[0001] Die Erfindung betrifft eine Eindrehvorrichtung für Stangen, insbesondere für das
Eindrehen von Gewindestangen in Bohrlöcher, in denen sich eine Ampulle mit einer aushärtbaren
Klebemasse befindet, mit einem eine Achse A-A aufweisenden Gehäuse mit einem Antriebsende
und mit einem Innenraum, der in Richtung auf das dem Antriebsende abgekehrte Ende
des Gehäuses eine Öffnung für das Einführen der Stange aufweist und in dem sich auf
den Umfang der Achse verteilt und in einem Käfig drehbar und radial beweglich gelagert
mehrere, ein Klemmgesperre bildende Wälzkörper verbinden, die sich einerseits auf
Rampenflächen abstützen, die auf der Innenseite des Gehäuses angeordnet sind, und
andererseits bei Drehung des Gehäuses mittels der Rampenflächen unter Selbsthemmung
an die Stange anpreßbar sind.
[0002] Durch die DE-OS 21 65 695 ist eine Vorrichtung zum Anbringen und Entfernen von Gewindebolzen
bekannt, die kurz auch als "Stehbolzeneindreher" bezeichnet wird und die konstruktiv
sehr weitgehend mit der eingangs beschriebenen Eindrehvorrichtung übereinstimmt. In
der Regel besitzen solche Stehbolzen jedoch eine glatte, nicht von Gewindegängen durchsetzte
Zylinderfläche, und der Stehbolzeneindreher (oder Stehbolzenausdreher) wird in der
Weise eingesetzt, daß die Wälzkörper des Klemmgesperres auf der Zylinderfläche angreifen.
Auf diese Weise wird eine Beschädigung des Gewindes durch die ganz enormen Klemmkräfte
vermieden.
[0003] Hierbei ist zu beachten, daß die Übertragung von Drehmomenten mittels gehärteter
und glatter Oberflächen der Wälzkörper erfolgt, die auf Flächen der Stehbolzen einwirken,
die keinen formschlüssigen Eingriff ermöglichen und in aller Regel sogar zylindrisch
und gleichfalls gehärtet sind. Die Kraftübertragung ist mithin nur im Bereich der
Selbsthemmung möglich, d.h. die erforderlichen Tangentialkräfte werden nur durch sehr
viel größere Radialkräfte ermöglicht, die natürlich einen verformenden Einfluß auf
die Oberfläche der Stehbolzen haben können.
[0004] Die bekannten Vorrichtungen haben daher in der Regel eine durchgehende Gehäusebohrung,
so daß die Vorrichtungen soweit auf einen Stehbolzen aufgeschoben werden können, daß
mittels der Wälzkörper ein nicht mit Gewindegängen versehener Abschnitt des Stehbolzens
erreicht werden kann. Die Länge der Wälzkörper nimmt dabei auch nur einen Bruchteil
der Gesamtlänge der Gehäusebohrung ein, und ferner entspricht die Gesamtlänge der
Klemmkörper maximal in etwa dem Durchmesser des zu bewegenden Stehbolzens.
[0005] In letzter Zeit erfreut sich die Befestigung von Gewindestangen mittels aushärtbarer
Klebemassen in Bohrlöchern einer steigenden Bedeutung, und zwar als Ersatz für die
zuvor gebräuchlichen Kunststoff-Dübel. Zu diesem Zweck wird zunächst ein genau dimensioniertes
Bohrloch in die Gesteinsmasse (Beton, Mauerwerk, etc.) eingebracht, und in dieses
Bohrloch wird eine Ampulle eingeschoben, die mit einer aushärtbaren Klebemasse gefüllt
ist. Die beiden Komponenten der Klebemasse werden zunächst dadurch getrennt voneinander
gehalten, daß in der besagten Ampulle eine weitere, innere Ampulle enthalten ist,
die z.B. den Härter enthält. Durch das Eindrehen einer in der Länge genau dimensionierten
Gewindestange werden nunmehr die aus Glas bestehenden Ampullen zerstört, und die Komponenten
der Klebemasse (Harz und Härter) werden gemischt, wobei teilweise auch ein Eindringen
in die Gesteinsmasse erfolgt. Die Klebemasse härtet je nach Temperatur innerhalb weniger
Minuten aus, beispielsweise in 10 Minuten, und hält die Gewindestange bzw. den Zuganker
unverrückbar fest. Ein Lösen bzw. Herausdrehen der Gewindestange ist nicht mehr möglich.
[0006] Man hat bereits versucht, derartige Gewindestangen bzw. Zuganker mit den bekannten
Vorrichtungen in die Bohrlöcher einzubringen, und zwar dadurch, daß man die betreffenden
Vorrichtungen mit kräftigen Bohrmaschinen bzw. Schraubern angetrieben hat. Hierbei
stellte sich jedoch durch die Einwirkung der Wälzkörper eine ganz erhebliche Verformung
der Gewindegänge ein, so daß das nachfolgende Aufschrauben der Muttern nicht mehr
ohne weiteres, d.h. ohne den Einsatz von Gewindeschneidwerkzeugen möglich war. Die
nachträgliche Bearbeitung einer verformten Gewindeoberfläche ist jedoch von dem ganz
erheblichen Nachteil begleitet, daß ein Oberflächen-Korrosionsschutz zerstört wird.
Außerdem leitet die Tragfähigkeit des Gewindes.
[0007] Man hat sich daher in einer weiteren Stufe der Entwicklung so beholfen, daß man am
Ende der Gewindestange das Gewinde entfernt und durch einen Räumvorgang außerdem ein
Innen-Sechskant erzeugt hat, so daß das Ansetzen eines entsprechenden Werkzeuges möglich
wurde. Diese Maßnahme führte jedoch nicht nur zu einem Verlust eines Teils der Gewindelänge,
sondern auch zu einer erheblichen Verteuerung der Zuganker, wobei zu berücksichtigten
ist, daß diese Zuganker - im Gegensatz zu den wiederverwendeten Stehbolzen - ein ständiges
Verbrauchsmaterial sind.
[0008] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Eindrehvorrichtung der eingangs
beschriebenen Gattung anzugeben, mit der Stangen aller Art, darunter auch Gewindestangen
ohne besondere Bearbeitungsvorgänge an den Stangen rasch und zuverlässig in entsprechende
Bohrungen und/oder Gewinde eingedreht werden können. Insbesondere soll es mit diesen
Eindrehvorrichtungen möglich sein, Gewindestangen durch Ablängen von sogenannter "Meterware"
herzustellen.
[0009] Die Lösung der gestellten Aufgabe erfolgt bei der eingangs beschriebenen Eindrehvorrichtung
erfindungsgemäß dadurch, daß in Kombination
a) das Gehäuse an dem dem Antriebsende zugekehrten Ende des Innenraums einen festen
Anschlag für das Ende der Stange aufweist,
b) die Längenerstreckung der Wälzkörper mindestens 80 % der axialen Länge des Innenraums,
gerechnet vom Rand der Gehäuseöffnung bis zum Anschlag, beträgt und
c) die Längenerstreckung der Wälzkörper mindestens der Zweifache des Nenndurchmesser
der Stange beträgt.
[0010] Bei Befolgung dieser Konstruktionsanweisung wird durch den definierten und nicht
veränderbaren Abstand zwischen dem Anschlag und dem Rand der Gehäuseöffnung eine genau
definierte überstehende Länge der Stange erzielt. Weiterhin wird durch die angegebenen
Abmessungsverhältnisse gewährleistet, daß sich die Anpreßkraft der Wälzkörper über
eine sehr viel größere Länge der Stange verteilt. Es wurde überraschend festgestellt,
daß bei Einhaltung der angegebenen Mindestwerte der Maßrelationen eine störende Verformung
der Stange nicht mehr erfolgt, so daß bei Gewindestangen die Muttern ohne weiteres
auf die Gewindestangen bzw. Zuganker aufgeschraubt werden können.
[0011] Die einzelnen Zuganker können dabei am Montageort durch Absägen oder Abstechen von
Abschnitten von Gewindestangen größerer Länge, sogenannter Meterware, hergestellt
werden. Eine kostspielige Bearbeitung der Antriebsenden der Gewindestangen kann infolgedessen
unterbleiben.
[0012] Der Erfindungsgegenstand ist gewissermaßen ein Universalwerkzeug, das sowohl für
Stangen mit zylindrischer Oberfläche als auch für Gewindestangen verwendet werden
kann.
[0013] Es ist dabei weiterhin von Vorteil, wenn an jeder Umfangsstelle des Käfigs mindestens
drei Wälzkörper in jeweils einer Reihe angeordnet sind. Zwar ist es möglich, an jeder
Umfangsstelle des Käfigs einen einzigen Wälzkörper entsprechend großer Länge anzuordnen,
jedoch hat die Unterteilung dieses Wälzkörpers den Vorteil, daß Oberflächenunregelmäßigkeiten
ausgeglichen werden können. Zu dem wird die Wahrscheinlichkeit einer Berührung zwischen
den Wälzkörpern und der Gewindestange bei Verwendung einer größeren Zahl von Wälzkörpern
entsprechend erhöht. Hierbei ist zu beachten, daß das sogenannte Klemmgesperre erst
dann wirksam werden kann, wenn der Käfig gegenüber dem Gehäuse verdreht wird, so daß
die Wirkung der genannten Rampenflächen eintreten kann.
[0014] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des Erfindungsgegenstandes ergeben sich aus
den übrigen Unteransprüchen.
[0015] Ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes wird nachfolgend anhand der Figuren
1 bis 3 näher erläutert.
[0016] Es zeigen:
- Figur 1
- eine teilweise geschnittene Seitenansicht einer vollständigen Eindrehvorrichtung,
- Figur 2
- eine perspektivische Ansicht des herausgenommenen Käfigs mit eingesetzten Wälzkörpern
und
- Figur 3
- einen Schnitt durch den Gegenstand nach Figur 1 entlang der Linie III-III in vergrößertem
Maßstab.
[0017] In Figur 1 ist eine vollständige Eindrehvorrichtung 1 dargestellt. Diese besitzt
ein Gehäuse 2 mit einer im wesentlichen zylindrischen Außenfläche 3, die über eine
Kegelfläche 4 in eine Zylinderfläche 5 geringeren Durchmessers übergeht. Das freie
Ende der Zylinderfläche 5 ist gleichzeitig das sogenannte Antriebsende 6, in dem sich
ein gestrichelt dargestelltes Innenvierkant 7 mit einer Kantenlänge von 1/2 Zoll befindet.
An die Stelle des Innenvierkants kann ein beliebiges Innen- oder Außenprisma treten,
z.B. ein Außensechskant.
[0018] Der größte Teil der Länge des Gehäuses wird von einem Innenraum 8 eingenommen, der
in einer hinteren Stirnwand 9 endet. Am gegenüberliegenden Ende des Innenraums 8 befindet
sich eine Gehäuseöffnung 10, die von einem Rand 11 umgeben ist.
[0019] Die den Innenraum begrenzenden Mantellinien verlaufen achsparallel, bilden jedoch
sogenannte Rampenflächen 12, die in Bezug auf die Achse A-A eine Keilwirkung auf die
Wälzkörper 13 ausüben, die als Zylinderrollen ausgeführt sind. Die Wälzkörper 13 sind
in einem Käfig 14 geführt, dessen Außen- und Innenflächen Teil-Zylinderflächen sind,
zwischen denen Aufnahmetaschen 15 für die Wälzkörper 13 gebildet werden. Diese Aufnahmetaschen
15 sind von Teil-Zylinderflächen 16 begrenzt, deren Durchmesser in einem solchen Maße
größer ist als der Durchmesser der Wälzkörper 13, daß die Wälzkörper 13 unter der
Wirkung der Rampenflächen 12 Radialbewegungen ausführen können, bis sie zur Anlage
an den Gewindegängen einer Gewindestange 17 gebracht werden. Der Außenumfang der Gewindestange
ist durch den gestrichelten Kreis 18 angedeutet. Dieser gestrichelte Kreis 18 entspricht
dem Nenndurchmesser der Gewindestange 17.
[0020] In Figur 1 ist die axiale Länge L
A des Innenraums 8 dargestellt. Die Gesamtlänge der Wälzkörper beträgt dabei mindestens
80 % dieser axialen Länge L
A, die vom Rand 11 der Gehäuseöffnung 10 bis zur Stirnwand 9 reicht, die den Anschlag
für die Gewindestange darstellt. Es ist erkennbar, daß der Innenraum 8 in Richtung
auf das Antriebsende 6 geschlossen ist. Im vorliegenden Fall sind an jeder Umfangsstelle
des Käfigs 14 fünf Wälzkörper 13 angeordnet; es ist jedoch möglich, bei gleicher Gesamtlänge
auch nur drei oder vier Wälzkörper an jeder Umfangsstelle des Käfigs vorzusehen, oder
- im Grenzfalle - auch nur einen Wälzkörper entsprechender Länge, die wiederum mindestens
80 % der Länge L
A betragen muß.
[0021] Der Käfig 14 wird zusammen mit den Wälzkörpern 13 im Innenraum 8 durch eine Ringscheibe
19 gehalten, die wiederum durch einen Sicherungsring 20 fixiert ist. Käfig 14 und
Wälzkörper 13 sind zu Reinigungszwecken herausnehmbar.
[0022] Aus Figur 2 ist ersichtlich, daß der Käfig 14 aus einem ringförmigen Teil 14a und
drei von diesem ausgehenden achsparallelen Stegen 14b besteht, zwischen denen die
zylindrischen Wälzkörper 13 auf die weiter oben angegebene Weise mittels der Teilzylinderflächen
16 gelagert sind. Der Käfig 14 besitzt eine koaxiale Bohrung 21, die zur Einführung
der Gewindestange 17 dient (in Figur 2 ist der Käfig 14 in Über-Kopf-Lage dargestellt).
[0023] Gehäuse 2, Wälzkörper 13 und Käfig 14 bestehen aus Metall. Figur 2 zeigt sehr deutlich
den Schlankheitsgrad des Klemmgesperres gegenüber herkömmlichen Vorrichtungen. Es
ist also gewährleistet, daß die Gewindestange ein beträchtliches und genau definiertes
Maß über die Oberfläche des Bauteils übersteht, in das die Gewindestange eingeklebt
wird, und daß außerdem der Angriff der Wälzkörper sich auf den allergrößten Teil (mindestens
80 %) dieses Teils der Gewindestange erstreckt.
[0024] Die Wirkungsweise des Klemmgesperres ist sehr deutlich Figur 3 zu entnehmen. Da derartige
Klemmgesperre an sich bekannt sind, dürfte sich ein weiteres Eingehen hierauf erübrigen.
1. Eindrehvorrichtung für Stangen, insbesondere für das Eindrehen von Gewindestangen
in Bohrlöcher, in denen sich eine Ampulle mit einer aushärtbaren Klebemasse befindet,
mit einem eine Achse A-A aufweisenden Gehäuse mit einem Antriebsende und mit einem
Innenraum, der in Richtung auf das dem Antriebsende abgekehrte Ende des Gehäuses eine
Öffnung für das Einführen der Stange aufweist und in dem sich auf den Umfang der Achse
verteilt und in einem Käfig drehbar und radial beweglich gelagert mehrere, ein Klemmgesperre
bildende Wälzkörper verbinden, die sich einerseits auf Rampenflächen abstützen, die
auf der Innenseite des Gehäuses angeordnet sind, und andererseits bei Drehung des
Gehäuses mittels der Rampenflächen unter Selbsthemmung an die Stange anpreßbar sind,
dadurch gekennzeichnet, daß in Kombination
a) das Gehäuse (2) an dem dem Antriebsende (6) zugekehrten Ende des Innenraums (8)
einen festen Anschlag (Stirnwand 9) für das Ende der Stange (17) aufweist,
b) die Längenerstreckung der Wälzkörper (13) mindestens 80 % der axialen Länge des
Innenraums (8), gerechnet vom Rand (11) der Gehäuseöffnung (10) bis zum Anschlag (Stirnwand
9) beträgt und
c) die Längserstreckung der Wälzkörper (13) mindestens das Zweifache des Nenndurchmessers
der Stange (17) beträgt.
2. Eindrehvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß an jeder Umfangsstelle des Käfigs (14) mindestens drei Wälzkörper (13) in jeweils
einer Reihe angeordnet sind.
3. Eindrehvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Anschlag für die Stange (19) aus der hinteren Stirnwand (9) des Innenraums
(8) des Gehäuses (2) besteht.
4. Eindrehvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß am Antriebsende (6) des Gehäuses (2) ein Prisma (7) für das Ansetzen eines Antriebswerkzeugs
angeordnet ist.