[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung eines in Wasser suspendierten
Pigments für die Papierindustrie mit einem wäßrigen Bindemittel bzw. das so behandelte
Pigment. Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur Herstellung von pigmenthaltigem
Papier mit erhöhter Reißfestigkeit oder mit erhöhtem Pigmentgehalt.
Stand der Technik
[0002] Bei der Herstellung von Druckpapieren ist es seit über einem Jahrhundert üblich,
die Oberfläche zu streichen, um ein gutes Druckbild zu erhalten. Die gestrichenen
Papiere werden auch als Kunstdruckpapier, Bilderdruckpapier oder Chromopapier und
in der höchsten Qualitätsstufe als Emaille-Papier bezeichnet. Der Zweck des Striches
besteht darin, eine Schicht für den Druck zu bilden, die ausschließlich aus Pigmenten
und einem Bindemittel besteht. Diese Schicht wird meistens noch durch Satinage verdichtet
und zu Glanz gebracht. Sie ermöglicht die Wiedergabe feinster Rasterpunkte.
[0003] Das Streichen ist ein kostenaufwendiger Prozess, der meist in einer separaten Streichanlage
hinter der Papiermaschine durchgeführt wird. Da der Druck auf Pigmente oder Pigmentschichten
zu wesentlich besseren Druckergebnissen als der Druck auf ein reines Faservlies führt,
gibt es seit Jahrzehnten Bemühungen, direkt auf der Papiermaschine mehr Pigmente in
das Papier einzubringen, ohne seine Reißfestigkeit zu vermindern. Dadurch könnte der
aufwendige Streichprozeß vermieden werden.
[0004] Große Verbreitung haben holzhaltige, hochgefüllte und hochsatinierte Tiefdruckpapiere
mit Pigmentgehalten zwischen 17 und 30 Gew.-%. Sie werden als SC-Papiere (super calendered)
bezeichnet. Bei ihrer Herstellung werden die Pigmente, meist Kaolin oder Talkum, adsorptiv
und filtrativ in dem Faservlies gebunden.
[0005] Zur besseren Bindung des Pigments sind auch schon Bindemittel mitverwendet worden,
Z.B. modifizierte Stärke, Carboxymethyl-Cellulose, Alginate, Mannogalactane (Meyproid),
Gelatine und Hautleim. Sie kommen als kolloidale Lösungen im Stoffeintrag zum Einsatz
und werden durch elektrokinetische Kräfte adsorptiv an das Pigment und die Faser gebunden.
Diese Bindung ist nie vollständig. Man findet daher im Kreislaufwasser und im Abwasser
der Papierfabriken einen Teil des eingesetzten Bindemittels, das dadurch verlorengeht
und eine Abwasserklärung notwendig macht.
[0006] EP-A-0 050 316 beschreibt ein Papierherstellungsverfahren, bei dem man in einer ersten
Verfahrensstufe eine wäßrige Suspension eines anorganischen Pigments mit einem klassischen
organischen Papierbindemittel, wie Dextrin, Stärke, Carboxymethylcellulose, Polyvinylalkohol
oder Kunststoffdispersionen, versetzt und das Bindemittel mittels eines kationischen
Flockungsmittels ausfällt. Als Flockungsmittel kommen polykationische Verbindungen,
wie Polyethylenimin, kationisch modifizierte Polyacrylamide, Polyaluminiumchlorid
und kationische Stärke in Betracht. Die eingesetzte Pigmentsuspension kann gegebenenfalls
übliche Dispergiermittel, wie Polyphosphate oder Natriumpolyacrylat enthalten; solche
Dispergiermittel wirken nicht als Bindemittel.
[0007] In der zweiten Verfahrensstufe wird das so vorbehandelte Pigment einem wäßrigen Papierstoff
zugesetzt und anschließend die Blattbildung durchgeführt. Man erreicht eine hervorragende
Retention des Pigments bei der Blattbildung und erhält ein Papier mit verbesserter
Reißfestigkeit.
[0008] Bei einem in DE-A-2 115 409 beschriebenen Verfahren werden mineralische Füllstoffe
für die Papierindustrie, vor allem Calciumcarbonat, mit einem Überzug aus einem organischen
Polymeren versehen, wodurch vor allem die Zersetzung des Calciumcabonats im sauren
Bereich unterdrückt werden soll. Der Überzug kann z.B. aus einer wäßrigen Lösung eines
neutralisierten Acrylsäurepolymerisats durch Ausfällung mittels Aluminiumsulfat gebildet
werden. Die Aluminiumionen haben die Wirkung, dem Füllstoff bzw. Pigment eine positive
Ladung zu verleihen und dadurch deren Affinität zu den Cellulosefasern zu verstärken.
[0009] Die Behandlung von Pigmenten für die Papierindustrie mit Bindemitteln durch Koazervation
ist aus der EP-A-0 279 313 und der EP-A-0 234 513 bekannt.
[0010] Die Erfinder haben festgestellt, daß durch elektrokinetische Effekte ausgefällte
Bindemittel nicht scherstabil gebunden werden, so daß bei der anschließenden Blattbildung
stets Bindemittel in das Kreislaufwasser gerät.
Aufgabe und Lösung
[0011] Ziel der Erfindung ist ein Verfahren zur Behandlung eines in Wasser suspendierten
Pigments für die Papierindustrie mit einem Bindemittel und anschließende Fixierung
des Bindemittels unter Bildung einer Pigmentsuspension, die zur Herstellung von hoch
pigmenthaltigem Papier durch Blattbildung aus einem wäßrigen Papierstoff geeignet
ist. Das Bindemittel soll dabei so fest an das Pigment gebunden werden, daß es sich
davon nicht wieder ablöst und daß die wäßrige Phase der Suspension weniger als 5 Gew.-%
des Bindemittels enthält und der Gehalt des Bindemittels in der wäßrigen Phase auch
bei einer intensiven Scherbehandlung nicht ansteigt.
[0012] Es wurde gefunden, daß dieses Ziel erreicht wird, wenn als Bindemittel ein durch
Carboxylatgruppen solvatisiertes hochmolekulares Polymerisat einer äthylenisch ungesättigten,
radikalisch polymerisierbaren Carbonsäure eingesetzt wird, daß dem gelösten Bindemittel
allmählich ein Absäuerungsmittel zugesetzt wird, bis Koazervation des Bindemittels
eintritt, und das Koazervat auf dem suspendierten Pigment niedergeschlagen wird, wobei
die Menge des Absäuerungsmittels so begrenzt wird, daß das Pigment eine negative Oberflächenladung
beibehält.
[0013] Die Umsetzung des durch Carboxylatgruppen solvatisierten Bindemittels mit dem Absäuerungsmittel
hat - ohne die Erfindung damit auf eine bestimmte Theorie festzulegen - den Charakter
einer Koazervation. Man versteht darunter (nach Römpps Lexikon der Chemie, 9.Aufl,
S.2770) den Übergang des ursprünglich als gelöstes Kolloid vorliegenden Bindemittels
aus dem Solzustand in ein festes Präzipitat. Dabei wird ein Zwischenzustand durchlaufen,
bei dem sich das vorher gleichmäßig verteilte Polymer in einer eigenen, noch flüssigen,
wasserhaltigen Phase abscheidet. Offenbar verbindet sich diese Phase mit der Oberfläche
der Pigmentpartikel und geht unter zunehmender Entwässerung in einen völlig unlöslichen
Zustand über.
[0014] Läßt man nach der Koazervation die behandelte Pigmentsuspension sedimentieren, so
ist das überstehende Wasser völlig klar und zeigt keinen Tyndalleffekt. Daher findet
man in der wäßrigen Phase der Pigmentsuspension nach Abschluß der Koazervation praktisch
keine Anteile des Bindemittels mehr. Auf jeden Fall ist in der wäßrigen Phase weniger
als 5 Gew.-%, meistens sogar weniger als 1 Gew.-% des ursprünglich eingesetzten Bindemittels
enthalten. Oft lassen sich mit gebräuchlichen Nachweismethoden, z.B. der CSB-Messung,
keine über den Nullwert hinausgehenden Gehalte an organischer Substanz in der überstehenden
wäßrigen Phase mehr finden. Das gilt noch mehr für das Siebwasser der Blattbildung,
wenn die erfindungsgemäß behandelte Pigmentsuspension einem Faserstoff für die Herstellung
eines pigmenthaltigen Papieres zugesetzt wird. Bei Laborversuchen wurden CSB-Werte
der wäßrigen Phase unter 50, zum Teil unter 30 erreicht, im Siebwasser zum Teil unter
15.
[0015] Überraschenderweise erweist sich die Haftung des Bindemittels an dem Pigment als
scherstabil. Selbst wenn man die erfindungsgemäß behandelten Pigmente über längere
Zeit hohen Scherkräften aussetzt, wird das Bindemittel nicht wieder von den Pigmentteilchen
abgelöst und die wäßrige Phase bleibt frei von dem eingesetzten Bindemittel. In der
Regel steigt der Gehalt des Bindemittels in der wäßrigen Phase bei einer Scherbehandlung
mit einem Intensivmischer nach Prof. Wilms ("Ultraturrax"
(R), Herst. Fa. Janke & Kunkel) innerhalb von 3 min bei 4000 UpM auf nicht mehr als 5
Gew.-%, bezogen auf den gesamten Bindemittelgehalt der Suspension, an.
[0016] Für den die Erfindung charakterisierenden Koazervationsprozeß ist es wesentlich,
daß die Pigmentpartikel in anionischer Form, wie sie normalerweise vorliegen, eingesetzt
und bei der Koazervation nicht kationisch umgeladen werden.
[0017] Eine auf elektrokinetischen Anziehungskräften beruhende Agglomeration und Flockung
des Pigments wäre nachteilig und darf -wenn überhaupt - nur in geringfügigem Maße
auftreten. Der elektrische Ladungszustand der Partikel, der auch als Zeta-Potential
bezeichnet wird, ist an ihrem Wanderungsverhalten im elektrischen Feld zu erkennen.
Geladene Partikel mit negativem Zeta-Potential wandern bei der Elektrophorese zur
Anode.
[0018] Wichtig ist, das das Polymer durch den allmählichen Prozeß der Koazervation nicht
vollständig entwässert wird. Es wird ein Solvatationszustand angestrebt, der zwischen
der vollständigen Solvatation des Lösungszustandes und dem desolvatisierten Zustand
eines harten und festen Präzipitats liegt. Dieser Zustand wird durch Annäherung an
den isoelektrischen Punkt erreicht, ohne jedoch diesen zu überschreiten. Die Beibehaltung
einer ausreichenden Solvatation, die auf das Polymer weichmachend und elastifizierend
wirkt, ist für seine Bindefähigkeit wichtig.
[0019] Eine vollständige Solvatation des Polymers ist zu Beginn des Verfahrens nicht zwingend
erforderlich. Oft genügt eine begrenzte Solvatation, die wenigstens einen kolloidalen
Lösungszustand zuläßt.
[0020] Durch Zusatz von Absäuerungsmitteln nimmt der Neutralisationsgrad und damit auch
die Solvatation ab. Das Bindemittel wird immer weniger löslich und beginnt sich als
wasserhaltige Phase von der umgebenden wäßrigen Phase abzusondern. Das ist der Beginn
der Koazervation. Sie wird fortgeführt, bis ein Solvatationszustand erreicht ist,
bei dem sich das unlösliche Koazervat an der Oberfläche der Pigmentteilchen vollständig
niedergeschlagen hat, aber noch genügend Wasser enthält, um eine hohe Bindekraft zu
entfalten. Erst beim Trocknen des gebildeten Blattes geht das Bindemittel in einen
festen Zustand über und entfaltet seine einbindende und verfestigende Wirkung.
[0021] Während der Koazervation ist eine lokale Übersäuerung möglichst zu vermeiden. Sie
würde zu stark entwässerten Anteilen von geringer Bindekraft oder zur Flockenbildung
führen. Jedenfalls soll die Pigmentsuspension nicht zu der Lösung des Absäuerungsmittels
hinzugegeben werden, weil dieses dann vorübergehend im Überschuß vorläge. Das Absäuerungsmittel
wird unter Rühren unter möglichst gleichmäßiger Verteilung mit einer Geschwindigkeit
zugesetzt, die mit der Umsetzung mit dem Polymer schritt hält. Um unwirtschaftlich
lange Koazervationszeiten zu vermeiden, ist eine möglichst intensive Rührung vorteilhaft.
[0022] Durch erneute Neutralisation kann das Koazervat wieder solvatisiert oder sogar in
Lösung gebracht werden. Das ist für die Aufarbeitung von Altpapier von Bedeutung.
Anwendung der behandelten Pigmentsuspension
[0023] Die erfindungsgemäß behandelte Pigmentsuspension eignet sich zur Herstellung von
Papieren mit hohem Pigmentgehalt auf der Papiermaschine Die höchsten Festigkeitswerte
werden erreicht, wenn die behandelte Suspension in den Faserstoff eingearbeitet wird.
Man kann gegebenenfalls auch so vorgehen, daß man in der Stoffzentrale der Papiermaschine
das Pigment, das Bindemittel und den Faserstoff vermischt und die Koazervation durch
Zusatz des Absäuerungsmittels zu diesem Gemisch bewirkt. Ebenso kann man das Bindemittel
in den alkalisch eingestellten Faserstoff einarbeiten, dann das Pigment zumischen
und anschließend die Koazervation durchführen. Danach erfolgt jeweils nach üblichen
Methoden die Blattbildung auf dem Sieb. Vorzugsweise wird das Papier anschließend
satiniert.
[0024] Man erhält auf diese Weise Papiere mit einem Gesamtgehalt an Pigment bis zu 45 Gew.-%,
vorzugsweise 17 bis 35 Gew.-%. Im Extremfall läßt läßt sich der Pigmentgehalt noch
weiter steigern; selbst Gehalte von 60 Gew.-% sind erreichbar. Im Verhältnis zu dem
hohen Pigmentgehalt ist die Reißlänge des Papieres - als charakteristische Meßgröße
seiner Festigkeit - erstaunlich hoch. Die Erfindung gestattet somit, Papiere mit üblichen
hohen Pigmentgehalten und gesteigerter Reißlänge oder Papiere mit üblicher Reißlänge
und deutlich erhöhtem Pigmentgehalt herzustellen. Letzteres bedeutet eine Kostenminderung,
da die Pigmente in der Regel billiger als die Faserstoffe sind, und gleichzeitig eine
Qualitätsverbesserung der Druckeigenschaften durch den hohen Pigmentgehalt.
[0025] Die erfindungsgemäß behandelte Pigmentsuspension kann gegebenenfalls auch zum Streichen
von Papieren verwendet werden.
Das Bindemittel
[0026] Für das Verfahren der Erfindung geeignete Bindemittel können als kolloidale Lösungen
oder Dispersionen zur Verfügung stehen, wie beispielsweise Homo- und Copolymerisate
auf Basis von Vinylacetat und Crotonsäure oder teilverseifte Poly(meth)acrylate. Bevorzugt
sind Homo- und Copolymerisate aus Acryl- und/oder Methacrylsäure in Form ihrer Natriumsalze.
[0027] Das Bindemittel ist in der reinen Säureform nicht wasserlöslich und muß in einen
für die Koazervation geeigneten Solvatationszustand versetzt werden. Zu diesem Zweck
muß ein ausreichender Teil der Carboxylgruppen in Form von Carboxylatgruppen vorliegen.
Sie bewirken die Solvatisierung des Polymerisats mit Wasser, so daß es im echt gelösten
oder wenigstens im kolloidal gelösten Zustand vorliegt. Echte Lösungen sind weitgehend
klar. Kolloidale Lösungen zeichnen sich durch eine mehr oder weniger deutliche Trübung
aus. Wenn das Polymer noch nicht neutralisierte Carboxylgruppen enthält, kann eine
kolloidale, leicht trübe Lösung durch weitergehende Neutralisation in eine echte Lösung
übergeführt werden.
[0028] Der erforderliche Solvatationszustand wird durch einen ausreichenden Gehalt an Carboxylatgruppen
im Polder erreicht. Bei hoch carboxylgruppenhaltigen Polieren genügt manchmal schon
eine teilweise Neutralisation der Carboxylgruppen zu Carboxylatgruppen, während bei
Copolymeren mit einem niedrigen Carboxylgruppengehalt meistens eine vollständige Neutralisation
notwendig ist. Liegt der Carboxylgruppengehalt zu niedrig, so läßt sich auch bei vollständiger
Neutralisation keine ausreichende Solvatisierung erreichen.
[0029] Der für eine ausreichende Solvatisierung erforderliche Carboxylatgehalt hängt von
der Hydrophilie des gesamten Polymerisats ab. In der Regel liegt er im Bereich von
3 bis 10 Gew.-%, berechnet als COO⁻ und bezogen auf das Gewicht des nicht neutralisierten
Polymerisats. Wenn das Polymerisat ganz oder überwiegend aus Einheiten einer äthylenisch
ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren Carbonsäure aufgebaut ist, ist eine vollständige
Neutralisation zwar vorteilhaft, aber nicht unerläßlich. Der pH-Wert der Bindemittellösung
liegt je nach dem Neutralisationsgrad im Bereich von etwa 8 bis 11.
[0030] Zur Neutralisation der Carboxyl- zu Carboxylat-Gruppen ist im Prinzip jede Base geeignet,
die einwertige Kationen enthält. Wäßriges Alkali, insbesondere Natronlauge, ist aus
wirtschaftlichen Gründen bevorzugt.
[0031] Der Anteil der äthylenisch ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren Carbonsäure
sollte im allgemeinen nicht weniger als 6 und nicht mehr als 80 Gew.-%, vorzugsweise
10 bis 80 Gew.-%, insbesondere 20 bis 80 Gew.-% betragen. Acryl- und/oder Methacrylsäure
sowie Maleinsäure sind bevorzugt; geeignet sind weiterhin Fumar-, Itakon- oder Crotonsäure.
[0032] Als Comonomere können leicht oder schwer wasserlösliche äthylenisch ungesättigte,
radikalisch polymerisierbare Monomere am Aufbau des Polymerisats beteiligt sein. Eine
vorteilhafte Wirkung haben Ethylen und Alkylester der Acryl- und/oder Methacrylsäure,
insbesondere mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen im Alkylrest. Ihr Anteil beträgt vorzugsweise
20 bis 90 Gew.-%, besonders bevorzugt 20 bis 80 Gew.-%. Andere verwendbare Comonomere
sind z.B. Styrol, Acrylnitril oder Vinylacetat. Stärker hydrophile oder wasserlösliche
Comonomere, wie Acryl- und/oder Methacrylamid oder Hydroxyalkylester der Acryl- und/oder
Methacrylsäure, können in Anteilen bis insgesamt etwa 30 Gew.-%, vorzugsweise bis
10 Gew.-%, mitverwendet werden. Schließlich können auch geringe Anteile von vernetzenden
Comonomeren mit zwei oder mehr äthylenisch ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren
Gruppen im Molekül, wie Ethylenglykol-diacrylat und -dimethacrylat, Allylacrylat und
- methacrylat, am Aufbau des Polymerisats beteiligt sein. Ihr Anteil muß jedoch niedrig
genug sein, um noch eine ausreichende Solvatisierung zu gestatten, beispielsweise
bis zu 3, vorzugsweise bis zu 1, insbesondere bis zu 0,1 Gew.-%.
[0033] Eine befriedigende Wirkung als Bindemittel setzt ein ausreichendes Molekulargewicht
des Polymerisats voraus. Es soll im allgemeinen wenigstens 20 000, vorzugsweise 50
000 bis 1 Million betragen, jeweils als Gewichtsmittelwert bestimmt. Noch höhere Molekulargewichte
führen zu hohen Viskositäten, die den Einsatz auf der Papiermaschine erschweren, ohne
für die Binderwirkung förderlich zu sein. Bevorzugte Bindemittel haben in Form einer
mit Natronlauge auf pH 9 eingestellten wäßrigen Lösung bei einer Konzentration von
200 g/l und 20°C eine Viskosität von mehr als 100, insbesondere mehr als 1000 mPa
s. Diese Viskosität wird von sehr hochmolekularen Bindemitteln schon bei einer Konzentration
von etwa 30 g/l erreicht.
[0034] Bezogen auf das Gewicht des trockenen Pigments wird das Bindemittel zweckmäßig in
einer Menge von 1 bis 11, vorzugsweise von 2 bis 5 Gew.-%, berechnet als reines, nicht
neutralisiertes Polymerisat, eingesetzt.
Das Pigment
[0035] Das Verfahren der Erfindung ist mit allen in der Papierindustrie gebräuchlichen Pigmenten
durchführbar. Der Begriff "Pigment" schließt alle in der Papierindustrie gebräuchlichen
Füllstoffe ein. Anorganische, insbesondere säurebeständige Pigmente sind bevorzugt.
Dazu gehören Kaolin, Talkum, Calciumcarbonat, Calciumsulfat, Kieselsäure, Bariumsulfat,
Titandioxid, und deren Gemische. Kaolin und Talkum sind besonders bevorzugt. In der
Regel liegt die Teilchengröße von wenigstens 50 Gew.-% der Pigmentpartikel zwischen
0,1 und 10, vorzugsweise zwischen 0,3 und 5 Mikrometer. Die Mehrzahl der Pigmente
hat in wäßriger Aufschlämmung ein negatives Zeta-Potential, liegt also im anionischen
Zustand vor.
Das Absäuerungsmittel
[0036] Darunter sind alle Mittel von ausreichend saurer Wirkung zu verstehen, mit denen
der pH-Wert der Bindemittellösung von dem bei 8 bis 11 liegenden Ausgangswert auf
Werte von etwa 4 bis 8 vermindert werden kann. In der Regel sind es niedermolekulare,
insbesondere anorganische saure Verbindungen. Dazu gehören Mineralsäuren, wie z.B.
Schwefelsäure. Bevorzugt setzt man sauer reagierende Salze ein, wie Alkalihydrogensulfate
oder insbesondere Aluminiumsulfat, das in der Papierindustrie meistens als Alaun bezeichnet
wird.
[0037] Die Menge des Absäuerungsmittels ist kritisch, damit der erwünschte Koazervationszustand
erreicht und eine elektrische Umladung des Pigments vermieden wird. Der pH-Wert der
behandelten Suspension hängt von der Art des Polymers ab. Polymere mit hohem Carboxylgruppengehalt
erreichen den optimalen Koazervationszustand bei niedrigeren pH-Werten, nämlich etwa
pH 5 - 6, als Polymere mit niedrigem Carboxylgruppengehalt, die etwa pH 7 - 8 ihre
beste Bindefähigkeit erreichen. Wird eine Mineralsäure als Absäuerungsmittel verwendet,
so liegt die eingesetzte Säureäquivalentmenge unter der Äquivalentmenge der Carboxylatgruppen
des Polymers. Bei Verwendung von Aluminiumsulfat, das infolge von Hydrolyse sauer
reagiert, ist eine stöchiometrische Berechnung des Bedarfs an Absäuerungsmittel kaum
möglich.
[0038] Bei den bevorzugten Poly(meth)acrylaten erfolgt die Koazervation in der Weise, daß
die Binderlösung, die einen pH-Wert im alkalischen Bereich aufweist, - vorzugsweise
mit Aluminiumsulfat -angesäuert wird, wodurch bei einem bestimmten pH-Wert das kolloidale
System zerstört wird und das Bindemittel ausfällt.
Bevorzugte Arbeitsweise
[0039] Das anorganische Pigment wird in einer Konzentration von 2 bis 30 Gew.-%, vorzugsweise
2 bis 20 Gew.-%, in Wasser suspendiert. Übliche Dispergiermittel, wie Polyphosphate,
können verwendet werden, sofern sie die Koazervation nicht stören. Der pH-Wert der
Suspension wird auf den pH-Wert der Bindemittellösung eingestellt. Unter Rühren wird
das Bindemittel in Form einer wäßrigen Lösung in die Suspension eingerührt und gleichmäßig
verteilt. Danach wird eine wäßrige Lösung des Absäuerungsmittels allmählich unter
Vermeidung ortlicher Übersäuerungen eingerührt, wodurch die Koazervation ausgelöst
wird.
[0040] Vor oder nach der Koazervation wird die Suspension dem Faserstoff zugesetzt. Alle
zur Papierherstellung gebräuchlichen Faserstoffe können verwendet werden, wie Holzschliff,
Zellstoff, Halbzellstoff, Hochausbeutestoffe, Altpapier. Der Faserstoff hat beim Zumischen
der Pigmentsuspension vorzugsweise einen Feststoffgehalt von 3 bis 4 Gew.-% und wird
vor der Blattbildung mit Kreislaufwasser auf 0,1 bis 1 Gew.-% verdünnt. Zweckmäßig
wird die Mischung unmittelbar in der Stoffzentrale einer Papiermaschine bereitet.
Gebräuchliche Zusätze, wie Entschäumer, Dispergiermittel, Verdickungsmittel, Retentionsmittel,
optische Aufheller, Farbstoffe, Fungizide, Bakterizide, Gleitmittel, können in üblichen
Mengen mitverwendet werden. Alle erwähnten Verfahrensschritte können bei den in der
Papierherstellung üblichen Temperaturen durchgeführt werden. Die Masse wird anschließend
in üblicher Weise zu einem Blatt geformt und kann danach satiniert werden.
[0041] Beim Einsatz säureempfindlicher Pigmente, wie Calciumcarbonat, kann es vorteilhaft
sein, die Koazervation in Abwesenheit des Pigments einzuleiten, das entstehende Koazervat,
gegebenenfalls unter gelindem Erwärmen, fein zu emulgieren und erst dann das Pigment
und den Faserstoff einzumischen.
[0042] Vorzugsweise werden Papiere mit einem Flächengewicht von 32 bis 170 g/m² hergestellt.
Sie haben die Qualität bekannter SC-Papiere oder übertreffen diese sogar. Sie eignen
sich besonders als Druckpapiere.
Beispiele
a) Allgemeine Arbeitsweise
[0043] Eine 5-%ige Suspension von Kaolin in Wasser wird mit Natronlauge auf pH 11 eingestellt.
Dann wird eine alkalische Lösung des Bindemittels unter Rühren zugefügt. Diese Mischung
wird in der Stoffzentrale einer Papiermaschine mit dem Faserstoff, bestehend aus Fichtenzellstoff
und Holzschliff im Verhältnis 1:1, vermischt, so daß sich ein Feststoffgehalt von
0,5 Gew.-% ergibt. Dann wird soviel Aluminiumsulfat zugesetzt, bis der in Tabelle
1 angegebene pH-Wert erreicht ist. Durch Messung des Zeta-Potentials wird festgestellt,
ob das Pigment eine negative Oberflächenladung aufweist. Danach wird die Masse in
üblicher Weise zu einem Blatt geformt und anschließend satiniert. An dem fertigen
Papier wird die Reißlänge gemessen.
b) Verwendete Bindemittel
[0044] Acrosol A 40 D (Handelsbezeichnung der BASF AG, Ludwishafen): Wäßrige anionische
Dispersion eines Copolymerisats auf Basis von Acrylsäure, Acrylsäureester und Vinylacetat.
Der Alkalibedarf für die Herstellung einer Lösung von pH 7,5 beträgt 8,2 Gew.-% NaOH,
bez. Polymerisatgewicht, woraus sich ein Acrylsäuregehalt von etwa 15 Gew.-% ergibt.
Rohagit S mV (Handelsbezeichnung der Röhm GmbH, Darmstadt): Pulverförmiges alkalilösliches
Acrylharz mit einer Säurezahl von 405 - 440 mg KOH/g. Eine 3-%ige, mit NaOH auf pH
9 eingestellte wäßrige Lösung hat eine Viskosität von etwa 4000 mPa s.
Binder 3: 45-%ige wäßrige Dispersion eines Copolymerisats aus Vinyacetat und 6 Gew.-% Acrylsäure.
Binder 4: 30-%ige wäßrige Dispersion eines Copolymerisats aus 69,8 % Ethylacrylat, 30 % Methacrylsäure,
0,2 % Ethylenglykoldimethacrylat; Viskosität 1-%ig, mit NaOH auf pH 9 eingestellt:
6000 mPa s.
Binder 5: Pulverförmiges Copolymerisat aus 30 % Styrol und 70 % Methacrylsäure; Viskosität
der 20-%igen, mit Ammoniak neutralisierten Lösung etwa 7000 mPa s.
Binder 6: 25-%ige wäßrige Lösung, Na-Salz eines Copolymerisats aus 34 % Butylacrylat, 31 %
Acrylnitril, 24 % Methylmethacrylat, 2 % Ethylacrylat, 7,8 % Methacrylsäure, 0,2 %
Acrylsäure; pH 8,5, Viskosität 3000 mPa s.
Binder 7: 25-%ige wäßrige Lösung eines Copolymerisats aus Ethylen und Acrylsäure 80:20 Gew.-%.
c) Versuchsreihe und Ergebnisse: siehe Tabelle 1
[0045] Die Versuche 1, 2 und 16 wurden als Nullversuche ohne Bindemittelzusatz durchgeführt,
um eine Vergleichsbasis für die Reißlänge bei gleichem Pigmentgehalt, jedoch ohne
Binder zu haben.

1. Verfahren zur Behandlung eines in Wasser suspendierten Pigments für die Papierindustrie
mit einem wäßrigen Bindemittel durch Ausfällung des Bindemittels auf dem Pigment durch
Koazervation,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Bindemittel ein durch Carboxylatgruppen solvatisiertes hochmolekulares Polymerisat
einer äthylenisch ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren Carbonsäure eingesetzt
wird, daß dem gelösten Bindemittel allmählich ein Absäuerungsmittel zugesetzt wird,
bis die Koazervation des Bindemittels eintritt, und das Koazervat auf dem suspendierten
Pigment niedergeschlagen wird, wobei die Menge des Absäuerungsmittels so begrenzt
wird, daß das Pigment eine negative Oberflächenladung beibehält.
2. Verfahren zur Herstellung von füllstoffhaltigem Papier durch Blattbildung aus einem
wäßrigen Papierstoff, dadurch gekennzeichnet, daß dieser ein gemäß Anspruch 1 behandeltes
Pigment enthält.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als anorganisches Pigment
Kaolin, Calciumsulfat, Talkum oder Titandioxid eingesetzt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Bindemittel ein
Polymerisat mit einem Molekulargewicht Mw >20 000, vorzugsweise >50 000 eingesetzt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß als Bindemittel ein Polymerisat
eingesetzt wird, das 6 bis 80, vorzugsweise 10 bis 80 Gew.-% Einheiten der Acryl-,
Methacryl- oder/und Maleinsäure enthält.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
daß als Absäuerungsmittel ein sauer reagierendes Salz eines mehrwertigen Metallkations
eingesetzt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß Aluminiumsulfat eingesetzt
wird.
8. Wäßrige Suspension eines Pigments für die Papierindustrie, das ein Koazervat enthält,
dadurch gekennzeichnet, daß das behandelte Pigment eine negative Oberflächenladung
aufweist und das Koazervat eines durch Carboxylatgruppen solvatisierbaren hochmolekularen
Polymerisat einer äthylenisch ungesättigten, radikalisch polymerisierbaren Carbonsäure
enthält.
9. Wäßrige Suspension nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß in der wäßrigen Phase
weniger als 5 Gew.-% des Bindemittels enthalten ist.
10. Wäßrige Suspension nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Gehalt des Bindemittels
in der wäßrigen Phase nach einer intensiven Scherbehandlung von 3 min mittels eines
Hochgeschwindigkeitsrührers bei 4000 Upm nicht mehr als 10 Gew.-%, bezogen auf den
gesamten Bindemittelgehalt der Suspension, beträgt.
1. A process for treating a pigment for the paper industry, suspended in water, using
an aqueous binding agent, by precipitating the binding agent on the pigment through
coacervation, characterised in that a highly molecular polymer of an ethylenically
unsaturated, radically polymerisable carboxylic acid, solvated by carboxylate groups,
is used as a binding agent, that an acidifying agent is gradually added to the dissolved
binding agent until the coacervation of the binding agent takes place, and the coacervate
is precipitated on the suspended pigment, the amount of the acidifying agent being
limited in such a way that the pigment retains a negative surface charge.
2. A process for preparing filler-containing paper through sheet formation from an aqueous
paper material, characterised in that said paper material contains a pigment treated
according to claim 1.
3. A process according to claim 1 or 2, characterised in that china clay, calcium sulphate,
talcum or titanium dioxide are used as inorganic pigment.
4. A process according to claim 1 or 2, characterised in that a polymer with a molecular
weight Mw > 20,000, preferably > 50,000 is used as binding agent.
5. A process according to claim 4, characterised in that a polymer is used as binding
agent which contains 6 to 80, preferably 10 to 80 wt.% of units of acrylic, methacrylic
and/or maleic acid.
6. A process according to one or more of claims 1 to 5, characterised in that a salt
of a multi-valent metal cation, which has an acidic reaction, is used as acidifying
agent.
7. A process according to claim 6, characterised in that aluminium sulphate is used.
8. An aqueous suspension of a pigment for the paper industry containing a coacervate,
characterised in that the treated pigment has a negative surface charge and the coacervate
contains a highly molecular polymer of an ethylenically unsaturated, radically polymerisable
carboxylic acid which may be solvated by carboxylate groups.
9. An aqueous suspension according to claim 8, characterised in that less than 5% of
the binding agent is contained in the aqueous phase.
10. An aqueous suspension according to claim 9, characterised in that after an intensive
shearing treatment of 3 min. using a high-speed stirrer at 4,000 rev/min., the content
of the binding agent in the aqueous phase is not more than 10 wt.% based on the total
binding agent content of the suspension.
1. Procédé de traitement d'un pigment en suspension dans l'eau pour l'industrie papetière,
avec un liant aqueux, par précipitation du liant sur le pigment par coacervation,
caractérisé en ce qu'on utilise, comme liant, un polymère de masse moléculaire élevée,
solvaté par des groupes carboxylate, d'un acide carboxylique à insaturation éthylénique,
polymérisable par polymérisation radicalaire, on ajoute progressivement au liant dissous
un agent d'acidification, jusqu'à la coacervation du liant, et on fait précipiter
le coacervat sur le pigment en suspension, la quantité de l'agent d'acidification
étant limitée de façon que le pigment conserve une charge superficielle négative.
2. Procédé de préparation de papier contenant une charge, par formation de feuilles à
partir d'une pâte à papier aqueuse, caractérisé en ce que celle-ci contient un pigment
traité selon la revendication 1.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que, comme pigment inorganique,
on utilise du kaolin, du sulfate de calcium, du talc ou du dioxyde de titane.
4. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que, comme liant, on utilise
un polymère ayant une masse moléculaire Mw > 20 000, de préférence > 50 000.
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que comme liant, on utilise un
polymère qui contient de 6 à 80, de préférence 10 à 80 % en poids de motifs acide
acrylique, acide méthacrylique et/ou acide maléique.
6. Procédé selon l'une ou plusieurs des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que comme
agent d'acidification, on utilise un sel à réaction acide d'un cation métallique à
valences multiples.
7. Procédé selon la revendication 6, caractérisé en ce que l'on utilise du sulfate d'aluminium.
8. Suspension aqueuse d'un pigment pour l'industrie papetière, contenant un coacervat,
caractérisée en ce que le pigment traité présente une charge de surface négative et
le coacervat contient un polymère de masse moléculaire élevée, pouvant être solvaté
par des groupes carboxylate, d'un acide carboxylique à insaturation éthylénique, polymérisable
par polymérisation radicalaire.
9. Suspension aqueuse selon la revendication 8, caractérisée en ce que la phase aqueuse
contient moins de 5 % en poids de liant.
10. Suspension aqueuse selon la revendication 9, caractérisée en ce que la teneur en liant
de la phase aqueuse, après un traitement de cisaillement intense de 3 minutes, au
moyen d'un agitateur à grande vitesse, à 4000 t/mn, ne dépasse pas 10 % en poids par
rapport à la teneur totale en liant de la suspension.