[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Behandlung von Faserkabeln mit einer
Flüssigkeit, wobei die Vorrichtung ein Waschrohr und einenInjektor aufweist, sowie
ein Verfahren zur Behandlung von Faserkabeln unter Verwendung solch einer Vorrichtung.
Stand der Technik
[0002] Zur vollständigen Entfernung von Verunreinigungen aus Fasern nach dem Spinnen ist
es notwendig, diese Fasern einer Nachbehandlung zu unterwerfen.
[0003] Dazu können die Fasern geschnitten und aufgeschwemmt werden und als Stapelfaservlies
auf Siebbändern durch verschiedene Badberieselungszonen hindurchgeführt werden. Eine
schonendere und effizientere Variante der Nachbehandlung führt das Endlos-Faserkabel
durch ein geschlossenes Rohrsystem, das von einer Nachbehandlungsflüssigkeit durchspült
wird.
[0004] Gegenüber herkömmlicher Nachbehandlung ist es möglich, die Einzelfilamente innerhalb
kurzer Zeit mit größeren Mengen Waschflüssigkeit in Kontakt zu bringen, sodaß eine
gute Auswaschung bewirkt wird. Dieses wesentlich höhere Verhältnis Waschflüssigkeit
zu Faseroberfläche kann bei herkömmlichen Siebband- und Rasternachbehandlungen nicht
erreicht werden.
[0005] Verfahren dieser Art sind beispielsweise in CH-PS 273 357 und US-PS 2 713 784 beschrieben.
Besondere Ausführungsformen der sogenannten Rohrwäsche, wie sie unter anderem in "Chemiefasern
nach dem Viskoseverfahren" K. Goetze 3884/885 (1967) beschrieben ist, verzichten
auf mechanische Abziehhilfen gänzlich und spülen das Faserkabel durch das Rohrsystem
hindurch. In diesem Fall erlangen Injektoren, die das Faserkabel in das Waschrohr
einführen und das Faserbündel mit Nachbehandlungs flüssigkeit durchdringen und fortbewegen,
eine wichtige Bedeutung.
[0006] Um das Faserbündel in entsprechender Weise aufzunehmen und die Produktionssicherheit
zu gewähren, ist ein Strahldruck der Injektoren von bis zu 3,0 bar erforderlich. Bei
empfindlichen Fasern, beispielsweise bei feinen Fasern oder solchen, die modifizierende
Zusätze, wie Ruß, Pigmente oder andere anorganische Partikel enthalten, verursacht
dieser "harte Strahl" Faserrisse.
[0007] Faserrisse in diesem Bereich beeinflussen die Weiterverarbeitung, aber auch die
Produktqualität in sehr negativer Weise. Als Beispiel sei der Gehalt an Langfasern
bei der Herstellung von Stapelfasern erwähnt: Faserrisse bewirken, daß sich die Fasern
nicht mehr zuverlässig schneiden lassen, sodaß sich in Stapelfasern, die auf eine
bestimmte Länge geschnitten sein sollen, unerwünschte Langfasern befinden.
Offenbarung der Erfindung
[0008] Die Erfindung hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Nachteile zu überwinden und die
Vorrichtung der eingangs genannten Art so zu verbessern, daß ein Endlos-Faserkabel
in ein Waschrohr eingebracht und hindurchgeschwemmt werden kann, ohne Faserbrüche
oder Faserrisse zu verursachen.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Injektor als Doppelinjektor
bestehend aus einer oberen und einer unteren Injektoreinheit mit jeweils einer hohlen
Düsennadel und einem Düsenstock ausgebildet ist.
[0010] Es ist zweckmäßig, wenn der Innendurchmesser der Düsennadel und des Düsenstockes
in der oberen und in der unteren Injektoreinheit jeweils etwa gleich sind und wenn
die Innendurchmesser der unteren Injektoreinheit größer sind als die Innendurchmesser
der oberen Injektoreinheit. Dadurch ist in der unteren Injektoreinheit genug Platz
vorhanden, daß das Faserkabel von einer ausreichend dicken Flüssigkeitsschicht umgeben
und dadurch geschützt ist.
[0011] Vorzugsweise sind der Strahldruck der oberen und der Strahldruck der unteren Injektoreinheit
unabhängig einstellbar.
[0012] Es ist zweckmäßig, wenn oberhalb jeder Düsenöffnung eine ringförmige Kammer vorgesehen
ist, in die die Zuflüsse des bewegten Mediums münden.
[0013] Beim Betrieb dieser Vorrichtung ist es zweckmäßig, wenn die Strahldruckdifferenz
zwischen oberer und unterer Injektoreinheit 0,5 - 2 bar, vorzugsweise etwa 1,0 bar
beträgt und wenn das Verhältnis der Flüssigkeitsmengen, die durch die obere und untere
Injektoreinheit zugeführt werden, zwischen 1:1 und 1:5 liegt und vorzugsweise 1:3
beträgt. Es ist möglich, Faserkabel bestehend aus 6 000 - 5 000 000 Einzelfilamenten
zu behandeln.
Kurzbeschreibung der Zeichnungen
[0014] Anhand der Figuren soll ein Ausführungsbeispiel der Erfindung näher erläutert werden.
Fig. 1 zeigt einen Doppelinjektor, wie er erfindungsgemäß in einer Vorrichtung zur
Behandlung von Faserkabeln eingesetzt werden kann; Fig. 2 zeigt eine Abwandlung davon;
und Fig. 3 zeit die Druckverhältnisse im Injektor gemäß Fig. 1.
Beste Ausführungsform der Erfindung
[0015] Der Doppelinjektor besteht aus einem feststehenden Mittelteil 1, dessen oberer Teil
den Düsenstock der oberen Injektoreinheit 2 bildet und dessen unterer Teil die Düsennadel
der unteren Injektoreinheit 3 darstellt. Als Düsennadel für die obere Injektoreinheit
2 ist ein durch Schrauben bewegbares rohrförmiges Oberteil 16 vorgesehen. Die Düsenöffnung
4 kann durch Auf- und Abbewegen dieses Oberteiles 16 eingestellt werden. Am obersten
Ende weist dieser Oberteil eine trichterförmige Erweiterung 18 zur Aufnahme und Führung
eines Faserkabels 6 auf. Die untere Injektoreinheit 3 besteht aus einem ebenfalls
beweglichen, rohrförmigen Unterteil 17, dessen oberster Teil den Düsenstock bildet.
[0016] Gemeinsam mit dem als Düsennadel ausgebildeten, feststehenden Mittelteil 1 wird die
Düsenöffnung 5 der unteren Injektoreinheit gebildet. Seitlich oberhalb der Düsenöffnungen
4 und 5 münden die Zuflüsse 7 und 8 des bewegten Mediums in ringförmige Kammern 9
und 10, bevor das Medium durch die Düsenöffnung 4 bzw. 5 unter Druck mit dem Faserkabel
in Berührung gelangt. Die Form der Ringkammer 9 und 10 ist so ausgelegt, daß kein
seitlicher Überdruck zustande kommt.
[0017] Mittels der oberen Injektoreinheit 2 kann das Faserbündel 6 mit einem gegenüber der
unteren Injektoreinheit 3 reduzierten Strahldruck und einem Teil der Gesamtwaschflüssigkeit
sehr schonend in den Doppelinjektor eingezogen werden. Dabei wird das Faserbündel
6 in Waschflüssigkeit gebettet und der unteren Injektoreinheit 3 zugeführt.
[0018] Die untere Injektoreinheit 3 kann mit einem bis zu 2 bar gegenüber der oberen Injektoreinheit
2 erhöhten Strahldruck betrieben werden; dabei wird die restliche Waschflüssigkeitsmenge
zugeführt.
[0019] Der hohe Strahldruck erreicht nun nicht mehr die einzelnen Fasern, denn diese sind
mit der in der oberen Injektoreinheit 2 zugeführten Flüssigkeit umgeben und dadurch
geschützt.
[0020] Somit kann das gewünschte, sichere Einführen des Faserbündels in die einzelnen Waschzonen
in schonender Weise erfolgen.
[0021] Unterhalb des in Fig. 1 dargestellten Doppelinjektors schließt dann das eigentliche
Waschrohr an; da dieses zum Stand der Technik gehört, wurde es zur Vereinfachung nicht
dargestellt.
[0022] In einer besonderen Ausführungsform des Doppelinjektors kann der trichterförmige
Teil, der das Faserkabel in den Doppelinjektor einbringt, zusätzlich mit Einzugshilfen
ausgestattet sein.
[0023] In Fig. 2 ist eine beispielhafte Ausführungsform dieser Art dargestellt. 11 stellt
den Zulauf der Spülflüssigkeit dar, die über die Ringkammer 12 die Überströmkanäle
13 in die Düsenringkammer 14 gelangt und unmittelbar nach Austritt aus dem Ringspalt
15 das Faserkabel erfaßt und weiterschwemmt.
[0024] Bei Wechsel der Faserart im Kabel können die Düsenquerschnitte durch Verschieben
der Düsennadeln im Düsenstock verändert und damit die Strömungsverhältnisse optimiert
werden, sodaß Faserbrüche ausgeschlossen sind.
BEISPIEL 1:
[0025]
* Anmerkung: diese Fasern heißen auch Modal-Fasern. Sie haben einen hohen Naßmodul
(HWM = heigh wet modulas), d. h. sie reißen auch im nassen Zustand nicht.
[0026] Ein Endlos-Faserkabel aus HWM-Fasern*bestehend aus 530.000 Filamenten mit einem Einzeltiter
von 1,7 dtex wird mit einer Geschwindikgkeit von 25 m/min abgezogen und mittels eines
Doppelinjektors in ein Rohrwaschsystem eingebracht.
[0027] Der Strahldruck im oberen Injektor beträgt 0,5 bar. Es werden 1000 l Sauerwasser/Stunde
durchgepumpt.
[0028] Der Strahldruck im unteren Injektor beträgt 1,5 bar. Die Flüssigkeitsmenge 3000 l/h.
[0029] Die Fig. 3 veranschaulicht die Strömungsverhältnisse in den einzelnen Abschnitten
des Doppelinjektors, die bei diesem Beispiel auftreten. Zu diesem Zweck ist dieser
nochmals daneben dargestellt.
[0030] Die Fasergeschwindigkeit v ist strichliert, die Badmenge Q punktiert und die Flüssigkeitsgeschwindigkeit
w strichpunktiert dargestellt.
[0031] Am Ende der ersten Waschzone kann eine Abquetschwalze vorgesehen sein, die eine
Bädertrennung bewirkt. In das nächste Nachbehandlungsbad kann das Kabel dann durch
einen zweiten Doppelinjektor eingebracht werden.
BEISPIEL 2:
[0032] Ein Endlos-Faserkabel aus Viskosefasern, die Graphit inkorporiert haben, besteht
aus 312.000 Filamenten mit einem Einzeltiter von 5,5 dtex. Es wird mit einer Geschwindigkeit
von 25 m/min abgezogen und mittels eines Doppelinjektors in ein Rohrwaschsystem eingebracht.
[0033] Der Strahldruck im oberen Injektor beträgt 0,5 bar. Es werden 2000 l Sauerwasser/Stunde
durchgepumpt.
[0034] Der Strahldruck im unteren Injektor beträgt 2,0 bar. Die Flüssigkeitsmenge beträgt
5000 l/h.
BEISPIEL 3:
[0035] Ein Endlos-Faserkabel aus Viskosefasern-Baumwolltype (ZS-Faserproduktion) bestehend
aus 53.000 Filamenten mit einem Einzeltiter von 1,3 dtex wird mit einer Geschwindigkeit
von 60 m/min abge zogen und mittels eines Doppelinjektors in ein Rohrwaschsystem
eingebracht.
[0036] Der Strahldruck im oberen Injektor beträgt 0,7 bar. Es werden 500 l Sauerwasser/Stunde
durchgepumpt.
[0037] Der Strahldruck im unteren Injektor beträgt 1,5 bar. Die Flüssigkeitsmenge beträgt
1200 l/h.
BEISPIEL 4:
[0038] Ein Endlos-Faserkabel aus Zellulosefasern bestehend aus 10.000 Filamenten mit einem
Einzeltiter von 1,7 dtex wird mit einer Geschwindigkeit von 60 m/min abgezogen und
mittels eines Doppelinjektors in ein Rohrwaschsystem eingebracht.
[0039] Der Strahldruck im oberen Injektor beträgt 0,5 bar. Es werden 500 l Waschwasser/Stunde
durchgepumpt.
[0040] Der Strahldruck im unteren Injektor beträgt 1,0 bar. Die Flüssigkeitsmenge beträgt
5000 l/h.
1. Vorrichtung zur Behandlung von Faserkabeln mit einer Flüssigkeit, wobei die Vorrichtung
ein Waschrohr und einen Injektor aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß der Injektor
als Doppelinjektor bestehend aus einer oberen und einer unteren Injektoreinheit (2,
3) mit jeweils einer hohlen Düsennadel und einem Düsenstock ausgebildet ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Innendurchmesser der
Düsennadel und des Düsenstocks in der oberen und in der unteren Injektoreinheit (2,
3) jeweils etwa gleich sind und daß die Innendurchmesser der unteren Injektoreinheit
(2) größer als die Innendurchmesser der oberen Injektoreinheit (3) sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Strahldruck
der oberen und der Strahldruck der unteren Injektoreinheit (2,3) unabhängig einstellbar
sind.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß oberhalb
jeder Düsenöffnung (4, 5) eine ringförmige Kammer (9, 10) vorgesehen ist, in die
die Zuflüsse des bewegten Mediums münden.
5. Verfahren zur Behandlung von Faserkabeln unter Verwendung einer Waschvorrichtung
nach einem der Ansprüche 1 bis 4.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Strahldruckdifferenz
zwischen oberer und unterer Injektoreinheit 0,5 - 2 bar, vorzugsweise etwa 1,0 bar,
beträgt.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Verhältnis der
Flüssigkeitsmengen, die durch die obere und untere Injektoreinheit zugeführt werden,
zwischen 1:1 und 1:5 liegt und vorzugsweise 1:3 beträgt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß ein Faserkabel
bestehend aus 6.000 - 5 000 000 Einzelfilamenten behandelt wird.