[0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Gewinnung von chloridarmer
Ofenasche bei der Umsetzung von Rohsilicium mit Chlorwasserstoff und/oder Chlor zu
Chlorsilanen. Als Beaktionsrückstand muß die Ofenasche umweltgerecht entsorgt werden;
dazu liefert das vorliegende Verfahren einen Beitrag.
[0002] Bei der industriellen Herstellung von Chlorsilanen wird Rohsilicium als Feststoff
in Beaktionsöfen eingesetzt. Diese können als Fluid-Bett-Reaktoren oder Festbettreaktoren
ausgebildet sein. Das feste Rohsilicium liegt dabei auf einer für einen Gasdurchtritt
geeigneten Auflage, wie z. B. einem Lochboden beim Fluid-Bett oder einem, Auflagerost
beim Festbett. Das Reaktionsgas (Chlorwasserstoff und/oder Chlor) tritt von unten
durch den Auflageboden in den Rohsiliciumfeststoff ein und reagiert dort zu Chlorsilanen,
die über Kopf den Reaktor gasförmig verlassen. Die für die Herstellung von Chlorsilanen
eingesetzten Reaktoren sind schematisch in DE-AS 21 61 641, DE-OS 32 30 590 und DE-PS
26 30 542 dargestellt.
[0003] Bei den zur Herstellung von Chlorsilanen eingesetzten Rohsiliciumsorten beträgt der
Siliciumgehalt 85 Gew.-% und mehr. Kommerziell sind heute Siliciumsorten mit bis zu
99 Gew.-% Silicium erhältlich. Die weiteren Bestandteile des Siliciums sind hauptsächlich
Eisen, Aluminium, Calcium und Titan; in geringen Mengen sind aber auch noch andere
Elemente, meist Metalle, enthalten.
[0004] Bei der Umsetzung von Rohsilicium in den Reaktionsöfen bleibt ein Feststoff zurück,
der im folgenden als Ofenasche bezeichnet wird. Die Ofenasche enthält die nicht umgesetzten
Bestandteile und schwerflüchtige Chlorverbindungen des Rohsiliciums. Ihre Elementaranalyse
zeigt vornehmlich Silicium, Eisen, Calcium, Aluminium, Magnesium, Kohlenstoff und
Chlor. Das Chlor liegt als wasserlösliches Chlorid vor.
[0005] Um die Reaktion des Rohsiliciums in Gang zu halten, muß die Ofenasche aus dem Reaktionsofen
entfernt werden. Üblicherweise fällt die Ofenasche nach unten durch die Gasöffnungen
in einen unter dem Auflageboden befindlichen Raum, in dem sie abkühlt. Das Entaschen
der Reaktoren kann kontinuierlich oder diskontinuierlich erfolgen und durch mechanische
Mittel, z. B. einen beweglichen Rost, unterstützt werden.
[0006] Bei den heute gebräuchlichen Anordnungen zur Aschegewinnung aus den Reaktionsöfen
ist es üblich, die Asche nach unten durch die Gaseintrittsöffnungen des Auflagebodens
abzuziehen und in einer mit dem Gasraum unterhalb des Auflagebodens verbundenen Kammer
zu sammeln und abkühlen zu lassen. Der Gasraum ist dabei naturgemäß mit dem Chlorierungsgas
Chlorwasserstoff und/oder Chlor gefüllt. Diese Anordnung ist nachteilig für einen
geringen Chloridgehalt der Ofenasche.
[0007] Als für die weitere Produktion von Chlorsilanen nicht weiter verwendbarer Rückstand
muß die Ofenasche entsorgt werden. Um diese als Abfall einer oberirdischen Deponie
zuführen zu können, sollen die Zuordnungskriterien erfüllt sein, wie sie im Entwurf
des Bundesministers für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit der Bundesrepublik
Deutschland für die Dritte Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz - Technische
Anleitung zur Lagerung, chemisch/physikalischen und biologischen Behandlung, Verbrennung
und Ablagerung von Sonderabfällen (Entwurf TA Sonderabfall) mit dem Aktenzeichen WA
11 5-530 400-1/18 enthalten sind. Ofenasche aus der Chlorsilanproduktion erfüllt die
im Anhang D des Entwurfes TA Sonderabfall enthaltenen Zuordnungskriterien mit Ausnahme
von Chlorid. Während der Entwurf TA Sonderabfall bei Chlorid einen Grenzwert von 6
g/I Eluat, entsprechend 6 Gew.-%, bezogen auf Ofenasche, vorschreibt, ergeben die
Analysen von Ofenasche Chloridgehalte von 8 bis 20 Gew.-%.
[0008] Es bestand somit das Problem, eine Ofenasche mit geringem Chloridgehalt zu erzeugen,
die einer oberirdischen Deponie zugeführt werden kann, um so in wirtschaftlich vorteilhafter
Weise die Inanspruchnahme einer Untertagedeponie zu vermeiden.
[0009] Als Lösung dieses Problems wurde ein Verfahren zur Gewinnung von chloridarmer Ofenasche
als Reaktionsrückstand bei der Umsetzung von Rohsilicium zu Chlorsilanen gefunden,
bei welchem man die Ofenasche unmittelbar nach Austritt aus dem Reaktionsraum dem
weiteren Kontakt mit dem Chlorierungsmittel entzieht.
[0010] Erfindungsgemäß ist es wesentlich, die Ofenasche in einer Atmosphäre zu sammeln und
gegebenenfalls abkühlen zu lassen, die weder Chlorwasserstoff noch elementares Chlor
enthält. Da ein Teil der Ofenasche unter Umständen in den Prozeß zurückgeführt wird,
ist die Abwesenheit von Wasserdampf und Sauerstoff hierbei eine weitere sinnvolle
Maßnahme.
[0011] Bezüglich der Behandlung der Ofenasche kann man z. B. beim periodischen Entaschen
die anfallende Ofenasche in einer unterhalb des Auflagebodens installierten Kammer
auffangen, die Kammer sofort nach Ende des Entaschungsvorgangs schließen, das in der
Kammer enthaltene Chlorierungsgas entfernen und durch Stickstoff ersetzen.
[0012] Um die Kontaktzeit der Ofenasche mit dem Chlorierungsgas zu verkürzen, wird vorteilhafterweise
eine unterhalb des Auflagebodens befindliche Sammelkammer mit einem Gas gefüllt, das
spezifisch schwerer als das Chlorierungsgas ist. Auf diese Weise fällt die Ofenasche
mit Ausnahme einer kurzen Strecke unterhalb des Auflagebodens sofort in eine chlorierungsgasfreie
Atmosphäre und ist durch diese vom Chlorierungsmittel abgesperrt.
[0013] Als schweres Sperrgas kann man alle inerten chlorierungsmittelfreien Gase und Dämpfe
verwenden, wie z. B. Argon im Falle von Chlorwasserstoff als Chlorierungsgas. Mit
Vorteil jedoch werden chlorsilanhaltige, insbesondere SiC1
4-haltige, gasförmige Verbindungen eingesetzt. Durch Rückführung entsprechender Gasströme
aus der Chlorsilananlage werden somit keine prozeßfremden chemischen Verbindungen
eingeschleust. Auch die Absperrung der Ofenasche allein mit SiCl
4-Dämpfen ist eine vorteilhafte Ausgestaltung des Verfahrens.
Beispiel 1
[0014] In einem Reaktionsrohr wurden in einem Quarzschiffchen 10 g Rohsilicium in einer
Körnung von 0 bis 5 mm mit einem Siliciumgehalt von 90,5 Gew.-% mit Chlorwasserstoff
zu Chlorsilanen umgesetzt. Die Reaktionstemperatur betrug 750 °C. Nach 100 Minuten
Reaktionszeit verblieb im Schiffchen ein Reaktionsrückstand von 2,3 g. Das Schiffchen
wurde in weniger als 3 Sekunden in eine unmittelbar an das Reaktionsrohr anschließende
Abkühlkammer gebracht, die mit SiCl
4-Dampf bei 120 °C gefüllt war. Dort kühlte das Schiffchen unter SiC1
4-Atmosphäre in 40 Minuten auf 70 °C ab, wobei die Temperatur der Abkühlkammer gesenkt
wurde. Der Chloridgehalt einer so gewonnenen Ofenasche betrug 1,6 Gew.-%.
Vergleichsbeispiel 1
[0015] Der Versuch nach Beispiel 1 wurde wiederholt mit der Änderung, daß die Ofenasche
unter HCI-Atmosphäre abkühlte. Der Chloridgehalt der so abgekühlten Ofenasche wurde
zu 10,1 Gew.-% gemessen.
Beispiel 2
[0016] Der Versuch nach Beispiel 1 wurde wiederholt mit der Änderung, daß die Ofenasche
unter ArgonAtmosphäre abkühlte. Die Asche hatte danach einen Chloridgehalt von 1,5
Gew.-%.
Beispiel 3
[0017] Bei einer Reaktionstemperatur von 900 °C wurde der Versuch nach Beispiel 1 wiederholt
und unter SiC1
4-Atmosphäre abgekühlt. Man erhielt eine Ofenasche mit 1,0 Gew.-% Chloridgehalt. Kühlte
man unter Argon ab, erhielt man ebenfalls 1,0 Gew.-% Chlorid in der Ofenasche.
Beispiel 4
[0018] In derselben Apparatur und gemäß derselben Verfahrensweise wie in Beispiel 1 wurden
10 g Rohsilicium mit Chlor bei 900 °C umgesetzt, bis ein Rückstand von 2,3 g verblieb.
Dieser Rückstand wurde in einer SiC1
4-Atmosphäre abgekühlt. Der Chloridgehalt der Ofenasche betrug 1,7 Gew.- %.
Vergleichsbeispiel 2
[0019] Der Versuch nach Beispiel 4 wurde mit der Änderung wiederholt, daß die Ofenasche
unter Chlor-Atmosphäre abkühlte. Die Asche hatte einen Chloridgehalt von 15,9 Gew.-%.
1. Verfahren zur Gewinnung von chloridarmer Ofenasche als Reaktionsrückstand bei der
Umsetzung von Rohsilicium zu Chlorsilanen, dadurch gekennzeichnet, daß man die Ofenasche
unmittelbar nach Austritt aus dem Reaktionsraum dem weiteren Kontakt mit dem Chlorierungsmittel
entzieht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Ofenasche in einer
chlorierungsmittelfreien Atmosphäre sammelt, die spezifisch schwerer als das Chlorierungsgas
ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man die Ofenasche
in einer Atmosphäre aus SiCl4-Dampf auffängt.