(19)
(11) EP 0 404 717 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
27.12.1990  Patentblatt  1990/52

(21) Anmeldenummer: 90810373.2

(22) Anmeldetag:  22.05.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5D03D 47/34, B65H 49/02, B65H 49/12
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE FR IT

(30) Priorität: 20.06.1989 CH 2287/89

(71) Anmelder: GEBRÜDER SULZER AKTIENGESELLSCHAFT
CH-8401 Winterthur (CH)

(72) Erfinder:
  • Griffith, John Dalton
    Cleadon, Sunderland, SR6 7RU (GB)
  • Steiner, Alois
    CH-8739 Rieden (CH)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Webmaschine mit beweglicher Schussgarnspule


    (57) In einer Transportvorrichtung (3) für Schussgarnspulen (1) in einer Webmaschine werden die Spulen, von welchen gerade Schussgarn abgezogen wird, entlang einer Bahnkurve fortbe­wegt, welche sich unter Beschreibung eines Bogens allmäh­lich an eine Fadenöse (2) annähert. Dadurch werden während des Abarbeitens einer Schussgarnspule (1) die für einen störungsfreien Abzug von Garnwindungen von der Schussgarn­spule (1) nötigen variablen Abstände (R1,R2) von einer Fadenumlenköse (2) erreicht.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Webmaschine mit Schusseintrag von Garnspulen, welche in einem Gestell vor dem Schussein­tragsorgan der Webmaschine gelagert sind, wobei der Ab­stand zwischen einer Schussgarnspule und einer Fadenöse veränderbar ist.

    [0002] Eine solche Einrichtung ist aus der belgischen Patentan­meldung Nr. 905 810 bekannt. Der Abstand zwischen der Schussgarnspule und der Fadenöse kann durch eine teleskop­artige Verschiebung der Halterungen von Spule bzw. Oese erreicht werden. Damit ist es möglich, für jeden Bewick­lungszustand einer Schussgarnspule den optimalen Abstand zwischen der Spule und der Oese einzustellen. Die Einstel­lung kann auch während des Betriebes der Webmaschine, wäh­rend der Durchmesser der Schussgarnspule abnimmt, verän­dert werden. Damit wird erreicht, dass das Schussgarn mög­lichst spannungsarm und störungsfrei von der Schussgarn­spule abgezogen wird.

    [0003] Im Zuge der Automatisierung in Webereien wird angestrebt, die Schussgarnspulen automatisch auszuwechseln, wobei es für den Wechselvorgang vorteilhaft ist, wenn die auszu­wechselnde leere Spule aus dem Webbereich herausbewegt wird, wobei sie dann leichter von einem Manipulator er­griffen werden kann.

    [0004] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Webmaschine mit einer kontinuierlich bewegten Schussgarnspulenhalterung zu schaffen, bei der während des Verarbeitungsvorganges des Schussgarnmaterials auf einer Schussgarnspule der Abstand zwischen der Spule und der zugeordneten Oese geändert wer­den kann.

    [0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass die Schussgarnspule auf einem verschiebbaren und von einer Transportvorrichtung angetriebenen Halter sitzt, der ent­lang einer Bahnkurve bewegbar ist, wobei eine in Faden­laufrichtung nach der Spule angeordnete Fadenöse für das Schussgarn so auf der Innenseite der Bahnkurve gelegen ist, dass die Entfernung der Bahnpunkte vom Mittelpunkt der Oese in Transportrichtung der Spule entlang der Bahn­kurve stetig abnimmt, und dass jeweils unter einem be­stimmten Winkel zu den Bahnkurventangenten geneigte Gera­den, die von dem Bahnkurventangentenpunkt aus zur Innen­seite der Bahnkurve gezogen werden, sich wenigstens annä­hernd in einem Punkt schneiden, der mit dem Mittelpunkt der Fadenöse zusammenfällt. Die Bahnkurve kann Teil einer logarithmischen Spirale sein, welche die Bedingung eines einzigen Schnittpunktes für die erwähnten Geraden erfüllt. Mindestens eine vorteilhafte Ausführungsfrom der Erfindung wird durch die Unteransprüche näher definiert.

    [0006] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren näher beschrieben.

    [0007] Es zeigen:

    Fig. 1 einen schematischen Ueberblick über die Anord­nung der Schussgarnspulen mit einer Bahnkurve gemäss der Erfindung,

    Fig. 2 eine Seitenansicht einer Schussgarnspule mit einem Teil der Transportvorrichtung, und

    Fig. 2a einen Schnitt durch die Transportvorrichtung gemäss Pfeil III in Fig. 2.



    [0008] Die Schussgarnspule 1 gemäss Fig. 1 mit der Bewicklungshö­he H ist im Abstand R1 von der Fadenöse 2 zu Beginn des Abarbeitens des Fadenvorrats. Die Fadenöse 2 ist von einer Platte 20 mit einem Fadensensor 21 umgeben. Während des Webbetriebes, wobei der Durchmesser der Schussgarnspule allmählich abnimmt, wird die Schussgarnspule 1 durch die Transportvorrichtung 3 entlang der Bahnkurve 4 bewegt. Der Abstand der Schussgarnspule nimmt allmählich vom Wert R1 bis zum Wert R2 gemäss Fig. 1 ab. Soll der Schussfadenvor­rat auf der mehr oder weniger verbrauchten Schussgarnspule 1′ nahe beim Kettenrad 35′ noch weiter abgearbeitet wer­den, dann wird die Transportvorrichtung 3 so lange still­gesetzt, bis der vorgesehene Schussgarnvorrat der Schuss­garnspule 1′ völlig verwoben ist. Wenn das Vorratsende der Schussgarnspule 1′ durch die Fadenöse 2 abgezogen worden ist und das Ende mit dem Anfang der neuen Spule verbunden ist, wird Schussfaden von der neuen Schussgarnspule 1 ab­gezogen, und die Transportvorrichtung 3 wird wieder in Betrieb gesetzt. Durch einen bei der alten Spule angeord­neten Fadenwächter kann auch ein Signal erzeugt werden, wenn ein bestimmter Durchmesser der alten Spule unter­schritten ist. Mittels einer Einziehvorrichtung kann dann Faden von der neuen Spule in die Webmaschine eingeführt werden.

    [0009] Die Transportvorrichtung gemäss Fig. 1 weist insgesamt vier Plätze für Schussgarnspulen auf. Eine Reservespule 1˝ befindet sich an der Einlaufseite zum Kettenrad 35, während eine verbrauchte Spulenhülse 11 auf einem Auf­steckdorn 12 an der Auslaufseite des Kettenrades 35 darauf wartet, ausgewechselt zu werden.

    [0010] Die Bahnkurve 4 wird durch Führungsschienen 31 bestimmt, zwischen welchen eine Kette 34 gleitet. Die Kette läuft abgesehen von dem Bereich der Führungsschienen 31 und ei­nem Kettenspanner 37 sowie den Kettenrädern 35, 35′ frei und ist so gestaltet, dass sie die Schussgarnspuelen 1,1′,1˝ sowie die Spulenhülse 11 zu tragen vermag. Die Kette 34, welche in Fig. 1 schematisch durch eine strich­punktierte Linie eingezeichnet ist, folgt zwischen den Führungsschienen 31 deren Verlauf, wobei die strichpunk­tierte Linie die Bahnkurve 4 bildet. An zwei Punkten der Bahnkurve 4 sind Bahnkurventangenten 41 und 42 eingezeich­net. Die Geraden 41′ und 42′, jeweils von den Bahntangen­tenpunkten aus zum Mittelpunkt der Fadenöse 2 gezogen, schliessen mit den Bahnkurventangenten 41 und 42 jeweils einen gleich grossen Winkelα ein. Dies muss auch für die übrigen Punkte der Bahnkurve 4 erfüllt sein, damit die Achse A der Schussfadenspule 1 auf ihrem Weg entlang der Bahnkurve 4 ständig in Richtung auf die Oese 2 weist. Dies ist für eine rotationssymmetrische Ausbildung des Faden­ballons B um die Achse A, den der von der Schussfadenspule 1 ablaufende Faden 10 bildet, von Bedeutung. Die Distanz der Bahnkurve 4 von der Fadenöse 2 wird so gewählt, dass die Entfernung R1 der Schussfadenspule 1 von der Oese 2 etwa das 1- bis 2-fache der Höhe H der Schussfadenspule 1 beträgt. In diesem Fall ergeben sich günstige Verhältnisse beim Abzug des Schussgarns 10 von der Schussgarnspule 1, d.h. niedrige Abzugsspannungen und ein reibungsarmes Ablö­sen des Schussgarns 10 vom Umfang der Schussgarnspule 1. Mit geringer werdendem Durchmesser der Schussgarnspule 1 während des Fortschreitens entlang der Bahnkurve 4 ist es günstig, den Abstand der Schussgarnspule 1′ von der Faden­öse 2 zu verringern, damit gemäss allgemeinen Erfahrungen günstige Abzugsverhältnisse für das Schussgarn 10 von der Schussgarnspule 1′ erhalten bleiben. Damit die Schussgarn­spule 1 während des Weges entlang der Bahnkurve 4 jeweils den Richtungsänderungen der Bahnkurve 4 folgt, muss die Kette 34 so aufgebaut sein, dass die einzelnen Glieder tangential zur Bahnkurve 4 liegen, und die Schussgarnspule muss mit ihrer Halterung fest mit einem einzelnen oder auch mehreren Kettengliedern verbunden sein. Für die Bahn­kurve 4 kann folgende Beziehung angenommen werden:
    R ∼ ecotα x φ,
    wobei φ der Winkel vom Ursprung der logarithmischen Spira­le aus ist und R der Abstand zwischen dem Mittelpunkt der Fadenöse 2 und der Bahnkurve 4 für den jeweiligen Winkelφ ist.

    [0011] Fig. 2 zeigt in einer Seitenanischt ein Ausführungsbei­spiel auf eine Schussgarnspule 1 mit einem Teil der Kette 34 und der Führungsschienen 31. Die Kettenglieder 34a, jeweils doppelt angeordnet, und 34b werden durch Rollen 30 zusammengehalten, welche aus gleichen Rollenteilen 30a, 30b zusammengefügt sind. Die Rollen 30 laufen entlang der Bahnkurve 4 zwischen vier Führungsschienen 31, welche an Haltern 32 befestigt sind, die wiederum auf einer Grund­platte 33 angeschraubt sind. Die Verschraubung der Halter 32 kann innerhalb von Langlöchern 33a in der Grundplatte 33 verschoben werden, womit eine Verstellbarkeit der Füh­rungsschienen insgesamt ermöglicht ist. Die Führungsschie­nen können auch unterteilt ausgeführt sein, wobei jeweils zwei Halter 32 einen Abschnitt von Führungsschienen 31 tragen. Auf einem Kettenglied 34a ist ein Halter 15 befe­stigt, in dem ein Arm 13 steckt, der drehfest mit einem Flansch 14 verbunden ist. Eine Verschraubung 14′ in einem bogenförmigen Langloch im Flansch 14 erlaubt eine Einstel­lung des Armes 13, der den Aufsteckdorn 12, die Spulenhül­se 11 und die Schussgarnspule 1 trägt, so dass die Schuss­garnspule 1 genau auf die Fadenöse 2 ausgerichtet werden kann. Die Kette 34 wird durch das Kettenrad 35, welches auf einer Antriebswelle 36 sitzt, angetrieben. Als Antrieb eignet sich ein Elektromotor, der zeitweise eingeschaltet wird, oder beispielsweise ein Schrittmotor, der von einer Steuerung in der Webmaschine abhängig von der eingetrage­nen Schussgarnlänge entsprechend der Anzahl Webzyklen seit Einsatz der neuen Garnspule Schrittimpulse erhält.

    [0012] Grundsätzlich kann die Laufgeschwindigkeit der Kette va­riabel sein, beispielsweise so, dass zu Beginn des Abar­beitens einer neuen Schussgarnspule 1 die Durchschnittsge­schwindigkeit der Kette entlang der Bahnkurve 4 kleiner ist als gegen die letzte Phase des Durchlaufens der Bahn­kurve 4 hin, weil dann der Durchmesser der Garnspule bei konstanter Abzugsgeschwindigkeit des Schussgarns 11 mit der Zeit immer schneller abnimmt. Diese Gesetzmässigkeit kann einfach berechnet werden und lässt sich beispielswei­se in einer Mikroprozessorsteuerung für den Antrieb ab­speichern.

    [0013] Wenn die Webmaschine von einem Artikel auf einen anderen umgestellt wird und anderes Schussgarn verarbeitet wird, kann es vorteilhaft sein, die Bahnkurve 4 wie erwähnt an­ders einzustellen, wobei sich auch der Abstand zur Faden­öse 2 ändern kann.

    [0014] Nachfolgend wird noch ein Ausführungsbeispiel für die Bahnkurve 4 einer Transportvorrichtung mit einigen Zahlen­werten angegeben.
    Schussgarn: Baumwolle Ne30 ( = 20tex)
    Spulenaufmachung: ⌀ 230 mm x 150 mm
    Spulenhülse:
    ⌀ 60 mm
    R1 = 350 mm
    Bahnkurve:
    R2 = 150 mm
    α ≈ 75°


    Ansprüche

    1. Webmaschine mit Schusseintrag von Garnspulen, welche in einem Gestell vor dem Schusseintragsorgan der Webma­schine gelagert sind, wobei der Abstand zwischen einer Schussgarnspule und einer Fadenöse veränderbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Schuss­garnspule (1) auf einem verschiebbaren und von einer Transportvorrichtung (3) angetriebenen Halter (15) sitzt, der entlang einer Bahnkurve (4) bewegbar ist, wobei eine in Garnlaufrichtung nach der Spule (1) angeordnete Fadenöse (2) für das Schussgarn (10) so auf der Innen­seite der Garnkurve (4) gelegen ist, dass die Entfer­nung der Bahnpunkte vom Mittelpunkt der Oese (2) in Transportrichtung der Spule (1) entlang der Bahnkurve (4) stetig abnimmt, und dass jeweils unter einem be­stimmten Winkel (α) zu den Bahnkurventangenten (41,42) geneigte Geraden (41′,42′), die von Bahnkurventangen­tenpunkten aus zur Innenseite der Bahnkurve (4) gezogen werden, sich wenigstens annähernd in einem Punkt schnei­den, nämlich dem Mittelpunkt der Oese (2).
     
    2. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnkurve (4) ein Teil einer logarithmischen Spirale um den Mittelpunkt der Oese (2) ist.
     
    3. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass entlang der Bahnkurve (4) Führungsschienen (31) für eine Kette (34) verlaufen.
     
    4. Webmaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kette (34) aus Rollen (30) und sie verbinden­den Kettengliedern (34a,b) aufgebaut sind, wobei Halter (15) für Schussgarnspulen (1) jeweils auf einem oder mehreren Kettenglied (34a) fest montiert sind.
     
    5. Betriebsverfahren für eine Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Bereich der Transport­vorrichtung (3) ausserhalb der Bahnkurve (4) abgelaufe­ne Schussgarnspulen (1′) gegen neue Schussgarnspulen (1˝) beispielsweise durch einen Manipulator ausge­tauscht werden.
     
    6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb der Transportvorrichtung (3) ausgeschaltet wird, wenn eine Schussgarnspule (1′) am Ende der Kur­venbahn (4) noch nicht völlig abgewoben ist bzw. eine vorgegebene Anzahl Webschüsse seit Einsatz der neuen Schussgarnspule noch nicht erreicht ist.
     




    Zeichnung










    Recherchenbericht