[0001] Die Erfindung betrifft Verfahren und Vorrichtung zur Poliertuchaufbereitung beim
chemomechanischen Polieren, insbesondere von Halbleiterscheiben, durch Einwirkung
von Flüssigkeit auf das Poliertuch.
[0002] Beim chemomechanischen Polieren von Scheiben, insbesondere Halbleiterscheiben, bei
dem eine oder beide Scheibenoberflächen mit Hilfe von Poliertüchern behandelt werden,
die mit einem meist auf Basis von Silicaten oder Kieselsäuren zubereiteten Poliermittel
beaufschlagt und auf eine bewegte, in der Regel rotierende ebene Polierfläche aufgespannt
sind, nimmt erfahrungsgemäß mit steigender Einsatzdauer der Poliertücher sowohl der
Abtrag als auch die geometrische Qualität der erhaltenen polierten Scheiben ab. Um
diesem aus der Ein- und Zweiseitenpolitur gleichermaßen bekannten Effekt zu begegnen,
wird in dem im IBM Technical Report TR 22.2341 mit Datum vom 10.April 1980 abgedruckten
und im wesentlichen auf dem Spring Meeting of the Electrochemical Society in Boston,
Massachusetts May 10, 1979 der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Artikel von E.
Mendel, P. Kaplan und A.V. Patsis, "Pad Materials for Chemical-Mechanical Polishing"
vorgeschlagen, in ihrer Leistung abfallende Poliertücher dadurch zu regenerieren,
daß sie mit einer 10% Methanol-Wasser-Mischung gespült und zusätzlich mit Faserbürsten
abgebürstet werden. Eine solche Behandlung kann zwar dem Abfall der Abtragsraten entgegenwirken,
während sie die bei steigender Poliertuchstandzeit beobachtete allmähliche Verschlechterung
der Scheibengeometrie, beispielsweise in Bezug auf die Ebenheit, nicht aufzuhalten
vermag. Für einen Polierprozeß im Produktionsmaßstab sind Schwankungen beider Parameter
gleichermaßen ungünstig.
[0003] Die Aufgabe der Erfindung lag also darin, ein Verfahren anzugeben, nach dem sich
bei der Ein- und Zweiseitenpolitur die Poliertücher so aufbereiten lassen, daß bei
langer Poliertuchstandzeit und gleichbleibend hoher Abtragsrate gleichzeitig auch
eine hohe geometrische Qualität der erhaltenen polierten Scheiben gewährleistet ist,
sowie zu seiner Durchführung geeignete Vorrichtungen bereitzustellen.
[0004] Gelöst wird die Aufgabe durch ein Verfahren, welches dadurch gekennzeichnet ist,
daß nach dem Poliervorgang eine Aufbereitungsflüssigkeit unter Drucke inwirkung zum
Durchströmen des Poliertuches gebracht wird, wobei durch den Flüssigkeitsstrom die
im Inneren des Poliertuches während des Poliervorganges entstandenen Rückstände mobilisiert
und zumindest teilweise aus dem Poliertuch ausgetragen werden.
[0005] Überraschend wurde nämlich gefunden, daß eine solche unter Durchströmen und ohne
mechanische Beanspruchung des Poliertuches ablaufende Aufbereitung zu besseren Ergebnissen
führt, als eine Aufbereitung, bei der das Poliertuch auch mechanisch, beispielsweise
mit Bürsten, Abziehklingen oder anderen, die Oberfläche aufrauhenden Hilfsmitteln
bearbeitet wird.
[0006] Das Verfahren eignet sich grundsätzlich zur Anwendung bei poliertüchern, welche eine
das Durchströmen von Flüssigkeiten gestattende Hohlraumstruktur besitzen. Solche
Poliertücher sind bekannt und beispielsweise in dem oben erwähnten Artikel oder in
der EP-A-239 040 (angemeldet 20.03.87 mit Priorität der US-Anmeldung mit Aktenzeichen
843881) sowie in der dort zitierten und im Recherchenbericht genannten Patentliteratur,
oder in der EP-A-291 100 beschrieben. Sie bestehen in der Regel aus Poromeren (poromerischen
Werkstoffen), meist auf Polyester- oder Polyurethanbasis, in welche gegebenenfalls
auch Fasermaterialien zur Verstärkung eingelagert sein können. Häufig sind sie auch
sandwichartig aus verschiedenen Schichten aufgebaut und stellen damit ein poröses
durchströmbares Mehrphasensystem dar.
[0007] Als Aufbereitungsflüssigkeit kommen, schon aus Kostengründen, hauptsächlich wässrige
Phasen in Frage. Grundsätzlich kann sogar reines, vorzugsweise entsalztes oder durch
Umkehrosmose gereinigtes Wasser eingesetzt werden. Günstig werden dem Wasser jedoch
Agentien zugesetzt, die die beim Polieren des jeweiligen Halbleitermaterials im Poliertuch
sich ablagernden Rückstände chemisch anzugreifen und zumindest teilweise in Lösung
überzuführen vermögen. Beim Polieren von Siliciumscheiben werden beispielsweise zur
erfindungsgemäßen Aufbereitung des Poliertuches bevorzugt alkalische wässrige Lösungen
verwendet, wobei sich der pH-Bereich von 10 bis 12 besonders bewährt hat. Als Zusätze
haben sich in wässriger Lösung alkalisch reagierende Verbindungen des Ammoniums sowie
der Alkalielemente, vor allem die Hydroxide und Carbonate des Natriums und insbesondere
des Kaliums bewährt. Es wurde gefunden, daß derartige alkalische Lösungen die Auflösung
von beim Poliervorgang im und auf dem poliertuch gebildeten silicatischen Rückständen
unterstützen und zugleich die Neubildung von silicatischen Kondensaten unterbinden.
Auch die sich meist in Form eines braunen Belages absetzenden Phasen von nicht vollständig
oxidiertem Silicium können in der Regel im alkalischen weiteroxidiert und durch Auflösen
zumindest teilweise mobilisiert werden.
[0008] Ähnliche Wirkungen können auch bei anderen Polierprozessen durch auf die Polierrückstände
chemisch einwirkende, das Poliertuch nicht angreifende Zusätze erzielt werden. Beim
Polieren von Germanium- oder Galliumarsenidscheiben können zur Aufbereitung des Poliertuches
beispielsweise wässrige Lösungen eingesetzt werden, die als Agentien beispielsweise
oxidierende Komponenten wie etwa Hypochlorit, z.B. Natriumhypochlorit enthalten.
[0009] Als vorteilhaft hat sich, vor allem bei der Aufbereitung von beim Polieren von Siliciumscheiben
eingesetzten Poliertüchern, der Zusatz von mindestens drei Kohlenstoffatome im Molekül
enthaltenden Alkoholen, vorteilhaft Organosilanolen, vorzugsweise Trialkylsilanolen
und insbesondere Trimethyl- oder Triethylsilanol zu der Aufbereitungsflüssigkeit erwiesen.
Es wurde gefunden, daß derartige Zusätze der Kondensation von Silicaten in der Weise
entgegenwirken, daß die durch solche Kondensate hervorgerufene Verkrustung des Pol
iertuches verhindert wird und auch bereits bestehende Verkrustungen aufgelöst werden
können. Diese alkoholischen Zusätze sind dabei bereits in geringen Konzentrationenen
wirksam; so konnten im Konzentrationsbereich von 0.01 bis 1 Gew.% Silanol, bezogen
auf die jeweilige Gesamtlösung, gute Ergebnisse erzielt werden.
[0010] In den meisten Fällen hat es sich auch als ausreichend erwiesen, derartige Zusätze
nicht bei jedem, sondern nur periodisch beispielsweise bei jedem fünf- bis fünfzehnten
Aufbereitungsschritt anzuwenden. Dies gilt gleichermaßen für den Zusatz von Alkoholen
wie auch die Rückstände chemisch angreifenden Verbindungen, die vorteilhaft gleichzeitig,
aber auch aufeinanderfolgend als Zusätze in der Aufbereitungsflüssigkeit angewendet
werden können. Ein solches Vorgehen empfiehlt sich auch, um den Verbrauch an den oft
teuren Zusatzstoffen niedrig zu halten.
[0011] Die Druckbedingungen, unter denen die Aufbereitungsflüssigkeit auf das Poliertuch
aufgebracht wird, spielen eine wichtige Rolle. Sie sollen einerseits eine ausreichende
Eindringtiefe der Flüssigkeit in das Poliertuchinnere und eine genügende Durchströmstrecke
gewährleisten und andererseits sicherstellen, daß das Poliertuch auf seiner freien
Oberfläche von einem Flüssigkeitsfilm bedeckt ist, so daß beispielsweise ein direkter
mechanischer Kontakt zwischen der empfindlichen Poliertuchoberfläche und zum Aufbringen
der Aufbereitungsflüssigkeit oder zum Abstreifen der aus der Poliertuchoberfläche
austretenden Flüssigkeit verwendeten Vorrichtungen oder Hilfsmitteln nicht stattfindet.
Dabei sind im wesentlichen Einflüsse durch die Poliertuchstruktur, die Geometrie der
Austrittsöffnungen, durch welche die Aufbereitungsflüssigkeit auf das Poliertuch aufgebracht
wird, die Geometrie von dafür verwendeten Hilfsmitteln bzw. Vorrichtungen sowie durch
deren Eigengewicht und/oder zusätzliche Druckeinwirkung auftretende Druckkräfte zu
berücksichtigen. Bei der großen Anzahl der zusammenwirkenden Parameter werden zweckmäßig
geeignete Druckbedingungen jeweils in Vorversuchen ermittelt und auf den speziellen
Fall zugeschnitten.
[0012] Nachstehend wird an Hand der Figuren 1 und 2 eine mögliche Ausführungsform einer
zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeigneten Vorrichtung in einer
Draufsicht und im Querschnitt sowie das Verfahren selbst beispielhaft näher erläutert.
Einander entsprechende Bestandteile sind in beiden Figuren mit den gleichen Bezugsziffern
versehen.
[0013] Figur 1 zeigt in einer Draufsicht einen Ausschnitt aus einem Polierteller 1 einer
handelsüblichen Poliermaschine, der mit einem Poliertuch 2 aus beispielsweise Polyurethan
bespannt ist. Auf den Polierteller aufgelegt ist, schematisch darge stellt, eine
Vorrichtung 3 zur Durchführung des erfindungsgemäßen Aufbereitungsprozesses. Sie
besteht aus einer flachen Grundplatte 4, beispielsweise aus genügend abriebfesten
Kunststoffen wie Polyvinylchlorid, Polypropylen, Polyurethan, Polytetrafluorethylen
oder Fluorthermoplasten, oder Metallen wie Stählen, Aluminium oder Aluminiumlegierungen
oder Titan, welche gegebenenfalls auch mit Kunststoffbeschichtungen, vorteilhaft
auf Basis von Fluorthermoplasten, versehen sein können. Die Grundplatte kann als
massiver oder als Hohlkörper gestaltet sein. Bei der Materialauswahl ist natürlich
die Kontaminationsgefahr zu berücksichtigen; andererseits muß auch eine genügende
Druckfestigkeit und Formstabilität gewährleistet sein, um den ungestörten Aufbau
des für das Durchströmen der Aufbereitungsflüssigkeit erforderlichen Druckfeldes
zu ermöglichen.
[0014] Beim Einsatz zur Aufbereitung der Poliertücher in Einseitenpoliermaschinen ist es
ausreichend, wenn nur die dem Polierteller zugewandte Arbeitsfläche der Grundplatte
eben ist, während bei der Zweiseitenpolitur die Grundplatte günstig auf der Ober-
und Unterseite planparallele ebene Auflage- bzw. Arbeitsf lächen aufweist, da dann
die Aufbereitung des oberen und unteren Poliertuches gleichzeitig erfolgen kann. Bewährt
haben sich quader- oder leistenförmige Grundplatten, wobei jedoch der Einsatz von
Grundplatten mit anders gestalteten Arbeitsflächen, die sich beispielsweise radial
nach außen erweitern, nicht ausgeschlossen ist.
[0015] Zweckmäßig sind an der Grundplatte innere und äußere Positionierhilfsmittel 5 und
6 angebracht, beispielsweise Stifte, Zapfen oder Haken, die es gestatten, die Grundplatte
in eine feste Arbeitsposition bezüglich des rotierenden Poliertuches zu bringen und
in dieser zu halten.
[0016] In der jeweils dem Poliertuch zugewandten Arbeitsfläche der Grundplatte sind Austrittsöffnungen
7 vorgesehen, die bevorzugt als Schlitze gestaltet sind, welche nahezu die gesamte
Breite des Poliertuches überspannen. Es wurde gefunden, daß sich mit schlitzförmigen
Austrittsöffnungen eine besonders gleichmäßige Durchströmung des Poliertuches erzielen
läßt, und insbesondere die Ausbildung von schlecht durchströmten Bereichen, in denen
sich Polierrückstände im Poliertuchinneren absetzen oder gar anreichern können, verhindert
werden kann. Begünstigt wird dies außerdem durch die zu den Schlitzen parallel verlaufenden
Kanten der Grundfläche der bevorzugt leistenförmigen Grundplatte, welche dabei gewährleisten,
daß nahezu über die gesamte Poliertuchbreite die von der Aufbereitungsflüssigkeit
durchströmte Strecke gleich lang ist. Grundsätzlich ist nur ein derartiger Schlitz
für die Aufbereitung ausreichend. Vorteilhaft werden jedoch mindestens zwei, günstig
parallel zu den jeweils benachbarten Längskanten der Arbeitsfläche verlaufende, Schlitze
vorgesehen, da sich dann die beispielsweise durch apparate- oder verfahrenstechnisch
bedingte Ausnehmungen im Polierteller, wie Schlitze, Kanäle, Spalte oder Öffnungen,
hervorgerufenen Druckabfälle im sich zwischen diesem, dem Poliertuch und der Grundplatte
durch die zugeführte Aufbereitungsflüssigkeit auf bauenden Druckfeld weniger störend
auswirken. Dies gilt insbesondere für die Zweiseitenpolitur.
[0017] Bei der Dimensionierung der Schlitze ist insbesondere zu beachten, daß sie nur so
weit an den Poliertuchrand heranreichen, daß ein Durchbrechen der Aufbereitungsflüssigkeit
in diesem Bereich ausgeschlossen werden kann, was zum Zusammenbruch des Druckfeldes
und letztlich bis zur mechanischen Beschädigung des Poliertuches führen kann. Die
erforderliche Schlitzbreite wird zweckmäßig in Vorversuchen ermittelt; sie kann überschlagsmäßig
bei Kenntnis des zur Verfügung stehenden Druckes der Aufbereitungsflüssigkeit, im
Regelfall also des Leitungsdruckes der Wasserversorgung, abgeschätzt werden.
[0018] Eine andere Möglichkeit besteht beispielsweise darin, die aufbereitungsflüssigkeit
durch über die Unterseite der Grundplatte, vorteilhaft gleichmäßig, verteilte Austrittsöffnungen
mit rundem, ovalem oder polygonalem Querschnitt austreten zu lassen. Auch Anordnungen
mit gegeneinander versetzten oder gestaffelten, zu den Längskanten der Grundplatte
parallelen oder schräg verlaufenden sowie ringförmigen Schlitzgruppen sind denkbar,
sofern eine gleichmäßige Beaufschlagung des Poliertuches gewährleistet ist.
[0019] Bei der Aufbereitung von bei der Einseitenpolitur eingesetzten Poliertüchern sind
die Grundplatten an ihrer Oberseite geschlossen und die Austrittsöffnungen befinden
sich nur an der dem auf zübereitenden Poliertuch zugewandten Seite der Grundplatte.
Dies gilt auch, wenn bei Zweiseitenpolieranordnungen das obere und das untere Poliertuch
mittels separater, jeweils nur einseitig wirksamer Vorrichtungen aufbereitet werden
soll. Vorteilhafter ist in diesem Fall jedoch die Aufbereitung mit Hilfe von Grundplatten,
die Austrittsöffnungen an der Unter-und Oberseite besitzen und daher die gleichzeitige
Einwirkung der Aufbereitungsflüssigkeit auf das untere und das obere Poliertuch ermöglichen.
Dabei kann auch über den oberen Polierteller in der vom eigentlichen Poliervorgang
her bekannten Weise leicht der erforderliche Arbeitsdruck eingestellt werden.
[0020] Die oberen und unteren Austrittsöffnungen können dabei miteinander verbunden sein
und jeweils gemeinsamen Drucksystemen angehören oder aber getrennt und voneinander
unabhängigen Drucksystemen zugehörig sein.
[0021] Die Versorgung der Grundplatte bzw. der Austrittsöffnungen mit Aufbereitungsflüssigkeit
kann beispielsweise über Zulei tungen 8 erfolgen. Günstig werden dabei, aus den bereits
erwähnten Gründen, mindestens zwei voneinander getrennte Versorgungssysteme vorgesehen,
um gegenüber Druckschwankungen weniger empfindlich zu sein. Zweckmäßig sind die Zuleitungen
an eines oder mehrere Reservoire angeschlossen, in welchen die Aufbereitungsflüssigkeit
vorgelegt ist. Der erforderliche Arbeitsdruck kann auf verschiedene Art und Weise
erzeugt werden, beispielsweise hydrostatisch durch erhöhte Position der Reservoire
gegenüber der Grundplatte, oder durch auf die Flüssigkeit einwirkende Preßgase wie
z.B. Preßluft, oder durch Pumpen. Obwohl grundsätzlich der Arbeitsdruck nach oben
hin keinen Beschränkungen unterliegt, werden in der Regel diejenigen Drücke nur in
Ausnahmefällen eingesetzt, bei denen der apparative sowie der bedienungs- und sicherheitstechnische
Aufwand unverhältnismäßig hoch wird. In der Regel ist ohnehin der bei den üblichen
Flüssigversorgungssystemen, z.B. Wasserleitungen, vorgesehene Leitungsdruck ausreichend.
[0022] Figur 2 zeigt im Querschnitt schematisch in einer Anordnung zur Zweiseitenpolitur
die jeweils mit einem Poliertuch 2 bespannten unteren und oberen Polierteller 1, die
sich gegensinnig bewegen, beispielsweise rotieren. Dazwischen befindet sich die Grundplatte
4, aus deren oberen und unteren Austrittsöffnungen 7 und 7′, die zwei separaten Versorgungssystemen
angehören, Aufbereitungsflüssigkeit gedrückt wird. Wie durch die Pfeile angedeutet,
dringt diese durch die Poliertuchoberfläche in das Innere der beiden Poliertücher
ein, durchströmt dieses und tritt am Ende der Grundplatte wieder aus den Poliertüchern
aus. Die durchströmte Strecke entspricht dabei im wesentlichen dem Abstand zwischen
den Austrittsöffnungen und den Kanten der Grundplatte, hinter denen die Wirkung des
Druckfeldes aufhört, so daß die Aufbereitungsflüssigkeit wieder austreten kann. Auf
ihrem Weg durch das Poliertuchinnere löst sie dabei die dort abgelagerten, beim Polierprozeß
entstandenen Rückstände teils chemisch auf, teils mechanisch ab, führt sie gelöst
bzw. in Form von mobilisierten Partikeln im Flüssigkeitsstrom mit, und trägt sie
schließlich beim Austreten aus dem Poliertuchinneren aus, welches dadurch bei genügend
langer Aufbereitungszeit in einen dem ursprünglichen nahekommenden, nahezu rückstandsfreien
Zustand übergeführt werden kann.
[0023] Im allgemeinen haben sich Aufbereitungszeiten von 2 bis 60, vorzugsweise 5 bis 20
Minuten als ausreichend erwiesen, um ein Poliertuch so weit zu regenerieren, daß es
im Polierergebnis hinsichtlich Abtragsrate und Scheibengeometrie wieder einem unverbrauchten
Poliertuch entspricht.
[0024] Das bei dem Aufbereitungsschritt dem Poliertuch im Bereich der Grundplatte aufgeprägte
Druckfeld besitzt seine höchsten Werte bei und zwischen den beiden Austrittsöffnungen.
Nach außen zu sinkt dann der Druck nahezu linear ab, bis er an den Kanten der Grundplatte
den Umgebungswert erreicht hat. Letztlich ergibt sich, vereinfacht betrachtet, ein
trapezförmiges Druckfeld, das an den Stirnflächen gestört ist. Wenn der Druck der
aus den Austrittsöffnungen ausströmenden Aufbereitungsf lüssigkeit den erforderlichen
Grenzwert übersteigt, wird die Grundplatte gegenüber dem unteren Poliertuch und
das obere Poliertuch gegenüber der Grundplatte geringfügig angehoben, und es bildet
sich zwischen den Arbeitsf lächen und den Tüchern ein dünner, ebenfalls durchströmter
Spalt aus. Dieser wirkt in der Art eines hydrostatischen Lagers, so daß das Poliertuch
nicht mehr als Überträger von Druckkräften auf den Polierteller wirkt. Dies gilt sowohl
bei relativ zur Grundplatte ruhendem wie auch bewegtem Poliertuch. Wie bereits erläutert,
wird dieser Grenzwert zweckmäßig empirisch, hauptsächlich nach Poliertuchtyp sowie
Grundplatten- und Poliergerätverhalten in Vorversuchen ermittelt, da sich derartige
Faktoren oft schwer im voraus abschätzen lassen.
[0025] Bei der Aufbereitung wird eine Relativbewegung zwischen der Grundplatte und dem Poliertuch
eingestellt, so daß die im Bereich der Grundplatte aufgebaute durchströmte Zone nach
und nach, vorteilhaft wiederholt, das Poliertuch durchwandert. Dies kann bevorzugt
bei ruhender Grundplatte und bewegtem Tuch, grundsätzlich aber auch bei ruhendem Tuch
und bewegter Grundplatte oder Bewegung von beiden geschehen. Günstig werden jeweils
mehrere, über das Poliertuch verteilte durchströmte Zonen vorgesehen, schon um die
Aufbereitungsdauer kurz zu halten.
[0026] Voraussetzung für ein einwandfrei wirkendes Aufbereitungsverfahren ist jedoch, daß
die Poliertuchoberfläche nicht durch beim Poliervorgang entstandene Beläge zugeschmiert
ist und dadurch das Tuch nicht mehr durchströmbar ist. In solchen Fällen wird zweckmäßig
vor dem eigentlichen Aufbereitungsschritt die Poliertuchoberfläche soweit als möglich
von diesen Belägen befreit und dadurch zumindest wieder teilweise durchströmbar gemacht.
Dies kann in manchen Fällen beispielsweise durch Einwirken von stark alkalischen Zusätzen
erreicht werden. Manchmal ist jedoch ein Wechsel des Poliertuches unvermeidbar.
[0027] Der eigentliche Aufbereitungsvorgang kann wie folgt durchgeführt werden: Zunächst
wird nach Entnahme der polierten Scheiben quer über das nunmehr freie, auf dem unteren
Polierteller aufgespannte Poliertuch die vorgesehene Anzahl Grundplatten in die vorgesehene
Arbeitsposition aufgelegt. Diese Anzahl entspricht vorteilhaft bei der Einseitenpolitur
der Anzahl der vorhandenen Druckstempel, mittels derer dann bei der Aufbereitung jeder
Grundplatte ein bestimmter, dem durch die Aufbereitungsflüssigkeit erzeugten Auftrieb
entgegenwirkender Arbeitsdruck aufgegeben werden kann. Bei der Zweiseitenpolitur
werden zweckmäßig mindestens drei gleich dicke Grundplatten gleichmäßig über den unteren
Polierteller verteilt und dann zur Erzeugung des Arbeitsdruckes der obere Polierteller
abgesenkt. Nun wird die Flüssigkeitszufuhr geöffnet, und die Aufbereitungsflüssigkeit
strömt mit dem vorgesehenen Druck auf die Poliertuchoberfläche, dringt in das Innere
ein und strömt schließlich am Rand der Arbeitsfläche der Grundplatte wieder aus dem
Poliertuch heraus, wobei nach und nach die im Poliertuch befindliche Flüssigkeit verdrängt,
die Rückstände gelöst und mobilisiert und schließlich ausgetragen werden. Nach Ausbildung
des durchströmten Spaltes zwischen Grundplatte und Poliertuch, die sich beispielsweise
bei Überwachung des Flüssigkeitsdruckes durch eine Druckstabilisierung und -konstanz
erkennen läßt, können der bzw. die Polierteller in Drehung versetzt werden; die Drehgeschwindigkeit
kann in der Regel auf Werte bis zur Polierdrehzahl gesteigert werden, was jedoch nicht
zwingend vorgeschrieben ist. Wenn die vorgesehene Aufbereitungszeit, meist etwa 5
bis 20 Minuten, abgelaufen ist, wird die Drehbewegung gestoppt, die Flüssigkeitszufuhr
unterbrochen und die Druckstempel bzw. der obere Polierteller hochgefahren. Nun können
die Grundplatten entnommen werden, und eine erneute Polierfahrt kann beginnen.
[0028] Durch das erfindungsgemäße Aufbereitungsverfahren sowie die zu seiner Durchführung
geeigneten Vorrichtungen wird es ermöglicht, beim Polierprozeß, und zwar sowohl bei
der Ein- und Zweiseitenpolitur wie auch bei Kitt/Templateverfahren, bei langen Poliertuchstandzeiten
gleichbleibend hohe Abtragsraten zu erzielen und gleichzeitig über die gesamte Einsatzdauer
des Poliertuches hinweg eine hohe geometrische Präzision der polierten Scheiben (insbesondere
hinsichtlich der Ebenheit) aufrechtzuerhalten. Es eignet sich insbesondere zum Einsatz
bei Polierprozessen, bei denen eine hohe geometrische Präzision des Produktes gefordert
ist, also in erster Linie für Halbleiterscheiben, insbesondere aus Silicium, Germanium
oder Galliumarsenid, oder Scheiben für magnetische Speicher auf Basis von beispielsweise
Gallium-Gadolinium-Granat, aber auch für Scheiben zum Einsatz in optischen Systemen
aus Glas oder Quarz.
[0029] Nachstehend wird das erfindungsgemäße Verfahren an Hand eines Ausführungsbeispiels
näher erläutert:
Beispiel:
[0030] In einer handelsüblichen Anordnung zum zweiseitigen Polieren von Siliciumscheiben
wurden der obere und der untere runde Polierteller mit einem gebräuchlichen poromeren
Poliertuch auf Polyester/Polyurethanbasis (Poliertuchbreite ca. 50 cm) bespannt. In
dieser Apparatur wurde unter üblichen Polierbedingungen (Temperatur ca. 40°C, Druck
ca. 50 kPa) eine Folge von Polierfahrten durchgeführt. Dabei wurden jeweils Chargen
von 25 Siliciumscheiben (Durchmesser ca. 150 mm, Dicke ca. 675 µm, (100)-Orientierung)
für 30 Minuten unter Zufuhr einer im Handel erhältlichen alkalischen, ein SiO₂-Sol
enthaltenden Polierlösung poliert.
[0031] Anschließend wurde der Poliervorgang beendet, der obere Polierteller hochgefahren
und die polierten Scheiben entnommen. Zur Ermittlung der Abtragsrate wurde die Scheibendicke
vermessen; sie betrug ca. 615 µm, entsprechend einem durchschnittlichen Abtrag für
alle Scheiben von ca. 60 µm. Die geometrische Qualität der erhaltenen Scheiben wurde
an Hand des "TTV"-Wertes ("Total Thickness Variation", totale Dickenvariation) beurteilt,
der dem Absolutbetrag der Differenz des maximalen und minimalen gemessenen Dickenwertes
einer Scheibe aus einer Vielzahl von Punktmessungen entspricht. Die Messung wurde
in bekannter Weise mit Hilfe eines handelsüblichen Meßgerätes mit einer kapazitiven
Methode vorgenommen, bei der die Scheibe mittels zweier Sonden bekannten Abstandes
von beiden Seiten gleichzeitig abgetastet wird. Der dabei ermittelte Durchschnittswert
für alle Scheiben betrug ca. 1µm.
[0032] Zur Aufbereitung des Poliertuches, das an einigen Stellen eine leicht bräunliche
Verfärbung erkennen ließ, wurden nun im 120°-Winkel zueinander drei analog den Figuren
gestaltete, leistenförmige Grundplatten (Länge ca. 50 cm, Breite ca. 25 cm, Dicke
ca. 3 cm) aus Polyvinylchlorid auf den unteren Polierteller aufgelegt und mit Hilfe
von äußeren und inneren Zapfen in ihrer Arbeitsposition quer über dem Poliertuch befestigt.
Die obere und untere Arbeitsfläche der Grundplatte war jeweils in der Mitte mit einem
Paar von Schlitzen (Schlitzbreite ca. 3 mm, Schlitzabstand ca. 3 cm) versehen, die
bis auf etwa 2 cm an den inneren und äußeren Rand des Poliertuches heranreichten.
Über jeweils zwei voneinander unabhängige Zuleitungen konnten die auf der Ober- und
Unterseite jeder Grundplatte einander gegenüberliegenden Schlitze getrennt mit Aufbereitungsflüssigkeit
versorgt werden.
[0033] Diese bestand bei der Standardaufbereitung aus Wasser, bei der Aufbereitung nach
jeder zehnten Polierfahrt jedoch aus einer wässrigen Lösung von ca. 0.4 Gew% Kaliumcarbonat,
der zusätzlich ca. 0.05 Gew% Trimethylsilanol zugesetzt waren. Die Aufbereitungsf
lüssigkeit war in einem Reservoir vorgelegt und konnte mit dem im Gebäude vorliegenden
Wasserleitungsdruck von von ca. 500 kPa auf die Poliertücher aufgebracht werden.
[0034] Nun wurde der obere Polierteller nach unten gefahren und mit einem Druck von ca.
50 kPa auf die Grundplatten aufgelegt. Danach wurde die Zufuhr der Aufbereitungsflüssigkeit
aufgenommen, bis durch die gleichmäßig an den Rändern der Grund platten aus dem
Poliertuch austretende Flüssigkeit zu erkennen war, daß sich ein geeignetes Druckfeld
aufgebaut hatte. Jetzt konnten der obere und untere Polierteller in gegensinnige Drehung
versetzt werden, und der eigentliche Aufbereitungsvorgang begann, bei dem durch die
das Poliertuch durchströmende Flüssigkeit nach und nach die Rückstände des Poliervorganges
im Poliertuchinneren mobilisiert und ausgetragen wurden. Als dieser Vorgang nach etwa
10 Minuten beendet wurde, war auf dem Poliertuch keine Verfärbung mehr zu erkennen.
[0035] Die nachfolgende Polierfahrt erbrachte hinsichtlich Abtrag und Scheibengeometrie
("TTV"-Wert) die selben Ergebnisse wie die vorhergehende.
[0036] In der hier dargestellten Weise wurden nacheinander sechzig Polierfahrten, jede gefolgt
von einer zehnminütigen erfindungsgemäßen Poliertuchaufbereitung, durchgeführt. Auch
danach lag der Abtrag unverändert bei ca. 60 µm und der "TTV"-Wert bei ca. 1 µm. Das
Poliertuch ließ keinerlei braunen Belag erkennen.
[0037] In einem Vergleichsversuch wurde in der gleichen Anordnung, mit neu aufgespannten
und frischen Poliertüchern derselben Spezifikation, unter den gleichen Polierbedingungen
eine weitere Reihe von Polierfahrten durchgeführt. Die dazwischengeschalteten Aufbereitungsschritte
wurden jedoch in der konventionellen Art und Weise durchgeführt, indem Bürsten zwischen
die Polierteller gelegt wurden, welche anschließend in gegensinnige Drehung versetzt
wurden. Gleichzeitig wurde dabei über das Poliermittelzugabesystem eine Lösung aus
Methanol/Wasser zugeführt. Der Aufbereitungsvorgang dauerte ebenfalls zehn Minuten.
[0038] Von Polierfahrt zu Polierfahrt konnte eine allmähliche Abnahme der Abtragsrate und
eine Verschlechterung der Scheibengeometrie beobachtet werden. Bei der zwanzigsten
Polierfahrt betrug der Abtrag trotz regelmäßiger Tuchaufbereitung nur noch ca. 36
µm, während sich der "TTV"-Wert auf ca. 2.5 µm verschlechtert hatte, wobei die Dickenvariation
insbesondere im Randbereich der Scheiben angestiegen war. Zugleich hatte sich an einigen
Stellen der Poliertücher ein brauner Belag aufgebaut, der sich durch die Aufbereitung
nicht mehr entfernen ließ.
1. Verfahren zur Poliertuchaufbereitung beim chemomechanischen Polieren, insbesondere
von Halbleiterscheiben, durch Einwirkung von Flüssigkeit auf das Poliertuch, dadurch
gekennzeichnet, daß nach dem Poliervorgang eine Aufbereitungsflüssigkeit unter Drucke
inwirkung zum Durchströmen des Poliertuches gebracht wird, wobei durch den Flüssigkeitsstrom
die im Inneren des Poliertuches während des Poliervorganges entstandenen Rückstände
mobilisiert und zumindest teilweise ausgetragen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine wässrige alkalische
Lösung als Aufbereitungsflüssigkeit eingesetzt wird.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß eine Alkalihydroxid
oder Alkalicarbonat gelöst enthaltende wässrige Lösung als Aufbereitungsflüssigkeit
eingesetzt wird.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die Aufbereitungsflüssigkeit als Zusatz Organosilanol, insbesondere Trialkylsilanol
enthält.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
daß das Durchströmen des Poliertuches zonenweise erfolgt.
6. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche
1 bis 5, bestehend aus einer das Poliertuch (2) quer überspannenden Grundplatte (4)
mit mindestens einer ebenen, mit Austrittsöffnungen (7) für die Aufbereitungsflüssigkeit
versehenen Arbeitsfläche, sowie mit mindestens einem die Einspeisung der aufbereitungsflüssigkeit
unter Druck gestattenden Zuleitung (8).
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Grundplatte (4) leistenförmig
ausgebildet ist.
8. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 6 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
daß als Austrittsöffnung (7) mindestens ein Schlitz vorgesehen ist.
9. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
daß als Austrittsöffnungen (7) in jeder Arbeitsfläche mindestens zwei zu deren benachbarten
Längskanten parallele Schlitze vorgesehen sind, deren Länge geringer ist als die Breite
des aufzubereitenden Poliertuches (2).
10. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet,
daß die Einspeisung der Aufbereitungsflüssigkeit über mindestens zwei getrennte Versorgungssysteme
erfolgt und die Austrittsöffnungen (7,7′) mindestens zwei voneinander unabhängige
Freigabesysteme bilden.