TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Welle einer Turbomaschine, die einen oder mehrere
rotationssymmetrische Hohlräume aufweisst.
[0002] Die Erfindung nimmt dabei Bezug auf einen Stand der Technik, wie er sich beispielsweise
aus der DE-PS 26 33 829 ergibt.
TECHNOLOGISCHER HINTERGRUND UND STAND DER TECHNIK
[0003] Im Inneren der Wellen von grossen Turbomaschinen befinden sich in der Regel aus Herstellungsgründen,
z.B. bei geschweissten Rotoren und/oder aus Kosten- und Gewichtsgründen grosse rotationssysmmetrische
Hohlräume. Bei geschweissten Wellen sind diese Hohlräume mit dem beim Schweissen verwendeten
Schutzgas, typischerweise Argon, gefüllt. Dabei dürfte der Druck tiefer liegen als
der Atmosphärendruck, weil die Schweissung bei hoher Temperatur und etwa Atmosphärendruck
erfolgt.
[0004] Solche Hohlräume wirken bei transienten Aufheizvorgängen und in gewissen Fällen auch
im stationären Fall thermisch isolierend. Dadurch können starke Differenzdehnungen
entstehen, die zu frühzeitiger Materialermüdung führen.
KURZE DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0005] Ausgehend vom Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, Massnahmen
anzugeben, welche die isolierende Wirkung der besagten Hohlräume vermindern oder gar
aufheben.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass der oder die Hohlräume mit
einem Gas gefüllt sind, dessen Wärmeleitfähigkeit grösser ist als die von Luft oder
die des Schutzgases, und/oder dass in dem bzw. den Hohlräumen Einbauten zur Vergrösserung
des Wärmeübergangs vorgesehen sind.
[0007] Aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen an den Endwänden der Hohlräume in den
Wellen stellen sich induzierte Grenzschichtströmungen ein, die dem heissen Ende Wärme
entziehen und dem kalten Ende zuführen. Wählt man nun Gase, die für diese Art der
konvektierenden Wärmeübertragung besser geeignet sind, z.B. Gase mit grösseren Molekülen
wie Schwefelhexafluorid oder gewissen Freone, dann kann die Wärmeübertragung massiv
verstärkt werden. Denkbar wären auch Dämpfe, die auf der kalten Seite kondensieren.
Zusätzlich kann der Hohlraum unter Druck gesetzt werden, um einen erhöhten Wärmeübergang
zu erreichen.
[0008] Alternativ oder zusätzlich zur genannten Gas- bzw. Dampffüllung können an den wärmeübertragenden
Wänden auch Einbauten, z.B. radial-axial verlaufende Rippen vorgesehen werden. Eine
solche Massnahme verbessert einerseits wegen der vergrösserten Fläche den konvektiven
Wärmeübergang, andererseits wird die induzierte Grenzschichtströmung deshalb - verstärkt,
weil die Rippen die Ablenkung der Coriolis-Beschleunigung unterdrücken. Mit diesen
Massnahmen kann die isolierende Wirkung eines Hohlraumes in der Welle einer Turbomaschine
stark abgeschwächt oder gar aufgehoben werden.
[0009] Die Erfindung wird nachstehend anhand in der Zeichnung dargestellter Ausführungsbeispiele
näher erläutert.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0010] In der Zeichnung zeigt
- Fig.1
- in schematisierter Form einen Schnitt durch eine geschweisste Welle einer Turbomaschine;
- Fig.2
- eine schematische Darstellung der Grenzschichtströmung im Hohlraum der Welle nach
Fig.1;
- Fig.3
- ein Längschnitt durch einen mit rippenförmigen Einbauten versehenen Hohlraum in der
Welle nach Fig.1;
- Fig.4
- einen Querschnitt durch die Welle nach Fig.3 längs deren Linie AA.
DETAILLIERTE BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0011] Die Welle einer Turbomaschine gemäss in Fig.1 besteht aus im Beispielsfall zwei Wellenteilen
1, 2 die mittels Schweissen miteinander verbunden sind. Die Schweissnaht ist mit 3
bezeichnet. Sie erstreckt sich aus konstruktiven Gründen nur über einen Bruchteil
der Stirnfläche. Die Wellenenden der Wellenteile 1 und 2 weisen rotationssymmetrische
Ausnehmungen auf, welche (nach dem Schweissen) einen rotationssymmetrischen Hohlraum
4 bilden. Der linke Wellenteil 1 trägt die Turbinen-Rotorbeschaufelung 5, der rechte
Wellenteil 2 trägt die Verdichterbeschaufelung 6. Die turbinenseitige Stirnwand 7
(heisse Seite) des Hohlraums 4 nimmt bei transienten Aufheizvorgängen und in gewissen
Fällen auch im Betriebszustand eine höhere Temperatur an als die verdichterseitige
Stirnwand 8 (kalte Seite) des Hohlraums 4. Abschätzungen zeigen, dass bei einer Gasturbine
mit geschweisster Welle die strahlungsbedingte Wärmeübeertragung in einem Hohlraum
etwa 5% der metallischen Wärmeleitung erreicht. Bei einem mit Gas gefüllten Hohlraum
4 stellen sich aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen an den Endwänden des Hohlraums
in den Wellen induzierte Grenzschichtströmungen 10a ein, die dem heissen Ende 7 Wärme
entziehen und dem kalten Ende 8 zuführen, wobei sich im torusförmigen Bereich 10b
rund um die Wellenachse 9 Festkörperwirbel mitllerer Temperatur ausbilden. Diese Grenzschichtströmungen
tragen zur Verbesserung des Wärmeüberganges bei und erreichen im Falle eines mit Argon
gefüllten Hohlraums der konvektivie Wärmeübergang etwa 10% der metallischen Wärmeleitung.
Durch die erfindungsgemässe Füllung des Hohlraums 4 mit einem Gas mit grossen Molekülen,
vorzugsweise Schwefelhexafluorid, lässt sich nun dieser Effekt bedeutend verstärken.
Auch kann der Hohlraum 4 unter Druck gesetzt werden, um eine weitere Erhöhung der
Wärmeübergangs zu erreichen. Anstelle der genannten Gase können auch Dämpfe, verwendet
werden, die auf der kalten Seite 8 des Hohlraums 4 kondensieren.
[0012] Eine weitere Erhöhung des Wärmeüberganges lässt sich erreichen, wenn an den Stirnwänden
des Hohlraums 4 Einbauten in Gestalt von radial verlaufenden und axial in den Hohlraum
4 hineinragenden Rippen 11 vorgesehen sind. Diese vergrössern einerseits die wärmeübertragende
Fläche für den konvektiven Wärmeübergang, andererseits verstärken sie die Grenzschichtströmung
im Hohlraum, weil die Rippen 11 die Ablenkungswirkung der Coriolis-Beschleunigung
unterdrücken. Diese Massnahme kann allein oder in Kombination mit einer speziellen
Gas- oder Dampffüllung ergriffen werden.
[0013] Die kombinierte Anwendung einer speziellen Gasfüllung und axial-radialer Rippen im
Hohlraum führt zu Wärmeübergängen im Hohlraum, die bis nahe an die metallische Wärmeleitung
heranreichen, so dass die isolierende Wirkung des oder der Hohlräume in der Welle
einer Turbomaschine abgeschwächt oder gar aufgehoben wird. Während das Anbringen von
Einbauten bereits im Zuge der Herstellung der Welle vorgenommen werden muss, lassen
sich (verschliessbare) Einfüllöffnungen für Gase oder Dämpfe auch nachträglich in
die Welle einbringen.
1. Welle einer Turbomaschine, die einen oder mehrere rotationssymmetrische Hohlräume
(4) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass der oder die Hohlräume (4) mit einem Gas
gefüllt sind, dessen Wärmeleitfähigkeit grösser ist als die von Luft oder die eines
Schutzgases, und/oder dass in den stirnseitigen Wandungen des bzw. der Hohlräumen
(4) Einbauten (11) zur Vergrösserung des Wärmeübergangs vorgesehen sind.
2. Welle nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der bzw. die Hohlräume (4) mit
Schwefelhexafluorid, einer verdampfbaren Flüssigkeit oder Freon gefüllt ist bzw. sind.
3. Welle nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass an den Strinwänden des
Hohlraums (4) radial verlaufende, axial in den Hohlraum (4) hineinragende Rippen (11)
vorgesehen sind.