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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE DE IT SE |
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Priorität: |
10.08.1989 DE 3926459
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Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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20.02.1991 Patentblatt 1991/08 |
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Patentinhaber: SMS SCHLOEMANN-SIEMAG AKTIENGESELLSCHAFT |
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40237 Düsseldorf (DE) |
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Erfinder: |
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- Feldmann, Hugo, Dr.
D-5110 Alsdorf-Warden (DE)
- Albedyhl, Manfred
D-4020 Mettmann (DE)
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Vertreter: Müller, Gerd, Dipl.-Ing. et al |
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Patentanwälte
Hemmerich-Müller-Grosse
Pollmeier-Valentin-Gihske
Hammerstrasse 2 57072 Siegen 57072 Siegen (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
AT-B- 325 382 DE-A- 2 205 657 DE-B- 1 233 893 US-A- 2 710 550
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DD-A- 133 761 DE-A- 3 810 261 DE-B- 1 272 949
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- Stahl und Eisen 105 (1985) Nr.22, S.1297, 1298
- Stahl und Eisen 108 (1988) Nr.22, S.1077, 1078
- Atlas zur Wärmebehandlung der Stähle, Band 2 (1972) S. 26,27,30,31
- Dissertation N. Hannane an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen,
16.12.1988, S.58-63, Tabelle 7 und Bilder 21,22,27-29
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[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von thermomechanisch
behandeltem Walzgut aus Stahl mit kreis- oder kreisringförmigem Querschnitt mittels
eines Planeten-Schrägwalzwerks, wobei die Umformung des Walzgutes in einem bestimmten
Temperaturbereich erfolgt.
[0002] Es sind auf dem Gebiet der Herstellung von Walzprodukten aus Stahl verschiedene Verfahrenstechniken
bekannt, und zwar das normalisierende Umformen aes Walzgutes und das thermomechanische
Umformen des Walzgutes. Bei normalisierendem Umformen des Walzgutes findet die Endumformung
im Bereich der Normalglühtemperatur mit vollständiger Rekristallisation des Austenits
statt, während beim thermomechanischen Umformen des Walzgutes Temperaturbereicne für
eine gezielte Umformrate eingehalten werden, bei denen der Austenit nicht oder nicht
wesentlich rekristallisiert. Bei den bisherigen Verfahren zur thermomechanischen Behandlung
von Walzgut aus Stahl wird als Gefügezustand der Zustand des Austenitgefüges vorausgesetzt,
der vor der thermomechanischen Behandlung des Walzgutes vorgelegen hat. Die Einstellung
des Austenitgefüges kann daher unmittelbar aus der Gießwärme erfolgen wie beim Direktwalzen,
oder in einem Vorwärmofen von Raumtemperatur aus wie beim Kalteinsatz oder aber in
einem Ofen von einer Zwischentemperatur aus wie beim Heißeinsatz. In jedem Fall liegt
aber vor der eigentlichen thermomechanischen Behandlung des Walzgutes ein Austenitgefüge
vor, das entweder keine oder nur geringe Anteile von Keimen oder Gefügeanteilen der
bei niedrigerer Temperatur beständigen Phase enthält.
[0003] Aus der US-A-2 710 550 ist ein Verfahren und eine Anlage für die Hochumformung von
Walzgut bekannt. Das Dokument beschreibt ein für die Hochumformung geeignetes Planeten-Walzgerüst
mit einer Hochumformeinheit mit nachgeschalterer Kühleinrichtung sowie einem Nachwalzwerk.
Der eigentliche Walzvorgang erfolgt durch Eingriff einer endlosen Folge von Planetenrollen
in das Walzgut, wobei diese das Material im Zustand einer in zwei Richtungen wirkenden
Kompression verdichten und verformen, indem die Bramme einer großen Anzahl schnell
aufeinanderfolgender kleiner Verformungsschritte ähnlich einem Schmiedeprozeß aus
ihrer durch Gußerstarrung bedingten dendritischen Struktur verformt wird. Dabei erfolgt
diese Verformung ohne Zugbeanspruchungen durch in kurzen Intervallen folgende reine
Druckkräfte. Die Bramme wird mittels hoher Vorschubkräfte unter konstant langsamem
Vorschub in die Walzzone eingeführt. Das Walzgut wird darin einer kraftvollen Umformung
seiner beiden entgegengesetzten Seiten in einem einzigen keilförmigen Durchgang durch
mit hoher Geschwindigkeit folgende inkrementelle Reduktionsschritte unterzogen. Die
Reduktion beginnt am Anfang der Walzzone und wird entlang eines keilförmigen Übergangs
bis zur Endabmessung des Walzgutes am Ende der Walzzone durchgeführt. Ein Wärmeverlust-
durch Abstrahlung und/oder Wärmeleitung wird durch Verformungsarbeit derart ausgeglichen,
daß die Bramme innerhalb der Walzzone bei zweckmäßiger Temperatur gehalten wird. Es
wird die durch die Verformungsarbeit entstehende Wärme genutzt, um die vorhergehende
Erwärmung zu reduzieren. Die Temperatur kann beispielsweise durch ein regelbares Verhältnis
zwischen Zuführgeschwindigkeit und Geschwindigkeit der Folge von Inkrementeilen Walzstichen
kontrolliert werden. Die Bramme kann bis zu einer Temperatur oberhalb des Bereichs
der Blaubrüchigkeit, jedoch unterhalb der aktiven Verzunderungstemperaturen aufgeheizt
werden. Durch Anwendung streng zweidimensionaler Druckkräfte werden Gefügerisse im
Walzprodukt verhindert. Soweit dem Dokument Angaben über Temperaturbereiche beim Walzprozeß
entnehmbar sind, kann das Walzgut auf 400 bis 500° Celsius bzw. im Fall von eisenhaltigem
magnetischen Metall vollständig innerhalb des magnetischen Bereiches, d.h. <A
1 vorgewärmt werden oder die Walztemperatur 816°C (1500°F) betragen im Fall von niedrig
kohlenstoffhaltigem Stahl. Angaben über das Ausmaß eines Temperaturanstiegs beim Walzen
von Stahl finden sich nicht.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur thermomechanischen Behandlung von
Walzgut aus Stahl mit kreis- oder kreisringförmigem Querschnitt anzugeben, das die
Herstellung von Walzprodukten mit einer besonders günstigen Kombination von Festigkeits-
und Zähigkeitseigenschaften ermöglicht.
[0005] Diese Aufgabe wird mit der Erfindung gelöst gemäß Anspruch 1.
[0006] Die Umwandlung des ferritschen oder ferritisch-perlitischen Ausgangsgefüges in ein
austenitisches oder ferritisch-austenitisches Gefüge geschieht erfindungsgemäß unter
dem Einfluß einer intensiven Umformung und der damit verbundenen Aufwärmung des Walzgutes.
Gegenüber einer Fremderwärmung von außen stellt sich bei der Umformung des Walzgutes
gemäß der Erfindung eine besonders gleichmäßige Durchwärmung über den gesamten Querschnitt
des Walzgutes ein. Der sich unter diesen Bedingungen ausbildende Austenit ist reich
an Keimen der bei niedriger Temperatur beständigen Phase und weist eine besonders
feinkörnige Struktur auf. Die nachfolgende Rückumwandlung des verformten Austenits
führt, wie die Praxis gezeigt hat, zu einer extrem feinkörniger Ausbildung des Gefüges
mit vorteilhafter, erheblicher Verbesserung der Festigkeits- und Zähigkeitseigenschaften
sowie der damit verbundenen, wesentlichen Erhöhung der Streckgrenzwerte und Kerbschlagzähigkeit
des Walzproduktes.
[0007] Aus der deutschen Offenlegungsschrift 3810261 ist ein Verfahren zum Herstellen von
Rohren. Stangen und Bändern bekannt, bei dem ein Barren in solcher Weise bearbeitet
wird, daß die Temperatur des zu verarbeitenden Werkstoffes aufgrund des Einflusses
des Widerstandes gegen die Verformung bis zum Rekristallisationsbereich ansteigt.
Dieses bekannte Verfahren bezieht sich jedoch nicht auf die thermomechanische Behandlung
von Walzgut aus Stahl, sondern auf die Herstellung von Rohren. Stangen und Bändern
aus Nichteisenmetall.
[0008] Ferner kann durch den Anstich von kaltem oder von nicht höher als bis zur Ac
1 Temperatur (Fe-C-Diagramm) erwärmten Vormaterial eine Verzunderung in so starkem
Maße unterdrückt werden, daß beispielsweise bei der Walzung von Stahlrohren die Rohrinnenfläche
frei von ansonsten durch Zunder hervorgerufenen Fehlern ist. Insbesondere ergeben
sich dadurch auch Verbesserungen in bezug auf die Oberflächenrauhigkeit des Walzproduktes.
Im übrigen wird auch durch die geringere Vorwärmtemperatur und die kürzere Verweilzeit
bei erhöhten Temperaturen die Entkohlung gegenüber herkömmlich gewalztem Material
aus Stahl wesentlich reduziert. Die gegebenenfalls vorzunehmende Erwärmung des Vormaterials
kann hierbei fallweise auf das Kopfstück des Walzgutes beschränkt bleiben und in gasbeheizten
Vorwärmöfen oder auch induktiv erfolgen. Um bei der Endumformung des Walzgutes in
den für die thermomechanische Walzung günstigsten Temperaturbereich zu kommen, muß
jedoch die Anstich-Temperatur des Walzgutes in Abhängigkeit vom gewünschten Umformgrad
festgelegt werden.
[0009] Zur Durchführung des Verfahrens gemäß der Erfindung ist eine in der Zeichnung schematisch
dargesteilte Anlage vorgesehen.
[0010] Diese Anlage besteht aus einer Vorwärmeinheit (I) für das Walzgut, einer Hochumformeinheit
(II) mit nachgeschalteter Kühleinrichtung (III) und einem Nachwalzwerk bzw. Maßwaizwerk
(IV). In der Hochumformeinheit (II) erfolgt die Umformung des Walzgutes aus Stahl
mit kreis- oder kreisringförmigem Querschnitt gemäß der Erfindung. Hierdurch wird
eine wesentliche Erhöhung der Streckgrenzwerte und der Kerbschlagzähigkeit des Walzproduktes
erreicht. Als Hochumformeinheit kommt ein Planeten-Schrägwalzwerk zur Anwendung. Zur
weiteren Verbesserung der Werkstoffeigenschaften kann in der der Hochumformeinheit
(II) nachgeschalteten Kühleinrichtung (III) eine beschleunigte Kühlung des Walzgutes
mit Hilfe von Kühlmedien wie Wasser. Luft oder Wasser-Luftgemisch vorgenommen werden.
1. Verfahren zur Herstellung von thermomechanisch behandeltem Walzgut aus Stahl mit kreis-
oder kreisringförmigem Querschnitt mittels eines Planetenschrägwalzwerks,
dadurch gekennzeichnet,
daß
a) das Walzgut vor seiner Umformung nicht höher als bis zur AC1-Temperatur erwärmt wird und ein ferritisches oder ferritischperlitisches Ausgangsgefüge
hat,
b) die Umformung bei einer diesen Ausgangsgefügen entsprechenden Temperatur - unterhalb
der Existenz eines austenitischen oder ferritisch-austenitischen Gefüges - beginnt,
und
c) unter dem Einfluß der Umformung des Walzgutes und der damit verbundenen Aufwärmung
des Walzgutes die Temperatur im Walzgut bis dicht oberhalb oder dicht unterhalb der
Umwandlungstemperatur Ac3 des ferritisch oder ferritisch-perlitischen Ausgangsgefüges
in ein austenitisches Gefüge gesteigert wird.
1. Process for the production of thermomechanically treated rolled stock made of steel
with a circular or annular cross section by means of a planetary cross rolling mill,
characterized in that
a) the rolled stock is not heated to higher than AC1 temperature before its shaping and has a ferritic or ferritic-pearlitic initial structure,
b) the shaping begins at a temperature corresponding to these initial structures -
below the existence of an austenitic or ferritic-austenitic structure, and
c) under the influence of the shaping of the rolled stock and the associated heating
of the rolled stock, the temperature in the rolled stock is increased to just above
or just below the conversion temperature AC3 of the ferritic or ferritic-pearlitic initial structure into an austenitic structure.
1. Processus de fabrication de matières laminées en acier à section circulaire ou en
forme d'anneau de cercle traitées thermomécaniquement par un laminoir planétaire à
cylindres obliques,
caractérisé par le fait que,
a) avant leur formage les matières laminées ne sont pas chauffées à une température
supérieure à Ac1 et ont une texture initiale ferritique ou ferritique-perlitique,
b) le formage commence à une température correspondant à ces textures initiales -
au-dessous de la présence d'une texture austénitique ou ferritique-austénitique, et
c) sous l'influence du formage des matières laminées et de leur échauffement qui y
est lié, la température dans les matières laminées augmente jusque tout juste au-dessus
ou tout juste au-dessous de la température de transformation Ac3 de la texture initiale ferritique ou ferritique-perlitique en une texture austénitique.