[0001] Die Erfindung betrifft eine Füllvorrichtung zum Füllen von Behältern, insbesondere
von Flaschen oder Dosen, mit einer vorgegebenen Menge einer Flüssigkeit, insbesondere
einer unter Druck stehenden, kohlensäurehaltigen Flüssigkeit, mit einem die abzufüllende
Flüssigkeit bereithaltenden Vorratsbehälter und wenigstens einem Füllorgan, welches
eine über einen mit einem Durchlaßventil verschließbaren Flüssigkeitsdurchlaß mit
dem Vorratsbehälter verbundene Dosierkammer zum volumetrischen Abmessen einer vorgegebenen
Menge der Flüssigkeit und einen mit einem Auslaßventil verschließbaren Flüssigkeitsauslaß
der Dosierkammer mit Zentrier- und Abdichtmitteln zum Andocken zu füllender Behälter
aufweist.
[0002] Füllvorrichtungen zum Abfüllen von Flüssigkeiten in Behälter wie Dosen, Flaschen
oder dergl., weisen gewöhnlich einen Vorratsbehälter auf, in dem die abzufüllende
Flüssigkeit bereitgehalten wird und der über der Flüssigkeit einen Gasraum hat. Eine
Regeleinrichtung sorgt dafür, daß das Flüssigkeitsniveau im Vorratsbehälter möglichst
konstant gehalten wird, um für den Abfüllvorgang definierte und reproduzierbare Verhältnisse
zu schaffen. Der Vorratsbehälter ist normalerweise als rotierender Kessel, beispielsweise
als Ringkessel, mit zentraler Flüssigkeitszufuhr ausgebildet. Entlang seinem Umfang
sind eine Vielzahl von Füllköpfen mit Zentrier- und Abdichtmitteln zum Andocken aufeinanderfolgender
zu füllender Behälter angebracht, welche die erforderlichen Flüssigkeitsdurchlässe
und -ventile sowie Luft- und Gasleitungen mit den jeweils zugehörigen Betätigungsorganen
enthalten. Mit solchen Füllvorrichtungen können Flüssigkeiten aller Art in Behälter
abgefüllt werden. Bevorzugt eingesetzt sind diese Vorrichtungen zum Abfüllen von Getränken
und zwar sowohl für stille Getränke, wie stille Wässer, Säfte, Milch oder dergl.,
als auch besonders für kohlensäurehaltige Getränke, die unter Gegendruck abgefüllt
werden. Die dafür notwendigen Einrichtungen, wie Spann- und Rückgasleitungen, sind
im Füllkopf integriert. Ein bekannter Füllkopf für eine Abfüllvorrichtung ist beispielsweise
in der DE-OS 30 25 786 beschrieben.
[0003] Ein Füllkopf der eingangs angegebenen Art, der die Möglichkeit des volumetrischen
Dosierens der abzufüllenden Flüssigkeit bietet, ist in der DE-OS 22 57 449 beschrieben.
Dort sind am Vorratsbehälter in Umfangsrichtung verteilt mehrere Dosierbehälter angebracht,
die jeweils über einen Flüssigkeitsdurchlaß mit dem Vorratsbehälter verbunden sind.
Der Flüssigkeitsdurchlaß jedes Dosierbehälters ist mit einem durch den Vorratsbehälter
hindurch betätigbaren Flüssigkeitsventil verschließbar. Der Auslaß jedes Dosierbehälters
weist Zentrier- und Abdichtmittel zum Andocken zu füllender Behälter auf und ist mittels
eines Auslaßventils verschließbar, das ebenfalls durch den Vorratsbehälter hindurch
betätigbar ist. Die Ventile sind unabhängig voneinander zu betätigen. Da die Betätigung
der Ventile kurvengesteuert erfolgt, ist die Geschwindigkeit des Öffnens und Schließens
der Ventile von der Umlaufgeschwindigkeit des Vorratsbehälters abhängig. Die Konstruktion
und die Funktionsweise dieser Füllvorrichtung und der zugehörigen Ventilanordnung
sind relativ aufwendig und erfordern umfangreiche Ein- und Umbauten am Vorratsbehälter.
Außerdem erfolgt das Füllen der Dosierbehälter von oben her, wobei das Gas (Luft)
aus dem Dosierbehälter durch die Flüssigkeit im Vorratsbehälter hindurch in Blasen
aufsteigen muß. Zum Abmessen und Abfüllen von unter Druck stehenden karbonisierten
Flüssigkeiten ist diese Vorrichtung daher nicht geeignet.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine weitere Füllvorrichtung der eingangs
beschriebenen Art anzugeben.
[0005] Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß dadurch, daß das Durchlaßventil und das
Auslaßventil als Doppelsitzventil mit einem gemeinsamen Ventilkörper ausgebildet sind,
welcher in einer ersten Schließstellung den Flüssigkeitsdurchlaß sperrt und den Flüssigkeitsauslaß
öffnet und in einer zweiten Schließstellung den Flüssigkeitsauslaß sperrt und den
Flüssigkeitsdurchlaß öffnet. Auf diese Weise ergibt sich eine konstruktiv und funktionell
sehr einfache Füllvorrichtung mit einem Füllorgan, das zum Füllen und zum Entleeren
der Dosierkammer eine Ventilanordnung mit einem einzigen Ventilkörper erfordert und
somit mit nur geringem Aufwand für die Ventilbetätigung auskommt.
[0006] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung mit eigenständig erfinderischem
Rang sind in den Unteransprüchen enthalten. Dabei enthält der Anspruch 2 Merkmale
einer erfindungsgemäßen Füllvorrichtung hoher Arbeitsgeschwindigkeit und Arbeitsproduktivität,
mit der das kontinuierliche Füllen aufeinanderfolgender Behälter mit der abzufüllenden
Flüssigkeit ermöglicht wird. Die Merkmale des Anspruchs 3 beziehen sich auf eine bevorzugte
Ausbildung und Anordnung der Füllorgane am Vorratsbehälter, die es ermöglicht, die
Dosierkammer von unten zu füllen, was bei karbonisierten Flüssigkeiten der Schaumbildung
vorbeugt. Gleichzeitig ist auch hier die wechselseitige Betätigung des Durchlaß- und
des Auslaßventils mit einem gemeinsamen Betätigungsmittel möglich. Die Ansprüche 4
bis 7 enthalten Merkmale einer Stelleinrichtung zum Umschalten des Durchlaß- und Auslaßventils,
denen selbständig erfinderische Bedeutung zukommt. Die Stelleinrichtung ist so ausgebildet,
daß sie zwei stabile Schließstellungen des Ventilkörpers gewährleistet und das Umschalten
des Ventilkörpers aus einer Schließstellung in die andere mit einer von der Umlaufgeschwindigkeit
des Vorratsbehälters unabhängigen Geschwindigkeit gestattet. Die Ansprüche 6 und 7
enthalten die speziellen Merkmale einer derartigen Stelleinrichtung.
[0007] Anspruch 8 bezieht sich auf die Ansteuerung der Stelleinrichtung während des Umlaufs
des Vorratsbehälters. Die Ansprüche 9 und 10 enthalten Merkmale des Flüssigkeitsdurchlasses
und des Flüssigkeitsauslasses, mit denen gewährleistet wird, daß schiebende Dichtungen
im Bereich des Durchlaß- und Auslaßventils nicht erforderlich sind und daß trotzdem
die Flüssigkeit in der Dosierkammer mit ausreichend hoher Genauigkeit abgemessen werden
kann. Auch diesen Merkmalen kommt eigenständige erfinderische Bedeutung zu. Die Ansprüche
11 und 12 schließlich beziehen sich auf eine Ausbildung des Ventils, die in vorgegebenen
Phasen des Umschaltens einerseits den Durchfluß durch beide Ventile, also das Durchlaßventil
und das Auslaßventil, gleichzeitig gestattet, die Durchflußmenge durch die Ventile
aber andererseits begrenzt.
[0008] Durch die Erfindung wird in sehr vorteilhafter Weise eine konstruktiv und funktionell
sehr einfache und dabei sehr leistungsfähige Füllvorrichtung zum Abfüllen von Flüssigkeiten
in Flaschen, Dosen und dergl. Portionsbehälter bereitgestellt. Die Vorrichtung ist
insbesondere auch für das Abfüllen unter Druck stehender, karbonisierter Flüssigkeiten
konzipiert. Das Füllorgan selbst und alle für die Dosier- und Füllvorgänge notwendigen
Schalt- und Betätigungsorgane sind unter- bzw. außerhalb des Vorratsbehälters untergebracht,
so daß außer der Anbringung der Flüssigkeitsdurchlässe keine Um- und Einbauten für
die Füllorgane am Vorratsbehälter erforderlich sind. Die Betätigung des Durchlaß-
und des Auslaßventils ist sehr vereinfacht und optimal abgestimmt. Die Ventile weisen
keine schiebenden Dichtungen auf. Die stattdessen gemäß der Erfindung entlang dem
Umschaltweg des Ventilkörpers vorgesehenen Drosselstrecken begrenzen die Durchflußmengen
während des Umschaltvorgangs und reduzieren den Dosierfehler auf ein Minimum. Gleichzeitig
ist die Umschaltgeschwindigkeit des Doppelsitzventils unabhängig von der Umlaufgeschwindigkeit
des Vorratsbehälters, was die Durchflußmenge während des Umschaltvorganges ebenfalls
begrenzt und zu einer definierten und damit kalkulierbaren Größe macht. Bei jeder
Arbeitsgeschwindigkeit ist somit das Abfüllen mit gleichbleibend hoher Dosiergenauigkeit
gewährleistet. Insgesamt bietet die Erfindung den Vorteil einer Füllvorrichtung einfacher
Konstruktion, zuverlässiger Funktionsweise und hoher Dosierungsgenauigkeit bei hoher
Arbeitsproduktivität.
[0009] Die Erfindung wird nun anhand der Zeichnung näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel einer Füllvorrichtung nach
der Erfindung in schematischer Darstellung,
- Fig. 2
- einen Schnitt durch ein weiteres Ausführungsbeispiel einer Füllvorrichtung nach der
Erfindung in schematischer Darstellung,
- Fig. 3
- einen Schnitt durch ein Schaltorgang nach der Erfindung entlang der Linie III-III
in Fig. 1 und
- Fig. 4a-c
- eine schematische Ansicht des Schaltorgans in Richtung des Pfeils A in Fig. 3 in drei
verschiedenen Arbeitspositionen.
[0010] In Fig. 1 ist ein Ausführungsbeispiel einer Füllvorrichtung gemäß der Erfindung in
einem Querschnitt schematisch dargestellt. Mit 1 ist ein als Ringkessel ausgebildeter
Vorratsbehälter bezeichnet, der eine abzufüllende Flüssigkeit 2 und einen Gasraum
3 mit einem unter einem vorgegebenen Druck stehenden Gas, beispielsweise CO₂, enthält.
Rings am Umfang des Vorratsbehälters 1 sind an dessen Unterseite in regelmäßigen Winkelabständen
Füllorgane 4 mit Zentrier- und Abdichtmitteln 6 zum Andocken aufeinanderfolgender
zu füllender Behälter 7 angebracht. Der Vorratsbehälter 1 ist in bekannter Weise über
Zuleitungen 8 für die abzufüllende Flüssigkeit und Gasleitungen 9 mit einer zentralen,
in der Zeichnung nicht dargestellten Versorgungseinheit verbunden. Mit bekannten,
in der Zeichnung nicht dargestellten Mitteln wird der Flüssigkeitsspiegel im Vorratsbehälter
auf einen vorgegebenen Niveau gehalten. Ebenso wird der Druck im Gasraum 3 möglichst
konstant geregelt, um für das Abfüllen der Flüssigkeit möglichst gleichbleibende Bedingungen
zu schaffen. Der Vorratsbehälter 1 läuft um eine nicht gezeigte vertikale Achse um,
wobei aufeinanderfolgende zu füllende Behälter 7 nacheinander an die Füllorgane 4
angedockt, gefüllt und wieder abgegeben werden. Dieser Vorgang ist bekannt und braucht
hier nicht beschrieben zu werden.
[0011] Im Boden 11 des Vorratsbehälters 1 sind in Umfangsrichtung nebeneinander Öffnungen
12 vorgesehen, an welche sich nach unten erstreckende Behälteransätze 13 angesetzt
sind. Die Behälteransätze 13 sind vorzugsweise als zylindrische Rohrstücke ausgebildet,
die die Bodenöffnungen 12 umschließend am Vorratsbehälter angeflanscht sind. Jeder
Behälteransatz 13 ragt von oben in eine Dosierkammer 14 hinein und weist an seinem
unteren Ende einen Flüssigkeitsdurchlaß 16 vom Vorratsbehälter 1 zur Dosierkammer
14 auf. Vorzugsweise bildet die Dosierkammer mit dem Behälteransatz eine bauliche
Einheit, deren Anbau an den Vorratsbehälter keine weiteren Um- oder Einbauten des
Vorratsbehälters erfordert.
[0012] Die Dosierkammer ist an ihrem unteren Ende mit einem Flüssigkeitsauslaß 17 versehen,
dem die an sich bekannten und daher nicht näher dargestellten Zentrier- und Abdichtmittel
6 zum Andocken der zu füllenden Behälter 7 zugeordnet sind. Die Dosierkammer weist
einen Dosierraum 23 für die Aufnahme einer vorgegebenen Menge der abzufüllenden Flüssigkeit
und darüber einen Gasraum 24 auf, welcher den Dosierraum 23 in der Dosierkammer 14
nach oben begrenzt. Eine Rückgasleitung 26 verbindet den Dosierraum 23 der Dosierkammer
mit dem Gasraum 3 des Vorratsbehälters. Die Rückgasleitung 26 mündet unterhalb des
Gasraumes 24 in der Dosierkammer 14. Der Gasraum 24 ist nach außen abgeschlossen und
enthält somit einen Gaspuffer, der das Dosiervolumen der Dosierkammer nach oben hin
begrenzt. Mit einem von außen vertikal verstellbaren Verdrängerkörper 27 ist das Dosiervolumen
des Dosierraumes 23 der Dosierkammer 14 veränderbar. Zur Höheneinstellung des Verdrängerkörpers
27 ist eine Betätigungsstange 28 vorgesehen, die außerhalb des Vorratsbehälters 1
verläuft und demzufolge keine Umbauten bzw. Einbauten am Vorratsbehälter erfordert.
[0013] Der Flüssigkeitsdurchlaß 16 und der Flüssigkeitsauslaß 17 sind so einander gegenüberliegend
angeordnet, daß sie wechselweise mittels eines Doppelsitzventils 18 mit einem gemeinsamen
Ventilkörper 19 verschließbar sind. Ein Ventilsitz 21 am Flüssigkeitsdurchlaß 16 definiert
eine erste Schließstellung des Ventilkörpers 19, in der der Flüssigkeitsdurchlaß von
dem Vorratsbehälter 1 zur Dosierkammer 14 gesperrt und der Flüssigkeitsauslaß 17 der
Dosierkammer offen ist. Die zweite Schließstellung des Ventilkörpers 19 ist durch
einen Ventilsitz 22 des Flüssigkeitsauslasses 17 der Dosierkammer 14 bestimmt. In
dieser Schließstellung des Ventilkörpers 19 ist der Flüssigkeitsauslaß 17 gesperrt,
während der Flüssigkeitsdurchlaß 16 geöffnet ist.
[0014] Der Ventilkörper 19 ist fest an einem Rückgasrohr 29 angebracht, das das Innere des
zu füllenden Behälters 7 mit dem Gasraum 3 des Vorratsbehälters verbindet und an seinem
oberen Ende mit einem Gasventil 31 verschließbar ist. Das Gasventil 31 ist über eine
das Rückgasrohr 29 konzentrisch umgebende Schiebehülse 32 mittels eines Betätigungsorgans
33 mit einem kurvengesteuert verstellbaren Exzenter 34 zu öffnen und zu schließen.
[0015] Ein Kraftelement in Gestalt einer Feder 36, die einerseits innen am Behälteransatz
13 und andererseits außen am Rückgasrohr 29 befestigt ist, wirkt über das Rückgasrohr
29 auf den Ventilkörper 19 so, daß dieser in seine obere Schließstellung am Ventilsitz
21 gebracht wird, in welcher er den Flüssigkeitsdurchlaß vom Vorratsbehälter zur Dosierkammer
sperrt. Solange aber am Flüssigkeitsauslaß 17 von außen her Atmosphärendruck anliegt,
solange also kein zu füllender Behälter 7 angedockt oder ein angedockter Behälter
noch nicht vorgespannt ist, wird der Ventilkörper 19 gegen die Kraft der Feder 36
vom Druck der Flüssigkeit in der Dosierkammer und dem Vorratsbehälter in seiner unteren
Schließstellung am Ventilsitz 22 gehalten, in der er den Flüssigkeitsauslaß sperrt.
Die Kraft der Feder 36 ist also kleiner als die Kraft, mit der der Ventilkörper 19
von der Flüssigkeit gegen den Ventilsitz 22 gedrückt wird.
[0016] Um den Ventilkörper 19 gegen den Druck der Feder 36, die ihn in der oberen Schließstellung
am Ventilsitz 21 festhält, in seine untere Schließstellung am Ventilsitz 22 zu bewegen,
ist ein Schaltorgan 37 vorgesehen. Dieses Schaltorgan weist ein außen am Behälteransatz
13 angebrachtes Lagergehäuse 38 für eine Welle 39 auf, an der einerseits ein exzentrisches
Kippelement 41 und andererseits ein Exzenter 42 befestigt sind. Der Exzenter 42 wirkt
auf einen Mitnehmer 43, der am Rückgasrohr 29 angebracht ist. In den Figuren 3 und
4 ist der Aufbau des Schaltorgans dargestellt. Die Figuren 3 und 4c zeigen das Rückgasrohr
29 mit einem Anschlag 44, an dem die Druckfeder 36 mit einer nach oben gerichteten
Kraft angreift. Das Kippelement 41 ist als Kreissegment ausgebildet, das um die Achse
39 schwenkbar ist und zwei durch nicht dargestellte Anschläge definierte Endpositionen
einnehmen kann. Ein zweites Kraftelement in Gestalt einer Zugfeder 46 hält das Kippelement
41 jeweils in einer der beiden Endpositionen fest. Die Feder 46 ist einerseits an
einem am Kippelement 41 angebrachten Bolzen 49 und andererseits über einen Halter
51 am Gehäuse 38 befestigt. Dabei sind die Fußpunkte der Feder 46 so gewählt, daß
das Kippelement 41 gegen die Kraft der Feder aus einer ersten stabilen Schaltposition
über eine labile Gleichgewichtsposition in eine zweite stabile Schaltposition geschwenkt
werden kann. Diese Anordnung stellt also ein mechanisches FLIP-FLOP-Element mit zwei
stabilen Schaltpositionen dar.
[0017] Fig. 4a zeigt das Kippelement in einer ersten stabilen Schaltposition. Es wird bei
der Rotation des Vorratsbehälters 1 in Richtung des Pfeiles 47 bewegt und kommt dabei
in einem vorgegebenen Bahnabschnitt mit einem stationären Steuerorgang 48 in Gestalt
eines Kurvenstückes in Berührung, welches das Kippelement 41 über die in Fig. 4b gezeigte
labile Gleichgewichtsposition in die in Fig. 4c dargstellte zweite stabile Schaltposition
schwenkt. Aus dieser zweiten stabilen Schaltposition wird das Kippelement 41 in einem
zweiten Bahnabschnitt durch ein zweites stationäres Steuerorgan 52 in seine erste
Schaltposition zurückgeschwenkt. Die Geschwindigkeit der Schwenkbewegung des Kippelements
41 aus seiner ersten Schaltposition in die in Fig. 4b gezeigte labile Gleichgewichtsposition
ist wegen des Zusammenwirkens mit dem Kurvenstück 48 abhängig von der Rotationsgeschwindigkeit
des Vorratsbehälters 1. Die weitere Bewegung des Kippelements 41 aus der labilen Gleichgewichtsposition
in die zweite stabile Schaltposition dagegen ist von der Rotationsgeschwindigkeits
des Vorratsbehälters unabhängig, weil sie allein von der Zugkraft der Feder 46 bestimmt
wird. Der Schaltvorgang läuft also immer unabhängig von der Rotationsgeschwindigkeit
des Vorratsbehälters 1 mit derselben Geschwindigkeit ab.
[0018] Solange kein Behälter 7 an die Zentrier- und Abdichtmittel 6 des Flüssigkeitsauslasses
17 angedockt ist, befindet sich der Ventilkörper 19 in seiner unteren Schließstellung
am Ventilsitz 22, um den Flüssigkeitsauslaß zu sperren. Da außen am Flüssigkeitsauslaß
Atmosphärendruck herrscht, wird der Ventilkörper durch den im Innern des Vorratsbehälters
und der Dosierkammer herrschenden erhöhten Druck in dieser Schließstellung gegen die
Kraft der Feder 36 gehalten. Die Kraft dieser Feder ist also kleiner als die Kraft,
mit der die Flüssigkeit den Ventilkörper 19 gegen den Ventilsitz 22 des Flüssigkeitsauslasses
17 drückt.
[0019] Solange am Flüssigkeitsauslaß 17 Atmosphärendruck herrscht, ist das Gasventil 31
des Rückgasrohres 29 zum Gasraum 3 hin geschlossen, um einen Druckverlust im Gasraum
3 zu vermeiden.
[0020] Beim weiteren Umlauf des Vorratsbehälters 1 wird ein zu füllender Behälter 7 an die
Zentrier- und Abdichtmittel 6 des Füllorgans 4 angedockt. Mittels des kurvengesteuerten
Betätigungssorgans 33 wird das Gasventil 31 nun geöffnet, um den Druck des Gasraums
3 an den Behälter anzulegen, diesen also vorzuspannen.
[0021] Nach dem Druckausgleich zwischen dem Innern des zu füllenden Behälters und dem Gasraum
3 des Vorratsbehälters entfällt die Kraft, mit der die Flüssigkeit den Ventilkörper
in seiner unteren Schließstellung gehalten hat. Jetzt reicht die Kraft der Feder 36
aus, um den Ventilkörper 19 in seine obere Schließstellung am Ventilsitz 21 zu drücken
und dadurch den Flüssigkeitsdurchlaß 16 vom Vorratsbehälter zur Dosierkammer hin zu
sperren. Gleichzeitig wird der Flüssigkeitsauslaß 17 geöffnet, so daß die in der Dosierkammer
14 abgemessene Flüssigkeitsmenge durch den Flüssigkeitsauslaß 18 in den Behälter 7
strömen kann. Dabei entweicht das im Behälter 7 enthaltene Gas durch das Rückgasrohr
29 in den Gasraum 3 des Vorratsbehälters.
[0022] Während dieses Füllvorgangs rotiert der Vorratsbehälter 1 mit dem Füllorgan 4 und
dem zu füllenden Behälter 7 weiter in Richtung des Pfeiles 47 der Fig. 4. Sobald die
ganze abgemessene Flüssigkeitsmenge im Behälter 7 ist, wird (vergl. Figuren 4a bis
4c) das Kippelement 41 des Schaltorgans 37 mittels der Steuerkurve 48 aus seiner oberen
ersten Schaltposition, in der die obere Schließstellung des Ventilkörpers 19 am Ventilsitz
21 freigegeben ist, über die labile Gleichgewichtsposition (Fig.4b) in die zweite
stabile Schaltposition (4c) umgeschaltet, in der der Exzenter 42 das Rückgasrohr 29
mit dem Ventilkörper 19 in dessen untere Schließstellung am Ventilsitz 22 drückt und
damit den Flüssigkeitsauslaß 17 sperrt. Das Kippelement 41 bleibt so lange in dieser
zweiten Schaltposition, bis der Druck der aus dem Vorratsbehälter in die Dosierkammer
14 nachströmenden Flüssigkeit ausreicht, um den Ventilkörper 19 gegen die Kraft der
Feder 36 in seiner unteren Schließstellung am Ventilsitz 22 festzuhalten. Erst dann
wird das Kippelement 41 aus der in Fig. 4c dargestellten zweiten Schaltposition mittels
eines weiteren stationären Kurvenstücks 52 in seine stabile Ausgangsposition zurückgeschaltet,
wobei der Exzenter 42 den Ventilkörper 19 für den nächsten Füllvorgang freigibt.
[0023] Nach dem Schließen des Flüssigkeitsauslasses 17 und Öffnen des Flüssigkeitsdurchlasses
16 wird das Flüssigkeitsvolumen des Dosierraumes 23 der Dosierkammer 14 erneut gefüllt,
wobei das im Gasraum 24 enthaltene Gas, das nicht entweichen kann, als Gaspolster
das Dosiervolumen der Dosierkammer 14 begrenzt.
[0024] Nach dem Schließen des Flüssigkeitsauslasses 17 werden das Rückgasventil 31 des Rückgasrohres
29 geschlossen und ein Entlastungsventil 53 geöffnet. Jetzt kann der gefüllte Behälter
7 abgenommen werden. Die Anordnung ist für einen neuen Füllvorgang bereit.
[0025] Wie die Beschreibung der Arbeitsweise des Füllorgans 4 zeigt, erfolgt die Bewegung
des Ventilkörpers 19 aus seiner ersten Schließstellung am Ventilsitz 21 in die zweite
Schließstellung am Ventilsitz 22 unter der Wirkung der Feder 46 des Schaltorgans 37.
Die Bewegung des Ventilkörpers 19 aus seiner zweiten Schließstellung am Ventilsitz
22 zurück in seine erste Schließstellung am Ventilsitz 21 wird von der Feder 36 bewirkt.
Beide Bewegungen sind somit unabhängig von der Rotationsgeschwindigkeit des Vorratsbehälters
1, wobei sich in jedem Fall definierte und reproduzierbare Verhältnisse für den Abfüllvorgang
ergeben.
[0026] Wie die Zeichnung zeigt, ist das Doppelsitzventil 18 so ausgebildet, daß die Bewegung
des Ventilkörpers 19 keine schiebenden Dichtungen erfordert. Der Ventilkörper 19 weist
entgegengesetzt konisch zur Ventilachse geneigte Dichtflächen 69 und 71 auf, die mit
entsprechenden Dichtflächen der Ventilsitze 21 und 22 zusammenwirken. Sobald sich
der Ventilkörper 19 beim Öffnen des Flüssigkeitsdurchlasses 16 vom Ventilsitz 21 gelöst
hat, ist der Flüssigkeitsdurchlaß 16 geöffnet, bevor der Flüssigkeitauslaß 17 geschlossen
ist. Die während dieser Zeit des Umschaltens durchlaufende Flüssigkeitsmenge beeinträchtigt
die Dosiergenauigkeit des Füllkopfes nicht, weil sie wegen der konstanten Schaltzeit
des Ventils und der konstanten Druckverhältnisse bestimmt und berücksichtigt werden
kann. Um diese Durchlaufmenge der Flüssigkeit aber dennoch zu begrenzen, können dem
Flüssigkeitsdurchlaß 16 und dem Flüssigkeitsauslaß 17 Drosselstrecken 54 bzw. 56 zugeordnet
sein, welche nur einen engen Flüssigkeitsdurchlaß während der Bewegung des Ventilkörpers
19 freigeben. Die Drosselstrecke 54 besteht aus einem Ringspalt 57, der radial nach
außen von einer axialen Verlängerung 58 des Behälteransatzes 13 und radial nach innen
von der äußeren Umfangsfläche des Ventilkörpers 19 begrenzt wird. Der Ringspalt 57
kann beliebig eng gewählt werden, um den Flüssigkeitsdurchfluß beim Umschalten des
Ventilkörpers 19 auf einen möglichst kleinen Wert zu begrenzen, der als Dosierfehler
nicht ins Gewicht fällt. Im Bereich des Flüssigkeitsauslasses 17 wird ein ebensolcher
Ringspalt ebenfalls von der äußeren Umfangsfläche des Ventilkörpers und einem zylindrischen
Gehäuseabschnitt 59 der Dosierkammer gebildet.
[0027] Fig. 2 zeigt eine andere Ausführungsform der Füllvorrichtung nach der Erfindung,
bei der allerdings wesentliche Teile mit der Ausführungsform nach Fig. 1 übereinstimmen.
Gleiche Teile sind daher in Fig. 2 mit denselben Bezugszeichen versehen wie in Fig.
1.
[0028] Bei der Ausführungsform nach Fig. 2 besteht der wesentliche Unterschied zu der nach
Fig. 1 darin, daß die Rückgasleitung nicht durch den Ventilkörper 19 verläuft. Der
Ventilkörper 19 ist an einer Betätigungsstange 61 angebracht, über welche einerseits
wieder die Feder 36 und andererseits das Schaltorgan 37 auf den Ventilkörper 19 wirken.
Die Funktion ist dieselbe wie im Zusammenhang mit der Fig. 1 beschrieben. Die das
Innere des zu füllenden Behälters 7 mit dem Gasraum des Vorratsbehälters 1 verbindende
Rückgasleitung verläuft jetzt durch ein fest mit dem Füllorgan verbundenes Rohrstück
62, durch einen in der Dosierkammer fest angeordneten Leitungsabschnitt 63 und ein
durch die Behälteröffnung 12 in den Gasraum 3 des Vorratsbehälters ragendes weiteres
Rohrstück 64. Mit einem Ventil 66, das mittels einer Betätigungseinrichtung 67 zu
betätigen ist, kann die Rückgasleitung unterbrochen werden, um einen Druckverlust
im Gasraum 3 des Vorratsbehälters 1 zu verhindern, solange kein Behälter 7 an das
Füllorgan angedockt ist.
[0029] In beiden dargestellten Fällen ist das Füllorgan 4 so ausgebildet, daß es an die
Bodenöffnung 12 des Vorratsbehälters 1 angesetzt werden kann, ohne daß weitere Umbauten
oder Einbauten am Vorratsbehälter erforderlich sind.
1. Füllvorrichtung zum Füllen von Behältern, insbesondere von Flaschen oder Dosen, mit
einer vorgegebenen Menge einer Flüssigkeit, insbesondere einer unter Druck stehenden
kohlensäurehaltigen Flüssigkeit, mit einem die abzufüllende Flüssigkeit bereithaltenden
Vorratsbehälter und wenigstens einem Füllorgan, welches eine über einen mit einem
Durchlaßventil verschließbaren Flüssigkeitsdurchlaß mit dem Vorratsbehälter verbundene
Dosierkammer zum volumetrischen Abmessen einer vorgegebenen Menge der Flüssigkeit
und einen mit einem Auslaßventil verschließbaren Flüssigkeitsauslaß der Dosierkammer
mit Zentrier- und Abdichtmitteln zum Andocken zu füllender Behälter aufweist, dadurch
gekennzeichnet, daß das Durchlaßventil (16) und das Auslaßventil (17) als Doppelsitzventil
(18) mit einem gemeinsamen Ventilkörper (19) ausgebildet sind, welcher in einer ersten
Schließstellung den Flüssigkeitsdurchlaß (16) sperrt und den Flüssigkeitsauslaß (17)
öffnet und in einer zweiten Schließ-stellung den Flüssigkeitsauslaß (17) sperrt und
den Flüssigkeitsdurchlaß (16) öffnet.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Vorratsbehälter (1) als
umlaufender Kessel ausgebildet ist, an dessen Umfang in gleichmäßigen Winkelabständen
die Füllorgane (4) zum kontinuierlichen Füllen aufeinanderfolgender Behälter (7) angeordnet
sind.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Füllorgane (4)
an der Unterseite des Vorratsbehälters (1) angebracht sind, wobei jeweils ein Behälteransatz
(13) des Vorratsbehälters (1), der an seinem unteren Ende einen Flüssigkeitsdurchlaß
(16) aufweist, von oben in die Dosierkammer (14) hineinragt, daß dem Flüssigkeitsdurchlaß
gegenüber im Boden der Dosierkammer (14) der Flüssigkeitsauslaß (17) angeordnet ist
und daß der Flüssigkeitsdurchlaß (16) und der Flüssigkeitsauslaß (17) mit einem Doppelsitzventil
(18) mit einem gemeinsamen Ventilkörper (19) wechselseitig abzusperren und zu öffnen
sind.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß eine Stelleinrichtung
(29, 36; 37) zum Umschalten des Ventilkörpers (19) des Doppelsitzventils (18) aus
einer Schließstellung in die andere und umgekehrt vorgesehen ist, welche ein auf den
Ventilkörper (19) in Richtung auf eine Schließstellung zu wirkendes Kraftelement (36)
und ein Schaltorgan (37) aufweist, das den Ventilkörper gegen die Wirkung des Kraftelements
in die andere Schließstellung bewegend ausgebildet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Stelleinrichtung den
Ventilkörper (19) mit von der Umlaufgeschwindigkeit des rotierenden Vorratsbehälters
(1) unabhängiger Geschwindigkeit aus einer Schließstellung in die andere und umgekehrt
bewegend ausgebildet ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Schaltorgan (37)
zum Umschalten des Ventilkörpers (19) aus einer Schließstellung in die andere und
umgekehrt ein mechanisches FLIP-FLOP-Element (41, 46) aufweist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Schaltorgan
(37) ein um eine Drehachse (39) schwenkbares Kippelement (41) mit zwei stabilen Schaltpositionen
aufweist und daß das Kippelement in einer Schaltposition die durch das erste Kraftelement
(36) definierte Schließstellung des Ventilkörpers (19) freigibt und beim Übergang
in seine zweite Schaltposition mittels eines zweiten Kraftelements (46) den Ventilkörper
(19) gegen die Wirkung des ersten Kraftelements (36) in seine zweite Schließstellung
bewegt.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß dem umlaufenden
Vorratsbehälter (1) zum Betätigen der Schaltorgane (37) stationäre Steuerorgane (48,52)
zugeordnet sind.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß am Flüssigkeitsdurchlaß
(16) und/oder am Flüssigkeitsauslaß (17) zur Dosierkammer (14) hin wenigstens eine
den Flüssigkeitsdurchlauf während der Umschaltbewegung des Ventilkörpers (19) definiert
begrenzende Durchfluß- Drosselstrecke (54, 56) angeordnet ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Drosselstrecke (54, 56)
von einem Ringkanal (57) gebildet wird, der einerseits von einer Umfangsfläche des
Ventilkörpers (19) und andererseits von einem den Ventilkörper umfassenden, den Durchflußkanal
vom Ventilsitz (21, 22) her in die Dosierkammer hinein verlängernden Wandabschnitt
(58, 59) gebildet wird.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß der Ventilkörper
(19) einen zylindrischen Umfangsabschnitt (68) aufweist, dessen axiale Länge so bemessen
ist, daß er auf halbem Umschaltweg beide Drosselstrecken (54, 56) begrenzt.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß der Ventilkörper
(19) zwei entgegengesetzt quer und konzentrisch zu seiner Achse orientierte Dichtflächen
(69, 71) aufweist, die mit den entsprechenden Dichtflächen der Ventilsitze (21, 22)
zusammenwirken, und daß während der Bewegung des Ventilkörpers (19) von einer Schließstellung
zur anderen sowohl die Durchlaßöffnung (16) als auch die Auslaßöffnung (17) geöffnet
sind.