehzahl
und eine Abspinndrehzahl vorgegeben. Außerdem kann die Zeit vorgegeben werden, innerhalb
deren die Drehzahländerungen ausgeführt werden sollen. Ferner müssen die Drehzahlprogramme
für die Zylinder 1 bis 4, für die Ringbankbewegung so wie für die Trägerschienen
9 und 10 vorgegeben werden. Weiterhin kann beispielsweise die Veränderungen der Spindeldrehzahl
in Abhänigkeit von der Stellung der Ringbank vorgeschrieben werden.
[0018] Da ein Spinnprogramm bei einer definierten Ringbankstellung beginnen muß, hat der
Positionierprozessor 21 zwei Eingänge für die Signale "Ringbank oben" und "Ringbank
unten", welche von zwei schematisch als Schalter 24 und 25 dargestellten Sensoren
geliefert werden. Wird manuell ein Startschalter 26 betätigt, dessen Signal ebenfalls
dem Positionierprozessor 21 zugeführt wird, dann wird zunächst, falls erforderlich,
die Ringbank in die Startposition gefahren. Erst dann wird selbsttätig jedes notwendige
Programm gestartet und durchgeführt. Mittels eines manuell betätigbaren Stopschalters
27 kann die Spinnmaschine zum Stillstand gebracht werden.
[0019] Alle in der vorstehenden Beschreibung erwähnten sowie auch die nur allein aus der
Zeichnung entnehmbaren Merkmale sind als weitere Ausgestaltungen Bestandteile der
Erfindung, auch wenn sie nicht besonders hervorgehoben und insbesondere nicht in den
Ansprüchen erwähnt sind.
1. Spinnmaschine, von deren Nebenaggregaten zumindest die angetriebenen Walzen des
Streckwerkes und die Ringbank mit durch je einen Elektromotor gebildeten Einzelantrieben
versehen sind, deren Drehzahlen unabhängig voneinander einstellbar sind, dadurch
gekennzeichnet, daß
a) jeder Einzelantrieb (14, 16, 17, 18) mit einem Winkelgeber (15, 19) versehen ist,
b) die Winkelgeber (15, 19) an die Istwert-Eingänge eines Positionierprozessors (21)
angeschlossen sind, der ständig die Istwerte mit den zugeordneten, ihm mittels eines
Programms vorgegebenen Sollwerten vergleicht und für jeden Einzelantrieb (14, 15 17,
18) eine den zugehörigen Istwert/Sollwert-Vergleich berücksichtigende Steuergröße
erzeugt.
2. Spinnmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich zu den Einzelantrieben
(14, 18) für die Zylinder (1 bis 4) des Streckwerkes und für die Ringbank (11) auch
die Einzelantriebe (16, 17) für Trägerschienen (9, 10) von Balloneingrenzungsringen
(7) und Garnösen (6) sowie deren Winkelgeber (19) an den Positionierprozessor (21)
angeschlossen sindd.
3. Spinnmaschine nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Elektromotoren
der Einzelantriebe (14, 16, 17, 18) elektronisch kommutierende Motoren sind.
4. Spinnmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß als
Winkelgeber Resolver (15, 19) vorgesehen sind.
5. Spinnmaschinen nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die
Spindeln (5) mit Einzelantrieben (12) versehen sind, die an einen Umrichter (23) angeschlossen
sind, und daß der Positionierprozessor (21) wenigstens einen Ausgang für ein Umrichtersteuersignal
aufweist.
6. Spinnmaschine nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens eine der
Spindeln (5) mit einer Drehzahlsonde (13) versehen ist, die als Istwert-Geber zumindest
indirekt an den Positionierprozessor (21) angeschlossen ist, der ständig den Istwert
mit einem vorgegebenen Sollwert oder Sollwertprogramm vergleicht und das Umrichtersteuersignal
unter Berücksichtigung dieses Vergleichs bildet.
7. Spinnmaschine nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der
Positionierprozessor (21) einen Anschluß für einen Computer, vorzugsweise einen Personal-Computer
(22), zur Dateneingabe einschließlich der Programmeingabe hat.
8. Spinnmaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Positionierprozessor
(21) einen Speicher für wenigstens ein Sollwertprogramm enthält.
9. Spinnmaschine nach Anspruch 7 oder 8, gekennzeichnet durch Eingänge des Positionierprozessors
(21) für ein Startsignal, ein Stopsignal sowie für ein "Ringbank oben" - und/oder
"Ringbank unten" - Signal.