[0001] Die Erfindung betrifft eine Webmaschine mit Schusseintrag von Garnspulen, welche
in einem Gestell vor dem Schusseintragsorgan der Webmaschine gelagert sind, wobei
der Abstand zwischen einer Schussgarnspule und einer Fadenöse veränderbar ist.
[0002] Eine solche Einrichtung ist aus der belgischen Patentanmeldung Nr. 905 810 bekannt.
Der Abstand zwischen der Schussgarnspule und der Fadenöse kann durch eine teleskopartige
Verschiebung der Halterungen von Spule bzw. Oese erreicht werden. Damit ist es möglich,
für jeden Bewicklungszustand einer Schussgarnspule den optimalen Abstand zwischen
der Spule und der Oese einzustellen. Die Einstellung kann auch während des Betriebes
der Webmaschine, während der Durchmesser der Schussgarnspule abnimmt, verändert
werden. Damit wird erreicht, dass das Schussgarn möglichst spannungsarm und störungsfrei
von der Schussgarnspule abgezogen wird.
[0003] Im Zuge der Automatisierung in Webereien wird angestrebt, die Schussgarnspulen automatisch
auszuwechseln, wobei es für den Wechselvorgang vorteilhaft ist, wenn die auszuwechselnde
leere Spule aus dem Webbereich herausbewegt wird, wobei sie dann leichter von einem
Manipulator ergriffen werden kann.
[0004] Es ist Aufgabe der Erfindung, eine Webmaschine mit einer kontinuierlich bewegten
Schussgarnspulenhalterung zu schaffen, bei der während des Verarbeitungsvorganges
des Schussgarnmaterials auf einer Schussgarnspule der Abstand zwischen der Spule und
der zugeordneten Oese geändert werden kann.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass die Schussgarnspule auf
einem verschiebbaren und von einer Transportvorrichtung angetriebenen Halter sitzt,
der entlang einer Bahnkurve bewegbar ist, wobei eine in Fadenlaufrichtung nach der
Spule angeordnete Fadenöse für das Schussgarn so auf der Innenseite der Bahnkurve
gelegen ist, dass die Entfernung der Bahnpunkte vom Mittelpunkt der Oese in Transportrichtung
der Spule entlang der Bahnkurve stetig abnimmt, und dass jeweils unter einem bestimmten
Winkel zu den Bahnkurventangenten geneigte Geraden, die von dem Bahnkurventangentenpunkt
aus zur Innenseite der Bahnkurve gezogen werden, sich wenigstens annähernd in einem
Punkt schneiden, der mit dem Mittelpunkt der Fadenöse zusammenfällt. Die Bahnkurve
kann Teil einer logarithmischen Spirale sein, welche die Bedingung eines einzigen
Schnittpunktes für die erwähnten Geraden erfüllt. Mindestens eine vorteilhafte Ausführungsfrom
der Erfindung wird durch die Unteransprüche näher definiert.
[0006] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren näher beschrieben.
[0007] Es zeigen:
Fig. 1 einen schematischen Ueberblick über die Anordnung der Schussgarnspulen mit
einer Bahnkurve gemäss der Erfindung,
Fig. 2 eine Seitenansicht einer Schussgarnspule mit einem Teil der Transportvorrichtung,
und
Fig. 2a einen Schnitt durch die Transportvorrichtung gemäss Pfeil III in Fig. 2.
[0008] Die Schussgarnspule 1 gemäss Fig. 1 mit der Bewicklungshöhe H ist im Abstand R1
von der Fadenöse 2 zu Beginn des Abarbeitens des Fadenvorrats. Die Fadenöse 2 ist
von einer Platte 20 mit einem Fadensensor 21 umgeben. Während des Webbetriebes, wobei
der Durchmesser der Schussgarnspule allmählich abnimmt, wird die Schussgarnspule 1
durch die Transportvorrichtung 3 entlang der Bahnkurve 4 bewegt. Der Abstand der Schussgarnspule
nimmt allmählich vom Wert R1 bis zum Wert R2 gemäss Fig. 1 ab. Soll der Schussfadenvorrat
auf der mehr oder weniger verbrauchten Schussgarnspule 1′ nahe beim Kettenrad 35′
noch weiter abgearbeitet werden, dann wird die Transportvorrichtung 3 so lange stillgesetzt,
bis der vorgesehene Schussgarnvorrat der Schussgarnspule 1′ völlig verwoben ist.
Wenn das Vorratsende der Schussgarnspule 1′ durch die Fadenöse 2 abgezogen worden
ist und das Ende mit dem Anfang der neuen Spule verbunden ist, wird Schussfaden von
der neuen Schussgarnspule 1 abgezogen, und die Transportvorrichtung 3 wird wieder
in Betrieb gesetzt. Durch einen bei der alten Spule angeordneten Fadenwächter kann
auch ein Signal erzeugt werden, wenn ein bestimmter Durchmesser der alten Spule unterschritten
ist. Mittels einer Einziehvorrichtung kann dann Faden von der neuen Spule in die Webmaschine
eingeführt werden.
[0009] Die Transportvorrichtung gemäss Fig. 1 weist insgesamt vier Plätze für Schussgarnspulen
auf. Eine Reservespule 1˝ befindet sich an der Einlaufseite zum Kettenrad 35, während
eine verbrauchte Spulenhülse 11 auf einem Aufsteckdorn 12 an der Auslaufseite des
Kettenrades 35 darauf wartet, ausgewechselt zu werden.
[0010] Die Bahnkurve 4 wird durch Führungsschienen 31 bestimmt, zwischen welchen eine Kette
34 gleitet. Die Kette läuft abgesehen von dem Bereich der Führungsschienen 31 und
einem Kettenspanner 37 sowie den Kettenrädern 35, 35′ frei und ist so gestaltet,
dass sie die Schussgarnspuelen 1,1′,1˝ sowie die Spulenhülse 11 zu tragen vermag.
Die Kette 34, welche in Fig. 1 schematisch durch eine strichpunktierte Linie eingezeichnet
ist, folgt zwischen den Führungsschienen 31 deren Verlauf, wobei die strichpunktierte
Linie die Bahnkurve 4 bildet. An zwei Punkten der Bahnkurve 4 sind Bahnkurventangenten
41 und 42 eingezeichnet. Die Geraden 41′ und 42′, jeweils von den Bahntangentenpunkten
aus zum Mittelpunkt der Fadenöse 2 gezogen, schliessen mit den Bahnkurventangenten
41 und 42 jeweils einen gleich grossen Winkelα ein. Dies muss auch für die übrigen
Punkte der Bahnkurve 4 erfüllt sein, damit die Achse A der Schussfadenspule 1 auf
ihrem Weg entlang der Bahnkurve 4 ständig in Richtung auf die Oese 2 weist. Dies ist
für eine rotationssymmetrische Ausbildung des Fadenballons B um die Achse A, den
der von der Schussfadenspule 1 ablaufende Faden 10 bildet, von Bedeutung. Die Distanz
der Bahnkurve 4 von der Fadenöse 2 wird so gewählt, dass die Entfernung R1 der Schussfadenspule
1 von der Oese 2 etwa das 1- bis 2-fache der Höhe H der Schussfadenspule 1 beträgt.
In diesem Fall ergeben sich günstige Verhältnisse beim Abzug des Schussgarns 10 von
der Schussgarnspule 1, d.h. niedrige Abzugsspannungen und ein reibungsarmes Ablösen
des Schussgarns 10 vom Umfang der Schussgarnspule 1. Mit geringer werdendem Durchmesser
der Schussgarnspule 1 während des Fortschreitens entlang der Bahnkurve 4 ist es günstig,
den Abstand der Schussgarnspule 1′ von der Fadenöse 2 zu verringern, damit gemäss
allgemeinen Erfahrungen günstige Abzugsverhältnisse für das Schussgarn 10 von der
Schussgarnspule 1′ erhalten bleiben. Damit die Schussgarnspule 1 während des Weges
entlang der Bahnkurve 4 jeweils den Richtungsänderungen der Bahnkurve 4 folgt, muss
die Kette 34 so aufgebaut sein, dass die einzelnen Glieder tangential zur Bahnkurve
4 liegen, und die Schussgarnspule muss mit ihrer Halterung fest mit einem einzelnen
oder auch mehreren Kettengliedern verbunden sein. Für die Bahnkurve 4 kann folgende
Beziehung angenommen werden:
R ∼ e
cotα x φ,
wobei φ der Winkel vom Ursprung der logarithmischen Spirale aus ist und R der Abstand
zwischen dem Mittelpunkt der Fadenöse 2 und der Bahnkurve 4 für den jeweiligen Winkelφ
ist.
[0011] Fig. 2 zeigt in einer Seitenanischt ein Ausführungsbeispiel auf eine Schussgarnspule
1 mit einem Teil der Kette 34 und der Führungsschienen 31. Die Kettenglieder 34a,
jeweils doppelt angeordnet, und 34b werden durch Rollen 30 zusammengehalten, welche
aus gleichen Rollenteilen 30a, 30b zusammengefügt sind. Die Rollen 30 laufen entlang
der Bahnkurve 4 zwischen vier Führungsschienen 31, welche an Haltern 32 befestigt
sind, die wiederum auf einer Grundplatte 33 angeschraubt sind. Die Verschraubung
der Halter 32 kann innerhalb von Langlöchern 33a in der Grundplatte 33 verschoben
werden, womit eine Verstellbarkeit der Führungsschienen insgesamt ermöglicht ist.
Die Führungsschienen können auch unterteilt ausgeführt sein, wobei jeweils zwei Halter
32 einen Abschnitt von Führungsschienen 31 tragen. Auf einem Kettenglied 34a ist ein
Halter 15 befestigt, in dem ein Arm 13 steckt, der drehfest mit einem Flansch 14
verbunden ist. Eine Verschraubung 14′ in einem bogenförmigen Langloch im Flansch 14
erlaubt eine Einstellung des Armes 13, der den Aufsteckdorn 12, die Spulenhülse
11 und die Schussgarnspule 1 trägt, so dass die Schussgarnspule 1 genau auf die Fadenöse
2 ausgerichtet werden kann. Die Kette 34 wird durch das Kettenrad 35, welches auf
einer Antriebswelle 36 sitzt, angetrieben. Als Antrieb eignet sich ein Elektromotor,
der zeitweise eingeschaltet wird, oder beispielsweise ein Schrittmotor, der von einer
Steuerung in der Webmaschine abhängig von der eingetragenen Schussgarnlänge entsprechend
der Anzahl Webzyklen seit Einsatz der neuen Garnspule Schrittimpulse erhält.
[0012] Grundsätzlich kann die Laufgeschwindigkeit der Kette variabel sein, beispielsweise
so, dass zu Beginn des Abarbeitens einer neuen Schussgarnspule 1 die Durchschnittsgeschwindigkeit
der Kette entlang der Bahnkurve 4 kleiner ist als gegen die letzte Phase des Durchlaufens
der Bahnkurve 4 hin, weil dann der Durchmesser der Garnspule bei konstanter Abzugsgeschwindigkeit
des Schussgarns 11 mit der Zeit immer schneller abnimmt. Diese Gesetzmässigkeit kann
einfach berechnet werden und lässt sich beispielsweise in einer Mikroprozessorsteuerung
für den Antrieb abspeichern.
[0013] Wenn die Webmaschine von einem Artikel auf einen anderen umgestellt wird und anderes
Schussgarn verarbeitet wird, kann es vorteilhaft sein, die Bahnkurve 4 wie erwähnt
anders einzustellen, wobei sich auch der Abstand zur Fadenöse 2 ändern kann.
[0014] Nachfolgend wird noch ein Ausführungsbeispiel für die Bahnkurve 4 einer Transportvorrichtung
mit einigen Zahlenwerten angegeben.
Schussgarn: Baumwolle Ne30 ( = 20tex)
Spulenaufmachung: ⌀ 230 mm x 150 mm
Spulenhülse:
⌀ 60 mm
R1 = 350 mm
Bahnkurve:
R2 = 150 mm
α ≈ 75°
1. Webmaschine mit Schusseintrag von Garnspulen, welche in einem Gestell vor dem Schusseintragsorgan
der Webmaschine gelagert sind, wobei der Abstand zwischen einer Schussgarnspule und
einer Fadenöse veränderbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Schussgarnspule (1) auf einem verschiebbaren und von einer Transportvorrichtung
(3) angetriebenen Halter (15) sitzt, der entlang einer Bahnkurve (4) bewegbar ist,
wobei eine in Garnlaufrichtung nach der Spule (1) angeordnete Fadenöse (2) für das
Schussgarn (10) so auf der Innenseite der Garnkurve (4) gelegen ist, dass die Entfernung
der Bahnpunkte vom Mittelpunkt der Oese (2) in Transportrichtung der Spule (1) entlang
der Bahnkurve (4) stetig abnimmt, und dass jeweils unter einem bestimmten Winkel
(α) zu den Bahnkurventangenten (41,42) geneigte Geraden (41′,42′), die von Bahnkurventangentenpunkten
aus zur Innenseite der Bahnkurve (4) gezogen werden, sich wenigstens annähernd in
einem Punkt schneiden, nämlich dem Mittelpunkt der Oese (2).
2. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnkurve (4) ein
Teil einer logarithmischen Spirale um den Mittelpunkt der Oese (2) ist.
3. Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass entlang der Bahnkurve
(4) Führungsschienen (31) für eine Kette (34) verlaufen.
4. Webmaschine nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kette (34) aus Rollen
(30) und sie verbindenden Kettengliedern (34a,b) aufgebaut sind, wobei Halter (15)
für Schussgarnspulen (1) jeweils auf einem oder mehreren Kettenglied (34a) fest montiert
sind.
5. Betriebsverfahren für eine Webmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass im Bereich der Transportvorrichtung (3) ausserhalb der Bahnkurve (4) abgelaufene
Schussgarnspulen (1′) gegen neue Schussgarnspulen (1˝) beispielsweise durch einen
Manipulator ausgetauscht werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb der Transportvorrichtung
(3) ausgeschaltet wird, wenn eine Schussgarnspule (1′) am Ende der Kurvenbahn (4)
noch nicht völlig abgewoben ist bzw. eine vorgegebene Anzahl Webschüsse seit Einsatz
der neuen Schussgarnspule noch nicht erreicht ist.