[0001] Die Erfindung betrifft eine Heizkammer für Heizanlagen zum kontrollierten Aufschmelzen
metallischer Werkstücke und Proben, bestehend aus einem zylindrischen Behälter, dessen
Wand aus Heizwicklungen aus einem elektrisch leitenden Werkstoff sowie aus einer die
Heizwicklungen umgebenden Isolierung besteht, ferner betrifft sie ein Verfahren zur
Herstellung einer derartigen Heizkammer.
[0002] Für das kontrollierte Aufschmelzen von Werkstücken und Proben insbesondere auch aus
höherschmelzenden Metallen bzw. intermetallischen Phasen werden spezielle Hochtemperatur-Heizanlagen
eingesetzt, bei denen hohe Anforderungen, auch über einen längeren Zeitraum, an die
Genauigkeit gestellt werden, mit der ein vorgegebener Temperaturverlauf einzuhalten
ist. Die Heizkammern werden dabei entweder im isothermen Modus oder aber in einem
gradienten Modus betrieben in der Isothermal Heating Facility (IHF).
[0003] Ein wichtiger Anwendungsfall ist die Herstellung von Turbinenschaufeln in der Heating
Facility Turbineblades (HFT) für die Hochtemperatur-Stufen moderner Flugzeugtriebwerke,
die durch gerichtetes Aufschmelzen einer Ausgangslegierung bei Temperaturen um 1700°
C erfolgt. Die Turbinenschaufeln werden hierzu einzeln in eine Heizkammer der eingangs
genannten Art eingebracht und in dieser kontrolliert aufgeschmolzen und anschließend
abgekühlt. Die dabei verwendeten Heizkammern bestehen in der Regel aus einem spiralförmig
gewickelten Tantaldraht, auf den zur Isolierung Perlen aus Aluminiumoxydkeramik aufgezogen
sind. Durch Anschmelzen dieser Perlen an den Tantaldraht, verursacht durch das Abdampfen
der Probenmaterialien, die sich in der Heizkammer befinden, kann es bei einer solchen
Heizkammer leicht zu elektrischen Kurzschlüssen und damit zum Ausfall der gesamten
Anlage kommen.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Heizkammer der eingangs genannten Art so
auszubilden, daß ein zuverlässiger Betriebsablauf gewährleistet ist und daß darüber
hinaus eine möglichst exakte Einhaltung der vorgegebenen Temperatur bzw. Temperaturverteilung
gegeben ist. Ferner ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung einer
solchen Heizkammer anzugeben.
[0005] Die Lösung der Aufgabe erfolgt durch eine Heizkammer mit den kennzeichnenden Merkmalen
des Patentanspruchs 1. Die erfindungsgemäße Heizkammer weist dabei zugleich noch den
Vorteil auf, daß in ihr die Abgabe einer gleichmäßig hohen Heizleistung auch über
einen längeren Zeitraum möglich ist.
[0006] Weiterhin wird ein Verfahren nach den Merkmalen des Anspruchs 5 vorgeschlagen, das
eine einfache und kostengünstige Möglichkeit gewährleistet, eine derartige Heizkammer
in relativ wenigen Arbeitsgängen herzustellen.
[0007] Vorteilhafte Weiterbildungen der Heizkammer nach der Erfindung sowie des Verfahrens
zu ihrer Herstellung sind in den weiteren Unterannsprüchen angegeben.
[0008] Nachfolgend soll die Erfindung anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert werden. Es zeigen:
Fig. 1 Erstellung eines Heizer-Rohlings,
Fig. 2 Herstellungsprozeß einer Heizkammer und
Fig. 3 einen Längsschnitt durch eine Heizkammer.
[0009] In den Figuren 1 bis c ist zunächst die Herstellung der aus pyrolytischem Bornitrit
bestehenden inneren Wandlage 1 der Heizkammer dargestellt. Als Ausgangspunkt dient
eine Negativform, bestehend aus einer Graphit-Mandrille 2. Auf diese wird in einer
Vakuum-Aufdampfanlage aus der Gasphase 3 Bornitrid und anschließend, ebenfalls durch
Aufdampfen, eine Graphitschicht 4 abgeschieden, wobei die obere Randfläche sowie die
Stirnfläche, durch eine entsprechende Abdeckung geschützt, nicht mit Graphit bedampft
werden. Der so entstandene Rohling 5 wird nach dem Erstarren und Abkühlen von der
Mandrille 2 abgezogen.
[0010] Die weiteren Stadien des Herstellungsprozesses ist in den Figuren 2a bis c dargestellt.
Der bereits zylinderförmige Rohling 5 weist auf der inneren Bornitrit-Trägerlage 1
umfangsseitig eine zunächst durchgehende Beschichtung 4 aus Graphit auf. In diese
werden auf mechanischem Wege spiralförmige Heizbahnen 6, wie in Fig. 2b dargestellt,
eingefräst. Nachdem dieser Körper durch Aufdampfen einer zweiten Lage 7 aus Bornitrit
versiegelt wurde, werden auf den bei der Versiegelung durch eine entsprechende Abdeckung
freigebliebenen, radial geteilten unteren Randstreifen 8, 8' der Graphitschicht zwei
Kontaktschalen 9, 10 aus kohlefaserverstärktem Kohlenstoff (CFK) aufgesetzt, in die
zuvor jeweils ein Anschlußdraht 11, 12 aus Tantal für die Stromzuführung eingelötet
wurde. Letzteres erfolgt bei einer Temperatur von etwa 2500° C. Die beiden Kontaktschalen
9 und 10 werden mittels eines Graphitklebers auf die geteilten Leiterbahnen 8 bzw.
8' aufgeklebt.
[0011] Fig. 3 zeigt den Einbau der fertigen Heizkammer 13 in eine Hochtemperatur-Heizanlage.
Die Heizkammer 13 ist dabei in ein Stützrohr 14 aus Tantalblech eingesetzt und in
diesem durch einen Isolierring 15, der von außen an den Kontaktschalen 9 und 10 anliegt,
in radialer Richtung fixiert. Das Stützrohr 14 ist von mehreren Lagen 16 einer Tantalfolie
umgeben. Die Anschlußdrähte 11 und 12 sind, mit einer Isolierung 17, 18 aus Aluminiumoxyd-Perlen
versehen, zu einer in der Figur nicht dargestellten elektrischen Versorgungseinheit
geführt. Die Heizkammer 13 wird durch einen Flansch 19 verschlossen, der zugleich
als Halter für ein zu behandelndes Werkstück dient.
[0012] Durch die Verwendung pyrolytischen Bornitrits kann die vorstehend beschriebene Heizkammer
auch über längere Zeit bei Temperaturen bis zum 2000° C betrieben werden, ohne daß
es zu mechanischem Versagen bzw. zu thermischen Ausgangserscheinungen kommt, die den
Herstellungsprozeß eines Werkstücks nachteilig beeinflussen würden. Durch das Aufdampfen
der Graphitschicht und die nachfolgende Formgebung der Heizwicklungen ist es dabei
möglich, die Heizvorrichtung variabel zu gestalten, wobei durch Variation der Schichtdicke
der Widerstand verändert werden kann und durch die Form der gefrästen Bahnen zugleich
die Temperaturverteilung in der Heizkammer gezielt beeinflußt werden kann. Auf diese
Weise läßt sich eine Heizkammer mit einer besonders hohen Leistungsdichte herstellen,
die sich unter anderen für den Einsatz in einer Anlage zur Prozessierung und gerichteten
Erstarrung von Turbinenschaufeln eignet.
[0013] Hierbei besteht der Vorteil in der pyrolytischen Beschichtung der Heizbahnen, der
Heizer ist gekapselt und gegen etwaiges Abdampfen der Probenmaterialien resistent.
1. Heizkammer für Heizanlagen zum kontrollierten Aufschmelzen metallischer Werkstücke
und Proben, bestehend aus einem zylindrischen Behälter, dessen Wand aus Heizwicklungen
aus einem elektrisch leitenden Werkstoff sowie aus einer die Heizwicklungen umgebenden
Isolierung besteht, dadurch gekennzeichnet, daß die Behälterwand aus einer inneren
Lage (1) aus einem aus der Gasphase abgeschiedenen keramischen Werkstoff, einer auf
diese aufgebrachten, spiralförmig verlaufenden Schicht (4) eines elektrisch leitenden
Materials sowie einer äußeren Lage (7) des keramischen Werkstoffs besteht.
2. Heizkammer nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die innere und äußere Lage
(1, 7) aus pyrolytisch abgeschiedenen Bornitrit bestehen.
3. Heizkammer nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrisch leitende
Schicht (4) aus Graphit besteht.
4. Heizkammer nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische
Kontaktierung über Kontaktbuchsen (9, 10) aus kohlefaserverstärktem Kohlenstoff erfolgt.
5. Verfahren zur Herstellung der Heizkammer nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß auf einer Negativform (2) zunächst aus der Gasphase eine innere
Lage (1) aus Bornitrit abgeschieden wird, auf die anschließend eine Graphitschicht
(4) aufgedampft wird, daß in letztere spiralförmig verlaufende Leiterbahnen (6) eingefräst
werden und daß anschließend eine Versiegelung mit erneut pyrolytisch abgeschiedenen
Bornitrit erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß auf von der Versiegelung
ausgesparte Endbereiche (8, 8') der Leiterbahnen (6) Kontaktschalen (9, 10) aus kohlefaserverstärktem
Kohlenstoff aufgeklebt werden.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Herstellung in
einer Vakuum-Aufdampfanlage erfolgt.