[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Auftragen eines Dekors aus Farbstoffen auf
ein Substrat aus Kunststoff, bei dem ein Farbträger auf das Substrat gelegt und die
Farbe durch Erhitzen des Trägers mit Infrarotstrahlung auf das Substrat übertragen
wird.
[0002] Weiterhin betrifft die Erfindung eine Vorrichtung zur Durchführung eines solchen
Verfahrens sowie ein derart hergestelltes Produkt.
[0003] Solche Verfahren und Vorrichtungen sind aus der DE 37 08 855 C1 und der DE 39 04
424 C1 bekannt.
[0004] Aus den DE-Patenten 17 71 812, 23 37 798, 24 36 783 sowie aus der 24 58 660 ist es
bekannt, Textilstoffe mit dem sogenannten Transferdruckverfahren zu bedrucken. Dabei
wird ein Farbträger (auch Hilfsträger genannt) mit Druckbildern (Dekoren) aus Sublimationsdrucktinten
bedruckt. Der Farbträger (Hilfsträger) kann insbesondere aus Papier bestehen. Der
Druck erfolgt z.B. mittels Offset- oder Rotationsdruckverfahren. Die Druckbilder werden
durch Sublimation vom Farbträger auf den farbig zu dekorierenden Textilstoff übertragen
(sogenannter Umdruck).
[0005] Die genannten Drucktinten werden aus sublimierbaren Dispersionsfarbstoffen unter
Verwendung von Bindemitteln und Oxidationsadditiven hergestellt. Die bedruckten Farbträger
(auch Transferpapiere genannt) werden beim Stand der Technik mit der farbig bedruckten
Seite auf die zu bedruckende Textilseite gelegt und mittels einer auf 170 bis 220°C
erhitzten Druckplatte (im Taktverfahren) oder mittels eines umlaufenden Zylinders
(im Durchlaufverfahren) erhitzt. Sobald die Temperatur von ca. 170 bis 220°C die Farbstoffe
erreicht, sublimieren diese in die aus Kunststoffasern hergestellten Textilien hinein.
[0006] Ein bekanntes Verfahren der beschriebenen Gattung (EP-A 0 014 615), das in erster
Linie zum Dekorieren von Brillengestellen vorgesehen ist, wird in der Weise durchgeführt,
daß bei jedem Arbeitszyklus ein Brillengestell mit seiner zu dekorierenden Fläche
nach oben weisend auf einer Unterlage abgelegt wird, die innerhalb einer Vakuumkammer
angeordnet und mittels einer Kolbenzylindereinheit auf- und abbeweglich ist. Die Vakuumkammer
hat zum Einbringen des Brillengestells eine seitliche Öffnung, die mit einer Tür verschließbar
ist. An ihrer Oberseite weist die Vakuumkammer einen waagerechten, ortsfesten Rahmen
auf, der mit einem über ihm angeordneten, ebenfalls waagerechten, aber auf- und abbeweglichen
Rahmen einen Schlitz begrenzt. Durch den Schlitz wird eine Trägerfolie hindurchgeführt,
die von einer Haspel abgerollt wird und an ihrer Unterseite mit dem Dekor versehen
ist, das auf das Brillengestell aufgetragen werden soll. Das Dekor ist beispielsweise
als Mehrfarbendruck oder als Abziehbild auf die Trägerfolie aufgebracht worden und
besteht aus Farben, die bei einer Temperatur unterhalb der Zerstörungstemperatur der
Trägerfolie sublimierbar sind. Sobald ein Brillengestell in die Vakuumkammer eingebracht
und deren Tür verschlossen worden ist, wird der obere Rahmen abgesenkt, so daß er
die Trägerfolie zwischen sich und dem unteren Rahmen einklemmt und die Vakuumkammer
dadurch dicht verschlossen wird und evakuiert werden kann. Die Trägerfolie wird mittels
einer über dem oberen Rahmen angeordneten Heizvorrichtung auf die Sublimationstemperatur
des Dekors erhitzt und daraufhin das Brillengestell mittels seiner innerhalb der Vakuumkammer
heb- und senkbaren Unterlage, auf der es abgelegt worden ist, nach oben bewegt und
gegen die Trägerfolie gedrückt. Das Vakuum bewirkt, daß die Trägerfolie sich dicht
an die zu dekorierenden Flächen an der Vorderseite und in seitlichen Bereichen des
Brillengestells anschmiegt. Dieser Zustand wird für eine Zeitspanne aufrechterhalten,
die für einen Übergang der das Dekor bildenden Farben von der Trägerfolie weg in die
Struktur des Werkstoffs des Brillengestells hinein ausreicht. Anschließend wird das
Vakuum aufgehoben, das Brillengestell abgesenkt und dadurch von der Trägerfolie getrennt
und schließlich der Vakuumkammer entnommen.
[0007] Bei diesem bekannten Verfahren wird die Trägerfolie in einzelnen Bereichen stark
gedehnt, damit sie sich ausreichend an das Brillengestell anschmiegt. Dabei ist es
unvermeidlich, daß das Dekor in den besonders stark gedehnten Bereichen der Trägerfolie
verzerrt wird. Die Verzerrungen lassen sich bis zu einem gewissen Grad dadurch ausgleichen,
daß von vorne herein ein entsprechend korrigiertes Dekor auf die Trägerfolie aufgebracht
wird. Im übrigen machen sich Verzerrungen bei Gegenständen wie Brillengestellen, deren
zu dekorierende Flächen verhältnismäßig schmal sind, kaum bemerkbar. Anders ist es
jedoch bei Gegenständen, die großflächig dekoriert werden sollen. Bei solchen Gegenständen
lassen sich störend auffallende Verzerrungen des Dekors nicht immer vermeiden, wenn
das Dekor nach dem bekannten Verfahren aufgetragen worden ist. Außerdem nimmt mit
zunehmender Größe der zu dekorierenden Fläche die Gefahr zu, daß das Dekor durch Lufteinschlüsse
beeinträchtigt wird.
[0008] Bei einem anderen bekannten Verfahren zum Auftragen von Dekors auf Gegenstände (DE-A-32
28 096) werden die Gegenstände, beispielsweise Blechdosen, zunächst durch eine Beschichtungsanlage
geführt, die auf der Außenseite der Gegenstände eine Schicht aus farbstoffaffinem,
migrationsverhinderndem Kunststoff aufbringt. Nach chemischem oder physikalischem
Trocknen dieses Überzuges werden die beschichteten Gegenstände einer Etkettiermaschine
zugeführt, in der Dekorträger in Form von bedruckten Banderolen von einem Stapel oder
endlosen Streifen abgenommen, um je einen Gegenstand gelegt und mit einem Klebstreifen,
Leimstrich, elektrostatischen Feld o. dgl. fixiert werden. Daraufhin werden die Gegenstände,
beispielsweise mittels Heißluft, auf eine Temperatur von 200° bis 350°C, vorzugsweise
250° bis 300°C erhitzt. Bei diesen Temperaturen, die einen extremen Hitzeschock erzeugen,
verdunstet in den Banderolen enthaltenes Wasser schlagartig, so daß jede Banderole
in einem Bruchteil einer Sekunde auf den zugehörigen Gegenstand aufgeschrumpft wird
und einen für den Übergang des Dekors von der Banderole auf den Gegenstand erforderlichen
Druck autogen erzeugt. Beim weiteren Erhitzen sublimieren dann die Farbstoffe, die
das Dekor bilden, in den darunterliegenden Kunststoffüberzug.
[0009] Bei diesem Verfahren ist es von entscheidender Bedeutung, daß die beim Aufschrumpfen
einer Banderole unvermeidliche Relativbewegung gegenüber dem zugehörigen Gegenstand
abgeschlossen ist, ehe die Farbstoffe, die das Dekor bilden, so weit erhitzt sind,
daß ihre Migration in die Kunststoffschicht hinein beginnt. Gelingt es nicht, diese
schwierige Bedingung einzuhalten, dann muß damit gerechnet werden, daß zumindest Teile
des Dekors auf dem Gegenstand verwischt werden.
[0010] Aus der US 4 178 782 ist eine Vorrichtung zum Bedrucken einer Textilbahn mit sublimierbarem
Farbstoff bekannt, der auf einer Trägerfolie zugeführt wird. Die Vorrichtung hat eine
drehantreibbare, von innen beheizbare Trommel, um die zuunterst die Trägerfolie mit
radial nach außen gekehrter Farbstoffschicht und darüber die zu bedruckende Textilbahn
und über dieser ein über Rollen geführter endloser Anpreßgurt aus Metallgewebe laufen.
Der auf diese Weise umschlungene Bereich der Trommel kann von einer Haube abgedeckt
sein, innerhalb derer ein Unterdruck aufrechterhalten wird. Auf diese Weise wird beim
Sublimieren der Farbe freiwerdendes Gas durch die zu bedruckende Textilbahn und den
daraufliegenden Anpreßgurt aus Metallgewebe hindurch abgesaugt. Die vom Anpreßgurt
auf die Textilbahn ausgeübten Anpreßkräfte werden ausschließlich durch die mechanische
Spannung des Anpreßgurts erzeugt und durch den Unterdruck innerhalb der Haube etwas
vermindert.
[0011] Aus der DE 26 42 350 C1 ist der Versuch bekannt geworden, im Transferdruckverfahren,
welches zuvor bei Textilstoffen mit Erfolg angewandt worden war, auch bestimmte Kunststofferzeugnisse
zu bedrucken, welche die in Rede stehenden sublimierbaren Farbstoffe schlecht annehmen.
Man hat dort versucht, solche Körper mit thermoplastischen Folien zu beschichten,
welche die Farbstoffe aufnehmen und sodann versucht, die Folien mit dem oben erläuterten
Transferdruckverfahren zu bedrucken. Das Verfahren hat sich aber nicht bewährt, insbesondere
weil die Migrationsbeständigkeit der Farbstoffe (also die Ortsfestigkeit der Farbstoffe
nach dem Transferdruck) nur bei mittel- bis hochmolekularen Farbstoffen gewährleistet
war (bei Molekulargewichten zwischen 300 und 1 000). Man hat zum Sublimieren Temperaturen
von über 180°C bzw. 200 bis 220°C für eine Zeitspanne von mindestens 25 Sekunden angewandt.
Bei diesen relativ hohen Temperaturen verschmelzen aber die meisten thermoplastischen
Folien oder sie werden so weich, daß die beim Transferdruck verwendeten Farbträger
(Papier etc.) kleben bleiben oder die Oberflächen der Folien so schädigen, daß das
Produkt nicht den ästhetischen Anforderungen genügte. Auch die für eine gute Bildwiedergabe
erforderliche Migrationsbeständigkeit der Farbstoffe wurde nicht erreicht.
[0012] Nennenswerte Ergebnisse im Sublimationsdruck-Transferverfahren wurden deshalb bisher
im Stand der Technik nur mit duroplastischen Folien und Lacken erzielt (FR-A-2 230,
DE-A 24 24 949, GB-A-1 517 832). Diese Verfahren führten aber nicht zu befriedigenden
reproduzierbaren Ergebnissen. Sowohl die Materialien als auch der Sublimationsvorgang
sind nicht hinreichend präzise beschrieben. Die erzielten Ergebnisse ließen insbesondere
wegen Vergilbung und geringer Migrationsbeständigkeit sowie Farbverwischungen zu wünschen
übrig.
[0013] Wegen der umfangreichen Anwendung thermoplastischer Folien und Platten, die mit einer
Thermoverformung in dreidimensionale Körper, wie z.B. Bauelemente für den Innenausbau,
Möbelteile (insbesondere Fronten), Haushaltsgeräte, Büromaschinen, Leuchtkörper, Autoformteile
etc., geformt werden können, besteht seit langem ein Bedarf an einer Möglichkeit,
thermoplastische Substrate in guter Qualität mit farbigen Dekors versehen zu können.
[0014] In der EP 0 014 901 wird ein Versuch beschrieben, konstante, nachvollziehbare und
beständige Transferdruckergebnisse dadurch zu erzielen, daß die Molekulargewichte
der sublimierbaren Dispersionsfarbstoffe, die angewandten Temperaturen und die Zusammensetzung
und Beschaffenheit der Kunststoffsubstrate näher spezifiziert sind. Man ist dort zu
der Erkenntnis gelangt, daß eine Erhitzung auf Temperaturen von 220°C und mehr für
die Anwendung des Transferdruckverfahrens auf Kunststoffe erforderlich ist. Dadurch
werden eine Vielzahl von thermoplastischen Kunststoffen ausgeschlossen. Das Verfahren
blieb auf bestimmte duroplastische Kunststoffbeschichtungen und bestimmte Substrate
aus anorganischen Werkstoffen beschränkt.
[0015] Der Stand der Technik lehrt als Vorurteil auch, daß es beim Sublimationsdruck wesentlich
auf das Molekulargewicht der verwendeten Farbstoffe ankommt. Die vorstehend genannte
EP 0 014 901 lehrt die Verwendung von hochmolekularen Dispersionsfarbstoffen mit Molekulargewichten
zwischen 300 und 1 000, insbesondere mit Blick auf die geforderte Migrationsbeständigkeit.
[0016] Die eingangs bereits genannten deutschen Patentschriften 37 08 855 und 39 04 424
bringen insofern einen Fortschritt, als sie beim Sublimationsdruck von der Verwendung
von erhitzten Druckplatten oder erhitzten Zylindern abgehen und stattdessen eine Erhitzung
mit Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) vorschlagen. Auf Einzelheiten der verwendeten
Materialien sowie der Sublimationstemperaturen geht dieser Stand der Technik nicht
ein.
[0017] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren bereitzustellen, mit dem
eine Vielzahl von Kunststoffsubstraten einschließlich thermoplastischer Substrate,
die auch eine Hitzebeständigkeit von nicht mehr als 100°C aufweisen können, in guter
Qualität im Transferdruckverfahren farbig dekorierbar sind. Das Druckergebnis soll
ästhetisch hohen Ansprüchen genügen und eine gute Haltbarkeit aufweisen. Ferner soll
ein erfindungsgemäß hergestelltes Produkt ohne Beeinträchtigung des Dekors thermoplastisch
verformbar sein.
[0018] Die erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgaben beruht auf der Erkenntnis, daß es bezüglich
der beim Sublimationsdruck anzuwendenden Temperaturen wesentlich auf die Art der Einkoppelung
der Wärme in den Sublimationsbereich ankommt. Das im Stand der Technik herrschende
Vorurteil, beim Sublimations-Transferdruck müßten Temperaturen von über 200°C oder
mindestens 170°C aufgebracht werden, läßt sich dann überwinden, wenn die Temperatur
nicht durch erhitzte Druckplatten oder erhitzte Umlaufzylinder auf den Farbträger
übertragen wird, sondern mittels Infrarotstrahlung. Auf diese Weise sind Dispersionsfarbstoffe
schon bei Temperaturen über 100°C sublimierbar und zwar (im Widerspruch zum oben diskutierten
Stand der Technik) unabhängig vom Molekulargewicht.
[0019] Wesentliche Aspekte der erfindungsgemäßen Lösung sind in den Patentansprüchen 1 bis
4 gekennzeichnet. Bevorzugt werden zur Erzielung qualitativ hochwertiger Dekors auf
Kunststoffsubstraten einschließlich thermoplastischer Kunststoffe mit einer Hitzebeständigkeit
bis hinunter zu 100°C dadurch erzielt, daß die in den Patentansprüchen 1 bis 4 genannten
Maßnahmen zugleich angewendet werden, wobei zusätzlich noch vorgesehen ist, daß der
Farbträger aus einem porösen Material (d.h. einem luftdurchlässigen Material) besteht,
so daß beim Sublimieren Gas von der Rückseite (d.h. der nicht bedruckten Seite) des
Farbträgers durch den selben hindurch gesaugt werden kann, so daß sich der Farbträger
100 %-ig an das zu dekorierende Substrat anschmiegt und sowohl Faltenbildungen des
Farbträgers als auch Gaseinschlüsse zwischen dem Farbträger und dem Substrat vermieden
sind.
[0020] Bevorzugte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in den Unteransprüchen
5 bis 8 beschrieben.
[0021] Eine bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens bevorzugt eingesetzte Vorrichtung
ist dem Anspruch 9 zu entnehmen.
[0022] Ebenfalls neu ist ein Produkt aus oder mit einem Kunststoff-Substrat, auf das ein
farbiges Dekor durch Sublimation von Farbstoffen von einem Farbträger aufgetragen
ist, wenn der Kunststoff ein Thermoplast ist, dessen Hitzebeständigkeit geringer als
200°C, insbesondere geringer als 170°C ist. Bevorzugt sieht die Erfindung sogar nur
Temperaturen im Bereich von 100 bis 130°C vor.
[0023] Nachfolgend wird die Erfindung anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt:
- Fig. 1
- in Drauf- und Seitensicht die Vorbereitung eines Substrates und eines Farbträgers
für den Transferdruck;
- Fig. 2 und 3
- schematische Ansichten des Transferdruckes;
- Fig. 4
- Einzelheiten des Transferdruckes in stark vergrößertem Maßstab und
- Fig. 5
- eine Farbverteilung eines zu druckenden Bildes und eine zugehörige Steuerung der Intensität
von Infrarotstrahlern.
[0024] Ein Substrat 10 soll durch Transferdruck mit einem Bild aus sublimierbaren Dispersionsfarbstoffen
dekoriert werden. Der Begriff Substrat soll insbesondere erfassen Filme, Folien oder
Platten, wobei die Filme oder Folien Stärken von 25 bis 1 000 Mikron und die Platten
Stärken von 1 bis 10 mm aufweisen können. Die Filme, Folien oder Platten können aus
einem Kunststoffgranulat, Granulatmischungen sowie aus mehreren Kunststoffarten oder
Mischungen extrudiert sein. Auch können anorganische Teilchen (Puder, Mehl) zugemischt
sein, wobei der Anteil an Kunststoffen an der Oberfläche des Substrates bevorzugt
mehr als 50 % betragen soll. In Betracht für die Anwendung der Erfindung kommen insbesondere
folgende Kunststoffe: PC (Polycarbonate), ABS, PMMA, PET und PDT. In Abhängigkeit
vom verwendeten Material werden die Prozeßparameter eingestellt (siehe unten).
[0025] Die Kunststoffilme, -platten oder -folien können auch aus mehreren Kunststoffarten
und -schichten zusammengesetzt sein.
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren ist nicht nur für Substrat-Oberflächen geeignet, die
glatt sind, sondern auch für strukturierte, poröse, matte und rauhe Oberflächen. Das
Substrat-Material kann klar oder gefärbt sein.
[0027] Unter einem Substrat ist auch eine Kunststoffschicht zu verstehen, die in Form von
Lack auf eine Werkstoffoberfläche von z.B. Holz, Keramik oder Kunststein aufgetragen
ist, ggf. unter Vernetzung.
[0028] Werden empfindliche oder in bezug auf chemische und mechanische Beanspruchungen oder
in bezug auf Licht weniger beständige Kunststoffe verwendet, so können diese nach
einer erfindungsgemäßen Bedruckung mit als solches bekannten beständigeren Lacken
oder Beschichtungen aus anderen Kunststoffarten überzogen werden.
[0029] Das Substrat 10 wird mit Hilfe eines Farbträgers 12 farbig bedruckt. Auf dem Farbträger
12 ist hierzu das auf das Substrat zu übertragende Bild mit Hilfe von sublimierbaren
Dispersionsfarbstoffen aufgedruckt. Als Farbträger 12 kommen insbesondere Papierbögen
in betracht, die einerseits das zu übertragende Bild aus sublimierbaren Farben gut
aufnehmen und andererseits eine hinreichende Luftdurchlässigkeit aufweisen, damit
während des Sublimations-Umdruckes Luft durch den Farbträger 12 gesaugt werden kann.
Gute Ergebnisse werden mit Papiergewichten von 30 bis 120 g erzielt. Die Papierflächen
können beliebige Größen haben, insbesondere können sie 1 m² oder größer sein.
[0030] Sublimierbare Dispersionsfarbstoffe herkömmlicher Art werden unter Verwendung von
Bindemitteln und ggf. Oxidationsadditiven zu Drucktinten verarbeitet. Mittels Offset-,
Rotations-, Tief-, Flexo- oder Siebdruckverfahren werden die Bilder, Muster, Einzelfarben
oder Motive, mit denen das Substrat 10 versehen werden soll, auf den Farbträger 12
gedruckt.
[0031] Gemäß Fig. 1 wird das Substrat 10, welches bedruckt werden soll, in einer Beschickungsstation
14 abgelegt und es wird ein Farbträger 12 auf das Substrat gelegt. Wie dargestellt,
ist der bedruckte Farbträger 12 aus Papier wesentlich größer als das Substrat 10,
so daß der Farbträger das Substrat an allen Kanten deutlich überlappt. Die überlappende
Fläche beträgt beim dargestellten Ausführungsbeispiel mindestens 20 %, vorzugsweise
mindestens 30%.
[0032] Die so in einem ersten Schritt übereinander gelegten Substrat- und Farbträgerschichten
werden in einem zweiten Schritt in eine Station 16 für eine elektrostatische Aufladung
überführt. Hier wird das Substrat 10 gegenüber dem Farbträger 12 so elektrostatisch
aufgeladen, daß der Farbträger 12 ganzflächig satt an der Oberfläche des Substrates
10 anliegt. Dies wird im dritten Schritt gemäß Fig. 1 erreicht. Im vierten Schritt
wird die Anordnung aus Substrat 10 und wie geklebt daran anliegendem Farbträger 12
zu einer Sublimationsstation befördert, die in Fig. 2 näher dargestellt ist.
[0033] Ein Transportband 18 überträgt die wie vorstehend beschrieben erzeugte Anordnung
aus Substrat 10 und Farbträger 12 zu einem Tisch 20 mit einer Heizplatte, die mit
luftdurchlässigen vertikalen Kanälen (nicht gezeigt) versehen ist, so daß Luft in
den Figuren von oben nach unten durch die Tischplatte saugbar ist. Hierzu ist unter
der Tischplatte eine Vakuumkammer 22 vorgesehen, die an eine nicht gezeigte Vakuumpumpe
angeschlossen ist.
[0034] Gemäß den Fig. 2 und 3 wird das Substrat 10 mit darauf fest anliegendem Farbträger
12 auf den Tisch 20 befördert und danach wird Vakuum in der Kammer 22 angelegt. Es
ist weder eine Deckfolie über dem Farbträger 12 noch eine Unterlage zwischen dem Substrat
10 und dem Tisch 20 erforderlich.
[0035] Über dem Tisch 20 ist ein Gehäuse 24 angeordnet, in dem eine Vielzahl von Infrarotstrahlern
36 nebeneinander untergebracht sind. Das Gehäuse 24 mit den Infrarotstrahlern 36 überdeckt
überlappend den gesamten Bereich des Substrates 10 und des Farbträgers 12. Eine Temperaturmeßeinrichtung
26 mißt die Temperatur an der den Infrarotstrahlern zugekehrten Oberfläche des Substrates
10 und der daran anliegenden Seite des Farbträgers 12 mit den sublimierbaren Dispersionsfarben.
Eine weitere Temperaturmeßeinrichtung 27 mißt die Temperatur der Heizplatte des Tisches
20 und damit die Temperatur an der Oberfläche des Substrates 10, die direkt an dem
Tisch 20 anliegt, also diejenige Seite des Substrates 10, die nicht dekoriert wird.
[0036] Mittels einer Steuerung 28 werden die einzelnen Infrarotstrahler 36 im Gehäuse 24
auf unterschiedliche Temperaturen gesteuert, wie weiter unten anhand der Fig. 5 näher
erläutert wird.
[0037] Wie in Fig. 3 schematisch dargestellt ist, wird durch den porösen Farbträger 12 Luft
in die Vakuumkammer 22 gesaugt, und zwar durch die Kanäle (nicht gezeigt) in der geheizten
Tischplatte 20. Dabei wird der Randraum 30 zwischen dem überlappenden Farbträger 12,
dem Substrat 10 und dem Tisch 20 luftleer gepumpt, so daß sich der Farbträger 12 gleichmäßig
über die gesamte Fläche an das Substrat 10 anzieht. Es entstehen keine Faltungen oder
Verwerfungen im Farbträger 12 und Luft- oder Gasblasen werden entfernt. Dies gilt
insbesondere für die Erhitzung während der Sublimation unter Dampfbildung.
[0038] In diesem Zustand werden der Tisch 20 und die Infrarotstrahler 36 geheizt. Die von
den Infrarotstrahlern 36 erzeugte Infrarotstrahlung 32 dient der Erhitzung der auf
der Unterseite des Farbträgers 12 angeordneten sublimierbaren Farbstoffe, während
die Erhitzung des Tisches 20 dazu dient, das Substrat 10 auf der nicht bedruckten
Seite zu erhitzen. Diese Erhitzung des Substrates 10 hat nicht nur den Zweck, eine
Formstabilität des Substrates zu erreichen, sondern hat darüberhinaus wesentliche
Auswirkungen auf das Eindringen der Farbmoleküle in das Substrat 10.
[0039] Dies ist in Fig. 4 näher erläuert, wo die einzelnen Teile in stark verzerrter Vergößerung
dargestellt sind, um den Vorgang der Sublimation und des Eindringens der Farbmoleküle
in das Substrat zu veranschaulichen. Wie gesagt, erzeugt die Luftstömung 34 von außen
durch den Farbträger 12 und die Lufströmung 38 unterhalb des Farbträgers 12 ein gleichmäßiges,
spannungsfreies, blasenfreies und sattes Anlegen des Farbträgers 12 am Substrat 10.
Zur Erzielung eines besonders migrationsbeständigen Druckes auf dem Substrat 10 wird
nun das Substrat 10 mit der Tischplatte 20 auf eine Temperatur geheizt, die höher
ist als die Temperatur an der zu bedruckenden Oberfläche des Substrates 10. In Fig.
4 entsteht also von oben nach unten ein ansteigender Temperaturgradient. Dieser Temperaturgradient
hat zur folge, daß die Farbstoffmoleküle 40 nach der Sublimation relativ weit in das
Substrat eindringen. In Fig. 4 ist derjenige Bereich des Substrates 10, in den die
Moleküle 40 eindringen, mit 10b bezeichnet, während der im wesentlichen von Farbstoffmolekülen
freibleibende Bereich mit 10a gekennzeichnet ist.
[0040] Das Maß der Erwärmung an der Oberfläche des Substrates 10 und entsprechend an der
Unterfläche des Farbträgers 10 (gemessen mit der Temperaturmeßeinrichtung 26 gemäß
Fig. 2) hängt vom Material des Substrates 10 ab. Die Erwärmung beträgt zwischen 60°C
(für z.B. ABS) und 150°C (für z.B. PBT). Für PC hat sich eine Erwärmung auf 130°C
als günstig erwiesen. Die Temperatur an der Unterfläche des Substrates 10 (gemessen
mit dem Temperaturfühler 27 gemäß Fig. 3) soll jeweils um etwa 3 bis 30°C, insbesondere
5 bis 15°C höher liegen, je nach Art und Stärke des Materials.
[0041] Im einzelnen haben sich für PC Temperaturwerte von 120 bis 135°C im Sublimationsbereich
(d.h. an der Träger-Unterfläche und der Substrat-Oberfläche) als günstig erwiesen,
für ABS 90 bis 100°C, für PBT 150 bis 160°C und für PET 80 bis 90°C.
[0042] Durch die erfindungsgemäß angewandten relativ geringen Temperaturen ist das Problem
der Rück-Sublimation gelöst.
[0043] Je nach Stärke des Substrates 10 und seinem Material ist der Sublimationsvorgang
in 10 bis 30 Sekunden beendet.
[0044] Die Qualität des erzeugten Produktes läßt sich weiter dadurch steigern, daß die Intensität
der einzelnen Infrarotstrahler 36 in Abhängigkeit davon gesteuert wird, welche Farbe
durch den betreffenden Strahler sublimiert werden soll. Unterschiedliche Farben erfordern
unterschiedliche Energien pro Flächeneinheit für die Sublimation. So steigt der Energiebedarf
(und entsprechend die von der Infrarotstrahlung zu erzeugende Temperatur) von gelb
über rot und cyan zu schwarz um etwa 20 % an. Dies wird durch individuelle Steuerung
der einzelnen Infrarotstrahler entsprechend dem vorherrschenden Farbanteil direkt
unter dem Strahler berücksichtigt. Hierdurch wird eine gleichmäßige Sublimation für
alle Farben erreicht, wobei gleichzeitig die zu bedruckende Oberfläche des Substrates
hinreichend gleichmäßig erwärmt ist, was die Bildqualität fördert. Fig. 5 zeigt beispielhaft
links ein abzudruckendes Bild auf dem Farbträger 12, wobei in den äußeren Bereichen
12a, 12b und 12c hellere Farben (zunehmend von gelb nach rot) vorgesehen sind, während
das Bild zur Mitte hin immer dunkler wird, bis es im zentralen Abschnitt einen schwarzen
Bereich aufweist. Entsprechend zeigt Fig. 5 rechts schematisch eine Ansicht der Infrarotstrahler
36 im Gehäuse 24 von unten (beispielsweise in bezug auf Fig. 4), wobei im mittleren
Bereich, entsprechend dem schwarzen Bereich des Bildes, 100 % einer vorgegegeben IR-Leistung
mit den Infrarotstrahlern erzeugt wird, während nach außen hin die Infrarotleistung
jeweils wie angegeben reduziert ist.
[0045] Bevorzugt wird der Farbträger 12 auf seiner Rückseite geschwärzt.
[0046] Die mit dem vorstehend beschriebenen Verfahren erzielte Eindringtiefe der sublimierbaren
Farbstoffmoleküle in das Substrat von 100 bis 300 Mikron verursacht keine Verblassung
des Bildes sondern überraschenderweise im Gegenteil eine Verbesserung der Bildqualität;
das Bild erscheint intensiver und räumlicher. Die Migrationsbeständigkeit ist vernachlässigbar.
Das wie beschrieben hergestellte Produkt kann ohne Beeinträchtigung der Bildqualität
einer kurzfristigen Stoßerwärmung von z.B. 200 bis 300°C für 2 bis 3 min zwecks einer
Thermoverformung unterzogen werden. Auch eine Dauererwärmung von 100 bis 200°C ist
möglich (je nach Kunststoffart, z.B. 145°C für PC und 200°C für PBT).
[0047] Es erfolgt keine Beschädigung der Substratoberfläche. Die Kunststoffoberfläche behält
ihre Struktur ohne jegliche Veränderung, unabhängig davon, ob die Oberfläche auf Hochglanz
poliert, matt, seidenmatt, gekrümmt, grob oder fein strukturiert ist. Aufgrund der
elektrostatischen Anziehungskräfte und der gleichzeitig wirkenden Vakuumkräfte ist
auch die Bildqualität bei groben, rauhen und feinstrukturierten Oberflächen gut.
[0048] Mit dem beschriebenen Verfahren lassen sich relativ große Mengen von Farbstoff transferieren
(10 bis 20 g naß, bzw. 3 bis 7 g trocken). Hierdurch und durch die beschriebene große
Diffusionstiefe kann eine Thermoverformung bis zu 250 % Ausdehnung ohne Verblassung
oder Aufhellung der Farben durchgeführt werden.
1. Verfahren zum Auftragen eines Dekors aus Farbstoffen auf ein Kunststoff aufweisendes
Substrat (10), bei dem ein Farbträger (12) auf das Substrat (10) gelegt und die Farbe
durch Erhitzen des Trägers (12) mit Infrarotstrahlung auf das Substrat (10) übertragen
wird,
dadurch gekennzeichnet, daß der Farbträger (12) in Abhängigkeit vom Kunststoff des Substrates (10) auf Temperaturen
unterhalb von 170°C erhitzt wird.
2. Verfahren zum Auftragen eines Dekors aus Farbstoffen auf ein Kunststoff aufweisendes
Substrat (10), bei dem ein Farbträger (12) auf das Substrat (10) gelegt und die Farbe
durch Erhitzen des Trägers (12) mit Infrarotstrahlung auf das Substrat (10) übertragen
wird,
dadurch gekennzeichnet, daß der Farbträger (12) durch elektrostatische Aufladung in ganzflächigen Kontakt
mit dem Subtrat (10) gebracht wird.
3. Verfahren zum Auftragen eines Dekors aus Farbstoffen auf ein Kunststoff aufweisendes
Substrat (10), bei dem ein Farbträger (12) auf das Substrat (10) gelegt und die Farbe
durch Erhitzen des Trägers (12) mit Infrarotstrahlung auf das Substrat (10) übertragen
wird,
dadurch gekennzeichnet, daß die Seite des Substrates (10), auf die das Dekor aufgetragen wird, geringer erhitzt
wird als die gegenüberliegende andere Seite (Rückseite) des Substrates (10).
4. Verfahren zum Auftragen eines Dekors aus Farbstoffen auf ein Kunststoff aufweisendes
Substrat (10), bei dem ein Farbträger (12) auf das Substrat (10) gelegt und die Farbe
durch Erhitzen des Trägers (12) mit Infrarotstrahlung auf das Substrat (10) übertragen
wird,
dadurch gekennzeichnet, daß die Infrarotstrahlung inhomogen in Abhängigkeit von der Farbverteilung des Dekors
auf den Farbträger (12) gerichtet wird.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Farbträger (12) luftdurchlässig ist.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch
gekennzeichnet,
- daß das Substrat (10) direkt auf einen heizbaren Tisch (20) gelegt wird, in dem
eine Vielzahl von Kanälen ausgeformt ist, durch die Luft gesaugt wird,
- daß der Farbträger (12) so auf das Substrat (10) gelegt wird, daß er dieses an dessen
Rändern deutlich überlappt und
- daß der Farbträger (12) direkt durch die Luftsaugung an das Substrat (10) angedrückt
wird.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Farbträger (12) auf seiner dem Substrat abgekehrten Seite auf Temperaturen
von 110°C bis 140°C erhitzt wird.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Farbmoleküle bei der Sublimation 200 bis 350 Mikron in das Substrat (10)
eindringen.
9. Vorrichtung zum Auftragen eines Dekors aus Farbstoffen auf ein Kunststoff aufweisendes
Substrat (10), bei dem ein Farbträger (12) auf das Substrat (10) gelegt und die Farbe
durch Erhitzen des Trägers (12) mit Infrarotstrahlung auf das Substrat (10) übertragen
wird,
dadurch gekennzeichnet, daß über dem Farbträger eine Vielzahl von Infrarotstrahlern (36) angeordnet sind,
die einzeln auf unterschiedliche Temperaturen steuerbar sind.
10. Produkt aus oder mit einem Kunststoff aufweisenden Substrat (10), auf das ein farbiges
Dekor durch Sublimation von Farbstoffen von einem Farbträger (12) aufgetragen ist,
dadurch gekennzeichnet, daß der Kunststoff ein Thermoplast ist, dessen Hitzebeständigkeit geringer ist als
200°C, insbesondere geringer als 170°C.