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Benannte Vertragsstaaten: |
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AT BE DE ES FR GB IT NL |
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Priorität: |
23.10.1990 DE 4033686
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| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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29.04.1992 Patentblatt 1992/18 |
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Patentinhaber: NALCO CHEMICAL COMPANY |
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Naperville
Illinois 60563-1198 (US) |
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Erfinder: |
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- Buss, Enno, Dr., c/o Nalco Europe Sàrl
W-6000 Frankfurt/Main 90 (DE)
- Johnson, Donald A., c/o Nalco Chemical Company
Naperville, Illinois 60563-1198 (US)
- Bohnsack, Gerhard, Dr.
W-5090 Leverkusen (DE)
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| (74) |
Vertreter: Hartmann, Günter, Dr. Dipl.-Chem. et al |
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Ruschke Hartmann Becker
Pienzenauerstrasse 2 81679 München 81679 München (DE) |
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
EP-A- 0 049 706 DE-A- 2 505 435 DE-A- 3 142 800 DE-C- 2 280 032 DE-C- 2 413 502
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EP-A- 0 193 735 DE-A- 2 624 572 DE-A- 3 635 411 DE-C- 2 285 667 US-A- 3 817 795
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- CHEMICAL ABSTRACTS, vol. 105, no. 22,Dezember 1986, Columbus, Ohio, US; abstract no.
195310T, FRENIER: 'PAASIVATION OF STEEL IN AMMONIUM ETHYLENEDIAMINETETRAACETIC ACID
SOLUTIONS' Seite 264 ; "
- "Die Korrosion der Metalle", H. Kaesche, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New
York, 2. Auflage, 1979, Seiten 173-188.
- Korrosionsschutz fuer Metalle, Dr. K. Baumann, VEB Dt. Verlag fuer Grundstoffindustrie,
2. Auflage, Leipzig 1993, Seiten 145-149
- "Corrosion Inhibitors, Recent Devlopments", J.S.Robinson, Noyes data corporation,
New Jersey, 1979, Seite 15, und US-A-4042324
- "Werkstoffeinsatz und Korrosionsschutz in der chem. Industrie" VEB Dt. Verlag fuer
Grundstoffindustrie, 4. Auflage, Leipzig 1986, Seiten 101- 103
- An Atlas of Metal Damage , L. Engel , H. Klingele, Wolfe Science Books in association
with Carl Hauser Verlag, Muenchen, Wien, Seite 210
- H.H.Uhlig, "Korrosion und Korrosionsschutz", Akademie-Verlag, Berlin, 1975, Seiten
95-99, 101 u. 102
- W.F.Linke, "Solubilities, inorganic and metal-organic compounds, Band 2, 4.Auflage,
1965, Am.Chem.Soc.Washington,Seite 1228
- H.Sontheimer, P.Spindler, U.Rohmann, "Wasserchemie f. Ingenieure", Engler-Bunte-Institut
der Univ.Karlsruhe, 1980, Seiten 383-385
- F.A.Champion, "Corrosion testing procedures, ".Ausgabe, Chapman and Hall, London,
1964, Seiten 288 u. 297
- C.C.Nathan, "Corrosion inhibitors", NACE, Houston, 1973, Seiten 140 and 141
- Kirk-Othmer, "Encyclopedia of chmeical technology, Band 7, 3.Auflage, J.Wiley and
Sons, New York, 1979, Seiten 842 und 843
- H.Kaesche, "Die Korrosion der Metalle", 2.Auflage, Springer-Verlag, Berlin, 1979,
Seiten 173-176
- L.Engel, H.Klingele, "An atlas of metal damage", Wolfe Science Books and Carl Hanser
Verlag, München, Seite 210
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Bemerkungen: |
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Die Akte enthält technische Angaben, die nach dem Eingang der Anmeldung eingereicht
wurden und die nicht in dieser Patentschrift enthalten sind. |
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[0001] Die Erfindung betrifft ein einfaches und wirtschaftliches Verfahren zur kontrollierten
Passivierung der Innenwände eines luftoffenen und/oder geschlossenen Kühlkreislaufsystems
aus Kohlenstoffstahl mit einer darin zirkulierenden Sauerstoff-haltigen sowie Alkali-
und Erdalkalibicarbonat-haltigen wäßrigen Kühlflüssigkeit sowie die Anwendung dieses
Verfahrens zur elektrochemischen Kontrolle und Bestimmung des Passivierungszustandes
der metallischen Oberflächen des Kühlflüssigkeitssystems, die mit der wäßrigen Kühlflüssigkeit
in Kontakt kommen, sowie zur Prüfung der Qualität der Kühlflüssigkeit, insbesondere
von Wasser.
[0002] Unter dem hier verwendeten Begriff "luftoffenes und/oder geschlossenes Kühlkreislaufsystem"
ist ein eine wäßrige Kühlflüssigkeit, in erster Linie Wasser, enthaltendes Kühlsystem
zu verstehen, dessen metallische Oberflächen, die mit der wäßrigen Kühlflüssigkeit
in Kontakt kommen, der Korrosion unterliegen. Ein solches Kühlsystem kann ein gegenüber
Luft offenes Kühlkreislaufsystem und/oder ein geschlossenes Kühlkreislaufsystem sein.
[0003] Korrosion, ein praktisch allgegenwärtiges Problem, ist bekanntlich die meistens von
der Oberfläche eines metallischen Werkstoffes ausgehende und durch chemische oder
elektrochemische Angriffe des in den häufigsten Fällen diesen Werkstoff umströmenden
korrosiven Mediums hervorgerufene nachteilige und qualitätsmindernde Veränderung der
Werkstoffoberfläche. Als korrosives Medium kommen vor allem Elektrolytlösungen (einschließlich
Wasser), Schmelzen oder Gase in Betracht. Daneben kennt man auch die Tauch-, Spritzwasser-
und Tropfkorrosion. Die in den Industriestaaten jährlich zu verkraftenden Korrosionsschäden
erreichen pro Einwohner DM 100,-- und mehr. Für das Gebiet der (Alt)Bundesrepublik
wurden die Kosten auf 30 Milliarden DM bzw. etwa 2,5 % des Bruttosozialprodukts geschätzt.
Die Vermeidung oder zumindest die Verminderung von Korrosionsschäden ist daher von
herausragender Bedeutung.
[0004] Da Substrate aus nicht-rostendem Stahl, Kupfer und Kupferlegierungen gegenüber Korrosion
durch zirkulierendes Kühlwasser verhältnismäßig beständig sind, konzentriert sich
die Korrosionsinhibierung hauptsächlich auf Substrate aus Kohlenstoffstahl, das korrosionsempfindlichste
Material in einem Kühlkreislauf. Zur Korrosionsinhibierung können sowohl aktive Korrosionsschutzmaßnahmen,
wie die Modifizierung des Werkstoffes, die Entfernung und Blockierung von besonders
aggressiven korrosiven Bestandteilen und die Verwendung von Korrosionsinhibitorzusätzen,
als auch passive Korrosionsschutzmaßnahmen, wie das Aufbringen von Überzügen, Schutzschichten,
Folien und dgl. auf die gegen Korrosion empfindlichen Oberflächen, um einen Kontakt
zwischen dem metallischen Werkstoff und dem korrosiven Medium möglichst weitgehend
zu verhindern, angewendet werden.
[0005] Es sind bereits zahlreiche chemische Korrosionsinhibitoren für wäßrige Systeme bekannt
(vgl. z.B. US-PS 3 483 133, 3 891 568, 3 935 125, 3 992 318, 4 105 581, 4 149 969,
DE-OS 26 24 572 und DE-PS 3 015 500), wobei in vielen Fällen Substanzgemische zum
Einsatz kommen. Korrosionsinhibierende Mittel sind teilweise so zusammengesetzt, daß
sie gleichzeitig auch Wirkungen in anderer Richtung entfalten, beispielsweise die
Inkrustations- bzw. Steinbildung verhindern.
[0006] Passive Korrosionsschutzmaßnahmen, d.h. Verfahren zur Ausbildung passiver Korrosionsschutzschichten
auf Stahlsubstraten, sind z.B. aus der US-PS 3 817 795 bereits bekannt. Das darin
beschriebene Verfahren umfaßt das Kontaktieren des Stahlsubstrats mit einer wäßrigen
Elektrolytlösung, das Herausnehmen des Stahlsubstrats aus der wäßrigen Elektrolytlösung
und das Trocknen desselben in einer Sauerstoff enthaltenden Gasatmosphäre sowie das
mehrfache Wiederholen dieses Vorganges, bis die periodisch wiederholte Messung des
Elektrodenpotentials des Stahlsubstrats im Kontakt mit der wäßrigen Elektrolytlösung
gegenüber einer gesättigten Calomelelektrode einen stabilen Wert annimmt, der in Gegenwart
von Wasser höher als 0 mV ist.
[0007] Aus der US-PS 4 042 324 bzw. der Druckschrift J.S. Robinson, "Corrosion Inhibitors",
1979, S. 15, ist eine Korrosionsinhibierung durch Zusatz von bestimmten Phosphonsäuren
bekannt. Eine Passivierung wird bei dem darin beschriebenen Verfahren aber weder angestrebt
noch erreicht. Darüber hinaus wird in dieser Druckschrift Sauerstoff als unerwünschtes
korrosives Agens angesehen.
[0008] Aufgabe der Erfindung war es daher, die Innenwände eines Kühlkreislaufsystems aus
(wirtschaftlichem) Kohlenstoffstahl mit einer darin zirkulierenden, Sauerstoff-haltigen
sowie Alkali- und Erdalkalibicarbonat-haltigen wäßrigen Kühlflüssigkeit kontrolliert
zu passivieren.
[0009] Gemäß einem ersten Aspekt betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur kontrollierten
Passivierung der Innenwände eines luftoffenen und/oder geschlossenen Kühlkreislaufsystems
aus Kohlenstoffstahl mit einer darin zirkulierenden Sauerstoff-haltigen sowie Alkali-
und Erdalkalibicarbonat-haltigen wäßrigen Kühlflüssigkeit, das dadurch gekennzeichnet
ist, daß man
a) der Kühlflüssigkeit eine oder mehr Phosphonsäuren in einer Konzentration von 1
bis 20 mg/l Kühlflüssigkeit zusetzt
b) die Sauerstoffkonzentration der Kühlflüssigkeit auf einen Wert innerhalb des Bereiches
von 1 bis 50 mg/l und den pH-Wert der Kühlflüssigkeit auf einen Wert innerhalb des
Bereiches von 8,0 bis 10,5 und die Carbonatkonzentration auf einen Wert weit oberhalb
der Calciumbicarbonatsättigung einstellt, um die Löslichkeit des primären Korrosionsprodukts
(FeCO3 oder Fe(OH)2) minimal zu halten, und
c) die resultierende Passivierung der Innenwände des Kühlflüssigkeitskreislaufsystems
mißt als zeitliche Veränderung des elektrochemischen Ruhepotentials zwischen einer
in die Kühlflüssigkeit eintauchenden Meßelektrode aus Kohlenstoffstahl und einer Bezugselektrode
in elektropositiver bzw. anodischer Richtung, wobei die Sauerstoffkonzentrations-,
pH-Wert- und Carbonatkonzentrationsbedingungen so aufeinander abgestimmt werden, daß
eine maximale Veränderung des Ruhepotentials in elektropositiver bzw. anodischer Richtung
entsprechend einer maximalen Passivierung erzielt wird.
[0010] Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der pH-Wert der Kühlflüssigkeit
vorzugsweise auf einen Wert in dem Bereich von 8,5 bis 9,5 eingestellt.
[0011] Die Einstellung des Sauerstoffgehaltes der Kühlflüssigkeit erfolgt vorzugsweise durch
Einleiten von Luft oder Sauerstoff oder durch Zugabe von H
2O
2.
[0012] Als Bezugselektrode wird vorzugsweise eine Ag/AgCl- oder eine Hg/Hg
2Cl
2-Elektrode verwendet.
[0013] Die Messung des elektrochemischen Ruhepotentials wird vorzugsweise bei einer Temperatur
im Bereich von 5 bis 95°C, insbesondere im Bereich von 25 bis 40°C, durchgeführt.
[0014] Der Kühlflüssigkeit kann vorzugsweise ein weiterer üblicher Korrosionsinhibitor zugesetzt
werden.
[0015] Bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens tritt mit dem Ablauf der Zeit
eine Veränderung des Ruhepotentials auf, die ein direktes Maß für die resultierende
Passivierung der Kontaktoberfläche aus Kohlenstoffstahl ist, wobei die Passivierung
um so stärker und damit die Korrosionsschutzwirkung um so besser ist, je größer die
zeitliche Veränderung des Ruhepotentials in elektropositiver bzw. anodischer Richtung
ist. Das heißt, die anfänglich stark negativen Werte des in mV gemessenen Ruhepotentials
werden mit zunehmender Passivierung in elektropositiver Richtung, d.h. in eine weniger
stark negative Richtung verändert, wobei sie bei optimaler Abstimmung von Sauerstoffkonzentration,
pH-Wert und Carbonatkonzentration der Kühlflüssigkeit innerhalb der obengenannten
Bereiche aufeinander schließlich einen konstanten Wert (ideale Passivierung) annehmen.
Durch geeignete Abstimmung der pH-Wert-, Sauerstoffkonzentrations- und Carbonatkonzentrations-Bedingungen
in der Kühlflüssigkeit aufeinander kann somit jeder beliebige Passivierungszustand
der Kontaktoberflächen eingestellt werden. Eine unzureichende Passivierung ist sofort
daran erkennbar, daß sich das Ruhepotential im zeitlichen Ablauf nicht oder in elektronegativer
bzw. kathodischer Richtung verändert (Verstärkung der Korrosion).
[0016] Auf diese Weise läßt sich der Passivierungszustand metallischer Kontaktflächen in
wäßrigen Kühlsystemen leicht bestimmen, die Korrosionsinhibierung wirksam steuern
und die Qualität des Kühlwassers, insbesondere von Wasser allgemein, leicht und schnell
prüfen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß sich der aktuelle Passivierungszustand in
einem wäßrigen Kühlsystem und insbesondere in einem Kühlwasser-Kreislaufsystem in
sehr einfacher und zuverlässiger Weise ermittelt werden kann, wenn man in dem System
eine Meßeinrichtung mit einer Meßelektrode anordnet und den Oberflächenzustand dieser
Meßelektrode durch Messen ihres Ruhepotentials gegen eine Bezugselektrode bestimmt.
Es hat sich gezeigt, daß eine direkte Korrelation zwischen der Korrosionsrate und
dem Ruhepotential besteht, wobei der nahezu ideale Passivierungszustand einem charakteristischen
Wert des Ruhepotentials entspricht.
[0017] Die beiliegende Zeichnung zeigt die Abhängigkeit der Korrosionsrate (gemessen in
0,025 mm/Tag) wie sie sich unter variierenden Bedingungen der Alkalinität, der Sauerstoff-
und Chloridkonzentration einstellt, in einem luftoffenen Kühlwasser-Kreislaufsystem
von dem Ruhepotential der Meßelektrode (gemessen in mV).
[0018] Durch die Erfindung wird der Betreiber eines Kühlturmsystems in die Lage versetzt,
den Betrieb seiner Einheit so zu kontrollieren und zu steuern, daß die chemischen
Bedingungen mit dem Ziel der Erzeugung einer optimalen Passivierungsschicht auf den
metallischen Oberflächen eingestellt werden können. Im Gegensatz zur Messung einer
Geschwindigkeit bzw. Rate, die auf die Messung eines Zeitablaufs abgestellt wird,
erfolgt hier die Ermittlung eines aktuellen Zustands mittels Anzeige durch einen einzelnen
Parameter, das Ruhepotential der Meßelektrode. Hierdurch wird eine erhebliche Vereinfachung
des gesamten Korrosionsübewachungsverfahrens möglich.
[0019] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch zur Bewertung von Korrosionsinhibierungsmethoden
herangezogen werden, mit denen auf den Metalloberflächen in wirksamer Weise eine Passivierungsschicht
ausgebildet wird.
[0020] Das grundlegende Konzept der Korrosionsinhibierung besteht darin, die Löslichkeit
der Korrosionsprodukte so niedrig wie möglich zu halten. Da die primären Korrosionsprodukte
des Eisens in Wassersystemen das Eisenhydroxid (Fe(OH)
2) bzw. Eisencarbonat (FeCO
3) sind, führt eine Erhöhung des pH-Wertes zur Herabsetzung der Löslichkeit der Eisenverbindungen.
[0021] Im Falle von Kühlwasser ist diese Möglichkeit wegen des Alkali- und Erdalkali-, insbesondere
des Calciumbicarbonatgehaltes des Wassers begrenzt. Im Trinkwasser ist der höchstmögliche
pH-Wert durch den Sättigungs-pH des Calciumbicarbonats gegeben. Bekanntlich reicht
jedoch in Kühlwassersystemen diese Bedingung nicht aus, um einen hinreichenden Korrosionsschutz
zu erhalten.
[0022] Ein weiteres grundlegendes Prinzip der Korrosionsinhibierung bei Stahl ist die Oxidation
des primären Korrosionsproduktes, wobei von der wesentlich geringeren Löslichkeit
des Eisen(III)-oxyhydrats Gebrauch gemacht wird. Von beiden Prinzipen wird bei der
Konditionierung von Heißwasser Gebrauch gemacht.
[0023] Zur Kühlwasser-Korrosionsinhibierung wurde zuerst Chromat als Oxidationsmittel verwendet.
Es ist ein ausgezeichneter Korrosionsinhibitor, die Anwendung dieses oxidierenden
anodischen Korrosionsinhibitors ist jedoch nicht unbedenklich, weil eine bestimmte
Mindestkonzentration erforderlich ist, um eine extensive lokalisierte Korrosion zu
vermeiden. Diese Mindestkonzentration wird auch als "gefährliche Inhibitorkonzentration"
bezeichnet.
[0024] In Kühlwasser ist das primäre Oxidationsmittel, d.h. der primäre Korrosionsinhibitor,
gelöster Sauerstoff, der wegen seiner geringen Löslichkeit normalerweise ebenfalls
in der gefährlichen Inhibitorkonzentration vorliegt. Die Mindestkonzentration des
Oxidationsmittels für eine anodische Korrosionsinhibierung mittels Oxidation hängt
stark von der Kinetik der Oxidationsreaktion ab. Die Oxidation muß sehr nahe an der
Metalloberfläche stattfinden, um eine dauerhafte und gleichmäßige Bedeckung der Metalloberfläche
zu erreichen. Aus diesem Grunde hängt die Größenordnung der gefährlichen Inhibitorkonzentration
auch von der Menge des Korrosionsproduktes ab, das oxidiert werden muß. Für den Fall
der Sauerstoffsättigung liegt diese Konzentration für Fe(ll) bei weniger als 10
-7 Mol/l.
[0025] In der Praxis ist es möglich, die Kombination beider Prinzipien anzuwenden.
[0026] Im Falle von Kühlwasser wird der Umstand ausgenutzt, daß in carbonathaltigem Wasser
die Löslichkeit des Fe(ll) durch die des Fe(ll)carbonats (Siderits) limitiert wird.
Um die notwendige niedrige Löslichkeit von Eisen(ll)ionen zu erreichen und eine optimale
Inhibierung durch gelösten Sauerstoff sicherzustellen, werden Carbonatkonzentrationen
benötigt, die sich weit oberhalb der Calciumbicarbonat-Sättigung bewegen. Da die Möglichkeit
besteht, die Calciumcarbonat-Ausfällung zu kontrollieren, zum Beispiel durch Verwendung
von Phosphonsäuren, können die Alkalinitätsbedingungen eingestellt werden, die zur
Korrosionsinhibierung durch gelösten Sauerstoff erforderlich sind. Unter diesen Bedingungen
hat das Carbonation auch einen katalytischen Einfluß auf die Oxidationskinetik von
gelöstem Eisen.
[0027] Die Reaktionsprodukte der Redoxreaktionen sind Fe(lll)oxyhydrate, da Fe(ll) unter
diesen Bedingungen in Gegenwart von Sauerstoff nicht existiert. Dabei bildet das Fe(lll)oxyhydrat
eine dünne, aber sehr wirksame Passivierungsschicht, in der Phosphonate enthalten
sind.
[0028] Aufgrund der Grundprinzipien der Korrosionsinhibierung unter den Bedingungen hoher
Carbonatalkalinität und insbesondere der Funktion des Sauerstoffs wurde erfindungsgemäß
eine Methode zur kontrollierten Passivierung und zur Bestimmung und Überwachung des
Passivierungszustandes in wäßrigen Kühlflüssigkeitssystemen entwickelt.
[0029] Unter elektrochemischen Gesichtspunkten führt die vorstehend beschriebene anodische
Passivierung, die eine anodische Eisenauflösung verhindert, zu einer meßbaren Änderung
des Ruhepotentials. Die gebildete Passivierungsschicht besitzt die Elektronenleitfähigkeitseigenschaften
eines Halbleiters, was ihr eine kathodische Aktivität verleiht. Wegen seiner kathodischen
Reaktion an den Passivierungsschichten ruft Sauerstoff eine Erhöhung des Metallpotentials
hervor, das durch die Eisenlösungsreaktion beantwortet wird. Wenn die Passivierungsschicht
jedoch ausreichend impermeabel für Ionen ist, wird die Eisenauflösung gehindert und
die Reaktionsgeschwindigkeit sinkt auf vernachlässigbare Werte. Da diese Verhältnisse
gänzlich durch Verhindern der Eisenauflösung bedingt sind (anodische Inhibierung),
wird das Potential erhöht, wenn die Korrosionsraten herabgesetzt werden. Um nun die
Bedingungen zu ermitteln und zu kontrollieren, unter denen sich diese Passivierungsschicht
bildet und die Passivierung beibehalten wird, wird erfindungsgemäß das Ruhepotential
einer Eisenelektrode in dem Kühlwasser gemessen.
[0030] Zur Messung kombiniert man eine Meßelektrode aus C-Stahl mit einer Bezugselektrode,
vorzugsweise einer Ag/AgCl-Elektrode, und mißt das Ruhepotential. Eine andere geeignete
Bezugselektrode ist die Kalomelelektrode. Wenn unter diesen Bedingungen ein Ruhepotential
von positiver als -300 mV (z.B. positiver als -250 mV) erreicht wird, ist die Auflösung
an der Eisenelektrode und den Flußstahloberflächen, die sich im Kontakt mit dem Kühlwasser
befinden, durch den Korrosionsprozeß minimal. Im Gegensatz hierzu weist eine korrodierende
Eisenelektrode typischerweise ein Ruhepotential von etwa -500 mV auf.
[0031] In der beiliegenden Zeichnung ist die Beziehung zwischen den Korrosionsraten (in
0,025 mm/Jahr) unter variierten Bedingungen von Alkalinität, Sauerstoffkonzentration
und Chloridkonzentration und dem gemessenen Ruhepotential (mv) graphisch dargestellt.
[0032] Die bei eisenhaltigen Metalloberflächen beobachteten Verhältnisse sind auf andere
Metalle analog übertragbar. Als metallische Werkstoffe kommen insbesondere C-Stahl
und andere Stahllegierungen in Betracht.
[0033] Wenn das Material der Meßelektrode der Zusammensetzung des durch Korrosion gefährdeten
metallischen Werkstoffs entspricht, wird über die Messung des Ruhepotentials eine
unmittelbare und aktuelle Information über den Passivierungszustand der Metalloberfläche
erhalten.
[0034] Die Meßanordnung mit Meßelektrode kann auch in mehrfacher Ausfertigung angeordnet
werden, so daß der gesamte Korrosionszustand in einem wäßrigen Kühlflüssigkeitssystem
erfaßbar ist.
[0035] Der pH-Wert des Wassersystems wird auf Werte von 8,0 bis 10,5 und bevorzugt von 8,5
bis 9,5 eingestellt. Unter diesen Alkalinitätsbedingungen ist die Passivierung am
größten. Mithin wird der Betreiber eines Kühlwasser-Kreislaufs durch die Erfindung
befähigt, den Korrosionszustand nahe der idealen Passivierung zu halten bzw. beim
Ansteigen des gemessenen Ruhepotentials (d.h. bei stärker negativen Werten) entsprechende
Maßnahmen zu ergreifen.
[0036] Wegen der Bedeutung des Sauerstoffs sollte in einem luftoffenen Kühlwasser-Kreislaufsystem
die Sauerstoffkonzentration auf einen Wert im Bereich von 1 bis 50 mg/l eingestellt
werden, was in bestimmten Fällen auch durch Sauerstoffzufuhr (Luft oder Reinsauerstoff)
bzw. durch Zugabe von H
2O
2 erreicht werden kann.
[0037] Vorzugsweise wird die Ruhepotentialmessung bei Temperaturen im Bereich von 5°C bis
95°C und bevorzugt von 25°C bis 40°C durchgeführt. Außerhalb dieses Bereiches liegende
Temperaturen sind jedoch häufig durch das entsprechende wasserhaltige Kühlsystem im
Betriebszustand vorgegeben. Auch hier eignet sich das erfindungsgemäße Verfahren zur
kontrollierten Passivierung und aktuellen Bestimmung des Passivierungszustandes.
1. Verfahren zur kontrollierten Passivierung der Innenwände eines luftoffenen und/oder
geschlossenen Kühlkreislaufsystems aus Kohlenstoffstahl mit einer darin zirkulierenden
Sauerstoff-haltigen sowie Alkali- und Erdalkalibicarbonat-haltigen wäßrigen Kühlflüssigkeit,
dadurch
gekennzeichnet, daß man
a) der Kühlflüssigkeit eine oder mehr Phosphonsäuren in einer Konzentration von 1
bis 20 mg/l Kühlflüssigkeit zusetzt,
b) die Sauerstoffkonzentration der Kühlflüssigkeit auf einen Wert innerhalb des Bereiches
von 1 bis 50 mg/l, den pH-Wert der Kühlflüssigkeit auf einen Wert innerhalb des Bereiches
von 8,0 bis 10,5 und die Carbonatkonzentration auf einen Wert weit oberhalb der Calciumbicarbonatsättigung
einstellt, um die Löslichkeit des primären Korrosionsprodukts (FeCO3 oder Fe(OH)2) minimal zu halten, und
c) die resultierende Passivierung der Innenwände des Kühlflüssigkeitskreislaufsystems
mißt als zeitliche Veränderung des elektrochemischen Ruhepotentials zwischen einer
in die Kühlflüssigkeit eintauchenden Meßelektrode aus Kohlenstoffstahl und einer Bezugselektrode
in elektropositiver bzw. anodischer Richtung, wobei die Sauerstoffkonzentrations-,
pH-Wert- und Carbonatkonzentrations-bedingungen so aufeinander abgestimmt werden,
daß eine maximale Veränderung des Ruhepotentials in elektropositiver bzw. anodischer
Richtung entsprechend einer maximalen Passivierung erzielt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der pH-Wert der Kühlflüssigkeit
auf einen Wert in dem Bereich von 8,5 bis 9,5 eingestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Einstellung des
Sauerstoffgehaltes der Kühlflüssigkeit durch Einleiten von Luft oder Sauerstoff oder
durch Zugabe von H2O2 erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß als Bezugselektrode
eine Ag/AgCl- oder eine Hg/Hg2Cl2-Elektrode verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Messung
des elektrochemischen Ruhepotentials bei einer Temperatur im Bereich von 5 bis 95°C
durchgeführt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Messung des elektrochemischen
Ruhepotentials bei einer Temperatur im Bereich von 25 bis 40°C durchgeführt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Kühlflüssigkeit
ein weiterer üblicher Korrosionsinhibitor zugesetzt wird.
1. A process for the controlled passivation of the interior walls of a coolant circulation
system of carbon steel having therein an aqueous cooling fluid containing oxygen as
well as alkali and alkaline earth bicarbonate, said system being exposed and/or closed
to air, characterized by
a) adding to the coolant fluid one or more phosphonic acids in a concentration of
from 1 to 20 mg per liter of coolant fluid
b) adjusting the oxygen concentration to a value within the range of from 1 to 50
mg/ml the pH of the coolant to a value within the range of from 8.0 to 10.5, and the
carbonate concentration to a value far above the calcium bicarbonate saturation so
as to minimize the solubility of the primary corrosion product (FeCO3 or Fe(OH)2), and
c) measuring the resultant passivation of the interior walls of the coolant circulation
system as a time-dependent change of the electrochemical quiescent potential between
a measuring electrode of carbon steel immersed into the coolant fluid and a reference
electrode in an electropositive and anodic direction, respectively, with the pH, the
oxygen concentration and the carbonate concentration conditions being adjusted relative
to each other so that a maximum change of the quiescent potential in the electropositive
and anodic direction, respectively, will be obtained corresponding to a maximum passivation.
2. The process according to claim 1, characterized by adjusting the pH of the coolant
fluid to a value in the range of from 8.5 to 9.5.
3. The process according to claim 1 or 2, characterized by adjusting the oxygen content
of the coolant fluid by introducing air or oxygen thereinto or by adding H2O2.
4. The process according to any of claims 1 to 3, characterized by using an Ag/AgCl electrode
or an Hg/Hg2Cl2 electrode as a reference electrode.
5. The process according to any of claims 1 to 4, characterized by performing the measurement
of the electrochemical quiescent potential at a temperature in the range of from 5
to 95°C.
6. The process according to claim 5, characterized by performing the measurement of the
electrochemical quiescent potential at a temperature in the range of from 25 to 40°C.
7. The process according to any of claims 1 to 6, characterized by adding another conventional
corrosion inhibitor to the coolant fluid.
1. Procédé pour la passivation contrôlée des parois intérieures d'un système de circuit
de refroidissement en acier de carbone ouvert à l'air et/ou fermé, avec un liquide
aqueux de refroidissement contenant de l'oxygène et du bicarbonate alcalin et alcalin-terreux
circulant dans ce circuit,
caractérisé en ce
a) qu'on ajoute au liquide de refroidissement un ou plusieurs acides phosphoniques
dans une concentration de 1 à 20 mg/l de liquide de refroidissement,
b) qu'on règle la concentration en oxygène du liquide de refroidissement à une valeur
contenue dans la gamme de 1 à 50 mg/l, qu'on règle le pH du liquide de refroidissement
à une valeur contenue dans la gamme de 8,0 à 10,5 et qu'on règle la concentration
en carbonate à une valeur loin au-dessus de la saturation en bicarbonate de calcium,
pour maintenir minimale la solubilité du produit primaire de corrosion (FeCO3 ou Fe(OH)2), et
c) qu'on mesure la passivation résultante des parois intérieures du système de circuit
de refroidissement en tant que changement dans le temps du potentiel de repos électrochimique
entre une électrode de mesure en acier de carbone plongeant dans le liquide de refroidissement
et une électrode de référence en direction électropositive respectivement anodique,
les conditions de la concentration d'oxygène, du pH et de la concentration de carbonate
étant accordées entre elles de telle façon qu'un changement maximal du potentiel de
repos en direction électropositive respectivement anodique est obtenu correspondant
à une passivation maximale.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le pH du liquide de refroidissement
est réglé à une valeur dans la gamme entre 8,5 et 9,5.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le réglage du contenu
en oxygène du liquide de refroidissement est obtenu par admission d'air ou d'oxygène
ou par l'addition de H2O2.
4. Procédé selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce qu'on utilise comme
électrode de référence une électrode Ag/AgCl ou Hg/Hg2Cl2.
5. Procédé selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que la mesure du potentiel
de repos électrochimique est réalisée à une température dans la gamme entre 5 et 95°C.
6. Procédé selon la revendication 5, caractérisé en ce que la mesure du potentiel de
repos électrochimique est réalisée à une température dans la gamme entre 25 et 40°C.
7. Procédé selon l'une des revendications 1 à 6, caractérisé en ce que l'on ajoute au
liquide de refroidissement un autre inhibiteur de corrosion classique.