[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zum Walzen von Draht- und
Stabmaterial aus metallischen Werkstoffen, wobei dem Walzgut eine Verminderung der
Querschnittsfläche von mindestens 50% erteilt wird.
[0002] Für eine Herstellung von Draht- und Stabmaterial werden durchwegs Walz- oder Ziehverfahren
angewendet, wobei Vormaterial mit großer Querschnittsfläche bzw. mit großem Durchmesser,
insbesondere über 10 mm, durch Walzen bei hohen Temperaturen, vorzugsweise über 1000°C,
und Vormaterial mit geringem Durchmesser, insbesondere unter 5 mm, durch Ziehen, zumeist
in mehreren Schritten, bei Raumtemperatur, gegebenenfalls mit Weichglühbehandlungen
zwischen den Ziehschritten, verformt wird.
[0003] Bei einem bekannten Verfahren der genannten Gattung ( CH-PS-654 496) wird Draht mit
geringem Querschnitt hergestellt, indem ein kontinuierliches isothermes Walzen in
einer mit beheizten Walzen ausgerüsteten Walzenstraße angewendet wird, wonach gegebenenfalls
ein anschließendes Ziehen ohne Zwischenglühung erfolgt. Dabei wird die Vorwärm-und
Walztemperatur hoch gewählt, um eine Materialverfestigung zu vermeiden bzw. Zwischenglühoperationen
einzusparen. Nachteilig dabei sind eine Oxidation der Oberfläche, eine grobe Gefügestruktur
sowie die Härtung von höher kohlenstoffhaltigen Legierungen bei rascher Abkühlung
aus der Walzhitze.
[0004] Bei einem anderen Verfahren zum Warmwalzen von hochfestem Stahl (GB-PA 2 194 186)
wird das Walzgut in mindestens zwei Schritten gewalzt, wobei der letzte Schritt mit
einer Verformung von mindestens 50% mit mindestens zwei Walzschritten bei einer Temperatur,
welche nahe, aber über der AR₃ Temperatur der Legierung liegt, durchgeführt wird.
Nachteilig dabei sind eine Oxidation des Vormaterials bei der Erwärmung und ein erhöhter
Walzenverschleiß sowie Gefügeinhomogenitäten über den Querschnitt des Werkstückes
durch gegebenenfalls Bildung von Oberflächenmartensit bei Zwischenkühlungen.
[0005] Bei einem weiteren Walzverfahren zur Herstellung von Stahlband (DE-OS 2 725 155)
wurde vorgeschlagen, einen Draht entkohlungsfrei in neutraler Atmosphäre auf eine
höhere Temperatur als die AC₃ Temperatur der Legierung zu erhitzen und bei dieser
Temperatur zu walzen, wonach das gewalzte Material abgekühlt und isotherm bis zur
Erzielung einer bainitischen Struktur in einem Bereich oberhalb des Martensitpunktes
gehalten wird. Nachteilig bei diesem für die Erzeugung von Verstärkungselementen in
Fahrzeugluftreifen vorgesehenen Verfahren sind ein Vergütungsgefüge, welches im wesentlichen
keine Weiterverarbeitung mittels thermischer Prozesse vorsieht, sowie die weitgehend
durch den Umwandlungsvorgang nicht verringerte Austenitkorngröße.
[0006] Aus der FR-PS-2 579 116 ist zur kontinuierlichen Herstellung von metallischen Profilen
ein Verfahren bekannt, bei welchem ein Draht-oder Stabmaterial der Bevorratungseinrichtung
entnommen und in einer Rollenrichtmaschine gerade gerichtet wird, wonach das Walzgut
zuerst konduktiv vorgewärmt und anschließend induktiv endgewärmt und mit mehreren
Walzschritten verformt wird. Dieses Verfahren ist aufwendig, weil eine Oberflächenreinigung
des Walzgutes, z.B. durch Bürsten, vor der Ronduktiverwärmung erforderlich sein kann.
Weiters können dabei durch Unebenheiten der Oberfläche und daher punktförmiger Stromeinleitung
in das Vormaterial in diesem Einbrennstellen oder Bereiche, die kurzfristig auf hohe
Temperatur gebracht werden und somit aufhärten, gebildet werden. Mittels aufwendiger
induktiver Endwärmung sollen bessere Aufheizbedingungen erreicht werden. Durch den
Richtvorgang entstehen im Vormaterial stellenweise, insbesondere in der oberflächennahen
Zone des Vormaterials, plastische Verformungen bzw. verfestigte Stellen, die bei einer
Walzung unterhalb der Umwandlungstemperatur des Materials Inhomogenitäten im Gefüge
des Werkstoffes bewirken können.
[0007] Für ein Warmziehen von härtbaren Stählen wurde gemäß AT-PS 227 643 ein Verfahren
vorgeschlagen, mit welchem das Ziehgut konduktiv bis zu einer Temperatur unter A₁
erwärmt wird. Dieses Verfahren ist weitgehend nur für oberflächenbehandeltes bzw.
oberflächenbearbeitetes Vormaterial geeignet, wobei die Gefügestruktur vom Ziehvorgang
und insbesondere vom Gefügezustand im Vormaterial abhängig ist.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes Verfahren zu schaffen,
mit welchem auf einfache Weise ein eine geringe Querschnittsfläche aufweisendes Walzprodukt
mit hoher Oberflächengüte und mit über den Querschnitt homogen ausgebildeter feinerer
Gefügestruktur des Werkstoffes mit vorteilhaften Gebrauchseigenschaften und guter
Weiterverarbeitbarkeit hergestellt werden kann.
[0009] Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art durch die kennzeichnenden
Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen
sind in den Ansprüchen 1- 8 gekennzeichnet.
[0010] Weiters ist es Aufgabe der Erfindung, eine Anordnung zum Walzen anzugeben, welche
sich durch einen besonders einfachen Aufbau auszeichnet und eine Herstellung von Walzprodukten
mit hoher Genauigkeit und besonderen Eigenschaften gewährleistet.
[0011] Diese weitere Aufgabe wird bei einer gattungsgemäßen Anordnung durch die kennzeichnenden
Merkmale des Anspruches 9 gelöst. Weitere bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung
ergeben sich aus den kennzeichnenden Merkmalen der Ansprüche 10 bis 15.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren zeichnet sich dadurch aus, daß vor dem Aufwärmen auf
eine Temperatur verbesserter Verformbarkeit und einem anschließenden Walzen das Vormaterial
bzw. Walzgut in einem ersten Schritt vorverformt wird, wobei dessen Werkstoffeigenschaften
geändert werden. Es hat sich gezeigt, daß eine Verringerung der Querschnittsfläche
des Walzgutes bei einer Vorverformung, vorzugsweise bei im wesentlichen Raumtemperatur,
und eine Verfestigung und Einstellung eines inneren Spannungszustandes im Werkstoff,
neue Versetzungen im Kristallgitter erzeugen, die Versetzungen zum Wandern bringen
und blockieren und eine Gitterverspannung bewirken. Wie sich überraschenderweise weiter
gezeigt hat, wird durch die im zweiten Schritt des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgesehene
Erwärmung des Walzgutes, bei härtbaren Stählen vorzugsweise auf eine Temperatur knapp
unterhalb der Umwandlungstemperatur bzw. der Ac₁ Temperatur, die Gitterspannung labilisiert
und bei der nachfolgenden Walzverformung schon bei geringeren Verformungsgraden eine
besondere Kornfeinung erreicht, die mit den weiteren Walzschritten intensiviert wird.
Wird eine tiefreichende Vorverformung durch Walzen mit einer Querschnittsflächenverminderung
von mindestens 1,8% durchgeführt, so ergibt sich im Walzprodukt eine besonders homogene,
fein ausgebildete Gefügestruktur des Werkstoffes mit vorteilhaften Gebrauchseigenschaften.
Es hat sich auch gezeigt, daß durch die Vorverformung die Übergangsbedingungen für
den elektrischen Strom im Kontaktbereich einer Konduktiverwärmungseinrichtung wesentlich
verbessert werden, so daß daraus keinerlei Oberflächen-und Gefügefehler durch eine
Lichtbogenbildung und/oder örtliche Materialüberhitzung entstehen. Eine durch die
Vorverformung erreichbare Querschnittsflächenkonstanz des Walzgutes bewirkt zusätzlich
eine leichtere und genauere Temperaturregelung bei der konduktiven Erwärmung. Bei
einer Verwendung von gebeiztem oder entzundertem Vormaterial ist das erfindungsgemäße
Verfahren besonders vorteilhaft anwendbar und es können damit Walzprodukte mit besonderer
Innen- und Oberflächengüte hergestellt werden.
[0013] Die Erfindung betrifft auch eine Anordnung zur Durchführung des Verfahrens, welche
anhand der schematischen Zeichnung näher erläutert wird.
[0014] Es zeigt Fig. 1 den prinzipiellen Aufbau der Anordnung.
[0015] Bei der in Fig. 1 dargestellten Anordnung wird ein Vormaterial (7) im entzunderten,
gebeizten, geschliffenen od. dgl. Zustand einer Bereitstellungseinrichtung (1), z.B.
einer Trommel (11) oder (nicht dargestellt) einem Stapel entnommen, und einer Vorverformungseinrichtung
(2) zugeführt. Eine derartige Verformungseinrichtung kann aus zwei aufeinanderfolgenden
Kaltwalzgerüsten (21,22) bestehen, in welchen der Vormaterialquerschnitt verringert
und ein genauer Rund- oder Flachquerschnitt gewalzt wird.
[0016] Zur Vorverformung kann auch eine Zieheinrichtung oder dgl. verwendet werden, wobei
jedoch der Verfahrensbeginn erschwert bzw. aufwendiger durchführbar wird.
[0017] Nach dem Austritt des Walzmaterials aus der Vorverformungseinrichtung besitzt dieses
im wesentlichen Geradheit, eine glatte Oberfläche mit konstantem Querschnitt bzw.
gleichbleibender Querschnittsform und eine Kristallgitterverspannung im Werkstoff.
In einer Erwärmungseinrichtung (3) wird mittels Kontaktrollen ( 31, 32) ein Stromkreis
geschlossen, ein elektrischer Stromfluß von einer Stromquelle durch das Walzgut bewirkt
und eine Widerstandserwärmung erzielt. Mit einer Temperaturmeßeinrichtung (30), welche
der Erwärmungszone nachgeschaltet ist, kann eine Regelung der Energiezufuhr und dgl.
und/oder eine Steuerung des Verfahrens vorgenommen werden. Es kann auch vorgesehen
sein, eine Temperaturausgleichseinrichtung (4) einer Verformungseinrichtung (5) vorzuordnen.
Die Verformungseinrichtung (5) besteht vorzugsweise aus mindestens zwei Walzgerüsten
( 51, 52) oder einem Kassettenwalzwerk für eine Mindestverformung von insgesamt 50
%.
[0018] Das Fertigprodukt wird von Lagerungseinrichtung (6), z.B. Trommel (61) , oder Stapelbehältnis
aufgenommen. Besonders gute Ergebnisse werden mit einer erfindungsgemäßen Anordnung
erzielt, wenn die Vorverformungseinrichtung (2) und die Walzeinrichtung (5) und gegebenenfalls
die Kontaktrollen der Erwärmungseinrichtung (3) derart gesteuert werden, daß die Austrittsgeschwindigkeit
des Walzgutes nach der Vorverformung, die Durchgangsgeschwindigkeit durch die Erwärmungseinrichtung
und die Eintrittsgeschwindigkeit in die Walzeinrichtung im wesentlichen gleich groß
sind und im dazwischen liegenden Walzgut Zugspannungen herrschen. Für eine derartige
Steuerung hat sich eine temperaturgeführte Gesamtregelung als vorteilhaft erwiesen.
1. Verfahren zum Walzen von Draht- oder Stabmaterial aus metallischen Werkstoffen, wobei
dem Walzgut eine Verminderung der Querschnittsfläche von mindestens 50% erteilt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß in einem ersten Schritt mit einer Vorverformung die Querschnittsfläche
des Walzgutes verringert wird und dessen Werkstoffeigenschaften geändert werden, worauf
in einem zweiten Schritt das Walzgut auf eine Temperatur verbesserter Verformbarkeit
erwärmt und weiterverformt bzw. gewalzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im ersten Schritt das Walzgut
durch Kaltumformen, vorzugsweise bei einer im wesentlichen der Raumtemperatur entsprechenden
Temperatur, vorverformt und verfestigt und ein innerer Spannungszustand im Werkstoff
eingestellt wird, wobei eine Querschnittsflächenverminderung von mindestens 1,8 %,
vorzugsweise von mindestens 4%, vorgenommen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die im ersten Schritt
vorgesehene Vorverformung und die Verfestigung und die Einstellung eines inneren Spannungszustandes
im Werkstoff mittels Kaltwalzens, insbesondere mit zumindest zwei aufeinanderfolgenden
Kalibrierungen, durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das im ersten
Schritt vorverformte und kaltverfestigte und mit einem inneren Spannungszustand im
Werkstoff versehene Walzgut im zweiten Schritt mittels eines Schnellerwärmungsverfahrens
, insbesondere konduktiv bzw. durch Leitung von elektrischem Strom, in einer vorzugsweise
eine veränderbare Länge aufweisenden Erwärmungsstrecke auf eine Temperatur verbesserter
Verformbarkeit erwärmt und mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Walzschritten
in Walzrichtung weiterverformt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß im zweiten
Schritt das erwärmte Walzgut mit einer Querschnittsflächenverminderung von mindestens
10 %, vorzugsweise mindestens 20 %, je Walzschritt, insgesamt von mindestens 50 %
, vorzugsweise von mindestens 70%, verformt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine Gefügeumwandlung
erfahrende metallische Werkstoffe, insbesondere härtbare Stähle und Legierungen, im
zweiten Schritt mittels eines Schnellerwärmungsverfahrens auf eine Walztemperatur
von höchstens der Ac₁ Temperatur bzw. der Umwandlungstemperatur in das Gamma- Gefüge
erwärmt und mit mindestens zwei Walzschritten in Walzrichtung verformt werden, wobei
gegebenenfalls durch Kühlung bzw. Verwendung von Kühlmittel eine Temperaturerhöhung
im Walzgut bei der Weiterverformung verhindert wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem ersten
Schritt unmittelbar der zweite Schritt angeschlossen wird bzw. daß die Verfahrensschritte
in einer Linie unmittelbar aufeinander folgend durchgeführt werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorverformung
im ersten Schritt und/oder die Weiterverformung im zweiten Schritt derart ausgeführt
bzw. gesteuert werden( wird), daß dem zwischenliegenden Walzgut Zugspannungen, insbesondere
konstante Zugspannungen, aufgebracht werden.
9. Anordnung zum Walzen von Draht- oder Stabmaterial aus metallischen Werkstoffen, wobei
dem Walzgut eine Verminderung der Querschnittsfläche von mindestens 50 % erteilt wird,
insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, daß einer Erwärmungseinrichtung (3), insbesondere einer Schnellerwärmungseinrichtung,
mit Energieeinbringung in das Walzgut durch direkten Stromdurchgang und einer Walzeinrichtung
(5) eine Vorverformungseinrichtung (2) vorgeordnet ist.
10. Anordnung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorverformungseinrichtung
durch eine Kaltwalzeinrichtung, vorzugsweise eine mindestens zweistufige Kaltwalzeinrichtung,
insbesondere mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Walzgerüsten (21,22) mit Flach-
oder vorzugsweise Kaliberwalzen gebildet ist.
11. Anordnung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet,daß die Walzeinrichtung (5)
für eine mindestens zweistufige Verformung, vorzugweise als mehrgerüstiges Walzwerk
( 51,52), insbesondere Kassettenwalzwerk, ausgebildet ist.
12. Anordnung nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorverformungseinrichtung
(2) und/oder die Walzeinrichtung (5) und gegebenenfalls die Erwärmungseinrichtung
(3) einstellbare Antriebe aufweisen, welche vorzugsweise mit einer Steuerung verbunden
und gemeinsam regelbar sind.
13. Anordnung nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß der Erwärmungseinrichtung
(3) zumindest eine Temperaturmeßeinrichtung (30) für das Walzgut nachgeschaltet ist,
von der gegebenenfalls die Leistungszufuhr zur Erwärmungseinrichtung (3) und/oder
der (die) Antrieb(e) gesteuert sind (ist).
14. Anordnung nach einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorverformungseinrichtung
(2) und die Erwärmungseinrichtung (3) und gegebenenfalls eine Temperaturausgleichszone
(4) sowie die Walzeinrichtung (5) in Walzrichtung hintereinander angeordnet sind,
wobei das Walzgut (7) im wesentlichen geradlinig durchleit- bzw. verarbeitbar ist.
15. Verwendung einer Anordnung nach einem der Ansprüche 9 bis 14 zur Verformung von härtbaren
Stählen, vorzugsweise Werkzeugstählen, insbesondere Schnellarbeitsstählen.