[0001] Die Erfindung betrifft einen Behälter zur Einlagerung von tiefgekühlten Flüssigkeiten,
insbesondere von verflüssigten Gasen, bestehend aus einem allseitig geschlossenen
Außenbehälter aus Stahlbeton/Spannbeton, evtl. auch mit einem Stahldach, und einem
darin eingesetzten, oben offenen Stahl-Innenbehälter zur Aufnahme der Flüssigkeit,
wobei der Stahl-Innenbehälter auf einer Isolierung ruht und zwischen der äußeren Umfangsfläche
des Stahl-Innenbehälters und der inneren Umfangsfläche des Außenbehälters ein ringförmiger
Zwischenraum vorhanden ist, der mit einem Granulat aus Isolierstoff ausgefüllt ist.
[0002] Ein solcher Behälter ist beispielsweise aus der DE-PS 31 25 846 bekannt. Für den
Betrieb solcher Behälter werden umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen; der
Behälter muß unter anderem in jedem Fall erdbebensicher sein. Bei einem Erdbeben
müssen horizontale Trägheitskräfte vom Innentank auf den Außentank übertragen werden.
Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Isolierung im Zwischenraum zwischen den beiden
Tanks hierzu nicht beitragen kann. Da der Zwischenraum nicht nur zur Aufnahme der
Isolierung dient, sondern auch vorhanden sein muß, damit er im Fall von Störungen
oder Reparaturarbeiten begehbar ist, wird als Isoliermaterial üblicherweise expandiertes
Perlit verwendet. Ausgangsmaterial ist dabei ein vulkanisches Silikatgestein, bei
dem durch kurzfristiges Erhitzen auf etwa 1000 °C das gebundene Wasser in Dampf verwandelt
wird, so daß die Glasschmelze auf ein Vielfaches ihres Volumens aufgebläht wird.
[0003] Ein gewisses Maß von Horizontalkräften kann durch Reibungskräfte vom Stahl-Innenbehälter
über die Bodenisolierung zum Boden des Außenbehälters übertragen werden. Bei hoher
Erdbebenbeanspruchung reichen die Reibungskräfte bzw. der Schubwiderstand in der
Bodenfuge jedoch nicht zum Gleichgewicht des Innentanks aus. Wenn dieser mit seiner
Füllung ins Rutschen kommt, was durch die Perlit-Isolierung im Zwischenraum nicht
verhindert wird, könnte er mit seiner gewaltigen Masse auf den Außenbehälter aufprallen,
was zu einem Bersten des Innenbehälters und auch zu einer Beschädigung oder sogar
Zerstörung des Außenbehälters führen könnte. Als Folge davon können Explosionen und
Brände größten Ausmaßes entstehen.
[0004] Um einem Rutschen des Stahl-Innenbehälters relativ zum Außenbehälter entgegenzuwirken,
ist es bekannt, am Boden des Zwischenraums zwischen dem Innen- und Außenbehälter
einen ringförmigen Körper aus massivem Material anzuordnen, dessen Breite genau der
Breite des Zwischenraums entspricht.
[0005] Wenn in dem Stahl-Innenbehälter beispielsweise verflüssigtes Naturgas eingelagert
wird, muß diese Einlagerung bei einer Temferatur von etwa -165 °C erfolgen. Wenn der
Stahl-Innenbehälter mit dem auf diese Temferatur gekühlten Flüssiggas gefüllt wird,
kühlt sich auch der Innenbehälter auf diese Temperatur ab und zieht sich dementsprechend
zusammen. Bei einem Innenbehälter mit einem Fassungsvermögen von 50 000 m³ mit einem
Durchmesser von etwa 45 m verkleinert sich der Radius des Innenbehälters um ca. 5
cm, so daß damit eine Lücke entsteht, die später im Erdbebenfall ein Rutschen und
damit eine Zerstörung der Bodenisolierung und ggfs. des Behälters zur Folge hätte.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Behälter der oben beschriebenen
Art so auszubilden, daß im warmen und im kalt gefahrenen Zustand eine kraftschlüssige
Verbindung zwischen Innen- und Außentank hergestellt werden kann und daß in den Übergangszuständen
des Kalt- oder Warmfahrens keine Zwängungskräfte auftreten.
[0007] Die gestellte Aufgabe wird gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß zwischen dem Distanzelement
und der Innenwand des Außenbehälters ein ringförmiger, mit dem Außenbehälter fest
verbundener, aus Stahlblech bestehender Hohlbehälter angeordnet ist, der teilweise
mit einem durch Wärme verflüssigbaren Material gefüllt ist, daß in dem Hohlbehälter
Heizelemente angebracht sind, und daß das Distanzelement aus Stahl besteht sowie mit
dem Hohlbehälter starr und mit dem Stahl-Innenbehälter starr oder kraftschlüssig
verbunden ist.
[0008] Vorzugsweise besteht das verflüssigbare Material aus Bitumen. Statt dessen können
jedoch auch andere plastifizierbare Werkstoffe verwendet werden, z.B. niedrig schmelzende
Metalle wie z.B. Zinn oder Kunststoffe, die im erstarrten Zustand unter kurzzeitiger
Belastung ausreichend zäh sind, um Horizontalkräfte aufzunehmen, die im Erdbebenfall
entstehen können, ohne daß sie bei dieser Beanspruchung unter den Druckkräften versagen.
[0009] Das Distanzelement muß nicht starr mit dem Hohlbehälter und dem Stahl-Innenbehälter
verbunden sein, sondern das Distanzelement kann auch als Scheibe ausgebildet werden,
deren Außenumfang mit dem Hohlbehälter verbunden ist, und auf der unter Einfügung
einer Zwischenschicht, vorzugsweise aus Beton, der Stahl-Innenbehälter ruht und durch
die hohen Reibungs- bzw. Schubbeiwerte der Zwischenschicht verschiebungssicher gehalten
ist.
[0010] In der Praxis wird nun so verfahren, daß beim Befüllen bzw. Entleeren des Stahl-Innenbehälters
das Material in dem Hohlbehälter durch Erwärmung verflüssigt wird und der flüssige
Zu stand so lange aufrechterhalten wird, bis der Stahl-Innenbehälter seine Kontraktion
bzw. Expansion beendet hat. Die Expansion bzw. Kontraktion macht die Innenwand des
Hohlbehälters mit, d.h. der Hohlbehälter wird bei der Kontraktion nach innen ausgebeult
und bei der Expansion wieder in seine Ausgangsform zurückgebracht. Das verflüssigte
Material kann sich dabei an die Formänderung des Hohlbehälters anpassen, so daß nach
Beendigung des Kontraktions- bzw. Expansionsvorgangs und der anschließenden Erstarrung
des verflüssigten Materials eine fugenlose Verbindung zwischen Innen- und Außenbehälter
besteht.
[0011] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispielen
näher erläutert. In der Zeichnung stellen dar:
Fig. 1 eine Querschnittsdarstellung eines Behälters zur Einlagerung von Flüssiggas,
Fig. 2 den Ausschnitt A in Fig. 1 anhand einer ersten Ausführungsform der Erfindung
und
Fig. 3 den Ausschnitt A in Fig. 1 anhand einer zweiten Ausführungsform der Erfindung.
[0012] Fig. 1 zeigt einen Stahlbeton-Außenbehälter, der aus einer Bodenplatte 1, einer Wand
2 und einer Dachkuppel 3 besteht. Innerhalb des Außenbehälters ist getrennt durch
eine Isolierung 4 ein Innenbehälter 5 aus Stahl angeordnet, der nach oben hin offen
ist und zur Aufnahme von verflüssigtem Gas dient. Bei einem solchen Behälter mit
einem Fassungsvermögen von 50 000 m³ beträgt die Wandstärke des Stahl-Innenbehälters
5 etwa 14 bis 30 mm, die Dicke der Isolierung 4 etwa 1 m und die Wandstärke des Stahlbeton-Außenbehälters
2 etwa 50 cm. Die Isolierung unter dem Boden des Stahlbehälters besteht dabei aus
Schaumglas, das in der Lage ist, die statische Belastung des mit Flüssiggas gefüllten
Behälters 5 auszuhalten, während die Isolierung an der Decke aus Mineralwolle besteht.
Der Ringspalt zwischen den beiden Behältern ist mit einem Granulat aus Perlit gefüllt.
Das nicht brennbare Perlit-Granulat hat den Vorteil, daß es auf einfache Weise in
den Ringspalt eingebracht werden kann, daß es aber auch für Inspektionszwecke oder
für erforderliche Reparaturarbeiten genauso leicht durch Absaugen wieder entfernt
werden kann.
[0013] Bei dem Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 2 ist an der Innenseite des Stahlbeton-Außenbehälters
1, 2 ein Liner 6 aus Stahl angebracht, der im Gebrauch die Gasdichtigkeit gewährleistet
und zugleich als Dampfsperre dient. Der Stahl-Innenbehälter 5 ruht unter Zwischenfügung
einer Isolierung 7 aus Schaumglas auf dem Boden 1 des Stahlbeton-Außenbehälters, wobei
zwischen dem Liner 6 und der Isolierung 7 einerseits und zwischen dem Boden des Stahl-Innenbehälters
und der Isolierung 7 andererseits jeweils eine Zwischenschicht 8 bzw. 9 angeordnet
ist. Am unteren Ende des mit der Perlit-Isolierung 4 gefüllten Zwischenraums zwischen
der Wand 2 des Stahlbeton-Außenbehälters und der Wand des Stahl-Innenbehälters 5 ist
ein ringförmiges Distanzelement 10 angeordnet, das innen mit dem Stahl-Innenbehälter
5 und außen mit dem unteren Bereich der Innenwand eines Hohlbehälters 11 starr verbunden
ist, der durch ein Stahlblech gebildet wird, das mit dem Liner 6 verbunden ist. Die
Innenwand des Hohlbehälters besteht ebenso wie das Distanzelement 10 aus kryogenem
Stahl.
[0014] Im unteren, mit dem Distanzelement 10 verbundenen Bereich des Hohlbehälters 11 befindet
sich ein Material 12, das im gefüllten und ungefüllten Zustand des Innenbehälters
5 erstarrt ist und dadurch in Verbindung mit dem Distanzelement 10 eine Stützwirkung
auf den Innenbehälter 5 ausübt, wenn im Erdbebenfall Horizontalkräfte aufgenommen
werden müssen. Im Abstand von der Oberfläche des Materials 12 sind in dem Hohlbehälter
11 isolierende Schaumglaselemente 13 angeordnet, die ein Temperaturgefälle vom kalten
Boden des Stahl-Innenbehälters zur Wand 2 des Stahlbeton-Außenbehälters erzeugen.
[0015] Das Material 12 in dem Hohlbehälter 11 besteht vorzugsweise aus Bitumen, jedoch
können auch andere Werkstoffe verwendet werden, die durch Wärme plastifiziert werden
können, und die in dem Temperaturbereich zwischen Außentemperatur und Betriebstemperatur
ausreichend hart bis zäh sind, um im Erdbebenlastfall die dabei entstehenden Horizontalkräfte
zu übertragen und den Stahl-Innenbehälter in Verbindung mit dem Distanzelement 10
im Gleichgewicht zu halten.
[0016] Um das Material 12 verflüssigen zu können, sind in dem unteren Bereich des Hohlbehälters
11, wo sich das Material 12 befindet, Heizschlangen 14 angeordnet, die durch Strom,
Induktion oder mittels eines durch sie hindurchgeleiteten Mediums so weit erwärmt
werden können, daß das sie umgebende Material schmilzt.
[0017] Fig. 2 zeigt den Betriebsfall, bei dem in den Stahl-Innenbehälter 5 Flüssiggas eingefüllt
worden ist, so daß sich der Stahl-Innenbehälter zusammengezogen hat. Dieses Zusammenziehen
hat zur Folge, daß über das Distanzelement 10 die Außenwand des Hohlbehälters 11 aus
der gestrichelt gezeichneten Normallage in die dargestellte Lage ausgebeult wird.
In gleicher Weise kehrt beim Entleeren des Innentanks die Wand des Hohlbehälters 11
in die gestrichelte Lage zurück. Die beim Füllen und Entleeren des Innentanks erwärmte
und damit zähflüssige Bitumenfüllung behindert die Temperaturverformungen des Innentanks
nicht, während im normalen kalten Betriebszustand der Bitumenpfropfen ein steifes
kraftschlüssiges Widerlager für horizontale Lasten bildet. Auf diese Weise wird praktisch
ein "nachstellbarer" Anschlag gebildet.
[0018] Fig. 3 zeigt das Detail A aus Fig. 1 anhand eines abgewandelten Ausführungsbeispiels,
wobei gleiche Teile mit gleichen Bezugsziffern wie in Fig. 2 bezeichnet sind. Das
Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 3 unterscheidet sich von dem in Fig. 2 dadurch, daß
das Distanzelement hier durch eine Scheibe 15 gebildet wird, deren Außenumfang mit
dem Hohlbehälter 11 starr verbunden ist, und die sich vollständig unterhalb des Stahl-Innenbehälters
5 erstreckt, wobei zwischen der Scheibe 15 und dem Boden des Stahl-Innenbehälters
eine Betonschicht 16 angeordnet ist. Die Kupplung des Distanzelements 15 mit dem Stahl-Innenbehälter
erfolgt hierbei kraftschlüssig durch Reibung, ohne daß sich an der Wirkungsweise
gegenüber dem Ausführungsbeispiel von Fig. 2 etwas ändert.
1. Behälter zur Einlagerung von tiefgekühlten Flüssigkeiten, insbesondere von verflüssigten
Gasen, bestehend aus einem allseitig geschlossenen Außenbehälter aus Stahlbeton/Spannbeton,
evtl. auch mit einem Stahldach und einem darin eingesetzten, oben offenen Stahl-Innenbehälter
zur Aufnahme der Flüssigkeit, wobei der Stahl-Innenbehälter auf einer Isolierung ruht
und zwischen der äußeren Umfangsfläche des Stahl-Innenbehälters und der inneren Umfangsfläche
des Außenbehälters ein ringförmiger Zwischenraum vorhanden ist, der mit einem Granulat
aus Isolierstoff ausgefüllt ist, und wobei ein Distanzelement am unteren Ende des
Zwischenraums zwischen Innen- und Außenbehälter angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen dem Distanzelement (10) und der Innenwand des Außenbehälters (1, 2)
ein ringförmiger, mit dem Außenbehälter fest verbundener, aus Stahlblech bestehender
Hohlbehälter (11) angeordnet ist, der teilweise mit einem durch Wärme verflüssigbaren
Material (12) gefüllt ist, daß in dem Hohlbehälter (11) Heizelemente (14) angebracht
sind, und daß das Distanzelement (10) aus Stahl besteht sowie mit dem Hohlbehälter
(11) starr und mit dem Stahl-Innenbehälter (5) ebenfalls starr oder kraftschlüssig
verbunden ist.
2. Behälter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das verflüssigbare Material (12) Bitumen ist.
3. Behälter nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Distanzelement als Scheibe (15) ausgebildet ist, deren Außenumfang mit dem
Hohlbehälter (11) verbunden ist, und auf der unter Einfügung einer Zwischenschicht
(16), vorzugsweise aus Beton, der Stahl-Innenbehälter (5) ruht und durch die hohen
Reibungs- bzw. Schubbeiwerte der Zwischenschicht verschiebesicher gehalten ist.