[0001] Die Erfindung betrifft eine Röntgenanode, insbesondere Drehanode, hoher Wärmeemissivität,
mit einem Grundkörper aus einem hochschmelzenden Metall oder dessen Legierungen sowie
einem Brennfleck- bzw. Brennbahnbereich aus einem hochschmelzenden Metall oder dessen
Legierungen, die zumindest auf Teilen der Oberfläche außerhalb der Brennbahn einen
unmittelbar oder über eine Unterlagsschicht auf dem Grundkörper aufgebrachten oxidischen
Überzug als homogene, aufgeschmolzene Phase aufweist, welcher Oxide der Metalle Ti,
Zr und Al enthält und wahlweise durch ein weiteres Oxid stabilisiert ist.
[0002] Röntgenröhrenanoden senden nur einen Bruchteil der eingestrahlten Energie in Form
von Röntgenstrahlung aus. Der Rest wird in Wärme überführt und muß die Anode in Form
von Wärmestrahlung verlassen.
Es ist daher seit vielen Jahren bekannt, die Wärmeemissivität von Röntgenanoden aus
hochschmelzenden Metallen mittels eines oxidischen Überzuges zu verbessern (AT-PS
337 314, DE-OS 22 01 979, DE-OS 24 43 354). Diese Vorveröffentlichungen nehmen für
sich in Anspruch, mittels unterschiedlicher Oxidwerkstoffe und Fertigungsverfahren
die Haftung der Oxidschicht auf der Oberfläche des Grundmetalles gegenüber dem Stand
der Technik zu erhöhen und die thermische Emissivität der Anodenoberfläche zu steigern.
Dabei hat sich gezeigt, daß die Leistungsfähigkeit derart hergestellter Schichten
angesichts der laufend zunehmenden Anforderungen an Röntgenanoden hinsichtlich Schichtalterung,
Wärmeabstrahlfähigkeit sowie die Beständigkeit gegen Entgasung (Vermeidung elektrischer
Überschläge) begrenzt ist.
[0003] Die DE-OS 22 01 979 beschreibt im speziellen eine Oxidschicht, die aus dem Erhitzungsprodukt
eines Gemisches besteht, welches Titandioxid und Zusätze wenigstens eines anderen,
schwerschmelzbaren Oxides enthält. Als andere, gleichermaßen geeignete Oxide sind
dabei Aluminiumoxid, Kalziumoxid, Magnesiumoxid und Zirkonoxid genannt. Besondere
Vorteile einer ganz speziellen Oxidkombination sind nicht genannt. Als bevorzugtes
Oxidgemisch ist aus den Beispielen und den Unteransprüchen eine Mischung aus etwa
gleichen Anteilen Aluminiumoxid und Titandioxid zu entnehmen. Darüberhinaus ist der
Beschreibung zu entnehmen, daß es wichtig ist, daß der Titandioxidgehalt nicht unter
20 % absinkt.
[0004] Die EU A2 0 172 491 beschreibt in einer Weiterentwicklung eine Röntgenanode aus einer
Molybdänlegierung mit einem Oxidüberzug aus einer Mischung von 40 % - 70 % Titanoxid,
der Rest stabilisierende Oxide aus der Gruppe ZrO₂, HfO, MgO, CeO₂, La₂O₃ und SrO.
Zur besseren Realisierung der obengenannten Anforderungen an derartige Schichten stellt
sich diese Vorveröffentlichung insbesondere die Aufgabe der Aufschmelzung der Oxide
zu glatten, glänzend schimmernden Schichten mittels wirtschaftlicher Verfahren.
[0005] Die EU A2 0 244 776 betrifft im wesentlichen den gleichen Erfindungsgegenstand. Die
Erfindung bezieht sich auf die Vorbehandlung des oxidischen Materials vor der Auftragung
auf die Röntgenanode mittels üblicher Spritztechniken. Dabei wird eine Mischung aus
77 % - 85 % Titandioxid mit 15 - 23 Gew.% Kalziumoxid in einem ersten Verfahrensschritt
zu einem Pulver mit homogener Phase verarbeitet und dann ggf. in Mischung mit anderen
Oxidpulvern nach bekannten Spritzverfahren aufgetragen. Als Beschichtungsprozesse
für die Oxidbeschichtung auf den Röntgenanoden aus hochschmelzenden Metallen werden
Plasmaspritzen, Sputteringverfahren, chemische und physikalische Abscheideverfahren
aus der Gasphase oder auch das Elektronenstrahlverfahren genannt. Üblicherweise wird
eine Röntgenanode aus hochschmelzendem Metall zum Abschluß des Herstellungsprozesses
einer Entgasungsglühung unterzogen. Die Entgasungsglühung der Anode dient der Vermeidung
von Gasaustritten und in deren Folge von höchst unerwünschten Plasma-Überschlägen
zwischen den Elektroden beim Einsatz derselben in einer Röntgenröhre im Hochvakuum.
Die erfinderische Lehre dieser Vorveröffentlichung beinhaltet eine vorteilhafte Abstimmung
der Materialzusammensetzung der Oxidschicht im Hinblick auf die Glühbehandlung nach
der Beschichtung der Röntgenanoden. Diese Entgasungsglühungen dienen gleichzeitig
der endgültigen Formation und Aufschmelzung der Oxidphase, d.h. der Umwandlung in
einen Zustand, der alleine durch ein Oxidauftrageverfahren, wie das Plasmaspritzverfahren,
nicht erreichbar ist. Die Schichtzusammensetzung gemäß Vorveröffentlichung und die
Verfahren zu ihrer Herstellung werden jedoch den gestellten Anforderungen nur ungenügend
gerecht. Vielmehr besteht beim Glühen der Oxidschichten nach dieser Vorveröffentlichung
die Gefahr, daß bei einer Glühtemperatur, bei der die Oxide zu glatten, guthaftenden
Schichten aufschmelzen, diese bereits so dünnflüssig sind, daß die Kontur zwischen
beschichteten und unbeschichteten Teilen der Röntgenanoden-Oberfläche in unerwünschtem,
im Bereich der Brennbahn nicht tolerierbarem Ausmaße verfließt.
Zudem weisen derartige Oxidschichten bei den erforderlichen Glühtemperaturen eine
störende Gasphasenbildung auf.
[0006] Die US-PS 4 870 672 beschreibt eine oxidische Beschichtung für Röntgenanoden, bestehend
aus einer Mischung von Al₂O₃, ZrO₂ und TiO₂. Die bevorzugte Zusammensetzung der Beschichtung
besteht aus 40 - 70 Gew.% TiO₂, 20 - 40 Gew.% ZrO₂ und 10 - 20 Gew.% Al₂O₃. Die Grenzzusammensetzungen
der Beschichtung werden mit 10 - 80 Gew.% TiO₂, 10 - 60 Gew.% ZrO₂ und 5 - 30 Gew.%
Al₂O₃ angegeben.
Nachteilig bei dieser Beschichtung ist, daß es bei ungünstig gewählter Zusammensetzung
zu einem Abdampfen der Beschichtung und damit zu einem Beschlagen und überschlag in
der Röntgenanode kommen kann.
[0007] Die Aufgabe vorliegender Erfindung besteht demnach darin, der oxidischen Oberflächenschicht
eine solche Zusammensetzung zu geben, daß bei seiner Herstellung nach gebräuchlichen
Auftrageverfahren, einschließlich der Glühbehandlung, einerseits die bisher erzielbaren
guten Haftungseigenschaften zwischen Oxidschicht und Substrat sowie die guten thermischen
Emissivitätseigenschaften der Schicht zumindest beibehalten, wenn nicht übertroffen
werden. Daneben soll der strukturelle Aufbau und die Zusammensetzung der Oxidschicht
eine einfachere technische Handhabung bei der Schichtherstellung erlauben, insbesondere
hinsichtlich einer glatten Aufschmelzung ohne störendes Abdampfen und unerwünschtes
Fließen des Oxides während der Glühbehandlung der Röntgenanode. Ebenso soll durch
die Zusammensetzung ein Beschlagen oder elektrische Überschläge in der Röntgenröhre
verhindert werden.
[0008] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Überzug 1 - 20 Gew.% Aluminiumoxid,
weniger als 20 Gew.% Titandioxid sowie mehr als 60 Gew.%. Zirkonoxid enthält.
[0009] Die Oxidschicht gemäß Erfindung, auf eine Röntgenanode aus hochschmelzenden Metallen
aufgetragen, weist hervorragende Haftung, glatte Oberflächen und einen hohen thermischen
Wärmekoeffizient ε ≈ 0,80 auf. Die oxidische Schicht hat gegenüber dem Stand der Technik
jedoch den entscheidenden Vorteil, daß sie bei sonst vergleichbaren Bedingungen während
der erforderlichen Glühbehandlung der Anode weniger flüssig ist, d. h. die Schmelzzähigkeit
ist im Vergleich mit bisher bekannten Oxidschichten beim Aufschmelzen während der
Glühbehandlung höher. Die Konturen zwischen Oberflächenteilen mit und ohne Oxidbeschichtung
verfließen nicht. Es kommt nur in vergleichsweise geringem Ausmaß zur Abdampfung und
zum unerwünschten Niederschlag von Oxidanteilen auf nicht beschichteten Oberflächenteilen
während des Glühvorganges. Mittels Abstimmung von Oxidzusammensetzung, Temperatur
und Dauer der Glühbehandlung lassen sich Schichten mit einer angestrebten Oberflächenrauhigkeit
R
T von ca. 20 µm und dem Aussehen einer Orangenhaut erzielen.
[0010] Röntgendrehanoden werden heute üblicherweise aus den hochschmelzenden Metallen Wolfram,
Molybdän oder Molybdänlegierungen, insbesondere der kohlenstoffhaltigen Legierung
TZM, hergestellt.
[0011] Der oxidische Überzug weist einmal die schon bisher bevorzugten Oxidkomponenten Zirkonoxid,
Kalziumoxid und Titandioxid, beispielsweise im Verhältnis 75 : 10 : 15 auf, wobei
es wesentlich ist, daß das Titandioxid immer mit Anteilen unter 20 Gew.% und das Zirkonoxid
mit Anteilen über 60 % in der Oxidmischung vorhanden ist. Das Kalziumoxid kann durch
andere für derartige Anwendungen bekannte stabilisierende Oxide teilweise oder ganz
ersetzt und weiters um geringe Anteile anderer, thermisch stabiler Verbindungen, wie
Boride und/oder Nitride ergänzt werden.
Der restliche Anteil an der Zusammensetzung des oxidischen Überzuges ist erfindungsgemäß
Aluminiumoxid mit einem Gewichtsanteil von 1 - 20 %, vorzugsweise 4 - 7 %.
Die Dicke der Oxidschicht kann je nach Abscheideverfahren zwischen einigen wenigen
und einigen tausend Mikrometern variieren.
[0012] Als Abscheideverfahren haben sich die bekannten PVD- und CVD-Verfahren, insbesondere
Plasma-CVD-Verfahren und Sputterverfahren ebenso bewährt wie thermische Beschichtungsverfahren,
wie z. B. Plasmaspritzen.
Unter homogener Phase ist bei dem oxidischen Überzug ein feinverteiltes Oxidgemisch
zu verstehen.
[0013] Bei Röntgenanoden aus Molybdän und üblichen Molybdänlegierungen, wie TZM, läßt sich
die gewünschte Oxidschichtstruktur und Oberflächenrauhigkeit bei gleichzeitig bleibend
guter Haftung zwischen Schicht und Grundmaterial mittels Glühungen bei Temperaturen
zwischen 1550
oC und 1680
oC sowie einer Glühzeit zwischen 30 Minuten und 1,5 Stunden vorteilhaft erreichen.
Die Molybdänlegierung TZM mit geringen Kohlenstoffanteilen neigt zur Kohlenstoff-Freisetzung
bei höheren Temperaturen. Der freigesetzte Kohlenstoff bildet mit den Sauerstoff-Komponenten
des Oxids in der Oxidschicht flüchtiges CO bzw. CO₂ und hat eine vorzeitige Alterung
der Schicht zur Folge. Es ist daher bei der Verwendung von TZM als Grundmaterial in
einzelnen Ausgestaltungen der Erfindung vorteilhaft, zwischen Grundmaterial und Oxidschicht
eine Diffusionsbarriere einer Schichtdicke von wenigen Mikrometern bis in den Bereich
von Millimetern in Form einer einlagigen Molybdänschicht bzw. einer zweilagigen Mo
/ Oxid Verbundschicht anzuordnen.
[0014] Die Erfindung wird anhand des nachfolgenden Ausführungsbeispieles näher erläutert.
Beispiel 1
[0015] Eine Röntgendrehanode, bestehend aus einer Legierung von Molybdän, der 5 Gew.% Wolfram
zugesetzt sind, besitzt im Brennbahnbereich eine ca. 2 mm dicke W-Re-Schicht. Zur
Erhöhung der Wärmeabstrahlfähigkeit wird diese Anodenoberfläche mit einer Oxidschicht
gemäß Erfindung versehen. Dazu wird eine fertig gesinterte und mechanisch umgeformte
Röntgenanode auf der zu beschichtenden Anoden-Rückseite mittels Sandstrahlen gereinigt
und aufgerauht und möglichst gleich anschließend unter den üblichen Verfahrensbedingungen
mittels Plasmaspritzens von Oxidpulver beschichtet. Das aufgetragene Oxidpulver weist
folgende Zusammensetzung auf: 89 Gew.% einer Oxidmischung aus 72 Gew.% ZrO₂, 8 Gew.%
CaO, 20 Gew.% TiO₂; ferner 11 Gew.% Al₂O₃.
Die so beschichtete Drehanode muß einer Glühbehandlung unterworfen werden, um sie
für den Einsatz in Röntgenröhren brauchbar zu machen. Durch die Glühung wird die Drehanode,
und zwar sowohl das Grundmaterial als auch das Schichtmaterial von Gaseinschlüssen
sowie von bei höheren Temperaturen flüchtigen Verunreinigungen weitgehend befreit,
um beim späteren Einsatz der Drehanode in der Hochvakuum-Röntgenröhre elektrische
Überschläge als Folge der Freisetzung von Gaseinschlüssen auszuschalten. Die Entgasungsglühung
erfolgt, abgestimmt auf das Anoden-Grundmaterial, innerhalb eines engen Temperatur-
und Zeitbereiches, um unerwünschte Strukturänderungen des Grundmaterials zu vermeiden.
Andererseits muß die aufgetragene Schicht in Abhängigkeit von deren Zusammensetzung
ebenfalls innerhalb eines sehr spezifischen Temperatur- und Zeitbereiches behandelt
werden, um ein Aufschmelzen in der gewünschten homogenen Phase und mit einer leicht
genoppten Oberflächenstruktur (Orangenhautschicht) zu erzielen.
Die Glühung erfolgt im vorliegenden Fall bei 1620
oC während 65 Minuten. Die aufgeschmolzene Schicht weist den gewünschten Schwärzungsgrad
sowie die angestrebte Oberflächenstruktur (Orangenhaut) auf. Es kommt zu keinem unkontrollierten
Fließen der aufschmelzenden Oxidschicht, insbesondere nicht im Übergangsbereich zwischen
beschichteten und unbeschichteten Teilen der Drehanodenoberfläche. Soweit während
des Glühvorganges gasförmige Oxide von der Schichtoberflache abdampfen, schlagen sich
diese nicht als störender Schichtbelag im ursprünglich nicht beschichteten Brennbahnbereich
der Drehanode nieder.
[0016] Die Drehanode wurde anschließend in einer Röntgenröhren-Versuchsanordnung unter praxisnahen
Bedingungen erprobt. Sie lief dort über mehrere Tage störungsfrei innerhalb der geforderten
Grenzbelastung.
1. Röntgenanode, insbesondere Drehanode, hoher Wärmeemissivität, mit einem Grundkörper
aus einem hochschmelzenden Metall oder dessen Legierungen sowie einem Brennfleck-
bzw. Brennbahnbereich aus einem hochschmelzenden Metall oder dessen Legierungen, die
zumindest auf Teilen der Oberfläche außerhalb der Brennbahn einen unmittelbar oder
über eine Unterlagsschicht auf dem Grundkörper aufgebrachten oxidischen Überzug als
homogene, aufgeschmolzene Phase aufweist, welcher Oxide der Metalle Ti, Zr und Al
enthält und wahlweise durch ein weiteres Oxid stabilisiert ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Überzug 1 - 20 Gew.% Aluminiumoxid < 20 Gew.% Titandioxid sowie > 60 Gew.%
Zirkonoxid enthält.
2. Röntgenanode nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Überzug durch CaO stabilisert
ist.
3. Röntgenanode nach Anspruch 1 - 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Oxidüberzug folgende
Zusammensetzung aufweist:
89 Gew.% einer Oxidmischung aus 72 Gew.% ZrO₂, 8 Gew.% CaO und 20 Gew.% TiO₂; zusätzlich
11 Gew.% Al₂O₃.
4. Verfahren zur Herstellung einer Röntgenanode nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch
gekennzeichnet, daß der oxidische Überzug mittels Plasma-Spritzens von Oxidpulvern
aufgebracht und gleichzeitig mit der Entgasung und Reinigung des Substrates in einem
anschließenden Glühprozeß bei Temperaturen zwischen 1550 und 1680oC während einer Glühzeit zwischen 0,5 und 1,5 Stunden zu einer homogenen Phase mit
strukturierter Oberfläche aufgeschmolzen wird.