[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur Herstellung von Brenzcatechinen
der allgemeinen Formel I

in der R
1 und R
2 für Wasserstoff oder C
1-C
8-Kohlenwasserstoffreste stehen
[0002] Die Verbindungen I sind bekannt und dienen als Zwischenprodukte für die Synthese
von Pharmaprodukten, Riech- und Geschmacksstoffen.
[0003] In Ind. Eng. Chem., Prod. Res. Dev., 15 (3), 212 (1976) ist die katalytische Hydroxylierung
von Phenol mit Wasserstoffperoxid in Gegenwart von Phosphorsäure und Perchlorsäure
zu Brenzcatechin und Hydrochinon beschrieben.
[0004] Dieses Syntheseverfahren hat jedoch den Nachteil, daß man neben dem Brenzcatechin
noch etwa gleiche Mengen Hydrochinon erhält.
[0005] Die DE-A 20 64 097 lehrt die Herstellung von Brenzcatechinen und deren Monoethern
durch Umsetzung von 2-Alkoxycyclohexanonen oder Cyclohexandion-(1,2)-monoenolethern
in der Gasphase an Palladium auf Li-Al-Spinell-Trägern sowie die Umsetzung von 2,2-Dimethoxycyclohexanon
zum Brenzcatechinmonoether Guajakol.
[0006] Die GB-A 2 051 068 betrifft die Dehydrierung von 2-Alkoxycyclohexanolen zu Brenzcatechinmonoethern
in flüssiger Phase oder in der Gasphase an einem Palladiumkatalysator.
[0007] Chem. Abst.
82, Nr. 23,155783 Z beschreibt die Umsetzung von 1,2-Cyclohexandionen und 2-Hydroxy-oder
2-Alkoxcyclohexanonen in flüssiger Phase an Edelmetallkatalysatoren oder in der Gasphase
an Cu-, Cr- oder Ni-Katalysatoren.
[0008] Aus der DE-A 20 07 737 ist die partielle Veretherung von Brenzcatechin mit Alkylhalogeniden
in schwach wäßrig-alkalischem Medium zu Brenzcatechinmonoalkylethern bekannt.
[0009] Eine weitere Synthesemöglichkeit der Brenzcatechinmonomethylether ist die partielle
Methylierung des Brenzcatechins mit Methanol bei höheren Temperaturen in Gegenwart
von Katalysatoren wie Phosphorsäure (DE-A 12 25 665) oder Phosphaten wie Borphosphat
(DE-A 21 40 738).
[0010] Diese bisher bekannten Verfahren zur Herstellung der Brenzcatechinmonoalkylether
vermögen jedoch sowohl aufgrund der, insbesondere bei hohen Umsätzen, vermehrt auftretenden
Bildung von Dialkylethern und der damit verbundenen Trennprobleme als auch des hohen
Verbrauchs an Alkylierungsmitteln nicht zu befriedigen.
[0011] Ferner ist es aus der DE-A-27 03 077 bekannt, Cyclohexandion-(1,4)-tetramethyldiketal
durch katalytische Dehydrierung und Methanolabspaltung in der Flüssigphase zum Hydrochinondimethylether
umzusetzen.
[0012] Der Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, Brenzcatechine I auf einfachere und wirtschaftlichere
Weise zugänglich zu machen.
[0013] Demgemäß wurde ein neues Verfahren zur Herstellung von Brenzcatechinen der allgemeinen
Formel I

in der R
1 und R
2 für Wasserstoff oder C
1-C
8-Kohlenwasserstoffreste stehen, gefunden, welches dadurch gekennzeichnet ist, daß
man ein 2-Hydroxycyclohexanondialkylketal der allgemeinen Formel II

in der R
3 einen C
1-C
8-Kohlenwasserstoffrest bedeutet, in Gegenwart eines Platinmetalls oder einer Verbindung
eines dieser Metalle als Katalysatoren in der Gasphase und in Gegenwart von Wasser
umsetzt.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren läßt sich wie folgt veranschaulichen:

[0015] Die Ausgangsverbindungen II sind bekannt oder noch bekannten Methoden erhältlich,
z.B. durch elektrochemische Oxidation von Cyclohexanon mit Alkanolen in Gegenwart
eines Hilfselektrolyten und Wasser (DE-A 40 17 576).
[0016] Unter den definitionsgemäßen Verbindungen II werden aus wirtschaftlichen Gründen
solche bevorzugt, in denen die Reste folgende Bedeutung haben:
- Wasserstoff;
- C1-C8-Alkyl, vorzugsweise C1-C4-Alkyl, darunter Vorzugsweise C1-C2-Alkyl wie Ethyl und vor allem Methyl;
- C2-C8-Alkenyl, Vorzugsweise C2-C6-Alkenyl, darunter vorzugsweise C2-C4-Alkenyl wie Propenyl, Butenyl und vor allem Ethenyl;
- C2-C8-Alkinyl, vorzugsweise C2-C6-Alkinyl, darunter vorzugsweise C2-C4-Alkinyl wie Propinyl, Butinyl und vor allem Ethinyl;
- C3-C8-Cycloalkyl, vorzugsweise C5-C7-Cycloalkyl wie Cyclopentyl, Cycloheptyl und besonders Cyclohexyl;
- C7-C8-Arylalkyl, vorzugsweise Phenylethyl und ganz besonders Benzyl;
- Aryl wie vorzugsweise Phenyl.
[0017] Im Hinblick auf die gewünschten Verfahrensprodukte I ist das 2-Hydroxycyclohexanondimethylketal
besonders bevorzugt.
[0018] Aus verfahrenstechnischen Gründen empfiehlt es sich, die 2-Hydroxycyclohexanondimethylketale
II in Form von Lösungen einzusetzen und zusammen mit dem Lösungsmittel zu verdampfen.
[0019] Zur Gewinnung der Verbindungen I ist Wasser, auch in Form von Gemischen, als Lösungsmittel
bevorzugt.
[0020] Im allgemeinen enthalten die Lösungen 10 bis 80 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 50 Gew.-%
der Verbindung II.
[0021] Die im erfindungsgemäßen Verfahren einzusetzenden Katalysatoren sind Platinmetalle
oder Verbindungen eines dieser Metalle.
[0022] Man kann die Katalysatoren in metallischer Form, in Form von Salzen und Oxiden oder
in Form von Komplexverbindungen einsetzen.
[0023] Als Katalysatoren in metallischer Form eignen sich bevorzugt Platin und insbesondere
Palladium.
[0024] Vorzugsweise verwendet man die Metalle in Form von Trägerkatalysatoren auf Trägern
mit möglichst großer Oberfläche. Bevorzugte Träger sind Aluminiumoxid, Siliciumoxid,
Titanoxid, Zinkoxid, Lanthanoxid, Zirkonoxid, Bariumsulfat, Aluminiumsilikat, Spinelle
oder Gemische dieser Materialien sowie vor allem Kohle, wobei Palladium auf Kohle
besonders hervorzuheben ist.
[0025] Die Trägerkatalysatoren haben vorzugsweise einen Gehalt an aktiven Metallen von 0,2
bis 5, besonders 0,6 bis 1,5 Gew.-%, bezogen auf die Summe aus Träger und katalytisch
aktiven Metallen, berechnet als Metall.
[0026] Die Katalysatoren können wahlweise als 2- bis 4-mm-Stränge oder als Tabletten mit
3 bis 5 mm Durchmesser, als Splitt mit Teilchengrößen von 0,05 bis 1 mm, vorzugsweise
0,1 bis 0,5 mm als größten Durchmesser oder als Pulver mit Teilchengrößen von 0,05
bis 0,5 mm eingesetzt werden, wobei sich das Pulver auch als Wirbelkontakt eignet.
[0027] Verwendet man die definitionsgemäßen Katalysatormetalle in Form ihrer Verbindungen,
so eignen sich hierbei besonders Komplexverbindungen des Rutheniums und Rhodiums,
beispielsweise Rhodiumacetylacetonat sowie Komplexe mit mindestens zwei Liganden vom
Typ der Triorganylphosphorverbindungen und Kohlenmonoxid als weitere Liganden.
[0028] Die Katalysatorbelastung beträgt beim kontinuierlichen Verfahren 0,1 bis 20 kg, vorzugsweise
1 bis 5 kg der Verbindung II pro kg des Metalls.
[0029] Wirtschaftlich sehr vorteilhaft ist es, die Platinmetallkatalysatoren in partiell
desaktivierter Form einzusetzen, da dies, insbesondere bei hochaktiven Metallen, zu
höherer Produktselektivität führt.
[0030] Als desaktivierende Katalysatorgifte eignen sich bevorzugt Schwefel, Selen, Tellur,
Jod und Bariumsulfat, die im allgemeinen in Mengen von 0,05 bis 0,3 Gew.-%, Vorzugsweise
0,1 bis 0,15 Gew.-% der Verbindung II eingesetzt werden.
[0031] Üblicherweise führt man die Reaktion bei 200 bis 400°C, vorzugsweise bei 240 bis
340°C und ganz besonders bevorzugt bei 280 bis 300°C durch. Da in der Gasphase umgesetzt
wird, muß die Temperatur mindestens so hoch gewählt werden, daß ein vollständiges
Verdampfen der Ausgangsverbindung II gewährleistet ist.
[0032] Zweckmäßigerweise wird die Umsetzung bei Normaldruck vorgenommen, jedoch kann man
auch bei vermindertem oder leicht erhöhtem Druck arbeiten, also etwa im Bereich von
10 mbar bis 20 bar.
[0033] Die Reaktionszeiten betragen normalerweise 0,1 bis 60 Sekunden, meistens 1 bis 5
Sekunden.
[0034] Es kann zweckmäßig sein, zur Unterdrückung von Dehydratisierungsprozessen die Umsetzung
unter Mitverwendung von basischen Zusätzen durchzuführen. Hierbei eignen sich Stickstoffbasen
wie Triethylamin, Cyclohexylamin und Pyridin. Bevorzugt sind Alkalihydroxide wie Natron-
und Kalilauge und Alkalialkoholate wie Natriummethanolat, Kaliummethanolat und Natriumethanolat.
Besonders bevorzugte Basen sind Alkalicarbonate wie Natriumcarbonat und vor allem
Kaliumcarbonat.
[0035] Diese werden üblicherweise in Mengen von 0,1 bis 3,0 Gew.-%, vorzugsweise von 1,0
bis 1,5 Gew.-% der Verbindungen II eingesetzt.
[0036] Die Umsetzung erfolgt in der Gasphase, wobei eine Festbettreaktion und eine Gasphasenreaktion
im Wirbelbett in Betracht kommen.
[0037] Um die Katalysatoraktivität während der Dehydrierung aufrechtzuerhalten, empfiehlt
es sich, ein Trägergas aus Wasserstoff oder einem Gemisch aus Wasserstoff und Stickstoff
oder Argon zu verwenden.
[0038] Eine wirtschaftlich sehr vorteilhafte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
besteht in der Festbettreaktion, indem man das 2-Hydroxycyclohexanondialkylketal II,
gegebenenfalls in Lösung, verdampft und als Gasphase, gegebenenfalls mit Hilfe eines
Trägergases, über einen festen Katalysator leitet.
[0039] Für den Fall der lösungsmittelfreien Zugabe der Verbindung II wird zur Gewinnung
der Verfahrensprodukte I Wasser in Form von Wasserdampf zugesetzt.
[0040] Man kann die Aufarbeitung des Gemisches auf die Verfahrensprodukte in an sich bekannter
Weise vornehmen, und zwar in der Regel durch fraktionierende Destillation des Reaktionsgemisches
und gegebenenfalls anschließende Extraktion.
[0041] Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren auf einfache und wirtschaftliche Weise erhältlichen
Brenzcatechine I können als Zwischenprodukte zur Synthese von Pharmaprodukten wie
Verapamil, von Riechstoffen und Geschmacksstoffen wie Vanillin verwendet werden.
Beispiel
Herstellung von Brenzcatechin
[0042] Innerhalb einer Stunde wurde eine Lösung aus 6 g 2-Hydroxycyclohexanondimethylketal
in 24 g Wasser bei einer Temperatur von 300°C verdampft und wurde zusammen mit 60
l eines 1:1-Gemisches aus Wasserstoff und Stickstoff als Trägergas mit einer Verweilzeit
von 2 Sekunden über 100 g eines festen Palladiumkatalysators (1 Gew.-% Palladium auf
Kohle; vergiftet mit 0,1 Gew.-% Schwefel; basischer Zusatz : 1,5 Gew.-% Kaliumcarbonat)
geleitet.
[0043] Die übliche Aufarbeitung durch fraktionierende Destillation führte zu einer Ausbeute
an Brenzcatechin von 74,1 %.
[0044] Bei Verwendung einer 9 : 1-Mischung aus Methanol und Wasser erhielt man eine Produktmischung
aus 30,70 % Brenzcatechinmonomethylether und 23,3 % Brenzcatechin.