(19)
(11) EP 0 439 670 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.08.1991  Patentblatt  1991/32

(21) Anmeldenummer: 90110252.5

(22) Anmeldetag:  30.05.1990
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)5B21D 22/20
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT CH DE ES FR GB GR IT LI NL SE

(30) Priorität: 23.12.1989 DE 3942978
28.04.1990 DE 4013692

(71) Anmelder: COLUMBUS SYSTEM PATENT AG
CH-7000 Chur (CH)

(72) Erfinder:
  • Hellkuhl, Ludger
    D-4830 Gütersloh (DE)
  • Schumacher, Ferdinand
    D-4830 Gütersloh (DE)

(74) Vertreter: Neisen, Jürgen, Dipl.-Ing. 
Reinhardswaldstrasse 8
D-33332 Gütersloh
D-33332 Gütersloh (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Verfahren zur Vorbehandlung von Blech


    (57) Mit der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Vorbehandlung von Blech beschrieben, welches vor dem mechanischen Verformungsprozeß der Blechteile angewendet wird. Insbesondere eignet sich das Verfahren für Blechteile, die direkt nach ihrem Zuschnitt aber vor dem eigentlichen Verformungsprozeß mit ihrer Oberflächenbeschichtung beispielsweise in Form eines Pulverauftrages versehen werden.
    Die wesentliche Maßnahme besteht dabei darin, daß die Blechteile (2) ein- oder beidseitig mit einem Pulverauftrag versehen werden, der die Funktion einer Gleithilfe für den nachfolgenden Verformungsprozeß erfüllt. Dabei wird eine nicht vollflächig deckende Pulverschicht bzw. ein im Verhältnis zur normalen Pulverendbeschichtung geringfügiger Auftrag von Pulvermaterial auf das Blech vorgenommen. Dieser Pulverauftrag dient dann in den Formwerkzeugen als sogenanntes Gleit- bzw. Ziehhilfsmittel, welches Fette, öle, Folien oder dgl. ersetzen kann.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Vorbehandlung von Blech in Form von Blechteilen oder als Blechcoil aufgewickeltes Bandmaterial vor dem mechanischen Verformungsprozeß. Weiterhin wird eine Anlage zur Durchführung des Verfahrens agegeben.

    [0002] In der allgemeinen Blechverarbeitung zur Herstellung von Blechteilen oder Gerätegehäusen aus Blech ist es bekannt, als sogenannte Gleit- bzw. Ziehhilfsmittel Fette, öle, Folien oder dgl. einzusetzen.

    [0003] Der Nachteil dieser Behandlungsmethode besteht darin, daß diese Schutzmittel hinterher wieder chemisch oder mechanisch vom Blechteil entfernt werden müssen, so daß zusätzlich hohe Kosten anfallen und aufwendige sowie zum Teil umweltbelastende Verfahren eingesetzt werden müssen.

    [0004] Bei der Verarbeitung von vorbehandelten, z. B. verzinkten Blechen oder Galfanblechen entsteht in den Verformungsstationen ein Abrieb, der sich an den Werkzeugen festsetzen kann. Dieser Abrieb führt dann mehr oder weniger zu einer Klumpen- bzw. Körnerbildung, durch die dann an den zu verformenden Teilen Buckel oder kleine Beulen entstehen. Die Folge sind Oberflächenfehler, die die weitere Verwendung dieser Blechteile ausschließen.

    [0005] In der Autoindustrie ist ein ähnliches Problem ebenfalls bei verzinkten Blechen bekannt. Deshalb wird das Blech vor der Beschichtung mit einem sogenannten Gleitprimer versehen. Eine im Naßlackierungsverfahren aufgetragene, dünne Lackschicht auf dem Blechteil bewirkt, daß die Blechteile im Verformungsprozeß besser gleiten können und an den Werkzeugen keinen störenden Abrieb mehr verursachen. Die mit einem Lackprimer vorbehandelten Bleche sind jedoch relativ teuer und die meistens ein Lösungsmittel enthaltenen Lackprimer sind nicht besonders umweltverträglich. Weiterhin sind diese Bleche für einen Pulverauftrag nicht sonderlich gut geeignet.

    [0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die vorstehend beschriebenen Nachteile zu vermeiden und ein Verfahren zur Vorbehandlung von Blech zu schaffen, welches preiswert und einfach ausführbar sowie in besonderer Weise umweltverträglich ist.

    [0007] Die Lösung dieser Aufgabe wird durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1 erzielt. Zweckmäßige Ausgestaltungen und Weiterbildungen des Verfahrens ergeben sich aus den nachfolgenden Unteransprüchen.

    [0008] Durch die erfindungsgemäße Maßnahme wird der Vorteil erzielt, daß man in kostengünstiger Weise eine wirksame Schutz- oder Gleitschicht auf Blechmaterial aufbringen kann, die im nachfolgenden Verformungsprozeß ihre Funktion als Gleit- und Ziehhilfe ausübt, auf dem Blech keine störenden Rückstände bildet und wodurch insgesamt eine umweltverträgliche Behandlungsweise geschaffen wird. Das hierfür verwendete Material zum Auftrag der Gleit- bzw. Schutzschicht kann aus dem Pulverkreislauf einer Pulverbeschichtungsanlage als wiederverwendbares Abfallprodukt abgezweigt werden. Dort entsteht in nicht unbeträchtlichen Mengen das sogenannte Feinstpulver, welches für den eigentlichen Beschichtungsprozeß qualitativ nicht mehr geeignet ist, welches aber für das erfindungsgemäße Verfahren noch vollkommen ausreichend ist. Weitere Vorteile der Gleitbeschichtung sind, daß empfindliche Oberflächen beim Transport und bei der Verarbeitung geschützt werden, daß Verformungswerkzeuge vor schnellem Verschleiß bewahrt werden und daß z. B. bei Edelstählen oder ähnlichen sensiblen Oberflächen die Verwendung von Schutzfolien unterbleiben kann.

    [0009] Als Material für die Gleit- bzw. Schutzschicht kommt Blech in Form flacher Einzelteile oder in Form von Bandmaterial, welches in der Regel auf Blechcoils aufgewickelt ist, in Frage. Je nach weiterer Verwendungsweise und der Notwendigkeit kann das Blech ein- oder beidseitig mit dem entsprechenden Pulverauftrag versehen werden. Es reicht meist vollkommen aus, wenn das Blech nur in einer geringen Schichtdicke oder mit einer nicht vollflächig deckenden Pulverschicht versehen wird. Dies kann durch einen punktuellen, streifenförmigen oder in Wellenlinienform ausgebildeten Pulverauftrag erfolgen. Es ist ebenfalls möglich, die Gleit- bzw. Schutzschicht durch kurzzeitiges und taktweise vorgesehenes Einschalten der Spritzpistolen einer geeigneten Beschichtungsanlage vorzunehmen.

    [0010] Insbesondere eignet sich das erfindungsgemäße Verfahren natürlich für den Einsatz von Blech, welches hinterher in einer Pulverbeschichtungsanlage behandelt wird. Es hat sich hierbei jedenfalls gezeigt, daß eine Art Gleitkörnungsschicht auf dem Blech verbleiben kann, die dann hinterher ohne störende Effekte unter der deckenden Pulverbeschichtung verschwindet, aber überraschenderweise auch bei anderen Beschichtungsarten, wie Lackieren oder dgl., unter der Deckschicht ohne Probleme verbleiben kann.

    [0011] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt und wird nachstehend näher beschrieben und erläutert. Es zeigen:
    Figur 1
    den Teil einer Pulverbeschichtungsanlage für flache Blechteile von der Seite im Schnitt, in dem der Gleitschichtauftrag erfolgt,
    Figur 2
    den Teil der Pulverbeschichtungsanlage gemäß Fig. 1 in der Vorderansicht.


    [0012] In den Zeichnungen ist ausschnittsweise der Teil einer Pulverbeschichtungsanlage für flache, liegend durch die Anlage transportierbare Blechteile dargestellt und zwar der Teil, in dem der als Gleithilfe dienende Pulverauftrag erfolgt. Die flachen Blechteile (2) werden nach ihrer nicht näher gezeigten Vorbehandlung und in einer nicht im Detail dargestellten Pulverbeschichtungsstation (15) mit ihrer Endbeschichtung versehen.

    [0013] Dieser Pulverbeschichtungsstation (15) wird nun eine weitere Beschichtungsstation (21) nachgeschaltet, die aber einen wesentlich einfacheren Aufbau haben kann. In der gezeigten Ausführung sind vier Spritzpistolen (22) unter der Transportvorrichtung (3) vorgesehen, die derart angeordnet sind, daß die beschichteten Blechteile (2) auf ihrer Rückseite mit einem Pulverauftrag versehen werden können. Hierbei ist die Transportvorrichtung möglichst so zu gestalten, daß die Rückseiten der Blechteile (2) für den Sprühstrahl der Spritzpistolen (22) frei zugänglich sind.

    [0014] Da dieser Pulverauftrag nur als Gleithilfe für den nachfolgenden Verformungsprozeß dient, genügt schon eine Pulverschicht mit geringer Schichtdicke, eine nicht vollflächig deckende Pulverschicht oder sogar nur ein punktuell oder streifenförmig angelegter Pulverauftrag. Selbst ein Hauch von Pulver kann schon ausreichen, um den gewünschten Gleiteffekt im Werkzeug zu erhalten. Dies kann schon durch eine oder auch, wie gezeigt, mehrere Spritzpistolen erfolgen, die eventuell nur kurzzeitig eingeschaltet werden.

    [0015] Da an die Qualität des Pulverauftrags keine hohen Ansprüche gestellt werden, dürfte es auch vollkommen ausreichen, wenn das aus der vorhergehenden Pulverbeschichtungsstation (15) abziehbare Feinstpulver verwendet wird.

    [0016] Die Beschichtungsstation (21) ist mit Rollen (23) versehen und kann somit als Wechselkabine benutzt werden. Unterhalb der Spritzpistolen (22) ist eine Pulverrückgewinnungseinrichtung (24) angeordnet, in der das nicht haftende Pulver aufgefangen wird und von hier im Kreislauf wieder den Spritzpistolen (22) zugeführt wird.


    Ansprüche

    1. Verfahren zur Vorbehandlung von Blech in Form von Blechteilen oder als Blechcoil aufgewickeltes Bandmaterial vor dem mechanischen Verformungsprozeß,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Blech bzw. die Blechteile ein- oder beidseitig mit einem Pulverauftrag versehen werden, der als Gleithilfe für den nachfolgenden Verformungsprozeß dient.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Pulverauftrag mit einer geringen Schichtdicke oder mit einer nicht vollflächig deckenden Pulverschicht auf das Blech erfolgt.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Pulverauftrag punktuell, streifenförmig oder in Form von Wellenlinien vorgenommen wird.
     
    4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Pulverauftrag durch kurzzeitiges Einschalten der Spritzpistolen einer Beschichtungsanlage erfolgt.
     
    5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß Pulvermaterial verwendet wird, welches bereits in einem Pulverbeschichtungsprozeß eingesetzt wurde und somit als Abfallprodukt abzweigbar ist.
     
    6. Anlage zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Pulverbeschichtungsstation (15) für die Endbeschichtung eine weitere Beschichtungsstation (21) nachgeschaltet ist, in der ein oder mehrere Spritzpistolen (22) unterhalb der vorbeigeführten Blechteile (2) angeordnet sind, die die beschichteten Blechteile (2) auf ihrer Rückseite mit einem Pulverauftrag versehen.
     




    Zeichnung







    Recherchenbericht