[0001] Die Erfindung betrifft ein pulverförmiges Reinigungsmittel für textile Flächen,
insbesondere textile Bodenbeläge, enthaltend ein mit Wasser versetztes Trägermaterial,
eine reinigungsaktive Substanz, gegebenenfalls Lösungsmittel und gegebenenfalls weitere
Zusatzstoffe.
[0002] Derartige Reinigungsmittel sind bereits in verschiedenen Ausgestaltungen bekannt
geworden. Zum Stand der Technik wird beispielsweise auf die DE-PS 27 32 011 verwiesen.
[0003] Bei den bekannten Reinigungsmitteln sind als Trägermaterialien bereits verschiedene
organische und anorganische Stoffe vorgeschlagen worden. Beispielsweise Sägemehl,
vermahlener Kork, Diatomeenerde usw.. Wesentliche Bedeutung haben aber als Trägermaterialien
bislang jedenfalls für die Verwendung von solchen Reinigungsmitteln im Haushaltsbereich
nur Harnstoff-Formaldehydschäume und Zellulosepulver erlangt. Die Verwendung letztgenannter
Stoffe ist aus verschiedenen Gründen der Kritik ausgesetzt. Bezüglich der Formaldehydschäume
wird auf eine mögliche gesundheitsschädigende Wirkung des Formaldehyd verwiesen. Bei
Reinigungsmittel mit einem Trägermaterial auf der Basis von Zellulosepulver wird ein
hoher Anteil gebleichter, nativer Zellulose mehrjähriger Pflanzen jeweils benötigt.
Die Herstellung des Zellulosepulvers ist darüber hinaus sehr abwasserintensiv und
trotz der Einführung neuer Aufschlußverfahren zur Gewinnung der Zellulose stark umweltbelastend.
Eine Reduzierung des Zellulosegehaltes in bekannten pulverförmigen Reinigungsmitteln
führt aber zu Produkten, die beim Einarbeiten in beispielsweise einen Teppich "spachteln",
deutlich schlechter reinigen, schlecht abzusaugen sind und lange Trockenzeiten erfordern.
Auch sind die Produkte dann nicht mehr "rieselfähig".
[0004] Ausgehend von dem vorbeschriebenen Stand der Technik stellt sich der Erfindung die
Aufgabe, ein pulverförmiges Reinigungsmittel für textile Flächen anzugeben, welches
bei möglichst hoher Reinigungsleistung rohstoffsparend ist und zugleich ohne oder
mit nur geringen Anteilen an gesundheitsgefährdend oder umweltunverträglich eingestuften
Stoffen auskommt.
[0005] Diese Aufgabe ist bei der im Anspruch 1 angegebenen Erfindung gelöst.
[0006] Die Unteransprüche stellen vorteilhafte Weiterbildungen dar.
[0007] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, daß als Trägermaterial im trockenen Zustand hochsaugfähige,
danch gequollene Polymer-Teilchen - sogenannte Superabsorber - verwendet werden, zusammen
mit organischen Faserteilchen, welche Faserteilchen an der Oberfläche der Polymer-Teilchen
angelagert sind. Die hochsaugfähigen, gequollenen Polymer-Teilchen schaffen das notwendige
Volumen und die notwendige Oberfläche durch einen hohen, in den Polymer-Teilchen
gebundenen Wasseranteil. Dadurch kann der Verbrauch an wertvollen Rohstoffen, nämlich
insbesondere gebleichter Zellulose, stark eingeschränkt werden. Das Trägermaterial
bzw. das absorbierende Material steht der Teppichoberfläche voll zur Verfügung. Es
neigt zur Agglomeratbildung, so daß es nicht im Teppich "versandet". Die organischen
Faserteilchen sind auf der Oberfläche der gequollenen Polymer-Teilchen angelagert.
Sie sind daher sehr gut verteilt und es ist nur eine geringe Menge an organischen
Faserteilchen erforderlich. Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist darin zu sehen,
daß sehr variable Formulierungen des Reinigungsmittels möglich sind. Beispielsweise
kann das Reinigungsmittel in einfacher Weise "naß" oder "trocken" eingestellt werden,
wie dies weiter unten noch im einzelnen erläutert ist. In weiterer Ausgestaltung ist
vorgesehen, daß die Polymer-Teilchen aus einem Polyacrylat bestehen. Ein solches
Polyacrylat ist insbesondere unter der Handelsbezeichnung "Favor", vertrieben von
der Fa. Stockhausen, Krefeld, bekannt geworden. Besonders bevorzugt ist eine quervernetzte,
teilweise als Natriumsalz vorliegende Polyacrylsäure. Solche hochsaugaktiven Polymere,
wie sie auch in der Literaturstelle "allgemeiner Vliesstoff-Report 4- 1984, Seiten
178 bis 182" beschrieben sind, können das Mehrfache ihres eigenen Gewichtes an wässrigen
Flüssigkeiten aufnehmen. Hierbei bildet sich ein Gel, dessen Beschaffenheit jedoch
verschiedenartig sein kann. Solche hochsaugaktiven Polymere geben die wässrige Flüssigkeit,
d. h. in aller Regel gewöhnliches Wasser, das sie aufgenommen haben, auch unter Druck
nicht oder nur zu einem relativ geringen Teil ab. Im Rahmen der Erfindung ist bevorzugt,
daß das Gel die Beschaffenheit einer körnigen Masse (Kaviarstruktur) aufweist. Hierdurch
sind sehr kleine Polymer-Teilchen kugelförmiger Struktur gebildet, mit einem Durchmesser
von etwa 10 bis 1.000 µm im gequollenen Zustand. Entsprechend ergibt sich eine sehr
große Oberfläche. Die organischen Fasern können einen Durchmesser von 5 bis 30 µm
und eine Länge von 50 bis 400 µm aufweisen. Es handelt sich hierbei bevorzugt um Zellulosefasern.
[0008] Herstellungsmäßig wird so vorgegangen, daß das Pulver aus Natriumpolyacrylat (bzw.
aus der erwähnten Polyacrylsäure) mit Wasser versetzt wird, bis es gesättigt ist.
Hierbei quillt das Polyacrylat auf und entwickelt die erwähnte Kaviarstruktur. Ein
Gramm Polyacrylat kann ein Vielfaches seines Gewichtes an Wasser aufnehmen, beispielsweise
bis zu 100g. Auch unter Druck gibt das Polyacrylat aufgenommenes Wasser nicht mehr
ab. Durch eine Zugabe von weiterem Wasser, das von dem Polyacrylat nicht mehr aufgenommen
wird, kann die Einstellung "naß" vorgenommen werden. Das gequollene Polyacrylat wird
sodann mit den Zellulosefasern verrührt, die sich im wesentlichen an der Oberfläche
der Polyacrylat-Teilchen anlagern. Sodann wird das so gewonnene Pulver noch mit der
notwendigen waschaktiven Substanz, in der Regel eine wässrige Tensidlösung, versetzt.
Darüberhinaus wird gegebenenfalls ein Lösungsmittel zugegeben und gegebenenfalls
weitere Zusatzstoffe wie etwa Duftstoffe.
[0009] Ein derartiges pulverförmiges Reinigungsmittel kann 5 bis 75 Gewichtsprozente gequollenes
Acrylat enthalten, bevorzugt 25 bis 35 Gewichtsprozente. Desweiteren 10 bis 50 Gewichtsprozente
organische Fasern, wobei hier neben Zellulose auch noch Linters und chemisch oder
mechanisch modifizierte Zellulose sowie ähnliche Stoffe in Betracht kommen. Bevorzugt
liegt der Anteil zwischen 25 und 35 Gewichtsprozent, wobei ein Zellulosepulver mit
einem Kornspektrum von 50 bis 350 µm verwendet wird. Etwa 5 bis 35 Gewichtsprozente
kann es darüberhinaus an Wasser enthalten, bevorzugt 20 bis 25 Gewichtsprozente. 0
bis 20 Gewichtsprozente, bevorzugt auch wiederum 5 bis 15 Gewichtsprozente können
organische Lösungsmittel sein, z. B. Methoxypropanol oder aromatenfreies Benzin. 0
bis 7 Gewichtsprozente können ein Tensid oder ein Tensidgemisch sein. Speziell handelt
es sich um ein anionisches, nicht ionisches, kationisches oder amphoteres Tensid.
Bevorzugt liegt dieser Anteil bei 0,5 bis 2 Gewichtsprozenten. Schließlich sind 0
bis 5 Gewichtsprozente, bevorzugt 0 bis 2 Gewichtsprozente weitere übli che Hilfs-
und Duftstoffe, wie etwa Konservierungsmittel, Antistatikum etc..
[0011] Die vorstehenden Rezepturen werden bezüglich einer Menge von 150 kg etwa wie folgt
hergestellt (Werte für Rezeptur I in Klammern):
[0012] Zunächst wird die Acrylatdispersion aus 0,23 kg (0,04 kg) Favor CT und 44,78 kg (7,46
kg) Wasser angerührt. Je nach gewünschter Viskosität der Dispersion kann diese noch
mit Wasser aus der Wirkstofflösung verdünnt werden.
[0013] Die Komponenten der Wirkstofflösung [33,43 kg (47,30 kg) Wasser; 7,50 kg (7,50 kg)
Tensidlösung; 0,08 kg (0,08 kg) Entschäumer; 0,15 kg (0,23 kg) Antistatikum; 0,15
kg (0,15 kg) Parfümöl; 1,50 kg (1,50 kg) Isopropanol und 0,30 kg (0,30 kg) Konservierungsmittel]
werden in einem separaten Tank gemischt.
[0014] In einem Pflugschar-Mischer werden 46,97 kg (70,46 kg) Cellulosepulver (4,2% Feuchte)
vorgelegt. Bei laufendem Mischer wird zunächst mittels einer Membranpumpe die Acrylatdispersion,
anschließend die Wirkstofflösung und zuletzt 15,0 kg (15,0 kg) Benzin aufgesprüht.
[0015] In beiden Fällen entsteht ein weißes, sich trocken anfühlendes rieselfähiges Pulver.
[0016] Die vorstehend aufgeführte Angabe "WAS" hat die Bedeutune, daß 5% wässrigen Tensidgemisches
1% reinen Tensidanteil "WAS" entsprechen. Das erwähnte Isopropanol hat die Aufgabe,
als Lösungsmittel für den dem Mittel beigegebenen Geruchsstoff zu dienen. Es ist
ansonsten in dem in der Anmeldung erwähnten Tensidgemisch enthalten.
[0017] Die in der vorstehenden Beschreibung und den Ansprüchen offenbarten Merkmale der
Erfindung können sowohl einzeln, als auch in beliebiger Kombination für die Verwirklichung
der Erfindung von Bedeutung sein.
1. Pulverförmiges Reinigungsmittel für textile Flächen, insbesondere textile Bodenbeläge,
enthaltend ein mit Wasser versetztes Trägermaterial, eine reinigungsaktive Substanz,
gegebenenfalls Lösungsmittel und gegebenenfalls weitere Zusatzstoffe, dadurch gekennzeichnet,
daß das Trägermaterial durch hochsaugfähige, gequollene Polymer-Teilchen und auf deren
Oberfläche angelagerten organischen Faserteilchen gebildet ist.
2. Reinigungsmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Polymer-Teilchen
aus einem Polyacrylat bestehen.
3. Reinigungsmittel nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Polymer-Teilchen
aus quervernetzter, teilweise als Natriumsalz vorliegender Polyacrylsäure bestehen.
4. Reinigungsmittel nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß die Polymer-Teilchen gemahlen sind, mit einem Durchmesser von
10 bis 1.000 µm im gequollenen Zustand.
5. Reinigungsmittel nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß das Reinigungsmittel enthält
5 bis 75 Gewichtsprozente gequollene Polymer-Teilchen
10 bis 50 Gewichtsprozente organische Fasern
5 bis 40 Gewichtsprozente Wasser
0 bis 20 Gewichtsprozente organisches Lösungsmittel
0 bis 3 Gewichtsprozente anionisches, nichtionisches, kationisches oder amphoteres
Tensid oder Tensidgemisch
0 bis 5 Gewichtsprozente weitere übliche Hilfs- und Duftstoff.
6. Reinigungsmittel nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß es enthält
25 bis 35 Gewichtsprozente gequollene Polymer-Teilchen
25 bis 35 Gewichtsprozente Zellulosepulver
20 bis 25 Gewichtsprozente Wasser
5 bis 15 Gewichtsprozente aromatenfreies Benzin
3 bis 7 Gewichtsprozente Tensidgemisch
0 bis 2 Gewichtsprozente Hilfsstoffe.
7. Reinigungsmittel nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß die organischen Fasern einen Durchmesser von 5 bis 30 µm und eine
Länge von 50 bis 400 µm aufweisen.