[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Vorausbestimmung der wahrscheinlichen
Zeitdauer bis zu einer nicht mehr zulässigen Empfindlichkeitsveränderung, d.h. Funktionsdauer
von Gefahrenmeldern einer Gefahrenmeldeanlage, die mit Ruhewertnachführung arbeitet.
[0002] Gefahrenmelder, vorzugsweise Rauchmelder, verändern im Laufe ihrer Betriebszeit durch
Umgebungseinflüsse, vor allem durch Verschmutzung, ihre Empfindlichkeit. Um sicherzustellen,
daß weder durch Empfindlichkeitserhöhung die Falschalarmanfälligkeit stark zunimmt
noch durch Empfindlichkeitsreduzierung der zu erwartende Schutzumfang nicht mehr gewährleistet
ist, müssen derartige Empfindlichkeitsveränderungen rechtzeitig erkannt werden.
[0003] Es ist allgemein üblich, derartige Gefahrenmelder in bestimmten, aus der Erfahrung
gewonnenen Zeitintervallen, die von den Einsatzbedingungen abhängig sind, generell
auszutauschen und soweit möglich zu reinigen und weiter zu verwenden. Dabei wird in
der Regel nicht geprüft, inwieweit sich die Melderempfindlichkeit tatsächlich verändert
hat. Bei diesem aufwendigen Verfahren werden eine große Anzahl von Meldern ausgetauscht,
welche noch voll funktionsfähig sind und noch für lange Zeit in der Gefahrenmeldeanlage
hätten verbleiben können, was unnötig hohe Kosten verursacht.
[0004] Dieses generelle Austauschverfahren war und ist für Grenzwertmelder gerechtfertigt,
deren Verschmutzungsgrad in der Meldeanlage nicht erkennbar ist und bei denen die
Verschmutzung die Melderempfindlichkeit erheblich beeinflußt.
[0005] Es sind jedoch auch Gefahrenmeldesysteme mit Grenzwertmeldern bekannt, bei denen
während des normalen Betriebes der Gefahrenmeldeanlage festgestellt werden kann, ob
sich die Melderempfindlichkeit verändert hat. Beispielsweise werden durch spezielle
Testroutinen Meldersignale derart verändert, daß diese Melder einmal Alarm auslösen
müssen und im anderen Fall keinen Alarm auslösen dürfen. Darüberhinaus ist es möglich,
durch Einführung zusätzlicher Überwachungsschwellen bei deren Über- oder Unterschreitung
eine Warnung abzugeben. Aufgrund dieser Maßnahmen werden Empfindlichkeitsänderungen
erkennbar und Falschalarme reduziert. Es werden jedoch in nachteiliger Weise bis zu
diesem Zeitpunkt erhebliche Veränderungen der Ansprechempfindlichkeit zugelassen.
Dieser Maßnahme liegen hauptsächlich wirtschaftliche Überlegungen zugrunde, denn bei
einer zu frühzeitigen Warnung würde die Funktionsdauer der Melder entscheidend verkürzt,
was höhere Kosten für den Melderaustausch zur Folge hätte.
[0006] Bei Gefahrenmeldesystemen, in denen analoge Meldermeßwerte zur Zentrale übertragen
und dort weiterverarbeitet werden, z.B. beim bekannten Pulsmeldesystem, wird heute
betriebsmäßig überwacht, ob der aus den aktuellen Meldermeßwerten abgeleitete Ruhewert
noch im zulässigen Arbeitsbereich liegt. Verläßt der Melderruhewert, beispielsweise
aufgrund von Verschmutzung, seinen Arbeitsbereich, so wird zuerst eine Wartungsschwelle,
später eine Störungsschwelle überschritten, was in der Zentrale für den betreffenden
Melder angezeigt werden kann. Beim Pulsmeldesystem wird durch die Ruhewertnachführung
und die gleitende Alarmberechnungsschwelle die Melderempfindlichkeit über einen sehr
langen Zeitraum konstant gehalten (EP-B1-0 70 449). Bei diesem Meldesystem wäre ein
Austausch ausschließlich von verschmutzten Meldern, also von solchen, die nach Überschreiten
einer der genannten Schwellen selbsttätig angezeigt werden, möglich. Ein derartig
gezielter Austausch wird jedoch im allgemeinen nicht vorgenommen.
[0007] Die Zeitdauer für das Durchlaufen des Arbeitsbereichs des Melders, d.h. seine Funktionsdauer,
ist jedoch stark davon abhängig, unter welchen Umgebungsbedingungen der Melder eingesetzt
ist. Werden tatsächlich die wegen Uberschreitung der Wartungsschwelle angezeigten
Melder ausgetauscht, so hat dieses Verfahren den Nachteil, daß kurze Zeit nach dem
Austausch der angezeigten, verschmutzten Melder ein oder mehrere andere Melder in
den Wartungs- bzw. Störungsbereich kommen und somit zusätzliche Wartungs- und Wegkosten
anfallen können. Aus diesem Grund wird auch bei Gefahrenmeldeanlagen, die nach dem
Prinzip der Pulsmeldetechnik arbeiten, weiterhin das von der Grenzwertmeldetechnik
hier eingeführte regelmäßige Austauschverfahren, wenn auch mit verlängerten Zeitabständen,
beibehalten.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es, für Gefahrenmeldeanlagen mit Ruhewertnachführung und
gleitender Alarmberechnungsschwelle ein Verfahren anzugeben, welches erlaubt, die
voraussichtliche Melderlebensdauer im Hinblick auf seine Funktionstüchtigkeit vorauszubestimmen.
[0009] Diese Aufgabe wird bei dem eingangs beschriebenen Verfahren mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
[0010] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird für jeden Melder aus seiner Ruhewertänderung
über eine bestimmte, vergangene Zeit hinweg und aus seiner vorgegebenen Funktionsschwelle,
die beispielsweise deutlich mit einer bereits im System vorhandenen Schwelle (Wartungs-
oder Störungsschwelle) identisch sein könnte, durch Extrapolation die voraussichtliche
Melderlebensdauer, besser gesagt, seine wahrscheinliche Funktionsdauer, ermittelt.
Es wird also, im allgemeinen bei gleichbleibenden Umgebungseinflüssen, die Zeitdauer
der Funktionstüchtigkeit vorausbestimmt. Dadurch kann der Wartungstechniker bei einer
beispielsweise turnusmäßigen Wartung durch Eingabe des zeitlichen Abstands bis zum
nächsten Wartungstermin alle Melder ermitteln, die voraussichtlich bis dahin die Funktionsschwelle
erreichen werden, und dann diese gleichzeitig auch austauschen. Das erfindungsgemäße
Verfahren hat den Vorteil, daß nur noch verschmutzte Melder getauscht werden, ohne
dadurch zusätzliche Wartungskosten und Wegezeiten zu verursachen. Da aus den jetzigen
Reinigungsverfahren bekannt ist, daß von den derzeit turnusmäßig ausgetauschten Meldern
nur ein sehr geringer Teil tatsächlich verschmutzt ist, lassen sich mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erhebliche Kosten einsparen, wenn aufgrund dieses Verfahrens in Zukunft
deutlich weniger Melder getauscht und gegebenenfalls gereinigt werden müssen, als
bisher. Eine große Anzahl von sauberen und voll funktionsfähigen Meldern kann somit
wesentlich länger in der Gefahrenmeldeanlage verbleiben.
[0011] Zweckmäßigerweise kann die Melderlebensdauer, besser Funktionsdauer, errechnet werden,
indem die Differenz von einem Istzeitpunkt und einem Bezugszeitpunkt in der Vergangenheit
mit einem Quotienten multipliziert wird, welcher aus der Differenz von der Funktionsschwelle
und dem Melderruhewert zum Istzeitpunkt und aus der Differenz von dem Melderruhewert
zum Istzeitpunkt und dem Bezugs-Ruhewert gebildet ist.
[0012] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden in vorteilhafter Weise aus der berechneten
voraussichtlichen Funktionsdauer der einzelnen Melder diejenigen Melder ermittelt
und angezeigt, welche bis zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt, z.B. die Zeitspanne
bis zur nächsten Wartung, die jeweils vorgegebene Funktionsschwelle erreichen oder
überschreiten.
[0013] Ein weiterer Vorteil ist in dem erfindungsgemäßen Verfahren dadurch gegeben, daß
in Abhängigkeit von der ermittelten Funktionsdauer der einzelnen Melder die Zeit bis
zum nächsten Wartungstermin hergeleitet werden kann.
[0014] Anhand von Diagramm-Zeichnungen wird das erfindungsgemäße Verfahren im folgenden
kurz erläutert. Dabei zeigen
Fig.1 und 2 den Einfluß der Verschmutzung auf einen bekannten Grenzwertmelder mit
größerwerdender Empfindlichkeit in Fig. 1 und mit kleiner werdender Empfindlichkeit
in Fig. 2,
Fig. 3 und 4 den Einfluß der Verschmutzung auf einen bekannten Pulsmelder mit konstant
bleibender Empfindlichkeit, jedoch mit größer werdendem Melderruhewert in Fig. 3 und
mit kleiner werdendem Melderruhewert in Fig.4 und
Fig. 5 ein Diagramm zur Vorausbestimmung der voraussichtlichen Funktionsdauer.
[0015] In den Fig. 1 und 2 ist jeweils der Meldermeßwert MW über der Zeit t, die je nach
Einsatzbedingungen Monate oder Jahre betragen kann, aufgezeichnet. In Fig.1 ändert
sich der Meldermeßwert MW aufgrund der Verschmutzung des Grenzwertmelders, wobei die
Empfindlichkeit größer wird. Vom Ausgangsmeßwert MWa steigt über einen bestimmten
Zeitraum hinweg der Meldermeßwert MW an und überschreitet dann eine obere Überwachungsschwelle
ÜSo, die andeuten soll, daß oberhalb dieser Schwelle der Melder nicht mehr funktionstüchtig
ist. Zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt tAL erreicht er die Alarmschwelle AS und
gibt somit aufgrund der Empfindlichkeitsvergrößerung einen Fehlalarm F-AL ab.
[0016] In der Fig.2 ist der Einfluß der Verschmutzung auf den Grenzwertmelder mit Meldermeßwert
MW und kleiner werdender Empfindlichkeit dargestellt. Aufgrund der Verschmutzung ändert
sich der Meldermeßwert MW von einem Ausgangsmeßwert MWa nach unten und erreicht zu
einem Zeitpunkt tK eine untere Überwachungsschwelle ÜSu, was in der Regel zu keiner
Meldung führt. Auch diese Schwelle soll andeuten, daß unterhalb der Schwelle der Melder
nicht mehr richtig funktioniert. Kann ein solcher Grenzwertmelder keine Meldung darüber
abgeben, daß seine Empfindlichkeit eine untere Überwachungsschwelle ÜSu überschritten
hat, so verbleibt in nachteiliger Weise der Melder bis zum nächsten Tauschzyklus in
der Anlage und eine eintretende Gefahr kann nicht mehr angezeigt werden, weil die
Alarmschwelle AS auch bei vorhandenem Gefahrenereignis nicht mehr erreicht und ein
Alarm somit nicht mehr angezeigt wird. Nur wenn diese Überwachungsschwellen zu einer
Meldung führen, könnte der verschmutzte Melder rechtzeitig getauscht werden.
[0017] In den Figuren 3 und 4 wird der Einfluß der Verschmutzung auf einen Pulsmelder, bei
dem die Melderempfindlichkeit bekanntermaßen konstant bleibt, betrachtet. Über der
Zeit t (Monate oder Jahre) ist der Melderruhewert RW ausgehend von einem Anfangswert
RWa aufgetragen. Der eigentliche Arbeitsbereich AB des Melders ist durch eine obere
und untere Wartungsschwelle WSo und WSu begrenzt. Ferner ist ein Störungsbereich SB
vorgegeben, der einmal von einer oberen Störungsschwelle STo und einer unteren Störungsschwelle
STu begrenzt wird. Dazwischen liegt jeweils ein Wartungsbereich WB. Diese Schwellen
sind wie bekannt in der Gefahrenmeldeanlage in der Zentrale für jeden Melder vorgegeben.
[0018] Da bei der bekannten Pulsmeldetechnik der Melderruhewert RW nachgeführt wird und
entsprechend "gleitend" auch die Alarmberechnungsschwelle ABS mitgeführt wird, bleibt
die Melderempfindlichkeit über den gesamten Arbeitsbereich konstant.
[0019] In Fig. 4 ist der Einfluß der Verschmutzung mit kleiner werdendem Melderruhewert
in ganz ähnlicher Weise wie in Fig.3 bei größer werdendem Melderruhewert dargestellt.
Überschreitet der Melderruhewert RW aufgrund der Verschmutzung seinen Arbeitsbereich
AB, so wird zuerst die Wartungsschwelle WSu überschritten, was angezeigt wird, und
später die Störungsschwelle Stu überschritten, die ebenfalls angezeigt wird. Zumindest
zu diesem Zeitpunkt muß der Melder ausgetauscht werden.
[0020] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird die voraussichtliche Funktionsdauer errechnet
nach folgender Beziehung:

In Fig. 5 ist der Ruhewert RW über der Zeit t aufgetragen. Der Arbeitsbereich AB des
Pulsmelders ist von der oberen und unteren Störungsschwelle STo und STu begrenzt und
kennzeichnet den Störungsbereich SB. Zum sich verändernden Melderruhewert RW ist die
gleitende Alarmberechnungsschwelle ABS eingezeichnet. Die Ruhewertsveränderung in
der Vergangenheit tV wird ab einem bestimmten Bezugszeitpunkt tb bis zu einem bestimmten
Ist-Zeitpunkt tx ermittelt. Zum Ist-Zeitpunkt tx, der beispielsweise der Wartungszeitpunkt
sein kann, ergibt sich ein Ist-Ruhewert RWx. Durch Extrapolation kann dann nach der
angegebenen Gleichung die Funktionsdauer tF bis zur Funktionsschwelle FS errrechnet
werden. Bei ansteigender Ruhewertveränderung ist dies die obere Funktionsschwelle
SFo, wie in Fig. 5 gezeigt, bei fallender Ruhewertveränderung ist dies die untere
Funktionsschwelle SFu. Aufgrund dieser berechneten voraussichtlichen Funktionsdauer
jedes Melders werden diejenigen Melder der Gefahrenmeldeanlage ermittelt und angezeigt,
welche bis zu einer bestimmten Zeitspanne, die beispielsweise der Abstand zwischen
zwei Wartungsintervallen sein kann, oder innerhalb dieser Zeit die Funktionsschwelle
erreichen bzw. überschreiten.
[0021] In Fig. 5 ist die Ruhewertänderung für annähernd linearen Verlauf dargestellt. Verläuft
die Änderung des Ruhewerts aufgrund der Verschmutzung nicht linear, so kann das erfindungsgemäße
Verfahren ebenso angewandt werden. Es muß dann dieser Verlauf durch eine passende
mathematische Funktion für die Ruhewertänderung angenähert werden. Aus dem Schnittpunkt
dieser Kurve mit der Funktionsschwelle ergibt sich dann wieder die wahrscheinliche
Funktionsdauer des Melders.
1. Verfahren zur Vorausbestimmung der wahrscheinlichen Zeitdauer bis zu einer nicht mehr
zulässigen Empfindlichkeitsveränderung, d.h. Funktionsdauer, von Gefahrenmeldern einer
Gefahrenmeldeanlage, die mit Ruhewertnachführung arbeitet,
dadurch gekennzeichnet, daß für jeden Melder aus seiner Ruhewertsveränderung (RWx - RWb) über einen bestimmten
Vergangenheits-Zeitraum (tV) und seiner vorgegebenen Funktionsschwelle (FS) durch
Extrapolation die wahrscheinliche Funktionsdauer (tF) ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Funktionsdauer (tF) errechnet wird aus der Differenz von Ist-Zeitpunkt (tx)
und Bezugs-Zeitpunkt (tb) multipliziert mit dem Quotienten aus der Differenz von Funktionsschwelle
(FS) und Melderruhewert zum Ist-Zeitpunkt (RWx) und der Differenz vom Melderruhewert
zum Ist-Zeitpunkt (RWx) und Bezugs-Ruhewert (RWb).
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß bei ansteigender Ruhewertsveränderung eine obere Funktionsschwelle (FSo) zugrundegelegt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß bei fallender Ruhewertveränderung eine untere Funktionsschwelle (FSu) zugrunde
gelegt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß aus der berechneten voraussichtlichen Funktionsdauer der einzelnen Melder diejenigen
Melder der Gefahrenmeldeanlage ermittelt und angezeigt werden, welche bis zu einem
bestimmten späteren Zeitpunkt, beispielsweise Zeitspanne bis zur nächsten Wartung,
die vorgegebene Funktionsschwelle erreichen oder überschreiten.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß in Abhängigkeit von der ermittelten Funktionsdauer der einzelnen Melder Wartungstermine
hergeleitet werden.