[0001] Die Erfindung betrifft eine Papiermaschinenbespannung mit einer Verstärkung gegen
Abrieb in den Randbereichen in Form einer Kunststoffmasse, die auf den dem Abrieb
ausgesetzten Bereichen aufgebracht ist, wobei die Kunststoffmasse in diesen Bereichen
die Papiermaschinenbespannung teilweise bedeckt. Die Erfindung betrifft ferner ein
Verfahren zum Aufbringen der Kunststoffmasse.
[0002] Die Laufzeit einer Papiermaschinenbespannung, insbesondere eines Blattbildungssiebes,
wird im allgemeinen durch den Verschleiß auf der Laufseite begrenzt. Bei den meisten
Blattbildungssieben wird die Laufseite nicht gleichmäßig über die Gewebebreite abgenutzt,
sondern der Verschleiß ist in den Randbereichen wesentlich höher als in dem dazwischenliegenden
mittleren Bereich. Bisweilen ist der Verschleiß in den Randbereichen doppelt so hoch
wie im mittleren Bereich. Wenn ein Blattbildungssieb an irgendeiner Stelle durchgeschliffen
ist, so muß es aus der Papiermaschine genommen werden.
[0003] Die Ursachen für den ungleichmäßigen Verschleiß eines Blattbildungssiebes sind nicht
genau bekannt. Die stark abgenutzten Randbereiche decken sich mit der Vakuumbegrenzung
der Flachsauger und der Saugwalze. Der ungleichförmige Verschleiß tritt nicht nur
bei Kunststoffsieben auf, sondern ist auch von den früher verwendeten steiferen Metallsieben
her bekannt. Er tritt unabhängig davon auf, ob es sich um einlagige, doppellagige
oder mehrlagige Gewebe handelt. War z.B. die ursprüngliche Gewebedicke 0,7 mm und
mußte das Sieb aus der Papiermaschine genommen werden, da im Randbereich die Gewebedicke
nur noch 0,45 mm betrug, so war der mittlere Bereich des Gewebes erst auf 0,56 bis
0,58 mm abgenutzt, so daß der mittlere Bereich noch einsatzfähig gewesen wäre.
[0004] Um dem stärkeren Verschleiß im Randbereich entgegenzuwirken, hat man bereits die
Gewebe in den Randbereichen durch aufgenähte Gewebestreifen (DE-OS 35 01 980) oder
durch das Einweben zusätzlicher, dicker Längsdrähte verstärkt. Derartige Randverstärkungen
haben sich jedoch nicht bewährt, weil durch die zusätzlichen, dicken Längsdrähte die
Gewebestruktur auf der Laufseite verändert wurde. Die zusätzlichen Längsdrähte sind
sehr rasch durchgeschliffen worden und fielen heraus. Die bereits beim Weben verformte
Struktur der Laufseite hat sich dann an diesen Stellen besonders rasch durchgeschliffen,
so daß sich insgesamt keine Laufzeitverbesserung ergab.
[0005] Aus der DE-OS 29 22 025 ist es bekannt, den Randbereich durch Einnähen von zusätzlichen
Längsfäden zu verstärken. Die auf der Laufseite vorstehenden Nähfäden werden jedoch
in der Praxis rasch durchgescheuert, und der durch das Nähen beschädigte Randbereich
schleift sich anschließend rasch durch. Aus dieser Druckschrift ist es ferner bekannt,
die Randbereiche eines Blattbildungssiebes mit Längsstreifen aus Kunststoff, die im
schmelzflüssigen Zustand aufgebracht werden, zu verstärken. Als Kunststoff werden
im allgmeinen Copolyamide und spezielle Polyurethane eingesetzt. Tatsächlich schützen
im Einsatz auch die Kunststoffstreifen das eigentliche Gewebe des Blattbildungssiebes
vor dem Abrieb. Dadurch daß die Maschen des Gewebes durch die Längsstreifen völlig
verschlossen werden, können die Längsstreifen jedoch nur am äußersten Rand des Gewebes
angebracht werden und damit meistens außerhalb der die endgültige Breite der Papierbahn
bestimmenden Spritzdüsen und außerhalb der Zone stärksten Abriebs. Bei vielen Papierherstellungsmaschinen
erstreckt sich der Bereich erhöhten Abriebs nämlich bis zu einem Abstand von etwa
20 bis 30 cm vom Rand. Die Papierbahn deckt jedoch das Blattbildungssieb mit Ausnahme
eines Randbereichs von nur etwa 10 cm ab. Wegen der Beeinträchtigung der Entwässerung
können die Kunststoffstreifen jedoch nicht in dem durch die Papierbahn abgedeckten
Bereich angebracht werden. Es bleibt damit ein Randbereich, der verstärktem Verschleiß
ausgesetzt ist.
[0006] Aus der DE-OS 39 28 485 ist es bekannt, die Kunststoffstreifen unter einem Winkel
zur Laufrichtung oder in Wellenlinien aufzubringen. Dies ändert jedoch nichts daran,
daß das Blattbildungssieb im Bereich der Kunststoffstreifen nicht mehr entwässert,
so daß die Kunststoffstreifen außerhalb des Bereichs der Papierbahn angebracht werden
müssen und damit nicht den vom Verschleiß am stärksten betroffenen Bereich schützen
können.
[0007] Aus der US-PS 3 523 867 ist es bekannt, bei einem Metall-Entwässerungssieb im Randbereich
Verstärkungsfäden einzulegen und den gesamten Randbereich mit einer Kunsstoffmasse
zu vergießen. Hierdurch würde die Entwässerung im Randbereich vollständig unterbunden.
[0008] Um die Entwässerung soweit wie möglich aufrechtzuerhalten ist es aus der DE-OS 39
09 534 bekannt, die Kunststoffmasse so aufzubringen, daß sie die Laufseite des dem
Verschleiß besonders stark ausgesetzten Randbereiches nur teilweise bedeckt. Die Kunststoffmasse
wird dazu in einer parallel verlaufenden Linienstruktur, punktförmig oder strichförmig
aufgebracht. Sie besteht aus Polyester oder Polyamid, das mit einem Schmelzkleber
vermischt ist, und kann außerdem teilweise aus Monofilen oder Multifilen gebildet
sein, die mit einem Haftvermittler aufgebracht werden.
[0009] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde eine Papiermaschinenbespannung zu schaffen,
die in dem dem Verschleiß besonders ausgesetzten Randbereich verstärkt ist, ohne daß
jedoch durch die Verstärkung die Entwässerung so stark beeinträchtigt wird, daß die
Papierbahn unbrauchbar wird.
[0010] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß die Kunststoffmasse in einem
unregelmäßigen Muster mit einer offenen Fläche von mindestens 30 % aufgebracht wird.
[0011] Die Kunststoffmasse besteht vorzugsweise aus einem feuchtigkeithärtenden Polyurethan,
welches seine Haftung und seine Festigkeit erst nach etwa 40 Stunden Reaktionszeit
entwickelt. Es handelt sich hierbei um ein leicht schmelzbares Polyurethan mit freien
Isocyanatgruppen, die auf die Feuchtigkeit der Luft reagieren. Nach Vernetzung der
Polymermoleküle wird die Kunststoffmasse unschmelzbar und unlöslich. Sie hat gute
Haftung am Gewebe und zeigt eine hohe Abriebfestigkeit.
[0012] Gegenstand der Erfindung ist ferner ein Verfahren zum Aufbringen der Randverstärkung,
wobei die Kunststoffmasse aufgesprüht wird. Der Kunststoff tritt dabei in Strangform
aus einer mittleren Bohrung einer Düse aus und wird durch von der Seite auftreffende
Luftströme pulverisiert und dadurch über eine größere Fläche des Randbereichs des
Blattbildungssiebes verteilt. Die Luftströme werden durch mehrere seitlich schräg
zulaufende Schlitze an der Düse erzeugt. Der austretende Kunststoffstrang trifft in
Form feiner Partikel und kleiner Tropfen auf die Fläche des Blattbildungssiebes auf
und kann dadurch nicht die Maschen eines größeren Bereiches verschließen. Es hat sich
dabei gezeigt, daß die Entwässerungsleistung nicht wesentlich beeinträchtigt wird,
solange nur einzelne Maschen durch die Kunststoffmasse verschlossen werden. Offenbar
kann das Wasser durch benachbarte Maschen ausreichend schnell abfließen. Die Bildung
der Papierbahn wird durch die aufgebrachte Verstärkung deshalb nicht gestört. Es gelingt
auf diese Weise eine Verringerung der Entwässerungsleistung um mehr als etwa 10 %
zu vermeiden.
[0013] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Ausschnitt aus dem Randbereich der Laufseite eines Blattbildungssiebes mit aufgebrachter
Verstärkung,
- Fig. 2
- die Sprühpistole zum Auftragen der Verstärkung und
- Fig. 3
- die Düse der Sprühpistole im Längsschnitt.
[0014] Fig. 1 zeigt von unten die Laufseite eines mehrlagigen Blattbildungssiebes aus miteinander
verwebten Längsfäden 1 und Querfäden 2. Durch die übliche Thermofixierung unter Längsspannung
wird das Blattbildungssieb zu einem Querfadenläufer, d.h. die Laufseite wird überwiegend
durch die Querfäden 2 gebildet. Die Laufrichtung ist in Fig. 1 durch einen Pfeil angegeben.
[0015] Auf die Laufseite ist im Randbereich, der dem Abrieb besonders stark ausgesetzt ist,
eine Verstärkung aus einer Kunststoffmasse 3 aufgesprüht. Die pro Flächeneinheit aufgesprühte
Menge der Kunststoffmasse 3 ist dabei so dosiert, daß einerseits möglichst alle die
Laufseite bildenden Längsfäden 1 und Querfäden 2 von der Kunststoffmasse 3 abgedeckt
werden, andererseits die Maschenöffnungen möglichst wenig verschlossen werden, damit
die Entwässerungsleistung im Bereich der aufgebrachten Verstärkung nicht wesentlich
unter 80 % der Entwässerungsleistung des Blattbildungssiebes ohne Verstärkung sinkt.
Die offene Fläche der Kunststoffmasse beträgt etwa 30 %, die die Laufseite bildenden
Längsfäden 1 und Querfäden 2 sind zu etwa 70 % mit der Kunststoffmasse 3 bedeckt und
höchstens 30 % der Maschenöffnungen sind durch die Kunststoffmasse 3 verschlossen.
Die Kunststoffmasse 3 wird zweckmäßig in einer Menge von 60 bis 120 g/m² aufgebracht.
[0016] Zum Auftragen der Kunststoffmasse wird das fertig zugeschnittene und fixierte Blattbildungssieb
über Walzen unter Sprühpistolen 10 hindurchbewegt, die in einem Abstand von 10-15
cm senkrecht über den Randbereichen des Blattbildungssiebes angeordnet sind. Fig.
2 zeigt eine Sprühpistole 10. Die Sprühpistole 10 enthält eine Kartusche 12 für die
zu versprühende Kunststoffmasse. Die Kartusche ist von einem Heizelement 14 zum Erwärmen
der Kunststoffmasse umgeben. Durch Druckluft, die über einen Luftanschluß 16, einen
Hebelauslöser 18, ein Dreiwegeventil 20 und ein Reduzierventil 22 dem einen Ende der
Kartusche 12 zugeführt wird, wird die Kunststoffmasse am anderen Ende der Kartusche
12 durch eine zentrale Bohrung 24 (Fig. 3) einer Düse 26 ausgepreßt. Druckluft wird
gleichzeitig über ein Heizelement 28 für Sprühluft und ein Ventil 27 einer in der
Düse 26 angeordneten, ringförmigen Verteilerkammer 32 zugeführt, aus der sie durch
fünf, zur Düsenspitze hin zusammenlaufende Kanäle 34 zu Austrittschlitzen 36 geführt,
die in geringem Abstand um die zentrale Bohrung 24 herum angeordnet sind. Die aus
der zentralen Bohrung 24 austretende schmelzflüssige Kunststoffmasse wird durch die
aus den Austrittsschlitzen 36 ausströmenden Luftstrahlen zerstäubt und pulverisiert,
so daß die Kunststoffmasse 3 gleichmäßig verteilt auf der Laufseite des Blattbildungssiebes
ankommt und sich dort niederschlägt. Sie bildet dabei eine unregelmäßig vernetzte
Struktur mit einem großen Anteil von Öffnungen. Die Laufzeit des Blattbildungssiebes
von der Sprühpistole 10 bis zu einer Walze ist so groß, daß die Polyurethanmasse bereits
soweit getrocknet und verfestigt ist, daß die Walzen nicht mehr verkleben.
Beispiel:
[0017] Auf ein doppellagiges Blattbildungsgewebe mit einer Längsfadendichte von 61 Faden/cm
und in zwei Lagen angeordneten Querfäden mit einer Querfadendichte in jeder Lage von
24 Fäden/cm wird ein aushärtender Schmelzklebstoff aus einem feuchtigkeitshärtenden
Polyurethan (SUPER GRIP 2000-9802 der Firma Bostik) mit einem Flächengewicht von 80
g/m² aufgebracht. Die Auftragstemperatur beträgt 100°C. Das Blattbildungssieb wird
dabei mit einer Geschwindigkeit von 8 m/min und in einem Abstand von 11 cm unter einem
Sprühkopf des Typs TS-215 HS (Hersteller: Beyer und Otto, 8752 Kleinostheim) hindurchgeführt.
Die seitlichen Luftstrahlen treten unter einem Druck von 3 kPa aus den fünf seitlichen
Schlitzen aus und zerstäuben die austretende Kunststoffmasse. Der Sprühkegel hat einen
Winkel von 35° und die Kunststoffmasse wird in einer Breite von 6 cm aufgetragen.
Die ursprüngliche Durchlässigkeit des Blattbildungssiebes von 325 cfm verringert sich
durch die aufgebrachte Kunststoffmasse auf 297 cfm. Die Laufzeit des Siebes wird durch
die Kunststoffverstärkung etwa um 30 % verlängert.
1. Papiermaschinenbespannung mit einer Verstärkung gegen Abrieb in den Randbereichen
in Form einer auf die Laufseite aufgebrachten Kunststoffmasse, die den Randbereich
der Bespannung teilweise bedeckt, dadurch gekennzeichnet, daß die Kunststoffmasse
(3) in einem unregelmäßigen netzförmigen Muster mit einer offenen Fläche von etwa
30 % auf die Laufseite aufgebracht ist.
2. Bespannung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die die Laufseite bildenden
Fäden (1, 2) mindestens zu 70 % ihrer Länge mit der Kunststoffmasse (3) bedeckt sind.
3. Bespannung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß höchstens 30 % der
Maschenöffnungen durch die Kunststoffmasse (3) verschlossen sind.
4. Verfahren zum Aufbringen einer Kunststoffmasse (3) als Verstärkung auf den Randbereich
der Laufseite einer Papiermaschinenbespannung, wobei ein aus einer Düse ausgepreßter
schmelzflüssiger Kunststoffstrang durch seitlich auftreffende Luftstrahlen pulverisiert
und zerstäubt wird und dadurch auf die Laufseite aufgesprüht wird.