[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur superplastischen Herstellung von
Werkstücken aus einer knetbaren Aluminiumlegierung.
[0002] Superplastisch umformbare Aluminiumlegierungen sind seit langem bekannt. Wesentlichste
Voraussetzung für eine superplastische Umformung ist die Feinkörnigkeit der umzuformenden
Legierung. Bei superplastisch umgeformten Aluminiumblechen beispielsweise liegt die
Korngrösse in der Praxis bei höchsten 25 µm, bevorzugt unter 10 f..lm. Weiter sollen
die Körner nahezu globulitisch vorliegen. Schliesslich darf sich während einer superplastischen
Umformung, welche in der Regel bei etwa 500°C Metalltemperatur durchgeführt wird,
auch keine wesentliche Vergröberung der regelmässig verteilten Körner einstellen.
[0003] Die plastische Dehnung einer superplastischen Aluminiumlegierung liegt bei ihrer
optimalen Umformtemperatur meist im Bereich 400 bis 800%, also weit über den plastischen
Dehnwerten üblicher Legierungen. Dies erlaubt bei wirtschaftlicher Fertigung aus einem
Stück vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten in bezug auf Funktion und Design. Die vielfältigen
Formen sind mit hoher Massgenauigkeit reproduzierbar, es tritt kein "Springback" ein.
Besonders vorteilhaft wirken sich die einsetzbaren einfachen Werkzeuge aus, welche
kostengünstig auch kleine und mittlere Fabrikationsserien erlauben und in kurzen Lieferzeiten
herstellbar sind. Formänderungen können rasch und zu tragbaren Kosten durchgeführt
werden.
[0004] Es sind zahlreiche binäre und ternäre Aluminiumlegierungen mit superplastischen Eigenschaften
beschrieben worden, beispielsweise in der EP,A1 0297035, in Scripta Metallurgica,
Vol. 20, Seiten 1721 bis 1726, 1986, Materials Science Forum, Vol. 13/14 (1987), Seiten
421 bis 428 und Metallurgical Transactions A, Vol. 17A, Juni 1986, Seiten 1035 bis
1041.
[0005] Bei den für eine superplastische Umformung geeigneten Aluminiumlegierungen ist im
wesentlichen eine aufwendige thermomechanische Vorbehandlung erforderlich.
[0006] Superplastisches Vormaterial wird nach dem bekannten Stand der Technik in der industriellen
Produktion als Walzprodukt mit einem hohen Kaltwalzgrad hergestellt. Bestimmte Anwendungen,
wie beispielsweise als Hohlkörper ausgebildete Kraftstofftanke und Gasflaschen, bedingen
eine lange Umformzeit und einen hohen Umformgrad. Weiter müssen in diesem Fall zwei
Halbschalen miteinander verbunden werden.
[0007] Die Erfinder haben sich die Aufgabe gestellt, ein Verfahren der eingangs genannten
Art zu schaffen, mit welchem die Herstellung von kompliziert gestalteten Werkstücken
vereinfacht, die Umformzeit erniedrigt und der Umformgrad verringert wird. Die Werkstücke
sollen einstückig hergestellt werden können.
[0008] Die Aufgabe wird nach einer ersten Ausführungsform erfindungsgemäss dadurch gelöst,
dass die Aluminiumlegierung nach dem Stranggiessen homogenisiert, durch Kaltkneten
(ohne Walzen) superplastische, ähnlich wie die Werkstücke gestaltete Vorformen hergestellt
und superplastisch zum Werkstück verformt werden.
[0009] Nach einer zweiten Ausführungsform wird die Aufgabe erfindungsgemäss dadurch gelöst,
dass die Aluminiumlegierung nach dem Stranggiessen homogenisiert, durch Warmkneten
zu einem Vormaterial grossen Querschnitts verformt, durch Kaltkneten (ohne Walzen)
superplastische, ähnlich wie die Werkstücke gestaltete Vorformen hergestellt und diese
superplastisch zum Werkstück umgeformt werden.
[0010] Spezielle Ausführungsformen und Weiterausbildungen sind Gegenstand von abhängigen
Patentansprüchen.
[0011] Unter einem Vormaterial grossen Querschnitts wird beispielsweise ein 1 bis 30 mm,
insbesondere 4 bis 10 mm dickes Walzband, ein stranggepresstes Profil einer Wandstärke
von 4 bis 10 mm und/oder ein stranggepresstes, rundes Voll- oder Rohrprofil eines
Durchmessers von 10 bis 100 mm, insbesondere 30 bis 50 mm, verstanden. Diese Vormaterialien
lassen sich unmittelbar anschliessend an die Herstellung oder nach einer Lagerung,
also zu einem beliebigen Zeitpunkt, stückweise aufteilen.
[0012] Mit einer in ihrer Gestalt schon eine gewisse Aehnlichkeit mit dem superplastisch
umgeformten Werkstück aufweisenden Vorform lassen sich in manchen Fällen ganze Arbeitsgänge,
beispielsweise das Verbinden zweier Halbschalen, einsparen.
[0013] Von grossem Interesse sind beispielsweise AIMg- oder AIZnMg-Legierungen, welche dank
der Bildung von aushärtenden Ausscheidungen zur Kalt- und Warmaushärtbarkeit und damit
zu hohen Festigkeitswerten führen. Die Festigkeitswerte von AIZnMg-Legierungen können
noch erhöhtwerden, indem Kupferzugegeben wird, welche von der ALUSUISSE-LONZA AG als
PERUNAL-Legierungen hergestellt und angeboten werden.
[0014] So kann eine aushärtbare Legierung mit 6 bis 10% Zink, 2 bis 4% Magnesium, 0 bis
3% Kupfer, 0 bis 0,3% Eisen, 0 bis 0,3% Zirkon, 0 bis 0,3% Chrom, 0 bis 0,3% Mangan,
0 bis 0,2% Silizium und 0 bis 0,2% Titan, RestAluminium handelsüblicher Reinheit,
nach dem Stranggiessen durch Erwärmen und Halten homogenisiert und zu einem superplastischen
Vormaterial grossen Querschnitts verformtwerden. Hier und im übrigen werden unter
den prozentualen Angaben stets Gewichtsprozente verstanden.
[0015] Die erwähnte AIZnMg-Legierung wird zweckmässig als Legierung mit 6,5 bis 7% Zink,
2,5 bis 3% Magnesium und 1,5 bis 3% Kupfer, Rest oben angegebene fakultative Elemente
und Aluminium handelsüblicher Reinheit, eingesetzt. Eine solche AIZnMgCu-Legierung
weist nicht nur eine ausserordentlich hohe Festigkeit auf, sie ist auch besonders
einfach durch Kaltverformen in eine Vorform und dann durch superplastische Umformung
in ein Werkstück umzuformen.
[0016] Die Legierung der gegossenen Formate wird vorzugsweise durch zweistufiges Erwärmen
und Halten homogenisiert und nachher fakultativ abgekühlt:
- Nach einer ersten Variante wird eine zu Walzbarren vergossene AIZnMg-Legierung in
einer ersten Homogenisierungsstufe während 4 bis 12 Stunden auf 440 bis 480°C Metalltemperatur
erwärmt und während wenigstens etwa 3 Stunden auf dieser Temperatur gehalten. In einer
zweiten Homogenisierungsstufe wird die Legierung während 1 bis 6 Stunden auf 475 bis
495°C erwärmt und bis etwa 6 Stunden auf dieser Temperaturgehalten. Nach dem fakultativen
Abkühlen, nach kurzer oder längerer Zeit, kann die Legierung zum Warmwalzen während
bis etwa 6 Stunden auf 350 bis 450°C erwärmt und dann warm abgewalzt werden. Das als
Warmwalzband ausgebildete Vormaterial wird bei einer Temperatur bis etwa 400°C aufgehaspelt
oder aufgeteilt.
Mit einer besonders günstigen Ausführungsform derersten Variante wird die Legierung
am Ende der ersten Homogenisierungsstufe auf etwa 465 bis 475°C erwärmt, am Ende der
zweiten Homogenisierungsstufe auf etwa 485 bis 495°C. Zum Warmwalzen wird die Legierung,
unmittelbar darauf oder nach einem Lagern des Barrens, auf eine Temperatur von etwa
400 bis 420°C erwärmt. Das Warmwalzen erfolgt an eine Banddicke von wenigen Millimetern.
- Nach einer zweiten Variante wird eine zu Pressbolzen vergossene AIZnMg-Legierung,
wie oben beschrieben, in zwei Stufen homogenisiert. Nach dem Abkühlen, unmittelbar
darauf oder nach einem Lagern des Bolzens, wird die Legierung auf eine Metalltemperatur
von 200 bis 420°C erwärmt und stranggepresst. Als besonders geeignet für die AIZnMg-Legierungen
haben sich Endtemperaturen der Homogenisierungsstufen von 465 bis 475°C und 485 bis
495°C erwiesen. Die homogenisierte Aluminiumlegierung wird für das Pressen von vorzugsweise
auf 250 bis 390°C erwärmt.
[0017] Ganz allgemein wird die Legierung eines gegossenen Formates, je nach Zusammensetzung
durch ein-oder mehrstufiges Erwärmen und Halten homogenisiert, nachher abgekühlt.
[0018] Es ist weiter üblich und in den untersuchten Fällen von Vorteil, die homogenisierte
Legierung der gegossenen Formate vor einem Warmwalzen und/oder Strangpressen, also
dem Warmkneten und/oder dem Kaltkneten, zu heterogenisieren, vorzugsweise zwischen
300 und 400°C. Dem z.B. bei AIZnMgCu-Legierungen nicht notwendigen Heterogenisieren
folgt zweckmässig eine langsame Abkühlung.
[0019] Die gegossenen, wärmebehandelten Formate werden zur Bildung des Vormaterials bevorzugt
mit einem Warmwalzgrad oder einem Verpressungsverhältnis von wenigstens 10:1 verformt.
[0020] Nach der ersten Ausführungsform, welche ein an das Homogenisieren anschliessendes
Kaltpressen umfasst, wird das Vormaterial nicht aufgeteilt.
[0021] Nach der zweiten Ausführungsform erfolgt die Aufteilung des Vormaterials direkt nach
dem Warmkneten, nach dem Abkühlen oder nach einer Lagerung, indem
- aus dem Warmwalzband Butzen oder Ronden ausgestanzt oder vom Warmwalzband Stücke
abgelängt werden, oder
- vom warmgepressten Profil Stücke abgelängt werden.
[0022] Die kalten Butzen oder Ronden werden durch Kaltkneten (ohne Walzen) mit einem Umformgrad
von wenigstens 4:1 verformt. Dabei werden die Butzen oder Ronden durch Kaltpressen,
Kaltfliesspressen, Abstreckziehen oder Abstrecken zu becherförmigen Vorformen umgeformt,
welche superplastische Eigenschaften aufweisen. Abgelängte Stücke können ebenfalls
durch Fliesspressen oder Kaltstrangpressen zu einer Vorform mit superplastischen Eigenschaften,
welche ähnlich wie das Werkstück gestaltet ist, verformt werden.
[0023] Vor dem superplastischen Umformen zum Werkstück kann die Vorform durch rasches Aufheizen
feinkörnig rekristallisiert werden. Dies ist für die untersuchten Legierungen vorteil-haft,
jedoch nicht notwendig. Das schnelle Aufwärmen zum Rekristallisieren erfolgt beispielsweise
in einem Salzbad.
[0024] Das erfindungsgemässe Verfahren zur superplastischen Herstellung von Werkstücken
zeichnet sich dadurch aus, dass dank ähnlicher Vorformen mit superplastischen Eigenschaften
die Umformzeit und der Umformgrad wesentlich verkleinert werden können, was eine rationellere
Fertigung als beim konventionellen SPF ergibt. Besonders einfach können Hohlkörper
gefertigt werden, indem ein Fliesspressteil in einer Form superplastisch aufgeblasen
wird. Auch das Produkt wird verbessert, indem keine Innenfalten bestehen, was bessere
mechanische Eigenschaften ergibt. Schliesslich können durch Variation der Dicke unterschiedlicher
Profilsegmente einer superplastischen Vorform die Wandstärke des Werkstücks genauer
an die technischen Erfordernisse angepasst werden als bei superplastischem Blech als
Ausgangsmaterial.
[0025] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Ausführungsbeispiele näher erläutert.
Beispiel 1
[0026] Eine Aluminiumlegierung mit 6,9% Zink, 2,7% Magnesium, 1,7% Kupfer, 0,18% Mangan,
0,14% Zirkon, 0,08% Silizium und 0,08% Eisen wird in einem konventionellen Stranggussverfahren
zu Pressbolzen von 220 mm Durchmesser vergossen.
[0027] Nach dem Entfernen der Gusshaut und dem Ablängen werden die Bolzen während etwa 5
Stunden auf eine erste Homogenisierungstemperatur von 450°C gebracht und während etwa
6 Stunden auf dieser Temperatur gehalten. In einem zweiten Homogenisierungsschritt
wird die Metalltemperatur während 3 Stunden auf 470°C erhöht und während 18 Stunden
auf dieser Temperatur gehalten. Dann werden die Bolzen an ruhender Luft abgekühlt.
[0028] Die homogenisierten Bolzen werden innerhalb weniger Minuten induktiv auf eine Presstemperatur
von 380°C angewärmt und mit einer Geschwindigkeit von 1,5 m/min zu Rundstangen eines
Durchmessers von 40 mm verpresst.
[0029] Die Rundstangen werden zu 5 mm dicken Rondellen abgelängt, was im Sinne der vorliegenden
Erfindung als Aufteilen bezeichnet wird.
[0030] Das Kaltfliesspressen der Ronden erfolgt in zu einer als einseitig geschlossener
Zylinder ausgebildeten Vorform. Diese wird in einem Salzbad während etwa 10 Minuten
bei 470°C rekristallisiert bzw. lösungsgeglüht und dann im Wasser abgekühlt.
[0031] Eine metallographische Prüfung ergab eine Korngrösse von etwa 10 f..lm, was zu superplastischen
Eigenschaften führt. Die superplastische Umformung zum Erreichen des Werkstücks erfolt
unmittelbar nach dem Abkühlen oder nach einer Lagerung der Vorformen.
Beispiel 2
[0032] Eine Aluminiumlegierung mit 6,7% Zink, 2,8% Magnesium, 1,7% Kupfer, 0,13% Eisen,
0,12% Zirkon, 0,06% Silizium, 0,02% Mangan, 0,02% Chrom und 0,02% Titan wird mittels
elektromagnetischer Stranggiesskokillen zu Walzbarren üblichen Formats vergossen.
Die von der Gusshaut befreiten, abgelängten Formate werden 11 Stunden auf eine erste
Homogenisierungstemperatur von 465°C erwärmt und während 3 Stunden auf dieser Temperatur
gehalten. In einer zweiten Homogenisierungsstufe wird die Metalltemperatur während
5 Stunden auf 480°C erhöht und die Endtemperatur während 6 Stunden gehalten. Zum Warmwalzen
wird ein homogenisierter Barren während 4 Stunden auf eine Metalltemperatur von 410°C
angewärmt und mit dieser Eingangstemperatur warm an 4,5 mm abgewalzt. Aus dem Walzband
werden Butzen ausgestanzt und wie in Beispiel 1 weiterbehandelt.
1. Verfahren zur superplastischen Herstellung von Werkstücken aus einer knetbaren
Aluminiumlegierung,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Aluminiumlegierung nach dem Stranggiessen homogenisiert, durch Kaltkneten (ohne
Walzen) superplastische, ähnlich wie die Werkstücke gestaltete Vorformen hergestellt
und superplastisch zum Werkstück verformt werden.
2. Verfahren zur superplastischen Herstellung von Werkstücken aus einer pressbaren
Aluminiumlegierung,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Aluminiumlegierung nach dem Stranggiessen homogenisiert, durch Warmkneten zu einem
Vormaterial grossen Querschnitts verformt, durch Kaltkneten (ohne Walzen) superplastische,
ähnlich wie die Werkstücke gestaltete Vorformen hergestellt und diese superplastisch
zum Werkstück umgeformt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder2, dadurch gekennzeichnet, dass die Legierung der
gegossenen Formate durch stufenweises Erwärmen und Halten homogenisiert und nachher
fakultativ abgekühlt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die homogenisierte
Legierung der gegossenen Formate vor dem Warmkneten und/oder vor dem Kaltkneten heterogenisiert
wird, vorzugsweise zwischen 300 und 400°C.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die gegossenen
Formate mit einem Warmwalzgrad oder einem Verpressungsverhältnis von wenigstens 10:1
verformt werden.
6. Verfahren nach einem derAnsrprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das warmgeknetete
Material aufgeteilt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das warmgewalzte Vormaterial
durch Ausstanzen von butzen oder Ronden oder durch Ablängen, das warmgepresste Vormaterial
durch Ablängen aufgeteilt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, das das Kaltkneten
(ohne Walzen) mit einem Umformgrad von wenigstens 4:1 erfolgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Kaltkneten
(ohne Walzen) als Kaltpressen, Kaltfliesspressen, Abstreckziehen oder Abstrecken durchgeführt
wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform
vor dem superplastischen Umformen zum Werkstück durch rasches Aufheizen feinkörnig
rekristallisiert wird.