[0001] Die Erfindung betrifft ein Prozeßleitsystem zur Steuerung der Herstellung von Zellstoff
in einem diskontinuierlich arbeitenden Kocher.
[0002] Die Herstellung von Zellstoff wird häufig diskontinuierlich in geschlossenen Zellstoffkochern
durchgeführt. Hierzu wird der Kocher bis zum oberen Rand mit Hackschnitzeln, d.h.
zerkleinertem Holz, angefüllt. Hierdurch kann nahezu das ganze zur Verfügung stehende
Volumem des Zellstoffkochers ausgenutzt werden. Anschließend wird der Kocher mit Kochflüssigkeit
bis zum Überlaufen gefüllt. Diese vollständige Abdeckung der im Kocher befindlichen
Hackschnitzelmasse mit Kochflüssigkeit ist für den ordnungsgemäßen Aufschluß der Hackschnitzel
zu Zellstoff notwendig. Nun wird der Kocher geschlossen und der technologische Aufschluß
der aktuell im Kocher befindlichen Charge an Hackschnitzeln kann beginnen, indem der
Kocherinhalt allmählich aufgeheizt wird.
[0003] Zur Steuerung des Herstellungsprozesses dient mindestens ein sogenanntes "Prozeßleitsystem".
Dieses kann aus speicherprogrammierbaren Steuerungen und/oder Prozeßrechnern und/oder
intelligenten Kompaktreglern u.ä. bestehen.
[0004] Die zu Beginn einer jeder Kochung vorliegenden Startbedingungen unterliegen in der
Praxis erheblichen Schwankungen. Wesentliche Störfaktoren gehen dabei zunächst von
den beiden Haupteintragsstoffen aus, d.h. von der in den Kocher eingefüllten Hackschnitzelmasse
und der Kochflüssigkeit. So treten pro Charge zum einen insbesondere Schwankungen
in der Qualität des zu Hackschnitzeln verarbeiteten Holzes, Schwankungen in der Größenverteilung
und Feuchte der Hackschnitzel und schließlich Schwankungen in der Fülldichte der eingefüllten
Hackschnitzelmasse auf. Aufgrund der Variation dieser Parameter unterliegt schließlich
die sogenannte trockene Masse (Tonnen Holz "atro") des in den Kocher bei größtmöglichem
Befüllungsgrad aktuell einbringbaren Holzes und die mit dem Holz eingebrachte Holzwassermasse
ebenfalls Schwankungen.
[0005] Zum anderen werden die Startbedingungen des Prozesses auch durch von der Kochflüssigkeit
bedingten Schwankungen beeinflußt. So variiert herstellungsseitig die Qualität der
eingesetzten Kochflüssigkeit. Dabei unterliegen insbesondere die Konzentrationen der
einzelnen Komponenten in der Kochflüssigkeit Schwankungen. Wird die Kochung z. B.
nach dem sogenannten Bisulfit-Verfahren durchgeführt, so sind eine saure und eine
basische Komponente, insbesondere Schwefeldioxid und Magnesiumoxid, die für die Kochung
wesentlichen Bestandteile. Bei anderen Aufschlußverfahren können Natriumsulfid und
Natronlauge ("Sulfatkochung"), bzw. Natriumsulfit, Natronlauge, Methanol und Antrachinon
(sogenanntes "Organasolv" bzw. "Assam"-Verfahren) als wesentliche Komponenten der
Kochflüssigkeit auftreten. Schließlich wird auch die Menge der pro Charge in den Kocher
einfüllbaren Kochflüssigkeit von den obengenannten, die Hackschnitzelmasse betreffenden
Parametern beeinflußt. Es beeinflussen insbesondere die Dichte, Feuchte und Qualität
der eingefüllten Hackschnitzel die Menge der in den Kocher maximal einbringbaren Kochflüssigkeit.
Die zu Beginn der Kochung einer Charge jeweils vorliegenden Startbedingungen unterliegen
somit einer Vielzahl von unterschliedlichen Einflußgrößen.
[0006] Im Hinblick auf eine ausreichende Produktivität der gesammten Anlage zur Zellstoffherstellung
wird für die Bearbeitung einer jeden Charge im Kocher üblicherweise nur ein vorgegebener
Zeitrahmen, die "Umtriebszeit", zugelassen. Aufgrund der stark schwankende Startbedingung
besteht das Problem, daß die Kochung einer Charge innerhalb dieses Zeitraumes nicht
mit dem gewünschten Ergebnis beendet werden kann. Die angestrebte Zellstoffqualität
steht somit bei Erreichen des vorgegebenen Kochzeitendpunktes unter Umständen noch
nicht zur Verfügung. In einem solchen Fall könnte entweder die Kochzeit unter Verletzung
der zulässigen Umtriebszeit überzogen werden, oder es könnte bei einer wesentlichen
Überschreitung des zulässigen Zeitrahmes die Kochung unter Akzeptierung der jeweils
erreichten, verminderten Zellstoffqualität abgebrochen werden.
[0007] Ein weiteres Problem bei diskontinuierlich arbeitenden Kochern besteht darin, daß
diese nach Befüllung mit Hackschnitzeln und Kochflüssigkeit geschlossen werden. Der
Fortschritt während der Kochung, d.h der zunehmende Aufschluß des eingetragenen Holzes
bis zu einem Zellstoff mit einer mit einem Zielwert übereinstimmenden Zellstoffqualitätsmaßzahl,
kann nicht direkt überwacht werden. Auch hierbei besteht die Gefahr, daß die zulässige
Umtriebszeit aufgrund des Fehlens genauer Kenntnisse über den aktuellen Zustand des
Kocherinhaltes überschritten wird. Andererseits kann auch versehentlich "zu schnell"
gekocht werden. Bei einer derartigen, zu intensiven Kochung kann der Effekt auftreten,
daß trotz eines erhöhten Energieeinsatzes nur eine verringerte Ausbeute an Zellstoff
und zusätzlich auch eine verschlechterte Zellstoffqualität erreicht wird.
[0008] Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, Steuermittel bereitzustellen, welche
bei diskontinuierlichen Zellstoffkochern die Prozeßbedingungen pro Charge insbesondere
zu Beginn, im Verlaufe und gegen Ende einer Kochung im Sinne einer Homogenisierung
so beeinflussen, daß unter Einhaltung des für die Kochung einer Charge im Hinblick
auf eine ausreichende Produktivität zur Verfügung stehenden Zeitrahmens ("Umtriebszeit")
möglichst die jeweils gewünschte Zellstoffqualität bei geringstmöglichem Chemikalien-
und Energieeinsatz hergestellt werden kann.
[0009] Die Aufgabe wird gelöst mit dem in den Ansprüchen 1, 12, 13 und 14 enthaltenen Prozeßleitsystem.
Weitere vorteilhafte Ausführungsformen sind in den Unteransprüchen enthalten.
[0010] Die Erfindung wird desweiteren anhand einer beispielhaften, in den nachfolgend kurz
angeführten Figuren dargestellten bevorzugten Ausführungsform näher erläutet. Dabei
zeigt:
- FIG 1
- auszugsweise das technologische Prozeßschema einer zur Herstellung von Zellstoff dienenden
Anlage,
- FIG 2
- beipielhaft drei unterschiedliche Prozeßtemperaturverläufe, welche im Verlauf der
Kochung einer Charge im Inneren eines Kochers auftreten können, und
- FIG 3
- den mittleren Prozeßtemperaturverlauf von FIG 2, wobei punktiert zwei zusätzliche
Verläufe des pH-Wertes der Kochflüssigkeit eingetragen sind.
[0011] An Hand des "mittleren" Prozeßablaufes P
m der Figur 2 werden vorab zur besseren Übersicht die wesentlichen, im Verlaufe einer
Zellstoffkochung auftretenden Prozeßschritte kurz genannt. So beginnt der Prozeß im
Zeitpunkt t₀ mit dem Einfüllen der Hackschnitzelmasse in den Kocher. Dieser Vorgang
ist im Zeitpunkt t₁ abgeschlossen. Es schließt sich das Befüllen des Kochers mit bevorzugt
erwärmter Kochflüssigkeit an. Dieser Vorgang, welcher auch als "besäuern" der Hackschnitzelmasse
bezeichnet wird, sei im Zeitpunkt t₂ abgeschlossen. Nun schließt sich eine bis zum
Zeitpunkt t₃ reichende Aufheizphase an. Dabei wird das Kocherinnere auf ein erstes
Temperaturniveau, die sogenannte "Imprägniertemperatur" aufgeheizt. Nun folgt eine
zwischen den Zeitpunkten t₃ und t₄ liegende, erste Kocherstillstandsphase, die sogenannte
"Imprägnierphase" der Hackschnitzelmasse. Sie ermöglicht ein Vollsaugen der Hackschnitzel
mit Kochflüssigkeit. Auf den Imprägniervorgang folgt zwischen den Zeitpunkten t₄ und
t₅ eine zweiter Aufheizphase. Dabei erreicht das Kocherinnere ein zweites Temperaturniveau
bei "Fertigkochtemperatur". Im Beispiel der Figur 2 erreicht der mit durchgezogener
Linie dargestellte "mittlere" Prozeßablauf P
m eine annähernd in der Mitte der Arbeitsbereichsgrenzen T
MAX, T
MIN liegende Fertigkochtemperatur T
m. Nun schließt sich eine zweite Kocherstillstandsphase zwischen den Zeitpunkten t₅
und t₆ an.
[0012] Innerhalb dieser sogenannten "Fertigkochphase" t
Koch,m erfolgt die eigentliche und entgültige Umwandlung der Hackschnitzelmasse in Zellstoff.
Im Zeitpunkt t₆ ist der Kochzeitendpunkt t
KE,m erreicht. Dieser Moment wird in der Regel von übergeordneten und die Produktivität
der Gesamtanlage überwachenden Prozeßleitsystemen vorgegeben. Erfindungsgemäß soll
möglichst bei Erreichen dieses Kochzeitendpunktes gleichzeitig auch die gewünschte
Zellstoffqualität zur Verfügung stehen. Nun schließen sich die zum Abbruch der Kochung
einer Charge notwendigen Prozeßschritte an. Hierzu erfolgt z.B. beim Sulfit-Verfahren
zunächst zwischen den Zeitpunkten t₆ und t₇ ein Abbau des Druckes im Kocher. Hierunter
fallen die Teilschritte des sogenannten Hochdruckabgasens, des Niederdruckabgasens
und des sogenannten Ablaugens, d.h. des Ablassens der Kochflüssigkeit. Der gesamte
Prozeß wird abgeschlossen durch die entgültige Entleerung des Kochers zwischen den
Zeitpunkten t₇ und t₈, d.h. dem Abziehen des gewonnenen Zellstoffes.
[0013] Bei einer ersten Lösung der der Erfindung zugrundeliegenden Aufgabe werden mit Hilfe
von ersten, in einem Prozeßleitsystem vorhandenen Mitteln die spezifischen und/oder
die allgemeinen Chemikalieneintragsmengen in den Kocher pro Charge homogenisiert.
Hierzu führen die ersten Mittel nach dem Befüllen des Kochers mit Hackschnitzelmasse
und Kochflüssigkeit zumindest einmal mindestens einen Bestandteil der Kochflüssigkeit
nach. Dieser Nachführvorgang kann abhängig von der jeweils damit beabsichtigten Auswirkung
zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Verlauf der Kochung einer Charge erfolgen. Besonders
geeignete Zeitpunkte liegen insbesondere unmittelbar zu Beginn der Kochung, bzw. während
einer der Aufheizphasen, u.U. aber auch mitten im Verlauf bzw. gegen Ende der Kochung.
[0014] Bei einer Ausführung führen die ersten Mittel des Prozeßleitsystems den Istwert des
Quotienten aus der Masse mindestens eines Bestandteiles der Kochflüssigkeit bezogen
auf die im Kocher befindliche Masse des trockenen Holzes so nach, daß der Quotient
die Größe eines vorgebbaren Sollwertes annimmt. Dabei kann zum einen die spezifische
Eintragsmenge einer oder auch mehrerer wesentlichen Komponenten der Kochflüssigkeit
zur Homogenisierung der Startbedingungen der Kochung im Hinblick auf das Erreichen
der jeweils gewünschten Zellstoffqualität möglichst gleichzeitig mit Erreichen eines
vorgegebenen, zulässigen Kochzeitendpunktes angepaßt werden. Hierzu können zum einen
die Konzentrationen der wesentlichen Komponenten der Kochflüssigkeit relativ zueinander
und in Bezug auf die im Kocher befindliche trockene Holzmasse angepaßt werden. Gemäß
einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung kann dies dadurch geschehen, daß die
ersten Mittel zur Nachführung des Istwertes des Quotienten zu Beginn der Kochung der
Hackschnitzelmasse eine Nachdosierung mindestens eines Bestandteiles der Kochflüssigkeit
veranlassen.
[0015] Zum anderen kann hierbei aber auch die allgemeine Chemikalieneintragsmenge im Kocher
beeinflußt werden, d.h. die Gesamtflüssigkeitsmenge der Kochflüssigkeit mit allen
Bestandteilen. Hierbei bestehen für die ersten Mittel des erfindungsgemäßen Prozeßleitsystems
zwei unterschiedliche Eingriffsmöglichkeiten. In einem ersten Fall wird durch Beeinflussung
der Gesamtflüssigkeitsmenge versucht, den spezifischen Einfluß einer der wesentlichen
Komponenten der Kochflüssigkeit auf den Aufschlußprozeß zu begünstigen. In einem zweiten
Fall kann die Beeinflussung der Gesamtflüssigkeitsmenge auch mit dem Ziel durchgeführt
werden, das sogenannte "Flottenverhältnis", d.h. den Quotienten aus der Summe von
Kochflüssigkeit und Holzwasser bezogen auf die Menge des trockenen Holzes im Kocher
zu beeinflussen. Die erfindungsgemäßen Eingriffe der ersten Mittel des Prozeßleitsystems
werden nachfolgend am Beispiel einer nach dem sogenannten Bisulfit-Verfahren ablaufenden
Kochung näher beschrieben. Sie sind aber uneingeschränkt auch bei andersartigen Holzaufschlußverfahren
entsprechend anwendbar.
[0016] Bei der Zellstoffkochung nach dem Bisulfit-Verfahren enthält die Kochflüssigkeit
im wesentlichen eine saure und eine basische Komponente. Als saure Komponente dient
schwefelige Säure H₂SO₃ in dissoziierter Form, also als H⁺ und SO₃⁻⁻-Ionen und gelöstes
SO₂. Die basische Komponente liegt in Form eines Kations vor, z.B. als Ca⁺⁺, Mg⁺⁺,
Na⁺ oder NH₄⁺ -Kation, welches zum Puffern der während der Kochung entstehenden starken
Säuren dient. Die Konzentrationen der sauren und der basischen Komponenten in der
Schwankungen. Erfindungsgemäß wird nun zur Einstellung definierter Startbedingungen
zu Beginn der Kochung der Quotient aus der Masse mindenstens eines Bestandteiles der
Kochflüssigkeit bezogen auf die trockene Holzmasse im Kocher auf einen Sollwert nachgeführt.
[0017] Gemäß einer ersten, Ausführungsform der Erfindung geschieht die Nachführung des Quotienten
derart, daß die ersten Mittel des Prozeßleitsystems eine Nachdosierung mindestens
einer der wesentlichen Komponenten der Kochflüssigkeit veranlassen. Beispielsweise
beim Bisulfit-Verfahren werden somit die saure und/oder basische Komponente der Kochflüssigkeit
nachdosiert. Hierzu werden verflüssigtes Schwelfedioxid und/oder eine Magnesiumoxid
-Suspension der Kochflüssigkeit zugegeben. Mit Hilfe der dosierten Flüssig-SO₂ -Zugabe
kann der schwankende Istwert der spezifischen SO₂-Eintragsmenge im Kocher auf einen
vorgegebenen Sollwert eingestellt werden, z. B. auf 200 kg SO₂ pro Tonne (t) Holz
atro. Die zuzugebene Menge V
SO2,Fl an Flüssig-SO₂ kann von den ersten Mittel des Prozeßleitsystems beispielsweise wie
folgt bestimmt werden:
mit
- VSO2,Fl =
- Volumen des nachzudosierenden Flüssig-SO₂ in m³
- aSO2,spez =
- Sollwert des spezifischen SO₂-Einsatzes im Kocher in t-SO₂ pro t trockener Holzmasse
- mH,atro =
- Istwert der trockenen Holzmasse im Kocher in t
- dSO2,dKS =
- Istwerte der Dichten des im Kocher befindlichen SO₂ und der Kochflüssigkeit in t/m³
- mKS =
- Istwert der Masse der eingefüllten Masse an Kochflüssigkeit in t
- CSO2 =
- Istwert der SO₂-Konzentration der eingefüllten Kochflüssigkeit in %
[0018] Vorteilhaft erfolgt die Nachdosierung von verflüssigtem SO₂ nach dem Befüllen des
Kochers und vor Beginn des Hochheizens, d.h. nach dem Start einer Hauptumwälzpumpe
für einen Umwälzstrom der Kochflüssigkeit. In den beispielhaften Prozeßtemperaturverläufen
der Figur 2 wird die Nachdosierung vorteilhaft am Ende der sogenannten Besäuerung
der Hackschnitzelmasse im Zeitpunkt t₂ durchgeführt. Grundsätzlich ist es aber auch
möglich, den Prozeßschritt der Nachdosierung in einem anderen Zeitpunkt auszuführen.
So kann eine Nachdosierung mindestens einer der Komponenten auch bei Erreichen des
ersten Temperaturniveaus der Imprägniertemperatur im Zeitpunkt t₃ oder unmittelbar
nach Beendigung des sogenannten Peetz-Vorganges der Hackschnitzelmasse vor Erreichen
des Zeitpunktes t₅ erfolgen.
[0019] Bei dem in Fig. 1 beispielhaft dargestellten Ausschnitt aus einem technologischen
Prozeßschema für eine Anlage zur Zellstoffherstellung erfolgt die Nachdosierung von
verflüssigten SO₂ mit Hilfe eines Durchflußmengenregelkreisses FICQ 003 in einer ersten,
separaten Dosierleitung DLl durch direkte Einleitung in den Boden KB des Kochers K
über eine untere Eintrittsöffnung UEA. Es aber auch möglich, die zur Nachdosierung
vorgesehenen Flüssigkeiten an andere Stelle in den Kocher einzuleiten. So kann eine
Nachdosierung z. B. auch indirekt durch eine Einleitung der sauren und/oder basischen
Komponente in eine in Fig. 1 für einen Hauptumwälzstrom der Kochflüssigkeit vorgesehene
Umwälzsammelleitung USL erfolgen.
[0020] Erfindungsgemäß kann zusätzlich zur oder an Stelle der sauren Komponente auch die
basische Komponente mit Hilfe der ersten Mittel des Prozeßleitsystems nachdosiert
werden. Es hat sich gezeigt, daß auch die richtige spezifische Konzentration des basischen
Anteils der Kochflüssigkeit, d.h.der Quotient aus der Masse der im Kocher befindlichen
basischen Komponente bezogen auf die absolut trockene Holzmasse, zu Beginn der Kochung
ausschlaggebend ist, um die gewünschte Zellstoffqualität innerhalb des für die Kochung
der Charge bereitstehenden Zeitraumes zu erhalten. Beim Bisulfit-Verfahren kann durch
die dosierte Zugabe einer Magnesiumoxid-Suspension der schwankende Istwert der spezifischen
MgO-Eintragsmenge im Kocher auf einen Sollwert nachgeführt werden, z. B. auf 30 kg
MgO pro Tonne (t) Holz atro. Die zuzugebende Menge V
MgO kann von den ersten Mitteln des Prozeßleitsystems beispielweise wie folgt bestimmt
werden:
mit
- VMgO =
- Volumen der nachzudosierenden, wässrigen MgO-Suspension in m³
- aMgO,spez =
- Sollwert des spezifischen MgO-Einsatzes im Kocher in t-MgO pro t trockenes Holz
- mH,atro =
- Istwert der trockenen Holzmasse im Kocher in t
- mKS =
- Istwert der Masse an Kochflüssigkeit im Kocher in t
- CMgO =
- Istwert der MgO-Konzentration in der Kochflüssigkeit in %
- dKS =
- Istwert der Dichte der im Kocher befindlichen Kochflüssigkeit in t/m³
- XMgO =
- Istwert der Konzentration des MgO in der nachzudosierenden Suspension in t-MgO pro
m³
[0021] Grundsätzlich kann die basische Komponente zu den gleichen Zeitpunkten und an den
gleichen Stellen in den Prozeß nachdosiert werden wie die saure Komponente. So kann
die basische Komponente bevorzugt unmittelbar nach dem Befüllung des Kochers und vor
dem Beginn der ersten Hochheizphase direkt in den Kocher eingeleitet werden. Bei den
beispielhaften Prozeßtemperaturverläufen der Fig. 2 entspricht dies dem Zeitpunkt
t₂ nach Abschluß der Besäuerung der Hackschnitzelmasse. Bei dem beispielhaften, technologischen
Prozeßschema der Fig. 1 erfolgt die Nachdosierung der basischen Komponente vorteilhaft
mit Hilfe eines zweiten Durchflußmengenregelkreises FICQ 004 in einer zweiten, separaten
Dosierleitung DL2 durch Einleitung in den Kocherboden KB über eine untere Eintrittsöffnung
UEA.
[0022] Wie bereits erwähnt, kann mit Hilfe der ersten Mittel des erfindungsgemäßen Prozeßleitsystems
die auf die im Kocher befindliche trockene Holzmasse bezogene spezifische Eintragsmenge
einer Komponente der Kochflüssigkeit auch dadurch beeinflußt werden, daß zur Nachführung
des Istwertes des Quotienten dosiert Kochflüssigkeit aus dem Kocher abgelassen wird.
Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn sich eine zu große Menge der basischen Komponente
im Kocher befindet. So kann beispielsweise beim Bisulfit-Verfahren die spezifische
Eintragsmenge an Magnesiumoxid durch dosiertes Ablassen von Kochflüssigkeit auf einen
Sollwert nachgeführt werden. Durch diese Verringerung der Kochflüssigkeitsmenge im
Kocher kann der Grad der Einwirkung der sauren Komponente in der Kochflüssigkeit auf
die Hackschnitzelmasse im Verlauf der Kochung begünstigt werden. Der Sollwert der
abzulassenden Kochflüssigkeitsmenge V
Abz kann von den ersten Mitteln des Prozeßleitsystems beispielsweise mit Hilfe der nachfolgenden
Gleichung bestimmt werden. Dabei liegen den einzelnen Größen die gleichen Definitionen
wie bei obiger Gleichung 2 zugrunde:
[0023] Im Beispiel des technologischen Prozeßschemas der Figur 1 kann das dosierte Ablassen
der Kochflüssigkeit z. B. über eine separate Ablaßleitung AL und ein darin befindliches
Stellventil HIS lll indirekt aus einer Umwälzsammelleitung USL für einen Hauptumwälzstrom
der Kochflüssigkeit erfolgen. Der Istwert der abgelassenen Kochflüssigkeitsmenge kann
dabei direkt über eine Durchflußmessung oder indirekt über eine Wägung des Kochers
z. B. mit
[0024] der Meßstelle WI 101 erfolgen. Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung
kann mit Hilfe der ersten Mittel des Prozeßleitsystems auch der Istwert des Qotienten
aus der Gesamtflüssigkeitsmenge bezogen auf die trockene Holzmasse im Kocher, d.h.
das sogenannte "Flottenverhältnis", auf einen vorgebbaren Sollwert nachgeführt werden.
Praktisch erfolgt dieser Vorgang in der Regel nach Abschluß der Imprägnierung der
Hackschnitzelmasse im Rahmen des sogenannten "Peetzens", d.h. dem sogenannten "Übertreiben"
oder Ablassen überschüssiger Kochflüssigkeit. Beim beispielhaften, mittleren Prozeßablauf
P
m in der Fig. 1 entspricht dies etwa dem Zeitpunkt t₄ am Ende der ersten Kocherstillstandsphase.
Erfahrungsgemäß nimmt die Hackschnitzelmasse nach Beendigung des Imprägniervorganges
ein geringeres Volumen ein als unmittelbar nach der Befüllung des Kochers. Dies hat
seine Ursache darin, daß die Hackschnitzel durch das Aufsaugen von Kochflüssigkeit
an Gewicht zunehmen und sich im Kocher verdichten. Über der Hackschnitzelmasse befindet
sich somit eine überschüssige Kochflüssigkeitsmenge, die am Aufschluß der komprimierten
Masse während des eigentlichen Kochvorganges nicht benötigt wird. Sie würde lediglich
unnütz aufgeheizt werden. Mit Hilfe dieses sogenannten "Übertreibens", kann somit
dosiert überschüssige Kochflüssigkeit abgelassen und die auf die trockene Holzmasse
im Kocher bezogene Gesamtflüssigkeitsmenge ("Flottenverhälnis") auf einen Sollwert
nachgeführt werden, z. B. auf 2,8 m³ Kochflüssigkeit pro t Holz atro. So trägt auch
dieser Prozeßschritt zur Homogenisierung der Prozeß bedingungen insbesondere bei Beginn
der eigentlichen Kochung bei, so daß möglichst gleichzeitig mit Erreichen des Kochzeitendpunktes
auch die gewünschte Zellstoffqualität zur Verfügung steht. Die ersten Mittel des Prozeßleitsystems
können die jeweils abzulassende Menge an Kochflüssigkeit beispielsweise wie folgt
bestimmen:
mit

und
- mAbl =
- abzulassende ("überzutreibende") Kochflüssigkeitsmenge in t
- mKS =
- Istwert der Masse an Kochflüssigkeit im Kocher in t
- mFV =
- dem Sollwert des "Flottenverhältnisses" entsprechende Kochflüssigkeitsmenge in t
- mH,atro =
- Istwert der trockenen Holzmasse im Kocher in t
- FV =
- Sollwert des "Flottenverhältnisses" in t Gesamtflüssigkeit (Kochflüssigkeit + Holzwasser)
pro Tonne trockenen Holzmasse
- φH =
- Istwert des "Trockengehaltes" der Hackschnitzelmasse ( kg trockenes Holz bezogen auf
kg feuchtes Holz)
[0025] Bei dem beispielhaften, technologischen Prozeßschema der FIG 1 kann die Steuerung
des dosierten Ablassens von Kochflüssigkeit ebenfalls über die Ablaßleitung AL und
das Stellventil HIS lll erfolgen. Der Istwert der abgelassenen Kochflüssigkeit kann
wiederum entweder direkt über eine Durchflußmessung oder indirekt über eine Wägung
des Kochers mittels der Meßstelle WI WI 101 erfolgen.
[0026] Die mit dem Ablassen der Kochflüssigkeit beim sogenannten "Übertreiben" z.B. im Zeitpunkt
t₄ in FIG 2 erfolgte Verringerung der spezifischen Einsätze der Bestandteile der Kochflüssigkeit
kann gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung durch ein erneutes, zweites
Nachdosieren mindestens eines Bestandteiles der Kochflüssigkeit nachgeführt werden.
[0027] Die ersten Mittel des Prozeßleitsystems können die jeweils zuzugebende Menge z.B.
an flüssigem SO₂ in diesem Fall der zweiten Nachdosierung bevorzugt wie folgt bestimmen:
mit
- VSO2, Übertreib =
- Volumen des nach dem sog. "Übertreibens" nachzudosierenden flüssig-SO₂ in m³
- mAbl =
- abgelassene Kochflüssigkeitsmenge in t
- X =
- Verhältnis der Konzentration an SO₂ zum Zeitpunkt des Übertreibens bezogen auf die
Konzentration CSO2 beim Besäuern
[0028] Schließlich können gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung die ersten
Mittel des erfindungsgemäßen Prozeßleitsystems den Istwert des Qotienten aus der Masse
mindestens eines Bestandteiles der Kochflüssigkeit bezogen auf die trockene Holzmasse
im Kocher auch durch Ausgasen von flüchtigen Bestandteilen der Kochflüssigkeit nachführen.
Dieses ist besonders von Vorteil, wenn ein oder mehrere leichtflüchtige Bestandteile
derselben mit zu großen Konzentrationen in den Kocher gelangt sind.
[0029] Diese Ausführung der Erfindung wird nachfolgend ebenfalls am Beispiel einer nach
dem Bisulfit-Verfahren ablaufenden Kochung näher erläutet. Dabei kann speziell der
saure Charakter der Kochflüssikeit durch Ausgasen reduziert werden, falls die saure
Komponente der Kochflüssigkeit in zu hoher Konzentration eingefüllt wurde. Der spezifische
Einsatz von SO₂ pro Tonne Holz atro kann somit durch gezieltes Ausgasen von Schwefeldioxid
SO₂ nachgeführt werden. Das Ausgasen kann praktisch bevorzugt mit Hilfe eines als
Druckentspannungvorrichtung arbeitenden Entgasers ausgeführt werden. Ein derartiger
Entgaser kann im technologischen Prozeßschema der Fig. 1 z.B. in die Hauptumwälzsammelleitung
USL für den Hauptumwälzstrom der Kochflüssigkeit, bzw. in eine separate, obere Zuführ-
und Abgangsleitung UL im Anschluß an die Einfüllöffnung EO am oberen Kocherende eingebaut
sein. In FIG 1 ist speziell das über einen internen Druckregelkreis verfügende Stellventil
PRCS 105 hierfür vorgesehen. Dabei wird diesem Druckregelkreis von den ersten Mitteln
des Prozeßleitsystems eine rampenartige Steuerfunktion P₁-P₂ zur einstellbaren, allmählichen
Absenkung des Druckistwertes der Kochflüssigkeit vorgegeben. Das Gefälle dieser Steuerfunktion
hängt dabei von der spezifischen Menge und u.U. auch der Art der auszugasenden Komponente
der Kochflüssigkeit ab. Beispielsweise bei einem Ausgasen von SO₂ kann die rampenartige
Steuerfunktion folgende Form haben:
mit
- P₁ =
- Istwert des Kocherinnendruckes
- P₂ =
- Istwert des Druckes in der Abgasleitung am Ausgang des Entgasers
- VSO2 =
- Volumen an auszugasendem SO₂ in m³
- k₁(VSOs), k₂ (VSO2) =
- Prozeßkonstanten, welche vom jeweils auszugasenden Volumen abhängige Funktionen darstellen
und Werte von größer/gleich Null annehmen können.
- t =
- Zeitistwert (Nullpunkt: Aktivierung des Entgasers)
[0030] Die Steuerung des Istwertes des Quotientens mit Hilfe des Ausgasens mindestens einer
Kochflüssigkeitskomponente hat den besonderen Vorteil, daß dies auf besonders einfache
Weise zu jedem Zeitpunkt während des Ablaufes der Kochung und vor Erreichen des Kochzeitendpunktes
mindestens einmal durchgeführt werden kann.
[0031] Bei einer weiteren Ausführungsform können die ersten Mittel die weitere Aufgabe haben,
durch eine Nachdosierung der basischen Komponente der Kochflüssigkeit den Abbau der
Kohlehydrate im Zellstoff zu verlangsamen. Die Nachdosierung erfolgt vorteilhaft annähernd
in der Mitte bis gegen Ende der Kochung, d.h. annähernd in der zweiten Hälfte des
Zeitraumes zwischen Erreichen der Fertigkochtemperatur und dem Abbruch der Kochung.
[0032] Die Maßnahme hat den Vorteil, daß ein unerwünscht starker Abbau der Kohlehydrate
in der zweiten Hälfte der Kochung vermieden wird (Kohlehydratpufferung). Hierdurch
ist es möglich, die Reißfestigkeit, d.h. die Viskosität, des am Ende der Kochung gewonnenen
Zellstoffes auf einen gewünschten Wert einzustellen. Zudem wird durch die Schonung
der Kohlehydrate die Ausbeute an Zellstoff, welcher die gewünschte Produktqualität
aufweist, erhöht.
[0033] So wird die Kochung z.B. von Sulfit-Zellstoff bei niedrigen pH-Werten der Kochflüssigkeit,
d.h. im stark sauren Bereich, durchgeführt. Hierdurch wird der Kochvorgang beschleunigt,
d.h der gewünschte Ligninabbau in der Holzschnitzelmasse zur Freilegung der Faserzellen
läuft rasch ab. Nach dem Abbau der die Fasern umgehenden Ligninsubstanz werden aber
auch die Kohlehydrate in den Mittellamellen eines jeden Faserverbandes verstärkt abgebaut.
Mittels der erfindungsgemäßen Nachdosierung der basischen Komponente wird dieser Kohlehydratabbau
gebremst und derart gesteuert, daß der Fertigzellstoff eine vorgegebene Reißfestigkeit
erreicht.
[0034] Aufgrund der erfindungsgemäßen Nachdosierung wird der pH-Wert der Kochflüssigkeit
vom stark sauren in Richtung auf den neutralen Bereich bevorzugt zumindest um eine
Einheit erhöht. Bei der z.B. nach dem Sulfit-Verfahren ablaufenden Zellstoffkochung
wird eine MgO-Lösung als basische Komponente nachdosiert. Vorteilhaft wird derart
nachdosiert, daß sich ein etwa im Bereich zwischen 2,5 und 4 liegenden pH-Wert in
der Kochflüssigkeit einstellt.
[0035] Im Beispiel der FIG 1 erfolgt die Nachdosierung vorteilhaft über die Leitung DL2
durch Betätigung des Ventiles FICQ 004. Vorteilhaft ist ein pH-Wert-Meßgerät in der
Umwälzleitung, in der Bypassleitung oder direkt im Kocher vorgesehen. Im Beispiel
der FIG 1 ist das Meßgerät pHIC in der Leitung USL angebracht. Mit Hilfe eines pH-Wert-Meßgerätes
können die ersten Mittel die Nachdosierung vorteilhaft dann veranlassen, wenn der
pH-Wert nach Erreichen der Fertigkochtemperatur einen unteren Grenzwert erreicht hat.
[0036] Gemäß einer weiteren Ausführungsform können die ersten Mittel auch dann die Nachdosierung
veranlassen, wenn die Zellstoffqualität im Verlaufe der Kochung einen bestimmten Grenzwert
erreicht. So können z.B. weiter unten noch näher erläuterte vierte bzw. fünfte Mittel
vorhanden sein, welche den aktuellen Wert einer Zellstoffqualitätsmaßzahl nachbilden
bzw. den aktuellen Zustand der Kochflüssigkeit und/oder den Istwert einer Zellstoffqualitätsmaßzahl
meßtechnisch erfassen. Erreicht die derart bereitgestellte Größe einen vorgegebenen
Grenzwert, so ist der Ligninabbau und damit der gesamte Kochvorgang schon derart vorangeschnitten,
daß die Nachdosierung der basischen Komponente als Schutzmaßnahme für die Zellstoff-Kohlehydrate
ausgelöst werden kann. Beispielhaft kann als Zellstoffqualitätsmaßzahl die sogenannte
Kappazahl verwendet werden, deren Wert mit zunehmendem Ligninabbau abnimmt. Soll die
Kappazahl des fertiggekochten Zellstoffes z.B. ein Endwert von 15 aufweisen, so können
die ersten Mittel die Nachdosierung der basischen Komponente dann veranlassen, wenn
die Kappazahl den Wert 25 als unteren Grenzwert unterschreitet.
[0037] Zur weiteren Verdeutlichung ist in FIG 3 neben dem "mittleren" Prozeßablauf P
m in punktierter Linie auch ein Verlauf des pH-Wertes dargestellt. So weist dieser
pH-Wert unmittelbar nach dem Anfüllen des Kochers im Zeitpunkt t₁ einen im stark sauren
Bereich um 1 liegenden pH-Wert auf. Im Verlauf des Hochheizens steigt der pH-Wert
zwischen den Zeitpunkten t₁ und t₄ auf Grund der Verdünnung durch das freigesetzte
Holzwasser an, bis er zwischen den Zeitpunkten t₄ und t₅ ein relatives Maximum erreicht.
Mit fortschreitender Kochung, d.h. etwa ab dem Zeitpunkt t₅ fällt der pH-Wert wieder,
da durch den fortschreitenden Ligninabbau zunehmend Säuren freigesetzt werden. Erfindungsgemäß
wird nun im Zeitpunkt t₁₀ eine Nachdosierung der basischen Komponente der Kochflüssigkeit
ausgelöst. Dabei kann entweder die vorgesehene Gesamtmenge direkt zugegeben werden,
so daß der pH-Wert von ca. 1,5 in t₁₀ auf ca. 3,5 in t₁₁ steigt. In einem anderen
Fall kann die basische Komponente auch allmähnlich zugeführt werden, so daß der pH-Wert
von ca. 1,5 in t₁₀ auf ca. 3,3 in t₁₂ steigt. Vorteilhaft wird soviel nachdosiert,
daß anschließend ein im Steuerraum S zwischen ca. 2,5 und 4 liegende pH-Wert auftritt.
Vorteilhaft wird die Nachdosierung zwischen den Zeitpunkt t₈ und t₁₃ veranlaßt. Dieser
Zeitbereich liegt etwa in der zweiten Hälfte der Gesamtkochdauer t
ges, welche vom Ende der Aufheizung in t₅ bis zum Abbruch der Kochung in t₇ reicht.
[0038] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung können im Prozeßleitsystem zweite
Mittel vorgesehen sein, die den Kocher nach dem Befüllen mit der Hackschnitzelmasse
und der Kochflüssigkeit, d.h. bevorzugt im Zeitpunkt t₂ in Figur 2, mit mindenstens
einem Druckimpuls eines gasförmigen Mediums beaufschlagen. Als gasförmiges Medium
eignen sich besonders Kocherabgase. Diese Maßnahme trägt ebenfalls zur Homogenisierung
der Startparameter des Kochungsprozesses bei und fördert somit das Ziel, die Kochung
möglichst innerhalb des zur Verfügung stehenden Zeitintervalles und bei gleichzeitigem
Erreichen der angestrebten Zellstoffqualität beenden zu können. Das Beaufschlagen
mit mindestens einem Druckimpuls begünstigt vor allem die Vergleichmäßigung der Prozeßbedingungen
zur Beginn und während der sogenannten Imprägnierungsphase der Hackschnitzelmasse.
Hierdurch können insbesondere chargenbedingte Schwankungen in der Größenverteilung
und Fülldichte der Hackschnitzel, aber auch Schwankungen in deren Qualität, insbesondere
deren Fähigkeit zur Aufnahme von Kochflüssigkeit ausgeglichen werden. Bei dem beispielhaften,
technologischen Prozeßschema der FIG 1 kann der Druckimpuls über die obere Zuführ-
und Abgangsleitung OL, das Stellventil HIS 109 und den Druckregelkreis PRCS 105 erzeugt
werden. Hiermit wird eine Verbindung zwischen einer Hochdruckzuführung für rückgeführte
Kocherabgase und dem höchstgelegenen Eintrittspunkt bei der Einfüllöffnung EO am oberen
Kocherende hergestellt.
[0039] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung können im Prozeßleitsystem dritte
Mittel vorgesehen sein, die an mindestens zwei unterschliedlichen Stellen die Kocherinnentemperatur
messen und den Umwälzstrom an Kochflüssigkeit so beeinflussen, daß möglichst keine
größeren Temperaturdifferenzen in einer Durchströmungsrichtung des Kochers auftreten.
Auch diese Maßnahme trägt zur weiteren Homogenisierung des Prozeßablaufes bei. So
kann bereits von Beginn der ersten Heizphase an, d.h. unmittelbar nach Füllen mit
Hackschnitzeln und Kochflüssigkeit, z. B. im Zeitpunkt t₂ in Figur 1, und für den
gesamten weiteren Kochprozeß der Temperaturgradient in mindestens einer Strömungsrichtung
der Kochflüssigkeit im Inneren der Hackschnitzelmasse minimiert werden. Hierduch kann
zum einen vermieden werden, daß u.U. chargenbedingt lokal unterschiedliche Aufschlußgrade
der Hackschnitzelmasse im Kocherinneren auftreten. Derartige Gefälle im aktuellen
Kochungsgrad innerhalb der Hackschnitzelmasse können das angestrebte Einhalten der
zur Verfügung stehenden Umtriebszeit und die an deren Ende erreichte Zellstoffqualität
erheblich beeintrachtigen. So kann in thermisch begünstigten Bereichen im Kocher bereits
ein ausreichender Zellstoffaufschluß vorliegen, während in benachteiligten Bereichen
der Hackschnitzelmasse der Aufschlußgrad noch nicht ausreichend ist. Hierdurch können
sich mehrere Nachteile ergeben. Zum einen kann es auf Kosten der Gesamtproduktivität
der Anlage und unter Verletzung der für eine Charge eingeräumten Umtriebszeit notwendigt
sein, die Kochzeit zu verlängern, um eine Zellstoffmindestqualität möglichst in allen
Bereichen des Kochers zu erreichen. Desweiteren kann aber bei derartigen Abweichungen
vom üblichen Prozeßablauf der Fall auftreten, daß der Zellstoff in begünstigten Bereichen
"überkocht" wird und somit die Zellstoffqualität aufgrund der zu intensiven Einwirkung
der Kochflüssigkeit lokal wieder abnimmt. In Extremfällen ist der Zellstoff in begünstigten
Regionen des Kochers bereits zu intensiv gekocht, während er in benachteiligten Regionen
noch nicht den notwendigen Mindestaufschlußgrad aufweist. Die erfindungsgemäße Beeinflussung
der Strömungsgeschwindigkeit des Umwälzstromes der Kochflüssigkeit durch die dritten
Mittel des Prozeßleitsystems stellt somit eine weitere Maßnahme dar, um derartige
Abweichungen zu vermeiden und möglichst bei allen Chargen einen gleichmäßigen, vorhersehbaren
Prozeßablauf herbeizuführen. Insbesondere stellt diese Maßnahme eine weitere Hilfe
dar, um die zur Verfügung stehende Umtriebszeit so einzuhalten, daß möglichst mit
Erreichen des vorgesehenen Kochzeitendes auch die gewünschte Zellstoffqualität im
gesamten Kocher bereitsteht. Schießlich können auf diese Weise auch Verluste an Energie
und Zellstoffqualität auf Grund unnötig hohen Strömungsgeschwindigkeiten der Kochflüssigkeit
vermieden werden.
[0040] Ein möglicher Eingriff der dritten Mittel des Prozeßleitsystems auf die Strömungsgeschwindigkeit
eines oder mehrerer Umwälzströme der Kochflüssigkeit im Inneren eines Zellstoffkochers
wird desweiteren beispielhaft anhand des technologischen Prozeßschemas der Figur 1
näher erläutert. Bei dem dort dargestellten Kocher K wird die Kochflüssigkeit nicht
am Kocherboden KB, sondern über mehrere Abgangsstellen AS1, AS2, AS3 in der Mantelfläche
abgezogen. Der so entstehende Hauptumwälzstrom an Kochflüssigkeit wird in einer Umwälzsammelleitung
USL zusammengefaßt, und über eine Hauptumwälzpumpe HUP und einen mit Heizdampf HZ
versorgten Wärmetauscher WT geführt. Bei einer ersten, nicht dargestellten Ausführungsform
kann dieser Hauptumwalzstrom direkt über die obere Einfüllöffnung EO in den Kocher
rückgeführt werden. Bei dem technologischen Prozeßschema von Figur 1 dagegen teilt
sich der Hauptumwälzstrom am Ende der Umwälzsammelleitung USL bei einer Trennstelle
TS in zwei Teilumwälzströme auf. Diese werden über je eine obere bzw. untere Umwälzleitung
UOL bzw. UUL an unterschiedlichen Stellen in den Kocher rückgeführt. Im Beispiel der
Figur 1 mündet die obere Umwälzleitung UOL nahe der oberen Einfüllöffnung EO über
eine separate, obere Eintrittsöffnung OEA in den Kocher. Die untere Umwälzleitung
UUL mündet im Bereich des Ablaßventiles HIS 105 über eine spezielle, untere Eintrittsöffnung
UEA in den Boden KB des Kochers. Es entstehen so die in Figur 2 beispielhaft durch
Pfeile dargestellten und von der oberen bzw. unteren Kochereintrittsöffnung OEA bzw.
UEA auf die Mantelabgangsstellen AS1, AS2, AS3 gerichteten Kochflüssigkeitsströmungen
OS bzw. US.
[0041] Falls der Kocher K wie im Prozeßschema der FIG 1 senkrecht steht, so ist die nach
unten gerichtete Strömung OS von der oberen Eintrittsöffnung OEA zu den Abgangsstellen
AS1, AS2, AS3 aufgrund der Einwirkung der Gravitation begünstigt gegenüber der aufwärts
gerichteten Strömung US von der unteren Eintrittsöffnung UEA. Es muß somit besonders
dafür gesorgt werden, daß weder zu große Temperaturdifferenzen zwischen dem Kocherboden
KB und den Mantelabgangsstellen, noch innerhalb der beiden entgegengerichteten und
auf die Abgangsstellen zulaufenden Flüssigkeitsströmungen auftreten. Zur Temperaturerfassung
sind im Prozeßschema der Figur 1 beispielhaft drei verteilte Temperaturmeßstellen
TIC 116, 117 und 118 vorgesehen, von denen die Meßstelle TIC 118 die Temperatur der
Hackschnitzelmasse im Bodenbereich KB des Kochers K erfaßt. Vorteilhaft werden die
Strömungen der Kochflüssigkeit in der oberen und unteren Umwälzleitung UOL, UUL mittels
einer zusätzlichen Verhältnisregelung so aufeinander abgestimmt, daß keine größeren
Temperaturdifferenzen zwischen den beiden entgegengerichteten Strömungen auftreten.
Hierzu kann beispielsweise der Flüssigkeitsstrom in der unteren Umwälzleitung USL
über ein Durchflußmeßgerät FIC 120 erfaßt und unter Zuhilfenahme eines in der oberen
Umwälzleitung UOL befindlichen Stellventiles HIC 119 entsprechend beeinfluß werden.
[0042] Die bisher beschriebenen Mittel des erfindungsgemäßen Prozeßleitsystems tragen im
wesentlichen zur Harmonisierung der Prozeßbedingungen zu Beginn einer Kochung einer
Charge bei, also in den Prozeßphasen Befüllen, Belaugen, Beheizen auf erstes Temperaturniveau
und Imprägnieren. Das angestrebte Ziel der optimalen Abstimmung von einzuhaltender
Umtriebszeit und zu erreichender Zellstoffqualität wird somit wesentlich genauer erreichbar.
Erfindungsgemäß können darüber hinaus weitere Mittel vorgesehen sein, welche den Prozeß
hauptsächlich nach Erreichen des zweiten Temperaturniveaus während der zweiten Stillstandsphase,
d. h. der sogenannten Fertigkochphase, beeinflussen.
[0043] Erfindungsgemäß können hierzu im Prozeßleitsystem vierte Mittel vorhanden sein, welche
zumindest einmal den aktuellen Wert einer Zellstoffqualitätsmaßzahl nachbilden und
nach deren Vergleich mit einem vorgegebenen Zielwert die Kochtemperatur so voreinstellen,
daß der Zielwert der Zellstoffqualitätsmaßzahl möglichst gleichzeitig mit einem Sollwert
für den Kochzeitendpunkt erreicht wird. Als eine derartige Qualitätsmaßzahl kann z.
B. der sogenannte "F-Faktor" bzw. die damit zusammenhängende sogenannte "Kappa-Zahl"
dienen. Beide Größen sind beispielsweise in der deutschen Patentanmeldung DE-35 25
248 Al beschrieben.
[0044] Der zur Einhaltung der vorgegebenen Umtriebszeit pro Charge zur Verfügung stehende
"Steuerraum" wird im wesentlichen begrenzt durch technologisch bedingte Minimalwerte
für die Imprägnierzeit (FIG 2, Zeitraum zwischen t₃ und t₄), die Fertigkochzeit (FIG
2, Prozeßablauf P
m : t
Koch,m) und die Minimal- und Maximalwerte für die Kochtemperatur (FIG 2: T
MIN T
MAX). Darüber hinaus unterliegt die Fertigkochzeit aus produktionstechnischen Gründen
im Rahmen der zulässigen Umtriebszeit pro Charge einer oberen Begrenzung. So ist es
beim Betrieb einer Zellstoffkocherei ein wesentliches Ziel, die pro Charge zur Verfügung
stehenden Umtriebszeiten möglichst genau einzuhalten, um einen ordnungsgemäßen und
möglichst gleichmäßigen Betrieb der Gesamtanlage zu erreichen. Demgegenüber stellen
die weiteren Einzelschritte des Kochprozesses, insbesondere das Befüllen und Belaugen
zu Beginn der Kochung, und das Hochdruck- und Niederdruckabgasen, das Ablaugen und
Entleeren des Kochers am Ende des Prozesses feste Vorgänge dar, deren Zeitabläufe
nicht zum Zwecke der Regelung beeinflußbar sind. Lediglich die erste Kocherstillstandsphase
während der Imprägnierung der Hackschnitzelmasse (FIG 2, Prozeßablauf P
m: Zeitraum zwischen t₃ und t₄) kann gegebenenfalls auf einen Minimalwert verkürzt
werden. Bei Verkürzung der für die Imprägnierung vorgesehenen Zeit steht dann innerhalb
des Rahmens der vorgegebenen Umtriebszeit ein größerer Zeitraum für die zweite Kocherstillstandphase,
d. h. der eigentlichen Fertigkochphase der Hackschnitzelmasse, zur Verfügung.
[0045] Die erfindungsgemäßen vierten Mittel des Prozeßleitsystems bewirken nun nach einem
Soll- und Istwertvergleich für die nachgebildete Zellstoffqualitätsmaßzahl eine derartige
Voreinstellung der Kochtemperatur im Kocher, so daß die angestrebte Zellstoffqualität
möglichst gleichzeitig mit dem für die Einhaltung der vorgegebenen Umtriebszeit notwendigen
Kochzeitendpunkt erreicht wird. Dieser Vorgang wird zumindest einmal, bevorzugt bei
Erreichen des ersten, für die Hackschnitzelimprägnierung ausreichenden Temperaturniveaus
im Prozeßleitsystem durchgeführt, d. h. zum Beispiel in FIG 2 im Zeitpunkt t₃. Zwar
kann der Vorgang während des weiteren Ablaufes des Kochprozesses unter Umständen wiederholt
werden, z. B. in FIG 2 im Zeitpunkt t₄ bei Beendigung der Imprägnierung bzw. im Zeitpunkt
t₅ bei Erreichen des zweiten, für die Fertigkochung notwendigen Temperaturniveaus.
Es ist jedoch häufig ausreichend, die erfindungsgemäße Voreinstellung der Fertigkochtemperatur
bei Erreichen der Imprägniertemperatur bzw. am Ende der Imprägnierphase einmal durchzuführen.
Vielfach ist es sogar vorteilhaft, die unter Zuhilfenahme der Nachbildung einer Zellstoffqualitätsmaßzahl
aufgefundene optimale Kochtemperatur nur einmal voreinzustellen, und anschließend
den Kochprozeß möglichst unangetastet zu lassen. Aufgrund der großen Zeitkonstanten
im Heizkreis eines Zellstoffkochers, welcher im Prozeßschema der FIG 1 beispielsweise
aus einem mit Heizdampf HZ versorgten Wärmetauscher WT in der Umwälzsammelleitung
USL besteht, kann es relativ lange dauern, bis sich nach einem Eingriff in den Temperaturregelkreis
ein neuer, stabiler Arbeitspunkt im Kocherinneren eingestellt hat. Im Hinblick auf
die Erzielung einer gewünschten Zellstoffqualität möglichst gleichzeitig im Moment
des Erreichens eines vorgegebenen Kochzeitendpunktes ist eine möglichst ruhige und
harmonische Führung des Prozeßtemperaturverlaufes vorteilhaft. Bei zu häufigen Stelleingriffen
in den Wärmehaushalt des Prozesses besteht eher die Gefahr, daß das obengenannte Ziel
verfehlt wird. Die Erfindung eröffnet somit die Möglichkeit, die notwendige Kochtemperatur
möglichst genau so voreinzustellen, daß sie während des weiteren Prozeßablaufes nicht
mehr nachjustiert werden muß, und dennoch die gewünschte Zellstoffqualität im angestrebten
Kochzeitendpunkt bereitsteht. Der Eingriff der vierten Mittel des Prozeßleitsystems
wird desweiteren anhand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert.
[0046] Die Umtriebszeit T
UM zur Kochung einer Charge kann beispielhaft in folgende Teilabschnitte gegliedert
werden:
mit
- tU =
- vorgegebene "Umtriebszeit" (verfügbare maximale Prozeßdauer)
- tStart =
- Zeit vom Start der Kochung bis zur Beendigung der Prozeßschritte "Befüllen" und "Belaugen"
- tHeiz =
- Gesamtheizzeit (Heizen auf Imprägniertemperatur und Heizen auf Fertigkochtemperatur)
- tImp =
- mittlere Imprägnierzeit (Dauer der ersten Kocherstillstandsphase)
- tKoch =
- Fertigkochzeit (Dauer der zweiten Kocherstillstandsphase)
- tEnd =
- Zeit vom Kochzeitendpunkt bis zur vollständigen Entleerung des Kochers (HD-; ND-Abgasen,
Entlaugen, Entleeren)
[0047] Die Umstellung obiger Gleichung nach der Fertigkochzeit t
Koch ergibt:
[0048] Die nutzbare Kochzeit t
Koch ergibt sich somit dann, wenn die vorgegebene Umtriebszeit t
Um um die Zeitanteile reduziert wird, welche für den Ablauf von festen Prozeßabläufen
zwangsläufig aufgewendet werden müssen, wie z.B. für das Befüllen und Belaugen (t
Start), das Heizen (t
Heiz) usw.
[0049] Für die vierten Mittel des Prozeßleitsystems läßt sich beispielhaft ein Zusammenhang
zwischen der Fertigkochzeit t
Koch, der aktuellen Kochtemperatur T und dem sogenannten F-Faktor als eine Zellstoffqualitätsmaßzahl
wie folgt darstellen:

mit
- tKoch =
- vorgegebener Sollwert der Fertigkochzeit, um bei der Kochtemperatur T den Zielwert
FZ der Zellstoffqualitätsmaßzahl zu erreichen ("Zeitrahmen").
- FO =
- Anfangswert der Zellstoffqualitätsmaßzahl (Mittelwert des F-Faktors bis zum Erreichen
der Fertigkochtemperatur)
- FZ =
- Zielwert der Zellstoffqualitätsmaßzahl, bei dessen Erreichen die Kochung abgebrochen
werden kann.
- T =
- Fertigkochtemperatur
- k =
- Prozeßkonstante
- A =
- Aktivierungsenergie
[0050] Umstellen der Gleichung 9 nach der Fertigkochtemperatur T ergibt:

[0051] Gleichung 10 stellt eine besonders vorteilhafte, modellhafte Nachbildung der Zusammenhänge
zwischen der Regelabweichung F
Z-F
O einer Zellstoffqualitätsmaßzahl, der Fertigkochzeit und der hierfür notwendigen Kochtemperatur
T dar. Wird als Sollwert für die Fertigkochzeit t
Koch die nach obiger Gleichung 8 aus der vorgegebenen Umtriebszeit t
Um gewonnene Beziehung eingesetzt, so können die vierten Mittel des Prozeßleitsystems
mit Hilfe obiger Gleichung 10 gerade die Kochtemperatur T ermitteln und voreinstellen,
mit deren Hilfe der Zielwert F
Z der Qualitätsmaßzahl nahezu gleichzeitig mit dem durch die Einhaltung der Umtriebszeit
t
Um bedingten Kochzeitendpunktes (FIG 2, mittlerer Prozeßverlauf P
m: t
KE,m) erreicht werden kann. Ein derartiger Betrieb der vierten Mittel des Prozeßleitsystems
hat den weiteren Vorteil, daß neben der Einhaltung der vorgegebenen Umtriebszeit auch
die jeweils optimale Kochtemperatur voreingestellt wird kann. Insbesondere bei Anwendung
der obigen Gleichungen 8 und 10 wird nämlich verhindert, daß die Kochung versehentlich
bei einer zu hohen Kochtemperatur abläuft. Hierbei würde neben einem unnötig hohen
Energieeinsatz auch die Gefahr bestehen, daß aufgrund einer zu intensiven Kochung
wieder eine Abnahme an Zellstoffqualität auftritt. Vielmehr ergibt sich gemäß obiger
Gleichungen die niedrigstmögliche Kochtemperatur T, da für deren Bestimmung die innerhalb
der Umtriebszeit t
Um maximal zur Verfügung stehende Fertigkochzeit t
Koch verwendet wird. Die Kochung läuft somit bei einer optimalen, den Zellstoff schonenden
Temperatur ab.
[0052] Zur Veranschaulichung der erfindungsgemäßen Kochtemperaturnachführung durch die vierten
Mittel sind in Figur 2 beispielhaft drei unterschiedliche Prozeßtemperaturverläufe
P
m, P
k, P
l dargestellt. Dabei stellt P
m in durchgezogener Linie einen mittleren Prozeßablauf bei einer mittleren Fertigkochtemperatur
T
m und einer mittellangen Kochzeit t
Koch,m dar. Demgegenüber stellt P
k in strichpunktierter Linie annähernd den kürzest möglichen Prozeßverlauf bei maximalen
Fertigkochtemperatur T
MAX und der kürzesten Fertigkochzeit t
Koch,m dar. Schließlich stellt P
l ebenfalls in strichpunktierter Linie einen langen Prozeßablauf bei minimaler Fertigkochtemperatur
T
MIN und der somit annähernd längsten Fertigkochzeit t
Koch,l dar. Die strichpunktierten Prozeßabläufe P
k und P
l stellen somit die "Begrenzungen" des für die Variationen des Wertepaares Kochtemperatur
und Fertigkochzeit bzw. Kochzeitendpunkt zur Verfügung stehenden "Steuerraumes" dar.
[0053] Probleme treten erst dann auf, wenn bei der obigen Bestimmung der voreinzustellenden
Kochtemperatur ein Wert auftritt, der außerhalb des zulässigen Steuerbereiches liegt,
also die Begrenzungen T
MIN bzw. T
MAX unter- bzw. überschreiten würde. Der besonders kritische Fall liegt dann vor, wenn
die zur Erreichung des Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl gleichzeitig mit dem
Sollwert für den Kochzeitendpunkt notwendige Kochtemperatur den zulässigen Maximalwert
T
MAX überschreiten würde. Wird die Bestimmung der Kochtemperatur durch die vierten Mittel
rechtzeitig vorgenommen, d. h. steht eine Information über die zu erwartende Überschreitung
des oberen Temperaturgrenzwertes rechtzeitig zur Verfügung, z.B. in FIG 2 im Zeitpunkt
t₃ bei Erreichen des ersten Temperaturniveaus im ersten Drittel des Prozeßzyklusses,
so kann noch anderweitig versucht werden Zeit zu sparen. Dies würde im vorgegebenen
Zeitrahmen der Umtriebszeit zur Verlängerung der Fertigkochzeit und somit wiederum
zur Reduzierung der notwendigen Kochtemperatur beitragen. So könnte z.B. die für die
Imprägnierung der Hackschnitzelmasse vorgesehene Zeit auf eine notwendige Mindestzeit
verkürzt werden. Der hiermit erzielte Zeitgewinn könnte dann für eine Verlängerung
der Fertigkochzeit bei Erreichen der Fertigkochtemperatur verwendet werden.
[0054] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung können die vierten Mittel des
Prozeßleitsystems auch so gestaltet sein, daß diese die Kochtemperatur auf den Maximalwert
T
MAX begrenzen und stattdessen zum Erreichen des Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl
den Kochzeitendpunkt anpassen, d. h. insbesondere geringfügig verschieben. Eine derartige
Ausführung ist insbesondere dann von Vorteil, wenn die Anpassung des Kochzeitendpunktes
zu einer nur geringfügigen Überschreitung der vorgegebenen, maximalen Umtriebszeit
führen würde. In einem solchen Fall überwiegt der Vorteil der Erzielung einer noch
ausreichend hohen Zellstoffqualität den Nachteil einer geringfügigen Überziehung der
Umtriebszeit.
[0055] In seltenen Fällen kann beim praktischen Betrieb von Zellstoffkochern dennoch der
Fall auftreten, daß trotz der erfindungsgemäßen Voreinstellung der Kochtemperatur
das Ziel des gleichzeitigen Erreichens des Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl
im vorgegebenen Kochzeitendpunkt verfehlt wird. Dies kann seine Ursache in einer Vielzahl
von unterschiedlichen und nahezu nicht kompensierbaren Störgrößen haben, die den vorgesehenen
Prozeßablauf beeinträchtigen. Hierfür können gemäß einer weiteren Ausführungsform
der Erfindung fünfte Mittel im Prozeßleitsystem vorgesehen sein, welche den aktuellen
Zustand der Kochflüssigkeit und/oder den Istwert der Zellstoffqualitätsmaßzahl messen,
und hiermit bei unveränderter Kochtemperatur den zum tatsächlichen Erreichen des Zielwertes
der Zellstoffqualitätsmaßzahl notwendigen Kochzeitendpunkt feinanpassen.
[0056] Die erfindungsgemäß Feinanpassung des exakten Abbruchzeitpunktes der Kochung wird
bevorzugt kurz vor Erreichen des vorgesehenen Kochzeitendpunktes durchgeführt, d.
h. etwa nach Ablauf von 90 % der Fertigkochzeit. Da in diesem Zustand des Prozesses
die Fertigkochung nahezu abgeschlossen ist und nur noch wenig Zeit bis zum Erreichen
des angestrebten Kochzeitendpunktes verbleibt, ist es vorteilhaft, die aktuelle Kochtemperatur
nun nicht mehr zu verändern. Vielmehr wird stattdessen die Feinanpassung des Prozesses
durch Variation des tatsächlichen Kochzeitendpunktes vorgenommen. Aufgrund der im
Heizkreislauf vorhandenen Zeitkonstanten würde der Versuch einer Temperaturanpassung
für die noch verbleibende Restkochzeit nicht schnell genug einen neuen, stabilen Arbeitspunkt
hervorbringen. Vielmehr würde die Gefahr bestehen, daß z.B. aufgrund einer Übersteuerung
eine Überhitzung und somit eine Minderung der Zellstoffqualität eintritt. Erfindungsgemäß
wird somit der in der Regel relativ stabile Temperaturarbeitspunkt des Kochers gegen
Ende der Kochung nicht mehr durch stellende Eingriffe gestört. Die Konstanthaltung
dieses Arbeitspunktes und eine gegebenenfalls geringfügige zeitliche Verschiebung
des tatsächlichen Kochzeitendpunktes ermöglicht es, den für die exakte Erreichung
einer gewünschten Zellstoffqualität tatsächlich notwendigen Abbruchzeitpunkt der Kochung
genau zu bestimmen.
[0057] Dabei kann zur Erfassung des aktuellen Zustandes der Zellstoffmasse im Kocher entweder
der Zustand der Kochflüssigkeit analysiert oder der aktuelle Istwert einer Zellstoffqualitätsmaßzahl
gemessen werden. Zur Messung der Zellstoffqualität kann z. B. an einer Probenentnahmestelle
eine Probe aus dem Inneren des geschlossenen Kochers entnommen und anschließend analysiert
werden. Diese Analyse kann sowohl kontinuierlich als auch periodisch on-line mit Hilfe
von speziellen Zellstoffanalysatoren, oder auch off-line extern erfolgen. Geeignete
Vorrichtungen zur kontinuierlichen bzw. diskontinuierlichen Entnahme einer Zellstoffprobe
sind z. B. in den deutschen Gebrauchsmusteranmeldungen mit den Aktenzeichen G 90 10
793.4 bzw. G 90 10 794.2 enthalten.
[0058] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung können die fünften Mittel im Prozeßleitsystem
zur Feinanpassung des tatsächlichen Kochzeitendpunktes auch den aktuellen Zustand
der Kochflüssigkeit auswerten. Diese bestimmen bevorzugt die sogenannte "Extinktion"
der Kochflüssigkeit durch eine spektrometrische Messung bei mindestens einer Wellenlänge,
und ziehen diesen Wert gemeinsam mit dem Quotienten aus der Gesamtflüssigkeitsmenge
bezogen auf die trockene Holzmasse im Kocher ("Flottenverhältnis") zur Feinanpassung
des Kochzeitendpunktes heran. Wird das Flottenverhältnis auf einen konstanten Wert
nachgeführt, so kann in diesem Fall der Meßwert der Extinktion ohne weitere Korrektur
direkt zur Feinanpassung benutzt werden. Vorteilhaft wird durch die Extinktionsmessung
die aktuelle Ligninkonzentration in der Kochflüssigkeit bestimmt. Deren Wert ermöglicht
einen besonders genauen Rückschluß auf die aktuelle Qualität des Zellstoffes im Kocher.
Bei dem beispielhaften Prozeßschema der Figur 1 ist für die Extinktionsmessung der
Kochflüssigkeit die Meßstelle QIS 112 vorgesehen. Hierbei kann es sich z. B. um ein
bei einer Wellenlänge von 280 nm arbeitendes Fotometer, oder um ein einen Wellenlängenbereich
auswertendes Spektrometer handeln.
[0059] Wird beispielsweise als eine Zellstoffqualitätsmaßzahl die sogenannte Kappa-Zahl
K verwendet, so können zu deren Nachbildung die fünften Mittel des Prozeßleitsystems
beispielhaft folgendem Zusammenhang mit den beiden Meßgrößen Extinktion E und Flottenverhältnis
VF verwenden:
mit
- K =
- " Kappazahl" als Maß für die Zellstoffqualität
- FV =
- Quotient aus Gesamtflüssigkeitsmenge bezogen auf die trockene Holzmasse im Kocher
("Flottenverhältnis")
- E =
- Istwert der Extinktion der Kochflüssigkeit bei einer bestimmten Wellenlänge, z.B.
280 nm
- a,b =
- Konstanten, bestimmbar als Erfahrungswerte bei vorangegangenen Kochungen
[0060] Gemäß Gleichung 11 dient somit zur Nachbildung des Istwertes einer Zellstoffqualitätsmaßzahl
K im wesentlichen das Produkt FV*E aus dem Istwert des Flottenverhältnisses FV und
dem Meßwert der Extinktion E. Desweiteren werden auch in Form der bevorzugt über eine
Regressionsrechnung bestimmten Konstanten a, b Erfahrungen berücksichtigt, welche
bei vorangegangenen Kochungen gesammelt wurden.
[0061] Bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die Extinktion der Kochflüssigkeit
nicht nur bei einer, sondern bei verschiedenen Wellenlängen bestimmt. Hierdurch ist
es möglich, die bei unterschiedlichen Wellenlängen, z. B. von 280 nm und 220 nm, auftretenden
charakteristischen Werte für die Extinktion verschiedenen Ligninkonzentrationen in
der Kochflüssigkeit zum Zwecke einer genaueren Nachbildung des Istwertes einer Zellstoffqualitätsmaßzahl
und letztlich für eine bessere Feinanpassung des für die Erreichung des Sollwertes
dieser Qualitätsmaßzahl notwendigen tatsächlichen Kochzeitpunktes zuzuordnen. Dabei
können die eingesetzten, charakteristischen Wellenlängen von der jeweils in den Kocher
eingebrachten Holzsorte abhängen.
[0062] Wird beispielsweise als eine Zellstoffqualitätsmaßzahl wiederum die sogenannte Kappa-Zahl
K verwendet, so können zu deren Nachbildung gemäß einer weiteren Ausführungsform der
Erfindung die fünften Mittel des Prozeßleitsystems beispielhaft folgenden Zusammenhang
mit den bei verschiedenen Wellenlängen k gemessenen Extinktionen E
k und dem Flottenverhältnis FV verwenden:

[0063] Gemäß Gleichung 12 dient somit zur Nachbildung des Istwertes einer Zellstoffqualtiätsmaßzahl
K im wesentlichen das Produkt FV *ΣE
K aus dem Flottenverhältnis FV und der Summe der bei verschiedenen Wellenlängen k gemessenen
Extinktionen E
k der Kochflüssigkeit. Falls bei dem verwendeten spektrometrischen Meßgerät die Wellenlänge
kontinuierlich veränderbar ist, so kann eine noch bessere Nachbildung der als Qualitätsmaßzahl
dienenden Kappa-Zahl aus der Extinktionsanalyse abgeleitet werden. In diesem Fall
kann in Gleichung 12 die Summe aus den Extinktionswerten bei verschiedenen, diskreten
Wellenlängen durch das Integral der Extinktion über einen oder mehrere Wellenlängenbereiche
ersetzt werden.
[0064] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann zur Erfassung des Zustandes
der Kochflüssigkeit deren Extinktion durch eine spektrometrische Messung bei mindestens
einer Wellenlänge bestimmt werden, und entweder das zeitliche Integral über den Verlauf
der Extinktion, oder das Integral über das Produkt aus den zeitlichen Verläufen der
Extinktion und dem Flottenverhältnis, oder das Integral über das Produkt aus einer
vom Temperaturverlauf im Kocher abhängigen Funktion mit der Extinktion und/oder dem
Flottenverhältnis zur Feinanpassung des Kochzeitendpunktes für die exakte Erreichung
des Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl herangezogen werden.
[0066] Gemäß Gleichung 13 dient somit zur Nachbildung des Istwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl
K im wesentlichen das zeitliche Integral über den Zeitverlauf der Extinktion E(t)
der Kochflüssigkeit. Bei der weiteren Näherungsgleichung 14 wir stattdessen im wesentlichen
das Integral über das Produkt E(t) * FV(t) aus den Zeitverläufen der Extinktion E(t)
und dem Flottenverhältnis FV(t) verwendet. Bei der dritten Näherungsgleichung 15 dient
zur Nachbildung der Zellstoffqualitätsmaßzahl im wesentlichen das zeitliche Integral
über das Produkt der Extinktion E(t) mit einer vom Temperaturverlauf T(t) abhängigen
Exponentialfunktion exp (k-A/T(t)). Schließlich wird in der letzten Näherungsgleichung
16 zur Nachbildung der Zellstoffqualitätsmaßzahl im wesentlichen das zeitliche Integral
über das Produkt aus den Zeitverläufen der Extinktion und dem Flottenverhältnis und
der vom Temperaturverlauf abhängigen Exponentialfunktion herangezogen. Die obigen
Beziehungen haben den Vorteil, daß zumindest durch die Einbeziehung des zeitlichen
Verlaufes der Extinktion der Kochflüssigkeit während des Kochungsprozesses der Istwert
der Qualtiätsmaßzahl und somit der Zeitpunkt des Erreichens von dessen Sollwertes
wesentlich genauer nachgebildet werden kann. Desweiteren können die obigen Gleichungen
13 bis 16 noch derart erweitert werden, daß die Integration über den Zeitverlauf der
Extinktion nicht nur bei einer, sondern bei mehreren Wellenlängen durchgeführt wird.
[0067] Die zusätzliche Einbeziehung des zeitlichen Verlaufes des Flottenverhältnisses FV(t)
gemäß den obigen Gleichungen 14 bzw. 16 bietet den besonderen Vorteil, daß auch während
der Kochung auftretende Schwankungen der Gesamtflüssigkeitsmenge bei der Nachbildung
der Zellstoffqualitätsmaßzahl berücksichtigt werden können. Derartige Schwankungen
können z.B. aufgrund des sogenannten "Übertreibens" von Kochflüssigkeit und der Auflösung
von ursprünglich festen Holzbestandteilen in der Kochflüssigkeit auftreten.
[0068] Im beispielhaften, technologischen Prozeßschema der FIG 1 kann der Zeitverlauf der
Extinktion E(t) z. B. über die Fotometermeßstelle QIS 112 kontinuierlich erfaßt werden.
Die Erfassung des Zeitverlaufes FV(t) des Flottenverhältnisses kann z.B. über eine
Kocherwägung mittels der Meßzelle WI 101 und gegebenenfalls unter Berücksichtigung
der zwischenzeitlich in den Kocher eingebrachten bzw. daraus abgezogenen Mengen an
Kochflüssigkeit erfolgen.
[0069] Erfindungsgemäß kann somit das gleichzeitige Erreichen der Sollwerte für eine Zellstoffqualitätsmaßzahl
und einen Kochzeitendpunkt zum einen unter Zuhilfenahme der vierten Mittel des Prozeßleitsystems
dadurch erreicht werden, daß bevorzugt rechtzeitig vor Beginn des eigentlichen Kochvorganges
die Kochtemperatur unter Berücksichtigung eines nachgebildeten Istwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl
voreingestellt wird. Kurz vor Erreichen des vorgegebenen Kochzeitendpunktes kann desweiteren
unter Zuhilfenahme von weiteren, fünften Mitteln des Prozeßleitsystems der für die
Erreichung der gewünschten Zellstoffqualität tatsächlich notwendige Kochzeitendpunkt
feinangepaßt werden. Diese erfindungsgemäße Feinanpassung hat den Vorteil, daß dem
Betriebspersonal kurz vor Erreichen des vorgegebenen Kochzeitendpunktes eine exakte
Information darüber zur Verfügung steht, wie lange gegebenenfalls die Umtriebszeit
tatsächlich zu überziehen wäre, um dennoch die gewünschte Zellstoffqualität zu erzielen.
Das Betriebspersonal kann somit beurteilen, ob eine derartige Kochzeitverlängerung
mit Hinblick auf die Gesamtproduktivität der Anlage noch zu verantworten oder gegebenenfalls
zu unterlassen ist. Es besteht somit nicht die Gefahr, daß das Betriebspersonal die
Kochung bei Erreichen des Kochzeitendpunktes abbricht, obwohl nur ein geringfügiges
Nachkochen zur Erreichung der gewünschten Zellstoffqualität notwendig gewesen wäre.
Andererseit kann das Betriebspersonal aber auch übermäßig lange, die Anlagenproduktivität
erheblich beeinträchtigende Nachkochzeiten erkennen und vermeiden.
[0070] Zum Abbruch des Kochprozesses bei Erreichen des vorgegebenen oder feinangepaßten
Kochzeitendpunktes wird schließlich im beispielhaften Prozeßschema der Figur 1 das
Ventil HIS 113 geöffnet. Desweiteren wird dem Druckregelkreis PRCS 105 in der oberen
Zuführ- und Abgangsleitung OL im Rahmen des Prozeßschrittes Abgasen ein rampenförmig
abfallender Drucksollwert vorgegeben.
1. Prozeßleitsystem zur Steuerung der Herstellung von Zellstoff in einem diskontinuierlich
arbeitenden Kocher, welches erste Mittel enthält, die nach dem Befüllen des Kochers
mit Hackschnitzelmasse und Kochflüssigkeit mindestens einmal eine Nachführung von
mindestens einem Bestandteil der Kochflüssigkeit veranlassen, insbesondere von einer
sauren und/oder basischen Komponente der Kochflüssigkeit.
2. Prozeßleitsystem nach Anspruch 1, wobei die ersten Mittel den Istwert des Quotienten
aus der Masse mindestens eines Bestandteiles des Kochflüssigkeit bezogen auf die absolut
trockene Holzmasse (T Holz atro) im Kocher so nachführen, daß dieser die Größe eines
vorgebbaren Sollwertes annimmt.
3. Prozeßleitsystem nach Anspruch 1 oder 2, wobei die ersten Mittel zur Nachführung des
Istwertes des Quotienten mindestens einmal eine Nachdosierung mindestens eines Bestandteiles
der Kochflüssigkeit veranlassen, insbesondere einer sauren und/oder basischen Komponente
der Kochflüssigkeit.
4. Prozeßleitsystem nach einem der vorangegangenen Ansprüchen, wobei die ersten Mittel
zur Nachführung des Istwertes des Quotienten ein dosiertes Ablassen von Kochflüssigkeit
aus dem Kocher veranlassen.
5. Prozeßleitsystem nach Anspruch 4, wobei die ersten Mittel den Istwert des Quotienten
aus der Gesamtflüssigkeitsmenge bezogen auf die trockene Holzmasse im Kocher ("Flottenverhältnis")
nach Abschluß der Imprägnierung der Hackschnitzelmasse durch dosiertes Ablassen von
Kochflüssigkeit nachführen.
6. Prozeßleitsystem nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die ersten Mittel
zur Nachführung des Istwertes des Quotienten mindestens einen flüchtigen Bestandteil
der Kochflüssigkeit dosiert ausgasen.
7. Prozeßleitsystem nach Anspruch 1, wobei die ersten Mittel annähernd in der zweiten
Hälfte des Zeitraumes zwischen Erreichen der Fertigkochtemperatur (Tm, t₅) und dem Abbruch der Kochung (t₇) die basische Komponente (MgO) der Kochflüssigkeit
derart nachdosieren, daß zumindest zur Erreichung einer vorgegebenen Reißfestigkeit
des fertigen Zellstoffes der Abbau der Kohlehydrate im Zellstoff für die verbleibende
Kochzeit verlangsamt wird.
8. Prozeßleitsystem nach Anspruch 7, wobei die ersten Mittel die basische Komponente
derart nachdosieren, daß eine Erhöhung im pH-Wert der Kochflüssigkeit um zumindest
eine Einheit bewirkt wird.
9. Prozeßleitsystem nach Anspruch 7 oder 8, wobei die ersten Mittel die basische Komponente
derart nachdosieren, daß sich ein im Bereich zwischen 2,5 und 4 liegender pH-Wert
der Kochflüssigkeit ergibt.
10. Prozeßleitsystem nach einem der Ansprüche 7, 8 oder 9, wobei Mittel (FIG 1,pHIC) zur
Erfassung des Istwertes des pH-Wertes der Kochflüssigkeit vorhanden sind, und die
ersten Mittel die Nachdosierung der basischen Komponente veranlassen, wenn der pH-Istwert
nach Erreichen der Fertigkochtemperatur einen unteren Grenzwert (t₁₀) erreicht hat.
11. Prozeßleitsystem nach einem der Ansprüche 7, 8 oder 9, wobei Mittel (vierte, fünfte
Mittel) zur Nachbildung oder meßtechnischen Erfassung einer Zellstoffqualitätsmaßzahl
vorhanden sind, und die ersten Mittel die Nachdosierung der basischen Komponente veranlassen,
wenn die Zellstoffqualitätsmaßzahl einen Grenzwert erreicht hat.
12. Prozeßleitsystem zur Steuerung der Herstellung von Zellstoff, insbesondere nach einem
der vorangegangenen Ansprüche, welches zweite Mittel enthält, die den Kocher nach
dem Befüllen mit mindestens einem Druckimpuls eines gasförmigen Mediums, insbesondere
Kocherabgase, beaufschlagen.
13. Prozeßleitsystem zur Steuerung der Herstellung von Zellstoff, insbesondere nach einem
der vorangegangenen Ansprüche, welches dritte Mittel enthält, die an mindestens zwei
Stellen (TIC 116 bzw. 117 bzw. 118) die Temperatur im Kocher messen und den Umwälzstrom
(USL, UOL, UUL) an Kochflüssigkeit so beeinflussen (HIC 119 bzw. 110), daß möglichst
keine größeren Temperaturdifferenzen in einer Durchströmungsrichtung (OS, US) des
Kochers auftreten.
14. Prozeßleitsystem zur Steuerung der Herstellung von Zellstoff, insbesondere nach einem
der vorangegangenen Ansprüche, welches vierte Mittel enthält, die bevorzugt einmal
den aktuellen Wert einer Zellstoffqualitätsmaßzahl ("F-Faktor" oder Kappazahl) nachbilden
und durch Vergleich mit einem Zielwert die Kochtemperatur (T) so voreinstellen, daß
der Zielwert der Zellstoffqualitätsmaßzahl ("F-Faktor" oder Kappazahl) möglichst gleichzeitig
mit einem Sollwert für den Kochzeitendpunkt (tKE,m) erreicht wird.
15. Prozeßleitsystem nach Anspruch 14, wobei in dem Fall, in dem die zur Erreichung des
Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl (FZiel) gleichzeitig mit dem Sollwert für den Kochzeitendpunkt notwendige Kochtemperatur
(T) einen zulässigen Maximalwert (Tmax) überschreiten würde, die vierten Mittel die Kochtemperatur auf den Maximalwert begrenzen
und stattdessen zum Erreichen des Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl den Kochzeitendpunkt
anpassen.
16. Prozeßleitsystem nach Anspruch 14 oder 15, wobei fünfte Mittel vorhanden sind, welche
bevorzugt kurz vor Erreichen des vorgegebenen Kochzeitendpunktes den aktuellen Zustand
der Kochflüssigkeit und/oder den Istwert einer Zellstoffqualitätsmaßzahl messen, und
hiermit bei unveränderter Kochtemperatur den Kochzeitendpunkt zum Erreichen des Zielwertes
der Zellstoffqualität feinanpassen.
17. Prozeßleitsystem nach Anspruch 16, wobei die fünften Mittel zur Erfassung des Zustandes
der Kochflüssigkeit deren Extinktion durch spektrometrische Messung bei mindestens
einer Wellenlänge bestimmen und gemeinsam mit dem Quotienten aus der Gesamtflüssigkeitsmenge
bezogen auf die trockene Holzmasse im Kocher ("Flottenverhältnis") zur Feinanpassung
des Kochzeitendpunktes für das Erreichen des Zielwertes der Zellstollqualitätsmaßzahl
heranziehen.
18. Prozeßleitsystem nach Anspruch 16, wobei die fünften Mittel zur Erfassung des Zustandes
der Kochflüssigkeit deren Extinktion durch spektrometrische Messung bei mindestens
einer Wellenlänge bestimmen, und das zeitliche Integral über die Extinktion bzw. über
das Produkt aus Extinktion und dem Quotienten aus Gesamtflüssigkeitsmenge bezogen
auf die trockene Holzmasse ("Flottenverhältnis") bzw. über das Produkt aus Extinktion
und/oder dem Quotienten aus Gesamtflüssigkeitsmenge bezogen auf die trockene Holzmasse
("Flottenverhältnis") mit einer vom Temperaturverlauf im Kocher abhängigen Funktion
zur Feinanpassung des Kochzeitendpunktes für das Erreichen des Zielwertes der Zellstoffqualitätsmaßzahl
heranziehen.