[0001] Die Erfindung betrifft ein Vortriebsrohr für im unterirdischen Vortrieb hergestellte,
insbesondere nicht begehbare Tunnel, aus duktilem Gußeisen, - mit einem Einsteckende,
einem Aufnahmeende und einer Dichtungskammer.
[0002] Die geschlossene Bauweise zur Herstellung von unterirdischen Rohrleitungen hat in
jüngerer Zeit zunehmende Bedeutung gewonnen, weil dabei weniger Straßenaufbrüche
erforderlich sind, der Aushub und Transport großer Bodenmassen entfallen, notwendige
Leitungsumlegungen reduziert werden und die Grundwasserhaltung vereinfacht wird. Während
man zunächst Vortriebsrohre aus Stahlbeton oder Steinzeug verwendet hat, die werkstoffbedingt
eine ausreichend hohe Wanddicke nicht nur zur Übertragung der Vortriebskräfte, sondern
auch zur Aufnahme der Kräfte im Betriebszustand erforderten, sind neuderdings gattungsgemäße
Vortriebsrohre vorgeschlagen worden (DE-OS 37 03 580). Es handelt sich dabei um Muffenrohre
aus duktilem Gußeisen, bei denen zum Ausgleich des Muffenprofils das duktile Gußrohr
mit einem Mantel aus Beton umgeben ist, so daß der zusammengebaute Rohrstrang eine
zylindrische Außenkontur hat. Die Kraftübertragung beim Vortrieb erfolgt vom Einsteckende
des duktilen Gußrohres auf den Muffengrund des nächsten Rohres Diese Vortriebsrohre
sind jedoch teuer, da das duktile Gußrohr aufwendig mit einem genau zentrisch angeordneten
Betonmantel versehen werden muß.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Vortriebsrohr der eingangs beschriebenen Gattung
anzugeben, welches wirtschaftlicher herstellbar ist und dennoch allen Anforderungen
beim Vortrieb und im Betriebszustand genügt.
[0004] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß das gußeiserne Vortriebsrohr über seine gesamte
Länge eine durchgehend zylindrische Mantelfläche mit gleichem Außendurchmesser aufweist,
daß das Einsteckende einen gegenüber dem Außendurchmesser der Mantelfläche kleineren
Durchmesser aufweist und daß das Aufnahmeende einen Überschiebefalz mit einem dem
Durchmesser des Einsteckendes angepaßtem Innendurchmesser besitzt, wobei zwischen
Einsteckende und Überschiebefalz Kraftübertragungsflächen vorgesehen sind. Erfindungsgemäß
wird auf eine Betonummantelung des Vortriebsrohrs verzichtet. Das Vortriebsrohr ist
über seine gesamte Länge zylindrisch, es fehlt die typische Muffenausbildung. Die
Verbindungselemente zweier benachbarter Rohre sind in die Rohrwand verlegt. Der aus
diesen Vortriebsrohren zusammengesetzte Rohrstrang besitzt jedenfalls über seine
gesamte Länge den gleichen Außendurchmesser und kann deshalb wie üblich in geschlossener
Weise vorgetrieben werden
[0005] Zweckmäßige und vorteilhafte Ausgestaltungen des Gegenstandes der Erfindung ergeben
sich aus den Unteransprüchen.
Für die Kraftübertragung während des Vortriebs sollte vorzugsweise das Einsteckende
an einer radialen Stufe beginnen, die ebenso wie die Stirnfläche des Überschiebefalzes
als Kraftübertragungsfläche ausgebildet ist. Wegen der hohen Druckfestigkeit des duktilen
Gußeisens können diese Kraftübertragungsflächen erhebliche Vortriebskräfte übertragen.
Bei außermittiger Krafteinleitung, wie sie beim Steuern eines Vortriebes auftritt,
kann das Material unter Druckbelastung an Teilbereichen der Kraftübertragungsflächen
fließen, wobei die spezifischen Spannungen abnehmen. Insbesondere verformt sich das
Material an den Kraftübertragungsflächen so weit, bis die spezifische Druckspannung
unter die Fließgrenze gesunken ist.
[0006] Die Erfindung empfiehlt insbesondere als vorteilhaft, das Einsteckende kürzer auszubilden
als den Überschiebefalz, so daß nach dem Zusammenstecken zweier Vortriebsrohre im
Innenbereich der Rohrwand ein definier ter Spalt ausgebildet ist. Die beiden spaltbegrenzenden
Flächen sind dafür vorgesehen, im Bedarfsfalle als zusätzliche innere Kraftübertragungsflächen
zu dienen, wie nachfolgend erläutert.
[0007] Selbst wenn aus bautechnischen Gründen in Störfällen die Vortriebskraft den vorgegebenen
Grenzwert zeitweilig übersteigt, kommen nach einem definierten Fließweg des Überschiebefalzes
die beiden zusätzlichen inneren Kraftübertragungsflächen zur Anlage, so daß dann
die spezifischen Pressungen in der Rohrfuge abnehmen. Bei weiterem Anstieg der Vortriebskräfte
steigen die spezifischen Druckspannungen in den Kraftübertragungsflächen wieder an,
ohne daß dabei Verformungen an der Rohrinnenseite stattfinden, so daß eine ggf. eingebrachte
Korrosionsschutz-Auskleidung keinen Schaden nehmen kann. Somit ist eine zusätzliche
Sicherheit gegen störbedingte Überlastungen gegeben.
[0008] Zur Abdichtung zwischen benachbarten Vortriebsrohren wird vorteilhaft die Dichtungskammer
als Umfangsnut am Einsteckende ausgebildet. In die Umfangsnut wird eine elastische
Ringdichtung, z.B. ein O-Ring, eingelegt, der bei der Montage der Verbindung komprimiert
wird und so die Dichtheit sicherstellt, sowohl hinsichtlich rohräußerer Medien (z.B.
Grundwasser) als auch des rohrinneren Mediums (i.a. Abwasser). Außerdem wirkt der
Dichtring als Kippgelenk der Verbindung bei Abwinkelungen der Rohre, die durch einen
Umfangsspalt zwischen dem Einsteckende und dem Überschiebefalz begünstigt werden.
[0009] Im folgenden wird ein in der Zeichnung dargestelltes Ausführungsbeispiel der Erfindung
erläutert; die einzige Figur zeigt schematisch und teilweise die Verbindung zweier
Vortriebsrohre.
[0010] Die dargestellten Vortriebsrohre 1, 2 dienen zum Herstellen eines nicht begehbaren
Tunnels in geschlossener Bauweise. Die Vortriebsrohre 1, 2 bestehen aus duktilem Gußeisen.
Sie besitzen auf einer Seite ein Einsteckende 3 und auf der anderen Seite ein Aufnahmeende
4. Die gußeisernen Vortriebsrohre 1, 2 weisen eine durchgehend zylindrische Mantelfläche
auf, die über die gesamte Länge den gleichen Außendurchmesser besitzt. Auf die Rohrinnenseiten
ist eine Zementmörtelauskleidung 5 aufgebracht.
[0011] Wie man der Zeichnung entnimmt, beginnt das Einsteckende 3 an einer radialen Stufe
6 und erstreckt sich mit gegenüber dem Außendurchmesser der Mantelfläche kleinerem
Durchmesser unter einen Überschiebefalz 7 des nächsten Vortriebsrohres 2. Der Innendurchmesser
des Überschiebefalzes 7 ist bei der dargestellten Ausführung nur wenig größer als
der Außendurchmesser des Einsteckendes,so daß sich ein Umfangsspalt 14 ausbildet,
der eine Abwinkelung zwischen zwei Rohren 1, 2 um etwa 1 Winkelgrad zuläßt. Die radiale
Stirnfläche 8 des Überschiebefalzes 7 liegt an der Stufe 6 an. Über diese Flächenpaarung
wird die Vortriebskraft übertragen, bis bei Vortriebs-Störfällen die Fließgrenze überschritten
wird. Im Falle eienr weiteren Zunahme der Vortriebskraft kommen dann die zusätzlichen
inneren Kraftübertragungsflächen 12, 13 in Eingriff und beteiligen sich an der Übertragung
der Vortriebskraft.
[0012] Das Einsteckende 3 besitzt eine Umfangsnut 9, in die ein Dichtungsring 10 eingelegt
ist, der bei der dargestellten Ausführung ein O-Ring ist. Das Einsteckende 3 ist etwas
kürzer als der Überschiebefalz 7, so daß ein definierter Spalt 11 entsteht, dessen
Breite etwa 0,2 - 1,0 mm, vorzugsweise 0,5 mm, beträgt.
[0013] Beim Vortrieb werden Vortriebsrohre 1, 2 nacheinander montiert. Dazu wird gegen das
jeweils freie Ende des zuletzt vorgeschobenen Vortriebsrohres 1 bzw. 2 das nächste
Vortriebsrohr so gesetzt, daß das betreffende Einsteckende 3 in die vom Überschiebefalz
7 gebildete Ausnehmung eingreifen kann. Beim Überschieben des Überschiebefalzes 7
über das Einsteckende wird der Dichtungsring 10 komprimiert, so daß die Dichtheit
der Verbindung sichergestellt ist. Das jeweils neue Vortriebsrohr wird so weit vorgeschoben,
bis die Stirnfläche 8 des Überschiebefalzes 7 gegen die Stufe 6 stößt. Dann kann der
Vortrieb fortgesetzt werden.
1. Vortriebsrohr für im unterirdischen Vortrieb hergestellte, insbesondere nicht
begehbare Tunnel, aus duktilem Gußeisen, - mit einem Einsteckende (3), einem Aufnahmeende
(4) und einer Dichtungskammer (9), dadurch gekennzeichnet, daß das gußeiserne Vortriebsrohr (1 bzw. 2) über seine gesamte Länge eine durchgehend
zylindrische Mantelfläche mit gleichem Außendurchmesser aufweist, daß das Einsteckende
(3) einen gegenüber dem Außendurchmesser der Mantelfläche kleineren Durchmesser aufweist
und daß das Aufnahmeende (4) einen Überschiebefalz (7) mit einem dem Durchmesser
des Einsteckendes (3) angepaßten Innendurchmesser besitzt, wobei zwischen Einsteckende
(3) und Überschiebefalz (7) Kraftübertragungsflächen (6,8) vorgesehen sind.
2. Vortriebsrohr nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Einsteckende (3) an einer radialen Stufe (6) beginnt, die ebenso wie die
Stirnfläche (8) des Überschiebefalzes (7) als Kraftübertragungsfläche ausgebildet
ist.
3. Vortriebsrohr nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Einsteckende (3) kürzer ist als der Überschiebefalz (7), so daß ein definierter
Spalt (11) entsteht.
4. Vortriebsrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen Einsteckende (3) und Aufnahmeende (4) ein elastischer Dichtring (10)
angeordnet ist.
5. Vortriebsrohr nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Dichtungskammer eine Umfangsnut (3) am Einsteckende (3) ist.
6. Vortriebsrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß durch eine Istmaßdifferenz zwischen Einsteckende (3) und Aufnahmeende (4) ein
Umfangsspalt (14) entsteht.
7. Vortriebsrohr nach einem der Ansprüche 1 bis 6, gekennzeichent durch eine Korrosionsschutzauskleidung (5) an der Rohrinnenseite.