[0001] Verfahren für eine selbsttätige verkehrstechnische Koordinierung eines unabhängigen
Knotenpunkt-Steuergeräts einer Straßenverkehrs-Lichtsignalanlage mit einem oder mehreren
Nachbarknoten.
[0002] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren für eine selbsttätige verkehrstechnische
Koordinierung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0003] In den Außenbereichen von Städten, wo die koordinierte Steuerung des Straßennetzes
aufhört und die unabhängigen Signalanlagen der Straßenbauämter in den Vororten beginnen,
gibt es immer größere Probleme mit der Verkehrsabwicklung. Die fehlende Koordinierung
und die meist unterschiedlichen Signalumläufe führen zu einem sehr unbefriedigenden
Verkehrsablauf. Im allgemeinen stehen weder eine Funkuhr in den Geräten noch Leitungen
für eine Abstimmung zur Verfügung, so daß eine Koordinierung nicht möglich ist.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es daher, ein Verfahren zur Verbesserung der Steuerung
eines unabhängigen Knotens anzugeben, welche selbsttätig zu einem gut angepaßten Betrieb
der Lichtsignalanlage führt.
[0005] Diese Aufgabe wird bei einem eingangs genannten Verfahren mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Aus der hieraus gewonnenen und bewerteten Verkehrsintensität
können periodische Erscheinungen mit bestimmter Zyklusdauer innerhalb des zufließenden
Verkehrs erkannt werden.
[0006] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird durch systematische Analyse der vom benachbarten
Knoten, der im allgemeinen eine koordinierte Steuerung aufweist, zufließende Verkehr
festgestellt und dabei vorhandene, zyklisch auftretende Schwankungen in der Verkehrsstärke
ermittelt und die Signifikanz dieser Zyklen mit statistischen Methoden untersucht.
Dabei wird der ankommende Verkehr über einen längeren Meßzeitraum von beispielsweise
mehreren Minuten in einem engen Zeitraster mit einer sehr kurzen Intervalldauer, beispielsweise
5 Sekunden, erfaßt. Dabei wird die Anzahl der Fahrzeuge pro Zeitintervall ermittelt
und abgespeichert. Aus diesen Meßwerten erhält man so eine detaillierte Beschreibung
des ankommenden Verkehrs über diesen Zeitraum, der anschließend auf zyklische Eigenschaften
untersucht wird.
[0007] Zu diesem Zweck wird der betrachtete Meßzeitraum in Testzyklen mit gleicher Zykluszeit
eingeteilt und die Elementar-Meßintervalle innerhalb eines jeden Testzyklus' von eins
beginnend durchnumeriert. Danach werden die Meßwerte mit gleicher Intervallnummer
innerhalb der Testzyklen aufsummiert, so daß eine zyklische Abbildung des gesamten
Meßzeitraumes auf den gewählten Testzyklus entsteht, deren Mittelwert und Varianz
charakteristische Größen für die betrachtete Zykluszeit der Testzyklen sind. Die Größe
der Varianz stellt ein Maß für die zyklischen Eigenschaften des gemessenen, zufließenden
Verkehrs bezogen auf die betrachtete Zykluszeit der Testzyklen dar. Nacheinander werden
systematisch derartige Testzyklen-Abbildungen für verschiedene Zykluszeiten untersucht
und die jeweils zugehörigen Mittelwerte und Varianzen bestimmt, so daß man einen Überblick
in Form einer Art Spektrum gewinnt, welche zyklischen Eigenschaften und mit welcher
Ausprägung im ankommenden Verkehr vorhanden sind.
[0008] Das erfindungsgemäße Verfahren hat den Vorteil, daß unabhängige Straßenkreuzungsgeräte
automatisch eine koordinierte Steuerung der Lichtsignalanlage durchführen können,
wenn aufgrund der Verkehrsmessung und Auswertung der auf den Knoten zukommenden Fahrzeuge,
ein hinreichend signifikanter Zyklus festgestellt wurde. Zweckmäßigerweise wird die
Erfassung der Fahrzeuge und die Ermittlung der Verkehrsintensität laufend durchgeführt
und die Analyse in bestimmten Zeitabständen mit den neuen Meßwerten wiederholt, um
eventuelle Änderungen der Verkehrsintensität bzw. der Fahrzeugzyklen zu erkennen und
dementsprechend die Koordinierung anpassen zu können.
[0009] In einer Weiterbildung der Erfindung wird der Varianzwert jedes Testzyklus mit einem
Kompensationsfaktor beaufschlagt. Dies hat seinen Grund darin, daß die Anzahl der
Testzyklen bei der Einteilung des festen Meßzeitraums in Testzyklen wesentlich von
der betrachteten Zykluszeit abhängt. Dementsprechend bestehen die einzelnen Meßwertsummen
der Abbildung des Meßzeitraumes auf den jeweiligen Testzyklus aus unterschiedlich
vielen Summanden: Bei großer Zykluszeit wenige Summanden, bei kleiner Zykluszeit viele.
Dies überträgt sich auch auf die Mittelwerte: Sie sind bei kleinen Zykluszeiten größer
als bei großen und dasselbe gilt auch für Varianzen. Um die Varianz-Größen für alle
Zykluszeiten wirklich vergleichbar zu machen, führt man daher einen Kompensationsfaktor
für die Varianz ein, der sich etwa umgekehrt proportional der Mittelwerte der Testzyklus-Abbildungen
für die verschiedenen Zykluszeiten verhält. Die Varianz wird also bewertet, indem
der jeweilige Varianzwert auf einen festen Mittelwert normiert wird, der einer bestimmten
Zykluszeit, z.B. 60 sec., entspricht.
[0010] Dieses Verfahren arbeitet mit dem beschriebenen, verhältnismäßig einfachen, statistischen
Filter sehr selektiv, solange die Intensität des zufließenden Verkehrs ungleichmäßig
über einen Zyklus verteilt ist. Es müssen also feste Zeitbereiche mit großer und kleiner
Verkehrsintensität gegeben sein, die sich zyklisch in gleichen Zeitabständen wiederholen,
um einen Fahrzeugzyklus erkennen zu können. Dies ist in der Regel bei einem Verkehrsfluß
der Fall, der eine signalgesteuerte Kreuzung verläßt, es sei denn, daß Einbieger-
und Geradeausverkehr gleich stark sind und zu einem einzigen Verkehrsfluß verschmelzen,
dessen Intensität dann gleichmäßig über einen Signalumlauf verteilt ist. In diesem
Fall kann dann kein Fahrzeugzyklus erkannt werden und eine entsprechend koordinierte
Steuerung ist auch nicht nötig. Die Lichtsignalanlage wird dann entweder eine verkehrsabhängige
oder eine Festzeitsteuerung solange vornehmen, bis aufgrund der ständig wiederholten
Analyse der laufenden Verkehrsintensität wieder ein zyklisches Verhalten ermittelt
wird.
[0011] Anhand einer Zeichnung mit verschiedenen Diagrammen wird das erfindungsgemäße Verfahren
kurz erläutert. Es zeigen
Fig. 1 Anzahl der Fahrzeuge pro Zeitintervall über den gesamten Meßzeitraum mit 7
Testzyklen zu je 50 sec,
Fig. 2 Fahrzeugsummen über diese 7 Testzyklen, Abbildung des Meßzeitraums auf den
Testzyklus von 50 sec,
Fig. 3 Anzahl der Fahrzeuge pro Zeitintervall mit 4 Testzyklen zu je 90 sec,
Fig. 4 Fahrzeugsummen über diese 4 Testzyklen, Abbildung des Meßzeitraums auf den
Testzyklus von 90 sec., und
Fig. 5 Fahrzeugsummen-Mittelwerte µ, -Varianzen v und kompensierte Varianzen v' für
Testzyklen mit unterschiedlichen Zykluszeiten.
[0012] In Fig. 1 ist die Anzahl z der gemessenen bzw. ermittelten Fahrzeuge pro Zeitintervall
ti = 5 sec über den gesamten Meßzeitraum MZ = 6 min = 360 sec aufgetragen. Bei einem
Meßzeitraum ME von 360 sec und einer Intervalldauer ti von 5 sec ergeben sich insgesamt
72 Intervalle. Dieses Diagramm zeigt einen bestimmten Fahrzeugzyklus, der nun nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren aus den erfaßten und gespeicherten Werten zu ermitteln
ist. Dazu werden - wie oben beschrieben - Testzyklen mit verschiedenen Zykluszeiten,
bei Fig.1 beispielsweise 50 sec, in der Fig.3 beispielsweise 90 sec, zugrunde gelegt,
um das erfaßte Verkehrsgeschehen mathematisch zu analysieren. Bei einer Zykluszeit
TZ = 50 sec ergeben sich für den Meßzeitraum ME = 360 sec 7 Zyklen. Die Anzahl der
Fahrzeuge innerhalb eines jeweiligen Zyklus werden nun bezogen auf das Zeitintervall
aufsummiert, z.B. die Summe über die Intervalle 1,11,21, ...,61 bildet in Fig.2 den
ersten Meßpunkt (für das dortige Intervall 1). Für einen Zyklus mit einer Zykluszeit
TZ von 50 sec ergibt das 10 Zeitintervalle. Die ermittelten Fahrzeugsummen S pro Zeitintervall
sind in Fig.2 dargestellt. (Abbildung des Meßzeitraums auf den Testzyklus). Für diesen
Testzyklus Zy läßt sich dann ein Mittelwert µ errechnen. Der Mittelwert µ beträgt
hier 6,5. Um nun eine Aussage dahingehend zu treffen, ob der Testzyklus mit einem
etwa vorhandenen Fahrzeugzyklus innerhalb der gespeicherten Meßwerte übereinstimmt,
wird die Varianz für diesen Testzyklus ermittelt, denn je größer die Varianz wird,
desto besser stimmt der Testzyklus mit dem tatsächlichen Fahrzeugzyklus überein. Die
Varianz v beträgt für dieses Ausführungsbeispiel 2,72.
[0013] In den Fig.3 und 4 ist die Anzahl z der Fahrzeuge bzw. die Summen S der Fahrzeuge
für einen weiteren Testzyklus Zy mit einer Zykluszeit TZ = 90 sec dargestellt. Bei
der Zykluszeit TZ von 90 sec ergeben sich für den Meßzeitraum MZ = 360 sec 4 Testzyklen,
wobei jeder Testzyklus 18 Zeitintervalle i umfaßt. Die Fahrzeugsummen für diesen Testzyklus
Zy sind in Fig. 4 dargestellt. Ebenso wurde der Mittelwert µ = 3,667 ermittelt und
eingezeichnet. Die daraus resultierende Varianz v = 5,765.
[0014] In Fig. 5 sind von zehn verschiedenen Testzyklen mit unterschiedlichen Zykluszeiten
TZ = 30 sec bis TZ = 120 sec, die Mittelwerte µ, die Varianzen v und die kompensierten
Varianzen v' eingezeichnet, so daß sich das dort ersichtliche Diagramm ergibt, wobei
die Mittelwerte gewissermaßen Fahrzeugsummen S sind. Hier sieht man deutlich, daß
mit der Varianz v schon eine Aussage bezüglich eines Zyklus zu erkennen ist. Diese
Aussage wird jedoch zuverlässiger und wesentlich deutlicher sichtbar mit Hilfe der
kompensierten Varianz v'. Bei einer Zykluszeit TZ von 50 sec ergibt sich ein Mittelwert
µ von 6,5, und eine Varianz v = 2,8, wie oben bereits gesagt.
[0015] Die dazugehörige kompensierte Varianz ist v' = 2. Bei einem Testzyklus mit einer
Zykluszeit von 60 sec ergibt sich ein Mittelwert µ = 5,5, die Varianz v = 1 und die
kompensierte Varianz v'ebenfalls 1, weil die kompensierte Varianz sich auf den Testzyklus
mit einer Zykluszeit von 60 sec bezieht. Bei dem Testzyklus mit einer Zykluszeit von
90 sec zeigt sich nun sehr deutlich, daß ein Fahrzeugzyklus mit einer Zykluszeit von
90 sec vorhanden ist. Dabei betragen die Varianz v = 5,8 und die kompensierte Varianz
v' = 13. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann eine zuverlässige Aussage gemacht
werden, ob ein Fahrzeugzyklus vorhanden ist und wenn ein Fahrzeugzyklus erkennbar
ist, dessen Zyklusdauer.
1. Verfahren für eine selbsttätige verkehrstechnische Koordinierung eines unabhängigen
Knotenpunkt-Steuergeräts einer Straßenverkehrs-Lichtsignalanlage mit einem oder mehreren
Nachbarknoten, wobei der dort zufließende Verkehr erfaßt und analysiert wird,
dadurch gekennzeichnet,
daß für einen vorgebbaren Meßzeitraum (MZ) mit einer Vielzahl (I) von Zeitintervallen
bestimter Intervalldauer (ti) die Anzahl (z) der Fahrzeuge pro Zeitintervall (i) ermittelt
und gespeichert wird, daß der Meßzeitraum (MZ) in k Testzyklen (Zy) mit bestimmter,
jeweils gleichlanger Zykluszeit (TZ) eingeteilt wird, daß eine Abbildung (Si) des
gesamten Meßzeitraums (MZ) auf nur einen Testzyklus (Zy) mit der bestimmten Zykluszeit
(TZ) vorgenommen wird, indem die Anzahl (z) der Fahrzeuge der jeweils gleichen Zeitintervalle
(i) innerhalb der k vorhandenen Testzyklen aufsummiert:

und gespeichert wird,
daß für die Abbildung (Si) des Meßzeitraums (MZ) auf einen Testzyklus (Zy) mit der
bestimmten Zykluszeit (TZ) der Mittelwert µ und die Varianz v berechnet werden, wobei
die Größe der Varianz ein Maß für Periodizität des zufließenden Verkehrs für diese
Zykluszeit ist,
daß solche Abbildungen und Berechnungen für eine Reihe von Testzyklen mit verschiedenen
Zykluszeiten durchgeführt werden, wobei die Werte der Varianz ein Periodizitäten-Spektrum
des erfaßten Verkehrs bilden,
und daß aus diesem Spektrum bei hinreichender Signifikanz ein Fahrzeugzyklus und dessen
Zykluszeit zur koordinierten Steuerung der Signalanlage mit der entsprechenden Signalumlaufzeit
festgestellt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß jeder Varianzwert (v) der verschiedenen Testzyklen (Zy) kompensiert wird, wobei
der kompensierte Varianzwert (v') mit einem Kompensationsfaktor beaufschlagt ist,
der aus dem Verhältnis vom Mittelwert (µo) eines ganz bestimmten Testzyklus zu dem
Mittelwert (µ) des jeweiligen Testzyklus (Zy) gebildet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abbildung des Meßzeitraums (MZ) auf denjenigen Zyklus mit maximaler Varianz
bzw. maximal kompensierter Varianz (Maximum des Spektrums) als gemessene Verteilung
der ankommenden Verkehrsintensität in der festgestellten Signalumlaufzeit (Zykluszeit
mit max. Varianz) dient, die dann für eine anschließende Versatzoptimierung verwendet
wird.