[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur einseitigen elektrolytischen Beschichtung
flächiger Werkstücke aus Stahl, insbesondere Stahlbänder, mit einem Metal bzw. einer
Metallegierung, insbesondere mit eine Zink-Nickel-Legierung.
[0002] In den letzten Jahren sind verschiedene Verfahren zur elektrolytischen Beschichtung
eines Stahlbandes mit einer Zink-Nickel-Legierung beschrieben worden, die sich aber
alle auf die beidseitige Beschichtung beziehen. Will man jedoch die Beschichtung nur
einseitig durchführen und transportiert dabei das Stahlband durch den Elektrolyt,
der Zink und Nickelsalze enthält, so bekommt man auf der unbeschichteten Seite eine
Zementation des Nickels auf dem Stahlblech, die in der anschließenden Weiterverarbeitung
stört.
[0003] Die Aufgabe der Erfindung was es daher, ein Verfahren zu schaffen, welches den oben
angeführten Nachteil der Zementation auf der unbeschichteten Seite vermeidet.
[0004] Zur Lösung dieser Aufgabe wird ein Verfahren vorgeschlagen, das folgende Schritte
beinhaltet: Aufbringen einer dünnen Schicht aus demselben Material, das für die einseitige
Beschichtung vorgesehen ist, auf beiden Seiten des Werkstückes; anschließende einseitige
Beschichtung; und schließlich elektrolytische Ablösung der dünnen Schicht auf der
Seite, welche der dauerhaft zu beschichtenden Seite gegenüberliegt.
[0005] In der nachfolgenden Beschreibung soll die Erfindung und weitere Merkmale davon unter
Bezugnahme auf die beigefügte Zeichung näher erläutert werden.
Fig. 1 zeigt ein Schema einer Galvanikanlage zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens, und
Fig. 2 den schematischen Aufbau der Ablösezelle.
[0006] Das Stahlband wird nach Durchlaufen der Reinigungsanlage 1 in der ersten Zelle bzw.
im Einlaufteil 2 in dei Galvanikanlage 3 auf beiden Seiten mit einer Zink-Nickel-Legierung
beschichtet, die in den weiteren Zellen die chemische Zementation des Nickels auf
dieser Seite vermeiden soll.
[0007] Erst danach erfolgt in einer weiteren Zelle, bzw. in einem anschließenden Teil 2′
der Anlage 3 die einseitige Beschichtung mit herkömmlichen Einrichtungen (wie z.B.
Stromrolle als Kontaktelement für das Band, etc.)
[0008] Sobald diese Beschichtung abgeschlossen und das Band durch die Spülanlage 4 gelaufen
ist, wird gemäß der Erfindung die zuerst aufgebrachte Beschichtung in einer weiteren
Zelle 5, der sogenannten "Deplating"-Zelle, die mit einem speiziellen Elektrolyt betrieben
wird, wieder abgelöst. Als besonders vorteilhaft hat sich dabei ein Elektrolyt auf
Basis einer wässrigen Natriumchloridlösung herausgestellt. Es können aber selbstverständlich
auch andere lösliche Metallchloride, wie z.B. Kaliumchlorid, Magnesiumchlorid und
ähnliche verwendet werden. Als pH-Wert der Lösung hat sich als besonders günstig eine
neutrale Lösung von pH = 7 bzw. leicht alkalische Lösung mit einem pH-Wert bis zu
12 herausgestellt, da in diesem pH-Bereich die gelösten Metalle Zink und Nickel sofort
als Hydroxide ausfallen und keine weitere Zementation auf dem Stahlband verursachen
können. Diese aus dem Elektrolyt ausgefallenen Hydroxide werden mit bekannten Methoden
wie z.B. Absetzen und/oder Filtration sowie Hydrozyklone oder Zentrifugieren aus der
Lösung entfernt.
[0009] Zum Auflösen der Zink-Nickel-Legierung muß das Band anodisch geschaltet werden. Versuche
haben gezeigt, daß dafür eine Schaltung, die man in der Technik als Mittelleiter bezeichnet,
von Vorteil ist. Die Fig. 2 zeigt ein Schema einer derartig aufgebauten "Deplating"-Zelle.
Dabei durchläuft das Band 10 zumindest ein Elektrodenpaar 11, 12 bzw. 11′, 12′, von
dem ein Teil anodisch und ein Teil kathodisch geschaltet ist. Die der Anode 11, 11′
gegenüberstehende Seite des Bandes wird dadurch kathodisch polarisiert und die der
Kathode 12, 12′gegenüberliegende Seite anodisch polarisiert und von dieser Seite wird
die Legierung abgelöst.
[0010] Überraschenderweise ist der Strom, der zum Auflösen der Beschichtung notwendig ist,
nicht gleich dem Strom zur Beschichtung, sondern beträgt etwa das Zwei- bis Fünffache
davon.
[0011] Für die Anordnung der Elektroden in der Ablösezelle ist es weiters notwendig, daß
diese stets komplett mit Elektrolyt bedeckt sind und daß der Elektrolytspiegel 13
in der Zelle höher als die Oberkante der Anode ist, um die Bildung von gasförmigem
Chlor zu vermeiden. Als Elektrodenmaterial für die Ablösezelle können sowohl Edelstahl
als auch Nickel oder andere bekannte Elektrodenmaterialien und als Anode auch platinierte
bzw. mit Iridiumoxid beschichtete Titanbleche verwendet werden.
[0012] Der Temperaturbereich für den Elektrolyten in der Ablösezelle liegt zwischen 20 und
90° C, vorzugsweise zwischen 40 und 65°C.
[0013] Das aus der Ablösezelle 5 kommende Band durchläuft noch eine weitere Spülanlage 4′
und schließlich einen Trockner 6.
Ausführungsbeispiele:
[0014] In einer elektrolytischen Bandbeschichtungsanlage wurde ein Stahlband einseitig mit
einer Zink-Nickel-Legierung beschichtet. Beim Auslauf des Bandes war die unbeschichtete
Seite braun verfärbt und im Rasterelektronenmikroskop konnte chemische Zementation
des Nickels auf der unbeschichteten Seite nachgewiesen werden. Die Anlage wurde daraufhin
mit einer Ablösezelle gemäß der Erfindung erweitert und in der ersten Zelle elektrolytisch
eine Schutzschicht aufgebracht. Als Elektrolyt wurde eine wässrige Natriumsulfatlösung
verwendet und die Stromzuführung zum Ablösen erfolgte durch eine anodisch geschaltete
Stromrolle. Bei Einstellen eines Stroms, der der theoretischen Schutzschicht entsprach,
war diese nur zum Teil entfernt. Erst bei Erhöhung des Stroms auf den dreifachen Wert
war das Band frei von der abgeschiedenen Schicht, die Oberfläche war nach dem Spülvorgang
jedoch hellbraun verfärbt. Der Elektrolyt wurde daraufhin gegen eine wässrige Natriumphosphatlösung,
die auf pH = 7 eingestellt war, ausgetauscht. Auch hier war die Oberfläche erst nach
der dreifachen theoretischen Strommenge frei von Zink-Nickel-Resten, doch leicht braun
verfärbt und im Rasterelektronenmikroskop konnten teilweise auf der Oberfläche Phosphatkristalle
nachgewiesen werden. Nur nach Verwendung eines Natriumchloridelektrolyts und nach
Einbau von Elektroden, die es ermöglichten, das Band nach dem Mittelleiterverfahren
zu behandeln, war die Oberfläche nach der Ablösezelle metallisch blank und selbst
im Rasterelektronenmikroskop konnten keine Verunreinigungen wie Zink- und Nickelreste
nachgewiesen werden.
1. Verfahren zur einseitigen elektrolytischen Beschichtung flächiger Werkstücke aus
Stahl, insbesondere Stahlbänder, mit einem Metall bzw. einer Metallegierung, insbesondere
mit einer Zink-Nickel-Legierung, gekennzeichnet durch das Aufbringen einer dünnen
Schicht aus demselben Material, das für die einseitige Beschichtung vorgesehen ist,
auf beiden Seiten des Werkstückes; anschließende einseitige Beschichtung; und schließlich
elektrolytische Ablösung der dünnen Schicht auf der Seite, welche der dauerhaft zu
beschichtenden Seite gegenüberliegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur elektrolytischen Ablösung
das Werkstück als Mittelleiter geschaltet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Elektrolyt bei der Ablösung
eine wässrige Lösung eines Alkali- oder Erdalkalichlorids, vorzugsweise Natrium- oder
Kaliumchlorid bei einem ph-Wert von 7-12 verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur des Elektrolyts
in der Ablösezelle zwischen 20 und 90°C, vorzugsweise zwischen 40 und 65°C beträgt.