(19)
(11) EP 0 412 318 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
13.02.1991  Patentblatt  1991/07

(21) Anmeldenummer: 90113574.9

(22) Anmeldetag:  16.07.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B41F 15/08, B41F 15/22
(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE DE FR GB NL SE

(30) Priorität: 05.08.1989 DE 3926004

(71) Anmelder: Quast, Gerd
21217 Seevetal (DE)

(72) Erfinder:
  • Quast, Gerd
    21217 Seevetal (DE)

(74) Vertreter: Schaefer, Konrad, Dipl.-Phys. 
Schaefer & Emmel Gehölzweg 20
D-22043 Hamburg
D-22043 Hamburg (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Siebdruckmaschine mit Stoppzylinder


    (57) Eine Siebdruckmaschine mit einem Siebwagen, einer in Druckrichtung feststehenden Rakel und einem Gegendruckzylinder ist dadurch gekennzeichnet, daß eine parallel zur Zylinderachse ausgerichtete, in Projektion senkrecht zum Bogen im wesentlichen mit diesem bewegte Greiferleiste vorgesehen ist, die in seitlichen Führungskurven in ihrem Abstand zum Sieb derart geführt ist, daß sie in ihrer Rücklaufendstellung in Flucht der Zylindergreifer steht und von dort bis zu einem kurz hinter der Rakel gelegenen Übergabepunkt dem Zylinderumfang folgt und von dort im Winkel zum Sieb abwärts läuft, wobei die Greifer derart gesteuert sind, daß von der Stoppstellung bis zum Übergabepunkt die Zylindergreifer geschlossen und die Leistengreifer offen sind und dort im wesentlichen gleichzeitig die Zylindergreifer öffnen und die Leistengreifer schließen.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft eine Siebdruckmaschine der im Ober­begriff des Ansprüches 1 genannten Art.

    [0002] Derartige Maschinen arbeiten nach dem sogenannten Stoppzy­linderprinzip. Ihr Zylinder läuft nur in Drucklaufrichtung des Siebwagens mit und bleibt bei dessen Rücklauf stehen. Der Vorteil dieser Konstruktion besteht darin, daß während des längeren Stillstandes des Zylinders an dessen Anschläge der Bogen in Ruhe angelegt und von den Zylindergreifern er­faßt werden kann. Der Bogen wird vom Zylinder selbst wäh­rend des Drucklaufes unter der Rakel hindurchgezogen. Es läßt sich mit dieser Konstruktion also höchste Paßgenauig­keit erreichen.

    [0003] Nachteilig bei dieser Konstruktion ist allerdings, daß die Bogen erst nach erheblichem Winkelumlauf um den Zylinder von diesem an eine Bogenauslage übergeben werden können, da sonst keine saübere Trennung des Bogens vom Sieb (Absprung) erreicht wird. Die Bogen müssen also so flexibel sein, daß sie dem Zylinderumfang über einen längeren Krümmungsweg folgen können. Steiferes, schlecht biegbares Bogenmaterial kann mit derartigen Siebdruckmaschinen nicht bearbeitet werden.

    [0004] Zur Verarbeitung steiferer Bogen ist ein anderes Maschinen­prinzip bekannt, bei dem eine mit dem Siebwagen mitlaufende Greiferleiste die Bogen vom Anlagetisch übernimmt und in leichtem Schrägwinkel zum Sieb im wesentlichen auf gerader Bahn transportiert. Wegen der geringeren Biegung des Bogens läßt sich mit dieser Konstruktionsweise auch sehr steifes Material verarbeiten. Nachteilig bei dieser Konstruktion ist aber die erheblich schlechtere Paßgenauigkeit, die weit unter der der eingangs genannten Siebdruckmaschinen liegt, bei denen die Bogen in idealer Weise direkt am Zylinder an­gelegt werden.

    [0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Sieb­druckmaschine der eingangs genannten Art zu schaffen, die unter Beibehaltung der Paßgenauigkeit des Stoppzylinder­prinzips auch steifere Bogenmaterialien verarbeiten kann.

    [0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen des Kennzeichnungsteiles des Ansprüches 1 gelöst.

    [0007] Bei der erfindungsgemäßen Konstruktion werden die Bogen am Zylinder angelegt und von diesem bis kurz hinter die Rakel transportiert. In diesem für die Paßgenauigkeit wichtigsten ersten Bewegungsabschnitt erfolgen Anlage und Transport also vom Zylinder selbst und somit mit höchster erreichba­rer Paßgenauigkeit. Die hierzu erforderliche Biegung des Bogens um den Zylinder herum ist aber noch so gering, daß auch sehr steifes Bogenmaterial verarbeitet werden kann. Kurz hinter der Rakel liegt bereits der Übergabepunkt, bei dem der Bogen von den Zylindergreifern an die Leistengrei­fer übergeben werden und nun nach diesem bekannten Prinzip auf geradem Wege transportiert werden. Es lassen sich also Bogen aus sehr steifem Material mit höchster Genauigkeit bedrucken.

    [0008] Vorteilhaft sind dabei die Merkmale des Ansprüches 2 vorge­sehen. Auf diese Weise wird dafür Sorge getragen, daß die Ambosse der Greiferleiste, die zusammen mit den beweglichen Greifern am Übergabepunkt die Bogenvorderkante ergreifen sollen, bei geöffneten Greifern in die Aussparungen an der Anlagekante des Zylinders bis unter die Bogenkante fahren können. In Stoppstellung stehen also die Leistengreifer und die Zylindergreifer genau in Flucht und können aus dieser Stellung synchron bis zum Übergabepunkt laufen. Dadurch läßt sich die Antriebsmechanik vereinfachen, und bei gleichzeitigem Anlauf ergibt sich eine genaue Synchronisa­tion des Laufes, so daß bei der Übergabe von den einen Greifern an die anderen am Übergabepunkt diese hochgenau synchron laufen.

    [0009] Weiterhin vorteilhaft sind die Merkmale des Ansprüches 3 vorgesehen. Eine solche Siebdruckmaschine läßt sich einfach und schnell von der Betriebsart für steife Bogen auf die Betriebsart für flexible Bogen umstellen. In der Betriebs­art für flexible Bogen arbeitet sie wie eine konventionelle Siebdruckmaschine der im Oberbegriff des Ansprüches 1 ge­nannten Art.

    [0010] Schließlich sind vorteilhaft die Merkmale des Ansprüches 4 vorgesehen. Mit einem Kettenantrieb lassen sich die kinema­tischen Probleme beim Antrieb der Greiferleiste ideal lö­sen. Die den Weg der Bogenvorderkante bestimmenden Ambosse der Greiferleiste lassen sich auf diese Weise zwischen der Stoppstellung und dem Übergabepunkt hochgenau auf dem Zy­linderumfang führen mit einer Bewegung, die vollständig mit der der noch vom Zylinder geführten Bogenvorderkante über­einstimmt. Insbesondere stimmt dabei auch der Laufweg der Ambosse genau mit dem Laufweg der Bogenvorderkante überein, so daß Streckungen oder Stauchungen des Bogens vermieden werden.

    [0011] In den Zeichnungen ist die Erfindung beispielsweise und schematisch dargestellt.

    [0012] Die Fig. 1 bis 3 zeigen eine erfindungsgemäße Siebdruckma­schine in perspektivischer Ansicht in drei aufeinanderfol­genden Betriebsphasen.

    [0013] Anhand der Fig. 1 sei zunächst die Konstruktion der darge­stellten Siebdruckmaschine erläutert.

    [0014] Ein Siebwagen 1 ist als rechteckiger Rahmen ausgebildet, in dem das Sieb 2 gespannt ist. Über dem Sieb ist eine Rakel 3 angeordnet, die, in der Siebebene feststehend, senkrecht zu dieser beweglich von nicht dargestellten Einrichtungen ge­halten ist.

    [0015] Unter dem Sieb 2 ist ein Zylinder 4 angeordnet, und zwar mit seiner Achse genau unter der Rakel 3. Mit nicht darge­stellten Getriebemitteln sind der Zylinder 4 und der Sieb­wagen 1 derart verbunden, daß bei Rotation des Zylinders 4 um seine Achse das Sieb 2 auf dem Zylindermantel abrollend bewegt wird. Dabei läuft der Siebwagen in Richtung des Pfeiles F₁ in Richtung des Drucklaufes, bei dem die Rakel 3, wie dies Fig. 2 zeigt, auf das Sieb abgesenkt ist.

    [0016] Wenn nach erfolgtem Drucklauf in Richtung des Pfeiles F₁ der Siebwagen 1 wieder zurückläuft, ist der Zylinder 4 aus­gekuppelt und bleibt in der in Fig. 1 dargestellten Stel­lung, der Stoppstellung, stehen. Während dieser Zeit kann ein Bogen 5 in Richtung des Pfeiles F₁ von einem nicht dar­gestellten Anlagetisch angelegt werden. Die Anlage erfolgt unmittelbar am Zylinder an auf einer Mantellinie vorgese­henen Anschlägen 6, von denen in der Figur zur Vereinfa­chung nur einer dargestellt ist. Die Anschläge 6 sind an der Anlagekante 7 des Ausschnittes 8 des Zylinders 4 vorge­sehen. In dem Ausschnitt 8 ist eine Greiferwelle 9 angeord­net, die mehrere Zylindergreifer 10 trägt, von denen in der Figur nur einer zu sehen ist.

    [0017] Noch während des Stillstandes des Zylinders 4 in der in Fig. 1 dargestellten Stoppstellung können die Zylindergrei­fer 10 schließen und die Vorderkante des Bogens 5 in Anlage genau an der Anlagekante 7 auf dem Zylindermantel festklem­men.

    [0018] In der in Fig. 1 dargestellten Stoppstellung steht die An­lagekante 7 des Zylinders 4 in Drucklaufrichtung, also in Richtung des Pfeiles F₁ kurz vor der Rakel 3, also noch et­was unterhalb des Siebes. Beginnt nun der Drucklauf in Richtung des Pfeiles F₁ des Siebes 3, so dreht der Zylinder 4 synchron zu diesem in Richtung des Pfeiles F₂ und zieht den Bogen 5 unter der Rakel 3 durch.

    [0019] Seitlich neben dem Siebwagen 1 sind Führungsschienen 11 vorgesehen, in denen parallellaufende Gleitsteine 12 ge­führt sind, zwischen denen eine Greiferleiste 13 gehalten ist. Diese besteht aus einer festen Stange 14, die mehrere Ambosse 15 trägt, sowie aus einer Greiferwelle 16, die meh­rere Leistengreifer 17 trägt. Zur zeichnerischen Vereinfa­chung ist in den Figuren nur jeweils ein Amboß 15 mit zuge­hörigem Greifer 17 dargestellt.

    [0020] In der in Fig. 1 dargestellten Endstellung der Greiferlei­ste 13, also der Stoppstellung, stehen die Leistengreifer 17 fluchtend mit den Zylindergreifern 10. Die Ambosse 15 ragen unter die Vorderkante des Bogens 5 in Aussparungen 18 der Anlagekante 7 des Zylinders 4. Die Leistengreifer 17 sind in der in Fig. 1 dargestellten Stoppstellung der Siebdruckmaschine jedoch offen.

    [0021] Nach Anlauf in Drucklaufrichtung, also in Richtung der Pfeile F₁ und F₂ bewegt sich die Maschine zunächst bis in die Stellung der Fig. 2, in der die Greifer 10 und 17 am Übergabepunkt stehen. In dieser Stellung der Maschine öffnen, wie in Fig. 2 dargestellt, die Zylindergreifer 10, während die Leistengreifer 17 schließen. Die Vorderkante des Bogens 5 wird also vom in Fig. 2 dargestellten Übergabepunkt ab von der Greiferleiste 13 weitertrans­portiert, wie Fig. 3 zu einem etwas späteren Zeitpunkt darstellt.

    [0022] Die Führungsschienen 11 sind, wie den Figuren zu entnehmen, so ausgebildet, daß sie ab dem in Fig. 2 dargestellten Übergabepunkt in Schrägrichtung unter einem Winkel zum Sieb abwärtslaufen. Auf diese Weise wird erreicht, daß der Bogen 5 sauber vom Sieb getrennt wird. Die Krümmung um den Zylinder 4 ist dabei so gering, daß auch sehr steife Bogen, z.B. Kartons oder Kunststoffplatten, mit der dargestellten Siebdruckmaschine bearbeitet werden können.

    [0023] Wie den Figuren weiterhin entnehmbar, sind die Führungs­schienen 11 zwischen dem Übergabepunkt (Fig. 2) und ihrem Endpunkt, in dem die Greiferleiste 13 in der Stoppstellung der Fig. 1 steht, derart ausgebildet, daß sie in diesem Be­reich annähernd dem Zylinderumfang folgen. Die Ambosse 15 der Greiferleiste 13 werden auf diese Weise auf einer Kurve geführt, die von dem Übergabepunkt der Fig. 2 bis zur Stoppstellung der Fig. 1 dem Zylinderumfang folgt mit einer leichten Kippung nach unten gegen Ende der Kurve, damit sie in der in Fig. 1 dargestellten Stoppstellung berührungsfrei unter den Bogen 5 fahren können.

    [0024] Der Antrieb der Greiferleiste 13 wird von einer Kette 19 übernommen, die an den Gleitsteinen 12 angreift. Diese muß so angetrieben werden, daß sie sich genau mit der Geschwindigketi des Zylindermantels bzw. des Siebes 2 bewegt. Nur auf diese Weise kann sichergestellt werden, daß der einerseits von der Greiferleiste 13 gehaltene und andererseits schlupffrei auf dem Zylinder 4 abwälzende Bogen 5 ohne Stauchung oder Dehnung transportiert wird.

    [0025] Zu diesem Zweck verläuft die Kette 19 mit ihrer Mitte, also den Achsmitten der Kettengelenke, im Bereich zwischen der Stoppstellung der Fig. 1 und dem Übergabepunkt der Fig. 2 genau auf dem Zylinderumfang. Die Ambosse 15 stehen gegen­über der Kette 19 in einer Höhenlage, daß ihre Oberflächen genau auf Kettenmitte liegen.

    [0026] Die Kette 19 wird mit nicht dargestellten Kettenrädern an­getrieben, die mit dem Zylinder 4 derart synchronisiert sind, daß die Kette genau mit Zylinderumfangsgeschwindig­keit angetrieben wird.

    [0027] Die insoweit dargestellte Siebdruckmaschine ist zum Be­drucken steifer Bogen 5 vorgesehen. Sie kann nach einfacher Umschaltung aber auch in herkömmlicher Weise für dünne flexible Bogen verwendet werden. Dann wird die Greifer­leiste 13 nicht benötigt, die in der Nähe ihres Bewegungsendpunktes in Richtung des Pfeiles F₁, also in den Figuren links außerhalb des dargestellten Zeichnungsbe­reiches, ausgekuppelt und stillgesetzt wird. Die Zylinder­greifer 10 werden dann etwas anders gesteuert, und zwar so, daß sie bis jenseits des in Fig. 2 dargestellten Übergabe­punktes geschlossen bleiben, und zwar bis zu dem in Fig. 3 dargestellten Abgabepunkt, an dem sie den Bogen auf eine Bogenauslage 20 übergeben, die beispielsweise in Form eines angetriebenen Saugbandes konventionell ausgebildet ist.


    Ansprüche

    1. Siebdruckmaschine mit einem Siebwagen, einer in Druck­richtung feststehenden Rakel und einem Gegendruckzy­linder, der in Drucklaufrichtung des Siebwagens mit diesem synchron umläuft und bei dessen Rücklauf in definierter Stoppstellung stillsteht und der an einer in Stoppstellung kurz vor der Rakel befindlichen Mantellinie Anschläge und Greifer für die Vorderkante des von einem Anlagetisch zugeführten Bogens aufweist, dadurch kennzeichnet, daß eine parallel zur Zylin­derachse ausgerichtete, in Projektion senkrecht zum Bogen (5) im wesentlichen mit diesem bewegte Greifer­leiste (13) vorgesehen ist, die in seitlichen Füh­rungskurven (11) in ihrem Abstand zum Sieb (2) derart gerührt ist, daß sie in ihrer Rücklaufendstellung in Flucht der Zylindergreifer (10) steht und von dort bis zu einem kurz hinter der Rakel (3) gelegenen Übergabe­punkt (Fig. 2) dem Zylinderumfang folgt und von dort im Winkel zum Sieh (2) abwärtsläuft, wobei die Greifer (10, 17) derart gesteuert sind, daß von der Stoppstel­lung (Fig. 1) bis zum übergabepunkt (Fig. 2) die Zy­lindergreifer (10) geschlossen und die Leistengreifer (17) offen sind und dort im wesentlichen gleichzeitig die Zylindergreifer (10) öffnen und die Leistengreifer (17) schließen.
     
    2. Siebdruckmaschine nach Anspruch 1, dadurch gekenn­zeichnet, daß der Zylinder (4) an der Anlagekante (7) seines den Greiferantrieb (Greiferwelle 9) aufnehmen­den Ausschnittes (8) Aussparungen (18) aufweist, in die die Ambosse (15) der Leistengreifer (17) in Stopp­stellung (Fig. 1) unter den Bogen (5) fahren.
     
    3. Siebdruckmaschine nach einem der vorhergehenden An­sprüche, dadurch gekennzeichnet, daß in einer Be­triebsart für ausreichend flexible Bogen (5) die Zylindergreifer (10) hinter dem Übergabepunkt (Fig. 2) bis zu einem Abgabepunkt (Fig. 3) an eine unterhalb der Greiferleiste (13) angeordnete Bogenauslage (20) geschlossen bleiben, wobei die Greiferleiste (13) im Bereich ihrer Drucklaufendstellung ausgekuppelt still­steht.
     
    4. Siebdruckmaschine nach einem der vorhergehenden An­sprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Greiferleiste (13) von einer Kette (19) angetrieben ist, die syn­chron zum Zylinderumfang angetrieben ist und auf Höhe der Ambosse (15) der Greiferleiste (13) verläuft.
     




    Zeichnung