[0001] Die Erfindung bezieht sich auf einen Auffangraum für bei einem Störfall freiwerdende
umweltgefährdende, insbesondere organische Flüssigkeiten, wie z.B. Chlorkohlenwasserstoffe,
oder dergleichen gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Der Schutz der Umwelt vor diese gefährdenden Stoffen, die bei der industriellen Produktion
als Ausgangs-, Zwischen- oder Endprodukt anfallen, umfaßt immer mehr nicht nur die
Emissionen, die während des laufenden Betriebes freigesetzt werden, sondern auch Störfälle,
in denen z.B. infolge von technischen Defekten z.B. durch Leckagen plötzlich größere
Mengen von umweltgefährdenden Flüssigkeiten freigesetzt werden, oder z.B. bei Bränden
durch umweltgefährdende Stoffe verunreinigtes Löschwasser anfällt. Da solche Flüssigkeiten
entweder unmittelbar den Erdboden und das Grundwasser verunreinigen oder, wenn sie
das Kanalisationsnetz erreichen, auch eine betriebliche oder kommunale Kläranlage
belasten, muß jede Lagerung von wassergefährdenden Flüssigkeiten durch Auffangräume
geschützt werden, die geeignet sind, die in einem Störfall austretenden Mengen dieser
Flüssigkeiten aufzufangen und für eine bestimmte Zeit zurückzuhalten, um sie danach
ordnungsgemäß entsorgen zu können.
[0003] Ein typischer Anwendungsfall für solche Auffangräume sind z.B. Tanklager. Der Auffangraum
besteht dort üblicherweise aus einer Wanne aus einer auf dem Erdboden aufliegenden
Platte aus Stahlbeton, die mit Seitenwänden, zumindest aber mit einer umlaufenden
Aufkantung versehen ist. Infolge der meist großen Ausdehnung solcher Wannen reicht
eine vergleichsweise geringe Höhe der Aufkantung für das erforderliche Fassungsvermögen
aus.
[0004] Eine solche Auffangwanne muß bei beträchtlicher Größe absolut dicht sein. Da Stahlbeton
für organische Flüssigkeiten, insbesondere für Chlorkohlenwasserstoffe (CKW), nicht
ausreichend dicht ist, werden solche Auffangwannen üblicherweise durch Beschichtungen
unter Verwendung von Kunstharzen, Folien oder Fliesen an der Oberfläche gedichtet.
Da nicht vorgespannter Beton durch Schwinden sowie durch Verformungen infolge von
Temperaturunterschieden Risse erleidet, müssen solche Beschichtungen auch zur Rißüberbrückung
sehr sorgfältig ausgeführt werden und sind demzufolge entsprechend teuer. Da diese
Beschichtungen auch durch Fahrzeuge befahren werden, besteht immer die Gefahr einer
Beschädigung mit der Folge, daß die Beschichtung undicht wird und im Auslauffall umweltgefährdende
Flüssigkeiten unkontrollierbar in den Beton und durch diesen hindurch in den Untergrund
eindringen können.
[0005] Es ist auch schon bekannt geworden, als Dichtmittellage eine flüssigkeitsdichte Metallblechwanne
vorzusehen, die zumindest im Bereich ihres Bodens beidseitig in innigen Flächenkontakt
in den Beton eingebettet ist, der auch als Sperrbeton ausgeführt sein kann (DE-A 38
09 963). Abgesehen davon, daß auch eine solche Konstruktion sehr aufwendig ist, wird
im Störfall die gesamte oberhalb der Metallblechwanne befindliche Stahlbetonschicht
kontaminiert, bevor die Flüssigkeit die Metallblechwanne überhaupt erreicht.
[0006] Vor diesem technischen Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine
mit wirtschaftlichen Mitteln herzustellende und zu unterhaltende Auffangwanne der
eingangs angegebenen Art anzugeben, die zumindest für die vorgeschriebene Zeit einwandfrei
dicht gegen umweltgefährdende Flüssigkeiten ist.
[0007] Gemäß der Erfindung wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß die Stahlbetonplatte unter
Zwischenschaltung einer Gleitschicht auf einer ebenen Unterlage aufgelagert ist und
an ihrer Oberseite sowie die tragenden Teile der Seitenwände an ihren Innenseiten
jeweils mit einer im Kontaminationsfall erneuerbaren Verschleißschicht aus einem erhärtenden
zementgebundenen Material, z.B. Beton, schubfest verbunden sind und daß der jeweils
aus den tragenden Teilen und der Verschleißschicht gebildete Gesamtquerschnitt des
Bodens und der Seitenwände durch in innerhalb der tragenden Teile liegenden Spannkanälen
ohne Verbund mit diesen gegen Korrosion geschützt, ablaßbar und nachspannbar sowie
auswechselbar angeordnete Spannglieder zweiachsig vorgespannt ist. Zweckmäßigerweise
besteht die Verschleißschicht aus dichtem Beton.
[0008] Bauteile aus Spannbeton können, wie an sich bekannt, durch Anwendung einer Druckvorspannung
weitgehend rissefrei gehalten werden. Berücksichtigt man bei der Vorspannung die Einflüsse
aus Kriechen und Schwinden, dann läßt sich ein derartiger Behälter auch über große
Zeiträume hinweg rissefrei erhalten. Das Aufbringen von überzügen, Beschichtungen
oder dergleichen zur Gewährleistung der Dichtigkeit erübrigt sich, wenn der Beton
ausreichend dicht ist.
[0009] Demzufolge liegt der Grundgedanke der Erfindung darin, auf die eigentlich tragende
Platte aus Stahlbeton eine gegenüber einem bekannten Kunststoffüberzug vergleichsweise
dicke Schicht aus einem erhärtenden zementgebundenen Material, z.B. Beton, anzuordnen,
die mit den tragenden Teilen schubfest verbunden ist und mit diesen einen einheitlichen,
durch Spannglieder in Längs-und Querrichtung vorspannbaren Gesamtquerschnitt bildet.
Diese Schicht, für die zweckmäßig ein für die jeweilige Flüssigkeit dichter Beton
verwendet wird, übernimmt im Auslauffall für eine gewisse Zeit die Aufgabe einer Barriere.
[0010] Dabei wird in Kauf genommen, daß infolge der auch bei einem dichten Beton immer noch
vorhandenen Kapillarität ein Teil der Flüssigkeit in diese Schicht eindringt und sie
kontaminiert. In diesem Fall wird nach der Erfindung vorgesehen, diese Schicht zur
Wiederherstellung der Benutzungsbereitschaft der Auffangwanne nach der Entsorgung
der aufgefangenen Flüssigkeit ganz oder teilweise abzutragen und zu erneuern.
[0011] Demgemäß ist Gegenstand der Erfindung noch ein Verfahren zur Wiederherstellung der
Benutzungsbereitschaft eines nach einem Störfall an der Innenseite kontaminierten
Auffangraumes, bei dem zunächst die Vorspannung der tragenden Teile des Bodens und
der Seitenwände durch Entspannen der Spannglieder ganz oder teilweise abgelassen wird,
sodann die kontaminierte Verschleißschicht ganz oder teilweise abgetragen und unter
Sicherstellung einer schubfesten Verbindung mit den tragenden Teilen eine neue Verschleißschicht
aufgetragen wird und nach deren Erhärten die Vorspannung auf den aus den tragenden
Teilen und der Verschleißschicht gebildeten Gesamtquerschnitt des Bodens und der Seitenwände
wieder aufgebracht wird.
[0012] Wesentlich für die Funktion des Bauwerks ist, daß die der Rissesicherung dienende
Vorspannung die gesamte Querschnittsfläche erfaßt. Deshalb ist es wichtig, daß die
gesamte Querschnittsfläche vorgespannt wird, d.h. daß nach dem Aufbringen der Vorspannung
keine - dann nicht vorgespannten - Schichten oder Querschnittsteile mehr aufgetragen
werden, daß die Vorspannung vor dem Abtragen von Querschnittsteilen abgelassen und
erst dann wieder aufgebracht wird, wenn eine die ursprüngliche Bauwerkskontur wiederherstellende
Ergänzungsschicht aus Beton derselben Festigkeit wieder aufgetragen ist. Auch muß
die Ergänzungsschicht, wie schon zuvor die Verschleißschicht, einen einwandfreien
Verbund mit der tragenden Platte besitzen, um beim Wiederanspannen der verbliebenen
oder beim Spannen etwa ausgetauschter Spannglieder wie ein homogener Betonquerschnitt
wieder vorgespannt zu werden, damit für einen eventuell nächsten Störfall wieder ein
rissefreies System zur Verfügung steht.
[0013] Um eine die volle Rissesicherung bewirkende Vorspannung in die Platte eintragen zu
können, ist es erforderlich, die Bodenreibung so weit als möglich auszuschalten, d.h.
die Platte unter Zwischenschaltung einer Gleitschicht auf einer ebenen Unterlage aufzulegen.
Die Gleitwirkung dieser Schicht muß so beschaffen sein, daß bei einer Entspannung
der Spannglieder die Rückstellkraft in der Platte in der Lage ist, sie wieder zurückzuschieben,
d.h. die Vorspannung vollständig abzubauen.
[0014] Die Erfindung wird nachstehend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Es zeigt
Fig. 1 eine schematische Grundrißübersicht über eine Auffangwanne nach der Erfindung,
Fig. 2 einen Schnitt entlang der Linie 11-11 in Fig. 1 und
Fig. 3 einen Schnitt entlang der Linie 111-111 in Fig. 1.
[0015] Mit der schematischen Übersicht in Fig. 1 soll lediglich angedeutet werden, daß eine
Auffangwanne 1 aus einer ebenen Platte 2 aus Stahlbeton besteht, bei der die Seitenwände
3 aus einer umlaufenden Aufkantung versehen ist. Mit "Auffangwanne" ist hier nicht
nur eine Konstruktion umschrieben, bei der die Platte 2 vergleichsweise große Abmessungen
aufweist und die Seitenwände demgegenüber niedrig sind, sondern beispielsweise auch
ein Behälter, bei dem die Seitenwände 3 eine im Vergleich zu den Grundrißabmessungen
große Höhe aufweisen. Form und Abmessungen des Grundrisses der Konstruktion sind dabei
grundsätzlich beliebig. Eine Auffangwanne der erstgenannten Art mit rechteckigem Grundriß
ist hier dargestellt, wie die zueinander rechtwinkligen Schnitte der Fig. 2 und 3
zeigen.
[0016] Im dargestellten Ausführungsbeispiel besteht die Platte 2 aus einer im eigentlichen
Sinn tragenden Platte 2', die unter Zwischenschaltung einer Gleitschicht 4 auf einem
Planum 5 aufliegt und aus einer auf diese oben aufgebrachten Verschleißschicht 2"
. Die Verschleißschicht 2" besteht, ebenso wie die tragende Platte 2', aus einem zementgebundenen
Material, schon um die Voraussetzung dafür zu schaffen, daß der aus der tragenden
Platte 2' und der Verschleißschicht 2" gebildete Gesamtquerschnitt der Platte 2 im
Sinne der Erzielung von Spannbeton vorgespannt werden kann.
[0017] Zur Erzielung einer zweiachsigen Vorspannung sind in der tragenden Platte 2' Längsspannglieder
6 und Querspannglieder 7 angeordnet und an den Plattenenden durch Verankerungen 13
verankert. Die Spannglieder 6, 7 können grundsätzlich beliebig ausgebildet sein; sie
dürfen sich aber nicht im Verbund mit der tragenden Platte 2' befinden, sondern müssen
dieser gegenüber längsbeweglich und auswechselbar sein; sie liegen deshalb in z.B.
durch einbetonierte Hüllrohre gebildeten Spannkanälen 8. Die Spannglieder 6, 7 sind
durch einen Überzug 9 oder vergleichbare Maßnahmen gegen Korrosion geschützt.
[0018] Gleiche Maßnahmen gelten für die Seitenwände 3. Auch diese bestehen aus einem tragenden
Teil 3' und einer Verschleißschicht 3", die in gleicher Weise ausgebildet sind wie
die Schichten der Platte 2. Auch die Seitenwände 3 sind vorgespannt, und zwar ähnlich
wie die tragende Platte 2' durch horizontal verlaufende Spannglieder 10 sowie vertikal
verlaufende Spannglieder 11, deren Länge der Höhe der Seitenwände 3 entspricht. Auch
die im Bereich der Seitenwände 3 liegenden Spannglieder 10, 11 liegen in Spannkanälen
8, sind durch einen Überzug 9 durch Korrosion geschützt und in Verankerungen 13 verankert.
[0019] In die Verschleißschicht 2" bzw. 3" kann ein Monitoringsystem mit Fühlern 12 eingebaut
sein, das auf das Eindringen umweltgefährdender Stoffe in die Verschleißschicht reagiert.
Auf diese Weise können sehr frühzeitig etwaige Leckagen festgestellt werden.
[0020] In einem Störfall, also z.B. bei einer Leckage, wird die ausgelaufene Flüssigkeit
von der Auffangwanne 1 aufgenommen und so am unmittelbaren Austritt in die Umwelt
gehindert. Die Auffangwanne 1 ist für einen bestimmten Zeitraum dicht; die Dichtigkeit
kann erreicht oder verstärkt werden beispielsweise dadurch, daß in die Verschleißschicht
2" bzw. 3" Zusatzstoffe eingebettet werden, die mit den ausgelaufenen Flüssigkeiten
reagieren, z.B. viskos werden und so die Poren des Betonkörpers verstopfen. Ein derartiges
Verfahren ist z.B. aus EP-A 0 358 816 bekannt. Eine ausreichende Dichtigkeit der Verschleißschicht
2" kann aber auch auf andere Art und Weise erzeugt werden.
[0021] Nach der Erfindung wird in Kauf genommen, daß nach einem Störfall die Verschleißschicht
2" kontaminiert ist und entfernt werden muß. Dies geschieht, nachdem zuvor die Spannglieder
6 und 7 sowie 9 und 10 abgelassen und somit der gesamte Baukörper spannungsfrei gemacht
wurde. Um der Platte 2 ein elastisches Aufatmen nach Ablassen der Vorspannung zu ermöglichen,
muß sie auf einer ausreichend gleitfähigen Gleitschicht 4 aufliegen. Danach wird die
Verschleißschicht 2" bzw. 3" in an sich bekannter Weise abgetragen. Auf die dadurch
freigelegte Oberfläche der tragenden Platte 2' bzw. des tragenden Teils 3' der Seitenwände
3 wird dann eine neue Verschleißschicht 2" bzw. 3" aufgetragen. Nach dem Erhärten
dieser neuen Verschleißschicht wird die Vorspannung wieder aufgebracht. Zur erneuten
Vorspannung können entweder die bisherigen Spannglieder wieder gespannt oder, falls
diese kontaminiert oder beschädigt sein sollten, an deren Stelle neue Spannglieder
eingeführt und diese gespannt werden. Damit steht für einen etwaigen weiteren Störfall
wieder eine voll einsatzfähige Konstruktion zur Verfügung.
1. Auffangraum für bei einem Störfall freiwerdende umweltgefährdende, insbesondere
organische Flüssigkeiten, wobei der Auffangraum in Form einer Wanne mit einem Boden,
der als statisch tragendes Teil eine Stahlbetonplatte aufweist, und Seitenwänden aus
Stahlbeton ausgebildet ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Stahlbetonplatte (2')
unter Zwischenschaltung einer Gleitschicht (4) auf einer ebenen Unterlage aufgelagert
ist und an ihrer Oberseite sowie die tragenden Teile (3') der Seitenwände (3) an ihren
Innenseiten jeweils mit einer im Kontaminationsfall erneuerbaren Verschleißschicht
(2", 3") aus einem erhärtenden zementgebundenen Material, z.B. Beton, schubfest verbunden
sind und daß der jeweils aus den tragenden Teilen (2', 3') und der Verschleißschicht
(2", 3") gebildete Gesamtquerschnitt des Bodens (2) und der Seitenwände (3) durch
in innerhalb der tragenden Teile (2', 3') liegenden Spannkanälen (8) ohne Verbund
mit diesen gegen Korrosion geschützt, ablaßbar und nachspannbar sowie auswechselbar
angeordnete Spannglieder (6, 7 bzw. 10, 11) zweiachsig vorgespannt ist.
2. Auffangraum nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verschleißschicht
(2", 3") aus einem für die jeweilige Flüssigkeit dichten Beton besteht.
3. Verfahren zur Wiederherstellung der Benutzungsbereitschaft eines nach einem Störfall
an der Innenseite kontaminierten Auffangraumes nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß zunächst die Vorspannung der tragenden Teile (2', 3') des Bodens (2) und der Seitenwände
(3) durch Entspannen der Spannglieder (6, 7 bzw. 10, 11) ganz oder teilweise abgelassen
wird, daß sodann die kontaminierte Verschleißschicht (2", 3") ganz oder teilweise
abgetragen und unter Sicherstellung einer schubfesten Verbindung mit den tragenden
Teilen (2', 3') eine neue Verschleißschicht aufgetragen wird und daß nach deren Erhärten
die Vorspannung auf den aus den tragenden Teilen (2', 3') und der Verschleißschicht
(2", 3") gebildeten Gesamtquerschnitt des Bodens (2) und der Seitenwände (3) wieder
aufgebracht wird.