[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum elektrophoretischen Lackieren der Innenwände
von rotationssymmetrischen Metallbehältern nach dem Oberbegriff des Ansprüches 1.
[0002] Die Vorteile des elektrophoretischen Lackierens gegenüber anderen Lackiermethoden
bestehen unter anderem darin, daß sich eine gleichmäßige, gute Beschichtung der zu
lackierenden Flächen ergibt, keine Läuferbildung auftritt und deshalb Schleifarbeiten
nach dem Lackieren entfallen können und eine besonders gute Kantenbeschichtung erzielbar
ist. Das elektrophoretische Lackieren wird als Tauchlackierung durchgeführt, wobei
die zu lackierenden Werkstücke in ein Tauchbecken eingetaucht werden. Zwischen den
Werkstücken und der metallischen Wand des Tauchbeckens wird eine Spannungsdifferenz
erzeugt, die bewirkt, daß die in der Flüssigkeit gelösten oder dispergierten Harze
und Pigmente kolloidaler Größenordnung sich auf der Werkstückoberfläche niederschlagen.
Durch starke Rührbewegungen werden Pigmente und Bindemittel auf die Werkstückoberfläche
herangeführt. In der am zu lakkierenden Werkstück anhaftenden Diffusionsschicht beginnt
die Wanderung der Teilchen im elektrischen Feld und deren Abscheidung, wobei eine
Reihe von Reaktionen, wie Diffusion in der Schicht, Koagulation, Elektrolyse und Elektroosmose
eine Rolle spielen.
[0003] Handelt es sich bei dem Werkstück um einen Behälter, dessen Innenwand zu lackieren
ist, dann wird das Lackieren der Innenwand mittels einer Hilfselektrode durchgeführt,
die in das Innere des Behälters eingeführt wird. Das Innere des Behälters wird hierzu
mit dem Lack gefüllt. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine Elektrotauchlackierung,
bei der üblicherweise gleichzeitig die Außenwand des Behälters lakkiert wird. Hierbei
treten eine Reihe von Nachteilen auf.
[0004] Da der Behälter aufschwimmt, so lange er nicht gefüllt ist, ist es erforderlich,
eine Zwangsführung des Behälters im Tauchbecken vorzusehen. Wegen der üblicherweise
kleinen Behälteröffnungen ergeben sich relativ lange Befüll- und Entleerzeiten,
die oftmals wesentlich länger sind als die eigentliche Lackierzeit. Während des Tauchvorgangs
wird der Behälter taumelnd bewegt, um Fehlstellen durch Luft- oder Gasblasen zu vermeiden.
Weiterhin ist die extreme Schaumentwicklung im Tauchbad während des Befüll- und Entleervorgangs
als Nachteil zu verzeichnen. Insbesondere hat sich jedoch gezeigt, daß die Güte der
Beschichtung an der Innenwand schlechter ist als diejenige an der Außenwand, da im
Gegensatz zur Außenwand im Innern des Behälters keine Ruhebewegungen beim Bad durchgeführt
werden können.
[0005] Es besteht die Aufgabe, das Verfahren so zu verbessern, daß bei Verwendung einer
möglichst geringen Lackmenge eine optimale Beschichtung der Innenwand erzielbar ist.
[0006] Gelöst wird die Aufgabe mit den kennzeichnenden Merkmalen des Ansprüches 1. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind den Unteransprüchen entnehmbar.
[0007] Ein Ausführungsbeispiel wird nachfolgend anhand der Zeichnung näher erläutert, die
einen Behälter im Längsschnitt darstellt.
[0008] Der kreiszylindrisch ausgebildete Behälter 1 weist eine Längswand 2 sowie einen ersten
Boden 3 sowie einen zweiten Boden 4 auf. Der zweite Boden 4 ist mit einer zentrischen
Öffnung 5 versehen, die mittig zur Behälterlängsachse 6 verläuft. Die Behälterlängsachse
6 stellt gleichzeitig die Rotationsachse des rotationssymmetrisch ausgebildeten Behälters
1 dar.
[0009] In das Innere des Behälters 1 wird als erstes eine Elektrode 7 eingebracht, die als
Rohr ausgebildet ist und die eine Kontur aufweist, die dem Rotationsquerschnitt der
Innenwand des Behälters 1 angepaßt ist. Das Einbringen der Elektrode 7 erfolgt über
die Öffnung 5. Im Bereich der Öffnung 5 ist ein Lager 8 vorgesehen, das die Öffnung
5 abdichtet, jedoch eine Drehung des Behälters 1 relativ zum Lager 8 ermöglicht. Durch
dieses Lager 8 ist weiterhin ein Entlüftungsrohr 9 geführt. Die Elektrode 7 wird so
eingebracht, daß sie eine Lage gegenüber dem unteren Bereich der Innenwand des Behälters
1 einnimmt.
[0010] Nach dem Einbringen der rohrförmigen Elektrode 7 wird der Behälter in die in Figur
1 gezeigte Lage gekippt, bei der die Rotationsachse 6 des Behälters 1 geneigt zur
Horizontalen verläuft. Der Neigungswinkel α der Rotationsachse 6 relativ zur Horizontalen
10 wird bestimmt einerseits durch die Behälterlänge andererseits durch den Behälterdurchmesser,
derart, daß der Mittelpunkt 11 des Bodens 3 und der Punkt 12 der Innenwand, der die
halbe Behälterlänge definiert, auf einer Horizontalen liegen. über die rohrförmige
Elektrode 7 wird sodann Flüssiglack in das Behälterinnere gepumpt, wobei die Menge
so gewählt wird, daß der Flüssigkeitsspiegel 13 geringfügig höher liegt als die Punkte
11, 12. Um das Einfüllen zu erleichtern, weist die Elektrode 7 längs Ihrer Länge mehrere
Bohrungen auf. Der auf nicht dargestellten Rollen drehbar gelagerte Behälter 11 wird
nunmehr in Drehung versetzt und zwischen dem Behälter 1 und der Elektrode 7 eine Spannungsdifferenz
erzeugt. Es findet nunmehr eine Abscheidung von Lack in dem Bereich der Innenwand
statt, der vom ersten Boden 3 und der rechten Hälte der Längswand 2 gebildet wird.
[0011] Nachdem dieser Bereich beschichtet ist, wird der Behälter 1 um die Achse 14 mit dem
Winkel α in Gegenrichtung gekippt, um die Rotationsachse 6 gedreht und abermals eine
Spannungsdifferenz zwischen dem Behälter 1 und der Elektrode 7 erzeugt. Auf diese
Weise wird nunmehr der zweite Boden 4 und die linke Hälfte der Innenwand beschichtet.
Die vorerwähnte Achse 14 verläuft in der Mitte der Länge des Behälters 1 rechtwinklig
zur Rotationsachse 6.
[0012] Nach dem Beschichten der gesamten Innenwand des Behälters 1 wird der Flüssiglack
aus dem Behälterinnern entfernt, was beispielsweise durch Abpumpen über die rohrförmige
Elektrode 7 und der Restentleerung über das Entlüftungsrohr 9 erfolgen kann.
[0013] Während des gesamten Beschichtungsvorgangs nimmt die Elektrode 7 eine Lage ein,
bei der sie dem jeweils unteren Bereich der Innenwand gegenübersteht und bei der sie
über eine wesentliche Länge in den Flüssiglack eintaucht. Ihre Form sollte so sein,
daß sie an allen Stellen einen im wesentlichen gleichen Abstand zum jeweils unteren
Bereich der Innenwand einnimmt.
[0014] Soll gleichzeitig die Behälteraußenwand beschichtet werden, dann wird ein Tauchbecken
15 vorgesehen, dessen Beckenwand an der gleichen Spannung anliegt wie die Elektrode
7. In dieses Tauchbecken 15 taucht der Bereich des Behälters ein, der im wesentlichen
vom Flüssigkeitsspiegel 13 im Behälter innern bestimmt wird. Der Behälter 1 wird wie
vorgeschrieben um seine Rotationsachse 6 gedreht, so daß in der dargestellten Lage
die Außenseite der rechten Hälfte der Längswand 2 und der erste Boden 3 beschichtet
werden. Danach wird der Behälter 1 in eine horizontale Lage gekippt, nach rechts verfahren
und in Gegenrichtung gekippt, so daß bei einer abermaligen Drehung des Behälters nunmehr
der Boden 4 und die linke Hälfte der Längswand 2 innen und außen beschichtet werden.
[0015] Das Tauchbad 15 kann gleichzeitig zum Abführen der im Behälterinnern entstehenden
Prozeßwärme dienen. Ist ein solches Tauchbecken nicht vorgesehen, kann zur Kühlung
ein dem Tauchbecken 15 entsprechendes Kühlbecken verwendet werden oder der Behälter
1 wird während der Innenbeschichtung mit Wasser berieselt.
[0016] Nach dem Beschichten kann das Innere des Behälters 1 mit Spülflüssigkeit gespült
werden, wobei bei eingesetzter Elektrode 7 wie vorbeschrieben vorgegangen werden
kann. Gleiches gilt für die Oberflächenvorbehandlung vor dem Lackieren. Da während
der Beschichtung der Innenwand durch das Drehen des Behälters 1 die im Innern des
Behälters befindliche Lackflüssigkeit in Bewegung versetzt wird, ergibt sich eine
gute Beschichtungsqualität. Die Menge des Flüssiglacks, die zur Innenbeschichtung
benötigt wird, ist wesentlich geringer als das Innenvolumen des Behälters 1. Auf die
vorbeschriebene Weise können Behälter innen und außen beschichtet werden, die wesentlich
größer sind als das Tauchbecken 15.
[0017] Die Öffnung 5 braucht nicht mittig im Boden 4 angeordnet zu sein. Es ist auch eine
exzentrische Anordnung möglich. In diesem Fall muß dann die Füllmenge und die Form
der Elektrode 7 dem jeweils kleineren bzw. größeren Radius angepaßt werden.
1. Verfahren zum elektrophoretischen Lackieren der Innenwände von rotationssymmetrischen
Metallbehältern, bei dem über eine Behälteröffnung eine Harz- und Pigmentteile enthaltende
Flüssigkeit und eine Elektrode in das Behälterinnere eingebracht und sodann eine Spannungsdifferenz
zwischen Elektrode und Behälter erzeugt wird, wodurch sich Harz- und Pigmentteile
an der Innenwand abscheiden und nach dem Abscheiden einer vorgegebenen Lackschicht
die Elektrode entfernt und der Behälter entleert wird, dadurch gekennzeichnet, daß eine dem Rotationsquerschnitt der Innenwand näherungsweise angepaßte Elektrode
(7) verwendet wird, gegenüber der der Behälter (1) um seine Rotationsachse (6) drehbar
gelagert wird und die bei horizontaler Rotationsachse (6) des Behälters (1) im unteren
Bereich der Innenwand im Abstand zu dieser verläuft, in das Behälterinnere maximal
soviel Flüssigkeit eingebracht wird, bis deren Spiegel (13) die horizontal verlaufende
Rotationsachse (6) erreicht hat und der Behälter (1) um diese Rotationsachse (6)
bei feststehender Elektrode (7) gedreht wird, wenn die Spannungsdifferenz zwischen
Behälter (1) und Elektrode (7) angelegt ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß beim Drehen des Behälters (1) die Rotationsachse (6) geneigt zur Horizontalen
(10) verläuft, eine Flüssigkeitsmenge verwendet wird, bei welcher der Flüssigkeitsspiegel
(13) in der geneigten Stellung mindestens knapp über dem Mittelpunkt (11) des jeweils
tieferen Bodens (3, 4) und mindestens knapp über die halbe Länge der Innenwand reicht
und der Behälter (1) zuerst mit seinem einen Boden (3) und nach Kippen in Gegenrichtung
sodann mit seinem anderen Boden (4) nach unten weisend geneigt gedreht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Elektrode (7) ein Rohr verwendet wird, über das die Flüssigkeit in das Behälterinnere
eingebracht wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Behälter (1) während des Drehens an seiner Außenwand abgekühlt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Abkühlung durch ein Elektrotauchbad (15) erfolgt, in das der jeweils untere
Bereich des sich drehenden Behälters (1) eintaucht und dessen Behälterwand mit der
Elektrode (7) elektrisch verbunden ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Entleeren des Behälters (1) dieser mit Spülflüssigkeit in einer der
Lackflüssigkeit entsprechenden Menge gefüllt und bei Drehung in einer beim Lackieren
entsprechenden Lage gespült wird.