(57) Unter üblichen atmosphärischen Einflüssen bildet sich auf geneigten Oberflächen aus
Kupfer erst nach jahrelanger Bewitterung eine gleichmäßige grüne Deckschicht, die
sogenannte Patina. Es besteht schon lange der Wunsch, in großtechnischem Maßstab eine
werkseitige Vorbewitterung der Oberfläche von aus Kupfer bestehendem Kalbzeug durchzuführen,
die der natürlichen Grünpatinierung sehr ähnlich ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung einer künstlichen grünen Schutz- und
Deckschicht besteht darin, die Oberfläche von entfetteten Bändern oder Blechen zunächst
durch eine mechanische Behandlung gezielt aufzurauhen. In einem weiteren Verfahrensschritt
wird dann die aufgerauhte Oberfläche der Bänder oder Bleche im kontinuierlichen Durchlauf
mit einer geeigneten chemischen Reaktionslösung zur Grünpatinierung behandelt. Nach
der chemischen Behandlung werden die Bänder oder Bleche in Fertigabmessungen in einem
klimatisierten Raum einige Zeit ausgelagert.
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur großtechnischen Herstellung einer
der natürlichen grünfarbigen Patina ähnlichen Schutz- und Deckschicht auf aus Kupfer
bestehenden gewalzten Bändern oder Blechen für die Dachabdeckung und Fassadenverkleidung.
[0002] Unter normalen atmosphärischen Einflüssen bildet Kupfer auf seiner Oberfläche erst
nach einem relativ langen Zeitraum und auch nur unter bestimmten Bedingungen eine
grün- bis türkisfarbene Schutzschicht, die sogenannte Patina. Die Bildungsgeschwindigkeit
dieser natürlichen Patina ist beispielsweise von folgenden Parametern abhängig:
- Zusammensetzung der Atmosphäre (Feuchtigkeit, Verunreinigungsgehalt)
- Beanspruchung durch feste Teilchen (Sand, Staub)
- Umgebungstemperatur
- Neigung der Oberfläche der Kupferbauteile
- Lage zur Hauptwetterrichtung
[0003] So sind in der Veröffentlichung des Deutschen Kupfer-Instituts "Chemische Färbung
von Kupfer und Kupferlegierungen" für die verschiedenen atmosphärischen Einflüsse
folgende Zeiten für die Ausbildung einer natürlichen Patina angegeben:
- In Meeresluft nach etwa 6 Jahren
- In Großstadt- und Industrieatmosphäre nach etwa 5 bis 8 Jahren
- In normaler Stadtatmosphäre nach etwa 8 bis 12 Jahren.
[0004] Die entstandene Patina schützt das Kupferbauteil wirkungsvoll vor weiteren Witterungseinflüssen,
so daß sich die Abtragungsrate des Kupfers mit Erreichen der höchsten Basizität der
Patina dem Wert Null nähert. Es ist daher auch nicht überraschend, daß sich schon
frühzeitig Praktiker mit der Erforschung und Nachahmung dieser Schutzschicht befaßt
haben. So ist die künstliche Grünpatinierung von Kunstgegenständen, wie beispielsweise
Statuen und Gefäßen, mittels der Tüpfeltechnik schon seit langer Zeit bekannt.
[0005] Weiterhin gibt es eine Reihe von reaktionsfähigen Patinierungslösungen, die in Spritz-
oder Bürsttechnik auch auf größere Flächen, wie z. B. Dachabdeckungen, in mehreren
Arbeitsgängen aufgetragen werden. Bekannt ist es ebenfalls, Einzelbleche aus Kupfer
für die Dachabdeckung vorab mit einer Patinierungslösung zu behandeln.
[0006] Der Nachteil der bisher bekannten Verfahren ist darin zu sehen, daß sie entweder
nur in aufwendiger Handarbeit oder nur für begrenzte Flächen angewendet werden können
und damit für eine großtechnische Fertigung zu unwirtschaftlich sind.
[0007] Schließlich ist noch ein Verfahren bekannt, bei dem patinafarbene Kunststoffschichten
auf für die Dachabdeckung und Fassadenverkleidung vorgesehenen Kupferbändern aufgebracht
werden. Nachteilig an diesem Verfahren ist, daß die aufgebrachten Schichten sehr leicht
abplatzen und daß dann der Selbstheilungsmechanismus der natürlichen Patina fehlt.
Hinzu kommt, daß die notwendigen Verarbeitungstechniken, wie Löten oder Abkanten,
nur eingeschränkt durchführbar sind.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs erwähnten Art
anzugeben, mit dem auf der Oberfläche von aus Kupfer bestehendem Halbzeug in großtechnischem
Maßstab eine grüne, festhaftende, der natürlichen Patina sehr ähnliche Deckschicht
erzeugt werden kann.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Kombination der im Anspruch 1 genannten
Verfahrensmaßnahmen gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich
aus den Unteransprüchen.
[0010] Die wesentlichen Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens bestehen insbesondere
darin, daß durch die kontinuierliche Fertigung
- eine äußerst gleichmäßige Vorbehandlung sämtlicher Bänder und Bleche erreicht wird;
diese ist eine wichtige Voraussetzung für eine künstliche Grünpatinierung mit einheitlicher
Farbgebung,
- variable Fertiglängen ohne Schneidabfall möglich sind,
- keine Farbänderungen an den Band- oder Blechenden auftreten können,
- keine Ausfälle des Schleifbands durch hochstehende Band- oder Blechenden entstehen,
- eine gezielte Ansteuerung, beispielsweise des Schleifbands, durch die Bandmitten-
oder Bandkantenregelung möglich ist.
[0011] Es hat sich ferner gezeigt, daß die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
künstlich grünpatinierten Bänder oder Bleche aus Kupfer Schutzschichten mit hervorragender
Haftfestigkeit aufweisen. Sogar die bei der Montage von Dachabdeckungen und Fassadenverkleidungen
häufig unvermeidlichen Fingerspuren bleiben auf der grünpatinierten Oberfläche weitgehend
unauffällig.
[0012] In weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, daß die aufgebrachte Schutz- und Deckschicht
als Katalysator für die sich allmählich ausbildende natürliche Patina wirkt, daß heißt,
die künstliche Schutzschicht wandelt sich unter atmosphärischen Einflüssen im Laufe
der Zeit in eine natürliche Patina um. Vorzugsweise besteht die Schutz- und Deckschicht
aus Kupferoxid (Cu₂O) und einem im wesentlichen kupferfreien Metallsalz. Das Flächengewicht
der vollständig reagierten Schutzschicht beträgt nach der Auslagerung 180 bis 680
mg/dm², wobei der Bereich von 330 bis 525 mg/dm² bevorzugt ist.
[0013] Anhand eines Ausführungsbeispiels soll die Erfindung im folgenden noch weiter erläutert
werden.
[0014] Ein kaltgewalztes 1000 mm breites Band aus SF-Kupfer gemäß DIN 1787 mit einer Dicke
von 0,7 mm wird zunächst in einer Durchlaufeinrichtung entfettet. Unmittelbar anschließend
wird daß Kupferband zur gezielten Vergrößerung der Oberfläche, beispielsweise um den
Faktor 2, zunächst durch eine Bandschleifmaschine gefahren, die z. B. mit einem oder
mehreren Schleifbändern der Körnung 40 bis 60 sowie gegebenenfalls mit einer zusätzlichen
Bürsteinrichtung versehen ist. Die installierte Bandmitten- oder Bandkantenregelung
sorgt für eine genaue Positionierung des Kupferbands gegenüber dem Schleifband. Danach
durchläuft das Kupferband noch ein Duowalzgerüst, dessen Walzen vorzugsweise in Richtung
der Walzenachse aufgerauhte bzw. texturierte Oberflächen aufweisen. In Linie durchläuft
das Kupferband anschließend eine Sprüh- und Abquetscheinrichtung, in der die chemische
Reaktionslösung zur Grünpatinierung gleichmäßig auf die Oberfläche aufgebracht wird.
Nach Aufbringen der Reaktionslösung wird das Kupferband durch eine mitlaufende Querteilschere
in Fertiglängen je nach Kundenanforderungen eingeteilt. Das einseitig beschichtete
Kupferband oder -blech wird in Gestelle vereinzelt und die Gestelle werden dann 6
bis 48 Stunden in einem klimatisierten Raum bei einer Temperatur von etwa 20 °C und
einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % ausgelagert. Um die Ausbildung der Schutzschicht
auf dem Kupfer in dem klimatisierten Raum zu beschleunigen, kann entweder zusätzlich
eine elektrische Spannung angelegt oder gasförmige Reaktionsmedien eingeleitet werden.
Nach der Auslagerung wurde das Flächengewicht der Schutz- und Deckschicht von einigen
Probestücken bestimmt. Es betrug durchschnittlich etwa 430 mg/dm².
[0015] An dem künstlich grünpatinierten Kupferband können anschließend die für die Verwendung
im Baubereich notwendigen Biege- und Abkantoperationen durchgeführt werden, ohne daß
Beschädigungen oder großflächige Ablösungen der Schutz- und Deckschicht auftreten.
1. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht auf aus Kupfer bestehenden
gewalzten Bändern oder Blechen für die Dachabdeckung und Fassadenverkleidung,
gekennzeichnet durch die Kombination folgender Verfahrensmaßnahmen:
- Die Oberfläche von entfetteten Bändern oder Blechen wird zunächst durch eine mechanische
Behandlung aufgerauht.
- Die Bänder oder Bleche werden dann mit einer an sich bekannten chemischen Reaktionslösung
zur Grünpatinierung im kontinuierlichen Durchlauf behandelt.
- Die chemisch behandelten Bänder oder Bleche werden anschließend in einem klimatisierten
Raum ausgelagert.
2. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die mechanische Behandlung kontinuierlich durch Schleifen und/oder Bürsten oder
Rauhwalzen vorgenommen wird.
3. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach Anspruch 1 oder
2, dadurch gekennzeichnet, daß die Oberfläche des Kupferbands durch die mechanische Behandlung um den Faktor
1,1 bis 5 vergrößert wird.
4. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Kupferband von einer Abzugsvorrichtung zu einer Aufwickelvorrichtung gezogen
wird, wobei zwischen Kupferband und dem Schleifband und/oder den Bürsten ein definierter
Anpreßdruck eingestellt wird.
5. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Schicht aus Kupferoxid und einem im wesentlichen kupferfreien Metallsalz
besteht.
6. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Flächengewicht der Schicht 180 bis 680 mg/dm², vorzugsweise 330 bis 525 mg/dm²
beträgt.
7. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die chemisch behandelten Bänder oder Bleche bei einer im Bereich zwischen 15
und 35 °C liegenden Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 100 % ausgelagert
werden.
8. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Auslagerung der chemisch behandelten Bänder oder Bleche durch Anlegen einer
Spannung oder durch Zugabe von gasförmigen Reaktionsmitteln beschleunigt wird.
9. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Kupferband entweder nach dem mechanischen Behandlungsschritt oder nach dem
Auftragen der Reaktionslösung kontinuierlich auf die benötigten Längen quereingeteilt
wird.