[0001] Die Erfindung betrifft in fester Form formulierte Fotochemikalien mit vermindertem
Staubanteil und ein Verfahren zu ihrer Herstellung.
[0002] Fotografische Verarbeitungsbäder, z.B. Entwicklungs-, Bleich- und Fixierbäder enthalten
die erforderlichen Wirkstoffe meist in geringer Konzentration und werden daher vom
Benutzer aus Wasser und Chemikalienkonzentraten sowie gegebenenfalls weiteren Hilfsmitteln
selbst angesetzt.
[0003] Die Konzentrate sollen möglichst einfach zu dosieren und weitgehend staubfrei sein.
Außerdem sollen für Verpackung und Transport keine unnötig hohen Kosten entstehen.
[0004] Die in der Praxis allgemein üblichen Flüssigkonzentrate zur Herstellung gebrauchsfertiger
fotografischer Bäder besitzen gegenüber den früher verwendeten, pulverförmig konfektionierten
Produkten den Vorteil, daß keine Staubentwicklung und keine Lösungsprobleme auftreten.
Die Konzentrate besitzen die Nachteile des hohen Gewichts- und Volumenanteils des
Wassers, sowie Entsorgungsschwierigkeiten der unhandlichen Packmittel.
[0005] Gemäß DE-OS 37 33 861 sprüh- oder gefriergetrocknete Produkte, die diese Nachteile
vermeiden sollen, zeigen jedoch eine hohe Staubentwicklung.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist daher, Mittel zu finden, mit denen in fester Form formulierte
fotografische Verarbeitungschemikalien hergestellt werden können, deren Staubanteil
vermindert ist, die also staubfrei oder zumindest staubarm sind. Die so hergestellten
Produkte sollen sich darüber hinaus in kurzer Zeit in Wasser lösen.
[0007] Es wurde nun gefunden, daß durch geringe Zusätze einer hydrophilen organischen Verbindung
zu den festen Bestandteilen fotografischer Verarbeitungsbäder die gestellte Aufgabe
gelöst werden kann.
[0008] Als staubfrei bzw. staubarm werden solche Formulierungen bezeichnet, die frei von
oder arm an Feststoffanteilen einer Korngröße <0,1 mm sind. Die Menge wird durch übliche
Siebanalyse festgestellt; sie soll vorzugsweise unter 2 Gew.-%, insbesondere unter
1 Gew.-%, liegen.
[0009] Gegenstand der Erfindung sind daher in fester Form formulierte fotografische Verarbeitungschemikalien,
enthaltend die erforderlichen Wirk- und Hilfsstoffe, dadurch gekennzeichnet, daß sie
zusätzlich wenigstens eine Verbindung der Formel (I),
- R
- C2-C4-Alkyl und
- n
- 1 - 200 bedeuten,
worin oder wenigstens eine Verbindung der Formel,
R
1- OH (II)
worin
- R1
- C10-C18-Alkyl bedeutet,
oder wenigstens ein wasserlösliches Polymeres aus der Reihe Polystyrolsulfonsäure
und Polyvinylalkohol oder ein Gemisch wenigstens zweier vorgenannter Verbindungen,
in einer Menge von 0,5 bis 100 g/kg Feststoff, vorzugsweise von 5 bis 20 g/kg Feststoff,
enthalten.
[0010] Geeignete Verbindungen der Formel I sind Ethylenglykol, Homologe des Ethylenglykols
und Polyethylenglykole mit mittleren Molmassen von 200 bis 10.000 sowie Propylenglykol
und Polypropylenglykole mit mittleren Molmassen von 200 bis 10.000, vorzugsweise Polyethylenglykole
mit mittleren Molmassen von 300 bis 1.000, z.B. Polyethylenglykol 300, 400, 600 und
1.000; Kurzbezeichnung P 300, P 400, P 600, P 1000.
[0011] Geeignete Verbindungen der Formel II sind Fettalkohole wie 1-Dodekanol oder Fettalkoholgemische,
z.B. ein Gemisch mit gleichen Anteilen C
12- und C
14-Fettalkohol.
[0012] Geeignete fotografische Verarbeitungschemikalien sind Schwarz-Weiß-Entwickler, Farbentwickler,
Bleichmittel, Fixiermittel, Bleichfixiermittel und Stabilisiermittel.
[0013] Diese fotografischen Verarbeitungschemikalien enthalten neben dem erfindungsgemäßen
Zusatz die üblichen Wirk- und Hilfsstoffe. Einzelheiten dazu sind den Ausführungsbeispielen
zu entnehmen.
[0014] Das Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen entstaubten Produkte ist dadurch
gekennzeichnet, daß man Wirk- und Hilfsstoffe eines fotografischen Verarbeitungsbades
zusammen unter Zusatz wenigstens einer Verbindung der Formel (I) bis zur homogenen
Verteilung mischt. Dies kann durch mechanisches Mischen in einem herkömmlichen "Lödige-Mischer",
"Nauta-Mischer" oder "Taumeltrockner", sowie durch Luftverwirbelung unter gleichzeitigem
Aufsprühen geschehen. Die so hergestellten Formulierungen sind staubfrei bzw. staubarm,
rieselfähig, schnell löslich, nahezu unbegrenzt haltbar und zeigen bei mechanischer
Beanspruchung, z.B. Konfektionierung mittels Dosierschnecken, keinen oder minimalen
Abrieb, der aber sofort wieder gebunden wird.
[0015] Es ist möglich und manchmal erforderlich, die einzelnen Bestandteile eines fotografischen
Verarbeitungsbades getrennt nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zu behandeln, dann
miteinander zu mischen oder bis zur Ansetzung des Verarbeitungsbades getrennt zu halten;
z.B. werden für ein farbfotografisches Entwicklungsbad Entwicklersubstanz, Alkalispender
und Oxidationsschutzmittel getrennt behandelt und erst bei Ansatz der Entwicklerlösung
vereinigt.Die übrigen Zusätze wie Kalkschutzmittel, Schwermetallkomplexbildner, Nariumsulfit
und Alkalihalogenid können gemeinsam mit einem oder mehreren essentiellen Bestandteilen
gemischt und behandelt werden.
Beispiel 1 (Staubbindung von Pottasche)
[0016] 1.000 g Pottasche werden im Luftwirbelstrom 3,5 min mit 20 g einer erfindungsgemäßen
Substanz oder der angegebenen Menge an Substanz besprüht.
| Substanz |
Ethylenglykol |
Dipropylenglykol |
P 300 |
P 400 |
P 600 |
| Staubanteil vorher |
14,7 |
14,7 |
14,7 |
14,7 |
14,7 |
| Staubanteil nachher (in Gew.-%) |
11,2 |
10,9 |
3,0 |
0,6 |
0,04 |
| Substanz Substanzmenge |
Fettalkoholgemisch 60ml |
10 gew.-%ige wäßr. Polystyrolsulfonsäure 60 ml |
7,5 gew.-%ige wäßr. Polyvinylalkohl 70ml |
| Staubanteil vorher |
14,7 |
14,7 |
14,7 |
| Staubanteil nachher (in Gew.-%) |
0,1 |
0,8 |
3,0 |
Beispiel 2 (Stabilisierbadregenerator)
[0017] Folgende Chemikalien werden mit 2 g P 600 im Wirbelstrom während 3 min besprüht:
| Natriumdisulfit |
20 g |
| Natriumbenzoat |
10 g |
| Di-Natriumsalz der 1-Hydroxy-ethan-1,1-diphosphonsäure |
43 g |
| Natriumhexametaphosphat |
20 g |
| Kaliumhydrogensulfat |
4 g |
| Staubanteil vorher: |
45,9 Gew.-% |
| Staubanteil nachher: |
1,3 Gew.-%. |
Beispiel 3 (Kaliumdisulfit)
[0018] 1.000 g Kaliumdisulfit werden mit 20 g P 300 in einem Lödige-Mischer 5 min vermischt.
Die Verteilung ist danach homogen.
| Staubanteil vorher: |
23,7 Gew.-% |
| Staubanteil nachher: |
4,7 Gew.-%. |
Beispiel 4 (Bleichfixierbadregenerator)
[0019] Folgende Chemikalien werden mit 0,5 Gew.-% P 600 (bezogen auf Gesamtfeststoff) in
einem Taumeltrockner 5 min vermischt:
[0020]
| Ammoniumthiosulfat |
750 g |
| Natriumdisulfit |
88 g |
| Natriumsulfit |
63 g |
| Natrium-Eisen-EDTA |
657 g |
| EDTA-Säure |
8 g |
[0021]
| Staubanteil vorher: |
2,4 Gew.-% |
| Staubanteil nachher: |
0,01 Gew.-%. |
Beispiel 5 (Filmentwicklerregenerator)
[0022]
a) Alkaliteil
Folgende Chemikalien werden mit 2 Gew.-% P 600 (bezogen auf Gesamtfeststoff) im Wirbelstrom
3 min vermischt.

| Staubanteil vorher: |
13 % |
| Staubanteil nachher: |
0,8 % |
b) Entwicklerteil
Der Farbentwickler CD-4 wird mit 1 Gew.-% P 600 (bezogen auf Gesamtgewicht) im Wirbelstrom
3 min vermischt.
| Staubanteil vorher: |
1,2 % |
| Staubanteil nachher: |
0,0 % |
c) Hydroxylammoniumsulfat (HX)-Diethylentriamin-pentaessigsäure (DTPA)-Gemisch
Folgende Substanzen werden im Wirbelstrom mit 1 Gew.-% P 600 (bezogen auf Gesamtgewicht)
3 min vermischt.
| Staubanteil vorher: |
3,0 % |
| Staubanteil nachher: |
0,0 %. |
1. In fester Form formulierte fotografische Verarbeitungschemikalien, enthaltend die
erforderlichen Wirk- und Hilfsstoffe, dadurch gekennzeichnet, daß sie zusätzlich wenigstens
eine Verbindung der Formel (I),

worin
R C2-C4-Alkyl und
n 1 - 200 bedeuten,
oder wenigstens eine Verbindung der Formel,
R
1- OH (II)
worin
R1 C10-C18-Alkyl bedeutet,
oder wenigstens ein wasserlösliches Polymeres aus der Reihe Polystyrolsulfonsäure
oder Polyvinylalkohol oder ein Gemisch wenigstens zweier vorgenannter Verbindungen,
in einer Menge von 0,5 bis 100 g/kg Feststoff enthalten.
2. In fester Form formulierte fotografische Verarbeitungschemikalien nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß sie weniger als 2 Gew.-% an Feststoffanteilen einer Korngröße
<0,1 mm aufweisen.
3. In fester Form formulierte fotografische Verarbeitungschemikalien nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß sie wenigstens ein Polyethylenglykol mit mittlerer Molmasse
von 300 bis 1000 enthalten.
1. Photographic processing chemicals formulated as solids, containing the necessary active
constituents and auxiliary substances, characterised in that they contain in addition
at least one compound corresponding to the formula (I)
HO -( - R - O - )
n- H (I)
wherein
R denotes C2-C4 alkyl and
n denotes 1 to 200,
or at least one compound corresponding to the formula
R
1 - OH (II),
wherein
R1 denotes C10-C18 alkyl,
or at least one water-soluble polymer selected from polystyrenesulphonic acid or polyvinyl
alcohol or a mixture of at least two of the above-mentioned compounds,
in a quantity of from 0.5 to 100 g/kg of solids.
2. Photographic processing chemicals formulated as solids according to claim 1, characterised
in that they contain less than 2 wt.% of solid constituents having a particle size
of <0.1 mm.
3. Photographic processing chemicals formulated as solids according to claim 1, characterised
in that they contain at least one polyethylene glycol having an average molar mass
of from 300 to 1000.
1. Produits chimiques pour le traitement photographique, formulés sous forme solide,
contenant les substances actives et auxiliaires requises, caractérisés en ce qu'ils
contiennent en outre au moins un composé de formule (I)
HO-(-R-O-)
n-H (I)
dans laquelle
R représente un groupe alkyle en C2-C4 et
n représente 1-200,
ou au moins un composé de formule
R
1-OH (II)
dans laquelle
R1 représente un groupe alkyle en C10-C18,
ou au moins un polymère hydrosoluble de la série de l'acide polystyrènesulfonique
ou de l'alcool polyvinylique, ou encore un mélange d'au moins deux des composés mentionnés
ci-dessus,
en une quantité de 0,5 à 100 g/kg de substance solide.
2. Produits chimiques pour le traitement photographique formulés sous forme solide selon
la revendication 1, caractérisés en ce qu'ils présentent moins de 2% en poids de fractions
de substances solides présentant une granulométrie < 0,1 mm.
3. Produits chimiques pour le traitement photographique formulés sous forme solide selon
la revendication 1, caractérisés en ce qu'ils contiennent au moins un polyéthylèneglycol
possédant une masse molaire moyenne de 300 à 1000.