[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung fließfähiger wäßriger Dispersionen,
welche 10 bis 30 Gew.-% Betaine der allgemeinen Formel

enthalten,
- R¹
- Alkylrest mit mindestens 16 Kohlenstoffatomen oder der Rest R⁴CONH(CH₂)x-, wobei R⁴CO ein von einer gesättigten Fettsäure mit mindestens 16 Kohlenstoffatomen
abgeleiteter Acylrest und x = 2 oder 3 ist,
- R², R³
- gleich oder verschieden und jeweils ein Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen,
- y
- 1, 2 oder 3,
durch Quaternierung eines tertiären Amins der allgemeinen Formel
R¹-NR²R³ II
mit ω-Halogenalkylcarbonsäure X(CH₂)
yCOOY oder deren Salzen (x = Halogenrest, Y = Wasserstoff-, Alkali- oder Ammoniumion)
in wäßriger oder wäßrig-alkoholischer Lösung bei erhöhten Temperaturen.
[0002] Betaine der vorgenannten Formel, bei denen R¹ ein Alkylrest mit 8 bis 14 Kohlenstoffatomen
oder deren Rest R⁴CO der Acylrest einer Fettsäure mit 8 bis 12 Kohlenstoffatomen ist,
haben in den vergangenen Jahren zunehmende Bedeutung zur Herstellung von Körperreinigungsmitteln
erlangt. Sie verbinden ausgezeichnete Reinigungseigenschaften mit guter Hautverträglichkeit.
Die Betaine bilden in wäßriger Lösung einen stabilen dichten Schaum aus, der auch
in Gegenwart von Seife nicht zusammenfällt.
[0003] Die Herstellung der Betaine ist in vielen Patentschriften beschrieben, von denen
die US-PS 3 225 074 stellvertretend genannt wird. Im allgemeinen setzt man dabei das
entsprechende tertiäre Amin der allgemeinen Formel II mit dem Alkalisalz einer ω-Halogencarbonsäure,
in der Regel dem Natriumsalz der Chloressigsäure, um. Die Reaktion verläuft vorzugsweise
in wäßrigem Medium. Das bei der Reaktion entstandene Alkalichlorid verbleibt in der
Lösung und wird nicht entfernt.
[0004] Die Betaine des Standes der Technik werden meist in Form ihrer 30 gew.-%igen wäßrigen
Lösungen in den Handel gebracht. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Betaine,
die durch Quaternierung von Fettalkyldialkylaminen oder Fettsäureamidaminen erhalten
worden sind, deren Fettalkyl- bzw. Fettsäurerest im Mittel 12 bis 14 Kohlenstoffatome
aufweist. Je größer die Kettenlänge des Alkylrestes bzw. des zur Herstellung des Betains
verwendeten Fettsäuregemisches ist, um so stärker erhöht sich jedoch die Viskosität
der Betainlösungen bei steigender Konzentration. Es war deshalb nur möglich, von Betainen,
deren Acylrest R⁴CO von höheren Fettsäuren, wie etwa von Stearinsäure abgeleitet ist,
niedrigkonzentrierte wäßrige Lösungen mit etwa 2 bis 5 Gew.-% Betain, herzustellen.
[0005] Es ist aus dem Stand der Technik bekannt, die Viskosität von Betainlösungen dadurch
zu verringern, daß man durch Zusatz anderer Tenside die Ausbildung einer wäßrigen
Phase mit lamellarer Struktur, einer sogenannten G-Phase, anstrebt. Hierzu ist die
britische Patentanmeldung 2 022 125 A zu nennen. Diese betrifft ein Verfahren zur
Herstellung einer konzentrierten wäßrigen oberflächenaktiven Zubereitung, welche als
aktiven Bestandteil eine Mischung von wenigstens zwei nicht homologen grenzflächenaktiven
Substanzen umfaßt, wobei jede der beiden Substanzen in einer Menge von wenigstens
5 Gew.-%, bezogen auf die Mischung, vorliegt, und wobei die Mischung befähigt ist,
eine flüssige G-Phase zu bilden, wobei wenigstens eine der oberflächenaktiven Substanzen
durch eine Reaktion in wäßriger Lösung aus einem Vormaterial hergestellt werden kann,
welches unter den Reaktionsbedingungen flüssig ist und keinen wesentlichen Abbau der
anderen oberflächenaktiven Substanz in der Mischung bewirkt, und wobei die Zubereitung
dadurch gebildet wird, daß man wenigstens eines der Vormaterialien in die entsprechende
oberflächenaktive Substanz in Gegenwart wenigstens einer der anderen oberflächenaktiven
Substanz-Komponente umwandelt, und diese Umwandlung in Gegenwart von ausreichenden
Mengen Wasser durchführt, um das Reaktionsgemisch in einem flüssigen Zustand zu halten
und eine Endzubereitung zu erhalten, welche mindestens überwiegend in der G-Phase
vorliegt.
[0006] Dieses Verfahren läßt sich am besten durch ein Beispiel verdeutlichen: In Beispiel
2 der britischen Patentanmeldung 2 022 125 A werden 797 g einer 70 %igen Lösung eines
Natriumetherlaurylsulfates, welche in der G-Phase vorliegt, mit 442 g eines C₁₂/C₁₄-Alkyldimethylamins
zusammen mit 209 g Chloressigsäure in 140 g Wasser erhitzt, wobei der pH-Wert der
Mischung durch Zugabe von NaOH-Lösung auf 7,8 ± 0,2 gehalten wird. Hier wird also
ein Betain in Gegenwart eines Alkylethersulfates hergestellt. Das Produkt enthält
63 % oberflächenaktive Substanz, das Gewichtsverhältnis von Betain zu anionischem
Tensid beträgt 1 : 1. Das Produkt ist flüssig und liegt in der G-Phase vor.
[0007] Dieses Verfahren läßt sich jedoch nicht auf Betaine anwenden, deren Alkylrest R¹
oder deren Acylrest R⁴CO- 16 und mehr Kohlenstoffatome aufweist. Mit diesen Produkten
bilden sich in wäßrigem Medium mit anionaktiven Tensiden in den angegebenen Konzentrationsbereichen
keine lamellaren Strukturen aus, die in der G-Phase vorliegen.
[0008] Die Erfindung befaßt sich somit mit dem technischen Problem, fließfähige, gießbare
und damit dosierbare wäßrige Zubereitungen auch von Betainen der allgemeinen Formel
I, deren Rest R¹ bzw. deren Rest R⁴CO- 16 oder mehr Kohlenstoffatome aufweist, bereitzustellen.
[0009] Dies gelingt durch das erfindungsgemäße Verfahren, welches dadurch gekennzeichnet
ist, daß man dem Reaktionsgemisch vor der Quaternierungsreaktion anionische Tenside
in solchen Mengen zusetzt, daß die fertige Lösung 1 bis 10 Gew.-% anionische Tenside
enthält.
[0010] Vorzugsweise enthält die fertige Lösung 2 bis 5 Gew.-% anionische Tenside.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird eine wäßrige Betain-Dispersion erhalten.
Das Betain liegt somit in Form kleiner Teilchen als äußere Phase in der Dispersion
vor. Zu einem Produkt mit lamellarer G-Phase bestehen u. a. folgende Unterschiede:
| Erfindungsgemäßes Produkt |
Dispersion mit G-Phase |
| weiße Dispersion |
transparentes bis schwach trübes Gel |
| in weitem Konzentrationsbereich stabil |
nur innerhalb eines sehr engen Konzentrationsbereiches stabile G-Phase |
| zeigt Verhalten einer Newtonschen Flüssigkeit |
zeigt Verhalten eines thixotropen Gels |
[0012] Es handelt sich somit bei dem erfindungsgemäßen Verfahren um einen anderen Zustand
der wäßrigen Zubereitung, als er in der britischen Patentanmeldung 2 022 125 A beschrieben
worden ist. Dabei war es in keiner Weise vorhersehbar, daß bei den Betainen der allgemeinen
Formel I mit längerer Kohlenstoffkette anstelle der flüssigen lamellaren G-Phase eine
Dispersion anderen Viskositätsverhaltens entstehen würde.
[0013] Besonders bevorzugt werden beim erfindungsgemäßen Verfahren tertiäre Amine verwendet,
deren Rest R¹ ein Alkylrest mit 18 bis 22 Kohlenstoffatomen ist. Gleiches gilt für
den Rest R⁴.
[0014] Besonders bevorzugt sind somit als Reste R¹ die Reste C₁₈H₃₆-, C₂₀H₂₂- und C₂₂H₂₅-,
als Reste R⁴CO- die Acylreste der Stearinsäure, Arachinsäure, Behensäure.
[0015] Als anionaktive Tenside sind insbesondere Alkali-, Ammonium- oder Aminsalze von Alkylsulfaten,
Alkylethersulfaten, Alkylarylsulfonaten, α-Olefinsulfonaten oder Sulfobernsteinsäurehalbestern
bevorzugt. Beispiele hierfür sind Laurylsulfat, Polyoxyethylen-3-laurylethersulfat,
Na-Dodecylbenzylsulfonat. Ihre Konzentration, bezogen auf Zubereitung, liegt bei etwa
1 bis maximal 5 Gew.-%.
[0016] Eine typische, beim erfindungsgemäßen Verfahren erhaltene Zubereitung hat folgende
Zusammensetzung
| Betain * |
22,8 Gew.-% |
| Natriumlaurylethersulfat |
3,5 Gew.-% |
| Natriumchlorid |
3,4 Gew.-% |
| Glykolsäure |
0,3 Gew.-% |
| Wasser |
70,0 Gew.-% |
| |


|
| * R¹ = C₁₇H₃₅CONH(CH₂)₃- ; R², R³ = CH₃ ; y = 1 |
[0017] Das Produkt ist eine weiße, fließfähige Dispersion mit einer Viskosität von 3000
bis 5000 mPas bei 25°C.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren und die Eigenschaften der hierbei erhaltenen Produkte
sollen durch die folgenden Beispiele noch näher erläutert werden.
Beispiel 1
[0019] In einen 500-ml-Dreihalskolben, ausgerüstet mit Rührer, Thermometer und Rückflußkühler,
werden eingewogen:
- 36,8 g (0,1 Mol)
- Stearinsäuredimethylaminopropylamid
- 12,8 g (0,11 Mol)
- Natriummonochloracetat
- 23,2 g
- Natriumlaurylethersulfat (28 gew.-%ig in H₂O) 6,5 g 100 gew.-%ig
und
- 124,0 g
- Wasser.
[0020] Dieses Gemisch läßt man 10 Stunden bei 95 bis 98°C unter Rühren reagieren und anschließend
abkühlen.
[0021] Man erhält 186,3 g einer fließfähigen, weißen Dispersion folgender Zusammensetzung:
| 42,6 g Stearinsäurebetain |
= 22,8 Gew.-% |
| 6,5 g Natriumlaurylethersulfat |
= 3,5 Gew.-% |
| 6,5 g Natriumchlorid |
= 3,5 Gew.-% |
| 130,7 g Wasser |
= 70,2 Gew.-% |
[0022] Die Viskosität der Dispersion beträgt bei Raumtemperatur 3000 mPas.
Beispiel 2
[0023] In einen 500-ml-Dreihalskolben, ausgerüstet mit Rührer, Thermometer und Rückflußkühler,
werden eingewogen:
- 36,8 g
- Stearinsäuredimethylaminopropylamid
- 12,8 g
- Natriummonochloracetat
- 13,4 g
- Natriumlaurylethersulfat (28 gew.-%ig in H₂O)
und
- 124,0 g
- Wasser.
[0024] Das Gemisch läßt man 10 Stunden bei 95 bis 98°C reagieren und anschließend abkühlen.
[0025] Man erhält 187 g einer fließfähigen, weißen Dispersion der folgenden Zusammensetzung:
22,9 Gew.-% Stearinsäurebetain
2,0 Gew.-% Natriumlaurylethersulfat
3,5 Gew.-% Natriumchlorid
71,6 Gew.-% Wasser.
[0026] Die Viskosität der Dispersion beträgt bei Raumtemperatur ≈ 4000 mPas.
Beispiel 3
[0027] In einem Versuch gemäß Beispiel 2 wird unter sonst gleichen Bedingungen die Einsatzmenge
des Natriumlaurylethersulfats (100 gew.-%ig) auf 5 Gew.-% des Ansatzes erhöht.
[0028] Man erhält ebenfalls eine fließfähige, weiße Dispersion eines Stearinsäurebetains
der folgenden Zusammensetzung:
22,9 Gew.-% Stearinsäurebetain
5,0 Gew.-% Natriumlaurylethersulfat
3,5 Gew.-% Natriumchlorid
68,6 Gew.-% Wasser.
[0029] Die Viskosität der Dispersion beträgt bei Raumtemperatur ≈ 2000 mPas.
[0030] In den nachfolgenden Versuchen werden bei sonst gleichen Bedingungen wie in Beispiel
1 jeweils 0,1 Mol des entsprechenden Fettsäuredimethylaminopropylamids mit 0,11 Mol
Natriumchloracetat unter Zusatz von 3,5 Gew.-% des jeweiligen Tensids (100 gew.-%ig)
eingesetzt.
[0031] In der nachfolgenden Tabelle sind die Versuchsergebnisse im einzelnen dargestellt.

[0032] Aus der Tabelle ist ersichtlich, daß die erfindungsgemäß erhaltenen Dispersionen
fließfähig sind. Ersetzt man die anionischen Tenside durch nichtionogene Tenside,
erhält man nicht mehr fließfähige bzw. vergelte Produkte.
1. Verfahren zur Herstellung fließfähiger wäßriger Dispersionen, welche 10 bis 30 Gew.-%
Betaine der allgemeinen Formel

enthalten,
R¹ geradkettiger Alkylrest mit mindestens 16 Kohlenstoffatomen oder der Rest R⁴CONH(CH₂)x- ,wobei R⁴CO ein von einer gesättigten geradkettigen Fettsäure mit mindestens 16
Kohlenstoffatomen abgeleiteter Acylrest und x = 2 oder 3 ist,
R², R³ gleich oder verschieden und jeweils ein Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen,
y 1, 2 oder 3,
durch Quaternierung eines tertiären Amins der allgemeinen Formel
R¹-NR²R³
mit ω-Halogenalkylcarbonsäuren X(CH₂)
yCOOY oder deren Salzen (x = Halogenrest, Y = Wasserstoff-, Alkali- oder Ammoniumion)
in wäßriger oder wäßrig-alkoholischer Lösung bei erhöhten Temperaturen, dadurch gekennzeichnet,
daß man dem Reaktionsgemisch vor der Quaternierungsreaktion anionische Tenside in
solchen Mengen zusetzt, daß die fertige Lösung 1 bis 10 Gew.-% anionische Tenside
enthält.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man dem Reaktionsgemisch anionische
Tenside in solchen Mengen zusetzt, daß die fertige Lösung 2 bis 5 Gew.-% anionische
Tenside enthält.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man tertiäre Amine quaterniert,
deren Rest R¹ entweder ein Alkylrest mit 18 bis 22 Kohlenstoffatomen ist, oder deren
Rest R⁴CO der Acylrest einer Fettsäure mit 18 bis 22 Kohlenstoffatomen ist.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als anionisches
Tensid Alkali-, Ammonium- oder Aminsalze von Alkylsulfaten, Alkylethersulfaten, Alkylarylsulfonaten,
α-Olefinsulfonaten oder Sulfobernsteinsäurehalbestern verwendet.