[0001] Die Erfindung betrifft einen Schuh, insbesondere einen Sportschuh, mit einem den
Zehenbereich überdeckenden Schaftabschnitt (Blatt).
[0002] Zur Sportausübung sind in der Regel Sportschuhe erforderlich, die einen engen Paßsitz
haben, d. h. deren Schaft weitgehend in engem Kontakt mit dem Fuß des Sportlers steht.
Jedoch kann nicht jedes Schaftmaterial den Verformungen, die der Fuß bei der Bewegung
und insbesondere beim Abrollvorgang erfährt, in gleicher Weise folgen. Das hat zur
Folge, daß der Schaft in bestimmten Biegezonen eine andere Verformung als der Fuß
erfährt und insbesondere an solchen Stellen, an denen er gestaucht wird, Stauchfalten
bildet. Eine solche Zone, in der sich leicht Stauchfalten bilden können, ist der den
Zehenbereich überdeckende Schaftabschnitt, das Blatt. Dort erfährt der Schuh beim
Abdruck am Ende des Abrollvorganges eine Verbiegung um nahezu 90° nach oben. Hierbei
treten im Blatt Stauchfalten auf, die sich teils nach außen, teils nach innen bilden
und von denen die nach innen gerichteten Stauchfalten auf die Zehen des Sportlers
drücken. Die Druckwirkung ist um so stärker, je kräftiger das Schaftmaterial ist,
und äußert sich deshalb besonders bei solchen Sportschuhen, die auf der Schaftaußenseite
noch durch einen Besatz aus Leder oder dgl. verstärkt sind, um die seitliche Stützung
zu verbessern. Um daraus resultie rende schmerzhafte Druckstellen zu vermeiden, ist
es bereits bekannt, den Besatz zu beiden Seiten des Schuhes örtlich mit Einkerbungen
oder Ausschnitten zu versehen und außerdem den Zehenraum des Schuhes (Zehenbox) nach
oben hin so geräumig zu halten, daß dort der Schaft nicht unmittelbar auf dem Fuß
aufliegt. Die genannten seitlichen Einkerbungen oder Ausschnitte des Besatzes bringen
zwar eine Verbesserung, indem sie eine Stauchfaltenbildung in diesem verstärkten
Bereich vermindern, jedoch haben sie nur eine geringe Auswirkung auf das Blatt selbst.
Der geräumige Zehenraum hingegen ist nicht in jedem Fall eine befriedigende Lösung,
weil manche Sportler die dadurch mögliche Bewegungsfreiheit als mangelnden Halt empfinden
und das Blatt überdies hierbei zur Bildung einer größeren Stauchfalte (anstatt mehrerer
kleiner Stauchfalten) neigt, die doch auf die Zehenoberseite des Sportlers drücken
kann.
[0003] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, bei Sportschuhen mit engem Paßsitz
Stauchfalten und daraus resultierende schmerzhafte Druckstellen im Blatt zu vermeiden.
[0004] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß im Blatt eine über dem Zehenbereich quer verlaufende
Aussparung ausgebildet und durch ein Material abgedeckt ist, das weicher als das Schaftmaterial
ist.
[0005] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, daß Stauchfalten im Schaftmaterial
selbst nur dann vermieden werden können, wenn ein Stauchdruck in dem gebogenen Schaftabschnitt
vermieden wird. Dadurch, daß in dem gefährlichen Bereich über den Zehenoberseiten
im Schaftmaterial des Blattes eine Aussparung vorgesehen ist, kann an dieser Stelle
ein Stauchfalten erzeugender Druck nicht übertragen werden. Bei der Biegung können
sich die Ränder der Aussparung unbehindert einander nähern, weil das die Aussparung
bedeckende Material, das ein weiches Gewebe oder Leder ist, zur Übertragung eines
Druckes nicht in der Lage ist. Wenn das die Aussparung bedeckende Material selbst
eine Falte bildet, die sich nach innen richtet und auf die Zehenoberseite drückt,
hat dies keine schmerzhafte Druckstelle zur Folge, weil dieses Material sehr weich
ist. Darüber hinaus kann man durch eine bestimmte Auswahl des Materials oder der
Befestigung des Materials an der Aussparung dafür sorgen, daß eine Faltenbildung
nicht auftritt oder sich jedenfalls nicht in das Schuhinnere richtet. Die Faltenbildung
läßt sich praktisch ganz unterbinden, wenn als Material zur Abdeckung bei der Aussparung
ein Stretchgewebe oder dgl. eingesetzt wird, das mit einer gewissen Dehnung die Aussparung
überspannt. Wird der Schaft im Bereich der Aussparung gebogen, so wird zunächst die
Vordehnung in dem Material abgebaut, bis dieses von einer Zugspannung völlig entlastet
ist. Erst bei weiterer Biegung bildet sich eine Falte aus, deren Ausmaß jedoch dann
gering bleibt. Andererseits läßt sich auch durch ein Zuviel an Material über der Aussparung
und dessen Befestigung so, daß sich von vornherein eine nach außen gerichtete Falte
einstellt, eine nach innen gerichtete Stauchfalte bei einer Schaftbiegung verhindern.
Denn bei einer solchen Biegung verstärkt sich dann nur die bereits vorhandene, nach
außen gerichtete Falte. Schließlich ist es auch möglich, das die Aussparung bedeckende
Material nicht im Schuhinneren, sondern auf der Schaftaußenseite zu befestigen. In
diesem Fall liegen die Aussparungsränder unter dem bedeckenden Material und begünstigen
eine Faltenbildung nach außen.
[0006] Da das Blatt des Schuhschaftes in der Regel nach oben gewölbt ist, ist die Stauchfaltenbildung
normalerweise in der Blattmitte am stärksten, während sie zu den beiden Seiten des
Schuhes hin geringer wird. Deshalb läßt sich der von der Erfindung beabsichtigte Effekt
auch schon dann erzielen, wenn die Aussparung sich nicht über die ganze Blattbreite
hinweg erstreckt, sondern nur in dem mittleren Abschnitt ausgebildet ist. Jedoch erzielt
man den besten Effekt, wenn die Aussparung sich quer über das Blatt zwischen denjenigen
Teilen erstreckt, in denen der Schaft steil nach unten zur Sohle hin abfällt. Dies
sind auch diejenigen Teile, in denen ein Verstärkungsbesatz vorgesehen ist, wenn eine
besonders gute seitliche Stützung gewünscht wird. Grundsätzlich genügt auch als Form
für die Aussparung ein schmales Rechteck, das quer über das Blatt verläuft. In Anpassung
an die geringere Ausprägung der Faltenbildung an den Enden der Aussparung ist es aber
zweckmäßig, die Enden spitz auslaufen zu lassen, so daß der Abstand der Aussparungsränder
voneinander in der Mitte am größten ist. Zweckmäßig erweist sich auch eine sichelförmige
Gestaltung der Aussparung, wobei die Krümmung nach vorne weist.
[0007] Der maximale Abstand der gegenüberliegenden Aussparungsränder voneinander, d. h.
die maximale Breite der Aussparung sollte so groß sein, daß beim Abbiegen des Vorschuhes
diese Ränder nicht oder nur mit unwesentlichem Druck zur gegenseitigen Anlage gelangen.
Das bedeutet, daß normalerweise eine maximale Breite von 5 bis 10 mm ausreichend ist.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist nachfolgend anhand der beiliegenden Zeichnungen
näher erläutert. In den Zeichnungen zeigen die Fig. 1 und 2 eine Seitenansicht bzw.
eine Draufsicht auf den Vorderteil eines erfindungsgemäßen Sportschuhes.
[0009] Der abgebildete Sportschuh, von dem nur der hier interessierende Vorderteil gezeigt
ist, besteht im wesentlichen aus einem Schaft 1, einer Zwischensohle 2 und einer mit
einem - nicht gezeigten - Profil versehenen Laufsohle 3. Vor dem im ganzen mit 4 bezeichneten
Schnürbereich er streckt sich bis zur Schuhspitze 5 das Blatt 6 des Schaftes 1.
Um die Schuhspitze 5 herum und über die Seitenteile des Blattes 6 hinweg bis seitlich
von der Schnürung 4 ist auf der Außenseite des Schaftes 1 in dem Teil, in welchem
der Schaft praktisch senkrecht nach unten zur Sohle 2, 3 hin abfällt, ein Außenbesatz
7 befestigt. Der Außenbesatz 7 dient als Schaftverstärkung und zur besseren Stützung
des Fußes gegenüber seitlichen Kräften. An der Schuhspitze 5 ist über den Außenbesatz
7 örtlich hinweg die Sohlenspitze der Laufsohle 3 befestigt, z. B. angeklebt.
[0010] Das Material des Schaftes 1 ist Leder, Kunstleder oder dgl. oder auch ein steifes
Textilgewebe, z. B. Nylongeflecht.
[0011] Quer über das Blatt 6 hinweg, unmittelbar im Anschluß an die Oberkante des Außenbesatzes
7, ist im Schaftmaterial eine in der Draufsicht sichelförmige Aussparung vorgesehen,
deren Länge der Breite des vom Außenbesatz freien Blattes 6 entspricht und deren in
Schuhlängsrichtung gemessene Breite in der Schuhmittelachse am größten ist und etwa
8 mm beträgt. Die Aussparung 8 ist von einem Stück weichen Gewebes 9 unterlegt, das
auf der Innenseite des Schaftes durch eine Naht 10 befestigt ist. Das Stück Gewebe
9 dient dazu, die Formgebung des Schuhes im Blatt aufrechtzuerhalten, dort die Schaftinnenseite
mit dem Fuß in Kontakt zu halten, um einen guten Paßsitz zu vermitteln, und das Eindringen
von Feuchtigkeit und Schmutz zu vermeiden. Zu diesem Zweck soll das Gewebe all diejenigen
Eigenschaften aufweisen, die herkömmlicherweise von einem Schaftmaterial verlangt
werden. Zusätzlich hat das Gewebe 9 jedoch die Aufgabe, in dem vorstehend beschriebenen
Sinn die Übertragung von Stauchdruck zwischen dem Blatt 6 und dem Schaft im Bereich
der Schuhspitze 5 zu vermeiden, um hierdurch die Entstehung einer Stauchfalte zu verhindern.
Zu diesem Zweck ist das Gewebe im Vergleich zu dem übrigen Material des Schaftes 1
erheblich weicher und flexibler und in der Regel auch dünner. Dadurch kann es gegenüber
auftretenden Zugkräften in Schuhlängsrichtung zwar eine Entfernung der Ränder der
Aussparung 8 voneinander verhindern, jedoch nicht deren gegenseitige Annäherung
im Fall des Auftretens einer Biegung des vorderen Schuhteiles, wie eine solche beim
Abdruck mit dem Ballenbereich des Fußes entsteht. In dieser Situation nähern sich
die Ränder der Ausnehmung 8 einander, so daß das Gewebe 9 selbst eine Stauchfalte
bildet. Da das Gewebe 9 jedoch bestimmungsgemäß sehr weich und flexibel ist, erzeugt
die davon gebildete Stauchfalte selbst dann keinen schmerzhaften Druck auf der Zehenoberseite,
wenn diese Stauchfalte sich nach innen wölbt.
1. Schuh, insbesondere Sportschuh, mit einem den Zehenbereich überdeckenden Schaftabschnitt
(Blatt), dadurch gekennzeichnet, daß im Blatt (6) eine über dem Zehenbereich quer
verlaufende Aussparung (8) ausgebildet und durch ein Material (9) abgedeckt ist,
das weicher als das Schaftmaterial ist.
2. Schuh nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das die Aussparung abdeckende
Material ein Gewebe, eine Folie oder weiches Leder ist.
3. Schuh nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe ein Stretchgewebe
ist.
4. Schuh nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Aussparung
leicht sichelförmig mit einer nach vorne weisenden Krümmung ist.
5. Schuh nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Aussparung
an ihren beiden Enden spitz zuläuft und in ihrem Mittelabschnitt eine maximale Breite
von 5 bis 10 mm hat.
6. Schuh nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Aussparung
durch das die Aussparung abdeckende Material (9) unterlegt ist und das Material an
der Schaftinnenseite befestigt ist.
7. Schuh nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Material (9) im unverformten
Zustand des Schuhes eine nach außen gerichtete Falte bildet.