[0001] Zur Beurteilung der optimalen Lösung von Gasen in Flüssigkeiten wurde bisher vor
allem das Gesetz von Henry-Dalton benutzt. Als bekanntestes Beispiel ist die Lösung
Von Sauerstoff in Wasser zu nennen. Das Gesetz von Henry-Dalton lautet hier folgendermaßen:

wobei die einzelnen Parameter folgende Bedeutung haben:
c: Konzentration des Sauerstoffs im Wasser H: Henry-Konstante
p: Partialdruck des gasförmigen Sauerstoffs.
[0002] Die Konzentration des im Wasser gelösten Sauerstoffs steigt also mit steigendem Sauerstoffpartialdruck.
In der Technik wurden unter Zugrundelegung dieses Gesetzes folgende Maßnahmen ergriffen:
a) Der Partialdruck des Sauerstoffs wird erhöht durch Ersatz von Luft durch reinen
Sauerstoff. Dies hat eine Erhöhung des Sauerstoff-Partialdrucks auf das fünffache
zur Folge, wodurch sich auch der im Wasser gelöste Sauerstoffanteil verfünffacht.
b) Der Partialdruck des Sauerstoffs wird erhöht durch möglichst tiefe Verlegung von
Begasungsschläuchen im Wasser. Der Druck der Wassersäule erhöht den Partialdruck des
Sauerstoffs, wodurch ebenfalls der Anteil des gelösten Sauerstoffs vergrößert wird.
c) Das Wasser wird in Reaktoren mittels Pumpen unter Druck gesetzt, so daß der Partialdruck
des Sauerstoffs erhöht wird. Dies hat wiederum eine Vergrößerung des Anteils des gelösten
Sauerstoffs zur Folge.
[0003] Die bekannten Methoden des Gaseintrags in Flüssigkeiten weisen jedoch folgende Nachteile
auf:
Bei bereits bestehenden Wassersystemen ist eine Verlegung von Begasungsschläuchen
in tiefem Wasser oft nicht möglich bzw. nur unter Zuhilfenahme großer Baumaßnahmen
möglich. Bei Einsatz von Reaktoren muß außerdem zusätzliche Energie für den Sauerstoffeintrag
aufgebracht werden (ca. 0,5 kWh/kg Sauerstoff). Es fallen zudem Anschaffungskosten
und Instandhaltungskosten für die Reaktoren und Pumpen an.
[0004] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zum Gaseintrag in Flüssigkeiten zur Verfügung zu stellen, die auf wirtschaftliche
Weise einen effektiven Gaseintrag ermöglichen.
[0005] Diese Aufgabe wird verfahrensseitig erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das Gas in
einen Flüssigkeitsstrom in Strömungsrichtung gleichmäßig verteilt eingetragen wird.
[0006] Vorrichtungsseitig wird die Aufgabe dadurch
gelöst, daß in einer für einen Flüssigkeitsstrom vorgesehenen Leitung mindestens ein
perforierter Begasungsschlauch longitudinal verlegt ist.
[0007] Weitere Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen aufgeführt.
[0008] Die Effizienz des Sauerstoffeintrags mit Begasungsschläuchen wird nicht mehr bestimmt
durch den Partialdruck des Sauerstoffs bzw. durch die Wassertiefe. Selbst bei einer
Wassertiefe von nur 0,6 m kann eine Sauerstoffausnutzung von über 80 % erreicht werden.
Die Thermodynamik der Formel von Dalton wird durch die Kinetik der Formel von Henry
überspielt. Dabei gilt folgender Zusammenhang:

wobei die einzelnene Parameter folgende Bedeutung haben:
M: Sauerstoffmenge, die pro Zeiteinheit gelöst wird
K: Diffusionskonstante
A: Kontaktfläche zwischen Sauerstoff und Wasser
dc/dx: Konzentrationsgefälle in der Phasengrenzschicht.
[0009] Entscheidend dabei ist, daß die Geschwindigkeit des Übergangs vom gasförmigen Sauerstoff
zum gelösten Sauerstoff nur so schnell wird, daß es an der Pore des Begasungsschlauchs
zu keiner Blasenablösung kommt. Dann träte nämlich das Gesetz von Dalton in Kraft.
Das ideale Gleichgewicht erkennt man, wenn die Poren des Begasungsschlauches mit kleinen
Sauerstofftröpfchen belegt sind, die zwar Sauerstoff an das Wasser abgeben, die sich
selbst aber nicht ablösen. Physikalisch gesehen ist dieses Phänomen dadurch erklärbar,
daß in der Gleichung M = K'A d
c/d
x der Bruch d
c/d
x wegen des schnell fließenden Wassers immer einen hohen Wert hat (d
c: Konzentration in der Gasphase = konstant bzw. 100 %; d
x: Konzentration von Sauerstoff in der Phasengrenzschicht ist wegen des schnell fließenden
Wassers klein!).
[0010] Bei natürlichen Flüssigkeitsströmen bzw. - gefällen wird ein Teilstrom der Flüssigkeit
so durch eine Leitung, z.B. ein Rohr geführt, daß in der Leitung Wassergeschwindigkeiten
von vorzugsweise mindestens 0,5 m/s auftreten. In der Leitung werden perforierte Begasungsschläuche
longitudinal verlegt. Der Gaseintrag wird umso besser, je schneller die Flüssigkeit
am Begasungsschlauch entlang fließt. Besonders bevorzugt sind Strömungsgeschwindigkeiten
von mindestens 1 m/s. Um die Austrittsgeschwindigkeit des Sauerstoffs pro Loch klein
zu halten, werden vorteilhafterweise für diese Methode mehr Löcher als bei üblichen
Begasungssystemen in den Schlauch eingebracht. Während bei Begasungssystemen nach
dem Stand der Technik ca. 1000 Löcher pro Meter Begasungsschlauch üblich sind, wird
gemäß einer Weiterbildung des Erfindungsgedankens vorgeschlagen, daß der Begasungsschlauch
ca. 3000 bis ca 6000 Löcher pro Meter Begasungsschlauch aufweist. Treten an einer
Stelle in einem Flüssigkeitssystem bereits hohe Flüssigkeitsgeschwindigkeiten von
mindestens 0,5 m/s auf, z.B. in Zuführungskanälen, können ohne weitere Aufwendungen
die Schläuche direkt in den Kanal gelegt werden. Die Flüssigkeit kann auch in eine
Leitung eingeführt werden, die ein so starkes Gefälle aufweist, daß sich eine Strömungsgeschwindigkeit
von mindestens 0,5 m/s einstellt. Die Begasungsschläuche werden in diesem Fall ebenfalls
einfach longitudinal in der Leitung verlegt.
[0011] Bei Wassersysstemen ohne natürliches Gefälle bzw. Wasserströme wird erfindungsgemäß
ein neuer Reaktortyp eingesetzt, der sich dadurch auszeichnet, daß die Leitung für
den Flüssigkeitsstrom ringförmig verlegt ist und je eine tangential angeordnete Zufuhrleitung
und Abzugsleitung für die Flüssigkeit aufweist und die Zufuhrleitung mit einer Pumpe
in Verbindung steht, die für die Erzeugung eines Flüssigkeitsstromes mit einer Strömungsgeschwindigkeit
von mindestens 0,5 m/s ausgelegt ist. Es entsteht so ein dynamischer Reaktor mit einer
ringförmigen Leitung, in der sich die Flüssigkeit im Kreis dreht. Die Leitung kann
beispielsweise als Rohr ausgebildet sein. Die Kreisbewegung wird durch tangential
einströmende sauerstoffarme und tangential ausströmende sauerstoffreiche Flüssigkeit
in Bewegung gehalten. Die Begasungsschläuche werden vorteilhaft auf der dem Zentrum
entfernten Rohrinnenoberfläche verlegt, um die relative Druckerhöhung durch die Zentrifugalkraft
des Wassers auszunützen.
[0012] Der neue Reaktortyp verbraucht gegenüber den bisherigen Reaktortypen weniger Energie.
Der Leistungsbedarf einer Pumpe für einen Sauerstoffreaktor nach dem Stand der Technik
ergibt sich aus dem Förderstrom (dynamischer Anteil) und der Förderhöhe (statischer
Anteil). Die Förderhöhe ist beim neuen Reaktortyp geringer, da die Flüssigkeit nicht
mehr komprimiert werden muß, sondern nur noch bewegt wird.
[0013] Außerdem tritt bei dem neuen dynamischen Reaktortyp gegenüber dem bekannten Druckreaktor
nicht der Nachteil auf, daß bei Entspannung der mit Gas gesättigten Flüssigkeit sowohl
manchmal sehr unangenehme Turbulenzen auftreten als auch der gelöste Sauerstoff bei
der Entspannung dazu neigt, wieder in die Gasform überzugehen.
[0014] Die Erfindung eignet sich allgemein zum Lösen von Gasen in Flüssigkeiten. Insbesondere
ist die Erfindung für den Sauerstoffeintrag in Wasser, beispielsweise Abwasser oder
Trinkwasser, vorgesehen. Besonders geeignet ist die Erfindung beispielsweise für den
Sauerstoffeintrag in das Fischwasser einer Fischzuchtanlage.
[0015] Im folgenden soll die Erfindung anhand eines in der Zeichnung schematisch dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert werden.
[0016] Die Figur zeigt einen Wasserzuflußkanal einer Fischzuchtanlage.
[0017] Der Wasserzuflußkanal 1 weist eine Breite von ca. 0,9 m und eine Tiefe von ca. 0,6
m auf. Am Boden des Kanals 1 sind zehn perforierte Begasungsschläuche 2 mit je einer
Länge von ca. 40 m parallel längs zur Strömungsrichtung des Wassers verlegt, d.h.
es ergibt sich ein Schlauchpaket mit einer Länge von ca. 40 m. Die Schläuche weisen
ca. 1000 Löcher pro Meter Schlauchlänge auf. Der Kanal hat ein so starkes Gefälle,
daß das darin fließende Wasser eine Strömungsgeschwindigkeit von ca. 1 m/s aufweist.
Über den Kanal 1 werden den in der Zeichnung nicht dargestellten Fischbekken ca. 540
Liter Wasser pro Sekunde zugeführt. Das Wasser weist eine Temperatur von ca. 20 C
auf. der Sauerstoffdruck im Schlauch beträgt ca. 0,8 bar. Die Schläuche werden mit
ca. 3,9 m
3 Sauerstoff pro Stunde beaufschlagt. Vor dem Schlauchpaket 2 weist das Wasser einen
Gehalt an gelöstem Sauerstoff von ca. 7,3 mg/I auf. Nach dem Schlauchpaket 2 beträgt
der Gehalt an gelöstem Sauerstoff 9,5 mg/I. Es ergibt sich eine Eintragseffizienz
von 82,6 %. Bis 50 m nach dem Schlauchpaket 2 kann keine Ausgasung des mit Sauerstoff
angereicherten Wassers gemessen werden.
1. Verfahren zum Gaseintrag in eine Flüssigkeit, dadurch gekennzeichnet, daß das Gas
in einen Flüssigkeitsstrom in Strömungsrichtung gleichmäßig verteilt eingetragen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im Flüssigkeitsstrom eine
Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 0,5 m/s aufrechterhalten wird.
3. Vorrichtung zum Gaseintrag in eine Flüssigkeit, dadurch gekennzeichnet, daß in
einer für einen Flüssigkeitsstrom vorgesehenen Leitung (1) mindestens ein perforierter
Begasungsschlauch (2) longitudinal verlegt ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Begasungsschlauch
ca. 3000 bis ca. 6000 Löcher pro Meter Schlauchlänge aufweist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitung ein
so starkes Gefälle aufweist, daß sich eine Strömungsgeschwindigkeit der Flüssigkeit
von mindestens 0,5 m/s einstellt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitung ringförmig
verlegt ist und je eine tangential angeordnete Zufuhrleitung und Abzugsleitung für
die Flüssigkeit aufweist und die Zufuhrleitung mit einer Pumpe in Verbindung steht,
die für die Erzeugung eines Flüssigkeitsstromes mit einer strömungsgeschwindigkeit
von mindestens 0,5 m/s ausgelegt ist.