[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Vergießen von Blöcken
aus bleihaltigem Stahl unter Verwendung eines das Metallbad enthaltenden Verteilers,
in dem das Metallbad sich zwischen offenen oder geschlossenen Bespeisungskammer und
einer hermetisch verschlossenen Entleerungskammer abgetrennt befindet, die sowohl
miteinander als auch mit einer Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens verbunden
sind.
[0002] Schnellarbeitsstähle sind seit dem vergangenen Jahrhundert bekannt und kamen bereits
in den 30er Jahren in den Vereinigten Staaten zur Anwendung; ab den 50er Jahre ist
eine zunehmende Verbesserung ihrer Herstellungstechnologie und Verbreiterung der Anwendungsgebiete
festzustellen. In der letzten Zeit werden sie immer mehr, und dies hauptsächlich in
der Maschinen- und Automobilindustrie, zur Herstellun von Teilen verwendet, die eine
hohe mechanische Festigkeit verlangen und für die Bearbeitung bestimmt sind. Im Falle,
daß diese Teile verschiedenen Bearbeitungsgängen unterworfen sind, werden die zu ihrer
Herstellung verwendeten Stähle als geeignet angesehen, wenn sie die Schneid- und Schruppwerkzeuge
nicht übermäßig abnutzen, eine Erhöhung der Bearbeitungsgeschwindigkeit im Vergleich
zu Normalstählen erlauben und eine gute Fertigbearbeitung der Oberfläche der Teile
ermöglichen.
[0003] Ein Stahl mit diesen Merkmalen erfordert die Verwendung von Elementen, die im allgemeinen
bei anderen Stählen unerwünscht sind, so wie z.B. Schwefel, Phosphor, Blei, Stickstoff
usw. Unter diesen Elementen nimmt das Blei eine Sonderstellung ein.
In wiedergeschwefelten Stählen (und sogar in nicht wiedergeschwefelten Stählen) zugesetztes
Blei wirkt als internes Schmiermittel und vermindert die Reibung zwischen dem Schneidwerkzeug
und dem bearbeiteten Werkteil. Außerdem trägt es zur Bildung von kleineren Spänen
und Spänen kleineren Durchmessers bei. Zwei Faktoren müssen jedoch erwähnt werden,
die bei der Herstellung von Pb-legierten Stählen zu Problemen führen:
- die niedrige Lösbarkeit dieses Metalles im Metallbad und die damit verbundene Schwierigkeit
des Zubringens und der gleichmäßigen Verteilung;
- die Ausströmung von giftigen Gasen in der metallischen Form und insbesondere in
der Form von Oxid infolge des Kontaktes zwischen dem Schmelzbad und der Luft während
des Gießvorganges, wodurch ein Wirkungsverlust entsteht und das Entlüftungssystem
komplizierter und teurer wird.
[0004] Zur Verbesserung der Bedingungen des flüssigen Metallbades beim Vergießen in die
Kokillen ging man in letzter Zeit zur Anwendung von Verteilern über. Diese Verteiler
haben jedoch für die Stahlwerksleute ein anderes Problem bei bem Zuschlag von Blei
mit sich gebracht infolge der Ablagerung von erstarrtem Material im Verteilerboden
am Ende des jeweiligen Vergießvorganges.
Es wurden verschiedene Versuche gemacht, eine Lösung für diese Probleme zu finden,
die jedoch im allgemeinen nur teilweise Lösungen darstellen. Unter diesen kann die
von der Nippon Steel Corporation unter dem Titel "Verfahren zum Stranggießen von bleihaltigen
Stählen" vorgelegt Arbeit erwähnt werden, die Gegenstand der brasilianischen Patentanmeldung
PI 88 OO 949 war.
[0005] Die vorliegende Erfindung hat somit zum Ziel, ein Verfahren und eine Vorrichtung
vorzuschlagen, die hauptsächlich zu einer Verbesserung des Wirkungsgrades des Bleies
(Pb) und einer drastischen Verminderung der Emission von giftigen Dämpfen aus dem
Metallbad in die Atmosphäre führt.
Dieses Ziel wird gemäß dem Verfahren dieser Erfindung mit Hilfe des anfangs erwähnten
Verteilers erreicht, der sich dadurch kennzeichnet, daß das Blei immer in der Entleerungskammer
zugeführt und gleichmäßig vermischt wird.
[0006] Im Unterschied zu den bekannten Verteilern, wo das Blei immer in der Bespeisungskammer
oder einer Zwischenkammer zugegeben wird, benutzt das hiermit vorgeschlagene Verfahren
ein gänzlich verschiedenes Konzept, bei dem der Zuschlag immer in der Entleerungskammer
auf das in Drehbewegung befindliche Bad durchgeführt wird, wodurch eine überraschen
gleichmäßige Mischung erreicht wird. Dies ermöglicht eine bessere Verwertung des Bleies
wegen der Vermeidung der in den herkömmlichen Verteilern entstehenden Restablagerungen,
mit Ausschaltung der Problem bezüglich Reinigung, Wartung und Umweltverschmutzung.
Außerdem wird durch die bisher in anderen Anlagen nicht existierende hermetisch verschlossene
Konstruktion die komplette Beseitigung von Giftdämpfen im Arbeitsbereich sichergestellt.
Vorzugsgestaltungen des Verfahrens gemäß der Erfindung sind in den untergeordneten
Anspruchsstellungen aufgeführt.
[0007] Die unter der Anspruchsstellung 9 beschriebene Vorrichtung der Erfindung ermöglicht
eine vorteilhafte Durchführung des oben beschriebenen Verfahrens. Andere Konfigurationen
dieser Vorrichtung sind in den jeweiligen Anspruchsstellungen verdeutlicht.
[0008] Die beigefügten Zeichnungen zeigen eine bildliche Darstellung von zwei Verwirklichungen
einer Vorrichtung zur Durchführung des obigen Verfahrens, wobei:
Bild 1 einen seitlichen Querschnitt der Vorrichtung gemäß der ersten Verwirklichung
Bild 2 eine Draufsicht der Vorrichtung gemäß Bild 1,
Bild 3 einen seitlichen Querschnitt der Vorrichtung gemäß der zweiten Verwirklichung,
und
Bild 4 eine Draufsicht der Vorrichtung gemäß Bild 3 darstellt.
[0009] Die Erfindung begründet sich auf die Verwendung von Verteilern, dir in zwei Teile
bzw. Kammern geteilt sind:
eine Bespeisungskammer 1 und eine Entleerungskammer 2, letztere wesentlich in konisch-zylindrischer
Form, konzentrisch oder nicht. Die Bespeisungskammer 1 kann offen oder auch geschlossen
sein zum besseren Schutz des Metallbades, während die Entleerungskammer immer durch
einen Deckel 3 abgedeckt ist, um einen direkten Kontakt mit der Atmosphäre zu vermeiden.
Durch eine im Deckel 3 vorhandene Öffnung wird eine Einrichtung eingeführt, die dazu
dient, die Zuführung des Bleies in das Bad zu kontrollieren. Das Blei kann in Korn-,
Draht- oder irgendeiner anderen Form zugefügt werden. Die Entleerungskammer 2 soll
so arbeiten, daß ihr Rauminhalt in höchstem Grad ausgenutzt wird. Dazu soll die Bespeisungskammer
1 ein dementsprechendes größeres Fassungsvermögen aufweisen, vorzugsweise das 2- oder
3-fache der Entleerungskammer 2, damit diese letztere problemlos und ohne Unterbrechungen
bespeist werden kann. Dies wird auch dadurch erleichtert, daß der zwischen den beiden
Kammern befindliche Bespeisungskanal 5 größer ist als die Öffnung 6 zum Abfluß des
flüssigen Metalles aus der Entleerungskammer 2.
Wie oben erwähnt, ist die Entleerungskammer 2 mit einem Deckel 3 ausgerüstet, der
verhindert, daß die Gase in die Atmosphäre gelangen. Hierdurch wird ein Ausgleichdruck
aufgebaut, der zu einer besseren Bleiauswertung führt. Diese Auswertung kann noch
zusätzlich dadurch verbessert werden, daß die Entleerungskammer mittels Einführung
von Argon oder einem anderen Edelgas durch ein Ventil 7 unter Druck gesetzt wird.
Zur Messung und Überwachung dieses Druckes über der Oberfläche des Metallbades können
spezifische Vorrichtungen in das Ausgangsrohr 8 der Entleerungskammer 2 eingebaut
werden. Zur Beseitigung von Ablagerungen von erstartrtem Material am Verteilerboden
ist eine Neigung der Kammerböden vorgesehen, wie aus Bild 1 und 3 zu ersehen ist.
[0010] Die wesentlich zylindrische Form der Entleerungskammer 2 sowie die nichtradiale Dimensionierung
und Anordnung des Bespeisungskanales 5 setzen die Flüssigkeit in eine drehende Bewegung,
wodurch eine Homogenisierung des Bades und die perfekte Verteilung des Bleies (Pb)
erreicht wird. Hierdurch kann auf die Verwendung eines magnetischen Homogenisierers
verzichtet werden, wie er in den herkömmlichen Verfahren zur Anwendung kommt.
Zusätzlich kann zum Erreichen der Homogenität des in der Entleerungskammer 2 befindlichen
Metallbades und einer besseren Verteilung des Bleies (Pb) Argon oder ein anderes Edelgas
durch ein anderes, im unteren Teil der Entleerungskammer 2 befindliches Ventil 9 eingeführt
werden und/oder die Entleerungskammer 2 mit einer oder mehreren Abflußöffnungen 11
(Bild 3) versehen werden, die mit der Ausgangsöffnung 6 verbunden sind, so daß ein
einhiger Gießstrahl erhalten wird.
[0011] Gemäß der in Bild 1 gezeigten vorteilhaften Ausführung wird eine Stange 10a mit Stopfen
10b, mit oder ohne Rillen, verwendet. Die Überwachung des Abflusses des Metallbades
durch die Entleerungsöffnung 6 kann auch mittels Schiebeventil oder eine andere Art
Ventil durchgeführt werden. Anstelle der Stopfenstange können auch selbstschmelzende
Stopfen verwendet werden. Zur Vermeidung der Reaktion des flüssigen Metalles mit der
Atmosphäre wird das Metall von der Entleerungskammer 2 aus untergetaucht bzw. von
einer Schutzgasatmosphäre umgeben durch die Öffnung 6 abgegossen.
1. Verfahren zum Gießen von Blöcken aus bleihaltigen Stählen unter Verwendung eines
das metallische Stahlband enthaltenden Verteilers, wobei das Metallbad durch eine
offene bzw. geschlossene Bespeisungskammer und eine geschlossene und abgedichtete
Entleerungskammer, die miteinander verbunden sind, getrennt ist. Das Verfahren ist
dadurch gekennzeichnet,
daß das Blei immer in der Entleerungskammer zugefügt und homogenisiert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Homogenisierung durch die Drehbewegung des Bades in der Entleerungskammer
erreicht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem in Drehbewegung befindlichen Bad Argon oder ein anderes Inertgas mittels Einspritzen
zugefügt werden kann.
4. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dß das Blei in Form von Draht, Korn usw. zugeführt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Ein- und Ausfluß des flüssigen Bades überwachbar sind.
6. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Zugabe von Blei während des Gießprozesses kontrolliert wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem metallischen Stahlbad Blei und/oder andere Legierungselemente zugegeben werden
können.
8. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Entleerungskammer unter Druck gesetzt werden kann.
9. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Entleerungskammer (2) im wesentlichen eine konzentrische oder nicht konzentrische
zylindrisch-konische Form aufweist, in deren Boden eine Abflußöffnung (6) vorgesehen
ist und die durch einen oberen Deckel (3) abgeschlossen ist, mit einer vorgesehenen
Öffnung zur Aufnahme einer Anlage (4) für die kontrollierte Zugabe von Blei, wobei
Bespeisungskammer (1) und die Entleerungskammer (2) durch einen Kanal (5) miteinander
verbunden sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Verbindungskanal (5) sich nicht in radialer Stellung zur Entleerungskammer
(2) befindet, wodurch das flüssige Bad in eine drehende Bewegung versetzt wird.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Böden der Bespeisungskammer (1) und der Entleerungskammer (2) eine Neigung
zur Abflußöffnung (6) aufweisen.
12. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Verbindungsöffnung (5) einen größeren Querschnitt aufweist als die Abflußöffnung.
13. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Rauminhalt der Bespeisungskammer (1) größer ist als der der Entleerungskammer
(2).
14. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß im unteren Teil der Entleerungskammer (2) ein Ventil (9) zum Einspritzen eines
Argongastrahl es bzw. eines anderen Inertgases vorgesehen ist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß in der Entleerungskammer (2) ein Ventil (7) vorgesehen ist, um dieselbe mittels
Argon oder einem anderen Inertgas unter Druck zu setzen.
16. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß in der Entleerungskammer (2) eine Rohrleitung (8) für den Gasaustritt vorgesehen
ist, die mit Meß- und Regelgeräten ausgestattet ist.
17. Vorrichtung nach Anspruch 9,m
dadurch gekennzeichnet,
daß die Entleerungskammer (2) mehr als eine Abflußöffnung aufweisen kann, die in diesem
Falle mit der Austrittsöffnung (6) verbunden ist, wobei immer eine Trennwand zwischen
denselben vorhanden ist.
18. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Entleerungskammer (2) eine Stange (10) mit Stopfen zur Kontrolle des Abgießens
des flüssigen Bades enthält.
19. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß in Abwesenheit der Stange der bzw. die Stopfen selbstschmelzend sind.
20. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß zur Kontrolle des Badabflusses ein oder mehrere Schiebeventile vorgesehen sind.
21. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine aus Argon oder einem anderen Inertgas bestehende Schutzgasatmosphäre rundum
und unter der Abgußöffnung (6) zum Schutz des flüssigen Metallstrahles vorgesehen
ist.
22. Vorrichtung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine an die Abgußöffnung (6) angeschlossene Lanze vorgesehen ist, die das eingetauchte
Gießen von Blöcken ermöglicht zum Schutz des flüssigen Metallstrahles.