[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung wasserlöslichen oder wasserdispergierbaren
gepfropften Proteinen, die erhältlich sind durch radikalisch initiierte Polymerisation
von monoethylenisch ungesättigten Monomeren in Gegenwart von Proteinen als Schlichtemittel
für Stapelfaser- und Filamentgarne.
[0002] In der Textilindustrie ist es allgemein üblich, Stapelfaser- und Filamentgarne mit
wäßrigen Flotten natürlicher oder synthetischer Produkte zu behandeln, bevor sie auf
dem Webstuhl weiterverarbeitet werden. Diese Garnvorbehandlung, die man in der Fachsprache
als Schlichten bezeichnet, wird vorgenommen, um die mechanische Widerstandsfähigkeit
der Gespinste zu erhöhen, so daß sie den hohen Beanspruchungen beim Webprozeß besser
standhalten können als im rohen und unbehandelten Zustand. Als Schlichtemittel kommen
vor allem Naturprodukte, wie Stärke oder Stärkederivate aber auch synthetische Polymere,
wie Polyvinylalkohol oder Polyacrylate in Betracht. Auch Proteine wurden als Schlichtemittel
verwendet, z.B. als Filamentschlichte für Viskose, Acetatseide und Wolle. Die Proteinschlichten
sind jedoch auch auf diesen Anwendungsgebieten vielfach durch synthetische Polymere,
Carboxymethylcellulose und Stärkederivate ersetzt worden. Eiweißschlichten auf der
Basis tierischer Proteine, wie Kasein oder Knochen- bzw. Hautleim, müssen mit weichmachenden
Zusätzen wie Glycerin, Kastoröl und dessen Seifen oder mit oberflächenaktiven Stoffen
versetzt werden, um überhaupt als Schlichtemittel verwendet werden zu können. So dient
beispielsweise eine Abmischung von Kasein mit Paraffinen als Emulsionsschlichte für
Nylonfilamente.
[0003] Aus der DE-B-15 94 905 ist die Verwendung von wasserlöslichen Natrium- oder Ammoniumsalzen
von Copolymerisaten aus Acrylnitril- und Acrylsäure zum Schlichten von Stapelfasergarnen
bekannt. Gemäß der Lehre der DE-C-29 26 230 werden wasserlösliche Erdalkalisalze von
Copolymerisaten aus (Meth)acrylsäure und (Meth)acrylnitril in Mischung mit Stärke
oder Stärkederivaten als Schlichtemittel verwendet.
[0004] Andere synthetische Schlichtemittel sind beispielsweise Polyesterschlichten, die
in den US-Patentschriften US-A-3 546 008, US-A-3 548 026 und US-A-4 268 645 beschrieben
werden.
[0005] Aus der US-A-4 812 550 ist ein Verfahren zur Herstellung von gepfropften Proteinen
bekannt, bei dem man ethylenisch ungesättigte Monomere mit nicht mehr als 14 Kohlenstoffatomen
im Molekül in Gegenwart von löslich gemachten Proteinen in wäßrigem Medium radikalisch
polymerisiert. Die so erhältlichen Latices werden als Bindemittel für pigmentierte
Papierstreichmassen verwendet. Ferner ist aus der US-A-3 651 210 bekannt, daß man
spezielle Emulsionscopolymerisate mit löslich gemachten Proteinen umsetzen und die
so modifizierten Proteine als Beschichtungsmittel zur Herstellung lederähnlicher Beschichtungen
oder Filme verwenden kann. Die so erhältichen Beschichtungen bzw. Filme sind biologisch
abbaubar.
[0006] Nach dem Webprozeß werden die geschlichteten Kettfäden vom Schlichtemittel befreit.
Die Schlichtemittel gelangen dabei in das Abwasser der Textilbetriebe. Biologisch
nicht abbaubare oder nicht eliminierbare Schlichtemittel belasten das Abwasser.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, Schlichtemittel zur Verfügung
zu stellen, die weitgehend biologisch abbaubar oder aus dem Abwasser eliminierbar
sind und die gegenüber den bekannten Naturstoff-Schlichtemitteln verbesserte anwendungstechnische
Eigenschaften aufweisen.
[0008] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst mit der Verwendung von wasserlöslichen oder
wasserdispergierbaren gepfropften Proteinen, die erhältlich sind durch radikalisch
initiierte Polymerisation von
(a) monoethylenisch ungesättigten Monomeren
in Gegenwart von
(b) Proteinen
im Gewichtsverhältnis (a):(b) von (0,5 bis 90):(99,5 bis 10) als Schlichtemittel für
Stapelfaser- und Filamentgarne.
[0009] Monoethylenisch ungesättigte Monomere der Gruppe (a) zur Herstellung der gepfropften
Proteine sind beispielsweise C₃- bis C₈-monoethylenisch ungesättigte Carbonsäuren,
z.B. Acrylsäure, Methacrylsäure, Ethacrylsäure, Crotonsäure, Maleinsäure, Fumarsäure,
Itaconsäure, Aconitsäure und Vinylessigsäure. Außerdem können - soweit technich zugänglich
- die zugehörigen Anhydride der genannten Monomeren verwendet werden, z.B. Maleinsäureanhydrid
und Itaconsäureanhydrid. Von den obengenannten Verbindungen verwendet man vorzugsweise
Acrylsäure, Methacrylsäure oder deren Gemische zur Herstellung der gepfropften Proteine.
Die Carbonsäuren können bei der Pfropfcopolymerisation als freie Carbonsäuren oder
in Form der Salze mit anorganischen oder organischen Basen eingesetzt werden. Zur
Neutralisation der monoethylenisch ungesättigten Carbonsäuren eignen sich beispielsweise
Natronlauge, Kalilauge, Erdalkalioxide und - hydroxide, Ammoniak, Trimethylamin, Triethylamin,
Tributylamin, Triethanolamin, Diethanolamin, Morpholin, Methylamin oder Dimethylamin.
Zur Neutralisation können auch Mischungen verschiedener Basen verwendet werden, z.B.
Natronlauge und Ethanolamin.
[0010] Als Verbindungen der Gruppe (a) kommen außerdem die Ester der obengenannten Carbonsäuren
mit einwertigen oder mehrwertigen C₁- bis C₂₂-Alkoholen in Betracht. Geeignete Alkohole,
die zur Veresterung der oben beschriebenen monoethylenisch ungesättigten Carbonsäuren
verwendet werden, sind beispielsweise Methanol, Ethanol, n-Propanol, iso-Propanol,
n-Butanol, iso-Butanol, tert.-Butanol, 2-Ethylhexylalkohol, Stearylalkohol, Palmitylalkohol,
Decylalkohol, Dodecylalkohol, Talgfettalkohol, Sorbit, Mannit, Glycerin, Ethylenglykol,
Propylenglykol, Butandiol. Vorzugsweise verwendet man die Ester der Acrylsäure und
Methacrylsäure mit Methanol, Ethanol, n-Propanol, n-Butanol, tert.-Butanol, 2-Ethylhexylalkohol,
Stearylalkohol, Ethylenglykol und Propylenglykol. Von den genannten Estern werden
besonders bevorzugt n-Butylacrylat, Methylmethacrylat, Ethylhexylacrylat und Ethylacrylat
in Mischung mit Acrylsäure und/oder Methacrylsäure in Gegenwart von Proteinen der
Pfropfcopolymerisation unterworfen.
[0011] Außerdem eignen sich als Monomere der Gruppe (a) die Amide von C₃- bis C₈-Carbonsäuren,
die sich von Ammoniak, C₁- bis C₂₂-Alkylaminen oder Dialkylaminen ableiten. Geeignete
Amine zur Herstellung der Säureamide sind beispielsweise Methylamin, Dimethylamin,
Stearylamin, Talgfettamin und Palmitylamin. Außerdem können die N-Methylolderivate
der Amide bei der Pfropfcopolymerisation eingesetzt werden, z.B. N-Methylolacrylamid
oder N-Methylolmethacrylamid. Die genannten N-Methylolderivate der Amide können auch
verethert sein, z.B. mit C₁- bis C₂₂-Alkoholen, bevorzugte Monomere sind N-(Butoxymethyl)-acrylamid
und N-(Isobutoxymethyl)-acrylamid.
[0012] Weitere geeignete Monomere (a) sind die Nitrile der Carbonsäuren, wie Acrylnitril
oder Methacrylnitril, Vinylether von 1 bis 18 Kohlenstoffatomen enthaltenden Alkoholen,
z.B. Vinylmethylether, Vinylisobutylether, Vinyln-butylether, Vinylethylether sowie
Vinylester von gesättigten C₁- bis C₄-Carbonsäuren, insbesondere Vinylacetat, Vinylpropionat
und Vinylbutyrat. Weitere geeignete Monomere sind Styrol und Alkylstyrole. Die Pfropfcopolymerisate
enthalten die Monomeren (a) in Mengen von 0,5 bis 90, vorzugsweise 10 bis 85 Gew.-%
in einpolymerisierter Form.
[0013] Als weitere wesentliche Komponente bei der Pfropfcopolymerisation werden (b) Proteine
eingesetzt. Hierfür eignen sich sämtliche Proteine, von denen sich unter den Polymerisationsbedingungen
ein Anteil von mindestens 20 Gew.-% im Polymerisationsmedium lösen. Geeignete Proteine
sind beispielsweise in der oben zitierten US-A-4 812 550 beschrieben. Eine weitere
Übersicht über geeignete Proteine findet man in Ullmanns Enzyklopädie der technischen
Chemie, 4. Auflage, Weinheim 1980 Band 19, 491 bis 557. Bei den Proteinen handelt
es sich um nachwachsende Rohstoffe. Sie stammen beispielsweise aus Häuten, Stütz-
und Bindegewebe, Knochen und Knorpel: Collagen, Elastin, Gelatine, Ossein und Hautleim.
Proteine aus der Milch sind Molkenproteine, Kasein und Lactalbumin. Aus Wolle, Borsten,
Federn und Haaren kommt Keratin. Außerdem eignen sich Proteine aus Fischen und aus
Eiern sowie aus Blut als Schlachtabfall, z.B. Blutproteine, Albumin, Globulin, Globin,
Fibrinogen und Hämoglobin. Weitere geeignete Proteine stammen aus Pflanzen, wie Mais,
Weizen, Gerste und Hafer: Glutelin, Prolamin, Zein und Gluten. Außerdem können Proteine
aus Samen gewonnen werden, z.B. aus Sojabohnen, Kattunsamen, Erdnüssen, Sonnenblumen,
Raps, Kokos, Leinsamen, Sesam, Saflor, Erbsen, Bohnen und Linsen. Außerdem können
die Eiweißbestandteile von Klee, Luzerne, Gras, Kartoffeln, Maniok und Yam verwendet
werden. Weitere Proteinlieferanten sind Bakterien, Pilze, Algen und Hefen, z.B. Pseudomonas,
Lactobazillus, Penicillium, Blaualgen, Grünalgen, Chlorella, Spirulina und Überschußhefe.
Proteine, die vorzugsweise als Komponente (b) zur Herstellung der Pfropfcopolymerisate
eingesetzt werden, sind Kasein, Gelatine, Knochenleim, Proteine aus Sojabohnen, Getreide,
insbesondere Weizen, Mais und Erbsen. Die Proteine werden beispielsweise durch Lösen,
Mahlen, Sichten und Klassieren aus den natürlichen Rohstoffen gewonnen. Um sie in
eine lösliche Form zu überführen, ist in vielen Fällen ein Aufschluß durch physikalische,
chemische oder enzymatische Behandlung notwendig, z.B. Hydrolyse mit Säure oder Alkalien,
Fermentation mit Hefen, Bakterien oder Enzymen, Extraktionsmethoden, um Nebenbestandteile
zu entfernen, Koagulieren aus Auszügen durch Hitze, Elektrolytzusatz, pH-Veränderung
oder Zusatz von Fällungsmitteln. Um reine Produkte herzustellen, bietet sich beispielsweise
ein fraktioniertes Lösen und Fällen sowie ein Dialysieren an.
[0014] Bei der Copolymerisation werden (a) die monoethylenisch ungesättigten Monomeren in
Gegenwart von (b) den Proteinen im Gewichtsverhältnis (a):(b) von (0,5 bis 90):(99,5
bis 10), vorzugsweise (10 bis 85):(90 bis 15) eingesetzt.
[0015] Die Monomeren (a) werden in Gegenwart von Proteinen radikalisch polymerisiert. Als
Radikalspender kann man sämtliche dafür bekannten Verbindungen einsetzen. Diese Initiatoren
können in Wasser löslich oder auch unlöslich sein. In Wasser lösliche Initiatoren
sind beispielsweise anorganische Peroxide, wie Kalium-, Natrium- und Ammoniumperoxodisulfat
sowie Wasserstoffperoxid. Außerdem eignen sich als Initiatoren organische Peroxide,
Hydroperoxide, Persäuren, Ketonperoxide, Perketale und Perester, z.B. Methylethylketonhydroperoxid,
Cumolhydroperoxid, tert.-Butylhydroperoxid, 1,1-Di(tert.-butylperoxy)cyclohexan, Di(tert.-butyl)peroxid,
tert.-Butyloxyperpivalat, tert.-Butylmonoperoxy-maleat, Dicyclohexylperoxydicarbonat,
Dibenzoylperoxid, Diacetylperoxid, Didecanoylperoxid sowie Mischungen von Peroxiden.
Außerdem eignen sich Redoxsysteme, die außer einer Peroxyverbindung noch eine reduzierende
Komponente enthalten. Geeignete reduzierende Komponenten sind beispielsweise Cer-III-
und Eisen-II-salze, Natriumsulfit, Natriumhydrogensulfit, Natriumdithionit, Ascorbinsäure
und Natriumformaldehydsulfoxylat. Die Auswahl geeigneter Initiatoren erfolgt vorzugsweise
in der Weise, daß man solche Radikale bildenden Verbindungen einsetzt, die bei der
jeweils gewählten Polymerisationstemperatur eine Halb-wertszeit von weniger als 3
Stunden aufweisen. Falls man die Polymerisation zunächst bei niedrigerer Temperatur
startet und bei höherer Temperatur zu Ende führt, so ist es zweckmäßig, mit mindestens
zwei bei verschiedenen Temperaturen zerfallenden Initiatoren zu arbeiten, nämlich
zunächst einen bereits bei niedrigerer Temperatur zerfallenden Initiator für den Start
der Polymerisation und dann die Hauptpolymerisation mit einem Initiator zu Ende zu
führen, der bei höherer Temperatur zerfällt. Durch Zusatz von Schwermetallsalzen,
z.B. Kupfer-, Kobalt-, Mangan-, Eisen-, Nickel- und Chromsalzen zu peroxidischen Katalysatoren
kann deren Zerfallstemperatur erniedrigt werden. Geeignete Initiatoren sind außerdem
Azoverbindungen, wie 2,2'-Azobisisobutyronitril, 2,2'-Azobis(2-amidinopropan)dihydrochlorid,
2,2'-Azobis(2-methylpropionamidin)dihydrochlorid, 2,2'-Azobis-(2,4-dimethylvaleronitril)
und Dimethyl-2,2'-azobisisobutyrat. Besonders bevorzugt werden Wasserstoffperoxid,
Kalium-, Ammonium- und Natriumperoxodisulfat und tert.-Butylperpivalat als Initiator
bei der Pfropfpolymerisation eingesetzt. Bezogen auf die zu polymerisierenden Monomeren
verwendet man 0,5 bis 10, vorzugsweise 1 bis 8 Gew.-% eines Initiators oder eines
Gemisches von Polymerisationsinitiatoren. Die Einsatzmenge des Initiators kann erheblichen
Einfluß auf das entstehende Pfropfpolymerisat haben.
[0016] Wenn man bei der Pfropfpolymerisation wasserunlösliche Monomere einsetzt, können
Pfropfpolymerisate mit besonders vorteilhaften Eigenschaften dann erhalten werden,
wenn man zuerst einen wasserlöslichen Initiator für die Hauptreaktion und anschließend
zum Nachpolymerisieren und Entfernen von restlichen Monomeren aus dem Latex einen
wasserunlöslichen Initiator zusetzt. Es kann jedoch auch vorteilhaft sein, einen Bruchteil
der insgesamt notwendigen Initiatormenge zu Beginn der Polymerisation vorzulegen und
den restlichen Teil der Initiatormenge über einen Zeitraum von 10 Minuten bis 10 Stunden,
vorzugsweise 1 bis 3 Stunden, kontinuierlich oder absatzweise zuzufügen. Dieses Vorgehen
ist besonders vorteilhaft bei langsam polymerisierenden Monomeren sowie zur Absenkung
des Restmonomergehalts des Pfropfpolymerisats. Wenn man die Monomeren und den Initiator
gleichzeitig in eine polymerisierende Mischung dosiert, so ist es vorteilhaft, die
Zulaufzeit für den Initiator 10 Minuten bis 2 Stunden gegenüber der Monomerzulaufzeit
länger zu wählen. So kann beispielsweise die Zeit für den Monomerzulauf 2 Stunden
und für den Initiatorzulauf 3 Stunden betragen.
[0017] Die Pfropfpolymerisation kann gegebenenfalls in Gegenwart von Reglern durchgeführt
werden. Geeignete Regler sind beispielsweise Mercaptoverbindungen, wie Mercaptoethanol,
Mercaptopropanol, Mercaptobutanol, Mercaptoessigsäure, Mercaptopropionsäure, Butylmercaptan
und Dodecylmercaptan. Als Regler eignen sich außerdem Allylverbindungen, wie Allylalkohol,
Aldehyde wie Formaldehyd, Acetaldehyd, Propionaldehyd, n-Butyraldehyd und iso-Butyraldehyd,
Ameisensäure, Ammoniumformiat, Propionsäure, Hydroxylaminsulfat und Butenole. Falls
die Pfropfcopolymerisation in Gegenwart von Reglern durchgeführt wird, kann man davon
0,05 bis 20 Gew.-%, bezogen auf die bei der Polymerisation eingesetzten Monomeren,
verwenden.
[0018] Die Polymerisation kann in wäßrigem Medium oder in einem organischen Lösemittel durchgeführt
werden, in dem die Proteine zu mindestens 20 Gew.-% löslich sind. Geeignete organische
Lösemittel sind beispielsweise Essigsäure, Ameisensäure, Alkohole, wie Methanol, n-Propanol,
iso-Propanol, n-Butanol, tert.-Butanol, iso-Butanol, Ether, wie Tetrahydrofuran und
Dioxan. Außerdem können Ketone, wie Aceton und Methylethylketon, als inertes Verdünnungsmittel
bei der Pfropfpolymerisation verwendet werden. Besonders bevorzugt ist der Einsatz
von Methanol, Ethanol, Isopropanol, Aceton, Tetrahydrofuran und Dioxan. Die Pfropfpolymerisation
kann in Mischungen organischer Lösemittel sowie in Mischungen aus Wasser und organischen
Lösemitteln, die sich in Wasser lösen, durchgeführt werden. Die Konzentration von
Monomer und Protein in dem jeweils verwendeten Lösemittel beträgt 10 bis 70, vorzugsweise
15 bis 60 Gew.-%.
[0019] Die Pfropfpolymerisation wird in üblichen Vorrichtungen durchgeführt, die mit Mischorganen
versehen sind, z.B. mit Rührern ausgestatteten Kolben, Kesseln, Autoklaven und zylinderförmigen
Reaktoren. Die Pfropfpolymerisation kann auch in Kesselkaskaden oder in anderen miteinander
verbundenen Polymerisationsvorrichtungen durchgeführt werden. Die Polymerisation kann
diskontinuierlich oder kontinuierlich erfolgen. Als Polymerisationsvorrichtung eignen
sich auch Kneter. Sofern wasserlösliche Monomere (a) bei der Pfropfpolymerisation
eingesetzt werden, kann man die Polymerisation auch nach dem Verfahren der umgekehrten
Suspensionspolymerisation oder nach dem Verfahren der Wasser-in-Öl-Emulsionspolymerisation
vornehmen. Vorzugsweise erfolgt die Pfropfpolymerisation als Lösungspolymerisation
und Emulsionspolymerisation. Bei Durchführung als Emulsionspolymerisation können auch
Emulgatoren und Schutzkolloide in Mengen bis 5 Gew.-% zugesetzt werden. Bevorzugt
wird jedoch in Abwesenheit von oberflächenaktiven Zusatzstoffen gearbeitet. Für spezielle
Anwendungen kann die Fällungspolymerisation von Interesse sein. Die Polymerisation
kann außer der Initiierung durch unter Polymerisationsbedingungen Radikale bildenden
Verbindungen auch durch Einwirkung von UV-Bestrahlung oder der Einwirkung energiereicher
Strahlen, z.B. α, β oder γ-Strahlen, initiiert werden. Die Pfropfpolymerisation wird
in dem Temperaturbereich von 20 bis 160, vorzugsweise 30 bis 100°C durchgeführt. Bei
Temperaturen, die oberhalb des Siedepunktes des jeweils verwendeten Lösemittels liegen,
wird die Pfropfpolymerisation üblicherweise in druckdicht ausgelegten Apparaturen
durchgeführt. Vorzugsweise polymerisiert man unter Ausschluß von Luftsauerstoff in
einer Inertgasatmosphäre, z.B. verwendet man als Inertgase Stickstoff, Argon, Helium
oder Kohlendioxid. Reaktionstemperatur und Initiatormenge beeinflussen die Eigenschaften
der entstehenden Pfropfpolymerisate.
[0020] Bei kleineren Polymerisationsansätzen, bei denen die Polymerisationswärme ausreichend
schnell abgeführt werden kann, kann man die zu polymerisierenden Monomeren und das
Protein zusammen mit mindestens einem Polymerisationsinitiator vorlegen und durch
Erhitzen auf die jeweils notwendige Polymerisationstemperatur polymerisieren. Vorteilhafter
ist jedoch, wenn man das Protein (b) und zunächst nur einen Teil der Monomeren (a)
und des Initiators in der Polymerisationsvorrichtung vorlegt und die restlichen Monomeren
(a) und den Initiator nach Maßgabe des Fortschritts der Polymerisation kontinuierlich
oder absatzweise zufügt. Die Reihenfolge, gemäß der die Reaktionsteilnehmer in den
Polymerisationsreaktor dosiert werden, kann beliebig variiert werden. So ist es beispielsweise
möglich, eine Proteinlösung bzw. eine Dispersion eines Proteins in einem Reaktor vorzulegen,
auf die erforderliche Polymerisationstemperatur zu erhitzen und die Monomeren und
Initiatoren kontinuierlich oder absatzweise zuzufügen. Setzt man bei der Pfropfpolymerisation
mehrere Monomere ein, so können die einzelnen Monomeren nacheinander, als Mischung
oder auch aus getrennten Dosiereinrichtungen gleichzeitig in die Polymerisationszone
dosiert werden. Bei größeren Polymerisationsansätzen und vorzugsweise bei wasserunlöslichen
Monomeren (a) kann es vorteilhaft sein, eine Mischung aus Wasser, Lösemitteln, Reglern,
Basen und den gesamten Mengen an Monomeren (a) und Proteinen (b) herzustellen und
diese Mischung kontinuierlich oder absatzweise, gleichzeitig mit dem Inititator, nach
Fortschritt der Polymerisation in das Polymerisationsgefäß zu dosieren. Diese Verfahrensvarianten
können jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Pfropfpolymerisate als
Schlichtemittel haben.
[0021] Ebenso kann der pH-Wert des Reaktionsmedium einen Einfluß auf die Eigenschaften des
Pfropfpolymerisats haben. Die Löslichkeit der Proteine unterhalb und oberhalb des
isoelektrischen Punkts kann bei der Pfropfpolymerisation ausgenutzt werden. Saure
oder basische Monomere können in Form der entsprechenden Salze eingesetzt werden.
Beispielsweise findet Acrylsäure als freie Säure oder als Ammonium-, Alkali- bzw.
Erdalkalisalz Anwendung. Die Pfropfpolymerisation kann in dem pH-Bereich von 1 bis
14, vorzugsweise 6 bis 12 durchgeführt werden. Durch pH-Wertänderungen können die
Pfropfpolymerisate beispielsweise aus Lösungen ausgefällt werden. Hiervon kann man
bei der Aufarbeitung, Reinigung und Isolierung der Pfropfcopolymerisate Gebrauch machen.
Es kann von Vorteil sein, 2 oder mehrere Proteine bei der Pfropfpolymerisation einzusetzen.
Die Reihenfolge der dabei eingesetzten Proteine kann günstige Auswirkungen auf die
Eigenschaften der entstehenden Pfropfcopolymerisate haben. In manchen Fällen ist es
von Vorteil, die emulgierende Fähigkeit eines Proteins auszunutzen, indem man zuerst
ein wasserunlösliches Monomer mit einem Protein emulgiert und anschließend ein weiteres
Protein zufügt und das Reaktionsgemisch der Pfropfcopolymerisation unterwirft. Bei
wasserunlöslichen Monomeren, z.B. n-Butylacrylat, N-Butoxymethylacrylamid, N-Isobutoxymethylmethacrylamid,
2-Ethylhexylacrylat oder Methylmethacrylat kann, in einer bevorzugten Ausführungsform,
zuerst eine dreiphasige Mischung aus Monomer, Wasser und unlöslichem Protein, z.B.
Kasein, hergestellt werden. Danach löst man durch Zugabe von Alkalien, z.B. Natronlauge,
Kalilauge, Ammoniaklösung, Triethylamin, Alkanolamin, Morpholin oder anderen alkalisch
reagierenden Stoffen, das Protein auf. Die emulgierende Wirkung des sich auflösenden
Proteins ist bei dieser Verfahrensvariante besonders gut.
[0022] Werden Ammoniak, Triethylamin oder andere flüchtige Basen als Neutralisationsbasen
für das Protein verwendet, so können die nach der Pfropfpolymerisation erhaltenen
Filme durch Erhitzen auf 50°C bis 150°C, besonders gut im Vakuum, in eine Form überführt
werden, die sich in Wasser nur dann redispergieren lassen, wenn der pH-Wert über 7
liegt. In reinem Wasser sind die so hergestellten und behandelten Filme der Pfropfcopolymeren
nur noch leicht quellbar bzw. unlöslich. Durch Zugabe einer Base erzielt man jedoch
eine spontane Redispergierung. Dies kann ausgenutzt werden, um die Garne mit einer
wasserunempfindlichen Schutzhülle zu versehen, die sich gezielt nur im alkalischen
Milieu wieder leicht entfernen läßt. Beispielsweise kann ein mit n-Butylacrylat gepfropftes
Kasein, das mit Ammoniaklösung neutralisiert und anschließend durch Entfernen der
Lösemittel im Vakuum als Film isoliert und 10 Minuten bei 80°C im Trockenschrank gelagert
wurde, gerade noch in Wasser redispergiert werden, während der Film nach 1stündiger
Verweilzeit bei 80°C wasserunlöslich ist. Der Film kann dann mindestens 1 Woche unter
Wasser gelagert werden, ohne seine Form zu verlieren. Nach Zugabe einiger Tropfen
Natronlauge löst er sich zu einer feinteiligen Emulsion, die von der ursprünglichen
Emulsion nicht zu unterscheiden ist.
[0023] Die jeweils bei der Pfropfpolymerisation eingesetzten Proteine können davor oder
nach der Pfropfpolymerisation noch auf verschiedenste Weise chemisch modifiziert werden.
Beispielsweise kann es von Vorteil sein, das Protein vor der Polymerisation hydrolytisch
oder enzymatisch partiell abzubauen. Je nach Reaktionsbedingungen kann während der
Pfropfpolymerisation ein teilweiser hydrolytischer Abbau der Proteine erfolgen. Die
Pfropfpolymerisate können im Anschluß an die Pfropfpolymerisation noch in verschiedener
Weise modifiziert werden, z.B. können Pfropfpolymerisate von Alkylacrylaten auf Proteine
unter Abspaltung von Alkohol verseift werden.
[0024] Auch können vor oder nach der radikalischen Pfropfung funktionelle Gruppen der Proteine
mit reaktiven Carbonsäurederivaten, wie z.B. Carbonsäureanhydride umgesetzt werden.
Beispiele für Carbonsäureanhydride sind Acetanhydrid, Bernsteinsäureanhydrid, Maleinsäureanhydrid.
[0025] Die so erhältlichen, mit monoethylenisch ungesättigten Monomeren gepfropften Proteine,
die entweder in gelöster oder dispergierter Form vorliegen, haben K-Werte von 10 bis
200, vorzugsweise 15 bis 180 (bestimmt nach H. Fikentscher in 1 %ig in Wasser bei
25°C und pH 7). Die Pfropfcopolymerisate zeigen im geschlossenen Flaschentest einen
dem Proteinanteil entsprechenden biologischen Abbau, im Eliminierungstest nach Zahn-Wellens
sind sie sehr gut eliminierbar. Zur Lagerung in Gegenwart von Wasser setzt man ein
handelsübliches Konservierungsmittel zu. In luftgetrocknetem Zustand sind die Pfropfpolymerisate
auch ohne Konservierungsmittel stabil lagerbar.
[0026] Die beschriebenen Pfropfpolymerisate werden als Schlichtemittel für Stapelfaser-
und Filamentgarne verwendet. Bei diesen Garnen handelt es sich um Materialien aus
Cellulosefasern wie beispielsweise Baumwolle, Viskose, Leinen, Jute, Ramie; und Polyester/Cellulosefasermischungen,
Polyester, Polyacrylnitril, Viskose-Rayon, Wolle, Polyester/Wollemischungen, Acetat,
Triacetat und Polyamid. Die Auflage an Schlichtemittel auf den Garnen beträgt üblicherweise
0,5 bis 30 Gew.-%, bezogen auf die Garne. Die Pfropfpolymerisate können sowohl allein
als auch zusammen mit weiteren Komponenten eingesetzt werden. Außerdem können sie
in jedem beliebigen Verhältnis miteinander gemischt werden, um gezielte Eigenschaften
zu erzeugen. Beispielsweise kann ein relativ weiches Pfropfpolymer aus 60 % Ethylhexylacrylat
und 40 % Kasein in Form der wäßrigen Emulsion in jedem beliebigen Verhältnis mit einer
wäßrigen Emulsion eines relativ spröden Pfropfpolymer aus 60 % Methylmethacrylat und
40 % Kasein gemischt werden. Durch das Mischungsverhältnis der Hart- und Weichkomponente
läßt sich die gewünschte Härte der resultierenden Filme dieser Mischungen einstellen.
Auf diese Weise ist es möglich, durch gezieltes Mischen zweier oder mehrerer Pfropfcopolymerer
gezielte Filmeigenschaften einzustellen.
[0027] Die erfindungsgemäß zu verwendenden Pfropfpolymerisate zeichnen sich durch ihre gute
Schlichtewirkung bei gleichzeitig hoher Filmhärte und damit geringer Neigung zum Verkleben
der geschlichteten Kettfäden aus. Desweiteren zeigen sie hohe Klebkraftwerte sowie
Mischungsstabilität, Lagerstabilität und neigen unter Verarbeitungsbedingungen nicht
zum Gelieren. Sie zeichnen sich außerdem durch leichte Auswaschbarkeit vor der Weiterverarbeitung
der Gewebe aus, die unter Verwendung der Schlichtemittel hergestellt wurden. Ein besonderer
Vorteil ist die umweltschonende Entsorgung der nach dem Auswaschen im Abwasser enthaltenen
Pfropfpolymeren, weil die natürlichen Anteile der Pfropfpolymeren biologisch abbaubar
und die synthetischen Anteile gut eliminierbar sind.
[0028] Ein Pfropfpolymer aus beispielsweise 40 % Kasein und 60 % n-Butylacrylat ist im Zahn-Wellens-Test
nach 2 Tagen bereits zu 93 % aus dem wäßrigen Überstand der Untersuchungslösung eliminiert
worden.
[0029] Die K-Werte wurden nach H. Fikentscher, Cellulosechemie, Band 13, 58-64 und 71-74
(1932), bestimmt. Dabei bedeutet K = k·10³. Die Messungen wurden an 1 gew.-%igen wäßrigen
Lösungen der Pfropfpolymerisate bei 25°C und einem pH-Wert von 7 durchgeführt. Die
Angaben in % bedeuten Gew.-%. Als Konservierungsmittel für die wäßrigen Lösungen und
Dispersionen der Pfropfpolymeren wurde Proxel XL 2 in Form einer 10 %igen wäßrigen
Lösung verwendet.
Beispiele
Herstellung der Pfropfpolymerisate
Pfropfpolymerisat 1
[0030] In einer 2 l fassenden Glasapparatur, die mit einem Ankerrührer, Zulaufeinrichtungen
für Monomere, Initiatorlösungen und Natronlauge, Rückflußkühler und Stickstoffein-
und -auslaß ausgestattet ist, wird eine Lösung von 150 g Knochenleim in 100 g Wasser
vorgelegt und unter einer Stickstoffatmosphäre auf 80°C erwärmt. Sobald die angegebene
Temperatur erreicht ist, fügt man 30 g festes Kasein und 22 g einer 5 %igen wäßrigen
Natronlauge zu. Man erhält eine viskose, homogene Lösung, zu der man gleichbeginnend
aus 2 Zulaufgefäßen 120 g n-Butylacrylat innerhalb von 2 Stunden und 100 g einer 4
%igen wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung innerhalb von 3 Stunden zutropft. Nach
Beendigung der Initiatorzugabe wird das Reaktionsgemisch noch 3 Stunden bei 80°C gerührt
und anschließend durch Zugabe von 300 g Wasser verdünnt. Danach fügt man 1 g des üblichen
Konservierungsmittels für Kasein zu und filtriert das Reaktionsgemisch. Man erhält
eine milchige Emulsion mit einem Feststoffgehalt von 32 %. Der K-Wert des Pfropfpolymerisats
beträgt 16,6. Das Pfropfpolymerisat enthält 0,12 % nicht polymerisiertes n-Butylacrylat.
Pfropfpolymerisat 2
[0031] In der oben beschriebenen Apparatur werden 225 g Knochenleim in 160 g Wasser durch
Erhitzen auf eine Temperatur von 80°C unter einer Stickstoffatmosphäre gelöst. Zu
dieser Lösung läßt man 15 g n-Butylacrylat innerhalb von 10 Minuten und gleichzeitig
30 g einer 3 %igen wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung innerhalb von 15 Minuten zulaufen.
Nach weiteren 15 Minuten tropft man gleichzeitig 275 g einer 27 %igen wäßrigen Acrylsäurelösung
innerhalb von 2 Stunden und 100 g einer 4 %igen wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung
innerhalb von 2,5 Stunden zu. Nach Beendigung der Initiatorzugabe wird das Reaktionsgemisch
noch 3 Stunden bei 80°C gerührt und anschließend mit einer Lösung von 170 g 25 %iger
wäßriger Natronlauge neutralisiert und mit 1 g des handelsüblichen Konservierungsmittels
versetzt. Man fügt 370 g Wasser zu und erhält eine trübe Lösung mit einem Feststoffanteil
von 32 %. Der K-Wert des Pfropfpolymerisats beträgt 86, der Restmonomergehalt 0,005
%.
Pfropfpolymerisat 3
[0032] In der bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 beschriebenen Apparatur werden
120 g Kasein (in der Säureform vorliegend) und 500 g Wasser unter Stickstoff bei einer
Temperatur von 20°C suspendiert. Man gibt dann in einer Portion 180 g n-Butylacrylat
zu und rührt die Mischung 15 Minuten bei 20°C. Danach werden 32 g einer 12,5 %igen
wäßrigen Natronlauge innerhalb von 15 Minuten tropfenweise zugegeben. Nach Beendigung
der Natronlaugezugabe wird die Mischung noch 40 Minuten bei 20°C gerührt. Man fügt
dann 100 g einer 3 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung in einer Portion zu und
erhöht die Temperatur des Reaktionsgemisches auf 75°C Sobald diese Temperatur erreicht
ist, dosiert man 70 g einer 3 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung innerhalb
von 2 Stunden zu und rührt das Reaktionsgemisch noch 4 Stunden bei 70°C nach Beendigung
der Initiatorzugabe. Man fügt dann 1 g des Konservierungsmittels zu und erhält so
einen weißen Latex mit einem Feststoffgehalt von 29 %. Der K-Wert des Pfropfpolymerisats
beträgt 20,8. Das Polymerisat hat einen Restmonomergehalt von 0,03 % n-Butylacrylat.
Pfropfpolymerisat 4
[0033] In der oben beschriebenen Apparatur werden 60 g Kasein, 500 g Wasser, 75 g n-Butylacrylat
und 15 g Methylacrylat bei 20°C in einer Stickstoffatmosphäre gerührt und mit 29 g
einer 7 %igen wäßrigen Natronlauge neutralisiert. Die Mischung wird noch 30 Minuten
bei 20°C gerührt und anschließend mit 100 g einer 3 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung
versetzt. Das Reaktionsgemisch wird auf eine Temperatur von 75 bis 80°C erwärmt. Bei
dieser Temperatur fügt man 70 g einer 3 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung
innerhalb von 2 Stunden zu und verfährt im übrigen wie bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats
3 beschrieben. Man erhält eine Emulsion mit einem Feststoffgehalt von 17,5 %. Das
Pfropfpolymerisat hat einen K-Wert von 19,7.
Pfropfpolymerisat 5 und 6
[0034] Diese Pfropfpolymerisate werden mit den in der folgenden Tabelle angegebenen Einsatzstoffen
nach der für die Herstellung des Pfropfpolymerisats 3 gegebenen Vorschrift hergestellt.

Pfropfpolymerisat 7
[0035] In der für die Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 beschriebenen Apparatur werden
200 g Knochenleim in 140 g Wasser bei 80°C unter einer Stickstoffatmosphäre gelöst.
Man tropft dann zu der entstandenen Lösung 260 g einer 23 %igen wäßrigen Acrylsäurelösung
innerhalb von 2 Stunden und gleichzeitig 100 g einer 4 %igen wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung
innerhalb von 3 Stunden zu. Nach Beendigung der Initiatorzugabe wird das Reaktionsgemisch
noch 1 Stunde bei 80°C gerührt, abgekühlt und durch Zusatz von 170 g einer 20 %igen
wäßrigen Natronlauge neutralisiert. Die Polymerlösung hat einen Feststoffgehalt von
31 %. Das Pfropfpolymerisat hat einen K-Wert von 79,4.
Pfropfpolymerisat 8
[0036] Wie bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats 3 angegebenen, werden 120 g Kasein
in 500 g Wasser aufgeschlämmt und und mit 30 g n-Butylacrylat versetzt. Nach Zugabe
von 8 g 50 %iger wäßriger Natronlauge und intensiven Emulgierens wird die Polymerisation
durch Zugabe von 100 g 3 %iger wäßriger Kaliumperoxodisulfatlösung gestartet und durch
kontinuierliche Zugabe von 60 g 3 %iger Kaliumperoxodisulfatlösung zu Ende geführt.
Die restlichen Monomeranteile werden durch Zugabe von 0,5 g tert.-Butylperpivalat
weitgehend entfernt. Man erhält eine 18 gew.-%ige trübe Lösung des Pfropfpolymerisats
mit einem K-Wert von 26,2. Der Restgehalt an n-Butylacrylat beträgt 0,08 %.
Pfropfpolymerisat 9
[0037] In der für die Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 verwendeten Apparatur werden
150 g Knochenleim und 100 g Wasser unter einer Stickstoffatmosphäre gerührt und auf
eine Temperatur von 85°C erwärmt. Zu der entstehenden Lösung läßt man eine Mischung
aus 75 g Acrylsäure und 75 g n-Butylacrylat innerhalb von 2 Stunden und gleichzeitig
damit 100 g einer 4 %igen wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung innerhalb von 3 Stunden
zulaufen. Nach Beendigung der Initiatorzugabe wird das Reaktionsgemisch noch 2 Stunden
bei 80°C gerührt und anschließend durch Zugabe von 170 g einer 25 %igen wäßrigen Natronlauge
neutralisiert. Man fügt 500 g Wasser und 1 g eines handelsüblichen Konservierungsmittel
zu und erhält so einen 27 %igen Latex. Der K-Wert des Polymerisats beträgt 92. Das
Pfropfpolymerisat hat einen Restgehalt an n-Butylacrylat von 0,03 %.
Pfropfpolymerisat 10
[0038] In der bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 beschriebenen Apparatur werden
120 g Kasein in 400 g Wasser aufgeschlämmt und mit 8 g 50 %iger wäßriger Natronlauge
versetzt. Zu der entstehenden wäßrigen Lösung fügt man innerhalb von 10 Minuten 30
g Acrylsäure und dann tropfenweise so viel 10 %ige wäßrige Natronlauge, bis sich der
entstandene Niederschlag wieder gelöst hat. Man fügt dann 100 g einer 4 %igen wäßrigen
Kaliumperoxodisulfatlösung zu und erhitzt das Reaktionsgemisch unter einer Stickstoffatmosphäre
auf 70°C. Die Polymerisationszeit beträgt 3 Stunden. Danach wird das Reaktionsgemisch
verdünnt. Man erhält eine wäßrige Polymerlösung mit einem Feststoffgehalt von 18 %.
Das Pfropfpolymerisat hat einen K-Wert von 28,9.
Pfropfpolymerisat 11
[0039] In der bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 beschriebenen Apparatur werden
120 g Kasein in 450 g Wasser bei einer Temperatur von 20°C aufgeschlämmt. Dann gibt
man unter einer Stickstoffatmosphäre 40 g Methylmethacrylat und eine Lösung aus 26
g Acrylsäure und 29 g 50 %iger wäßriger Natronlauge in 50 g Wasser jeweils in einer
Portion zu und neutralisiert die entstehende Mischung durch hinzufügen von 32 g 12,5
%iger wäßriger Natronlauge innerhalb von 10 Minuten unter intensivem Rühren. Nach
Zugabe von 100 g 3 %iger wäßriger Kaliumperoxodisulfatlösung wird das Reaktionsgemisch
auf eine Temperatur von 75 bis 80°C erwärmt und bei Erreichen dieser Temperatur innerhalb
von 2 Stunden mit 100 g einer 2 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung versetzt.
Nach Beendigung der Initiatorzugabe wird das Reaktionsgemisch noch 4 Stunden bei 80°C
gerührt. Man erhält einen Latex mit einem Feststoffanteil von 19 %. Das Pfropfpolymerisat
hat einen K-Wert von 37,7 und enthält 0,002 % nichtpolymerisiertes Methylmethacrylat.
Pfropfpolymerisat 12
[0040] In der für die Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 verwendeten Apparatur werden
120 g Kasein in 600 g Wasser bei einer Temperatur von 20°C suspendiert und auf einmal
mit 80 g N-(n-Butoxymethyl)-acrylamid versetzt. Nach Zugabe von 32 g 12,5 %iger wäßriger
Natronlauge entsteht nach 40 minütigem Rühren eine feinteilige Emulsion. Man versetzt
sie mit 100 g einer 3 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung, erwärmt die Mischung
auf 80°C und tropft bei dieser Temperatur 100 g einer 2 %igen wäßrigen Kaliumperoxodisulfatlösung
innerhalb von 2 Stunden zu. Die Emulsion wird nach Beendigung der Initiatorzugabe
noch 4 Stunden bei 75°C gerührt, mit 300 g Wasser verdünnt und mit 1 g des Konservierungsmittel
versetzt. Sie hat einen Feststoffgehalt von 20 %. Der K-Wert des Pfropfpolymerisats
beträgt 45,6.
Pfropfpolymerisat 13
[0041] Beispiel 12 wird mit der einzigen Ausnahme wiederholt, daß man anstelle von N-(n-Butoxymethyl)-acrylamid
jetzt N-(Isobutoxymethyl)-acrylamid einsetzt. Der K-Wert des Pfropfpolymerisats beträgt
in diesem Fall 44,8.
Pfropfpolymerisat 14
[0042] In der bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 beschriebenen Apparatur werden
140 g Wasser vorgelegt und auf 85°C erhitzt. Bei dieser Temperatur trägt man dann
200 g Gelatine portionsweise ein und rührt die Mischung solange, bis man eine klare
Lösung erhält. Dann tropft man gleichzeitig aus 2 Dosiergefäßen 50 g einer 4 %igen
wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung und eine Lösung von 60 g Methacrylsäure in 320
g Wasser jeweils innerhalb von 2 Stunden zu und rührt danach das Reaktionsgemisch
noch 2 Stunden bei 85°C. Nach dem Abkühlen wird das Reaktionsgemisch durch Zusatz
von 56 g 50 %iger wäßriger Natronlauge neutralisiert. Die Polymerlösung besitzt einen
Feststoffgehalt von 31 %. Der K-Wert des Pfropfpolymerisats beträgt 96.
Pfropfpolymerisat 15
a) Herstellung der Weichkomponente
[0043] In der bei der Herstellung des Pfropfpolymerisats 1 beschriebenen Apparatur werden
120 g Kasein, 500 g Wasser und 180 g Ethylhexylacrylat unter einer Stickstoffatmosphäre
bei einer Temperatur von 20°C innig gemischt. Nach Zugabe von 8 g 50 %iger wäßriger
Natronlauge löst sich das Kasein auf. Man erhält dabei eine feinteilige, glatte Emulsion,
die 40 Minuten bei 20°C gerührt wird. Man fügt dann 25 g einer 13 %igen wäßrigen Natriumperoxodisulfatlösung
zu und erhitzt das Reaktionsgemisch auf 75°C. Sobald diese Temperatur erreicht ist,
werden weitere 25 g 13 %iger wäßriger Natriumperoxodisulfatlösung innerhalb von 2
Stunden zugetropft. Das Reaktionsgemisch wird nach Beendigung der Initiatorzugabe
noch 2 Stunden bei 75°C gerührt, mit 1 g 75 %igem tert.-Butylperpivalat, das in einer
Portion zugegeben wird, versetzt und weitere 2 Stunden bei 75°C gerührt. Der Feststoffgehalt
der Emulsion wird durch Zugabe von Wasser auf 25 % eingestellt. Das Pfropfpolymerisat
hat einen K-Wert von 21,4. Der Restgehalt an nichtpolymerisiertem Ethylhexylacrylat
beträgt 0,1 %.
b) Herstellung der Hartkomponente
[0044] Man verfährt wie unter a) angegeben, verwendet jedoch anstelle von Ethylhexylacrylat
als Monomer 180 g Methylmethacrylat. Unter identischen Verfahrensbedingungen erhält
man einen Latex, dessen Feststoffgehalt auf 25 % eingestellt wird. Das Pfropfpolymerisat
hat einen K-Wert von 18,3. Der Restgehalt an nichtpolymerisiertem Methylmethacrylat
beträgt 0,012 %.
[0045] Die gemäß a) und b) erhaltenen Latices werden so gemischt, daß die entstehende Mischung
70 % des Latex gemäß a) und 30 % des Latex gemäß b) enthält. Die Mischung wird anschließend
mit 1 g des Konservierungsmittels versetzt. Sie ist wochenlang stabil.
Anwendungstechnische Eigenschaften der Pfropfpolymerisate
[0046] Die oben beschriebenen Pfropfpolymerisate 1 bis 15 werden als Schlichtemittel für
Stapelfaser- und Filamentgarne verwendet. Zur Beurteilung der anwendungstechnischen
Eigenschaften der Pfropfpolymerisate wurden A) die Filmeigenschaften und B) als Maß
für die Schlichtewirkung die Pilling-Werte sowie die Pseudokettfadenbruch-Werte ermittelt.
A) Bestimmung der Filmeigenschaften mittels der Pendelhärte
[0047] Zur Ermittlung der Filmeigenschaften wurde die Filmhärte der Filme geprüft. Die Prüfung
erfolgte auf dem Pendelgerät nach König (DIN 53 157).
[0048] Zur Herstellung der Filme wurden aus den oben beschriebenen Pfropfpolymeren 1 bis
15 2 mm dicke Filme hergestellt. Anschließend wurden die Filme für die Dauer von 3
Stunden bei 80°C getrocknet und danach 24 Stunden bei 65 % bzw. 80 % relativer Feuchtigkeit
und 20°C gehalten. Anschließend wird auf dem Pendelgerät gemäß der Vorschrift geprüft.
B) Bestimmung der Schlichtewirkung
[0049] Die Prüfung der Schlichtewirkung erfolgt auf dem Reutlinger Webtester, der die Belastung
der Kettgarne beim Webvorgang simuliert, indem geschlichtete Garne unter einer bestimmten
Spannung mittels Metallstiften wiederholt mechanisch beansprucht werden (J. Trauter
u. R. Vialon, Textil Praxis International 1985, 1201). Die Anzahl dieser Beanspruchungen
(Tourenzahl), bei der eine bestimmte Schädigung des Garns festzustellen ist, stellt
ein Maß für die Qualität des Schlichtemittels dar.
[0050] Als Kriterium für die Schlichtewirkung dienen
a) die Pilling-Werte (der Pilling-Wert ist die Tourenzahl, bei der die Bildung eines
Knötchens am sechsten Garn zu beobachten ist.) und
b) die Pseudo-Kettfadenbruch-Werte (der Pseudo-Kettfadenbruch-Wert ist die Tourenzahl,
bei dem das sechste Garn erschlafft.).
[0051] Hohe Pilling- und Pseudo-Kettfadenbruch-Werte bedeuten eine gute Schlichtewirkung.
[0052] Zur Bestimmung der Schlichtewirkung wurden Garne aus Baumwolle mit 8 %igen wäßrigen
Flotten, sowie Garne aus Polyester/Baumwolle im Gewichtsverhältnis 65/35 mit 14 %igen
wäßrigen Flotten der jeweils im folgenden angegebenen Pfropfpolymeren bei Raumtemperatur
geschlichtet.
[0053] Zur Bestimmung der Schlichtewirkung der Pfropfpolymeren in Mischung mit Stärke (Hydroxypropyl-Kartoffelstärke)
wurde Baumwolle bei Raumtemperatur mit 11 %igen wäßrigen Flotten (67 % Stärke/33 %
Pfropfpolymer) geschlichtet.
[0054] Die Schlichtung wurde auf einer Laborschlichtemaschine (DE-C-2 714 897) durchgeführt.
Anschließend wurden die geschlichteten Garne für die Dauer von 24 Stunden bei 68 %
relativer Feuchtigkeit und 20°C gehalten.
[0055] Die Beispiele zeigen die Ergebnisse der Prüfungen (Filmeigenschaften und Schlichtewirkung).
Die erfindungsgemäß zu verwendenden Pfropfpolymerisate 1 bis 15 sind zähelastisch
und homogen und zeigen bezüglich der Schlichtewirkung gute Pilling- und Pseudo-Kettfadenbruch-Werte.
Pendelhärten von Pfropfpolymerisaten
Beispiele 1 bis 11
[0056]

[0057] Erfahrungsgemäß weisen gut wirksame Schlichtemittel Pendelhärten von 10 bis 80 bei
65 % relativer Luftfeuchte und 5 bis 30 bei 80 % relativer Luftfeuchte auf. Durch
Pfropfung werden die spröden und zu harten Proteine, mit Pendelhärte über 80 bzw.
30, derart modifiziert, daß anwendungstechnisch gute Filme entstehen.
Schlichtewirkung von Pfropfpolymerisaten:
Beispiele 12 bis 17
[0058] Anwendungstechnische Eigenschaften der Pfropfpolymerisate 1 bis 6 auf Polyester/Baumwolle.
Die Schlichteauflage auf den Garnen betrug 15 %.

Beispiele 18 bis 21
[0059] Anwendungstechnische Eigenschaften der Pfropfcopolymerisate 1, 2, 5 und 6 auf Baumwolle.
Die Schlichteauflage auf den Garnen betrug 10 %.

Beispiel 22 und 23
[0060] Anwendungstechnische Eigenschaften der Pfropfpolymerisate 2 und 7 in Abmischung mit
Stärke (67 % Hydroxypropyl-Kartoffelstärke mit 33 % Pfropfpolymerisat bzw. als Vergleich
mit 33 % Knochenleim) auf Baumwolle. Die Schlichteauflage auf den Garnen betrug 15
%.

[0061] Wie aus den Beispielen 1 bis 23 zu entnehmen ist, kann man Proteine durch radikalische
Pfropfung mit ethylenisch ungesättigten Monomeren derart modifizieren, daß ihre Eigenschaften
als Textilschlichte erheblich verbessert werden.