[0001] Die Erfindung betrifft eine Bogenstranggiessanlage für Stahlstränge gemäss den Merkmalen
des Oberbegriffes von Anspruch 1.
[0002] Bogenstranggiessanlagen mit Durchlaufkokillen werden durch vertikale oder leicht
schräg zur Vertikalen angeordnete Stahlzuführungen gespiesen. Der entstehende Strang
wird auf einer bogenförmigen Strangbahn mit einer Bogenlänge von etwa 90 Grad geführt
und anschliessend gerade gerichtet. Dem Richtaggregat ist in der Regel eine horizontale
Strangausförderung nachgeordnet.
[0003] Stranggiessanlagen für Stahlknüppelstränge weisen Bogenradien von 4 m und mehr auf.
Für Vorblockformate und Brammen werden Bogenradien von 8 - 12 m verwendet. Stranggiessmaschinen
werden als Ein- oder Mehrstranggiessanlagen bis zu 8 Strängen gebaut.
[0004] Solche Stranggiessanlagen sind mit zwei und mehr begehbaren Bühnen oder Zwischenböden
für die Maschinenbedienung und Wartung versehen und werden zusammen mit einer Stahlstruktur
im Stahlwerk aufgebaut. Die Stahlstruktur stellt dabei einen integrierten Bestandteil
der Stranggiessmaschine dar, der beispielsweise zur Aufhängung der Kokille, Abstützung
der Strangführung, des Treibrichtaggregates und der Kaltstrang-Lagereinrichtung benötigt
wird.
[0005] Aus US-PS 3 344 844, die den Oberbegriff bildet, ist eine Stahlstranggiessanlage
mit einem starren, kreisbogenförmigen Anfahrstrang bekannt. Diese Anlage besteht
aus einer Durchlaufkokille, einer Sekundärkühleinrichtung, einem Treibrichtaggregat
und einer Kaltstrangführungs- und Bewegungseinrichtung. Die Kaltstrangführungseinrichtung
ist gleichzeitig als Parkeinrichtung für den Kaltstrang verwendbar. Die Kokille ist
an der Stahlstruktur für die Giessbühne abgestützt, das Treibrichtaggregat auf einem
Fundament abgestellt und die Führungs-, Lager- und Bewegungseinrichtung des Anfahrstranges
ist an weiteren Säulen der Giessbühnenstruktur befestigt. Die gebogene Strangführung
zwischen Kokille und Treiber ist auf einem horizontal verfahrbaren Wagen auf dem Fundament
bewegbar angeordnet. Solche Anlagen können wegen ihrer Sperrigkeit nicht in montiertem
Zustand transportiert werden. Sie werden in der Regel erstmals am Giessstandort aufgebaut
und ausgerichtet. Die für mehrere Stränge gemeinsame Stahlstruktur wird in ihrer
Breite auf eine vorgesehene Strangzahl ausgelegt. Solche Anlagen benötigen lange und
teure Montage- und Ausrichtarbeiten. Eine Veränderung der Strangzahl ist nur mit einer
Aenderung der Giessbühnenstruktur möglich.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Stranggiessmaschine für Knüppel-
und Platinenstränge zu schaffen, die in werkstattmontiertem Zustand leicht transportiert
und in Giessposition auf ein Fundament abgestellt werden kann. Diese Stranggiessmaschine
soll im weiteren durch Aneinanderreihen einsträngiger Einheiten zu Mehrstranganlagen
mit beliebiger Strangzahl zusammenstellbar sein. Neben wirtschaftlichen Herstell-
und Montagemethoden soll auch die Ausrichtarbeit am Giessstandort zwischen Kokille,
Strangführung, Treibrichtaggregat und Kaltstrangführung sowie Parkeinrichtung vermindert
werden bzw. ganz wegfallen. Im weiteren soll jede einzelne Maschineneinheit durch
vereinfachte Revisionsmöglichkeit eine hohe Verfügbarkeit sicherstellen.
[0007] Die erfindungsgemässe Aufgabe wird durch die Summe der Merkmale gemäss Anspruch 1
gelöst.
[0008] Die erfindungsgemässe Bogenstranggiessanlage, die für Knüppel- und Platinenstränge
geeignet ist, kann aufgrund des neuen Aufbaukonzeptes in werkstattmontiertem Zustand
transportiert werden. Der starre Anfahrstrang mit seiner Führungs- und Bewegungseinrichtung
kann zwischen Kokille und Treibrollen eingefahren werden und benötigt somit beim Transport
keinen zusätzlichen Platz. Für eine Mehrstranganlage kann eine entsprechende Anzahl
Module nebeneinander auf ein vorbereitetes Fundament abgestellt und festgeschraubt
werden. Ausrichtarbeiten zwischen Kokille, Strangführung Richttreibmaschine und Kaltstrangführungseinrichtung
sind bei der Montage nicht mehr nötig. Der Modulaufbau kann mit hoher Wirtschaftlichkeit
durchgeführt werden, und Revisions- sowie Ersatzteilkosten werden ebenfalls vermindert.
[0009] Gemäss einer weiteren Ausführungsform kann das Modul aus einer am Fundament befestigbaren
Stütze bestehen, an welcher die Durchlaufkokille mit ihrer Oszillationsführung, das
Treibrichtaggregat, der starre Anfahrstrang mit seiner Führungs- und Bewegungseinrichtung
angelenkt bzw. befestigt werden. Die Stütze selbst kann nach vielfältigen Gestaltungsgrundsätzen
aufgebaut werden. Eine besonders vorteilhafte Konstruktion zeichnet sich dadurch aus,
dass die Stütze als Tragbock mit beidseitig je zwei Beinen, die mit einem Fundamentrahmen
verbunden sind, ausgebildet ist.
[0010] Nach einem weiteren vorteilhaften Ausführungsbeispiel können die Führung für die
Kokillenoszillation und die Führungseinrichtung für den starren Anfahrstrang um eine
gemeinsame Achse verschwenkbar sein.
[0011] Die Bogenkokille kann an verschiedenen Stellen entlang eines Kreisbogens angeordnet
sein, wobei der Eingiess teil des Formhohlraumes der Kokille im wesentlichen vertikal
oder schräg liegen kann. Die Eingiessverhältnisse sind bei senkrechtem Eingiessteil
besonders vorteilhaft. Dies bedingt, dass der starre, gebogene Anfahrstrang eine Bogenlänge
von 110 - 130 Grad aufweist.
[0012] Der starre Anfahrstrang kann entlang eines Rollenkäfigs geführt und geparkt sowie
mit einem Treibrollenpaar bewegt werden. Im Sinne eines weiteren vorteilhaften Ausführungsbeispieles
wird vorgeschlagen, die Führungs- und Bewegungseinrichtung für den starren Anfahrstrang
mit einem angetriebenen Schwenkhebel zu gestalten, der in Giess- und Parkposition
mit dem Anfahrstrang in angelenktem Zustand verbleibt.
[0013] Zur Vergrösserung der Giessbühne kann der Schwenkhebel für den Anfahrstrang als Winkelhebel
mit einem Winkel zwischen 90 Grad und 150 Grad und einem Schenkelverhältnis von etwa
1 : 2 ausgebildet werden, wobei an der Schwenkachse der kurze Hebelteil und am Anfahrstrang
der lange Hebelteil angelenkt sind.
[0014] Wenn der Giessradius in der Kokille 3,5 m oder kleiner gewählt wird, so wird die
Biegebeanspruchung der Strangkruste beim Richten entsprechend gross, was zu Rissen,
insbesondere an den Kanten, führen kann. Um solche Strangfehler zu vermeiden, wird
vorgeschlagen, den Treibrichter als Mehrpunktrichtaggregat auszubilden. Eine zusätzliche
Verbesserung und Vereinfachung der Anlage kann erreicht werden, wenn der Treibrichter
eine Richtstrecke für eine kontinuierliche Aufbiegung zwischen dem Bogenradius der
Kokille und einem geradlinigen Strang aufweist. Mit einer solchen Richtmaschine können
Stränge mit Krümmungsradien zwischen 1,5 und 3,5 m, vorzugsweise 2,5 m, bei guter
Strangqualität gerichtet werden.
[0015] Die Montagezeit für die einzelnen Maschinenmodule kann weiter gekürzt werden, insbesondere
wenn Reparaturen nicht in Giessposition ausgeführt werden sollen, wenn der Tragbock
mit Kupplungsstücken für Medien wie Kokillenkühlwasser, Sekundärkühlwasser, Kokillenschmierung,
Schutzgas etc., versehen ist, die mit Kupplungsstücken der Medienzuleitungen beim
Aufsetzen der Maschine in Giessposition zusammenführbar sind.
[0016] Bei Anpassungen der Stranggiessanlage an unterschiedliche Produktionsbedürfnisse
können einzelne Module rasch hinzugefügt oder weggenommen werden. Es ist auch möglich,
durch Umstellung z.B. eine 6-Stranganlage in zwei 3-Stranganlagen aufzuteilen und
somit neuen Betriebsbedürfnissen anzupassen.
[0017] Im nachfolgenden wird anhand einer Figur ein Beispiel der Erfindung erläutert.
[0018] Die Figur zeigt eine Seitenansicht, teilweise im Schnitt, einer Bogenstranggiessanlage.
[0019] Aus einem Zwischengefäss 1 fliesst flüssiger Stahl in eine oszillierbare Durchlaufkokille
2. Ein Exzenter 3 ist als Oszillationsantrieb schematisch dargestellt. Anschliessend
an die Kokille 2 sind eine Sekundärkühleinrichtung 4, ein Treibrichtaggregat 5, ein
starrer Anfahrstrang 6 und eine Anfahrstrangführungs- und Bewegungseinrichtung 7,
7′ angeordnet.
[0020] Die Stranggiessanlage ist als ein selbsttragendes Modul für eine Strangader aufgebaut.
An einer Stütze 9, die am Fundament 8 über eine Grundplatte oder einen Fundamentrahmen
10 verbunden ist, sind die Kokille 2 mit ihrer Oszillationsführung 11, das Treibrichtaggregat
5 und der starre Anfahrstrang 6 mit seiner Führungs- und Bewegungseinrichtung 7,
7′ verbunden bzw. angelenkt. Die nur aus Kühlmittelzuleitungen und Sprühdüsen bestehende
Sekundärkühl einrichtung 4 und eine zusätzliche Kaltstrangführung 14 sind am Fundamentrahmen
10 angeordnet. Diese als Modul bezeichnete Einheit kann in fertig montiertem Zustand
am Giessplatz, beispielsweise mittels einem Kran, auf ein vorbereitetes Fundament
abgestellt bzw. davon entfernt werden.
[0021] Die Stütze 9 kann durch eine zweite, vor dem Schnitt liegende gleiche Stütze und
durch weitere Stützbeine 12 sowie Querbalken 13 zu einem vierbeinigen Tragbock, der
am Fundamentrahmen 10 befestigt ist, weitergebildet werden.
[0022] Die Oszillationsführung 11 in der Form eines Bolzens ist gleichzeitig auch die Führung
für die Führungseinrichtung 7 des Anfahrstranges 6. Der Anfahrstrang 6, der in diesem
Beispiel eine Bogenlänge von etwa 130 Grad aufweist, hat als Führungseinrichtung 7
einen Schwenkhebel, der in Giess- und Parkposition mit dem Anfahrstrang 6 angelenkt
bleibt. Für die Bewegung des Anfahrstranges 6 ist eine Kolbenzylindereinheit 7′ vorgesehen.
[0023] Der Schwenkhebel 7 ist als Winkelhebel mit einem Schenkelverhältnis von etwa 1 :
2 ausgebildet, wobei der kurze Hebelteil an der Schwenkachse 11 und der lange Hebelteil
am Anfahrstrang 6 angelenkt sind.
[0024] Oberhalb der Schwenkachse 11 ist die Giessbühne 15 für Bedienungspersonal vorgesehen.
Es ist leicht erkennbar, wie durch die Gestaltung des Winkelhebels die Grösse der
Giessbühne 15 beeinflusst werden kann.
[0025] Zwischen den angetriebenen Rollen 16 und der Rolle 17 wird der gegossene Strang entlang
einer Uebergangskurve 20 vom Giessbogenradius 18 gerade gerichtet und auf einer geraden
Strangbahn 19 geführt. Die Uebergangskurve 20 kann durch nicht dargestellte Zwischenrollen
zwischen den Rollen 16 und 17 als Mehrpunktrichtkurve oder, wie dargestellt, ohne
Zwischenrollen als kontinuierliche Richtstrecke gestaltet werden. Je kleiner der Giessradius
gewählt wird, der zwischen 1,5 und 3,5 m liegen kann, um so wichtiger ist eine langsame,
kontinuierliche Aufbiegestrecke entsprechender Länge. Der Wert der Dehnungsänderung
in Prozent Dehnung pro Längeneinheit der Richtstrecke soll einen bestimmten Wert nicht
überschreiten.
[0026] Die Säulen 9 etc. des Tragbockes können mit Kupplungsstükken 22, 22′ für Medien,
wie Kokillenwasser, Sekundärkühlwasser, Kokillenschmierung, Schutzgas etc., versehen
sein, die mit Kupplungsstücken 23 der Medienzuleitungen beim Aufsetzen der Maschine
in Giessposition zusammenführbar sind.
[0027] In der Figur wird strichpunktiert der Richttreiber in der Position zum Entkuppeln
des Anfahrstranges 6 vom Anfahrkopf des gegossenen Stranges dargestellt, bevor der
Kaltstrang die Parkposition, wie in der Figur dargestellt, erreicht hat. Nach der
Entkupplung ist die Richtrolle 24 in der ausgezogen dargestellten Position.
[0028] Für den Transport der Stranggiessanlage kann der starre Anfahrstrang 6 in die Kokille
eingefahren und festgeklemmt werden, wodurch sich das Transportvolumen wesentlich
verkleinert.
1. Bogenstranggiessanlage für Stahlstränge mit einer oszillierbaren Durchlaufkokille
(2), einer Sekundärkühleinrichtung (4), einem Treibrichtaggregat (5), einem starren
Anfahrstrang (6), einer Anfahrstrangführungs- und Bewegungseinrichtung (7, bzw. 7′),
dadurch gekennzeichnet, dass die Durchlaufkokille (2) mit ihrer Oszillationsführung
(11), das Treibrichtaggregat (5), der starre Anfahrstrang (6) mit seiner Führungs-
und Bewegungseinrichtung (7, bzw. 7′) für jeweils eine Strangader als ein sich selbsttragendes
Modul aufgebaut und als zusammengesetzte und ausgerichtete Moduleinheit am Giessplatz
abstellbar ist.
2. Bogenstranggiessanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Modul
aus einer am Fundament (8) befestigbaren Stütze (9) besteht, an welcher die Durchlaufkokille
(2) mit ihrer Oszillationsführung (11), das Treibrichtaggregat (5), der starre Anfahrstrang
(6) mit seiner Führungs- und Bewegungseinrichtung (7, bzw. 7′) angelenkt bzw. befestigt
sind.
3. Bogenstranggiessanlage nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die
Stütze (9) als Tragbock (9, 12, 13) mit beidseitig je zwei Beinen (9, 12), die mit
einem Fundamentrahmen (10) verbunden sind, ausgebildet ist.
4. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet,
dass die Führung (11) für die Kokillenoszillation und die Führungseinrichtung (7)
für den starren Anfahrstrang um eine gemeinsame Achse (11) verschwenkbar sind.
5. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet,
dass der starre, gebogene Anfahrstrang (6) eine Bogenlänge von 110 - 130 Grad aufweist.
6. Bogenstranggiessanlage nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
Führungs- und Bewegungseinrichtung (7, bzw. 7′) für den starren Anfahrstrang (6)
aus einem angetriebenen Schwenkhebel (7) besteht, der in Giess- und Parkposition mit
dem Anfahrstrang (6) angelenkt ist.
7. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet,
dass der Schwenkhebel (7) für den Anfahrstrang (6) als Winkelhebel mit einem Schenkelverhältnis
von etwa 1 : 2 ausgebildet ist, wobei der kurze Hebelteil an der Schwenkachse (11)
und der lange Hebelteil am Anfahrstrang (6) angelenkt sind.
8. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 7, dadurch gekennzeichnet,
dass der Treibrichter (5) als Mehrpunktrichtaggregat ausgebildet ist.
9. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 7, dadurch gekennzeichnet,
dass der Treibrichter (5) eine Richtstrecke für eine kontinuierliche Aufbiegung zwischen
dem Bogenradius (18) der Kokille und einem geradlinigen Strangführungsteil (19) aufweist.
10. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 9, dadurch gekennzeichnet,
dass der Bogenradius (18) zwischen 1,5 und 3,5 m, vorzugsweise 2,5 m, beträgt.
11. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 10, dadurch gekennzeichnet,
dass der Tragbock (9, 12, 13) mit Kupplungsstücken (22) für Medien, wie Kokillenkühlwasser,
Sekundärkühlwasser, Kokillenschmierung, Schutzgas etc. versehen ist, die mit Kupplungs
stücken (23) der Medienzuleitungen beim Aufsetzen der Maschine in Giessposition zusammenführbar
sind.
12. Bogenstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 - 11, dadurch gekennzeichnet,
dass durch Aneinanderreihung von Moduleinheiten Stranggiessmaschinen von 2 - 8 Strängen
zusammenstellbar sind.