[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Bauteilen mittels
Kugelstrahlen.
[0002] Kugelstrahlen zur Verbesserung der Schwingfestigkeit von Bauteilen sind aus der Veröffentlichung
von W. Schütz in der Zeitschrift Werkstofftechnik, 17, Seite 53-61, (1986) bekannt.
Das Kugelstrahlen steigert primär durch günstige Druckeigenspannungen die Schwingfestigkeit
der Bauteile und erhöht die Härte der gestrahlten Bauteiloberfläche. Die Optimierung
der Strahlbehandlung ist abhängig vom Maschinentyp, von der Strahldauer, der Partikelgröße,
dem Deckungsgrad und der Strahlintensität. Zur Härtung und Verbesserung der Schwingfestigkeit
wird in Richtung hoher Strahlintensität bei gleichzeitig niedrigem Deckungsgrad bis
100% optimiert. Bei höheren Deckungsgraden wächst die Gefahr der Oberflächendeformation
und der Werkstoffschädigung.
[0003] Beim Kugelstrahlen wird die Oberfläche plastisch deformiert, so daß nachteilig eine
hohe Oberflächenrauhigkeit entsteht. Außerdem werden Druckeigenspannungen im oberflächennahen
Bereich des Bauteils induziert, so daß sich bei beschichteten Bauteilen nachteilig
die Gefahr des Abplatzens der Schicht erhöht.
[0004] Bei Beschichtungsverfahren, die zunächst eine rauhe Beschichtungsoberfläche auf dem
Bauteil erzeugen, wird deshalb nicht mit dem Kugelstrahlverfahren die Oberfläche geglättet,
sondern durch mechanisches Nachpolieren, wie beispielsweise Scheuern, Bürstenpolieren
oder Druckfließläppen, eine Oberflächenglättung erreicht. Diese bekannten und gebräuchlichen
Oberflächenbehanldungen zum Glätten haben den Nachteil, daß sie einen örtlich ungleichmäßigen
Schichtabtrag an exponierten Ecken und Kanten bewirken.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Bauteilen
anzugeben, das die Oberfläche oxidations- und heißgaskorrosionsfest beschichtet und
eine Glättung der rauhen Beschichtungsoberfläche ermöglicht. Die Oberflächenbehandlung
soll die Haftfähigkeit der Beschichtung nicht vermindern und keinen ungleichmäßigen
Schichtabtrag verursachen.
[0006] Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den folgenden Verfahrensschritten:
auf die Bauteiloberfläche wird zunächst eine MCrAlY-Schicht als Oxidations- und Heißgaskorrosionsschicht
aufgebracht, deren Schichtoberfläche anschließend mit Partikelstrahlen einer Strahlenintensität
von höchstens 0,15 mm Almen A, einem Dekkungsgrad von mindestens 400% und einem mittleren
Strahlpartikeldurchmesser von höchstens 0,5 mm kugelgestrahlt und dabei geglättet
wird.
[0007] Dieses Verfahren hat den Vorteil, daß ein Mittenrauhwert unter Ra = 2,5µm für MCrAlY-Schichten,
die beispielsweise mit Hilfe des Niederdruckplasmaspritzen (NDPS-Verfahren) aufgetragen
wurden, erreichbar ist, und die MCrAlY-Schicht gleichzeitig oberflächig verdichtet
wird. Darüber hinaus ist das Verfahren reproduzierbar im Hinblick auf eine Mittenrauhwertverbesserung
und auch bei kompliziert gestalteten Bauteilen anwendbar.
[0008] Als Strahlpartikel werden vorzugsweise Kugeln mit einem mittleren Strahlpartikeldurchmesser
von höchstens 0,2 mm aus Stahlguß, arondiertem Stahldraht, Zirkoniumoxid, Aluminiumoxid
oder Glas eingesetzt. Derartige Kugeln haben den Vorteil einer weiteren Mittenrauhwertverminderung.
Kugeln mit einem mittleren Strahlpartikeldurchmesser unter 50µm zeigen zumindest für
MCrAlY-Schichten keine weiteren Mittenrauhwertverbesserung.
[0009] Eine bevorzugte Durchführung des Verfahrens sieht vor, daß die Schichtoberfläche
in kritischen Bauteilbereichen an vorzugsweise geringen Krümmungsradien mit Deckungsgraden
über 600% und stark verminderter Strahlintensität kugelgestrahl wird. Dieser hohe
Deckunsgrad bei gleichzeitig stark verminderter Strahlintensität hat den Vorteil,
einer Kombination aus Mikroverformung und Abrasion, die äußerst schonend diese kritischen
Bauteilbereiche glättet.
[0010] Vorzugsweise wird das Verfahren für Schaufelblattoberflächen von Hochdruckturbinenschaufeln
angewandt. Dabei wird die MCrAlY-Schicht sowohl auf der Schaufelvorderkante als auch
auf der noch stärker gekrümmten Schaufelhinterkante geglättet, ohne daß ein Schichtdickenunterschied
auftritt.
[0011] Das folgende Beispiel und die zugehörigen Figuren zeigen eine bevorzugte Durchführung
und Ausbildung des Verfahrens.
[0012] Beispiel 1 listet die Kugelstrahlparameter auf,
- Fig. 1
- zeigt eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme von einer MCrAlY-Schicht nach einem Niederdruckplasmaspritzen,
- Fig. 2
- zeigt eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme von der MCrAlY-Schicht nach einem Kugelstrahlen,
- Fig. 3
- zeigt einen Querschliff einer beschichteten und kugelgestrahlten Hochdruckturbinenschaufel
im Bereich der Eintrittskante und
- Fig. 4
- zeigt einen Querschliff der beschichteten und kugelgestrahlten Hochdruckturbinenschaufeln
im Bereich der Austrittskante.
Beispiel 1
[0013] Eine Schaufelblattoberfläche einer Hochdruckturbinenschaufel mit einer Schaufelblatthöhe
von 42 mm und einer Schaufelblattbreite von 20 mm wird mit einer CoNiCrAlY-Schicht
mittels Niederdruckplasmaspritzverfahren beschichtet. Der gemessene Mittenrauhwert
liegt bei 4,77µm. Die Oberfläche dieser Hochdruckturbinenschaufel wird anschließend
in einer Überdruckdüsenstrahlanlage mit Glasperlen eines mittleren Strahlpartikeldurchmessers
von 0,12 mm kugelgestrahlt. Dazu wird die Strahlintensität auf 0,23 mm Almen N eingestellt
und ein Deckungsgrad von 800% gefahren. Als Ergebnis einer Schichtverdichtung und
eines Schichtabtrags wird eine gleichmäßige Schichtabnahme von maximal 20µm sowohl
auf der Schaufelblattfläche als auch im Bereich der Eintrittskante und der Austrittskante
gemessen. Der Mittenrauhwert ist auf 1,37µm verbessert.
[0014] Fig. 1 zeigt eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme von einer MCrAlY-Schicht nach
einem Niederdruckplasmaspritzen, mit einer Rauhtiefe von 42,3µm und einem Mittenrauhwert
von 4,77µm.
[0015] Fig. 2 zeigt eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme von dergleichen CoNiCrAlY-Schicht
nach einem Kugelstrahlen mit den Verfahrensparametern entsprechend Beispiel 1. Die
Rauhtiefe hat sich um mehr als das 4-fache auf 7,93 verbessert und der Mittenrauhwert
wurde auf 1,37µm vermindert.
[0016] Fig. 3 zeigt einen Querschliff einer beschichteten und kugelgestrahlten Hochdruckturbinenschaufel
im Bereich der Eintrittskante (1). Deutlich ist die Grenze (2) zwischen CoNiCrAlY-Schicht
(3) und Schaufelgrundmaterial (4) zu erkennen. Selbst die Eintrittskantenspitze (5)
wird von der geglätteten CoNiCrAlY-Schicht (3) nachgebildet und nicht eingeebnet.
[0017] Fig. 4 zeigt einen Querschliff der beschichteten und kugelgestrahlten Hochdruckturbinenschaufeln
im Bereich der Austrittskante (6). Deutlich ist die Grenze (2) zwischen CoNiCrAlY-Schicht
(3) und Schaufelgrundmaterial (4) zu erkennen. Auch die wesentlich stärker gekrümmte
Austrittskante (6) wird von der geglätteten CoNiCrAlY-Schicht (3) nachgebildet.
1. Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Bauteilen mittels Kugelstrahlen, dadurch gekennzeichnet,
daß auf die Bauteiloberfläche zunächst eine MCrAlY-Schicht als Oxidations- und Heißgaskorrisionsschicht
aufgebracht wird und anschließend die Schichtoberfläche mit Partikelstrahlen einer
Strahlintensität von höchstens 0,15 mm Almen A, einem Deckungsgrad von mindestens
400 % und einem mittleren Strahlpartikeldurchmesser von höchstens 0,5 mm kugelgestrahlt
und dabei geglättet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Schichtoberfläche in kritischen
Bauteilbereichen an vorzugsweise geringen Krümmungsradien mit Deckungsgraden über
600% und stark verminderter Strahlintensität kugelgestrahlt wird.
3. Anwendung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 oder 2 für Schaufelblattoberflächen
von Hochdruckturbinenschaufeln.