[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bahnspannungserzeugung an einer Rotationsdruckmaschine
und eine Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Es ist bekannt an Rotationsdruckmaschinen Zugwerke vorzusehen, die zwischen einem
Papierrollenwechsler und einem nachfolgenden Druckwerk angeordnet sind, um die Papierbann
zu straffen und Störungen zu vermeiden, welche z. B. beim Abrollen einer Papierrolle
auftreten können.
[0003] Die DE-PS 23 05 249 zeigt z. B. ein Zugwerk mit einer antreibbaren Zugwalze und einer
Tänzerwalze, die mit einer Einrichtung zur Erkennung von Zugspannungsschwankungen
in der Papierbahn versehen ist. Die Zugwalze wird im wesentlichen vom Hauptantrieb
der Druckmaschine angetrieben und weist zur Änderung dieser Antriebsgeschwindigkeit
ein Überlagerungsgetriebe auf, dessen Steuerteil mittels eines Elektromotors angetrieben
wird, welches über einen Regelkreis mit der Tänzerwalze verbunden ist.
[0004] Das Zugwerk nach der DE-PS 23 05 249 arbeitet nach dem Prinzip durch Geschwindigkeitsänderung
der Zugwalze die Papierbahngeschwindigkeit konstant zu halten. Diese Maßnahme erfordert
eine große Anzahl von zusätzlichen Bauteilen wie z. B. Elektromotoren, Differentialgetriebe,
Regeleinrichtungen. Der Aufbau dieses Zugwerks ist dadurch kompliziert und kostenintensiv.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur
Durchführung des Verfahrens zur Papierbahnspannungserzeugung an einer Rotationsdruckmaschine
zu schaffen.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Teile der Ansprüche 1
und 2 gelöst.
[0007] Es ist bei dem Verfahren und der dazugehörigen Vorrichtung von Vorteil, daß die Zugspannung
der Papierbahn einstellbar ist. Weitere Vorteile der Erfindung liegen insbesondere
darin, daß keine komplizierten Regeleinrichtungen mit den dazugehörigen Stelleinrichtungen
benötigt werden. Der konstruktive Aufbau ist einfach, kostengünstig und reparaturunanfällig.
[0008] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt und wird
im folgenden beschrieben. Es zeigen
Fig. 1 eine schematische Darstellung in der Seitenansicht der Zugwerkswalzen,
Fig. 2 eine schematische Darstellung in der Draufsicht.
[0009] Ein Zugwerk 1 einer Rotationsdruckmaschine ist zwischen einem Papierrollenwechsler
2 und einem Druckwerk 3 der Rotationsdruckmaschine angeordnet. Das Zugwerk 1 weist
eine drehbar mittels Buchsen 6, 7 in Seitengestellen 8, 9 gelagerte Zugwalze 4 auf.
Diese wird vom Hauptantrieb der Maschine mittels eines Antriebszahnrades 11 untersetzt
angetrieben, welches außerhalb des Seitengestells 9 auf einem Wellenzapfen 10 der
Zugwalze 4 gelagert ist.
[0010] Durch diese Maßnahme ist die Umfangsgeschwindigkeit der Zugwalze kleiner (ca. 0,03
%) als die Umfangsgeschwindigkeit der Zylinder des nachfolgenden Druckwerks 3.
[0011] In Bahntransportrichtung gesehen ist der Zugwalze 4 eine Umlenkwalze 12 nachgeordnet.
Diese ist drehbar auf einer Welle 13 gelagert. Die Welle 13 ist verstellbar in den
Seitengestellen 8, 9 gelagert.
[0012] In Bahntransportrichtung gesehen ist der Zugwalze 4 eine Papierbahnleitwalze 14 vorgeschaltet.
Diese ist drehbar auf einer Achse 16 gelagert. Die Achse 16 ist in zwei schwenkbaren
Hebeln 17, 18 gelagert, die jeweils fest mit einem schwenkbaren Zahnrad 19; 21 verbunden
sind. Die schwenkbaren Zahnräder 19, 21 sind jeweils schwenkbar auf den Buchsen 6,
7 an den Innenseiten der Seitengestelle 8, 9 gelagert. Die Zahnräder 19, 21 stehen
jeweils im Zahneingriff mit zwei Zahnrädern 22, 23, die jeweils an den Innenseiten
der Seitengestelle 8, 9 auf der Welle 13 befestigt sind. Die Welle 13 ragt an beiden
Seiten aus den Seitengestellen 8, 9 heraus und trägt auf der Seitengestellseite 8
ein selbst hemmendes Handrad 24 zur manuellen Verdrehung der Welle 13. Selbstverständlich
kann hier für eine Fernbedienung auch ein Stellmotor vorgesehen werden. Auf der gegenüberliegenden
Seitengestellseite 9 ist ein Stellungsanzeiger 26 in Form eines Potentiometers vorgesehen.
Selbstverständlich sind auch andere Stellungsanzeiger möglich (z. B. in Form eines
Zeigers mit Skala).
[0013] Die Papierbahn 27 wird nun vom Papierrollenwechsler 2 in das Zugwerk 1 einlaufend
zunächst im Uhrzeigersinn um die Papierleitwalze 14 der Zugwalze 4 zugeführt. Die
Papierbahn 27 umschlingt die Zugwalze 4 gegen den Uhrzeigersinn in einem Winkel a
(ca. 90°< a < 270°) und gelangt daraufhin zur Umlenkwalze 12, die wiederum im Uhrzeigersinn
umschlungen wird, bevor die Papierbahn dem Druckwerk 3 zugeführt wird. Die Papierleitwalze
14 ist mitttels der Verstelleinrichtung (24, 13, 19 bis 23, 17, 18, 16) in einem Abstand
a um die Zugwalze 4 schwenkbar angeordnet. Durch Schwenken der Papierleitwalze 14
um die Zugwalze 4 wird der Umschlingungswinkel a eingestellt.
[0014] Die Funktion des erfindungsgemäßen Zugwerks 1 ist wie folgt.
[0015] Die Zugwalze 4 wird gegenüber der Papierbahn 27 mit einer kleineren Umfangsgeschwindigkeit
angetrieben. Der daraus resultierende Schlupf zwischen Papierbahn 27 und Zugwalze
4 ist mit Reibung behaftet, so daß eine Bahnspannung erzeugt wird. Ein Gleitreibungsfaktor
u ist abhängig von der Bahnspannung. Diese Abhängigkeit stellt sich wie folgt dar.
Der Gleitreibungsfaktor u sinkt bei konstantem Umschlingungswinkel a mit einer Erhöhung
der Papierbahnspannung und steigt mit einem Absinken der Papierbahnspannung. Ein Sinken
des Gleitreibungsfaktors u hat jedoch gleichzeitig zur Folge, daß die von der Zugwalze
4 durch reibungsbehafteten Schlupf auf die Papierbahn 27 aufgebrachte Bremswirkung
nachläßt, so daß sich das beschriebene System selbständig in einem ausgewählten Arbeitsbereich
(ca. ± 2 daN Störkräfte) ausregelt. Bei einem Abfall der Papierbahnspannung verhält
sich der Gleitreibungsfaktor u umgekehrt und steigt an.
[0016] Mittels der Änderung des Umschlingungswinkels a wird der gewünschte Arbeitsbereich
(Zugspannung) eingestellt.
Teileliste
[0017]
1 Zugwerk
2 Papierrollenwechsler
3 Druckwerk
4 Zugwalze
5 -
6 Buchse
7 Buchse
8 Seitengestell
9 Seitengestell
10 Wellenzapfen (4)
11 Antriebszahnrad (4)
12 Umlenkwalze
13 Welle
14 Papierleitwalze
15 -
16 Achse (14)
17 Hebel
18 Hebel
19 Zahnrad
20 -
21 Zahnrad
22 Zahnrad
23 Zahnrad
24 Handrad
25 -
26 Stellunganzeiger
27 Papierbahn
α Umschlingungswinkel
µ Reibungsfaktor (4 - 27)
a Abstand (4 - 14)
1. Verfahren zur Erzeugung einer nahezu konstanten Papierbahnspannung mittels eines
Zugwerks (1), dadurch gekennzeichnet, daß eine Papierbahn (27) mit einem Umschlingungswinkel
a um eine Zugwalze (4) geführt wird, daß die Zugwalze (4) mit einer im Verhältnis
zu einer Umfangsgeschwindigkeit der Zylinder eines nachfolgenden Druckwerkes (3) konstant
kleineren Umfangsgeschwindigkeit angetrieben wird, daß bei einem Anstieg bzw. Abfall
der Papierbahnspannung der in das Zugwerk (1) einlaufenden Papierbahn (27) ein Reibungsfaktor
(u) zwischen der Zugwalze (1) und der Papierbahn (27) absinkt bzw. ansteigt, daß hierdurch
eine Papierbahnspannung der aus dem Zugwerk (1) auslaufenden Papierbahn (27) entsprechend
absinkt bzw. ansteigt, daß durch die Abhängigkeit des Reibungsfaktors (µ) von der
Papierbahnspannung eine Kompensation von Störkräften erzeugt wird.
2. Vorrichtung zur Bahnspannungserzeugung an einer Rotationsdruckmaschine mit einer
von einer Papierbahn (27) teilweise umschlungenen, antreibbaren Zugwalze (4), dadurch
gekennzeichnet, daß ein Mittel (14) zur Veränderung eines Umschlingungswinkels (a)
zwischen der Papierbahn (27) und der Zugwalze (4) vorgesehen ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß dieses Mittel als schwenkbare
Papierleitwalze (14) ausgebildet ist.
4. Vorrichtung nach den Ansprüchen 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Papierleitwalze
(14) in einem Abstand (a) um die Zugwalze (4) schwenkbar angeordnet ist.
5. Vorrichtung nach den Ansprüchen 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Papierleitwalze
(14) drehbar auf einer Achse (16) mittels zweier Hebel (17, 18) und zweier Zahnräderzüge
(19, 22; 21, 23) mit einer Stellvorrichtung (13, 24) verbunden ist.
6. Vorrichtung nach den Ansprüchen 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Zugwalze
(1) mittels eines Untersetzungsmittels (11) mit einem Hauptantrieb der Rotationsdruckmaschine
verbunden ist.